12.02.2009
09:29

Mit Spannung (und, zugegeben, ganz leiser Unruhe) erwartete ich die für heute angekündigten Zahlen unseres Dauerfavoriten GESCO. Angesichts der verheerenden Nachrichten aus dem Maschinenbausektor in den vergangenen Monaten war eine Fortsetzung der Rekordfahrt nicht mehr ganz so sicher zu erwarten.

Jetzt liegen die Zahlen vor. Und zeigen einmal mehr, dass GESCO ein wahrer Fels in der Brandung ist: Im dritten Quartal (1.10.-31.12.) des laufenden Geschäftsjahres 2008/09 (bis 31.3.) stieg der Umsatz um 17% auf 100,4 Mio. Euro. Das operative Ergebnis blieb zwar knapp unter dem Vorjahreswert, dank der Steuerreform stieg der Nettogewinn aber um 10% auf 4,7 Mio. Euro bzw. 1,56 Euro je Aktie.

Nach drei Quartalen stellt sich der Gewinn je Aktie damit bereits auf 6,07 Euro. Damit dürften unsere Prognosen für 2008/09 nach wie vor realistisch sein, auch wenn GESCO seine Guidance von 7,11 Euro je Aktie einmal mehr "nur" bestätigte. Dafür lässt eine andere Aussage aufhorchen: Man sehe "realistische Chancen, 2009 eines oder mehrere Unternehmen zu erwerben". Angesichts der stets konservativen GESCO-Aussagen kann das fast schon als Versprechen gewertet werden.

Gute Nachrichten also, keine Frage. Einziger Wermutstropfen ist der nach neun Monaten zwar noch auf 305,9 Mio. Euro gestiegene, bei expliziter Betrachtung des dritten Quartals um 17% auf 87,7 Mio. Euro gesunkene Auftragseingang. Aber selbst wenn man sich an dieser Kennzahl festbeißt, ist die Kursreaktion von 1,5% Plus auf 36,84 Euro ist schon erstaunlich kümmerlich.

Man darf aber hoffen. Denn in der Vergangenheit gehörte eine verzögerte Reaktion auf gute Nachrichten öfter mal zum Aktionärs-Service bei GESCO - da legte der Kurs erst einige Stunden, teilweise auch Tage später so zu, wie andere Aktien sofort nach Veröffentlichung. Auch wenn dies laut der verbreiteten Theorie des "effizienten Kapitalmarkts" eigentlich gar nicht sein kann.

Nachtrag, 10.12 Uhr: Wie mir der Vorstand auf Nachfrage gerade erklärte, liegt der Grund für das auf den ersten Blick irritierend niedrige Ergebnis darin, dass in den Zahlen Abwertungen von Vorräten (ca. 4 Mio. €) aufgrund der stark gesunkenen Materialpreise und Effekte aus dem Schweizer Franken (1,6 Mio. €) bereits verarbeitet sind. "Wir haben abgeschrieben, was wir konnten" - na, da muss einem ja vor dem Ergebnis im vierten Quartal nicht bange sein....

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Von Wall-Street-Blogger
12.02.2009
10:44
GESCO ordentlich

Ich denke, dass sich auch GESCO nicht auf einer Insel der Glückseligkeit lebt und somit die Wirtschaftsflaute zu spüren bekommt. Aber das Management hat in der Vergangenheit gezeigt, dass man auch mit einer derartigen Situation zurechtkommt und beispielsweise die Zeit nutzt um Produktionsanlagen zu renovieren sowie Gleitzeitkonten der Mitarbeiter abzubauen usw. Die Gesellschaften der Unternehmensgruppe haben ja bis Herbst 2008 nahezu an der Kapazitätsgrenze gearbeitet!

Von Goldfinger
12.02.2009
14:11
Guter Vergleich

Guter Vergleich, das mit dem Fels in der Brandung. An GESCO scheint die Krise wirklich spurlos vorüber zu gehen. Können derzeit nicht viele Unternehmen von sich behaupten.

Gruß
Goldfinger

Von Stockmaster
13.02.2009
10:00
Analyse vom Bankhaus Lampe

Der Analyst vom Bankhaus Lampe, Gordon Schönell, stuft die Aktie von GESCO (ISIN DE0005875900/ WKN 587590) nach wie vor mit "kaufen" ein.

Die Beteiligungsgesellschaft GESCO AG habe sich in der letzten Zeit hinsichtlich Akquisitionen sehr zurückgehalten. Die letzte Übernahme stamme aus dem April 2007. Grund für die Zurückhaltung seien zu hohe Preisvorstellungen verkaufswilliger Unternehmer infolge der guten Konjunktur und den hohen Bewertungen an den Börsen gewesen.

Die aktuellen weltwirtschaftlichen Entwicklungen hätten die Bewertungsmultiples allerdings deutlich fallen lassen und die Verkäufer seien auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt worden. Damit biete sich für GESCO wieder die Chance, das Portfolio antizyklisch durch anorganisches Wachstum zu vernünftigen Preisen auszubauen. Verkaufsinteressenten gebe es trotz notwendiger Preisabstriche genug. GESCO stehe hier in verschiedenen Sondierungsphasen.

In die heiße Phase würden die Verhandlungen nach Erachten der Analysten mit den Abschlüssen der Gesellschaften für 2008 gehen. Zudem werde GESCO bei den verschiedenen Unternehmen die Auftragseingänge zu Beginn von 2009 im Blick haben, um hier nicht außerordentlich negativ überrascht zu werden. Die Analysten würden aber denken, dass es Unternehmen geben werde, die die strengen Anforderungen von GESCO erfüllen würden und es damit in 2009 wieder zu einem Ausbau des Beteiligungsportfolios kommen werde.

GESCO weise dafür eine entsprechend solide Bilanz auf. Im letzten Quartalsbericht seien liquide Mittel in Höhe von 27 Mio. Euro ausgewiesen worden. Diesen hätten im Konzern finanzielle Verbindlichkeiten von rund 72 Mio. Euro gegenübergestanden. Die Eigenkapitalquote habe bei 35% gelegen. Die bilanzierten Geschäfts- oder Firmenwerte hätten sich auf lediglich 7,5 Mio. Euro belaufen. Die Hausbanken von GESCO hätten sich zuletzt immer noch zur Akquisitionsfinanzierung bekannt. Das damit verbundene Leveragepotenzial biete GESCO einen soliden Finanzierungsspielraum.

Die Guidance für das laufende Geschäftsjahr (bis 31.3.2009) sehe ein hohes Umsatzwachstum um 11,1% auf 370,0 Mio. Euro und eine dazu deutlich überproportionale Steigerung des Konzernjahresüberschusses - u.a. infolge einer reduzierten Steuerquote - auf 21,5 Mio. Euro (+20,1%) vor. Zum Halbjahr hätten der Umsatz um 16,5%, das EBIT um 34,5% und der Konzernüberschuss nach Anteilen Dritter um 43,3% gesteigert werden können. Damit sei das Wachstum deutlich besser ausgefallen als intern geplant. Allerdings zeichne sich ausgleichend ab, dass das zweite Halbjahr schlechter als vorgesehen verlaufen werde.

Die größten Risiken würden sich bei GESCO nach Erachten der Analysten aus den Tätigkeitsbereichen der Portfoliounternehmen ergeben. Diese seien im zyklischen Werkzeug- und Maschinenbau sowie in der Kunststofftechnik tätig, wenngleich dort aber absolute Nischenplayer und damit weniger konjunkturabhängig. Mit der Firma Dörrenberg Edelstahl GmbH erziele ein Unternehmen aus dem Portfolio nahezu 45% der Umsätze, was nach Ansicht der Analysten ein Klumpenrisiko darstelle. Zum Leistungsspektrum des Unternehmens würden die Lieferung von Werkzeugstahl, Werkzeugguss und Feinguss sowie Wärmebehandlung und Oberflächenbeschichtung verschiedenster Stahlerzeugnisse zählen.

Die Analysten vom Bankhaus Lampe sehen die Aktie von GESCO aufgrund der fundamentalen Bewertung als auch aufgrund der Unternehmenspolitik als ein attraktives Investment an, ihre Anlageempfehlung lautet unverändert "kaufen". Das Kursziel werde von 65 Euro auf 59 Euro gesenkt. (Analyse vom 19.01.2009)

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