12.03.2015
20:06

Neues Buch - Empirische Untersuchung zu Spruchverfahren

Fast 70 Prozent der Verfahren enden mit Nachbesserungen

Mit einer detaillierten Analyse von mehr als 400 Spruchstellenverfahren wartet das jüngst veröffentlichte Buch "Spruchverfahren nach Squeeze-Out" vom in Kapitalmarktkreisen bekannten Rechtsanwalt und Aktionärschützer Dr. Martin Weimann auf. Dieser ist regelmäßigen Lesern der GSC-HV-Berichte auch als regelmäßiger Debattenredner aus einer Vielzahl von Hauptversammlungen ein Begriff.

Die von Dr. Weimann vorgenommenen Analysen der Spruchverfahren weisen einen in der einschlägigen Literatur bisher nicht vorhandenen Detaillierungsgrad auf. Zu den untersuchten Verfahren werden bis zu 125 verschiedene Daten je Verfahren angegeben. Ebenfalls kann der Leser auf eine Aufstellung aller von Wirtschaftsprüfern und Gerichten verwendeten Zinssätze, eine Gliederung der Daten nach verschiedenen Branchen sowie zahlreiche Praxistipps zurückgreifen.

Neben dem Charakter als Nachschlagewerk für alle mit dem Thema "Spruchstellenverfahren nach Squeeze-Out" befassten Kapitalmarktteilnehmer wartet das Buch auch mit interessanten statistischen Erkenntnissen auf. So kommt auch Dr. Weimann zum Ergebnis, dass die den Minderheitsaktionären angebotene gesetzlich vorgeschriebene Barabfindung in der Mehrzahl der Fälle keinen angemessenen Gegenwert für den Verlust der Aktien darstellt. Ebenfalls interessant ist, dass es im Nachgang zu Squeeze-Out-Beschlüssen in neun von zehn Fällen auch zur Einleitung eines sog. Spruchstellenverfahrens kommt.

Die untersuchten Verfahren erstrecken sich auf den Zeitraum zwischen der erstmaligen Möglichkeit zum Ausschluss der Minderheitsaktionäre in 2002 bis zum Jahr 2013.  In fast 70 Prozent aller in diesem Zeitraum erstinstanzlich beendeten Verfahren wurden die Barabfindungen für die Minderheitsaktionäre nachträglich angehoben. Auch dort, wo es nach dem wirksamen Squeeze-out-Beschluss zunächst zu einer konsensualen Erhöhung des Abfindungsangebots gekommen war, wurde die Abfindung im anschließenden Spruchverfahren in mehr als 40 Prozent der Fälle durch das zuständige
Gericht nochmals angehoben.

Bemerkenswert ist auch die Gesamtsumme, die Aktionären im Nachgang eines Squeeze-outs in den Jahren 2002 bis 2013 über die bereits gezahlte Abfindung hinaus zugeflossen ist. Diese erreicht einen sehr nennenswerten Betrag von über 600 Mio. Euro, den sich die Hauptaktionäre zu Lasten des Streubesitzes zunächst wohl ersparen wollten.

Gegenstand der Diskussionen auf Squeeze-Out-Hauptversammlungen ist sehr oft naturgemäß auch die Qualität der Angemessenheitsprüfung der Barabfindung durch einen sachverständigen Prüfer. Auch hier liefert Dr. Weimann nunmehr statistisch belastbare Zahlen. So kamen die Prüfer in diametralem Gegensatz zur späteren Einschätzung und Beschlussfassung der Gerichte, nur in weniger als einem Prozent der Fälle zum Ergebnis, dass die Abfindung nicht angemessen ist.

Das Buch "Spruchverfahren nach Squeeze-out" ist für EUR 119,95 im Buchhandel oder direkt beim Verlag De Gruyter (orders(at)degruyter.com)  erhältlich. Angeboten wird es wahlweise gebunden (ISBN 978-3-11-040250-6), als PDF-eBook (ISBN 978-3-11-040256-8) oder als eBook im EPUB Format (ISBN 978-3-11-040262-9) erhältlich.

Insbesondere mit Blick auf die Vielzahl der gebotenen statistischen Daten und Erkenntnisse zu den verschiedenen Branchenparametern ist das Buch nach Einschätzung von GSC Research eine empfehlenswerte Ergänzung für die eigene Fachbibliothek aller am Thema Spruchverfahren interessierter Marktteilnehmer


Alexander Langhorst





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