11.03.2009
10:47

Mit einem Problem ganz spezieller Art zu befassen haben wir uns - künftig regelmäßig - bei Fortress Paper.

Auf den ersten Blick ein kanadisches Unternehmen, ist Fortress nämlich operativ eigentlich eine deutsch-schweizer Firma: Die deutsche Tochter Dresden Papier GmbH ist spezialisiert auf Fliestapeten und beliefert u.a. die in Nebenwerte-Kreisen gut bekannte A.S. Création. Die Schweizer Tochter LandQart stellt Sicherheitspapiere her - unter anderem produziert man exklusiv den Schweizer Franken.

Kanadisch ist also nur die Holding; die Firma berichtet ihre Zahlen aber deshalb natürlich in CAN-Dollar. Gleichzeitig erzielt das Unternehmen seine Erlöse aber großteils im EURO-Raum (bzw. in der Schweiz, wobei der Franken meist recht parallel zum EURO tendiert). Im Interesse der Anleger geben wir unsere Prognosen und Schätzungen ebenfalls in Euro ab - schließlich kauft man die Aktie in Deutschland, und aus einem Kurs in Euro bei einem Gewinn je Aktie in CAN-Dollar das aktuelle KGV zu errechnen, wäre schon ziemlich lästig.

Im Prinzip werden die Ergebnisse von Fortress also zweimal umgerechnet: Einmal vom Unternehmen aus den "operativen Euro" in CAN-Dollar für die veröffentlichten tatsächlichen Zahlen, dann von uns wieder zurück in unsere Schätzungen bzw. die zum Vergleich angegebenen IST-Zahlen.

Für uns als Analysten stellt sich durch diese Struktur ein ganz spezielles Problem: Ändern sich die Wechselkurse, so schwanken sämtliche Zahlen in unserem Modell - auch rückwirkend für die bereits abgeschlossenen Jahre. Und das kann das Bild natürlich deutlich verzerren.

Würde beispielsweise der Kurs des CAN-Dollars auf die Hälfte sinken, so wiese Fortress im laufenden Jahr plötzlich eine Umsatzverdoppelung aus, da rückwirkend der Umsatz aus 2008 nur noch halb so hoch wäre - obwohl dieser ursprünglich (großteils) in Euro erzielt wurde uns sich nicht verändert hat! Umgekehrt müsste Fortress einen Umsatzeinbruch auf die Hälfte melden, würde der CAN-Dollar seinen Wert gegenüber dem Euro verdoppeln - obwohl sich operativ beim Umsatz nichts geändert hat.

Was tun also? Nun, ganz perfekt werden wir diese Thematik nie in unser Modell einarbeiten können. Um jedoch allzu große Verzerrung und unnötige Veriwrrung unserer Leser zu vermeiden, haben wir uns entschieden, die historischen Zahlen jeweils mit Vorlage der Bilanz zu diesem Stichtag "einzufrieren". So bleibt nur noch bei uns die Arbeit hängen, unsere Prognosen (in Euro) laufend mit den gemeldeten Zahlen (in CAN-Dollar) des Unternehmens abzugleichen.

Für 2008 waren die übrigens ganz ausgezeichnet; entsprechend haben wir unsere Kaufempfehlung in unserer aktuellen Analyse noch einmal bekräftigt. Kein Wunder, denn da Anfang 2009 die Produktion des "neuen Schweizer Franken" für die Schweizer Bundesbank gestartet ist, dürfte trotz des Konjunktureinbruchs auch im laufenden Jahr ein guter Gewinn herauskommen.

Und was die Mehrarbeit für uns durch die doppelte Währungs-Buchführung angeht, kann ich meinen zuständigen Kollegen Roland Pumberger trösten: Fortress Paper arbeitet wohl bereits daran, seinen Sitz nach Europa zu verlegen. Dann wird der Soll-Ist-Abgleich auch für "Otto-Normal-Aktionäre" deutlich einfacher.

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