FirstQuote AG (ISIN )



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FirstQuote: Bestandsaufnahme nach Kurssturz

Gezielte Gerüchte über wertlose Übe


Für Aufmerksamkeit unter Beobachtern und Nervosität unter Aktionären sorgte in der vergangenen Woche der Kurssturz der FirstQuote-Aktie. Eine schlechte Charttechnik, Verzögerungen bei der Gewinnung von Großkunden sowie Gerüchte über eine angeblich unvorteilhafte Akquisition ließen den Kurs vorübergehend unter 4 US$ rutschen. Vor allem aus Deutschland kamen massive Verkäufe auf den Markt.

Die jetzige Situation erfordert eine kritische Auseinandersetzung mit dem Ist-Zustand und der wahrscheinlichen Zukunft der von FirstQuote bearbeiteten Märkte. Die Redaktion des Internet-Insiders hat deshalb die aktuellen Hintergründe von FirstQuote recherchiert und untersucht, ob es sich bei dem Kurssturz um eine dauerhafte Trendwende oder nur um eine vorübergehende Schwäche des Aktienkurses handelt.

Klarer Negativfaktor und damit auch Grund für den Kursrutsch sind nach unserer Einschätzung vor allem die Verzögerungen beim Aufbau des Geschäfts und bei der Akquisition von Großkunden. Der Millenium-Bug, der die IT-Abteilungen der Banken in den letzten Monaten des Jahres intensiv beschäftigte und wenig Spielraum für die Installation neuer Software ließ, spielte dabei eine große Rolle. Wie wir aus Bankenkreisen hören, besteht zwar bei mehreren Adressen großes Interesse an der FirstQuote-Software, vor erfolgreichem Überstehen des Datumswechsels wollte sich jedoch keine Bank auf die Installation zusätzlicher Software einlassen.

Auch die schnellen Veränderungen der europäischen Wertpapiermärkte in diesem Jahr trugen zu den Verzögerungen bei. Zur Erinnerung: noch vor einem Jahr saßen die traditionellen Börsenplätze fest im Sattel, heute dagegen rütteln elektronische Netzwerke (ECNs) und neue Orderplattformen an der Stühlen. Vor allem die zweite Jahreshälfte 1999 war in diesem Segment von einer ganzen Fülle von Kooperationen und Beteiligungen geprägt. So hat sich z.B. die Deutsche Bank durch Beteiligungen gleich an mehreren ECNs hervorgetan und damit einerseits das große Potential, andererseits aber auch die Zersplittertheit dieses Sektors aufgezeigt. Die Expertengruppen der Banken haben in dieser Situation zwar versucht, bei möglichst vielen dieser Entwicklungen einen Fuß in die Türe zu bekommen, wirklich festlegen wollte sich dagegen noch kaum ein Institut. So dürfte denn auch FirstQuote von Anfragen durch Banken und Broker regelrecht überflutet worden sein, ohne, dass es bislang zu großen Abschlüssen kam. Hier hatten wir schnellere Erfolge erwartet und einen rascheren Durchbruch vor allem beim Archipelago-ECN, mit dessen Gründervater FirstQuote eng verbunden ist (wir berichteten), erwartet.

Auch kam ein unerwarteter Querschläger in den Weg: im Internet gestreute Gerüchte, dass FirstQuote mit Stockdata eine Flop-Gesellschaft übernehmen werde, sorgten für erhebliche Verunsicherung, da dem Urheber der Gerüchte durch seine vorzeitige Information eine erhebliche Glaubwürdigkeit zukam.

Dies, kombiniert mit der ungünstiger gewordenen Charttechnik, führte letztlich dazu, dass vor allem die stark in dem Wert engagierten deutschen Anleger große Bestände zum Verkauf stellten und den Kursrutsch auslösten.

Um die weitere Entwicklung realistisch abschätzen zu können und um neue Erkenntnisse für die FirstQuote-Spekulation zu gewinnen, haben wir in den letzten Tagen auch unter institutionellen Anlegern, die selber Interesse am FirstQuote Informations- und Orderrouting-System haben und die Produktpalette kennen, recherchiert. Klar heraushören konnten wir dabei, dass das FirstQuote-System zunehmend als ernsthafte Alternative zum teuren Bloomberg- und Reuters-System bekannt wird. Bekanntlich kostet ein Anschluss an den FirstQuote-Datenfluss nur einen Bruchteil eines vergleichbaren Datenabonnements der beiden etablierten Anbietern. Das Interesse institutioneller Anleger zu wecken ist denn auch das Hauptziel von FirstQuote: Im Gegensatz zu anderen Anbietern, die Abonnements meist einzeln oder an kleinere Benutzergruppe verkaufen, strebt FirstQuote bekanntlich vor allem Großabschlüsse mit einer jeweils möglichst großen Anzahl von Lizenzen an. Der Einzelverkauf von Abos soll letztlich nur eine Ergänzung sein, zur größten Umsatzquelle soll der Verkauf von Lizenzpaketen an Großabnehmer wie Banken, Fondsgesellschaften und Brokerhäuser werden.

Ein ehrgeiziges Vorhaben, nicht zuletzt aufgrund der extrem hohen Ansprüche dieser Zielgruppen. Nachdem jedoch gerade in der Schweiz bereits gute Absatzerfolge bei Profi-Kunden erzielt werden, halten wir eine erfolgreiche Umsetzung dieser Strategie für möglich, sofern das Unternehmen beim Ausbau der Informations- und Softwarepalette weiter in die Offensive geht.

Die jetzt angekündigte Absichtserklärung („letter of intent“) zum Erwerb des niederländischen Datenanbieters Stockdata dürfte dabei ein weiterer Mosaikstein sein. Angesichts der zusammenwachsenden europäischen Börsen müssen Anbieter von Informations- und Orderrouting-Systemen mittlerweile in europäischen Dimensionen denken. Stockdata wird es FirstQuote ermöglichen, das spezialisierte Informationsangebot für den niederländischen Markt weiter auszubauen. Genau diesen Bedarf sehen wir auch für andere europäische Märkte, so dass FirstQuote mit dem Stockdata-Erwerb möglicherweise nur den Auftakt einer ganzen Reihe von Übernahmen und Kooperationen gemacht hat. Darauf, dass weitere für europäische Kernländer ähnliche Meldungen folgen, kann jetzt mehr denn je spekuliert werden.

Zudem wird jetzt, wie bereits gestern in der Financial Times zu lesen war und heute auch von Unternehmensseite gemeldet wurde, der Informationsabruf und die Orderabwicklung per Mobilfunk angeboten. Nachdem der Verkauf von Internet-fähigen Mobiltelefonen (WAP-Technologie) bekanntlich hervorragend angelaufen ist und viele Mobiltelefon-Händler bereits bis nach Weihnachten vollständig ausverkauft, kann im nächsten Jahr ein regelrechter Boom für die Informationsabfrage und Ordererteilung per Mobilfunktelefon erwartet werden. Zusammen mit dem britischen Web-Anwendungen-Spezialisten RTS wurde jetzt das erste paneuropäische System für Informationsabruf und Ordererteilung via WAP-Mobilfunk auf den Markt gebracht. FirstQuote bietet damit ein bei keinem anderen Anbieter erhältliches Produkt an und beweist damit einmal mehr, technologisch in Europa die Nase vorne zu haben.

Auch die Gerüchte über die angeblich negativen Effekte der Übernahme von Stockdata sind mittlerweile zu relativieren. Nachdem wir bereits Zweifel daran anmeldeten, dass die selber in erheblichem Umfang an FirstQuote beteiligten Vorstände ihr eigenes Geld für wertlose Übernahmeobjekte ausgegeben, gab es hier mittlerweile auch von anderer Seite Entwarnung. Wie sich herausstellte, soll der Urheber der Gerücht ein entlassener Mitarbeiter von Stockdata sein. Entsprechende Schritte von Unternehmensseite sind wohl bereits in die Wege geleitet.

Nach nochmaliger Auseinandersetzung mit den Marktchancen und Überprüfung der Unternehmensstrategie sehen wir für FirstQuote unverändert die Chance, mit einer ganzen Reihe neuer Entwicklungen den großen Durchbruch zu schaffen. Unser Timing hierfür kam rückblickend betrachtet zu früh: Nach unserer ersten Studie im April 1999 kam zwar rasch enorme Bewegung in das gesamte Marktumfeld für Informations-, Orderrouting- und ECN-Spezialisten, aufgrund der genannten Sonderfaktoren musste das Unternehmen jedoch erst noch weitere Vorleistungen erbringen, um die erhofften Großabschlüsse in greifbare Nähe rücken zu lassen. Wie häufig bei jungen Unternehmen erweist sich der Weg als holpriger, als ursprünglich erwartet. Nach unseren jüngsten Recherchen sind wir jedoch vorsichtig optimistisch, innerhalb der nächsten Zeit eine Beschleunigung der Entwicklung zu erleben.

Wir halten in dieser Situation für Anleger folgende Strategie für sinnvoll: FirstQuote selbst hatte vor einiger Zeit bis zum Jahresende eine Reihe von Ereignissen angekündigt und mit dem StockData-Deal und der Meldung zum WAP-Angebot bereits zwei Züge gemacht, um dieses Versprechen gegenüber den Aktionären auch einzulösen. Der letzte Kursanstieg auf 5 US$ könnte ein Zeichen dafür sein, dass der Markt diesen Fortschritt honoriert. Wir warten die nächsten Wochen ab, ob weitere derartige Meldungen aus dem Unternehmen kommen. Ist dies der Fall, kann davon ausgegangen werden, dass wir mit unserer Prognose eines verzögerten, aber dennoch erfolgreichen Unternehmensaufbaus richtig liegen. Dann können auf dem niedrigen Niveau auch Aktien zugekauft werden.

Einer Anmerkung wert erscheint uns in diesem Zusammenhang noch die Tatsache, dass die in Deutschland zum Verkauf gestellten Stücke in den letzten Tagen in Amerika sehr gut aufgenommen wurden. Diese Entwicklung sollte unbedingt weiter im Auge behalten werden: Bleibt das Kaufinteresse in Amerika unverändert groß, könnten daraus auch Rückschlüsse auf bevorstehende Abschlüsse sowohl bei der Kundengewinnung als auch der Finanzierung geschlossen werden.



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