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HV-Bericht SCI AG

NAV erreicht mit 25,45 Euro einen historischen Höchstwert


Die SCI AG hatte für den 23. Juli 2021 zu ihrer 20. ordentlichen Hauptversammlung in das Clubhaus der Sportanlage TuS Merzhausen in die Nähe von Usingen eingeladen. Trotz der Einschränkungen durch die anhaltende Covid-19-Pandemie hatten sich Vorstand und Aufsichtsrat zur Freude der etwa 20 angereisten Aktionäre wiederum zum Abhalten einer Präsenzveranstaltung entschieden. Für GSC Research war Matthias Wahler als Gast vor Ort.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Wilhelm Nachtigall eröffnete die Versammlung um 11:15 Uhr und teilte mit, dass die Mitglieder von Vorstand und Aufsichtsrat vollzählig anwesend sind. Ein notarielles Protokoll war nicht erforderlich. Auf die Bestellung eines Notars wurde deshalb verzichtet. Die Niederschrift erstellte der Versammlungsleiter selbst.

Im Folgenden erläuterte Herr Nachtigall die Formalien und informierte über die wichtigsten Punkte aus Sicht des Aufsichtsrats. In diesem Zusammenhang kam er auch auf die Vorstandsvergütung zu sprechen, die sich aus einer monatlichen Fixkomponente und einem performanceabhängigen Teil zusammensetzt. Für das Geschäftsjahr 2020 hat Alleinvorstand Oliver Wiederhold lediglich die fixe Vergütung erhalten.

Nach diesen Ausführungen übergab der Vorsitzende das Wort an den Vorstand.


Bericht des Vorstands


Herr Wiederhold begann seinen Vortrag mit einem Überblick über die Börsenentwicklung im Jahr 2020, die stark von der Corona-Krise geprägt gewesen war. Das herausragende Ereignis aus Aktionärssicht waren der Crash im März mit der anschließenden rasanten Erholung gewesen, womit der DAX das Jahr 2020 letztlich sogar mit einem kleinen Plus von 3,5 Prozent beendete.

Je nach Branche war die Entwicklung allerdings sehr unterschiedlich. Zu den Verlierern der Pandemie zählten insbesondere der Einzelhandel, die Veranstaltungsbranche, die Luftfahrt und die Touristik. Allerdings gab es auch Gewinner wie die Medizintechnikbranche, Impfstoffhersteller, IT-Unternehmen wie Zoom und Teamviewer sowie Onlinehändler, Streamingdienste und in großen Teilen die Baubranche.

Mit ihren vier Kerninvestments war die SCI laut Herrn Wiederhold von der Krise positiv und negativ betroffen. Zu den Verlierern zählte zweifellos die IFA Hotel & Touristik AG, heute firmierend unter LS Invest AG. Deren Aktie stürzte im März 2020 deutlich ab und rutschte im Herbst noch einmal ein Stück tiefer, bevor eine leichte Erholung einsetzte. Im Stichtagsvergleich gab die LS-Invest-Aktie von 6,60 auf 4,50 Euro nach und wurde entsprechend abgeschrieben.

Bei der Gesundheitswelt Chiemgau (GWC) war das Geschäft im Jahr 2020 gut gestartet. Mit dem Lockdown im März mussten die Therme und das Hotel dann geschlossen werden und auch bei den Reha-Kliniken gestaltete sich die Situation problematisch. Nachdem Corona-bedingt kaum noch operiert wurde, gab es auch weniger Nachfrage nach Rehabilitationsmaßnahmen. Der Aktienkurs gab von 360 auf 290 Euro nach, was aber keinen Abschreibungsbedarf zur Folge hatte. Die GWC-Aktien stehen mit einem Einstandskurs von nur 59 Euro zu Buche.

Gut lief es hingegen bei der InnoTec TSS AG. Als Bauzulieferer zählte das Unternehmen zu den Profiteuren der Krise. Von ihrem Einbruch im „Corona-Crash“ konnte sich die Aktie schnell wieder erholen. Im Stichtagsvergleich war kaum eine Änderung zu verzeichnen. Mit diesem rendite- und dividendenstarken Investment ist der Vorstand nach wie vor sehr zufrieden.

Als viertes Kerninvestment benannte der Vorstand Latvijas Balzams, einen Getränkehersteller mit Fokus auf alkoholischen Spezialitäten aus Lettland. Mit dieser Aufstellung litt das Unternehmen stark darunter, dass die Duty-Free-Bereiche in den Flughäfen für lange Zeit komplett geschlossen waren. Die Aktie rutschte im vergangenen Jahr von 10,30 auf 8,80 Euro deutlich ab.

Die SCI AG insgesamt überstand das Krisenjahr ohne größere Blessuren. Der Net Asset Value (NAV) der SCI-Aktie gab im Jahresverlauf nur leicht um 3,5 Prozent auf 22,91 (Vorjahr: 23,73) Euro nach. Entsprechend erholte sich die SCI-Aktie von ihrem zwischenzeitlichen Einbruch im März 2020, in dem sie ohne Umsatz bis auf 16,60 Euro nachgegeben hatte, schnell wieder. Letztlich beendete sie das Jahr 2020 nur mit einem kleinen Minus.

Sodann kam Herr Wiederhold auf den Jahresabschluss 2020 zu sprechen. Voran stellte er die Information, dass die SCI nach wie vor zu 100 Prozent eigenkapitalfinanziert ist und dies auch unterjährig immer so war. Zwar wurde in dem sehr volatilen Börsenumfeld viel getradet, aber immer nur mit Eigenkapital. Mit einem Anteil von 30 (34) Prozent an der Bilanzsumme verfügt die SCI zudem unverändert über eine hohe Cash-Quote. Im Crash konnten damit unter anderem Euroshop und die österreichische S Immo günstig gekauft werden.

Der Umsatz verdoppelte sich wesentlich bedingt durch die starken Trading-Aktivitäten auf 3,4 (1,5) Mio. Euro. Dies zeigt sich auch im Handelsergebnis, das sich auf 304 (94) TEUR verdreifachte. Darin enthalten sind Herrn Wiederhold zufolge Nachbesserungszahlungen von 47 (24,5) TEUR. Der weit überwiegende Teil des Handelsergebnisses resultiert aber aus dem Trading-Bereich.

Den größten Anteil lieferte Audi mit 138,5 TEUR. Hier hat der Vorstand die Gunst der Stunde genutzt, die Position zu günstigen Kursen noch einmal kräftig aufgestockt und die Gewinne mit dem Squeeze-out realisiert. Größere Ergebnisbeiträge lieferten daneben Metso Outotec, MeVis, Medion sowie NKT A/S und mit Deutsche Post und Aurubis auch zwei liquidere Werte, die im Crash unter die Räder gekommen waren.

Die sonstigen betrieblichen Erträge reduzierten sich deutlich auf 226 (985) TEUR. Wie der Vorstand ausführte, war in dieser Position im Vorjahr als großer Block noch die Nachbesserung von Constantia Packaging als Sondereffekt enthalten gewesen. Im Berichtsjahr konnten 136 TEUR Nachbesserungen aus Spruchverfahren, 45 TEUR an Zuschreibungen und 37 TEUR Gewinne aus Anlagenverkäufen verbucht werden, die sich auf viele kleinere Positionen verteilen. 2020 war nicht unbedingt das Jahr für große Gewinnrealisierungen.

Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen verminderten sich auf 94 (123) TEUR. Rechts- und Beratungskosten fielen nur noch in minimalem Umfang an, nachdem sich im Vorjahr infolge einer steuerlichen Betriebsprüfung eine größere Belastung ergeben hatte. Dafür endete die Prüfung ohne Nachzahlung. Zudem halbierten sich Corona-bedingt die Reisekosten. Auch die Handelskosten fielen niedriger aus, nachdem mit der Commerzbank ein neues Pauschalmodell vereinbart wurde.

Eine zusätzliche Belastung von rund 13 TEUR ergab sich hingegen aus Währungsdifferenzen. Dies betrifft Herrn Wiederhold zufolge ein Konto, das die SCI in polnischen Zloty führt. Der Hintergrund ist, dass die Uniwheels-Aktie, bei der vor einigen Jahren ein Bestand aufgebaut werden sollte, nur in Warschau liquide gehandelt wurde. Es war deshalb seinerzeit sinnvoll, bei der Hausbank ein Konto in Zloty zu eröffnen. Allerdings verlor der Zloty im Berichtsjahr gegenüber dem Euro 7 Prozent an Wert, was einen Währungsverlust zur Folge hatte.

Die Abschreibungen fielen im Berichtszeitraum mit 592 (247) TEUR deutlich höher als in der Vorperiode aus. Wesentlichen Anteil hatte hier nach Angabe von Herrn Wiederhold das Kerninvestment IFA Hotel bzw. LS Invest mit allein 430 TEUR. Der Restbetrag verteilt sich auf viele kleinere Positionen.

Die Dividendenerträge gingen im Wesentlichen bedingt durch die Corona-Krise auf 109 (165) TEUR zurück. Den größten Anteil hatte wiederum die Innotec TSS mit 39 TEUR gefolgt von Gesundheitswelt Chiemgau mit 14 TEUR, die die Dividende erfreulicherweise sogar erhöhte. Daneben erwähnte der Vorstand noch eine Kapitalrückzahlung des Macquaire-Fonds in Höhe von 8 TEUR und die Dividendenzahlung von Latvijas Gaze mit 9 TEUR.

Letztlich schloss die SCI das Geschäftsjahr 2020 mit einem Ergebnis von minus 148 (plus 775) TEUR ab, also einem kleinen Verlust. Dies hat aber, wie der Vorstand anmerkte, keine echte Aussagekraft. Durch zusätzliche Gewinnrealisierungen hätte der Verlust einfach vermieden werden können, was aber wirtschaftlich keinen Sinn gemacht hätte. Entscheidend ist nicht das Jahresergebnis, sondern die Entwicklung des NAV.

Sodann verschaffte Herr Wiederhold den Hauptversammlungsteilnehmern einen Überblick über die im vergangenen Jahr beendeten Spruchverfahren, mit denen in Summe Zuflüsse von 183 (168) TEUR realisiert werden konnten. Die fünf größten Nachzahlungen verbuchte die SCI von Leica, Genescan, Düsseldorfer Ton- und Ziegelwerke AG, Deutsche Immobilien und IVG Immobilien.

Seine Ausführungen zum laufenden Jahr begann der Vorstand mit einem Überblick über die Situation bei den vier Kerninvestments. Positives konnte er von der Beteiligung an IFA Hotel berichten, die in den letzten Jahren eher graue Haare verursacht hatte. Verbunden mit dem Börsenrückzug hatte die Großaktionärin Lopesan hier ein Delisting-Kaufangebot zu 4,60 Euro unterbreitet, das damit viel zu niedrig war. Dennoch hat es der zweitgrößte Aktionär mit einem Anteil von 13 Prozent überraschend angenommen.

Die Lopesan-Gruppe als Hauptaktionärin weitete ihre Beteiligung damit auf rund 90 Prozent aus. Vermutlich rückt jetzt der Squeeze-out näher und Herr Wiederhold ist überzeugt, dass sich dann ein deutlich höherer Ertragswert ergibt. Allein der Buchwert der Aktie beträgt schon 8 Euro. Inzwischen ist der Kurs wieder deutlich gestiegen. Möglicherweise kauft Lopesan weiter zu. Mit einem NAV-Anteil von 17,6 Prozent ist IFA Hotel bzw. LS Invest die größte Position im SCI-Depot.

Auch bei der GWC gibt es erfreuliche Nachrichten. Anfang 2021 hat die Aktie noch einmal nachgegeben, nachdem die Einrichtungen ab November 2020 wieder geschlossen werden mussten. Mit Veröffentlichung des Geschäftsberichts wurde aber bekannt, dass das Ergebnis trotz Pandemie sogar verbessert werden konnte und die Dividende weiter erhöht wird. Zudem bekräftigte das Management, dass es zur Börsennotierung steht. Es gibt sogar Überlegungen, einen variablen Handel aufzunehmen, nachdem es bisher nur eine Kassanotierung gibt, auch ein Aktiensplitt ist in der Diskussion. Mit einem KGV von 6 ist die Aktie nach Überzeugung von Herrn Wiederhold zudem immer noch viel zu günstig.

Sehr zufrieden ist der Vorstand auch mit dem Investment in Latvijas Balzams. Zwar entwickelte sich das Ergebnis 2020 leicht rückläufig. Im ersten Quartal 2021 ging es aber wieder deutlich nach oben. Latvijas Balzams zahlt grundsätzlich keine Dividende. Dafür steigt das Eigenkapital kontinuierlich an. Aktuell sind es 17,95 Euro je Aktie und nach lettischem Recht wäre dieses Niveau im Falle eines Squeeze-out die Untergrenze. Der Kurs liegt indes aktuell lediglich bei 10 Euro und der Buchwert der Position bei der SCI beträgt sogar nur 4,37 Euro.

Auch bei Innotec TSS konnte Herr Wiederhold von einer Fortsetzung der positiven Entwicklung berichten. Der Gewinn des Bauzulieferers entwickelt sich solide und das Unternehmen schüttet traditionell fast das komplette Ergebnis aus. Zuletzt gab es eine unveränderte Dividende von 0,75 Euro. Die Aktie notiert derzeit bei 12,30 Euro, dagegen steht bei der SCI ein Buchwert von 1,30 Euro.

Sodann freute sich der Vorstand berichten zu können, dass der NAV der SCI-Aktie seit Jahresbeginn von 22,91 Euro auf 25,45 Euro zugelegt und damit am Tag der Hauptversammlung einen historischen Höchststand erreicht hat. Allein in den letzten zwei Monaten ging der innere Wert um mehr als 2 Euro nach oben. Wesentlichen Anteil an diesem Erfolg hatte die positive Kursentwicklung bei IFA Hotel und Gesundheitswelt Chiemgau.

Beim Einreichungsvolumen gab es hingegen keine große Veränderung. Aktuell beläuft sich dieser Wert in Summe auf 20,5 Mio. Euro nach 19,9 Mio. Euro zum Jahresende 2020. Die größten Positionen sind unverändert Kölnische Rück, Gerling und AXA, bei denen der Squeeze-out jeweils schon 2007 und 2008 beschlossen worden ist. Alle Verfahren befinden sich aber immer noch in der ersten Instanz; es kann also noch dauern, bis ein Ergebnis vorliegt.

In diesem Zusammenhang teilte Herr Wiederhold mit, dass sich bei dem schwedischen Wert, von dem er auf der letztjährigen Hauptversammlung berichtet und von dem er sich viel versprochen hatte, leider keine Nachbesserung ergeben hat. Das Verfahren war schnell und ohne Nachzahlung beendet. Wie er darlegte, ist in Schweden in aller Regel nach dem Schiedsverfahren Schluss. Das Einreichungsvolumen hatte immerhin 500 TEUR betragen.

Quasi als Nachfolger hat der Vorstand inzwischen einen anderen interessanten schwedischen Abfindungswert erworben. Diese Aktien konnten Herrn Wiederhold zufolge sogar leicht unter dem Einreichungspreis gekauft werden, womit bei der Ausbuchung aus dem Portfolio bereits ein kleiner Gewinn realisiert wurde.

Von einer interessanten Entwicklung konnte Herr Wiederhold bei der österreichischen Intercell AG berichten, die im Jahr 2013 im Zuge einer grenzüberschreitenden Verschmelzung mit der französischen Vivalis AG zur Valneva S.A. wurde. Nachdem die SCI über den Markt insgesamt 1,67 Millionen Nachbesserungsrechte gekauft hatte, tat sich über viele Jahre erst einmal nichts. Im Mai 2021 wurde jetzt aber plötzlich ein vollständiges Gutachten zum angemessenen Verschmelzungsverhältnis beauftragt.

Interessant findet Herr Wiederhold die aktuelle Entwicklung vor allem deshalb, weil Valneva nach der Verschmelzung zunächst finanziell noch schwach aufgestellt gewesen war. Das Unternehmen hat aber nun einen Covid-19-Impfstoff entwickelt, der sich in der klinischen Phase III befindet und von dem die EU bereits elf Millionen Dosen bestellt hat. Inzwischen ist die Aktie sogar an der Nasdaq notiert. Damit steht die finanzielle Leistungsfähigkeit für eine mögliche Nachbesserung inzwischen außer Zweifel. Im Nachhinein war es in diesem Fall also sogar gut, dass sich das Verfahren so lange gezogen hat.

Nachdem immer wieder Fragen zu dessen Zusammensetzung aufgekommen waren, verschaffte der Vorstand den Anwesenden im Folgenden einen Überblick über das „Baltikum-Portfolio“ der SCI. Aktuell umfasst dieses 13 Gattungen mit einem Marktwert von rund 1,9 Mio. Euro und macht damit knapp 17 Prozent am Gesamtportfolio der SCI aus. Bereits bekannt ist die Latvijas Balzams, die zu den vier Kernpositionen zählt.

Sehr interessant findet Herr Wiederhold auch Latvijas Gaze, ein lettisches Versorgungsunternehmen, das sich mit der Einfuhr, der Übertragung, der Speicherung und dem Vertrieb von Erdgas beschäftigt. Seit der Liberalisierung des lettischen Gasnetzes im Jahr 2017 sind die Aktionäre auch an der Netzgesellschaft beteiligt. Der Streubesitz beträgt nur 2,7 Prozent. Der Gewinn entwickelte sich zuletzt rückläufig. Allerdings wird regelmäßig fast das gesamte Ergebnis ausgeschüttet. Der Buchwert beläuft sich auf 8,45 Euro, aktuell notiert die Aktie bei 10,50 Euro.

Ein weiterer Wert aus dem Baltikum ist Pata Saldus. Als vertikal integrierter Holzproduzent und Holzverarbeiter mit eigenem Sägewerk profitiert dieses Unternehmen stark von den aktuellen Trends. Die Holzpreise sind in den letzten Monaten bekanntlich stark gestiegen, womit das Ergebnis und damit das Eigenkapital erheblich verbessert werden konnte. Der Buchwert der Aktie erreicht inzwischen 25,12 Euro und dies wäre wie ausgeführt die Untergrenze im Falle eines Squeeze-out. Die SCI hat einst 6,66 Euro für die Aktien bezahlt.

Die lettische Hansamatrix ist laut Herrn Wiederhold ein Hersteller von Komponenten für Netzwerktechnik und zudem im Bereich Virtual Reality tätig. Die SCI hat im Rahmen einer Umplatzierung eines baltischen Fonds in dieses Unternehmen investiert. Lange Zeit hat das Engagement nicht sonderlich Spaß gemacht. Im ersten Quartal 2021 ging es aber deutlich voran. Bei einem Einstandskurs von 6,55 Euro notiert die Aktie inzwischen bei rund 12 Euro.

Daneben ist die SCI an zwei Molkereiwerten aus Litauen beteiligt. Litauen ist, wie Herr Wiederhold erläuterte, das Land mit der stärksten Molkereiwirtschaft in Europa und vier von fünf Unternehmen der Branche sind börsennotiert. Die SCI ist in Zemaitijos Pienas und Vilvi Group investiert. Abgesehen von dem ungünstigen Einstandskurs bei der Vilvi Group ist der Vorstand mit diesem Engagement zufrieden.

Überdies ist die SCI in Siguldas CMAS investiert. Es handelt sich Herrn Wiederhold zufolge um einen größeren landwirtschaftlichen Betrieb, insgesamt aber um einen kleinen Wert. Trotz des nicht allzu großen Investments übersteigt die Beteiligungsquote der SCI 5 Prozent, was eine Meldung erforderlich machte und in Lettland für eine gewisse Aufmerksamkeit sorgte. Inzwischen hat sich die vom Vorstand erwartete Ergebnisverbesserung eingestellt und es gibt eine Dividende. Die Performance beträgt bisher 20 Prozent.

Statt eines Ausblicks war Herr Wiederhold diesmal am Ende seines Vortrags einen Blick zurück. Wie er in Erinnerung rief, ist die SCI in ihrer heutigen Form mit der außerordentlichen Hauptversammlung mit Sitzverlegung und Umfirmierung am 1. Februar 2001 entstanden. Insofern wird in diesem Jahr 20-jähriges Jubiläum gefeiert.

Die Idee hinter der SCI war es Herrn Wiederhold zufolge, mit Blick auf das im Jahr 2002 in Kraft tretende Squeeze-out-Gesetz verstärkt in Abfindungswerte zu investieren. Bekanntlich ist dann auch gleich viel passiert. Reihenweise führten die Unternehmen einen Squeeze-out durch und der Trend hält bekanntlich bis heute an. Auch nach 20 Jahren ist es dem Team nicht langweilig und man würde gerne noch einmal 20 Jahre weitermachen.


Allgemeine Aussprache

In der folgenden Debatte meldeten sich mehrere Redner mit zumeist kurzen Nachfragen zu Wort. Unter anderem waren dies, in alphabetischer Reihenfolge, die Aktionäre Robin Drastig, Maximilian Eberle, Werner Friedmann, Volker Graf, Bernhard Heine und Rainer Warmuth. Alle begannen mit einem Glückwunsch zum 20-jährigen Firmenjubiläum und fanden dankende Worte für die geleistete Arbeit.

Herr Eberle erkundigte sich nach der Aktionärsstruktur, zu der Herr Wiederhold nichts Neues berichten konnte. Bekanntlich hält er mit seiner Familie etwa 35 Prozent der Anteile und ist damit der größte Aktionär. Im Übrigen sind im Wesentlichen Privataktionäre investiert. Größere institutionelle Investoren sind zumindest nicht bekannt, lediglich eine Stiftung.

Ferner interessierte den Aktionär, warum seit Jahren ein relativ großer Block an eigenen Aktien gehalten wird. Er hielt es für sinnvoller, diese Anteile einzuziehen oder an einen Investor zu verkaufen. Wie Herr Wiederhold darlegte, sollen diese Aktien bewusst nicht eingezogen werden. Der Vorstand will sich gerne alle Opportunitäten offenhalten. Aktuelle Pläne gibt es aber nicht. Verkaufen wäre prinzipiell eine Idee, allerdings nicht unter NAV.

Daran anknüpfend kam die Frage auf, inwieweit der Vorstand etwas unternehmen will, um den Aktienkurs näher an den NAV zu bringen. Schließlich wird die Aktie seit Jahren deutlich unter dem inneren Wert gehandelt, obwohl darin mögliche Nachbesserungen nicht einmal enthalten sind.

Herr Wiederhold konnte diese Frage nachvollziehen. Allerdings betrifft dieses Problem praktisch alle Beteiligungsgesellschaften. Die Möglichkeiten, etwas zu tun, sind im Übrigen begrenzt. Denkbar wäre ein weiteres Aktienrückkaufprogramm. Positiv würde sich vermutlich auch auswirken, wenn wieder eine Dividende gezahlt wird. Dies kann sich der Vorstand im kommenden Jahr vorstellen, wenn es mit IFA Hotel weiter gut läuft und sich die Geschäftsentwicklung insgesamt positiv gestaltet.

Mehrfach wurde die Frage gestellt, ob es wirklich Sinn macht, mehr als 30 Prozent der Bilanzsumme in Cash zu halten. Es wurde vorgeschlagen, in große, liquide Werte zu investieren, die gegebenenfalls schnell wieder zu Geld gemacht werden könnten. Damit könnte auch vermieden werden, dass Negativzinsen gezahlt werden müssen.

In seiner Antwort stellte Herr Wiederhold klar, dass die SCI keine Negativzinsen zahlt. Das Parken der Mittel in liquiden Werten ist für ihn keine Option. Auch damit würde man schließlich das Marktrisiko eingehen, welches man gerade vermeiden wolle. Eine Krise und ihr Auslöser sind nun einmal nicht vorhersehbar. An eine Pandemie hätte Anfang 2020 auch keiner gedacht. Wichtig für die Resilienz sind nach Auffassung von Herrn Wiederhold eine breite Diversifikation des Depots, Schuldenfreiheit und eine hohe Liquidität.

In diesem Zusammenhang interessierte Herrn Drastig, in welchem Umfang der Vorstand im Crash im März 2020 die liquiden Mittel tatsächlich für Investments genutzt hat. Nach Aussage von Herrn Wiederhold wurde gestaffelt nach unten gekauft. Durchweg hatte die SCI aber noch genug Pulver trocken. Nach Schätzung des Vorstands befanden sich immer mindestens 500 TEUR auf dem Konto. Im Übrigen wurden die Aktien im folgenden Aufschwung viel zu früh wieder verkauft, nachdem man davon ausgegangen war, dass die zweite Corona-Welle an der Börse noch einmal zu einer Abwärtsbewegung führt.

Herr Friedmann bat um ergänzende Erläuterungen zum Thema Intercell. Ihm erschloss sich nicht, dass es ein Vorteil sein soll, dass das Unternehmen jetzt zu einem Konzern gehört, der erfolgreich in der Impfstoffforschung tätig ist. Die Verschmelzung liegt schließlich schon viele Jahre zurück.

In seiner Antwort bestätigte Herr Wiederhold, dass grundsätzlich das Stichtagsprinzip gilt, also die Situation am Tag der Verschmelzung bewertet wird. Anders sieht es allerdings aus, wenn die Basis für den späteren Erfolg zu diesem Zeitpunkt schon gelegt war – die sogenannte Wurzel-Theorie. Nachdem bei der Entwicklung von Covid-19-Impfstoffen auf frühere Forschungsergebnisse zurückgegriffen wird, wäre dies durchaus möglich. Die Argumentation ist allerdings schwierig.

Auch wenn die Situation so bewertet wird, wie sie damals war, sieht der Vorstand indes gute Chancen, eine Nachbesserung zu erreichen, zumal bei einer Verschmelzung beide Seiten bewertet werden müssen. Für die SCI, die wie dargelegt 1,67 Millionen Nachbesserungsrechte hält, eröffnet sich damit ein interessantes Potenzial, zumal die Nachbesserungsrechte vor einigen Jahren komplett abgeschrieben worden sind, also mit Null in der Bilanz stehen. Nach den jüngsten Ereignissen könnte das Thema nach Einschätzung des Vorstands nun auch schnell beendet werden.

Ein Thema der Debatte waren ferner die baltischen und lettischen Aktien, die nach Auffassung von Aktionär Warmuth eine schöne Ergänzung zu den deutschen Nebenwerten darstellen. Spannend findet er vor allem, dass der Buchwert in diesen Ländern die Untergrenze im Falle eines Squeeze-out darstellt, was das Risiko bei diesen Investments enorm reduziert. Er wollte wissen, ob es eine solche Regelung auch noch in anderen Ländern gibt.

Nach Aussage von Herrn Wiederhold ist die Regelung in den drei baltischen Staaten jeweils ähnlich. Im Falle einer Abfindung gilt der Börsenkurs oder das Eigenkapital als Untergrenze. Ein Ertragswertverfahren wie in Deutschland ist dort unbekannt.

Herr Nachtigall ergänzte, dass es in Polen eine ähnliche Regelung gibt. Erwirbt ein Investor dort mehr als 95 Prozent an einem Unternehmen, hat er drei Monate Zeit, ein Abfindungsangebot zu diesen Konditionen zu unterbreiten. Bei dem beabsichtigten Zusammenschluss der Vita 34 AG mit der Polski Bank Komorek Macierzystych S.A. wird dies ein Thema werden.

Ferner wurde die Frage gestellt, ob die SCI auch in Aktien investiert, die vor einem Delisting stehen. Als möglicherweise spannendes Beispiel wurde Centrotec genannt. Herr Wiederhold bestätigte, dass dies grundsätzlich interessant sein kann, zumal ein Delisting zumeist den ersten Schritt vor weiteren Maßnahmen darstellt. Problematisch ist aber, dass die Aktie dann erst einmal illiquide ist, wenn sie nicht in Hamburg weitergehandelt wird. Insofern ist der Vorstand bei diesem Thema eher zurückhaltend.

Aktionär Bernhard Heine äußerte sich erfreut, dass der NAV allein in den letzten zwei Monaten um 11,5 Prozent gestiegen ist. Ihn interessierte, zu welchem Kurs die IFA-Hotel-Aktien in die aktuellen Berechnungen eingeflossen sind, nachdem deren Entwicklung einen enormen Einfluss hat. Hier wurde Herrn Wiederhold zufolge der Vortageskurs von 7,45 Euro zugrunde gelegt.

Eine weitere Frage von Herrn Heine betraf die Audi-Position. Er hatte der Präsentation des Vorstands entnommen, dass damit ein Trading-Gewinn erzielt worden ist, woraus er schloss, dass die Aktien zumindest teilweise vor dem Squeeze-out verkauft worden sind.

Dies verneinte Herr Wiederhold. Alle im Bestand befindlichen Audi-Aktien wurden im Rahmen des Squeeze-out abgefunden. Nachdem sie großteils nur wenige Monate vorher gekauft worden waren, ergab sich damit aber dennoch ein Trading-Gewinn. Insofern haben sich die vorab angestellten Berechnungen, dass ein Squeeze-out etwa zu 1.500 Euro kommen müsste, als richtig herausgestellt.


Abstimmungen

Vor Eintritt in die Abstimmungen verkündete Herr Nachtigall die Präsenz. Auf der Hauptversammlung waren 219.741 Aktien vertreten. Bezogen auf das gesamte Grundkapital von 480.207 Euro, eingeteilt in ebenso viele Aktien, entsprach dies einer Quote von 45,76 Prozent.

Alle Beschlüsse wurden einstimmig gefasst. Im Einzelnen waren dies der Vortrag des Bilanzgewinns auf neue Rechnung (TOP 2), die Entlastung von Vorstand (TOP 3) und Aufsichtsrat (TOP 4), die Wahl von Wirtschaftsprüfer Stefan Süring zum Abschlussprüfer (TOP 5) sowie die Vergütung des Aufsichtsrats mit insgesamt 16.500 Euro (TOP 6).

Um 13:11 Uhr schloss der Vorsitzende die Versammlung.


Fazit

Die SCI AG hat das Corona-Jahr 2020 gut überstanden. Trotz der zwischenzeitlichen Börsenturbulenzen verzeichnet die Beteiligungsgesellschaft eine solide Entwicklung, was nicht zuletzt dem hohen Cash-Bestand zu verdanken ist. So konnte in der Crash-Phase im März 2020 in einige interessante Werte investiert werden, die zum größten Teil allerdings zu früh wieder verkauft wurden. Letztlich wurde das Geschäftsjahr 2020 mit einem leicht rückläufigen NAV abgeschlossen.

2021 läuft es deutlich besser. Seit Jahresbeginn legte der NAV trotz der konservativen Aufstellung des Portfolios bereits um 11 Prozent zu und erreichte mit 25,45 Euro einen neuen Höchststand. Dazu beigetragen hat vor allem die IFA-Hotel-Aktie, die in den letzten Monaten deutlich zulegte und jetzt zumindest auf Höhe des Buchwerts notiert. Es ist gut möglich, dass bei diesem Investment der Squeeze-out naht. Damit entwickelt sich die Beteiligung, die über die Jahre einiges an Nerven gekostet hatte, letztlich doch noch positiv.

Auch die anderen Kerninvestments befinden sich im Großen und Ganzen auf einem guten Weg. Zudem ist die SCI mit dem hohen Cash-Bestand gut auf weitere Krisen vorbereitet, die keineswegs ausgeschlossen werden können. Interessant sind auch die verschiedenen baltischen Werte im Portfolio, bei denen sich zumeist eine günstige Bewertung und Squeeze-out-Fantasie vereinen und die der Vorstand im Rahmen dieser Hauptversammlung auf vielfachen Wunsch näher vorstellte.

Die SCI-Aktie hat sich von ihrem Einbruch im März 2020 schnell wieder erholt. Nach der Meldung über den neuen Höchststand beim NAV übersprang der Kurs wieder die Marke von 21 Euro. Auch damit notiert die Aktie aber noch 20 Prozent unter dem NAV, was zu viel erscheint, zumal im NAV mögliche Nachbesserungszahlungen gar nicht enthalten sind. Zudem könnte es im kommenden Jahr wieder eine Dividende geben. Die SCI-Aktie ist weiterhin ein interessantes und risikoarmes Investment.


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