13.10.2009
13:15

Zugegeben, es war ein wenig leichtsinnig, nach etlichen Jahren gut begründeter Abstinenz doch wieder mal einen Vertrag mit der Telekom zu schließen. Oder mit T-Mobile oder T-Com, wer weiß das heute schon so genau.

Die (Teil-)Rückkehr hatte aber eigentlich gleich zwei gute Gründe: Eine ziemlich explodierte Vodafone-Rechnung für August/September - und die Begeisterung über die super-einfache Bedienbarkeit des iPhone, das mir ein Freund aus Schleswig-Holstein während meines dortigen Aufenthalts eine Woche lang zur Verfügung gestellt hatte. Als zweieinhalbter bis dritter Grund sei der Vollständigkeit halber erwähnt, dass mich das endlose Scrollen mit dem "Trackball" bei meinem Blackberry schon nach wenigen Wochen gewaltig nervte.

Und wenn man dank Susann, der Ehefrau des besagten Freundes und Mitarbeiterin des rosa Riesen, dann auch noch vom Tarif "T-Mobile for Friends" für 101,96 Euro/Monat inklusive Flatrate für Festnetz, Internet und alle Mobilnetze sowie 3.000 SMS an alle deutschen Handys erfährt, dann greift man eben einfach mal spontan zu.

Bestellt habe ich das iPhone dann am Mittwoch, nachdem Vodafone mir auf Nachfrage kein vergleichbares Angebot machte. Die Hotline-Ansprechpartnerin der T...irgendwas war äußerst freundlich, bereitete mich aber schonend darauf vor, dass die Übersendung des Gerätes wegen Lieferengpässen bei Apple durchaus drei bis vier Wochen dauern könne.

Nun ja, dann genieße ich solange die Vorfreude. Dachte ich. Ungefähr 42 Stunden lang. Denn dann, man höre und staune, war der DHL-Bote schon da!

Ja, Sie lesen richtig - die angestaubte Telekom hat es tatsächlich geschafft, mir das heißersehnte iPhone innerhalb von weniger als zwei Tagen ab Bestellung zuzustellen: Mittwoch nachmittag bestellt, Freitag morgen geliefert - schneller geht's nicht! Damit hat sich der Immer-noch-irgendwie-Staatskonzern bei mir einen dicken Pluspunkt gesichert, einen Neukunden-Positiv-Bonus sozusagen.

Am Sonntag kam der Pluspunkt dann aber schnell ins Wackeln. Und bis zum gestrigen Montag Abend hatte sich das gerade aufgebaute neue Positiv- wieder in das altvertraute Negativ-Image gedreht, das die T...xyz seit vielen Jahren bei mir innehat.

Wie das kam? Ganz einfach:

1. iPhone ausgepackt

2. Gesucht, wo man die SIM-Karte reinstecken kann

3. Gebrauchsanweisungen durchgeblättert

4. Susann angerufen: "Da muss ein Werkzeug dabei sein irgendwo, das man in das kleine Loch oben reinstecken kann"

5. Werkzeug gesucht - erfolglos. Susann: "Dann nimm eine Nadel oder so"

6. Mit Draht in Loch gestochert - erfolglos

7. Nochmal Susann angerufen: "Da muss eigentlich ein Werkzeug sein bei der Packung, wo das Gerät drin war." Alles nochmal durchgesucht, schließlich das flach auf die Packung geklemmten Handspiegel-förmige Nadel-Dingens entdeckt.

8. SIM-Karte eingelegt, PIN eingetippt. Ratlos, wie es weitergeht.

9. Susann: "Einfach ein paar mal probieren, dann geht's  irgendwann." Ein paar mal probiert. Geht nicht. "Dann ruf die Hotline an, da sind Spezialisten für das iPhone dran."

10. Vom Vodafone-Handy aus die von-D2-aus-offenbar-doch-nicht-kostenlose Hotline angerufen. Gerate in Automatische-Ansagen-Schleife.

11. Auch nach 5 Minuten noch keinen Menschen erreicht.

12. Nach wiederholtem "Hilfe" sagen bis brüllen fällt mir der Trick eines Bekannten ein: Einfach die Bandansage ununterbrochen möglichst unflätig beschimpfen, dann kommt irgendwann nach mehreren "Ich verstehe Sie nicht" ein erlösendes "Ich verbinde Sie mit einem Mitarbeiter". Trick funktioniert.

13. Dem T...-Hotline-Mitarbeiter mein Problem erklärt. Sagt (nach längerer Abwesenheit) dann schließlich "Ist nicht so einfach, da muss man Software installieren. Haben Sie eine Möglichkeit, einen T-Punkt aufzusuchen?" Genervt geantwortet, dass das doch nicht sein könne. Nach beruhigenden Worten des T...-Menschen nur wenig weniger genervt aufgelegt.

14. Montag morgen, 8.45 Uhr: Fahre zum T-Punkt. Nach Parkplatzsuche stehe ich mit iPhone, Papierzeug und Zubehör vor dem Shop. "Öffnungszeiten 10-18 Uhr". Hmpf.

15. Montag nachmittag, 15.30 Uhr: Erneut mit Paket unterm Arm beim T-Punkt. Diesmal offen, kein Kunde vor mir, ein T...-Pärchen strahlt mir entgegen (freufreu, endlich was zu tun!). Schildere mein Problem. Sagt das T...-Weibchen: "Tut mir leid, das ist Apple-Software, die dürfen wir hier nicht draufhaben auf unseren PCs." Genervt. Geschimpft. Etwas beruhigt gefragt, wie man das Ding zum Laufen kriegt. "Da müssen Sie iTunes auf ihren PC runterladen und dann einfach das USB-Kabel vom iPhone einstecken."

16. Montag spätnachmittag, 17.30 Uhr. Daheim erstmal zur Beruhigung was gegessen, dann den Laptop hochgefahren. Stelle freudig fest, dass iTunes schon drauf ist, sogar als Symbol auf der Startseite. Stecke das iPhone ein. Tut nichts.

17. Montag früher Abend, ca. 18.30 Uhr. Erneuter Anruf bei der T...-Hotline. Diesmal sofort unflätig losgeschimpft, wegen erfolgreichem Trick und genervt. Stelle fest, dass die erste Minute Standardansage sich davon nicht beirren lässt. Schimpfe lauter und unflätiger. Nach zwei Minuten dann ein etwas erschrockener Mensch dran. Durchatmen, Problem schildern. "Das muss eigentlich klappen, probieren Sie's nochmal." Probiere nochmal. Klappt nicht. "Moment, ich frage mal bei Kollegen."

18. Nach ca. 5 Minuten Gedudel in der Warteschleife: "Soll ich Sie zur Apple-Hotline durchstellen? Kann aber noch 10 Minuten dauern." Ich (leicht sarkastisch): "Klar, ich warte gerne." Gewartet. Irgendwann Gedudel mit etwas vom Ohr weggehaltenem immer-noch-Vodafone-Handy versucht leiser zu kriegen. Dabei versehentlich falsche Taste gedrückt und Gespräch beendet.

19. Hmpf. Keine Lust, nochmal unflätig zu schimpfen, bedudelt zu werden und so. Nochmal Susann anrufen? Heute nicht mehr, will sie nicht versehentlich genervt anfauchen. Fange an, am Laptop diverse Fenster zu schließen. Entdecke dabei eines, in dem steht "Sie verwenden iTunes 8.2, aber für das iPhone benötigen Sie eine neuere iTunes-Version." Ah!

20. Lade "iTunes 9.0.1" herunter. Dauert insgesamt fast eine Stunde, weil schlechter Empfang mit meiner Vodafone-UMTS-Steckkarte und große Datei. Schaue nebenher Großstadtrevier. Um 19.50 Uhr: "Download erfolgreich." Verbinde das iPhone mittels UMTS-Stecker mit dem Laptop. Drrrriiittt-drrriiittt-ping!


Und schon kann ich stolz verkünden, dass ich jetzt ein super-einfach bedienbares iPhone besitze, mit dem ich ab sofort zum Freundschaftspreis von 101,96 Euro pro Monat surfen, in alle deutschen Netze telefonieren und SMSen kann soviel ich lustig bin.

Sie wollen das auch? Kein Problem: Schicken Sie mir einfach eine Mail, dann sende ich Ihnen gerne den Code zu.

Ist natürlich alles auf eigene Gefahr. Aber wie man sein iPhone in nur 20 einfach fassbaren Schritten zum Laufen kriegt, wissen Sie ja jetzt. Und warum ich die Telekom-Aktie unverändert nicht guten Gewissens zum Kauf empfehlen kann, auch.

Matthias Schrade

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  • 2 Kommentare
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Von Berater
22.10.2009
13:03
:(

Lieber Herr Schrade,


mal ganz ehrlich? Glauben Sie wirklich irgendein Schweit interessiert sich für die unqualifizierten und mithin unakademischen Ergüsse Ihres Blogs?

Es wäre sicherlich wünschenswert sich nicht dauernd als Analystenpolizist auf dem dt. Kapitalmarkt herumzutreiben...

Es grüßt herzlichst,


Der Berater

Von Matthias Sch.
23.10.2009
11:58
:-)

Lieber Berater,

ich glaube nicht nur, sondern ich weiß sogar, dass sich "irgendein [so mag ich unsere Leser nicht nennen]" für diese Ergüsse interessiert - das zeigen die steigenden Abruf- und Abo-Zahlen.

Sie dürfen aber gerne andere Seiten bzw. Blogs besuchen, wenn Ihnen unsere nicht gefällt.

Schöne Grüße

Matthias Schrade

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