VCI Venture Capital und Immobilien AG (ISIN DE000A0JCYF4)

Panoramaweg 18
D-89518 Heidenheim
Deutschland
Tel.:
+49 (0) 7321 / 609681 - 00
Fax:
+49 (0) 7321 / 609681 - 90
Internet: http://www.vci-ag.de
Kontakt Investor Relations:

Email: info@vci-ag.de


Ungefähr ein Jahr nach der turbulenten ersten Hauptversammlung des Unternehmens im letzten Jahr in Heidenheim fand das diesjährige Aktionärstreffen der VCI Venture Capital und Immobilien AG am Samstag, dem 31. August 2002, im Best Western St. Raphael Hotel in Hamburg statt. Im letzten Jahr noch mit einer Gästekarte der Gesellschaft ausgestattet, musste sich der Autor dieses Berichts, Raimo Werning, in diesem Jahr die Vollmacht eines Aktionärs verschaffen, um überhaupt Eintritt zur Versammlung zu erlangen (Näheres dazu ganz unten im Abschnitt "Fazit und Schlussworte").

Kurz nach 10 Uhr eröffnete der Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Erhard Reich die Hauptversammlung und verlas die üblichen Eingangsformalien. Dabei erklärte er, die Gesellschaft habe in diesem Jahr auf einen Notar verzichtet und spare damit ungefähr 5.000 EUR an Aktionärsgeldern ein. Das schriftliche Protokoll werde er selbst führen, so Herr Reich sen. weiter. Neben dem Aufsichtsratsvorsitzenden waren von Seiten der Organe lediglich noch seine Frau Dorothea Reich, ebenfalls Mitglied des Aufsichtsrats, und sein Sohn Wolfgang Wilhelm Reich, Alleinvorstand der VCI AG, anwesend. Das dritte Aufsichtsratsmitglied Hans-Jochen Grüninger ließ sich entschuldigen, da sein neugeborenes Kind unter starkem Fieber litt.

In seinen weiteren Ausführungen erklärte Herr Reich sen., die Gesellschaft werde auch auf der diesjährigen Hauptversammlung weder für Essen noch für Getränke aufkommen. Als Grund führte er an, andere börsennotierte Gesellschaften würden dies mittlerweile gleichermaßen handhaben. Bezüglich Punkt 5 der Tagesordnung, Vergütung des Aufsichtsrats, gab Herr Reich sen. noch bekannt, der Aufsichtsrat werde auf eine Vergütung verzichten. In der Beschlussvorlage waren noch 1.000 EUR pro Aufsichtsratsmitglied vorgesehen. Damit übergab Herr Reich sen. das Wort an Herrn Reich jun. für dessen Bericht.


Bericht des Vorstands

Das Jahr 2001, so Herr Reich jun., sei das bisher schwierigste Geschäftsjahr der Gesellschaft gewesen. Mittlerweile befinde man sich aber auf dem richtigen Weg und mache Gewinne. Bezüglich der Ergebnisse und Zahlen verwies der Vorstand auf den ausliegenden Geschäftsbericht, welcher seiner Meinung nach in punkto Offenheit und Transparenz seinesgleichen suche.

Zum 30. Juni 2002 habe das Ergebnis nach Abschreibungen 100 TEUR betragen. Für das Gesamtjahr erwarte man ein ähnliches Ergebnis, da im Rahmen der Übernahme eines Immobilienunternehmens höhere einmalige Kosten entstehen werden. Die Kosten, welche Herr Reich jun. mit 150 bis 250 TEUR bezifferte, würden sich auf das laufende sowie die kommenden zwei Geschäftsjahr verteilen.

In den nächsten zwölf Monaten, fuhr Herr Reich jun. fort, werde man eine Kapitalerhöhung zu 1 EUR durchführen und Optionsscheine ausgeben. Für die Kapitalerhöhung mit Bezugsrechten werde man das genehmigte Kapital verwenden und somit den vom Unternehmen überzeugten Aktionären die Gelegenheit bieten, sich weiter zu beteiligen.

Damit kam der Vorstand auf den Aktienhandel zu sprechen. Auf der letzten Hauptversammlung habe er einen Indexstand beim Neuen Markt von 600 Punkten prognostiziert. Mittlerweile liege man bei 500 Punkten. Die Entwicklung beim DAX sehe er hingegen positiv mit einem Stand von 5.000 Punkten in den nächsten zwölf Monaten. In diesem Zusammenhang sprach Herr Reich jun. vermehrt von "Geschenken im DAX" wie Allianz oder Commerzbank, von welcher man im Übrigen 2.000 Aktien halte. Da das große Sterben im Bereich des Neuen Markts begonnen habe und sich auch weiter fortsetze, so Herr Reich jun. abschließend, werde man nicht vorbörslich investieren

Anmerkung: da der Vorstand lediglich auf den Geschäftsbericht verwies, sollen hier der Vollständigkeit halber die wichtigsten Kennzahlen des Geschäftsjahres 2001 kurz genannt werden. Die Umsatzerlöse beliefen sich auf 117 TEUR, die sonstigen betrieblichen Erträge auf 44 TEUR, die Erträge aus anderen Wertpapieren und Ausleihungen auf 159 TEUR. Aus Ausgaben schlugen der Materialaufwand mit 467 TEUR, der Personalaufwand mit 116 TEUR, die sonstigen betrieblichen Aufwendungen mit 341 TEUR und die Zinsaufwendungen auf 39 TEUR zu Buche. Alles in allem ergab sich ein Jahresfehlbetrag von minus 685 TEUR.

Die Bilanzsumme verringerte sich gegenüber dem Vorjahr von 3.261 auf 2.677 TEUR. Des Weiteren kann man dem Geschäftsbericht entnehmen, dass eine von einer Aktionärsgruppe um die AHAG Wertpapierhandelsbank AG eingereichte Klage auf Feststellung der Nichtigkeit der Beschlüsse der Tagesordnungspunkte 24 und 25 (Auflösung der Gesellschaft und Bestellung eines Abwicklers) der letzten Hauptversammlung vom Gericht kostenpflichtig abgewiesen wurde und der Kläger gegen diese Entscheidung keine Berufung einlegte.


Allgemeine Aussprache

Als Erster meldete sich Herr Ralf Hubert zu Wort und fragte, warum der Materialaufwand trotz der Einstellung des Bereichs Embedded Internet so exorbitant hoch war. Auch der Personalaufwand erschien ihm relativ hoch. Zu beiden Punkten wollte er daher vom Vorstand Gründe genannt haben. Im Weiteren sprach Herr Hubert noch die Umwandlung in eine Beteiligungsgesellschaft an. In diesem Zusammenhang wollte er wissen, was für Immobilien man erworben hat und wie es mit dem Bereich Venture Capital weitergeht.

Der Vorstand Reich beantwortete die Frage nach dem Materialaufwand mit dem Hinweis, man sei im Geschäftsjahr 2001 im Bereich Embedded Internet noch tätig gewesen. Allerdings seien durch Herrn Benz, wie auch schon auf der letzten Hauptversammlung ausgeführt, Material und Unterlagen entwendet worden. Der Materialaufwand beinhalte daher im Wesentlichen Ausbuchungen. Nach Angaben von Herrn Reich jun. haben sowohl bei Herrn Benz als auch später bei Frau Stern, der ehemaligen Aufsichtsrätin, Hausdurchsuchungen seitens der Kriminalpolizei stattgefunden, allerdings erst nach einem Dreivierteljahr, da der betroffene Staatsanwalt "noch jung und zu vorsichtig war", und damit natürlich viel zu spät.

Schließlich habe er sich persönlich, so Herr Reich jun. weiter, "auf die Lauer legen" müssen, den ehemaligen Vorstand Michael Benz bei einer Nacht und Nebel-Aktion beobachtet und ihn mit dem Auto verfolgt, als dieser die Unterlagen in eine andere Wohnung brachte. Die Kriminalpolizei habe nach seinem Tipp auch diese Wohnung durchsucht. Allerdings seien auch hier nur zentnerweise Papierberge und keine werthaltigen Teile gefunden und beschlagnahmt worden. Es habe sich jedoch anhand der gefundenen Papiere der Verdacht bestätigt, dass Herr Benz im Rahmen der von ihm gegründeten Websys AG die bei der MMC AG entwickelten Teile weiterverwendet, da die gefundenen baugleich gewesen sind.

Zu den zum 2. Januar 2002 erworbenen Immobilien zählte Herr Reich jun. eine Gaststätte, eine Wohnung und ein Gewerbeobjekt. Alle drei befänden sich in Heidenheim und seien über Zwangsversteigerungen erworben worden. Im laufenden Jahr habe man weitere acht Objekte aus Zwangsversteigerungen erworben. In Heidenheim gebe es eine Bank, welche Probleme hat und daher die Immobilien zu recht günstigen Konditionen abgibt. Die Rendite bei allen aktuell von der VCI AG gehaltenen Immobilien betrage zwischen acht und zehn Prozent, woraus sich der Gewinn von 100 TEUR für das laufende Geschäftsjahr ergebe. Die bereits angesprochenen Kosten für die Renovierung wolle und werde man nicht aktivieren.

Der hohe Personalaufwand resultiert nach Vorstandsangabe aus der Tatsache, dass im ersten Halbjahr 2001 noch zwei Vorstände Gehälter bezogen haben. Des Weiteren seien das Gehalt für einen Mitarbeiter sowie Zahlungen an Hilfskräfte angefallen. Das Gehalt von ihm selbst, so Herr Reich jun., habe monatlich 6.000 DM betragen.

Auf die Nachfrage nach seiner Qualifikation antwortete Herr Reich jun., er besitze keine Ausbildung, habe jedoch seit seinem 15. Lebensjahr im Aktienhandel Erfahrungen gesammelt und sei somit weitaus qualifizierter als die "jungen Hüpfer von der Uni". Aufgrund der Vorgänge in der Vergangenheit mussten viele der Anwesenden bei dieser Aussage lachen. Auf die Frage nach der Fortführung des Bereichs Venture Capital erklärte der Vorstand, man betreibe "kein VC mehr, VC ist nun die Beteiligung an DAX-Unternehmen".

Im Anschluss meldete sich Herr Philipp Steinhauer zu Wort, der einen Aktionär vertrat. Eingangs stellte Herr Steinhauer fest, dass die freien Aktionäre die Aktien erst wertvoll gemacht haben. Dann fragte er, warum die Hauptversammlung in Hamburg abgehalten wird. Außerdem wollte er vom Vorstand wissen, wie die weitere Strategie im Beteiligungsgeschäft aussieht und ob man hierfür auch Fremdkapital aufnehmen wird.

Da Herr Reich jun. lediglich vom "Erwerb eines Immobilienunternehmens" gesprochen hatte, fragte Herr Steinhauer nach dem Namen und weiteren Details zu diesem Unternehmen. Auch zu den bereits erworbenen Immobilien wollte er mehr Auskünfte haben. Abschließend erkundigte sich Herr Steinhauer noch, ob von den insgesamt 69 TEUR an Rechts- und Beratungskosten auch Gelder an Organmitglieder geflossen sind, wie viele Prozesse die Gesellschaft aktuell führt und warum die Kosten der letzten Hauptversammlung mit 47 TEUR so hoch gewesen sind.

Zur in einschlägigen Börsenforen und unter Aktionären geäußerten Vermutung, der Versammlungsort Hamburg sei als "Flucht vor Presse und Aktionären" zu interpretieren, erklärte Herr Reich jun., die Gesellschaft habe auch einmal ihren Aktionären im Norden einmal die Gelegenheit geben wollen, die Hauptversammlung zu besuchen. Weiter meinte er, "im nächsten Jahr wird die Hauptversammlung vielleicht in Berlin stattfinden - oder in Düsseldorf."

Zu dem ominösen Immobilienunternehmen wollte der Vorstand keine näheren Auskünfte erteilen. Es handle sich jedoch um eine OHG, welche man sehr preiswert erworben habe und die der Familie seit Jahrzehnten bekannt sei. In der weiteren Diskussion rutschte Herrn Reich jun. dann doch der Name "Klosterbräu" heraus. Der Vorstand meinte weiter, man werde kein Fremdkapital aufnehmen.

Die Rechts- und Beratungskosten seien unter anderem auch an die Kanzlei des Aufsichtsratsvorsitzenden gezahlt worden. Herr Reich sen. meinte, man könne hierin nichts Schlechtes erkennen. Wenn sich ein externer und unwissender Rechtsanwalt mit den zahlreichen Fällen beschäftigt hätte, wären die Rechts- und Beratungskosten viel höher ausgefallen, ungefähr doppelt so hoch. Aktuell führe man zwischen fünf und zehn Prozesse. Hierin seien aber auch Prozesse über im Verhältnis sehr geringe Mietforderungen enthalten, welche man beim Erwerb der Immobilien übernommen habe.

Hinsichtlich der Kosten der letzten Hauptversammlung führte Herr Reich jun. aus, die mit der Organisation betraute e:finance AG habe mit 35 TEUR "eine unverschämt hohe und so nicht vereinbarte Rechnung" gestellt. Daher habe er die Rechnung einfach nicht bezahlt. Da die e:finance AG aber anscheinend das Geld auch dringend gebraucht habe, habe sie sich nach einer gerichtlichen Klärung mit 9 TEUR zufrieden gegeben. Die Differenz zur ursprünglichen Summe könne man im laufenden Jahr als außerordentlichen Ertrag buchen.

Nachdem einige Aktionäre den Versammlungsraum kurz verlassen hatten und wieder zurückgekommen waren, verbreitete sich schnell die Nachricht, dass der ehemalige Vorstand Michael Benz vor der Tür saß. Auf Nachfrage, warum er nicht herein gelassen werde, antwortete Herr Reich jun., er habe ihm Hausverbot erteilt. Sein Vater Herr Reich sen. ergänzte, man werde diesen "Kriminellen, der einen bestiehlt und betrügt", nicht auf der Hauptversammlung zulassen.

Auf Nachfrage wurden die Kosten für die zwei anwesenden (im wahrsten Sinne des Wortes) kräftigen Männer einer Sicherheitsagentur, die offensichtlich damit beauftragt waren, den Ex-Vorstand Benz am Eintritt zu hindern, mit 25 Euro je Mannstunde beziffert. Die Raumkosten wurden im Übrigen mit 250 EUR benannt; dies sei der günstige Raum in ganz Hamburg gewesen.

Daraufhin erklärte der anwesende Aktionär Christian Werner, die Hinderung eines Aktionärs - schließlich hatte Herr Benz eine Eintrittskarte - am Eintritt zur Hauptversammlung mache alle Beschlüsse der Versammlung anfechtbar und nichtig. Im Folgenden meinten dann einige weitere Aktionäre, man könne die Hauptversammlung nun abbrechen und nach Hause gehen, da sowieso eine neue einberufen werden müsse.

Schließlich blieben aber dann doch alle Aktionäre auf ihren Plätzen sitzen. Lediglich Herr Werner besorgte sich von draußen die Eintrittskarte von Herrn Benz, um später für diesen Widerspruch zu Protokoll zu geben und den Vorfall, nämlich dass ein Aktionär trotz Eintrittskarte am Eintritt zur Hauptversammlung gehindert wurde, sofort im Protokoll festzuhalten, was Herr Reich sen. dann auch tatsächlich niederschrieb. Auf die Möglichkeit einer Anfechtung angesprochen antwortete Herr Reich jun. gelassen, wie bereits im Vorjahr auf entsprechende Hinweise hin, "dann fechten Sie mal an!".

Nun meldete sich Herr Christoph Schäfers zu Wort, der sich ebenfalls als Aktionärsvertreter vorstellte. Dieser fragte den Vorstand nach der Story des Unternehmens: "Wo soll es hingehen?" Ihm kam das Ganze eher wie "die private Vermögensverwaltung der Familie Reich mit Beteiligung der freien Aktionäre" vor. Herr Reich sen. meinte daraufhin, die freien Aktionäre sollten froh sein, dass man die Gesellschaft nach den Problemen in der Vergangenheit überhaupt erhalten habe und nun fortführe. "Denn es wäre auch kein Problem, anstatt nun darum zu kämpfen, die Gesellschaft mit einem übermäßig hohen Vorstandsgehalt und überzogenen Beraterverträgen nach zwei Jahren gegen die Wand fahren zu lassen".

Hinsichtlich der Vision der Gesellschaft erklärte dann noch der Vorstand Reich jun., man wolle sich ungefähr so entwickeln wie die WCM AG, welche ihre Wurzeln ebenfalls in Heidenheim hat, das heißt, man könne die VCI AG mit einer Art DAX- und Immobilien-Fonds vergleichen. Herr Schäfers meinte daraufhin, nur weil man ebenfalls aus Heidenheim kommt und 2.000 Commerzbank-Aktien im Depot hält, sei noch lange keine Ähnlichkeit mit der WCM AG erkennbar. Während der weiteren Diskussion erklärte Herr Reich sen., er habe damals schon in die WCM investiert. Jene sei seinerzeit auch nicht größer gewesen als die "kleine WCM", die VCI AG, heute.

Schließlich fragte Herr Schäfers noch nach der Möglichkeit, die Aktien vorbörslich zu handeln, sowie nach deren innerem Wert. Diesen gab Herr Reich jun. mit 2,50 EUR an. Den Handel auf der Handelsplattform www.proxepo.de habe man in Vorbereitung der Kapitalerhöhung vorerst eingestellt. Da die Kapitalerhöhung zu 1 EUR durchgeführt werde und der innere Wert angeblich 2,50 EUR betrage, fragte Herr Schäfers Vorstand und Aufsichtsrat, ob man dies als aktionärsfreundlich oder aktionärsunfreundlich ansieht.

Herr Reich sen. antwortete daraufhin, für diejenigen Aktionäre, welche an die Gesellschaft glaubten und von ihr überzeugt seien, sei dies extrem aktionärsfreundlich, da sie sich nun weiter günstig beteiligen könnten. Für diejenigen, welche sich nicht an der Kapitalerhöhung beteiligten, sei es extrem aktionärsunfreundlich, da ihr Anteil verwässert werde. Darüber hinaus erklärte Herr Reich sen., man werde die Kapitalerhöhung selbst abwickeln, um Kosten zu sparen. Es werde dabei unmittelbare anstatt mittelbare Bezugsrechten geben. Die Gründerfamilie Reich könne versichern, nur im Rahmen ihrer bisherigen Beteiligung neue Aktien zu zeichnen.


Abstimmungen

Nach ungefähr vier Stunden waren noch zehn Aktionäre anwesend, und es konnte mit der Präsenzfeststellung begonnen werden. Da die Gesellschaft die Organisation der Hauptversammlung in diesem Jahr selbst übernommen hatte, hatte man bis zum Schluss mit diesem Prozedere gewartet, um die Erstellung von Nachtragsverzeichnissen aufgrund von Präsenzänderungen zu vermeiden. Von den insgesamt 750.000 Aktien waren 270.810 Stück anwesend, was einer Präsenz von 36,11 Prozent entspricht.

Der Versammlungsleiter wechselte zwischen den einzelnen Abstimmungen öfters das Abstimmungsverfahren. So wurden bei der Entlastung des Vorstandsmitglieds Michael Benz für das Geschäftsjahr 2001 nur die Jastimmen gezählt. Bei 270.320 Gegenstimmen und 350 Enthaltungen wurde Herr Benz nicht entlastet. 140 Stimmen, welche Herr Werner für Herrn Benz vertrat, waren hier gesperrt. Bei der Entlastung des Vorstandsmitglieds Wolfgang Reich wurden ebenfalls nur die Jastimmen gezählt. Bei 140.000 gesperrten Stimmen und 6.310 Neinstimmen wurde Herr Wolfgang Reich jun. mit 124.500 Jastimmen entlastet.

Auch bei der Entlastung des Aufsichtsrats wurde getrennt abgestimmt und zwar erstens über Olga Stern sowie in einem zweiten Wahlgang über Wilhelm Benz, Wolfgang Erhard Reich, Hans-Jochen Grüninger und Frau Dorothea Reich. Bei 140 Jastimmen und dem Rest mit Neinstimmen wurde Frau Stern keine Entlastung erteilt. Bei der Abstimmung über die restlichen Mitglieder des Aufsichtsrats waren 100.000 Stimmen gesperrt. Bei 167.500 Jastimmen und 3.310 Neinstimmen wurde ihnen die Entlastung erteilt.

Des Weiteren wurde, ebenfalls gegen wenige Neinstimmen, Herr Manuel Weber-Bleyle erneut zum Abschlussprüfer für das Geschäftsjahr 2002 gewählt. Die Beschlussfassung über die Vergütung des Aufsichtsrats von 0 EUR je Mitglied erfolgte einstimmig. Bevor die Versammlung geschlossen wurde, gaben noch einige Aktionäre Widerspruch zu Protokoll zu einzelnen oder allen Punkten der Tagesordnung.


Stellungnahme von Ex-Vorstand Michael Benz

Aus Gründen der Objektivitätswahrung soll an dieser Stelle wiederum kurz auf die im Vorraum verteilte elfseitige schriftliche "Stellungnahme" des ehemaligen Vorstands Michael Benz eingegangen werden, da dieser keine Möglichkeit hatte, sich während der Hauptversammlung zu den Vorwürfen zu äußern (interessierte Anleger können seinen Bericht im vollständigen Wortlaut wohl auch in diesem Jahr bei ihm anfordern, und zwar unter seiner Email-Adresse benz@mmc-ag.de). Herr Benz beschreibt in seiner Stellungnahme weiter die "Demontage des Unternehmens MMC" sowie das "Mobbing gegenüber Vorstand Benz".

Wie Herr Benz schreibt, habe er noch bis April 2001 geglaubt, den Vorstand Reich jun. absetzen zu können, da er für 425.000 von Herrn Reich sen. treuhänderisch gehaltene Aktien à 1 EUR bereits 410 TDM angezahlt hatte. Da aber kein schriftlicher Vertrag existierte, habe die Entscheidung allein bei Herrn Reich sen. gelegen, welcher sich wiederum von seinem Sohn habe beeinflussen lassen. Die 410 TDM habe Herr Benz bis heute von Herrn Reich sen. nicht zurückbekommen und klage sie momentan mit guten Erfolgsaussichten für sich selbst ein.

In seiner Stellungnahme widerspricht Herr Benz hauptsächlich den Vorwürfen der Familie Reich, welche seiner Meinung nach weder bewiesen noch durch Gerichtsurteile bestätigt sind. In gleicher Weise erhebt er selbst Vorwürfe in Form von zahlreichen Fragen. So fragt er unter anderem, warum der Vorstand Reich das MMC-Büro in Deggendorf leerräumte, obwohl Wertgegenstände von Herrn Benz vertraglich zugesichert in Höhe von 157 TEUR enthalten gewesen sind.

Zudem wundert sich Herr Benz sehr über den Wirtschaftsprüfer, Herrn Weber-Bleyle, welchen er mehrfach auf Fehler in den Bilanzen der Gesellschaft hingewiesen habe, worauf jener jedoch nur geantwortet habe, er habe keine Zeit und sei zu einer genaueren Prüfung nicht beauftragt worden. Hier geht es beispielsweise um einen Firmenwagen der Marke Mercedes, dessen Besitz- und Eigentumsverhältnisse von jeder Partei sich selbst zugesprochen, aber offenbar von keiner Seite richtig bewiesen werden können. Das OLG München entschied am 8. August 2002, dass Herr Benz den Wagen nicht an die Gesellschaft herausgeben muss.

In einer Liste zählt Herr Benz weitere Klagen von und gegen die MMC/VCI AG auf, so zum Beispiel eine Aktionärsklage wegen Prospektbetrugs, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Götz (siehe auch www.aktionaere-wehrt-euch.de). Ergebnis laut Michael Benz: von der Familie Reich oder der MMC AG sei bisher kein Verfahren gewonnen worden. Es liege daher die Vermutung nahe, dass Herr Reich jun. die Klagen hauptsächlich führte, so der Bericht von Herrn Benz, um seinen Vater als Anwalt Geld verdienen zu lassen und die Gegner einzuschüchtern sowie finanziell ausbluten zu lassen.


Fazit und Schlussworte

Die letzte Aussage zeigt, dass anscheinend auch Herr Benz nicht immer die volle Wahrheit sagt bzw. schreibt. Denn die von der Aktionärsgruppe um die AHAG eingereichte Klage wurde abgewiesen, was einen Erfolg für die MMC/VCI bedeutet. Es bleibt daher, wie bereits im Vorjahr, sehr schwierig, überhaupt einer der beiden Parteien Glauben geschweige denn Vertrauen zu schenken. Beide überziehen sich gegenseitig mit Vorwürfen, und man muss als Dritter aufpassen, nicht einer der beiden Seiten unrecht zu tun. Nach der letzten Hauptversammlung sprach jedoch aus der Sicht des Autors mehr für Herrn Benz.

Offensichtlich war dies der Anlass für Herrn Wolfgang Reich jun., im Vorfeld der diesjährigen Hauptversammlung ein Schreiben an Matthias Schrade, Geschäftsführer von GSC Research, zu verfassen, in dem man sich einen Besuch des Redakteurs Raimo Werning verbat, da dieser "offensichtlich nicht unabhängig" sei, was der Bericht über die letztjährige Hauptversammlung zeige. Weiter wurde gedroht, gegen den Geschäftsführer persönlich, gegen die Mitarbeiter und auch gegen die GSC Research GmbH gerichtlich mit einer Unterlassungsklage vorzugehen und Schadenersatz zu verlangen. Man sei schließlich "schon mehrmals erfolgreich gegen Personen vorgegangen, die versucht haben, unser Unternehmen zu schädigen."

Zu diesen Vorwürfen lässt sich sagen: selbstverständlich ist der Autor dieser Berichte unabhängig; die wiedergegebene persönliche Meinung spiegelt die tatsächlich auf den Veranstaltungen gesammelten Eindrücke wider. Von der Familie Reich mag man halten, was man will - immerhin präsentierte sie sich aber auf der diesjährigen Hauptversammlung besser als auf der letzten, was allerdings nicht schwer war, jedoch immer noch einer Kapitalgesellschaft unwürdig. Die Aussperrung des Herrn Benz war schlichtweg unerhört und inakzeptabel.

Man spart zwar auf der einen Seite Kosten ein, indem man die Hauptversammlung selbst organisiert, keine Getränke bezahlt und selbst protokolliert. Auf der anderen Seite wirft man das Geld durch das Führen zahlreicher Prozesse zum Fenster hinaus. Viel besser für die Gesellschaft und sicherlich auch für den inneren Frieden der betroffenen Familien wäre es, wenn man den Streit endlich beilegen würde und mit geklärten, eindeutigen Verhältnissen an die Öffentlichkeit ginge.

Für die Aktionäre hätte dies den Vorteil, dass sie endlich wüssten, woran sie sind. Nun bleiben die Zweifel weiter bestehen, und weder die Familie Reich noch der ehemalige Vorstand Benz haben mit ihren Bemühungen Erfolg, Sympathien und Verständnis zu wecken. Es scheint doch, als ob weder der eine noch der andere irgend etwas vorbringen kann, das Hand und Fuß hat. Man darf daher auf die kommende Hauptversammlung gespannt sein, welche - und das erscheint erfreulicherweise ganz sicher - auch stattfinden wird. Denn zumindest von der Insolvenz ist das Unternehmen noch weit entfernt, und das ist eher selten für Unternehmen in unserer Rubrik GSCaution.


Kontaktadresse

VCI Venture Capital und Immobilien AG
Erchenstraße 70
89522 Heidenheim

Tel.: 07321 / 9590 - 28
Fax: 07321 / 9590 - 60

Email: reich@vci-ag.com
Internet: www.vci-ag.com


Firmensuche nach Anfangsbuchstabe:
" 1 2 3 4 7 8 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T Ü V W X Y Z




Impressum

Anzeige: Effektenspiegel