08.11.2013
17:16

Joint-Venture-Vorhaben gescheitert: Nun verkauft Herlitz sein Kerngeschäft an Pelikan

Beschäftigte und freie Aktionäre wissen nicht, wie es weitergeht

Während die Aktionäre noch mit einem Gemeinschaftunternehmen von Pelikan und Herlitz rechneten, wurden die diesbezüglichen Verhandlungen laut einer Ad-hoc-Meldung vom 7. Oktober abgebrochen. Nun soll stattdessen in Windeseile der Verkauf des Kerngeschäfts an Pelikan erfolgen. Was danach von Herlitz noch bleibt, ist derzeit völlig offen. Seit Bekanntgabe der Verkaufsabsichten fiel der Kurs der Herlitz-Aktie von 1,88 auf 1,40 Euro.

Wie der Berliner Tagesspiegel und die Märkische Allgemeine Anfang der Woche berichteten, soll laut Herlitz-Vorstandsmitglied Thomas Radke das Produktgeschäft herausgelöst und an Pelikan veräußert werden. Das umschließt die gesamte Produktpalette an Papier-, Büro und Schreibwaren der Herlitz AG.

2010 stieg die Schweizer Pelikan Holding als Mehrheitsaktionärin bei der Herlitz AG ein. Die Pelikan Holding gehört zu 96,5 Prozent dem asiatischen Investor Pelikan International Corporation Berhad, Malaysia und hält 70,123 Prozent der Aktien der Herlitz AG, Deutschland. Hinter der malaysischen Gesellschaft steckt der Logistik-Unternehmer Hooi Keat Loo.

Eine Erklärung für das gescheiterte Vorhaben eines Gemeinschafts-unternehmens ist der Herlitz-Vorstand seinen Anteilseignern bislang ebenso schuldig geblieben wie eine Erläuterung dessen, was von Herlitz nach dem Verkauf des Kerngeschäfts noch übrig bleibt.

Wer vertritt bei den Verkaufsverhandlungen die Interessen der freien Aktionäre? Wird Herlitz auch seine Markenrechte mit verkaufen? Stimmt der Verkaufspreis? Werden die freien Aktionäre am Verkaufserlös beteiligt? Verhilft der Verkauf der Herlitz AG zu einer solideren finanziellen Zukunft? Inwieweit sind die Beschäftigten betroffen? Alle diese Fragen bleiben bislang unbeantwortet. Die nächste offizielle Gelegenheit zum Widerspruch der Aktionäre bietet sich erst im kommenden Sommer, wenn die Gesellschaft zur nächsten HV lädt. Dann wird jedoch Thomas Radke nicht mehr Vorstand sein, denn er hat bereits Ende September angekündigt, dass er spätestens im kommenden April zum Haushaltswarenhersteller Leifheit wechseln wird.

Zur Zeit sitzt Radke jedoch nicht nur im Vorstand von Herlitz, sondern seit Beginn dieses Jahres auch im Verwaltungsrat der Pelikan AG und verhandelt daher beim Verkauf des Herlitz-Geschäfts an Pelikan praktisch mit sich selbst. Auch sein Vorstandskollege Hooi Keat Loo, der malaysischen Logistik-Unternehmer, der im vergangenen Oktober für in den Herlitz-Vorstand berufen wurde, vertritt gleichzeitig Pelikan und Herlitz.

Nach Meinung des Sprechers der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) Michael Kunert würde beim Verkauf des Kerngeschäfts wahrscheinlich eine außerordentliche Hauptversammlung erforderlich werden, um die Interessen der freien Aktionäre angemessen zu berücksichtigen, die immerhin noch 29 Prozent der Herlitz-Anteile halten. Aufgrund der mangelhaften Informationspolitik des Unternehmens über den drohenden Ausverkauf kann dies jedoch gegenwärtig nicht abschließend beurteilt werden. Eine offizielle Stellungnahme zu dem nun avisierten Verkauf des Kerngeschäfts steht schließlich noch aus. Zudem hätte aus Sicht des Aktionärsschützers längst ein neuer deutscher Vorstand für die Herlitz AG gesucht werden müssen.

Herlitz verbuchte für das Geschäftsjahr 2012 einen Umsatz von 164,4 Mio. Euro und einen Jahresfehlbetrag von 6,46 Mio. Euro. Trotz eines Umsatzrückgangs im Vergleich zum Vorjahr konnte das Ergebnis verbessert werden. Das Halbjahresergebnis für das laufende Geschäftsjahr fiel indessen mit minus 4,34 Mio. Euro deutlich schlechter aus als 2011 mit minus 2,93 Mio. Euro.

Auch Pelikan wirtschaftet seit Jahren defizitär. Der Jahresverlust konnte zwar zurückgefahren, aber nicht ins Positive gewendet werden. 2012 beliefen sich die Erlöse der Holding auf rund 200 Mio. CHF, der Jahresverlust belief sich auf 3,8 Mio. CHF. Der Kurs der Pelikan-Aktie legte - mit starken Ausbrücken nach oben ? in den vergangenen zwölf Monaten von 12,50 auf heute gut 16 Euro zu. 2010, als der malaysische Logistiker einstieg, kostete eine Pelikan-Aktie allerdings noch rund 40 Euro.


Burgula Olschewski


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