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14.04.2009
23:41

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Schon vor etlichen Tagen gelesen (damals jedoch nicht direkt zum Kommentieren gekommen) habe ich einen besorgniserregenden Artikel auf mmnews.de zum Verkauf von 35,5 Tonnen Gold durch die EZB.

Die Kurzfassung: Offensichtlich hat die EZB "mal eben schnell" Gold im Wert von rund 700 Mio. Euro an die Deutsche Bank verkauft, damit diese den überraschend hohen physischen Auslieferungswünschen nachkommen konnte. Hätte sie dies nicht getan.... wäre es dann zu einem VW-artigen Short-Squeeze im Gold gekommen? Und hätte dies die Deutsche Bank ernsthaft gefährden können?

Auch wenn mein Vorstandskollege mit seinem Optimismus in den letzten zwei Wochen völlig richtig lag, sollten wir nicht übersehen, dass die Krise noch längst nicht vorbei ist - und das System womöglich wesentlich labiler als wir derzeit glauben.

Meine hoffentlich hypothetischen Überlegungen hierzu würde ich jedenfalls nach Lektüre des verlinkten Artikels als eher reeller denn unwahrscheinlicher einstufen.


Nachtrag, 15.4., 14.04 Uhr: Wie mir Christian Kirchner von der Financial Times Deutschland gerade sagt, ist die Story offenbar eine "Ente". Die von ihm versprochene etwas fundiertere Erklärung dieser Meinung reiche ich dann natürlich hier im Blog noch nach.

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  • 3 Kommentare
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Von Christian
15.04.2009
20:47
ezb squeeze

Hallo Matthias,
wie versprochen hier ein Hinweis in der Sache. Wir haben uns die Sache, nachdem sie durch die Blogoshpäre schoss vor 2 Wochen, natürlich auch angesehen. Der ganze Vorgang ist aus mehreren Gründen unspektakulär
1) es ist nicht möglich, eine kurzfristige Lieferverpflichtung an der COMEX in den USA mit Gold aus dem EZB Bestand zu decken. Die COMEX hat enge Vorschriften für die physische Lieferung und die EZB verkauft in London. Prägung und Stückelung sind nicht identisch. Es ist nur mit Wochen Vorlauf- und Transportzeit möglich, das zu kreuzen

2) die EZB-Verkäufe sind im Kontext der letzten Monate nicht außergewöhnlich, weder vom Zeitpunkt noch der Menge
3) der Denkfehler liegt schon anfänglich darin, dass die Deutsche Bank hier zu einer physischen Lieferung gezwungen worden sei. Wenn ich da die Panik habe, verkaufe ich den Kotrakt halt rechtzeitig oder hedge ihn auf eine Netto-Null-Position. Stattdessen hat sie sich ganz bewusst für die physische Lieferung entschieden, und das, weil sie wohl eine Arbitrageposition zwischen London und der Comex hielt. Auch nichts außergewöhnliches und wird seit Jahren praktiziert und erfordert dann aber tatsächlich den Transfer. Zitat: "In practice (...) banks typically make an economic decision whether 1) to close the arbitrage closing the contracts in both London and Comex or 2) extending the arbitrage by rolling the contract or 3) physically settling the arbitrage by delivering physically into the future"

(Die Anfrage von uns hat ein Wettbewerber beantwortet, der hier unverdächtig ist gegenüber der DB)

Hier lief dann - ebenfalls nicht außergewöhnlich - dieses physische Settlement, was wiederum drei Wochen vorher erfolgen muss, weil sie ja Kapazitäten erfordert, das Gold einzuschmelzen und umzuprägen. Also kann da schon mal nichts "überraschendes" passieren in dem Sinne, dass da die EZB der DB "kurzfristig" aus der Patsche helfen muss.

"This type of arbitrage has been going on for years and there is nothing extraordinary about it"

Wann immer es zwei Märkte gibt, brummt halt das Arbitragegeschäft, um Preisdiffernezen zu nutzen. Ordentlich praktiziert ist das ja Risk-Free.

Letztlich war es also einfach keine Geschichte.

Beste Grüße
Christian





Von Christian
16.04.2009
07:32
Noch n Nachtrag

Außer dem zeitlichen Zusammenfallen der Comex-Transaktion und der Veröffentlichung (wohlgemerkt nicht dem Verkauf!) des EZB-Goldes hab ich auch noch keinen Beleg gefunden, dass die EZB an die DB verkauft hat. Das wird ja in der den Goldbullen eigenen, oft verschwurbelten und haarsträubend konstruierten Beweisführung schon mal stillschweigend vorausgesetzt. Gegen die überspitzten Argumente der Bullenseite ist man ohnehin in der Regel "machtlos". Offizielle Daten und Märkte werden in der Regel als von den Notenbanken und Geschäftsbanken ohnehin manipuliert dargestellt. Andererseits bekommt man stets und ständig die Daten der Gold/Silver Councils um die Ohren gehauen, nach denen es latent physische Knappheit geben müsste. Und der Short Squeeze bevor stünde - ja wenn nicht die Marktmaniulationen es verhindern würden. Wie eben in diesem Beispiel. Dazu zwei Anmerkungen: 1) Die Daten über Angebot/Nachfrage, Förderung, Verbrauch stammen fast immer vom Gold Council - welcher eine Lobbyvereinigung der Minen ist. Das wirft für mich die Frage auf, wie glaubwürdig sie sind. Ob die veröffentlichen würden, dass es in absehbarer Zeit ein Angebotsüberhang drohen würde, halte ich für unwahrscheinlich. Damit würde man sich ja den Ast komplett absägen, auf dem man sitzt. Die Council-Daten hinterfragt aber niemand. 2) Sämtliche Datenreihen und Beweisführungen für Knappheiten am Gold/Silbermarkt setzen interessanterweise immer in den späten 80er oder frühen 90ern ein. Man "resettet" quasi alles auf diesen Startpunkt, weil man erst ab dann vernünftig die Daten aus China oder RUS oder manchem südamerikanischen Staat auswerten konnte. Was vorher war, fällt unter den Tisch. Bis in die späten 80er war aber gerade China ein gigantischer Nettokäufer von Edelmetallen. Es weiß auch niemand, wie viel sie wirklich gebunkert haben oder noch bunkern - gerade am Silbermarkt. Und ob und wie viel sie abverkauft haben. Insofern sind die Hochrechnungen von Produktionsdefiziten allenfalls eine nette Spielerei, weil ich eine der wichtigsten Variablen nicht kenne: Wie viel Gold und Silber ist unterwegs und lagert ein in China? Edelmetallbullen drehen aber auch das Argument 180 Grad herum. Jahrelang musste China herhalten als Grund für schwache Kurse - die verkauften angeblich ab, weil sie ja bis 1990 zukauften. Und jetzt müssen sie herhalten für künftig steigende Kurse: Weil sie ja wieder bunkern werden, wegen des schwachen Dollars. Sich darüber (wie auch der EZB Sache) mit überzeugten Goldbullen vernünftig zu unterhalten ist aber kaum möglich, denn ruckzuck steht man gleich mit in der Ecke der Leute, die manipuliert oder gekauft sind von Notenbanken und Banken und den Verschwörern ;-)

Von gold-skeptiker
16.04.2009
10:03
Interessante Ausführungen

danke für diese interessanten Ausführungen! Ich bin ebenfalls der Meinung, dass im Goldmarkt zurzeit durch Verschwörungstheoretiker viel Dampf gemacht wird. Auch das wird sich (vermutlich) irgendwann wieder normalisieren.

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