Alexander Langhorst  Alexander LanghorstFilter zurücksetzen

23.08.2019
10:42
 

Wirtschaftsgeschichte - DOKU - "Der Stahlbaron - Hermann Röchling"

Hier ein Hinweis auf einen sehr sehenswerten Beitrag der ARD mit dem Titel "Der Stahlbaron" der unter diesem Link abrufbar ist.

"Der Film erzählt die Geschichte des skrupellosen Stahlunternehmers Hermann Röchling, dem es immer wieder gelang, zugunsten seines Unternehmens in politische Prozesse einzugreifen. Die Familie Röchling war in der Vergangenheit u.a. auch Hauptaktionär der im MDAX notierten Rheinmetall AG."

 

Alexander Langhorst

02.07.2019
09:17
 

ARD-Doku - "Diesel-Affäre bei Audi hat offenbar weit größere Ausmaße"

Aus gegebenem Anlass ein sehr sehenswerter Beitrag der ARD zur Thematik "Diesel-Affäre" bei der Audi AG, der unter diesem Link abrufbar ist.


Diesel-Affäre bei Audi hat offenbar weit größere Ausmaße

Diesel-Affäre bei Audi hat offenbar weit größere Ausmaße Der Ingolstädter Autobauer Audi hat in der Abgasaffäre offenbar umfassender manipuliert als bislang bekannt. Das haben gemeinsame Recherchen des Bayerischen Rundfunks und des Handelsblatts ergeben. Demnach hat Audi noch bis Anfang 2018 Diesel-Modelle der Abgasnorm Euro-6 verkauft, die nicht nur eine, sondern meist vier unterschiedliche Abschalteinrichtungen nutzen. BR Recherche wertete Tausende von Dokumenten aus, die Informanten den Investigativjournalisten zugespielt hatten. Der Film zur Recherche "Der Fall Audi" wird als "Story im Ersten" am Montag, 1. Juli 2019, um 22:45 Uhr in der ARD ausgestrahlt. Weitere Sendungen in ARD und BR beschäftigen sich ebenfalls mit dem Thema. "Der Fall Audi" ist in der ARD-Mediathek nach Ausstrahlung 12 Monate abrufbar.

Die Filmautoren Arne Meyer-Fünffinger, Josef Streule und Lisa Wreschniok erhielten Einsicht in vertrauliche Protokolle und Präsentationen sowie internen Schriftverkehr. Daraus ergibt sich eine neue, weitaus größere Dimension des Abgasskandals bei Audi. Nach den Recherchen hat Audi noch bis Anfang 2018 Diesel-Modelle der Abgasnorm Euro-6 verkauft, die nicht nur eine, sondern meist vier unterschiedliche Abgasstrategien nutzen. Dadurch sind die Fahrzeuge auf dem Prüfstand sauberer als im Betrieb auf der Straße.

Abschalteinrichtungen auch bei Fahrzeugen von VW und Porsche

Betroffen sind neben verschiedenen Audi-Modellen mit 3.0 und 4.2 Liter-Motoren auch Fahrzeuge der Schwesterunternehmen VW und Porsche. Das geht aus mehreren Bescheiden hervor, die das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) von Oktober 2017 bis Januar 2018 zum Rückruf der betroffenen Dieselautos an die Autohersteller verschickt hat. Die bislang nicht öffentlichen Schreiben an Audi, Porsche und VW liegen dem Bayerischen Rundfunk vor. Sie zeigen: In den Fahrzeugen werden meist vier "Strategien" genutzt, alphabetisch aufgeschlüsselt als "Strategien" A bis D.

Das Kraftfahrt-Bundesamt stuft jeweils nur eine davon, die sogenannte "Aufwärmstrategie" als „unzulässig“ ein. Die anderen "Strategien" kann Audi „freiwillig“ entfernen. Dabei geht aus den Bescheiden hervor, dass die Flensburger Behörde bei den meisten Modellen die "Strategien" nicht selbst technisch geprüft, sondern nach "Aktenlage" entschieden hat. Audi teilt auf Anfrage von BR und Handelsblatt allgemein mit, im Rahmen der technischen Aufklärung der Dieselkrise habe man sich mit dem KBA laufend über die Analyseergebnisse ausgetauscht.

Audi-Fahrer fühlen sich getäuscht, Gutachter kritisiert KBA und Politik

Die Öffentlichkeit wurde bisher durch das dem KBA übergeordnete Bundesverkehrsministerium nur über eine Abschalteinrichtung in den zurückgerufenen Euro-6-Diesel-Modellen von Audi informiert. Audi-Fahrer von betroffenen Fahrzeugen, denen die BR-Reporter den nicht öffentlichen Bescheid gezeigt haben, fühlen sich getäuscht.

Der Jurist Prof. Martin Führ von der Hochschule Darmstadt war Gutachter im Untersuchungsausschuss zum Abgasskandal des Deutschen Bundestages. Er kritisiert das Vorgehen von KBA und Politik, denn es verschaffe Audi womöglich einen großen Vorteil: "Das Unternehmen ist deswegen günstiger gestellt, weil eben nicht klar ausgesprochen ist, dass in vier Fällen ein rechtswidriges Verhalten vorlag, sondern nur in einem. Damit steht man zunächst mal vor den Zivilgerichten günstiger da."

Auf Anfrage von BR und Handelsblatt antwortet das Bundesverkehrsministerium vage, es würden "fortlaufend Fahrzeuge deutscher und internationaler Hersteller untersucht und – falls notwendig – die erforderlichen Maßnahmen durch das KBA konsequent ergriffen".

Ermittelnde Staatsanwaltschaft sah sich zeitweise durch Kraftfahrt-Bundesamt behindert

Die Staatsanwaltschaft München II ermittelt im Dieselskandal bei Audi aktuell gegen 27 Beschuldigte. Aus den vertraulichen Unterlagen zu Audi, die die Filmautoren ausgewertet haben, geht hervor, dass die Staatsanwaltschaft ihre Arbeit durch das Kraftfahrt-Bundesamt zwischenzeitlich sogar behindert sah und harte Sanktionen in Aussicht stellte. Konkret hatte ein Staatsanwalt das KBA aufgefordert, bei Erkenntnissen über illegale Abschalteinrichtungen unmittelbar informiert zu werden – noch bevor Audi oder VW informiert werden. Später erfuhr er jedoch aus den Medien, dass das KBA wegen einer unzulässigen Abschalteinrichtung den Rückruf von Audi-Dieselmodellen veranlasst hatte. Daraufhin wandte er sich mehrfach schriftlich an den KBA-Präsidenten und wies darauf hin, "dass eine nur eingeschränkte Kooperation mit den Strafverfolgungsbehörden (…) den Straftatbestand der (mindestens versuchten) Strafvereitelung erfüllen kann".

Der Film "Der Fall Audi" gibt anhand der internen Dokumente auch Einblick, wie die Diesel-Manipulationen bei Audi begannen und welche Rolle die Unternehmenskultur dabei gespielt hat. Ein Insider, der anonym bleiben will, berichtet von großem Druck, der im VW-Konzern herrschte: "Scheitern ist nicht vorgesehen. Das ist keine Option. Und wenn es passiert, sieht jeder zu, dass er es nicht gewesen ist, weil man weiß, was die Konsequenzen für einen persönlich sind. Im Zweifelsfall waren diejenigen nicht mehr lange da."

 

 

Alexander Langhorst

04.06.2019
15:15
 

Squeeze-out Deutsche Immobilien Holding AG – Gericht erhöht Barabfindung von 2,75 Euro je Aktie auf 6,09 Euro je Aktie - Aktionäre müssen Nachbesserung selbst einfordern

Aus gegebenem Anlass weisen wir auf die heutige Mitteilung der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) e.V. hin - entgegen der üblichen Usancen müssen ehemalige Aktionäre der Deutsche Immobilien Holding AG die gerichtlich festgesetzte Nachbesserung aus dem jüngst beendeten Spruchverfahren selbst gegenüber der Hauptaktionärin Zech Group GmbH, Bremen geltend machen.

 

Squeeze-out  Deutsche Immobilien Holding AG – Gericht erhöht Barabfindung von 2,75 Euro je Aktie auf 6,09 Euro je Aktie

Ehemalige Aktionäre der Deutschen Immobilien Holding AG müssen jedoch aktiv werden, um die Nachbesserung zu erhalten.

Im dem u.a. von der SdK Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger e.V. geführten Spruchverfahren betreffend die Übertragung der Aktien der Minderheitsaktionäre der Deutsche Immobilien Holding AG, Delmenhorst, auf die Hauptaktionärin Zech Group GmbH, Bremen, konnte ein erfreuliches Ergebnis für die freien Aktionäre erreicht werden. Das Hanseatische Oberlandesgericht in Bremen (Az. 2 W 68/18) hat mit Beschluss vom 29. März 2019 die angemessene Barabfindung für die ausgeschlossenen Minderheitsaktionäre der Deutsche Immobilien Holding AG auf 6,09 Euro je auf den Inhaber lautender Stückaktie festgelegt. 

Unter Berücksichtigung des nach der Eintragung des Hauptversammlungsbeschlusses im Handelsregister gezahlten Abfindungsbetrages von € 2,75 je auf den Inhaber lautender Stückaktie ergibt sich in Folge des obigen Beschlusses des Hanseatischen Oberlandesgerichts in Bremen ein Erhöhungsbetrag von € 3,34 je auf den Inhaber lautender Stückaktie. Zudem stehen den Aktionären Zinsen auf den Erhöhungsbetrag zu. Somit konnte von der SdK eine Nachbesserung in Höhe von 152 % (inkl. Zinsen zum 4.6.2019) erstritten werden.  

Abfindungsberechtigt sind alle ehemaligen Aktionäre, die bereits vor dem 28.02.2012 und anschließend ununterbrochen bis zur zwangsweisen Ausbuchung der Aktien Aktionäre der Deutsche Immobilien Holding AG waren. 

Abfindungsberechtigte ehemalige Aktionäre der Deutsche Immobilien Holding AG werden gebeten, sich bezüglich der Zahlung des Erhöhungsbetrages sowie der Zinszahlungen schriftlich und unter Vorlage des Legitimationsnachweises an die Zech Group GmbH, August-Bebel-Allee 1, 28329 Bremen, zu wenden, da eine Zahlung, entgegen des sonst üblichen Verfahrens, nicht automatisch erfolgen wird.

Ihren betroffenen Mitgliedern stellt die SdK ein Musterschreiben zur Forderung der Nachzahlung nebst Zinsen gerne zur Verfügung. Dieses kann unter info@sdk.org angefordert werden. Ebenso steht die SdK Ihren Mitgliedern bei Fragen per E-Mail unter info@sdk.org oder unter der Telefonnummer 089 / 2020846-0 zur Verfügung.

München, den 04.06.2019
SdK Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger e.V.

Hackenstr. 7b
80331 München

Fon: +49 / 89 / 2020846-0
Fax: +49 / 89 / 2020846-10
E-Mail:info@sdk.org

 

Alexander Langhorst

13.05.2019
19:45
 

Auktion historischer Wertpapiere - Bericht zur 52. Auktion der HWPH AG

Aus aktuellem Anlass möchten wir an dieser Stelle auf den kürzlich veröffentlichten Bericht über die 52. Auktion historischer Wertpapiere bei der HWPH AG hinweisen.

Bericht zur 52. Präsenzauktion - VOC-Anleihe mit neuem Rekordpreis!

Die 52. Auktion des Historischen Wertpapierhauses wurde von zahlreichen Medienberichten begleitet und wurde so mit einem Gesamtumsatz von rund 323.000 Euro zu eine der erfolgreichsten Auktionen der HWPH AG. So berichteten unter anderem die Süddeutsche Zeitung, die Welt, n-tv, die Abendzeitung und RTL über die Auktion. Die regionale Main-Post kam zudem mit einem eigenen Reporter zur Auktion und brachte in der Dienstags-Ausgabe einen ausführlichen Artikel. Im Mittelpunkt der Berichterstattung standen die Highlights der Auktion: Die Anleihe der VOC aus dem Jahr 1623, Marilyn Monroe, die auf George Washington ausgestellte Bank of Alexandria, die Iron Bridge sowie die Gasmotoren-Fabrik Mannheim, die Wurzel des deutschen Automobilbaus.(........)

Den kompletten Bericht zur Auktion finden Sie hier 

 

 Alexander Langhorst

18.04.2019
15:34
 

Weiterer Offener Brief von Scherzer & Co. an das LOTTO24 AG Management

Aus aktuellem Anlass möchten wir an dieser Stelle auf den heute veröffentlichten weiteren "Offenen Brief" der Scherzer&Co. AG an das Management der Lotto24 AG im Zusammenhang mit dem laufenden Übernahmeangebot durch ZEAL Network SE hinweisen:

 

Scherzer & Co. AG: Offener Brief an Vorstand und Aufsichtsrat der Lotto 24 AG zum Übernahmeangebot der Zeal Network SE und zur geplanten zukünftigen Zusammenarbeit beider Gesellschaften.

 

Die Scherzer & Co. AG ist langjährige Aktionärin der Lotto24 AG. Sie hat am 18. April nachfolgendes Schreiben an die beiden Vorstände und den Aufsichtsratsvorsitzenden der Gesellschaft per E-Mail versandt.

 

Vorstand und Aufsichtsrat der Lotto24 AG

Straßenbahnring 11

20251 Hamburg

 

Köln, 18. April 2019

 

Übernahmeangebot der Zeal Network SE, geplante zukünftige Zusammenarbeit der Lotto24 AG und der Zeal Network SE

 

Sehr geehrte Frau von Strombeck, sehr geehrter Herr von Zitzewitz, sehr geehrter Herr Professor Berchtold,

 

in einem offenen Brief vom 9. April hatten wir Sie im Zusammenhang mit dem Übernahmeangebot der Zeal Network SE für die Lotto24 AG aufgefordert, den Abschluss eines Beherrschungsvertrages mit der Zeal Network SE einzufordern. Wir hielten und halten dies für dringend geboten, da zwischen beiden Gesellschaften nach Abschluss des Übernahmeverfahrens allerengste Geschäftsbeziehungen geplant sind und gleichzeitig Zeal Network mehr als 90% der Aktien von Lotto24 halten wird. Geplant ist u.a. der Abschluss eines sogenannten Co-Operation & Brokerage ("C&B") Agreement. Dieses soll die Bedingungen verbindlich regeln, zu denen die Lotto24 AG bisherige Kunden von Zeal Network gegen Zahlung von ggf. produktspezifischen Provisionen auf die mit diesen Kunden erzielten Umsätze übernimmt. Wir hatten Sie in unserem Schreiben vom 9. April aufgefordert, die wesentlichen wirtschaftlichen Eckpunkte des C&B Agreements noch vor Ende des Übernahmeverfahrens, also bevor es eine Beherrschung der Lotto24 durch Zeal gibt, zu vereinbaren.

In Ihrem Antwortschreiben vom 9. April legen Sie dar, dass der Abschluss eines Beherrschungs- oder Gewinnabführungsvertrages auf Vorschlag von Lotto24 bereits Ende letzten Jahres intensiv mit Zeal diskutiert wurde, letztendlich Zeal aber den Abschluss eines solchen Vertrages abgelehnt habe. Vor dem Abschluss eines C&B Agreements, so argumentieren Sie in Ihrer Antwort, seien eine Vielzahl von Vorfragen zu klären, bevor die kommerziellen Eckpunkte festgelegt werden können. Wir schließen daraus, dass Sie einen kurzfristigen Abschluss der Vereinbarung für unwahrscheinlich halten, jedenfalls nicht mehr während der Nachfrist des laufenden Übernahmeangebotes.

Letztendlich werden Sie also vor der Situation stehen, mit einem Ihrer schärfsten Konkurrenten, der gleichzeitig über 90% der Aktien unserer Gesellschaft hält, einen die Zukunft von Lotto24 bestimmenden Vertrag zu verhandeln. Wir halten die damit für Sie verbundenen Interessenkonflikte für kaum lösbar, zumal erschwerend hinzukommt, dass Sie, sehr geehrte Frau von Strombeck, und Sie, sehr geehrter Herr von Zitzewitz, nach einer Schamfrist im Management beider Gesellschaften vertreten sein werden. Wir stellen uns an dieser Stelle bereits die Frage, ob Sie einen solchen Vertrag unter fremden Dritten, also etwa mit Ihrem Wettbewerber Lottoland, überhaupt nur in Erwägung ziehen würden.

Zeal Network hat in den vergangenen Jahren durch die gewählte Struktur eines Zweitlotterienanbieters mit Sitz in Großbritannien kaum an der hervorragenden Entwicklung von Online-Lotto in Deutschland partizipieren können. Dazu kommen steuerliche und regulatorische Probleme, die die Wettbewerbsposition von Zeal im Vergleich zu Lotto24 geschwächt haben und zukünftig weiter schwächen werden. Letztlich erfolgt das Übernahmeangebot an die Aktionäre von Lotto24 aus der schieren Not. Es kann nicht sein, dass unsere Gesellschaft der Zeal zum Nachteil von uns Streubesitzaktionären als Steigbügelhalter wieder in den Sattel hilft.

Wir fordern Sie daher auf,

- den Abschluss eines Co-Operation & Brokerage Agreement oder ähnlich weitreichender Vereinbarungen mit der Zeal Network SE vom vorherigen Abschluss eines Beherrschungs- oder Gewinnabführungsvertrages abhängig zu machen oder und nur hilfsweise,

- falls Sie tatsächlich der Auffassung sind, eine solche Vereinbarung mit Zeal verhandeln zu können, die Lotto24 auch mit einem fremden Dritten abschließen würde, den Streubesitzaktionären alle notwendigen Informationen, insbesondere wirtschaftliche Details einer solchen Vereinbarung, zur Verfügung zu stellen, die notwendig sind, um die Vorteilhaftigkeit für Lotto24 einschätzen zu können. Wir halten in diesem Fall eine Sonderprüfung der vertraglichen Regelungen durch einen neutralen Dritten, bei dessen Auswahl wir gerne behilflich sind, für geboten.

 

Sehr geehrte Frau von Strombeck, sehr geehrter Herr von Zitzewitz, sehr geehrter Herr Professor Berchtold. Sie haben in den vergangenen gut sechs Jahren gemeinsam mit Ihren Mitarbeitern großartiges geleistet und Lotto24 zu dem führenden deutschen Online-Vermittler von Lotterieprodukten aufgebaut. Wir haben diesen Weg als sehr zufriedene Aktionärin von Anfang an begleitet, sehen nun aber die Gefahr, dass die Gesellschaft und ihre Streubesitzaktionäre durch die geplante enge Verbandelung mit ihrer zukünftigen Muttergesellschaft um die Früchte dieser Aufbauarbeit gebracht werden. Sehr geehrter Herr Professor Berchtold, Ihnen als einzigem verbliebenem Organ der Lotto24, das als uneingeschränkt der Gesellschaft verpflichtet und frei von Interessenkonflikten gelten kann, kommt dabei eine ganz besondere Verantwortung zu.

Mit freundlichen Grüßen

 

Dr. Georg Issels                       Hans Peter Neuroth

Vorstand                                    Vorstand

Scherzer & Co. AG                  Scherzer & Co. AG

 

(Quelle: www.dgap.de)

Hinweis: Dr. Georg Issels ist Aufsichtsratsvorsitzender der GSC Holding AG, Düsseldorf. Die GSC Holding AG ist Muttergesellschaft der GSC Research GmbH.

 

Alexander Langhorst

08.04.2019
13:00
 

Offener Brief von Scherzer & Co AG an das Lotto24 Management

Aus aktuellem Anlass möchten wir an dieser Stelle auf den heute veröffentlichten "Offenen Brief" der Scherzer&Co. AG an das Management der Lotto24 AG im Zusammenhang mit dem laufenden Übernahmeangebot durch ZEAL Network SE hinweisen:

 

Scherzer & Co. AG: Offener Brief an Vorstand und Aufsichtsrat der Lotto 24 AG zum Übernahmeangebot der Zeal Network SE und zur gemeinsamen begründeten Stellungnahme des Vorstands und des Aufsichtsrates der Lotto24 AG zu diesem Übernahmeangebot

 

Die Scherzer & Co. AG ist langjährige Aktionärin der Lotto24 AG. Sie hat am 2. April nachfolgendes Schreiben an die beiden Vorstände und den Aufsichtsratsvorsitzenden der Gesellschaft per E-Mail versandt, das bis heute ohne jede Reaktion blieb.

 

Vorstand und Aufsichtsrat der Lotto24 AG

Straßenbahnring 11

20251 Hamburg

 

Köln, 02. April 2019

 

Übernahmeangebot der Zeal Network SE, gemeinsame begründete Stellungnahme des Vorstands und des Aufsichtsrates

 

Sehr geehrte Frau von Strombeck, sehr geehrter Herr von Zitzewitz, sehr geehrter

Herr Professor Berchtold,

wie Sie wissen, ist die Scherzer & Co. AG seit der Abspaltung von Tipp24 Aktionärin der Lotto24 AG und hält derzeit einen Anteil am Grundkapital von ca. 0,6%. Daneben gibt es eine Reihe von Aktionären in unserem Einflussbereich. Eine abschließende Entscheidung, ob die Scherzer & Co. AG das Tauschangebot annehmen wird, haben wir noch nicht getroffen. 

Nach Abschluss des laufenden Übernahmeangebotes wird die Zeal Network SE mit hoher Wahrscheinlichkeit eine qualifizierte Mehrheit an der Lotto24 AG halten. Gleichzeitig wird es umfangreiche Geschäftsbeziehungen zwischen beiden Gesellschaften geben, die im Detail jedoch erst nach Abschluss des Übernahmeverfahrens konkretisiert und vereinbart werden sollen. Auch wenn wir selbstverständlich darauf vertrauen (und auch ein sehr wachsames Auge darauf haben werden, sofern wir Aktionär der Lotto24 bleiben), dass alle Bedingungen der Zusammenarbeit zwischen Zeal Network und Lotto24 Drittvergleichsmaßstäben und den in einem faktischen Konzern geltenden gesetzlichen Anforderungen gerecht werden, halten wir den Abschluss eines Beherrschungsvertrages angesichts der zukünftig extrem engen Geschäftsbeziehungen zwischen beiden Gesellschaften für dringend geboten und fordern Sie auf, eine entsprechende Absichtserklärung von Zeal Network einzufordern.

Derzeit setzen wir uns intensiv mit dem Übernahmeangebot der Zeal Network SE und in diesem Zusammenhang mit Ihrer gemeinsamen Stellungnahme zu diesem Angebot auseinander. Insbesondere die gemeinsame Stellungnahme lässt eine Fülle von Fragen offen, deren Beantwortung aus unserer Sicht für die Entscheidungsfindung, ob man als Lotto24-Aktionär das Tauschangebot annehmen sollte oder nicht, essentiell ist und die wir auch nicht in einem Telefonat mit Ihnen, Frau von Strombeck und Herrn Dr. Becker, CEO Zeal Network, klären konnten. Wir wollen an dieser Stelle nicht ins Detail gehen, möchten aber auf einen Punkt, der uns besonders wichtig erscheint, eingehen: 

Auf Basis der Grundsätze der Zusammenarbeit soll laut gemeinsamer begründeter Stellungnahme des Vorstands und des Aufsichtsrates der Lotto24 AG nach Vollzug des Tauschangebots zwischen der Zeal Network und der Lotto24 AG ein "Co-Operation & Brokerage Agreement" ("C&B Agreement") geschlossen werden. Dieses soll die Bedingungen verbindlich regeln, zu denen die Lotto24 AG bisherige Kunden von myLotto24 und Tipp24 Services gegen Zahlung von ggf. produktspezifischen Provisionen auf die mit diesen Kunden erzielten Umsätze übernimmt. Alternativ könnte das C&B Agreement auch die Form einer Lizenzvereinbarung zur Kundennutzung haben. Der Abschluss des C&B Agreement steht noch aus; derzeit sind zwischen den Parteien keine Gespräche über dessen konkrete Bedingungen geführt oder Entwürfe ausgetauscht worden. Gleichzeitig wird in Ihrer Stellungnahme ausgeführt, dass die wirtschaftlichen Konditionen des C&B Agreements im Nachhinein entscheidenden Einfluss auf die Bewertung der beiden Unternehmen haben können. Wir interpretieren Ihre Stellungnahme so, dass aus Sicht von Lotto24 so schlechte Konditionen vereinbart werden könnten (vgl. Abschnitt IV, 3.5.1 und Abschnitt IX. Ihrer Stellungnahme), dass die Bewertung der Angemessenheit der Angebotsgegenleistung in einer Rückschau anders, nämlich negativ, von Ihnen zu beurteilen wäre.

Wir fordern Sie daher auf, noch vor Ablauf der Annahmefrist, also, solange Sie noch über jeden Zweifel erhaben sind, als Organe der Lotto24 AG unabhängige Entscheidungen zum Wohle aller Aktionäre zu treffen, die wesentlichen wirtschaftlichen Eckpunkte des C&B Agreements zu vereinbaren und auf dieser Basis Ihre gemeinsame begründete Stellungnahme zu aktualisieren.

 

Mit freundlichen Grüßen

  

Dr. Georg Issels                     Hans Peter Neuroth      

Vorstand                                  Vorstand

Scherzer & Co. AG                Scherzer & Co. AG

  

(Quelle: www.dgap.de)

 

Hinweis: Dr. Georg Issels ist Aufsichtsratsvorsitzender der GSC Holding AG, Düsseldorf. Die GSC Holding AG ist Muttergesellschaft der GSC Research GmbH.

 

Alexander Langhorst

31.03.2019
18:02
 

Bankgeschichte - "Das viktorianische Internet (Telegrafie)"

Eine sehr lesenswerte Publikation ist zu Jahresbeginn 2019 von der Historischen Gesellschaft der Deutschen Bank e.V.erschienen. Der Blick in die Historie des deutschen Branchenprimus ist dabei sicherlich weitaus erfreulicher als die aktuelle Meldungslage aus den Zwillingstürmen. Der aktuelle Rundbrief befasst sich mit dem spannenden Thema "Das viktorianische Internet (Telegrafie)" und kann hier abgerufen werden.

Weitere interessante Publikationen zur Geschichte der Deutschen Bank, den handelnden Personen der vergangenen bald 150 Jahre sowie sämtliche Geschäftsberichte seit 1870 als PDF-Dokument sind unter www.bankgeschichte.de verfügbar.


Alexander Langhorst

04.03.2019
12:25
 

Die Berater der Reichen und Mächtigen – Die Macht der “Big Four” | WDR Doku

Eine sehenswerte Dokumentation über die großen vier weltweit tätigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften hat der WDR auf Basis einer umfangreichen Recherche von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung veröffentlicht:

 

Vier Firmen. Fast eine Million Mitarbeiter weltweit. Aktiv in mehr als 180 Ländern. Ein Umsatz von fast 130 Milliarden Euro pro Jahr.

 

Hier gehts zur Doku auf Youtube - (https://www.youtube.com/watch?v=leWKpkPUgkE&t=153s)

 

Man nennt sie die “Big Four”: die vier größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften der Welt. Diese vier Firmen prüfen weltweit die Bilanzen nahezu aller multinationalen Konzerne. Und sie prüfen Konzerne nicht nur, sie beraten sie auch – unter anderem wie man Steuerschlupflöcher in Gesetzen nutzen kann. Und schließlich beraten sie auch noch die Politik, die diese Gesetze macht. Kaum einer hat so viel Einblick. Sie haben Herrschaftswissen. Sie haben Macht.

 

Sie beraten Unternehmen und Regierungen und haben Herrschaftswissen: die vier weltweit größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften.Sie haben Herrschaftswissen: die vier weltweit größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften.

Schätzungen gehen von bis zu einer Billion europaweit entgangenen Steuern aus. Bei den Steuersparmodellen großer Konzerne spielen die Berater eine Schlüsselrolle, meint die britische Parlamentarierin Margaret Hodge. Sie hat zahlreiche Untersuchungsausschüsse geleitet, in denen die Verwicklung der Big Four in Steuerskandale analysiert wurde: “Hinter dieser massiven Steuervermeidungsindustrie steckt ein System. Wenn sie es verstehen wollen, müssen Sie die Rolle der Beraterfirmen unter die Lupe nehmen. Allen voran die Big Four”.

 

In einer umfangreichen Recherche wollen Reporter von WDR, NDR und Süddeutsche Zeitung herausfinden: Wie mächtig sind diese Beraterfirmen wirklich? Wie arbeiten sie genau? Und welche Rolle spielen sie im schier endlosen Kampf gegen Steuerflucht?

(Quelle: WDR)

 

Alexander Langhorst

01.02.2019
13:15
 

Bankenfusion | was passiert mit DWS

Bankenfusion | was passiert mit DWS

 

Die Schlagzeilen überschlagen sich geradezu dieser Tage. Wer hier wann mit wem gesprochen haben soll. Die Deutsche Bank, Commerzbank, der Finanzminister, auch Cerberus soll mit von der Partie sein. Nachdem sich zuvor ein mögliches Zusammengehen von UBS und Deutsche Bank mangels Interesse der Schweizer in Wohlgefallen auflöste, wird anscheinend derzeit auf Druck der Bundesregierung versucht, einen „deutschen Champion“ aus den beiden wankenden Lokalmatadoren Commerzbank und Deutsche Bank zu formen. Wobei sich die Commerzbank bezeichnender Weise auch noch zu über 15 Prozent im Besitz der Bundesrepublik Deutschland befindet.

Soweit bekannt verfügt die Commerzbank derzeit über keine eigene Fondsgesellschaft, anders als die Deutsche Bank, die ihre Fondstochter DWS, mit vollen Namen „Deutsche Gesellschaft für Wertpapiersparen“ (ehem. Deutsche Asset Management), erst im April 2018 an die Börse brachte.

Idealer Weise darf man unterstellen, dass sich durch eine Fusion der beiden Bankhäuser die potentielle Kundenbasis der DWS merklich vergrößern würde, was sich positiv aufs Geschäft, und in Folge dessen auch auf den Kurs auswirken würde.

Seit dem Börsengang ging es mit dem Kurs der DWS Group stetig bergab. Die DWS Aktie verlor seit dem IPO rund 32 Prozent an Wert und konnte sich erst in den letzten Tage, vermutlich als Reaktion auf die wieder aufflammenden Fusionsgerüchte, stabilisieren. Bis dahin litt der Kurs unter dem mauen Börsenumfeld 2018, den Führungs- und Reputationsdebakel im Mutterhaus Deutsche Bank, sowie an markanten Mittelabflüssen, wie sie die gesamte Fondsbranche in den letzten Monaten zu verzeichnen hatte.

Selbst der Führungswechsel bei der DWS von Nicolas Moreau zu Asoka Wöhrmann konnte den Kursverlauf der DWS Aktie im Herbst nur kurz beleben. Danach ging der Aktienkurs mit gewohnter Tristes weiter gen Süden, wo er am 15.01.2019 bei 22,435 EUR auf Xetra seinen vorläufigen Tiefststand markierte.

Stabilisierend wirkt sich momentan sehr wahrscheinlich die zu erwartende Dividende aus, auf welche die chronisch bedürftige Deutsche Bank als Großaktionär sicherlich bestehen wird. Zu erwarten ist eine Dividende von 1,37 EUR/Aktie, was bei Kursen um EUR 23,50 einer Dividendenrendite von 5,8 Prozent entspricht.

Aus Perspektive der attraktiven Dividendenrendite ist die DWS derzeit sicher einen Blick wert. Aber auch die potentiell nach einer Fusion erreichbaren Commerzbankkunden sollten der DWS-Aktie zuträglich sein.

Nach letzten Meldungen verwaltet die DWS ein Vermögen von rund 662 Mrd. EUR und gehört damit noch nicht mal zur Top-Ten der weltgrößten Vermögensverwalter, aber immerhin noch mit Platz 19 zu den Top-20. Unter den rein europäischen Fondshäusern kommt die DWS auf einen respektablen dritten Rang. Zum Vergleich: der Europäische Spitzenreiter der Fondsbranche, Amundi, verwaltet über 1.100 Mrd. EUR und war Anfang 2018 damit weltweit die Nummer elf.

Rein hypothetisch: Würden die beiden großen deutschen Geldhäuser zusammenspannen, hätte die DWS Group ein um gut 50% größeres Feld an hauseigenen Kunden zu beackern.

Bereinigt um Redundanzen kommt die Deutsche Bank inkl. der Postbank auf rund 20 Mio. Privatkunden. Die Commerzbank kommt, sehr wahrscheinlich einschließlich M.Bank, comdirect und OnVista, auf 13 Mio. Kunden – privat, wie gewerblich. Auch wenn es mangels klarer Angaben seitens der Banken etwas von „Äpfel mit Birnen vergleichen“ hat, wird doch klar, das hier eine massive Ausweitung der „hausinternen“ Kundenbasis bevor stünde, käme die Fusion zustande.

Ob es reicht, den Mittelabflüssen entgegenzuwirken, wird sich zeigen, darf aber angenommen werden. Schon im Q3 Bericht 2018 peilt die DWS für 2019 Nettomittelzuflüsse in Höhe von 2-3 Prozent an. So oder so, zumindest würde die DWS dichter an den Platzhirsch Amundi heranrücken.

Ob die Wachstumsziele nach dem nun vorliegenden Jahreszahlen der DWS für 2018 noch Bestand haben, darf bezweifelt, zumindest aber als ambitioniert betrachtet werden. Immerhin hatte die DWS 2018 insgesamt 22,3 Mrd. Euro bzw. rund 3,2 Prozent an Mittelabflüssen zu verkraften.

Apropos Mittelabflüsse: Wo fliesen die Mittel denn hin? Offensichtlich nicht zur Konkurrenz. Auch ein reiner Wechsel der Asset-Klasse scheidet weitgehend aus, da die meisten Fondshäuser sowohl Aktien- und Anleihe- als auch Immobilienfonds im Angebot haben. Bleibt eigentlich nur die Direktanlage in Aktien, Anleihen oder Immobilien. Oder der Abbau von Schulden, wenn die Mittelabflüsse in die Tilgung etwaiger Kredite fließen. Und schaut man sich die Entwicklung bei Wertpapierkrediten und Immobilienpreisen an, scheint genau das zu passieren.

Ein anderes, nicht minder spannendes Szenario für die DWS Group wäre der Weg „back to the roots“, sollte die Fusion ausbleiben, oder unter kartellrechtlichen Auflagen die (teilweise) Trennung der Deutschen Bank von der DWS verlangt werden.

Denn damals, als die DWS am 22. Mai 1956 in Hamburg gegründet wurde, war sie Diener mehrerer Herrn . Auf die Deutsche Bank entfielen „nur“ 30 Prozent der Anteile. Weitere Gründer und Mitaktionäre waren u.a. die August Thyssen Bank, das Bankhaus Donner, Delbrück, die Berliner Disconto Bank, Sal. Oppenheim, Georg Hauck & Sohn, die Metallgesellschaft, sowie das Bankhaus Metzler. Gut vorstellbar, und von der Deutschen Bank beim DWS-IPO ja auch nicht gänzlich ausgeschlossen, dass bei DWS auch wieder andere Großaktionäre mit an Bord gehen, sollten mögliche Fusionsgespräche oder andere Umstände dies erforderlich machen.

Fazit | Sollte es die DWS schaffen, von dem jetzigen Niveau die einst avisierten 2-3 Prozent Wachstum bei den verwalteten Kundengeldern zu generieren, wäre schon das allein ein Lichtblick. Darüber hinaus ist CEO Wöhrmann bestrebt, die Kosten noch weiter zu reduzieren, um auch auf der Ergebnisseite attraktiver zu werden, was wiederum Einfluss auf eine nachhaltige Dividendenpolitik im Hause DWS hätte.

Betrachtet man noch die oben skizzierten Szenarien, wie den Windfall-Effekt nach einer Fusion der Deutschen Bank mit der Commerzbank, oder einer wie auch immer gearteten Veränderung im Aktionariat der DWS, mit entsprechenden Optionen für den Fonds-Vertrieb, kann man der jetzigen Situation, den Blick vorwärts gerichtet, auch etwas positives abgewinnen. Besonders nach den heute veröffentlichten Jahreszahlen 2018 der DWS. Die Kursreaktion darauf hätte durchaus schlimmer ausfallen können.

Karsten Koos ist Vorstand der five-alive AG, Social Trader auf wikifolio.com und über das Family Office "five-alive" Anteilseigner der GSC Holding AG.

Das five-alive wikifolio hält bei Redaktionsschluss Aktien der DWS Group

Hinweis: Der Artikel wurde mit größter Sorgfalt erstellt. Für die Richtigkeit der in der Analyse enthaltenen Aussagen, Prognosen und Angaben wird jedoch keine Gewähr übernommen. Der Inhalt dient lediglich der Information und beinhaltet keine Vermögensberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder anderen Finanzprodukten. Eine Haftung für Vermögensschäden ist ausgeschlossen. Der Autor erklärt, dass er, oder ihm nahestehende Personen oder Institutionen im Besitz von Finanzinstrumenten sein können, auf die sich dieser Artikel bezieht. Hierdurch besteht die Möglichkeit eines Interessenkonfliktes.

 

10.01.2019
19:45
 

Der Tod der Inhaberaktie (aus dem DVFA Blog)

Im aktuellen News-Blog der DVFA ist jüngst ein ausgesprochen lesenswerter Beitrag von Peter Thilo Hasler zum Thema Inhaberaktie und aktuellen Überlegungen des Gesetzgebers erschienen, auf den an dieser ausdrücklich hingewiesen werden soll.

Neben den angesprochenen Themenfeldern stellt sich natürlich im Angesicht der aktuellen Ereignisse einmal mehr auch die Frage, wie die "Sicherheit der persönlichen Daten" die wieder einmal nach Vorstellung des Gesetzgebers gesammelt werden dann auch sichergestellt werden kann. Berechtigte Zweifel sind hier wohl mehr als angebracht. 

 

Der Tod der Inhaberaktie

Liebe Investment Professionals,

weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit ist vor einigen Wochen ein Referentenentwurf des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz veröffentlicht worden, durch den nichts weniger als der Tod der Inhaberaktie besiegelt werden wird. Die Anonymität des Aktionärs gehört, sollte der Referentenentwurf in der vorgelegten Form umgesetzt werden, endgültig der Vergangenheit an.

Mit Verweis auf nicht näher konkretisierte „Aktionärsrechte“ soll ins Aktiengesetz der neue Paragraph § 67d AktG eingefügt werden, mit dem der Informationsanspruch der Gesellschaft gegenüber Intermediären geregelt wird. Danach kann eine börsennotierte Gesellschaft den Finanzintermediär, der Aktien der Gesellschaft verwahrt, dazu auffordern, detaillierte Angaben zu den persönlichen Daten der Aktionäre weiterzugeben, insbesondere Namen, Vornamen und Postanschrift, aber auch E-Mail-Adressen und selbst die Geburtsdaten der Anleger.

Begründet wird diese Neuregelung mit dem Ziel einer besseren Identifikation und Information der Aktionäre. Mit dem Argument des „Know your shareholder“ wird aus der Informationsverpflichtung des Emittenten gegenüber dem Kapitalmarkt als Ganzem, wie sie bereits in verschiedenen Gesetzestexten und Verordnungen, u. a. dem WpÜG, der MAR oder dem WpHG, im Detail festgelegt sind, eine Informationspflicht gegenüber dem individuellen Aktionär abgeleitet.

Nun könnte man dagegen halten, dass Inhaberaktien ohnehin von Namensaktien immer mehr verdrängt werden – so ist im DAX inzwischen bereits mehr als die Hälfte aller enthaltenen Werte Namensaktien –, dass Namensaktien in angelsächsischen Ländern schon längst den Normalfall darstellen oder einfach, dass Namensaktien das überlegene Vehikel darstellen: Schließlich sind Namensaktionäre dem Unternehmen bekannt, wodurch Kosten etwa bei der Einladung zur Hauptversammlung eingespart oder die „Anschleichversuche“ potenzieller Unternehmenskäufer verhindert werden können.

Inwiefern aber für die Informationsversorgung des Aktionärs die Kenntnis selbst persönlicher Daten bis hin zum Geburtstag erforderlich ist, bleibt das Geheimnis des Ministeriums. Ebenso ungeklärt ist auch die Frage, warum die Informationsverpflichtung auf die Eigentümer börsennotierter Aktiengesellschaften beschränkt bleibt und nicht auch andere Gesellschaftsformen gleich miteinbezogen werden.

Ganz im Sinne des aus dem Schafkopf bekannten „Ober sticht Unter“-Prinzips wird mit der Neuregelung auch gleich die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) gekippt. Dort genießen Privatanleger – das wird uns seit Mai letzten Jahres pausenlos eingetrichtert – und ihre personenbezogenen Daten einen besonderen Schutz vor der Weiterverarbeitung durch private Unternehmen. Als Folge ist etwa geregelt, dass eine betroffene Person für die Verarbeitung ihrer personenbezogenen Daten eine explizite Einwilligung zu erteilen hat. Diese Verordnung hat allerdings nur so lange Bestand, wie sie nicht – wie in diesem Fall – von einem Gesetz gekippt wird. Damit wird deutlich, dass die Persönlichkeitsrechte eines Aktionärs aus Sicht des Justizministeriums ganz offensichtlich weniger schützenswert sind als die eines Inhabers von Staatsanleihen oder eines Fondssparers.

Wer nun einwendet, mit dem Referentenentwurf werde lediglich eine EU-Richtlinie in nationales Recht umgesetzt, übersieht, dass wie schon zuvor in der völlig misslungenen Neufassung der Wertpapierprospektrichtlinie von der (grundsätzlich möglichen) einzelstaatlichen Beschränkungsmöglichkeit, in diesem Fall auf Anteile von mehr als 0,5% des Grundkapitals, kein Gebrauch gemacht wurde. Stattdessen werden vom deutschen Gesetzgeber gerade die Persönlichkeitsrechte des Kleinaktionärs als nicht besonders schutzwürdig angesehen. Einmal mehr hat sich der deutsche Gesetzgeber damit am restriktiven Ende der möglichen Bandbreite positioniert.

Abgesehen von der Grundsatzfrage, ob persönliche Daten eines Aktionärs dem Datenschutz unterliegen sollten oder nicht, ergeben sich im praktischen Alltag durchaus konkrete Risiken. Man stelle sich etwa einen kritischen Aktionär vor, der es sich erdreistet, bei der Ausübung seiner Aktionärsrechte auf der Hauptversammlung einen Redebeitrag abzugeben und dabei unbequeme Fragen zu stellen oder womöglich sogar durch einen eigenen Antrag zur Tagesordnung den Wert „seines“ Unternehmens zu steigern. Sollen dessen persönliche Daten wirklich an den Vorstand weitergeleitet werden dürfen? Wer schon einmal erlebt hat, wie kritische Analysten und Fondsmanager selbst von DAX-Vorständen coram publico geradezu abgekanzelt werden, muss befürchten, dass sich kritische Kleinaktionäre zukünftig in der aktiven Ausübung von Mitsprache- und Mitbestimmungsrechten behindert sehen und sich in der Folge von der Asset-Klasse Aktie abwenden.

EU-Richtlinie und Referentenentwurf stellen aber nicht nur einen Eingriff in die Rechte der Kleinaktionäre dar. Sie bedeuten nachgerade eine Entmündigung des Aktionärs, weil sie nämlich unterstellen, dass diese nur durch eine direkte Ansprache seitens des Emittenten über dessen jüngste Entwicklung informiert werden können. Vor 30 Jahren, als Aktionäre noch in den Schaufenstern ihrer Bank die aktuellen Börsenkurse ablesen mussten, mag diese Denkhaltung angemessen gewesen sein. Im Internetzeitalter mit Online-Finanzdienstleistern ist sie das nicht.

Mit besten Grüßen

Ihr

Peter Thilo Hasler

 

 Alexander Langhorst

Börsenalltag per Mail

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