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HV Bericht SCHUMAG AG

Kämpft trotz deutlicher Ergebnissteigerung nach wie vor mit roten Zahlen


Zu ihrer deutlich verspäteten Hauptversammlung für das Geschäftsjahr 2010/2011 hat die in Aachen ansässige SCHUMAG AG ihre Anteilseigner am 4. Juli 2013 in die Räumlichkeiten der Gesellschaft am Nerscheider Weg in Aachen eingeladen. Der Aufsichtsratsvorsitzende Ralf Marbaise begrüßte die rund 50 Aktionäre, Gäste und Vertreter der Presse, darunter Alexander Langhorst von GSC Research. Nach Erledigung der üblichen einleitenden Hinweise und Formalien erläuterte der Versammlungsleiter die personellen Veränderungen und Gründe für die verzögerte Einberufung der Hauptversammlung und erteilte anschließend dem Vorstand Dr. Johannes Ohlinger das Wort.


Bericht des Vorstands

Nach Begrüßung der Teilnehmer bat Dr. Ohlinger um das Verständnis der Anteilseigner für die verzögerte Vorlage des Geschäftsberichts 2010/2011. Diese Verzögerungen hingen nach seiner Angabe im Wesentlichen zusammen mit Diskussionen zur Frage der Bewertung und Werthaltigkeit der inzwischen nicht mehr fortgeführten Aktivitäten der SCHUMAG BR Energy GmbH, welche sich im Bereich der erneuerbaren Energien betätigt hat. Inzwischen sind diese und weitere Themen der Vergangenheit weitgehend aufgearbeitet, so dass der Bericht für 2010/2011 (30.09.) vorgelegt werden kann und auch der weitere noch ausstehende Jahresabschluss für das Jahr 2011/2012.

Im Berichtszeitraum 2010/2011 hat sich die Weltwirtschaft sowohl im Jahre 2010 wie auch in den ersten Monaten 2011 von den Einbrüchen nach der Finanzkrise erholen können, das BIP-Wachstum in 2010 lag nach Vorstandsangabe bei 4,8 Prozent. Besonders entscheidend für die Geschäftsentwicklung und die Geschäftschancen bei SCHUMAG ist die Entwicklung bei Nutzfahrzeugen und stationären Dieselaggregaten sowie in der Medizintechnik. So konnte der Absatz bei den Nutzfahrzeugen in Deutschland in 2010 um 24 Prozent und damit deutlich über der vergleichbaren Rate in Westeuropa zulegen, der Bereich der Medizintechnik legte um 7 Prozent zu, vor allem wegen der höheren Auslandsnachfrage.

Auf Ebene des SCHUMAG-Konzerns hat sich das beschriebene Marktumfeld entsprechend ausgewirkt, wie Dr. Ohlinger mitteilte. So kletterte der Auftragseingang im Jahresvergleich um 17 Prozent auf 61,7 (Vj.: 52,8) Mio. Euro, in der Kernsparte der Präzisionstechnik konnte der Auftragseingang im Jahresvergleich um 13 Prozent zulegen. Dr. Ohlinger zeigte sich zufrieden, dass es gelungen ist, im Kerngeschäft Präzisionsmechanik erstmals seit dem Geschäftsjahr 2005/2006 wieder ein positives Segmentergebnis erzielt zu haben. Nicht erfüllt haben sich nach Vorstandsangabe hingegen die Erwartungen im Bereich der Anlagentechnik, auch die SCHUMAG BR Energy GmbH hatte mit dem anhaltend schwierigen Umfeld bei den erneuerbaren Energien zu kämpfen und musste weiter über die Muttergesellschaft SCHUMAG AG finanziert werden.

Die Umsatzerlöse bei SCHUMAG kletterten in 2010/2011 im Jahresvergleich um 24,2 Prozent auf 59,2 (45,0) Mio. Euro, hiervon entfielen 55,4 Mio. Euro auf die Präzisionstechnik und weitere 3,8 Mio. Euro auf die zwischenzeitlich eingestellten Photovoltaik-Aktivitäten. Zum Bilanzstichtag lag der Auftragsbestand bei 32,7 nach 29,4 Mio. Euro im Vorjahr. Auf der Ergebnisseite hat sich der deutliche Umsatzanstieg positiv ausgewirkt, trotz einer Verbesserung des Vorsteuerergebnisses um 13,9 Mio. Euro lag dieses mit minus 2,2 Mio. Euro weiterhin im negativen Bereich. Im Einzelabschluss der AG auf Basis des HGB lag dieses bei minus 5,9 Mio. Euro. Unter dem Strich wird ein Konzernergebnis in Höhe von minus 0,96 (minus 15,17) Mio. Euro oder minus 0,29 (minus 4,06) Euro je SCHUMAG-Aktie ausgewiesen.

Fortschritte konnten im Berichtszeitraum auch bei der Entwicklung der Fremdmittelinanspruchnahmen erzielt werden, so verringerten sich die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten zum Bilanzstichtag auf 1,0 Mio. Euro. Bei einer Bilanzsumme von 51,9 (50,7) Mio. Euro belief sich die Eigenkapitalposition auf 13,4 (13,5) Mio. Euro. Dies entspricht einer Eigenkapitalquote von 26,0 (27,0) Prozent.

Im weiteren Verlauf seiner Vorstandsausführungen berichtete Dr. Ohlinger auch noch über die wesentlichen wirtschaftlichen Eckdaten des Geschäftsjahres 2011/2012 sowie die Entwicklung im aktuell laufenden Jahr 2012/2013. Die Umsatzerlöse beliefen sich in 2011/2012 auf 57,5 Mio. Euro, der Auftragseingang verringerte sich deutlich auf 53,9 Mio. Euro. Der Umsatzrückgang resultiert nach Vorstandsangabe aus der Einstellung der Photovoltaik-Aktivitäten. Zum Bilanzstichtag am 30.09.2012 belief sich der Auftragsbestand auf 29,2 Mio. Euro.

In den ersten sechs Monaten des aktuell laufenden Geschäftsjahres 2012/2013 (30.09.) konnte der SCHUMAG-Konzern Umsatzerlöse in Höhe von 24,8 Mio. Euro erwirtschaften, der Auftragseingang lag bei 20,9 Mio. Euro und der Auftragsbestand bei 25,2 Mio. Euro. Laut Dr. Ohlinger hat sich im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres das sehr schwierige Marktumfeld auch auf die Geschäfte bei SCHUMAG ausgewirkt, besonders belastend wirkte sich dabei die anhaltend schwache Nachfrage im Bereich der Nutzfahrzeuge aus. Für das Gesamtjahr 2012/2013 erwartet der Alleinvorstand Umsatzerlöse in Höhe von rund 49,6 Mio. Euro, der Auftragseingang soll einen Wert von 46 Mio. Euro und der Auftragsbestand ein Volumen von 25,5 Mio. Euro erreichen. Wegen des schwierigen Marktumfeldes und der in den Vorjahresvergleichen deutlich geringeren Umsatzerlöse wird im laufenden Jahr kein positives Ergebnis vor Steuern zu erreichen sein.

Der Vorstand bekräftigte, dass alle Register gezogen werden, um die vorhandenen Bestände abzubauen und weitere Optimierungen auf der Materialeinsatzseite und bei den sonstigen Kosten zu erreichen. Dr. Ohlinger wies jedoch auch daraufhin, dass ein Teil der Verluste und Schwierigkeiten aus in der Vergangenheit vollkommen dilettantisch kalkulierten Aufträgen herrührt, aus denen SCHUMAG z.T. erhebliche Verluste schreibt. Da es sich dabei meist um Lieferungen an Kunden handelt, mit denen auch noch weitere Verträge bestehen, ist eine Preisanpassung hier nur sehr schwierig und nicht innerhalb kurzer Zeit möglich. Zudem bestehen nicht unerhebliche laufende Aufwendungen aus Sonderkosten in Höhe von 4,4 Mio. Euro pro Jahr für Pensionszusagen, Sale-and-Lease-Back-Verpflichtungen und sonstigen bestehenden vertraglichen Vereinbarungen. Laut Dr. Ohlinger wird weiterhin alles getan um die Liquiditätslage der Gesellschaft zu stabilisieren.

Abschließend sprach der Vorstand den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die ebenfalls für das Überleben der Gesellschaft mitkämpfen, seinen Dank aus.


Allgemeine Aussprache

Als erster Redner meldete sich Wolfgang Aleff von der Gesellschaft für Wertpapierinteressen e. V. (GfW) zu Wort und bezeichnete das Gefühl beim Blick auf die Gesellschaft als zwiegespalten. So hat der Aktienkurs mit einem Rückgang auf zuletzt rund 1,30 Euro je Aktie deutlich gelitten und ist angesichts der langfristigen Entwicklung des Unternehmens sowie der Reputation des Namens ein Witz. Anderseits, und das dürfte die sehr niedrige Bewertung der Aktie an der Börse erklären, bleibt die Refinanzierung des Unternehmens die größte Baustelle. Inwieweit die jüngst gemeldeten Änderungen in der Aktionärsstruktur hier hilfreich sein werden und die Durchführung einer Kapitalerhöhung ermöglichen bleibt abzuwarten. Verglichen mit dem Vorjahr konnte jedoch eine deutliche Umsatz- und Ergebnisverbesserung realisiert werden, was er als Beweis für die Richtigkeit der eingeschlagenen Strategie bewertete.

Angesichts des nicht erfolgreichen und inzwischen beendeten Ausflugs in die erneuerbaren Energien interessierte sich Herr Aleff wie auch weitere Redner für die Höhe der daraus resultierenden Verluste für SCHUMAG. Nach Angabe von Dr. Ohlinger belaufen sich diese auf 3,3 Mio. Euro für das inzwischen beendete Joint Venture Schumag Green Energy GmbH & Co. KG sowie auf rund 6,7 Mio. Euro aus der Aktivität SPRE. Weitere Belastungen aus den eingestellten Aktivitäten sind nach Vorstandsangabe jedoch nicht mehr zu erwarten.

Ein weiterer Schwerpunkt der Generaldebatte beschäftigte sich den Möglichkeiten die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten auszuweiten und die Wertschöpfungskette zu erweitern und damit die Ertragssituation zu verbessern. Laut Dr. Ohlinger findet Forschung- und Entwicklung bei SCHUMAG im Wesentlichen im Rahmen der Kundenprojekte statt, so erhält man von diesen die zu produzierenden Teile und optimiert diese bis zur Serienreife. F&E im eigentlichen Sinne findet derzeit nicht zuletzt in Ermangelung entsprechender finanzieller Mittel nicht statt. Aktuell ist man auf diese Weise in einigen vielversprechenden Projekten engagiert und hofft hier bei der Vergabe der Serienaufträge erfolgreich zu sein. Dr. Ohlinger wies jedoch darauf hin, dass in diesem Markt und bei den Anbietern ein hoher Preis- und Wettbewerbsdruck vorherrscht. Bei erfolgreichem Abschluss eines Serienfertigungsvertrages verfügt man für ein solches Teil für einen Zeitraum zwischen sieben bis zehn Jahren über relativ konstante und recht gut planbare Abnahmemengen.

Zu den Bemühungen von SCHUMAG zur Verbreiterung der Wertschöpfungskette berichtete Dr. Ohlinger, dass man sich darum bemüht statt einzelner Teile in der Zukunft Teilsysteme zu fertigen und diese an die großen Zulieferer bzw. die Automobilhersteller direkt zu liefern. Hierdurch können naturgemäß attraktivere Margen realisiert werden. Dr. Ohlinger verwies jedoch darauf, dass bei der Fertigung von Teilsystemen nicht nur höhere Margen erzielt werden, sondern auch zusätzliche Produkthaftungsrisiken auf das Unternehmen zukommen. Dennoch will man in der Zukunft mehr Lieferaufträge für Teilsysteme generieren.

Im Zusammenhang mit den bestehenden Bankdarlehen erkundigte sich Herr Aleff nach der aktuellen Valutierung und dem Stand der Gespräche über eine weitere Prolongation. Nach Auskunft von Dr. Ohlinger besteht noch ein Restdarlehen in Höhe von 650 TEUR, die Verhandlungen über eine Prolongation werden in den kommenden Wochen weitergeführt. Die ergänzende Frage des GfW-Sprechers, ob es richtig ist, dass die Vorstandsvergütungen teilweise gestundet werden, beantwortete Dr. Ohlinger mit “ja”.

Des Weiteren interessierte sich Herr Aleff für die Höhe der aktuellen Verlustvorträge der SCHUMAG AG. Laut Dr. Ohlinger betragen diese per 30. März 2010 bei der Körperschaftssteuer 16,269 Mio. Euro und bei der Gewerbesteuer 16,250 Mio. Euro. Inwieweit sich hier durch die jüngsten Veränderungen in der Aktionärsstruktur Änderungen in Nutzbarkeit ergeben haben konnte der Vorstand noch nicht abschließend beantworten, diese Thematik werde man jedoch noch mit der Finanzverwaltung abklären.

Etwas konkreter wollte es der GfW-Sprecher auch mit Blick auf die Prognose des Vorstands für das jetzt laufende Geschäftsjahr 2012/2013 wissen. Als Grund für die Zuversicht, im Gesamtjahr 2012/2013 einen Auftragseingang von 46 Mio. Euro zu realisieren, nannte der Vorstand die Entwicklung der vergangenen Monate. Hinsichtlich des erwarteten negativen Ergebnisses wies Dr. Ohlinger darauf hin, dass bei einem fehlenden Umsatz von 8 bis 10 Mio. Euro auch der entsprechende Ergebnisbeitrag in Höhe von 2,5 bis 3 Mio. Euro fehlt.

Aktionär Böckmann sah die Lage nicht ganz so positiv wie Herr Aleff und konstatierte, dass die SCHUMAG AG “auf den Felgen fährt”, er dankte jedoch Vorstand und insbesondere den Mitarbeitern, die auch in dieser sehr schwierigen Situation weiter für das Unternehmen kämpfen. Kritisch bewertete der Redner die geplante Rückkehr von Herrn Koschel in den Aufsichtsrat der Gesellschaft. Die vom Aktionär erfragten Hintergründe der von Herrn Koschel geltend gemachten Reisekosten in Höhe von über 58 TEUR wurden von der Verwaltung dahingehend beantwortet, dass diese im Zusammenhang mit der Anbahnung von Geschäften in Osteuropa stehen.

Als nächster Redner meldete sich Herr von Ungern-Sternberg, früherer Aufsichtsratsvorsitzender, zu Wort und begrüßte explizit den Ausstieg aus dem Solarthema, gegen welches er sich in seiner Amtszeit vehement gewehrt hat, es aber angesichts der Mehrheitsmeinung im Kontrollgremium nicht verhindern konnte. Kritisch bewertete er die Vorgänge angesichts der letztjährigen Hauptversammlung und die dort zu beobachtenden Angriffe gegen seine Person.

Befragt nach der Höhe der jährlichen Belastungen aus Pensionsverpflichtungen für frühere Vorstandsmitglieder antwortete Dr. Ohlinger, dass sich diese auf rund 1,55 Mio. Euro belaufen. Von diesem Betrag entfielen 1,41 Mio. Euro auf direkte Zahlungen, der restliche Betrag steht im Zusammenhang mit der Bedienung von Rückdeckungsversicherungen für derartige Zusagen. Auf ergänzende Nachfrage wurde der Kauf- und Verkaufspreis der eigenen Aktien vom Vorstand auf durchschnittlich 6,00 Euro für den Kauf und 6,25 Euro für den Verkauf angegeben. Die Stücke wurden an Herrn Thelen als Treuhänder für den ERA-Fonds zur Teilabgeltung von Ansprüchen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer veräußert.

Des Weiteren beantragte Herr von Ungern-Sternberg, anstelle der in der Tagesordnung vorgeschlagenen Ernst & Young GmbH die KPMG als Abschlussprüferin für die Geschäftsjahre 2011/2012 und 2012/2013 zu bestellen. Ein entsprechendes Angebot und eine Unabhängigkeitsbescheinigung liegen ihm von der KPMG vor. Als Grund für den vom Verwaltungsvorschlag abweichenden Vorschlag führte Herr von Ungern-Sternberg aus, dass seitens der KPMG in der Vergangenheit noch keinerlei Tätigkeiten für SCHUMAG erbracht worden sind, Ernst & Young hingegen in der Vergangenheit schon gutachterlich für das Unternehmen tätig gewesen ist.

Aktionär Heinz Zukunft interessierte sich im Rahmen seiner Wortmeldung unter anderem für den Verlauf und das Ergebnis der Prüfung der Bilanzen durch die DPR. Laut Vorstand wurde von der DPR der Abschluss über das Geschäftsjahr 2009/2010 überprüft, es ist im Rahmen der Prüfung zu keinerlei Beanstandungen gekommen.

Zudem interessierte er sich dafür, wie es um die Zahlungsmoral der Kunden von SCHUMAG bestellt ist und inwieweit es hier zu Zahlungsausfällen kommt. Die Zahlungsmoral der Kunden ist nach Angabe von Dr. Ohlinger einwandfrei. Auf ergänzende Nachfrage wurde das von SCHUMAG in Anspruch genommene Factoring-Volumen auf rund 6 Mio. Euro beziffert. Hierfür sind rund 0,4 Mio. Euro an Gebühren für das Handling und weitere 0,3 Mio. Euro an Factoring-Gebühren entstanden.

Aktionär Schweimanns erkundigte sich unter anderem nach der aktuellen Zahl der Auszubildenden und deren Chance auf eine Übernahme nach Abschluss der Ausbildung. Nach Vorstandsangabe beschäftigt das Unternehmen aktuell 33 Auszubildende, davon sind fünf im kaufmännischen und 27 im technischen Bereich tätig. Es werden in jedem Jahr neue Auszubildende eingestellt und der Mehrzahl kann auch eine Übernahme in ein dauerhaftes Arbeitsverhältnis angeboten werden.

Befragt nach Planungen der Verwaltung für eine Kapitalmaßnahme und nach einem möglicherweise bestehenden genehmigten Kapital antwortete Dr. Ohlinger, dass ein solcher Schritt vom damaligen Mehrheitsgesellschafter abgelehnt worden ist und man daher auch keine entsprechende Beschlussvorlage auf die Tagesordnung gesetzt habe.

Hans Jürgen Koppenberg, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e. V. (DSW) beschäftigte sich in seinem Redebeitrag sehr kritisch mit der Geschäftsentwicklung der Gesellschaft sowie den Hintergründen des Ausscheidens des früheren Vorstandsmitgliedes Steffen Walpert. Mit Blick auf das zudem an Herrn Walpert gewährte Darlehen, welches offenkundig uneinbringbar geworden ist, wollte der DSW-Sprecher wissen, wer für “diesen Mist hier verantwortlich ist” und was getan worden ist, um die ausstehende Summe vom Ex-Vorstand einzufordern. Hierzu antwortete Dr. Ohlinger, dass man Herrn Walpert zur Rückzahlung aufgefordert hat, auch mit einem entsprechenden vollstreckbaren Titel war hier jedoch nichts zu holen, da Herr Walpert eine eidesstattliche Versicherung abgegeben hat.

Ergänzend hierzu führte Rechtsanwalt Prof. Dr. Linderhaus als anwaltlicher Vertreter des Aufsichtsrats in der Angelegenheit aus, dass zum Zeitpunkt der Darlehensgewährung die eingetretene Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage von Herrn Walpert nicht absehbar gewesen ist und dieser überdies stets versichert habe, den Betrag zurückzuzahlen. Hätte man Anlass zu Zweifeln über dessen wirtschaftliche Situation gehabt, hätte man schon früher reagiert.

Aktionär Völler aus Köln zeigte sich ebenfalls alles andere als erfreut über die Entwicklung der Gesellschaft. Mit Blick auf die von der Belegschaft erklärten Verzichte wollte er wissen, ob es hierbei Besserungsabreden gibt. Ein Besserungsschein ist nicht vereinbart worden, so Dr. Ohlinger weiter. Auf die Frage nach den begleitenden Banken und Leasinggesellschaften nannte Dr. Ohlinger als Bankhaus das IBB Internationale Bankhaus Bodensee, welches zur Würth-Gruppe gehört, die Leasinggesellschaft ist Maturus aus Hamburg, die Zinsbelastung für die bestehenden Leasing-Verträge beläuft sich nach Vorstandsangabe auf knapp 13,5 Prozent.

Außerdem interessierte sich Herr Völler für den Break-even-Point der SCHUMAG AG auf der Umsatzseite. Nach Einschätzung des Vorstands liegt dieser bei einem Umsatzvolumen zwischen 50 und 52 Mio. Euro im Bereich der Präzisionswerkzeuge. Ausgehend vom erwarteten Umsatzvolumen für das jetzt laufende Geschäftsjahr ist eine Steigerung um 10 bis 15 Prozent notwendig um diesen wieder zu erreichen.

Auf die Frage nach dem aktuellen Status des Spruchstellenverfahrens zum BuG-Vertrag mit der Babcock-Borsig AG aus dem Jahre 1998 antwortete der Vorstand, dass dieses ungeachtet der zwischenzeitlichen Insolvenz des Babcock-Borsig-Konzerns nach wie vor läuft und noch nicht beendet worden ist.


Abstimmungen

Nach Beendigung der allgemeinen Aussprache um 13:30 Uhr wurde die Präsenz mit 3.682.659 Aktien oder 92,07 Prozent des stimmberechtigten Grundkapitals festgestellt. Sämtliche Beschlussvorlagen der Verwaltung wurden mit sehr großer Mehrheit bei zumeist nur wenigen zehntausend Gegenstimmen verabschiedet. Abgelehnt wurde jedoch die vorgeschlagene Wahl der Ernst & Young GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft für die Geschäftsjahre 2011/2012 (TOP 5) und 2012/2013 (TOP 6)

Im Einzelnen beschlossen wurde die Entlastung des ehemaligen Vorstandsmitgliedes Steffen Walpert bis zur Hauptversammlung, die über das Geschäftsjahr 2011/2012 beschließt, zu vertagen (TOP 2). Ferner die Entlastung der Mitglieder des Aufsichtsrats (TOP 3), die Wahl der Herren Peter Koschel und Martin Kienböck in den Aufsichtsrat (TOP 4). Nicht die erforderliche Mehrheit mit Zustimmungsquoten von nur knapp 25 Prozent erhielt hingegen die von der Verwaltung vorgeschlagene Bestellung der Ernst & Young GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Stuttgart, Zweigniederlassung Saarbrücken, zum Abschlussprüfer für das Geschäftsjahr 2011/2012 (TOP 5) sowie für das Geschäftsjahr 2012/2013 (TOP 6).

Nach Ablehnung durch die Hauptversammlung ließ der Versammlungsleiter sodann über den alternativen Vorschlag von Herrn von Ungern-Sternberg zur Wahl der KPMG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Niederlassung Düsseldorf, zum Abschlussprüfer für das Geschäftsjahr 2011/2012 und 2012/2013 abstimmen. Bei jeweils nur knapp 1.500 Gegenstimmen wurde dieser Vorschlag zu TOP 5 und 6 mit über 99,9 Prozent der vertretenen Stimmen angenommen.


Fazit

Die SCHUMAG AG befindet sich trotz sichtbarer Fortschritte im Geschäftsjahr 2010/2011 nach wie vor in einer sehr schwierigen Situation und kämpft um den weiteren Fortbestand. Hierbei ist die eingeschlagene Strategie mit der Fokussierung auf das Kerngeschäft Präzisionsmechanik richtig und sinnvoll. Angesichts der zwischenzeitlich auf den Weg gebrachten Maßnahmen liegt der Break-even-Punkt bei einem Umsatzvolumen zwischen 50 und 52 Mio. Euro und damit deutlich unter dem Umsatzniveau des Jahres 2010/2011 mit Umsätzen von knapp 60 Mio. Euro. Entscheidend für die weitere Entwicklung wird sein, dass es dem Vorstand und den Mitarbeitern gelingt, auf dem eingeschlagenen Weg weiter voranzuschreiten und auch eine Lösung für die weiterhin sehr enge Liquiditätslage zu finden.

Ob die jüngsten Veränderungen in der Aktionärsstruktur auch eine eigentlich zwingend erforderliche Kapitalerhöhung ermöglichen bleibt abzuwarten, ebenso die Antwort auf die Frage, ob es nunmehr endlich gelingt Ruhe in die Aktionärs- und Organstruktur des Unternehmens zu bringen, damit sich das Management voll auf die operativen Baustellen und Herausforderungen konzentrieren kann.


Kontaktadresse

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