30.08.2013
19:13

Balda AG, Berlin, Mittwoch, 4. September, 10:00 Uhr

Zum zweiten Mal in diesem Jahr ruft die Balda AG ihre Anteilseigner zur außerordentlichen Hauptversammlung nach Berlin. In der Gesellschaft, deren jährliches Aktionärstreffen bislang stets nahe dem Firmensitz in Bielefeld stattfand, wird seit Monaten ein Machtkampf ausgefochten, der auf die Initiative der Großaktionärin Elector GmbH zurückgeht, vertreten durch deren Geschäftsführer Dr. Thomas van Aubel. Der Berliner Rechtsanwalt und Investor war Mitbegründer und bis 2009 Aufsichtsratsvorsitzender der inzwischen Konkurs gegangenen Q-Cells AG. Im Dezember 2012 kaufte er sich bei dem westfälischen Kunststoffspezialisten ein und erreichte einen Anteil von nicht ganz 30 Prozent. Die Elector GmbH hat nach Aussage van Aubels keinen anderen Zweck als die Balda-Beteiligung zu halten.

Den Organen, insbesondere Vorstand Dominik Müser und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Michael Naschke wirft van Aubel Inkompetenz vor und verlangt eine komplette Neubesetzung des dreiköpfigen Aufsichtsratsgremiums der Gesellschaft, wofür er sich selbst sowie zwei weitere Kandidaten seines Vertrauens vorschlägt. Die Neuwahlen zum Aufsichtsrat sind daher der einzige Punkt auf der Tagesordnung.

In dem Streit, der seit Monaten auch vor Gericht ausgetragen wird, hat Elector einen Etappensieg erzielt: Statt Dr. Naschke ist laut Beschluss des Amtsgerichts Oeynhausen Prof. Dr. Christoph H. Seibt, Partner der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer LLP in Hamburg, zum Leiter der außerordentlichen Hauptversammlung bestimmt worden.

Außerdem haben sich nun weitere Aktionäre zu Wort gemeldet. Die TPG Opportunities/Octavian - hier gab es in 2012 einen Übernahmeversuch des Kontrollgremiums, der verhindert wurde - hält zusammen mit der ihr zuzurechnenden Indaba Capital Fund, San Francisco/Kalifornien seit Ende August 13,26 Prozent der Anteile der Gesellschaft und ist damit nach Elector die zweitgrößte Anteilseignerin der Gesellschaft. Diese hat nunmehr einen eigenen Aufsichtsratskandidaten vorgeschlagen.

Laut Homepage der Balda AG hält die ebenfalls US-amerikanische Point Lobos Capital, Wilmington/Delaware weitere 2,95 Prozent der Anteile. 0,06 Prozent sind dem amtierenden Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Michael Naschke zuzurechnen, so dass sich 53,79 Prozent der Anteile in Streubesitz befinden. Erscheinen zu wenige Kleinaktionäre auf der Hauptversammlung, könnte die Elector mit ihren mehrheitlichen Anteilen den ihr genehmen Aufsichtsrat durchsetzen. Entscheidend wird die Präsenz sein.

Thomas Hechtfischer, Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e. V. (DSW) hatte bereits auf der Versammlung im Juli, die aufgrund von Formfehlern nicht beschlussfähig war, einen konstruktiven Vorschlag gemacht und für eine Erweiterung des Kontrollgremiums von heute drei auf sechs Mitglieder votiert. Diesem Vorschlag hat sich die Gesellschaft inzwischen zu eigen gemacht, Elector hingegen besteht weiter auf der kompletten Neubesetzung des dreiköpfigen Aufsichtsrats.

Außerdem liegen Gegenanträge der Anteilseigner Manfred Klein und Martina Schütz vor, die wohl vielen Kleinaktionären aus dem Herzen sprechen, in denen sie die Neubesetzung des Aufsichtsrats mit den von Elector vorgeschlagenen Kandidaten ablehnen. Für GSC Research wird Burgula Olschewski verfolgen, ob der Streit geschlichtet werden kann oder weiter die Gerichte beschäftigen wird.

LINK zur Einladung, Tagesordnung und Gegen- bzw. Ergänzungsanträgen


IKB Deutsche Industrie Bank AG, Düsseldorf, Donnerstag, 5. September, 10:00 Uhr

Ein weiterer schwieriger Fall wird am Donnerstag in Düsseldorf verhandelt, wo die IKB Deutsche Industrie Bank AG ihre Anteilseigner zur diesjährigen Hauptversammlung einlädt. Die Bank wurde im Strudel der Finanzkrise kräftig angeschlagen und erholt sich  nur langsam von den Belastungen. Für das abgeschlossene Geschäftsjahr 20112/13 (31.3.) vermeldete die IKB unter dem Strich einen Fehlbetrag von 143 Mio. Euro. Im Vorjahr belief sich der Verlust noch auf 424 Mio. Euro. Außerdem wurden die in Anspruch genommenen SoFFin-Garantien vorzeitig und vollständig zurückgezahlt. Der Aktienkurs hat sich zwar in den letzten zwölf Monaten verdoppelt, allerdings belief er sich vor einem Jahr auf nur 0,30 Euro und liegt derzeit bei knapp 0,60 Euro – zu wenig für Altaktionäre, die bei weit höheren Kursen vor der Finanzkrise eingestiegen waren.

Die Tagesordnung ist recht umfangreich und umfasst neben der Entlastung von Vorstand (TOP 2) und Aufsichtsrat (TOP 3) sowie der Wahl des Abschlussprüfers (TOP 4) Wahlen zum Aufsichtsrat (TOP 5), die Schaffung eines genehmigten Kapitals (TOP 6), die Zustimmung zur Änderung des Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrags mit der IKB Data GmbH TOP 7) und der IKB Beteiligungen GmbH (TOP 8), die Ermächtigung zum Erwerb eigener Aktien zum Zweck des Wertpapierhandels (TOP 9), die Ermächtigung zum Erwerb und zur Verwendung eigener Aktien gemäß mit Ausschluss des Bezugsrecht (TOP 10) und Ermächtigung zum Einsatz von Derivaten im Rahmen des Erwerbs eigener Aktien (TOP 11).

Der Lindauer Aktionär Dietrich-E. Kutz wirft den Organen Unfähigkeit vor und hat einen Gegenantrag eingereicht, in dem er die Ablehnung der Beschlussvorlagen der Verwaltung zu den TOP 2, 3, 5, 6, 10 und 11 fordert. Für GSC Research wird Thorsten Renner die Debatte verfolgen.

LINK zur Einladung und Tagesordnung

 

Burgula Olschewski

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