27.03.2017
15:07
 

In den kommenden Tagen darf der Kapitalmarkt die untestierten Zahlen der GoingPublic Media AG für das Geschäftsjahr 2016 erwarten.

Interessierte Anleger werden ihr Augenmerk dabei vor allem auf zwei Punkte richten: die Auswirkung des Verkaufs des Bereichs „Stiftung“ aufs Ergebnis, sowie den Dividendenvorschlag an die kommende Hauptversammlung.

Als Ende 2015 das Ergebnis durch den Teilverkauf des „Bondguide“ einen unerwarteten, positiven Ergebnisbeitrag erfuhr, sprachen wir bei five-alive von einem Sondereffekt.

Nachdem Ende 2016 der Bereich „Stiftungen“ komplett an die FAZ-Gruppe weitergereicht wurde, konnte man schon fast von einem Geschäftsprinzip sprechen. GoingPublic als Finanzmedien-Incubator. Doch dies wäre zu weit gegriffen. Realistisch Betrachtet beobachten wir hier eher die Nutzung sich ergebener Chancen bei gleichzeitiger Fokussierung auf das Kerngeschäft.

Mit etwas Phantasie sehen wir auch in Zukunft noch Plattformen im GoingPublic Verlag die Zwecks Fokussierung aufs Kerngeschäft für entsprechend positive Ergebnisbeiträge sorgen könnten. Doch bleiben wir vorerst im Hier und Jetzt und bei der bevorstehenden Ergebnispräsentation.

Da über den Kaufpreis, den die FAZ-Gruppe für DIE STIFTUNG Media GmbH bezahlte, Stillschweigen vereinbart wurde, fällt es schwer, hier einen entsprechenden Ergebnisbeitrag zu berechnen. Eine Annäherung über das Ergebnis wird schwierig, weil es in den letzten Jahren zwischen einem Verlust von 18.000 und einem Gewinn von 93.000 Euro schwankte. Etwas konstanter zeigte sich da schon der Umsatz der Stiftung Media GmbH. Dieser bewegte sich in den letzten Jahren zwischen 686 und 864 TEUR, und dürft bei Verkauf vorsichtig geschätzt mindestens auf Vorjahresniveau (780 TEUR) gelegen haben, tendenziell sogar etwas darüber. Nimmt man den Mittelwert der jährlichen Umsätze von 2013-2016, kommt man auch wieder auf knapp 780 TEUR.

Branchenübliche Umsatz-Multiple zur Bewertung kleiner Medienunternehmen liegen laut FINANCE Magazin zwischen 0,84 und 1,39. Selbst bei einer äußerst vorsichtigen Annäherung mit dem 0,5-fachen des letzten bzw. durchschnittlichen Umsatzes von 780.000 EUR käme man auf einen Verkaufserlös von 390.000 EUR bzw. bei 900.000 ausstehenden GoingPublic Aktien auf einen Ergebnisbeitrag von 0,43 EUR/Aktie – eine Zahl, fast zu schön, um wahr zu sein.

Als Preisuntergrenze könnte man einen vom Gewinn guter Jahre abgeleiteten Betrag von rund 100.000 EUR heranziehen. Dies würde für GoingPublic Aktionäre einen Ergebnisbeitrag von 0,11 EUR/Aktie bedeuten, was wir bei five-alive als deutlich zu bescheiden betrachten würden.

Basierend auf die im bisherigen Jahresverlauf 2016 gezeigte Ergebnisverbesserungen schätzen wir bei five-alive das Ergebnis aus gewöhnlicher Geschäftstätigeit der GoingPublic Media AG auf 0,099 EUR/Aktie. Bei einem durchschnittlichen Kurs von rund 3,00 EUR in den letzten Tagen, kommt man somit auf ein KGV von derzeit 30. Zieht man dann den oben genannten Ergebnisbeitrag aus dem Verkauf der Stiftung Media GmbH hinzu, so kommt man auf einen Gewinn je Aktien von 0,209 bzw. 0,529 EUR/Aktie. Damit würde das KGV auf attraktive 14,4 bzw. 5,67 sinken.

Für die Dividende, die seit 2008 nie ausgefallen ist, würde dies einen gewaltigen Sprung erwarten lassen. Denn zum einen hat der Vorstand bereits verkündest, dass „über eine Sonderdividende … ein wesentlicher Teil des Ertrags aus der Transaktion (Verkauf der Stiftung Media GmbH, Anm. d. Red.) an die Aktionäre ausgeschüttet werden“ soll, zum anderen hat das Aktionariat ein großes Interesse an einer aktionärsfreundlichen Ausschüttungspolitik. Der Vorstand und Gründer, Markus Rieger, hat erst vor zwei Jahren im Rahmen einer Umplatzierung große Teile der GoingPublic Aktien übernommen, was sicher auch bezahlt sein will, und Stiftungen, die sich auch unter den GoingPublic Aktionären befinden, haben von Natur aus ein großes Interesse an hohen und regelmäßigen Ausschüttungen. Es bleibt also spannend.

Der Joker bei der Dividendenschätzung bleibt besagter Verkaufserlös für die Stiftung Media GmbH. Bei five-alive gehen wir, vorsichtig geschätzt, von einer Dividende von 0,20 bis 0,25 EUR/Aktien für das Geschäftsjahr 2016 aus, nach 0,15 EUR/Aktie für 2015. Das würde einer Dividendenrendite von 6,66 bis 8,33 Prozent entsprechen. Und dies muss keine Eintagsfliege bleiben. Die Gesellschaft pflegt eine aktionärsfreundliche Dividendenpolitik, erreicht in der Regel einen positiven Jahresabschluss und kann sich ggf. auch der Gewinnrücklagen bedienen oder weitere Geschäftsbereiche (teil-)verkaufen. Abgesehen davon feiert die 1998 gegründete GoingPublic Media AG nächstes Jahr ihr zwanzigjähriges Jubiläum, was doch irgendwie nach einer Jubiläumsdividende klingt. Alles in allem keine schlechten Aussichten für die GoingPublic Aktie.

Die five-alive portfolio AG hält mehr als ein Prozent aller ausstehenden Aktien der GoingPublic Media AG.

Karsten Koos

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Über den Autor:

Karsten Koos ist Vorstand der five-alive AG, Social Trader auf wikifolio.com und über das Family Office "five-alive" Anteilseigner der GSC Holding AG.

Hinweis: Der Artikel wurde mit größter Sorgfalt erstellt. Für die Richtigkeit der in der Analyse enthaltenen Aussagen, Prognosen und Angaben wird jedoch keine Gewähr übernommen. Der Inhalt dient lediglich der Information und beinhaltet keine Vermögensberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder anderen Finanzprodukten. Eine Haftung für Vermögensschäden ist ausgeschlossen. Der Autor erklärt, dass er, oder ihm nahestehende Personen oder Institutionen im Besitz von Finanzinstrumenten sein können, auf die sich dieser Artikel bezieht. Hierdurch besteht die Möglichkeit eines Interessenkonfliktes.

10.03.2017
21:27
 

20 Jahre "Neuer Markt" - WDR Zeitzeichen

"Eine Nation war im Fieber - im Börsenfieber. Angestachelt von der Aussicht auf viele Millionen Mark frisches Kapital strebten Mitte der 90er Jahre immer mehr Unternehmen an die Börse. Ob privatisierte Staatsbetriebe wie die Telekom oder ambitionierte High-Tech-Gründung: Selbst Börsenmuffel riskierten plötzlich viele Tausend Mark und zockten mit Aktien von Firmen, deren Geschäftsinhalt zweitrangig schien. (Quelle WDR - Autor: Kay Bandermann)"

Anlässlich des Starts des "Neuen Marktes" an der Frankfurter Wertpapierbörse am 10. März 1997 ist in der Reihe WDR-Zeitzeichen der folgende Beitrag u.a. auch mit Schilderungen von GSC Research veröffentlicht worden

(Link zur ZEITZEICHEN-Sendung in der ARD Mediathek)

Alexander Langhorst

24.02.2017
13:16
 

Neue Regelung für Verlustvorträge

Der Bundestag hat am 01. Dezember 2016 ein neues Gesetz zur steuerlichen Behandlung von Verlustvorträgen verabschiedet. Bisher ist bekanntermaßen die steuerliche Verlustverrechnung bei Körperschaften durch die Regelungen in § 8c KStG eingeschränkt. Vereinfacht dargestellt besagt dieser, dass bei Übertragung von mehr als 25 % der Anteile, ein bestehener Verlustvortrag quotal untergeht. Werden mehr als 50 % der Anteile übertragen, kommt es zu einem vollständigen Untergang eines noch nicht verrechneten Verlustes.

Trotz bestehender Ausnahmeregelungen (Konzern- und sog. Stille-Reserven-Klausel) führt der Einstieg eines neuen bzw. zusätzlichen Gesellschafters zu einem für das Unternehmen unvorteilhaften Wegfall der Verlustverrechnungsmöglichkeiten. Ausgehend von Forderungen aus dem Bereich der VC-Finanzierung hat der Gesetzgeber nunmehr die Regelungen und Möglichkeiten überarbeitet und im Ergebnis die Nutzbarkeit von Verlustvorträgen verbessert.

Kernbestandteil der neuen Regelung ist ein sog. "fortführungsgebundener Verlustvortrag (§8d KStG)". So bleiben bestehende und bislang noch nicht genutzt Verlustvorträge erhalten, sofern derselbe Geschäftsbetrieb nach dem Anteilseignerwechsel fortgeführt wird. Die Beurteilung der Frage, ob eine "unveränderte Fortführung" vorliegt soll dabei nach verschiedenen qualitativen Merkmalen beurteilt werden.

Entscheidend ist dabei, dass ein seit Gründung des Unternehmens oder seit mindestens 3 Jahren bestehender Geschäftsbetrieb bestehen bleibt. Dieser darf nicht "ruhend gestellt" werden, keiner andersartigen Zweckbestimmung zugeführt werden und es darf auch kein zusätzlicher Geschäftsbetrieb aufgenommen werden. Zudem wird darauf abgestellt, dass eine Nutzbarkeit im Rahmen der neuen Regelungen nur möglich bleibt und vereinfacht wird, wenn sich das Unternehmen nicht an einer Mitunternehmerschaft beteiligt, kein Organträger wird und auch keine Wirtschaftsgüter unterhalb des "gemeinen Wertes" eingebracht werden.

Durch eine Anpassung der Regelungen in § 10a Satz 10 GewStG soll die vorteilhafte Neufassung auch für gewerbesteuerliche Verlustvorträge gelten.

Auf Anregung der Bundesländer werden jedoch Verluste aus der Zeit vor einer Einstellung oder Ruhendstellung des Geschäftsbetriebs, oder bei besteheneder Organträgerschaft und/oder Beteiligung an einer Mitunternehmerschaft von der Regelung ausgenommen. Damit wollen die Länderfinanzminister verhindern, das Alt-Verluste aus inaktiven Verlustmänteln reaktiviert werden können.

Die genauen Formulierungen und die Überlegungen zum Gesetzgebungsverfahren können der entsprechenden Bundestagsdrucksache (http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/099/1809986.pdf) entnommen werden. Die Neuregelung soll rückwirkend ab 01. Januar 2016 gelten, die genauen Ausführungsbestimmungen liegen derzeit noch nicht öffentlich vor.


Alexander Langhorst

16.01.2017
18:11
 

Änderung des Dividendenstichtages

Ab dem 01. Januar 2017 gelten die Regelungen der in 2016 in Kraft getretenen Aktienrechtsnovelle auch für den Dividendenstichtag. Entgegen der bisherigen Tradition des Aktiengesetzes ist der Dividendenanspruch künftig nicht mehr direkt am Tag nach der Hauptversammlung fällig.

Gemäß der nunmehr gültigen Fassung des Aktiengesetzes ist der Dividendenanspruch künftig erst am dritten auf die Hauptversammlung folgenden Geschäftstag fällig, es sei denn, die Hauptversammlung oder die Satzung bestimmt eine spätere Fälligkeit (vgl. § 58 Abs. 4 Satz 2 und 3 AktG n.F.).

Alexander Langhorst

30.12.2016
13:45
 

Alles Gute für 2017!

Wir wünschen unseren Kunden, Geschäftspartnern und Anteilseignern einen guten Rutsch und ein gutes, erfolgreiches und gesundes neues Jahr 2017.

Das Team von GSC Research

24.12.2016
10:25
 

Frohe Weihnachten

Frohe Stunden und besinnliche Feiertage wünschen wir unseren Kunden, Geschäftspartnern und Anteilseignern zum Weihnachtsfest und für das neue Jahr 2017 alles Gute.

Das Team von GSC Research

21.12.2016
06:45
 

GSC Research exklusiv - LG Frankfurt erklärt Beschlüsse zu TOP 2 bis TOP 4 der Deutsche Bank HV 2016 für nichtig

Wie GSC Research exklusiv in Justiz- und Juristenkreisen in Erfahrung bringen konnte, hat das Landgericht Frankfurt in einem jüngst gefällten Urteil einige Beschlussfassungen der diesjährigen Deutsche Bank Hauptversammlung für nichtig erklärt.

Betroffen vom Urteil und damit nichtig sind der Gewinnverwendungsbeschluss unter Tagesordnungspunkt 2, sowie die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat unter den Tagesordnungspunkten 3 und 4. Die Anfechtung weiterer Beschlusspunkte (u.a. auch Vergleichsvereinbarung mit Ex-Vorstandschef Rolf E. Breuer im Zusammenhang mit dem Kirch-Verfahren) wurde seitens des Gerichtes zurückgewiesen.

Ob seitens der Deutsche Bank AG bzw. der Anfechtungskläger noch Rechtsmittel gegen das Urteil eingelegt werden ist bisher nicht bekannt. Denkbar ist aber auch die Einholung von Bestätigungsbeschlüssen durch eine Hauptversammlung. Diesen Weg wählte der in Frankfurt ansässige Bankkonzern im Jahre 2013 schon einmal. Seinerzeit wurden in einer außerordentlichen Hauptversammlung am 11. April 2013 in der Jahrhunderthalle vor Gericht gekippte Beschlussfassungen erneut gefasst.

Nähere Details zum Verlauf der 2016er Hauptversammlung der Deutsche Bank AG sind im GSC HV-Bericht (http://www.gsc-research.de/gsc/research/hv_berichte/detailansicht/index.html?tx_mfcgsc_unternehmen%5Buid%5D=317&tx_ttnews%5Btt_news%5D=76791&cHash=d486340d9a) abrufbar.


Alexander Langhorst

20.12.2016
15:09
 

GSC Research exklusiv - Vertagung der HV der mic AG

Wie wir soeben exklusiv von unserem Berichterstatter Reinhard Hock aus München erfahren haben, wurde die heutige Hauptversammlung der mic AG ohne Beschlussfassungen vertagt. Ein neuer Termin für die Wiederholung der Hauptversammlung steht noch nicht fest.

Das Venture Capital Unternehmen aus München war im Jahresverlauf vor allem mit Veränderungen im Vorstand und dabei auch mit der Abberufung eines Vorstandsmitgliedes (http://www.dgap.de/dgap/News/adhoc/mic-oliver-kolbe-mit-sofortiger-wirkung-als-vorstand-abberufen-vorstand-voll-handlungsfaehig-lifespot-capital-anteil-veraeussert-und-mit-fremdkapital-ausgestattet/?newsID=959135) am Markt in Erscheinung getreten.

Die genauen Hintergründe der Vertagung der Hauptversammlung können dem bei GSC Research erscheinenden HV-Bericht entnommen werden.

Alexander Langhorst

16.12.2016
13:12
 

SdK - Schwarzbuch Börse 2016 - Mehr Transparenz bleibt Wunschdenken

 

Die SdK - Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger e.V. (www.sdk.org) hat am heutigen Tage das neue Schwazbuch Börse 2016 veröffentlicht. Interessierten Anlegern empfehlen wir die nachfolgend zitierte Originalpressemitteilung in der auch eine Bezugsmöglichkeit angegeben ist zur Lektüre:

 

"Schwarzbuch Börse 2016: Mehr Transparenz bleibt Wunschdenken

Das Schwarzbuch Börse 2016 ist als Bestandteil der Sonderausgabe „AnlegerLand 2017“ erschienen und kann bei der SdK bestellt oder heruntergeladen werden. Das Schwarzbuch Börse befasst sich mit den großen und kleinen Skandalen, Betrügereien und Abzockereien am Kapitalmarkt. In diesem Jahr liegen die Schwerpunkte neben einer Vielzahl ausgewählter Einzelfälle auf folgenden Themen:

• Pleitewelle bei Mittelstandsanleihen nimmt neue Ausmaße an
• Wie europäische Krisenbanken Vertrauen verspielen
• Politischer Lobbyismus gegen Anlegerinteressen: das Beispiel ExxonMobil
• Betrugsfälle und Delistings durch die Hintertür

München, 16.12.2016 – Das Schwarzbuch Börse 2016 der SdK Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger e.V. befasst sich mit den Skandalen, Missständen und Pleiten rund um das Börsengeschehen im Jahr 2016. Es benennt einzelne Unternehmen und kommentiert allgemeine negative Entwicklungen am Gesamtmarkt im Hinblick auf ihre Auswirkungen auf die Vermögensanlage von Anlegern. Zugleich dokumentieren die von der SdK im Schwarzbuch Börse 2016 dokumentierten Fälle, dass Aktionäre sich gegen den Wertverlust ihrer Investments durch zweifelhafte und schädliche Unternehmenspolitik zur Wehr setzen müssen, indem sie Missstände publik machen. „Wer aktiv seine Interessen wahrnimmt, kann seine Vermögensinteressen am besten schützen“, zieht Daniel Bauer, Vorstandsvorsitzender der SdK e.V., am Ende seiner einleitenden Worte zum diesjährigen Schwarzbuch Börse Bilanz.

Millionengrab Mittelstandsanleihen

Besonders ernüchternd fällt die Bilanz des Börsenjahrs 2016 bei den Mittelstandsanleihen aus. Mit Stand Beginn des vierten Quartals 2016 sind im Segment der Mittelstandsanleihen bereits 45 der 220 Emissionen ausgefallen, die seit 2010 auf den Markt kamen. Nach Erhebung von Euler Hermes Rating im August 2016 liegt dabei die Ausfallquote bei den Investment-Grade-Anleihen bei 40 %, bei den mit einem schlechteren Rating versehenen High-Yield-, also den hochverzinsten Anleihen mit hohem Ausfallrisiko, nur bei 15 %.

Diese regelrechte Insolvenzwelle trifft in Deutschland vor allem die Segmente Mode, Regenerative Energien und Finanzdienstleistungen. Der breiteren Öffentlichkeit bekannt sind die Modefirmen Steilmann, Rudolf Wöhrl und Laurèl oder die Firma German Pellets. Experten erwarten mittlerweile Ausfallquoten von 50 % im Mittelstandssegment, die SdK selbst befürchtet 75 % und mehr. Für Anleger bedeutet das, eine präzise Risikoprüfung potenzieller Investments durchzuführen. Das gilt umso mehr, da viele Medien und Fachmedien teilweise unkritisch und undifferenziert über Neuemissionen berichteten.

Im Fall German Pellets haben 17.000 Privatanleger seit 2008 über 270 Mio. Euro in Genussrechte und Anleihen der Gesellschaft investiert. Der eigentliche Skandal bei German Pellets ist, dass Firmengründer Peter Leibold die Anleihegelder vor allem dazu verwendete, nahestehenden Firmen, darunter einer österreichischen Stiftung sowie sich selbst und seiner Frau, Darlehen zu gewähren, anstatt die Gelder direkt in den Pellets-Markt zu investieren.

Für den in der Summe größten Verlust im Mittelstandssegment ist die KTG-Gruppe verantwortlich. In den Bankrott geführt hat die Gruppe der Vorstandschef des Agrarkonzerns Siegfried Hofreiter, der bereits 2002 wegen Insolvenzverschleppung rechtskräftig verurteilt worden war. Weil die stillen Reserven weitgehend aufgezehrt waren, konnte die KTG Agrar ihre im Juli 2017 fällige Anleihe mit einem Volumen von 250 Mio. Euro nicht mehr bedienen. Die Verbindlichkeiten waren 2015 bei 327 Mio. Euro Umsatz und 3,7 Mio. Euro Periodenergebnis auf 606 Mio. Euro gestiegen. Nach Einschätzung der Insolvenzverwalter werden die Anleiheinhaber auch in diesem Fall leer ausgehen.

Erfolgreicher war das Vorgehen einer Gruppe von Anleihegläubigern gegenüber der Scholz Holding GmbH. Die Recyclingfirma hatte sich im Jahr 2012 mit einer Anleihe im Volumen von 182,5 Mio. Euro frische Liquidität beschafft. Als Anfang 2016 die Insolvenz drohte, versuchte das Management durch eine Flucht nach England englisches Recht für sich in Anspruch zu nehmen, um gegenüber den Gläubigern einen maximalen Sanierungsbeitrag zu erzielen. Die Bestellung einer Kuratorin der Anleiheinhaber führte jedoch dazu, dass diese am Ende wenigstens eine Zahlung von fast 11 % des ursprünglichen Nennwertes zugesprochen bekamen.

Banken im Krisenmodus

Während die Kreditinstitute in den USA, wo die Bankenkrise mit der Lehman-Pleite 2008 ihren Anfang nahm, wieder Geld verdienen, hält die Krise des europäischen Bankensektors an. Durch die dauerhafte Niedrigzinspolitik schrumpfen die Erträge, dazu kommt die Konkurrenz durch Fintechs, die digitale Dienstleistungen kostengünstiger anbieten. Einige Banken befinden sich durch faule Kredite und drohende Zahlungen in schweren Turbulenzen. In Italien durchläuft die Monte dei Paschi di Siena ihre größte Existenzkrise seit ihrer Gründung im Jahr 1472. Die weltweit älteste und drittgrößte italienische Bank ist dringend auf neue Finanzhilfe angewiesen, welche ihr vom italienischen Staat nicht gewährt wird. Staatliche Hilfskredite und eine drei Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung, die nach dem Stresstest der Europäischen Zentralbank 2014 eingesetzt wurden, sind mittlerweile verpufft. An der Börse ist die Aktie zu einem Objekt der Shortseller degradiert.

In Deutschland steht die Deutsche Bank für fragwürdige Geschäftspraktiken und Wertvernichtung für Aktionäre. Wegen Vergehen wie Zinsmanipulationen, Geldwäsche und dem Verkauf von US-Hypothekenkrediten niedriger Bonität steht in den USA ein Bußgeld in Höhe von 14 Mrd. US-Dollar im Raum. Die Deutsche Bank hat nach eigenen Angaben 5,9 Mrd. Euro an Rückstellungen für diesen Rechtsstreit gebildet und hat nach unbestätigten Berichten das Strafmaß auf 5,4 Mrd. Euro gedrückt. Laut Vorstandschef John Cryan sollen die wichtigsten Fälle wie Ermittlungen wegen des Verdachts auf Geldwäsche und Sanktionsverstößen bei Geschäften in Russland noch 2016 abgeschlossen werden. Den Preis zahlen Mitarbeiter und Aktionäre. Bis Ende 2017 sollen in Deutschland etwa 200 der 700 Filialen geschlossen werden. Die Aktie notiert aktuell bei 17 Euro und damit wieder mehr als 70 % über dem Jahrestief vom September, aber immer noch 20 % niedriger als zum Jahresbeginn. Seit Beginn der Finanzkrise hat sie 85 % an Wert verloren.

Ein Ölmulti als Aktionärs- und Ökoschreck

Der Ölkonzern ExxonMobil stand zuletzt in der Kritik von Aktionären und im Konflikt mit dem Gesetz. Bei der Bonität hat er das Triple-A-Rating verloren, eine Dividende wird nicht mehr verdient. Zugleich ermittelt die Staatsanwaltschaft in Kalifornien und New York wegen Falschinformation und Finanzbetrug. Konkret geht es darum, dass sich Exxon gegen die Forderungen nach Information der Anleger und auch der Öffentlichkeit zu Carbon-Risiken sperrt. Seit Mitte der 80er-Jahre versucht Exxon, mit erheblichem Aufwand die Klimaforschung zu diskreditieren. Die Ernennung von Exxon-Vorstandschef Rex Tillerson zum neuen US-Außenminister durch Donald Trump lässt befürchten, dass sich die Umweltpolitik der künftigen US-Regierung ganz im Sinne des Ölmultis entwickeln wird.

Und wieder zahlreiche Einzelfälle

Die Einzelfälle, in denen Anlegervermögen durch inkompetentes Management und fragwürdige Vorgehensweisen der Firmenvorstände bei Aktionärsversammlungen vernichtet wurde, sind auch in diesem Jahr wieder zahlreich und können im aktuellen Schwarzbuch Börse verfolgt werden. An dieser Stelle erwähnt seien zwei Beispiele. Beim Buchverlag Bastei Lübbe wurde der Verkauf von Beteiligungen zu mehr als ihrem Buchwert an die britische Firma Blue Skye als Gewinn ausgewiesen. Erst nach kritischen Presseberichten stellten die Wirtschaftsprüfer fest, dass Bastei Lübbe seit Ende März 2015 die Verfügungsgewalt über Blue Skye besitze und diese ebenso wie die beiden Beteiligungen rückwirkend voll konsolidieren und zu Anschaffungskosten bewerten müsse. Die Folge war ein um mehr als 7 Mio. Euro niedrigeres Konzernergebnis in Geschäftsjahren 2014/15 und 2015/16. Der gesamte Aufsichtsrat, der zuvor bereits im Juli überraschend zurückgetreten war, wurde auf der Hauptversammlung am 30. November durch neugewählte Mitglieder ersetzt.

Mit der KWG Kommunales Wohnen enthält das diesjährige Schwarzbuch einen besonders erwähnenswerten Delisting-Fall aus dem Entry Standard. Auf der außerordentlichen Hauptversammlung am 7. Oktober wurde mit den Stimmen des Großaktionärs die Umwandlung in eine GmbH beschlossen. Die Höhe der Barabfindung war von der Gesellschaft selbst ermittelt worden, da kein geprüfter Halbjahresabschluss vorlag. Die KWG weigerte sich zudem, den Prüfbericht vor der Hauptversammlung zu veröffentlichen, und war auf dem Aktionärstreffen trotz zahlreicher Anträge der Anleger nicht bereit, die Unterlagen an die Eigentümer zur Mitnahme auszuhändigen.

Der SdK Vorstandsvorsitzende Daniel Bauer kommentierte die im Schwarzbuch Börse 2016 beschriebenen Trends und Einzelfälle: „In Deutschland stellten die Pleiten bei den Mittelstandsanleihen alle weiteren Einzelfälle des Börsenjahres 2016 in den Schatten. Neben der Unterstützung von Aktionären in ihren Anliegen gegenüber einzelnen Firmen wird die SdK in ihrer Öffentlichkeitsarbeit weiter darauf hinarbeiten, dass sich die rechtlichen Grundlagen für besseren Anlegerschutz verbessern. Das gilt vor allem im Hinblick auf finanzielle Transaktionen wie Kapitalerhöhungen oder Delistings. Grundsätzlich gilt am Kapitalmarkt jedoch: Nur wer aktiv seine Interessen wahrnimmt, kann seine Vermögensinteressen am besten schützen.“


Das Schwarzbuch Börse kann unter folgendem Link bezogen werden:

(http://www.sdk.org/veroeffentlichungen/schwarzbuch-boerse/2016/ausgabe-2016/)

Alexander Langhorst

13.11.2016
18:27
 

Mobilfunk | mobilezone greift in Deutschland an

Gerade flimmerte ein Werbespot von „Deinhandy.de“ über den Bildschirm. Und auch wenn einem das Impressum eben dieser Seite noch nichts sagt, so wird die Sache klarer, wenn man sich dazu noch die Seite „Deinhandy.ch“ aufruft. Nicht nur, dass sich die Seiten zum Verwechseln ähnlich sehen. Auf „Deinhandy.ch“ ist auch ganz offen zu sehen, wer da hinter steckt: mobilezone.

Es wurde lange zuvor angekündigt, dass sich die schweizerisch mobilezone [ISIN:CH0276837694] das Online-Knowhow ihrer deutschen Akquisition EinsAmobile zu Nutze machen würde. In der Schweiz tut man dies schon eine Weile. Nun ist es also auch in Deutschland soweit. Man darf gespannt sein, wie sich dies zum einen für mobilezone auszahlt, und zum anderen, wie die deutschen Platzhirsche freenet [ISIN:DE000A0Z2ZZ5], Drillisch [ISIN:DE0005545503] und United Internet [ISIN:DE0005089031] darauf reagieren. Der Wettbewerb unter den sogenannten Mobile Virtual Network Operator, kurz MVNO, also jenen Mobilfunkanbietern ohne eigenen Netz, ist ohnehin schon hart.

Die norddeutsche freenet hatte Anfang 2016 mit einer rund 25 Prozent Beteiligung an der Schweizer Sunrise [ISIN:CH0267291224] den ersten Schritt im grenzüberschreitenden Wettbewerb gemacht. Was five-alive dazu schrieb, lesen Sie hier: freenet AG | der falsche Schweizer Weitere grenzüberschreitende Konsolidierungsschritte des einen oder anderen Marktteilnehmers erscheinen in diesem Umfeld mehr als nur wahrscheinlich. Wie sich in diesem Umfeld die Schweizer mobilezone positioniert, hängt mitunter auch von deren Großaktionär Martin Ebner ab. Möchte er das Unternehmen eher weiterentwickeln, oder wäre er ein dankbarer Verkäufer? Bisher sieht es nach ersterem aus. Aber wie so oft im Leben, ist auch dies sicher nur eine Frage des Preises. Und Geld ist derzeit bekanntlich billig.

Mehr zu mobilezone lesen Sie unter anderem hier: mobilezone | die schweizer freenet?

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Karsten Koos ist Vorstand der five-alive AG, Social Trader auf wikifolio.com und über das Family Office "five-alive" Anteilseigner der GSC Holding AG.

Hinweis: Der Artikel wurde mit größter Sorgfalt erstellt. Für die Richtigkeit der in der Analyse enthaltenen Aussagen, Prognosen und Angaben wird jedoch keine Gewähr übernommen. Der Inhalt dient lediglich der Information und beinhaltet keine Vermögensberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder anderen Finanzprodukten. Eine Haftung für Vermögensschäden ist ausgeschlossen. Der Autor erklärt, dass er, oder ihm nahestehende Personen oder Institutionen im Besitz von Finanzinstrumenten sein können, auf die sich dieser Artikel bezieht. Hierdurch besteht die Möglichkeit eines Interessenkonfliktes.

 

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