Westend Terrain und Beteiligungsholding AG (ISIN )

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HV-Bericht Westend Terrain und Beteiligungsholding

Neuer Vorstand, neues Glück?


Am 20. Dezember 2000 fand im Mariott Hotel in Frankfurt a.M. die ordentliche Hauptversammlung der Westend AG statt. Aufgrund der schlechten finanziellen Lage wurden bereits im Vorfeld angeregte Diskussionen geführt, was jedoch der allgemein guten Stimmung keinen Abbruch tat. Marco Herack war für GSC Research vor Ort und berichtet gewohnt ausführlich.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Herr Püttmann begrüßte die anwesenden Aktionäre, Gäste und Vertreter der Presse. Nach Erledigung der Formalien und Erläuterung des Verlaufs übergab er das Wort an den Vorstandsvorsitzenden Herrn Zimmermann.


<big>Bericht des Vorstands</big>

Herr Zimmermann erläuterte zunächst, dass der Gegenstand des Unternehmens die Beteiligung und die Verwaltung dieser Beteiligungen ist. Während man im ersten Halbjahr die Konsolidierung der Westend-Gruppe vorangetrieben habe, seien im zweiten Halbjahr die Beteiligungsfirmen neu ausgerichtet worden.

So habe man von der Valora UBG deren Anteil an der Unikat übernommen. Der Kaufpreis von 1.859.000 DM sei nach Verrechnung der Forderungen als Darlehen gewährt worden. Die Bürgschaftsverpflichtungen in Form eines Rückpatronats, zugunsten des in Insolvenz befindlichen Kunststoffwerks Greiz, wurde mit einer Einmalzahlung an die Valora UBG als direkter Patronatsgeber erledigt.

Dadurch konnte die Valora UBG ihren Verlustvortrag vollständig abbauen und zum 31. Dezember 1999 einen Bilanzgewinn von 407.000 DM ausweisen. Die Westend sei per 31. Dezember 1999 an der Valora UBG mit 50,1 Prozent, an der Unikat Immobilien AG mit 66,8 Prozent und an der Europa-Haus Grundstücks AG mit 85 Prozent direkt beteiligt.

Durch die Abschreibung der Beteiligung an der Europa-Haus Grundstücks AG habe sich der Bilanzverlust auf 3.331.830,95 Mio. DM ausgeweitet. Auf der Aktivseite der Bilanz haben Investitionen in das Finanzanlagevermögen zu einer Erhöhung beigetragen. Erträge aus Beteiligungen seien nur durch die Unikat generiert worden. Im Berichtsjahr habe man 36.766 Aktien der Unikat zum Preis von 135 DM je Aktie von der Valora UBG erworben. (Informationen zur Unikat Immobilien AG siehe HV-Bericht von GSC Research.)

Aufgrund der Neustrukturierung der Valora UBG wurden Forderungen jener gegenüber der Europa-Haus in Höhe von 290.000 DM auf die Westend AG übertragen. Durch weitere Darlehensgewährungen an die Europa-Haus belaufen sich die Ausleihungen auf 467.501,63 DM. Der Anteil an der Valora UBG wurde von 69,9 auf 50,1 Prozent gemindert. Die Nordia AG, eine 75prozentige Tochter der Valora UBG, werde in dem Geschäftsfeld Prozessfinanzierung positioniert.

Die Liquidität der Gesellschaft und die damit verbundene Zahlungsfähigkeit hänge davon ab, ob man die Beteiligung an der Valora UBG weitgehend veräußern kann oder ob man in der Lage ist, eine Kapitalerhöhung durchzuführen. Scheitert beides, müssen die Aktien der Unikat zwangsverwertet werden, was erfahrungsgemäß zu einem weitaus niedrigeren Preis führt.

Im laufenden Geschäftsjahr konnte der Anteil an der Valora UBG bereits auf 25,1 Prozent reduziert werden. Ziel sei es, die Aktien dieser Gesellschaft breiter zu streuen, was Kapitalmaßnahmen erleichtere und die eigene Liquidität erhöhe, wodurch man sich neuen Zielen widmen könne.

Man wolle sich nun mit dem Aufbau neuer Geschäftsfelder befassen. Der Aufsichtsrat erarbeite ein Konzept für die Ausrichtung auf Beratungsleistungen für Start-up-Unternehmen und Unterstützung bei der benötigten Kapitalsausstattung.

Im Jahr 2000 verfüge man über bedauerlich geringe Barmittel. Während sich auf der Aktivseite keine wesentlichen Veränderungen ergeben hätten, deute sich auf der Passivseite eine deutliche Trendwende an. Der Verlust sei bis Ende des dritten Quartals auf nunmehr 92.000 DM reduziert worden. Die erwarteten Geschäftsvorgänge zur Konsolidierung lassen für das Gesamtjahr ein ausgeglichenes Ergebnis in 2000 erwarten.

Herr Zimmermann sah die Herabsetzung des Kapitals als Sicherungsmaßnahme. Die Rechtsstreitigkeiten bei der Europa-Haus haben sich erledigt. Man habe hier einen günstigen Vergleich geschlossen, welcher bereits größtenteils erfüllt sei.

In Kerpen sei man wirtschaftlicher Eigentümer der KG, welche zur Europa-Haus gehöre. Eine Zwangsverwertung drohe nicht, da ein Teilverkauf im nächsten Quartal abgeschlossen werde. Man habe jedoch Schwierigkeiten bei der Verwertung, da der Bebauungsplan wirtschaftlich nicht umsetzbar sei. Dieser müsse deshalb geändert werden, was jedoch eine schwierige Angelegenheit sei, da man sich mit der Kommune abstimmen müsse.

Für 4.000 qm sei der Bau von Eigenheimen genehmigt, weswegen diese im ersten Quartal 2001 verkauft werden sollen. Die Verwertung der restlichen 4.000 qm müsse mit der Kommune abgesprochen werden, was einen Dritterwerb nahezu ausschließe. Auch sei das Grundstück nicht erste Lage. Die Beteiligung an der Europa-Haus habe man dem entsprechend abgeschrieben und erarbeite nun eine Neupositionierung.


<big>Allgemeine Aussprache</big>

Herrn Hering war unklar, wie die Kapitalherabsetzung Sicherheit schaffen soll, worauf Herr Zimmermann entgegnete, diese Maßnahme bewahre die Westend vor weiteren Verlusten, und er halte dies für opportun.

Ein Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SDK) meinte im Folgenden, er höre jedes Jahr, dass es besser werde. Auch habe er heute zum ersten Mal gehört, dass es in Kerpen nicht so gut laufe. Er wollte wissen, zu welchem Datum Frau Fastnacht und Herr Schulte ausgeschieden sind und welche Gehaltsrückstände sich daraus ergeben.

3 Mio. DM Verbindlichkeiten an Lieferungen und Leistungen würden 500.000 DM an Forderungen gegenüberstehen, was er als nicht sehr positiv sehe. Er frage darum, welche Aussicht Herr Zimmermann hat, das Unternehmen zu retten, und ob Insolvenz eine der Möglichkeiten ist. Weiterhin wolle er die Präsenz wissen und ob es Veränderungen bei den Großaktionären gibt.

Herr Zimmermann erklärte darauf hin, dass Frau Fastnacht und Herr Schulte am 16. Juni 2000 ausgeschieden sind. Der Nachfolger Herr Humpert sei am 17. November 2000 ausgeschieden, seit dem habe er selbst die Zügel in der Hand. Die Aussichten seien wenig rosig. Jedoch wolle man das eigentliche Konzept, Beteiligungen an operativ tätigen Gesellschaften, wieder aufnehmen. Ob man im Einzelfall Kapital benötige, werde man in Zukunft jeweils von Fall zu Fall entscheiden. Das Darlehen von der Saturatech (Anm. des Autors: ehemals Valora VUB) habe man erledigt, nachdem dieses vollständig zurückbezahlt sei.

Das nicht operative Aktienvermögen wolle man verkaufen und vorerst keine Beteiligungen eingehen. Er könne momentan nur diese Aussichten und Daten geben. Auf Nachfrage des SDK-Sprechers, ob die Kapitalmaßnahmen ausreichend seien, um liquide zu sein, antwortete Herr Zimmermann, er denke, dass diese ausreichen und dass man damit die Kurve kratzen könne.

Der SDK-Sprecher wollte nun wissen, ob größere Aktionäre die Kapitalmaßnahmen unterstützen würden. Herr Zimmermann erwiderte, dass er den Kapitalschnitt nur machen werde, wenn die darauf folgende Kapitalerhöhung zu 100 Prozent gezeichnet ist. Herr Hering war sich nicht ganz im klaren, ob dies einen weiteren Kapitalschnitt mit anschließender Kapitalerhöhung betreffe, was Herr Zimmermann sogleich bestätigte.

Herr Dr. Roß, der nächste Redner, erklärte, er sei seit Gründung dabei, und es gehe auf dieser Hauptversammlung weiter wie bisher. Es sei ein alter Geschäftsbericht verlesen worden, und der Aufsichtsrat habe nicht gesagt, dass die HV außerhalb der Frist stattfindet. Er könne nicht verstehen, warum man solch einen Schrott wie die Fimag gekauft habe. Auch solle man Ansprüche gegen ehemalige Vorstände geltend machen. Herr Püttmann warf an dieser Stelle ein, dass er dem Kauf nicht zugestimmt habe.

Der Vorstandsvorsitzende war stolz auf seine Tischvorlage, welche einen 9-Monats-Bericht darstellte. Die Unterlagen, die er gesehen habe, seien grausig gewesen. Er brauche Bedenkzeit, um Ansprüche gegen ehemalige Vorstände zu prüfen und gegebenenfalls geltend zu machen.

Dann meinte Herr Dr. Roß, er finde es unverständlich, dass man für die Aktien der Unikat 135 DM gezahlt habe, wo diese doch zwischen 47 und 50 Euro am Markt gehandelt werden, und er wollte wissen, ob es hierfür ein Gutachten gegeben hat. Er war der Ansicht, dass die Westend die Unikat gemolken hat. Außerdem fragte er nach den Mehrheitsverhältnissen bei Unikat und wie es bei der Gesellschaft aussieht.

Herr Zimmermann erläuterte, dass sich die Unikat in einer Neuorientierungsphase befindet und dass dieses Jahr kein Gewinn zu erwarten sei. Man wolle das Unternehmen dieses Jahr wiederbeleben und das eigentliche Geschäft betreiben. Herr Holdering aus Düsseldorf sei Vorstand der Gesellschaft. Es seien keine Gutachten zum Kaufpreis erstellt worden. Seiner Meinung nach wurde der Buchwertansatz verfolgt.

Die Beteiligung an der Fimag habe man verkauft. Zum Verkaufspreis werde er sich auf der nächsten Hauptversammlung äußern. Ebenfalls verkauft worden sei die Beteiligung an der Braubezug. Dies sei zu 140 Euro das Stück geschehen, und er sehe das als gutes Geschäft an.

Im Folgenden stellte Marco Herack, der Autor dieses Berichts, die Frage, wie es denn kommt, dass Frau Fastnacht am 31. März 2000 ihren Lagebericht unterzeichnete, der Abschlussprüfer am 20. Juni 2000 sein Testat und der Vorstand am 20. November 2000 die Bilanz unterschrieb. Dies, so Herr Zimmermann, habe er sofort nach Amtsantritt gemacht, weswegen diese Konstellation zustande gekommen sei.

Dann stellte Herr Hering die Frage in den Raum, ob man die Westend denn überhaupt noch brauche, da die ehemaligen Verbundunternehmen alle Bereiche abdecken würden, die Stellung der Westend also nicht mehr gegeben ist. Herr Zimmermann bejahte die Existenzberechtigung, denn man wolle neue Geschäftsfelder finden. Auch sei mittlerweile eine Abgrenzung zu den verbundenen Unternehmen erfolgt. Er selbst sehe sich als Insolvenzverwalter.


<big>Abstimmungen</big>

Es waren 78.024 Stimmen vertreten, was 56,29 Prozent der Gesamtstimmen entspricht. Alle Tagesordnungspunkte wurden mit über 98 Prozent Mehrheit angenommen. Abgestimmt wurde über die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat sowie über die Herabsetzung des Grundkapitals, über die Wahlen zum Aufsichtsrat und die Wahl des Abschlussprüfers.

In den Aufsichtsrat wurden die Herren Claus-D. Giessmann, Gerhard Mayer und Ernst-Ulrich Püttmann gewählt. Zum Abschlussprüfer wurde Herr Karl Bender bestimmt, und falls diesem etwas geschehen sollte, wird die EUREVISIO GmbH ersatzweise als Abschlussprüfer für das Geschäftsjahr 2000 tätig.


<big>Fazit und persönliche Meinung</big>

Bei der Westend AG ist wieder einmal ein neuer Vorstand im Amt, und wieder wird den Aktionären versprochen, dass nun alles besser wird. Dieses Mal heißt das Motto "Entflechtung" und "Erschließen neuer Geschäftsfelder". Dies alles kann jedoch nicht über die schlechte wirtschaftliche Situation hinweg täuschen. Die Hälfte des Grundkapitals wurde vernichtet, das Kapital wird herabgesetzt. Ein Aufsichtsratsvorsitzender, der sich bei der Auszählung der Stimmen verrechnet, und seien es nur wenige, bürgt nicht gerade für Vertrauen, zumal dies immer zu Gunsten der Gesellschaft geschah.

Auch der Geschäftsbericht lässt einige Fragen offen: eine Seite zwischen Seite 11 und Seite 12, auf der die Bilanzsumme falsch angegeben wird, ein Lagebericht von Frau Fastnacht für das Geschäftsjahr 1999 am 31.März 2000 unterschrieben, doch die Bilanz unterschreibt der neue Vorstand am 20. November 2000. Die Frage nach dem Warum wurde hier nur unbefriedigend beantwortet.

Der Weg in eine bessere Zukunft sollte mit besseren Methoden, wenn nicht gar mit besseren Leuten, beschritten werden. Ein Anfang wäre hier die Auswechslung des Aufsichtsrats, was einen ernsthaften Anfang zur Entsorgung der Altlasten bedeuten könnte. Da nichts dergleichen geschehen ist, wird wahrscheinlich alles im alten Trott weiterlaufen, und das Geld sollte den Anlegern hierfür zu schade sein, sprich, man sollte diese Aktie meiden.


<big>Kontakt</big>

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