Securenta AG (ISIN )

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Mit erheblicher Verspätung lud die Securenta AG ihre Anteilseigner am 30. September 2004 in die Stadthalle nach Göttingen ein, um diesen über das Geschäftsjahr 2002 zu berichten. Der Aufsichtsratsvorsitzende Joachim Klein begrüßte die rund 200 Aktionäre und Gäste, darunter Alexander Langhorst von GSC Research, und erteilte nach der Erledigung der üblichen einleitenden Formalien und Hinweise dem Vorstandssprecher Dr. Jürgen Rinnewitz das Wort.


Bericht des Vorstands

Nach der Begrüßung des Auditoriums erklärte Dr. Rinnewitz, dass die Securenta AG auch weiterhin mit Qualität, Fachkompetenz und Innovation nachhaltig wachsen und sich als führender Emissionsdienstleister in Deutschland positionieren will. Eine zufriedene und starke Basis bei den Service-Kunden ist nach seiner Einschätzung eine Voraussetzung für eine positive Wertschöpfung des Unternehmens zugunsten der Aktionäre und Anleger. Im Geschäftsjahr 2002 wurde nach den Worten von Dr. Rinnewitz eine Reihe von Etappenzielen erreicht auf dem Weg zur Dividendenreife für das Jahr 2005.

Mit der Neuausrichtung der Securenta AG im Geschäftsjahr 2001 wurden nach Vorstandseinschätzung die Weichen für die Neuausrichtung zum Emissionsdienstleister gestellt. Wesentliche Punkte waren die Optimierung der Vermögens- und Finanzierungsstruktur, die Umsetzung radikaler Kostensenkungsmaßnahmen, die Verbesserung der Marktattraktivität, der Ausbau der Marktstellung als Emissionsdienstleister sowie der Auf- und Ausbau von Geschäftsbeziehungen zu Emittenten. Im Ergebnis führten diese Maßnahmen nach Aussage von Dr. Rinnewitz zum erfolgreichen Turnaround im Geschäftsjahr 2002 der mit einem Jahresüberschuss von 3,86 Mio. EUR zugleich die Rückkehr des Unternehmens in die Gewinnzone markiert.

Erfreut zeigte sich Dr. Rinnewitz über den positiven Ergebnisbeitrag der Tochtergesellschaften, die mit 2,1 Mio. EUR einen deutlich über dem Vorjahr liegenden Beitrag zum Ergebnis lieferten. Ferner ergaben sich durch die Ausgliederung einzelner Unternehmensbereiche in eigenständige Tochtergesellschaften positive Auswirkungen sowie außerordentliche Erträge.

Im Vergleich zum Vorjahr hat sich das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit von minus 6,6 auf minus 14,2 Mio. EUR verschlechtert, der Jahresüberschuss hat sich dabei jedoch deutlich von minus 6,7 auf plus 3,9 Mio. EUR verbessert. Durch das positive Jahresergebnis hat sich der Bilanzverlust von minus 159 auf 155,1 Mio. EUR verringert, das Eigenkapital hat sich im Berichtszeitraum von 38,7 auf 42,5 Mio. EUR erhöht. Ebenfalls in den positiven Bereich drehte der Cashflow von minus 41,2 auf plus 22,6 Mio. EUR, und das Ergebnis je Aktie nach DVFA/SG belief sich laut Vorstandssprecher auf plus 0,05 EUR (Vj.: minus 0,09 EUR).

Im Berichtszeitraum konnten das Geschäftsfeld Emissionsdienstleistungen laut Dr. Rinnewitz erfolgreich restrukturiert und der Grundstein für eine nachhaltig positive Entwicklung in der Zukunft gelegt werden. Bedingt durch die Belastungen aus den inzwischen eingestellten staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen hat sich der bis dahin über die FINCONSULT abgewickelte eigene Vertrieb eher zurückhaltend entwickelt, weswegen das Management den Rückzug aus diesem Geschäft beschlossen hat und sich auf die Dienstleisterfunktion für Dritte fokussiert.

Mit dieser Strategie, die nicht zuletzt von der Gewinnung geeigneter externer Partner abhängt, konnten nach Aussage von Dr. Rinnewitz in den Jahren 2003 und dem bisherigen Verlauf in 2004 deutliche Erfolge erzielt werden. Neben den bereits bestehenden Kundenverbindungen befindet sich die Verwaltung in anhaltenden Gesprächen mit weiteren Partnern. Durch die Fokussierung auf die Bereiche Emissionsdienstleistungen und Versicherungen sollen die sich hier ergebenden Marktchancen konsequent und effizient genutzt und die weitere Entwicklung der Gesellschaft dauerhaft abgesichert werden.

Das Geschäftsfeld Immobilien der Securenta AG hatte nach Verwaltungsangabe im Berichtszeitraum mit dem seit sieben Jahren anhaltenden schwierigen Marktumfeld zu kämpfen, und die weiter schrumpfende Nachfrage nach Immobilien insbesonderse in den neuen Bundesländern machte in einzelnen Objekten Mietreduktionen nötig. Mit Blick auf das Objekt Siekhöhe am Standort in Göttingen erklärte Dr. Rinnewitz, dass derzeit verschiedene Varianten geprüft werden, die über die Veräußerung des Rohbaus und die Eigennutzung bis hin zur Vermietung des Objekts reichen. Bei Investitionen hat sich die Gesellschaft im Berichtsjahr zurückgehalten, Wertschöpfungspotenziale durch Instandhaltungen wurden jedoch konsequent genutzt und hierfür 279,3 TEUR investiert.

Zum Bilanzstichtag verfügte das Unternehmen über 21 Immobilien im Anlage- und weitere zwei Objekte im Umlaufvermögen, die Mieteinnahmen von 4,93 Mio. EUR ermöglichten. Ferner wurden im Geschäftsjahr 2,6 Mio. EUR für Tilgung und Hypotheken aufgewendet. Im Zusammenhang mit Mietausfällen wurden außerordentliche Abschreibungen von 882,3 TEUR vorgenommen, die stillen Reserven im Immobilienbestand erhöhten sich nach Verwaltungsangabe im Berichtsjahr um 12,2 auf über 17 Mio. EUR.

Im Bereich der Unternehmensbeteiligungen entwickelt sich die Gutingia Versicherung nach Angabe von Dr. Rinnewitz zu einer wahren Ertragsperle, die insbesondere im laufenden Geschäftsjahr einen ansehnlichen Gewinn erwirtschaften soll aus dem signifikant gesteigerten Geschäftsvolumen. In 2002 behauptete sich das Unternehmen in einem anhaltend schwierigen Umfeld. Das Neugeschäft verringerte sich von 67 auf 40,9 Mio. EUR und entfiel zu 82 Prozent auf die fondsgebundene Versicherung, die Zahl der Verträge ging von 31.782 auf 29.756 in 2002 zurück. Dennoch konnten die Bruttobeiträge von 13 auf 13,3 Mio. EUR gesteigert werden, und die laufenden Erträge haben sich von 0,962 auf 1,2 Mio. EUR erhöht.

Durch die Umstellung und Neuausrichtung des Vertriebs sowie durch das Angebot innovativer Produkte konnte insbesondere im laufenden Geschäftsjahr das Neugeschäft massiv ausgeweitet werden. Bis zum jetzigen Zeitpunkt konnte dieses auf 154,8 Mio. EUR gesteigert werden und liegt damit bereits zum jetzigen Zeitpunkt um ein Vielfaches über dem Vorjahresgesamtwert von 47,9 Mio. EUR. Für das Gesamtjahr erwartet die Verwaltung ein Neugeschäftsvolumen von bis zu 200 Mio. EUR. Die Qualität der angebotenen Produkte sowie der Versicherungsgesellschaft selbst wurden laut Dr. Rinnewitz im "Stress-Test" der Ratingagentur Fitch mit der Bestnote "gut" sowie dem Rating "FFF" durch Franke & Bornberg für die selbständige sowie die Berufsunfähigkeitsversicherung bewertet. Ferner ist die Gutingia neben der Debeka-Versicherung der einzige Anbieter, der die Überschussbeteiligung von 5,5 Prozent in 2002 und 2003 konstant gehalten hat.

Im Berichtsjahr konnte bei der Beteiligung Gutingia ein Wertsteigerungspotenzial von 11,2 Mio. EUR erzielt werden, zum Bilanzstichtag steht die Gesellschaft mit 16,1 Mio. EUR in den Büchern. Ähnliches Wertsteigerungspotenzial erwartet der Vorstandssprecher auch im zweiten Geschäftsbereich Emissionsdienstleistungen.

Mit Blick auf das Geschäftsjahr 2003 erklärte Dr. Rinnewitz, dass der für den Dezember 2004 geplanten Hauptversammlung über das Geschäftsjahr 2003 ein Kapitalschnitt vorgeschlagen soll, um den seit 1999 bestehenden Bilanzverlust zu kompensieren und damit die formale Wiederherstellung der Dividendenfähigkeit zu erreichen. Ferner stellte er fest, dass die Securenta AG nunmehr in der Lage ist, nachhaltige Gewinne zu erzielen, und ab dem Geschäftsjahr 2005 wieder eine Dividende ausschütten will. Im Geschäftsjahr 2004 hat sich die wirtschaftliche Lage des Unternehmens weiter verbessert, und die Neuausrichtung des Geschäftsfelds Emissionsdienstleistungen in fünf eigenständigen Tochtergesellschaften ist weiter vorangebracht worden.

Der Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2003 ist laut Vorstand fertiggestellt und kann nach der Wahl des Abschlussprüfers für das Jahr 2003 zur Testierung gegeben werden. Auf Basis der vorläufigen Zahlen für 2003 erwartet Dr. Rinnewitz, einen Jahresüberschuss in Höhe des Vorjahreswerts ausweisen zu können. Nach der Abhaltung der Hauptversammlung für das Geschäftsjahr 2003 im Dezember will die Verwaltung spätestens ab dem Jahresabschluss 2004 wieder innerhalb der gesetzlichen Fristen liegen.

Mit Blick auf die im Berichtszeitraum geleisteten Zahlungen an Anleger führte die Verwaltung aus, dass diese in Tranchen erfolgt und dass insgesamt 22,8 Mio. EUR zurückgezahlt wurden. Behauptungen in der Öffentlichkeit, Anlegergelder bei der Securenta seien verloren oder gelangten "per se" nicht zur Auszahlung, wies Dr. Rinnewitz entschieden zurück. Hinsichtlich Gerichtsentscheiden aus der jüngeren Zeit erklärte er, dass es sich bei dem Urteil des OLG Braunschweig zu Lasten der Gesellschaft vom 8. September 2004 um eine Einzelfallentscheidung und nichts anderes handelt.

Ebenso wies Dr. Rinnewitz Spekulationen in der Öffentlichkeit zurück, dass das Unternehmen von einem Urteil des BGH vom 19. Juli 2004 betroffen ist. Im dort verhandelten Fall ging es nicht um die Securenta oder ein ihr zuzurechnendes Unternehmen, ferner ist der Vorstand weiterhin von der Richtigkeit der erstellten Verkaufsprospekte überzeugt. Darüber hinaus wies Dr. Rinnewitz darauf hin, dass den Kunden gegenüber die möglichen Risiken klar kommuniziert und auf den Antragsformularen mehrfach erwähnt wurden. Ferner habe man den Kunden nach Übersendung des entsprechenden Verkaufsprospekts ein zweites und gesetzlich nicht vorgeschriebenes Widerrufsrecht eingeräumt.

Abschließend stellte der Vorstandssprecher fest, dass das Unternehmen nach den harten Sanierungs- und Restrukturierungsbemühungen der vergangenen Jahre inzwischen auf der Zielgeraden angekommen ist. Von den sieben Schritten hin zur Dividendenfähigkeit ab dem Geschäftsjahr 2005 konnten die ersten vier, nämlich der Abbau der Verluste, die Etablierung der Neuausrichtung, der Aufbau werthaltiger Beteiligungen sowie das Erreichen der Gewinnzone, inzwischen erfolgreich umgesetzt werden. Zur Erreichung des Ziels notwendig sind noch der für die im Dezember stattfindende Hauptversammlung vorgesehene Kapitalschnitt, die Stabilisierung der Gewinnphase sowie die Generierung von weiteren Liquiditätszuflüssen.


Allgemeine Aussprache

Als erster Redner meldete sich Rechtsanwalt Hobbeling aus Hannover als Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) zu Wort und stellte fest, dass es den Aktionären der dem grauen Kapitalmarkt zuzurechnenden Securenta AG beim Anblick des Zahlenwerks für 2002 wohl schwarz vor Augen werden dürfte. Der Zustand des Unternehmens ist nach seiner Einschätzung nur mit der Bezeichnung erschreckend zu umschreiben. Besonderes Unverständnis zeigte der DSW-Sprecher für die anhaltenden und erheblichen Verzögerungen bei der Erstellung der Jahresabschlüsse, und er forderte das Auditorium auf, sich bei den anstehenden Entlastungsbeschlüssen die Frage nach der Verantwortlichkeit der handelnden Organe zu stellen.

Mit Blick auf die vom DSW-Sprecher und anderen Aktionären geübte deutliche Kritik an Vorstand und Aufsichtsrat erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende, er selbst klebe nicht an diesem Posten. Hinsichtlich der beiden Vorstandsmitglieder Dr. Rinnewitz und Frau Götz stellte er fest, dass diese etwas zu richten haben, dessen Ursachen auf den vergangenen Hauptversammlungen ausführlich besprochen wurden. Verantwortung zu übernehmen bedeutet im vorliegenden Fall nach der festen Überzeugung von Herrn Klein eben nicht, von Bord zu gehen, sondern das Schiff "sicher in den Hafen" zurückzusteuern, wofür beide Vorstände nach Einschätzung des Aufsichtsrats hart und deutlich über das normale Maß hinaus arbeiten. Ferner erinnerte er bezugnehmend auf Rücktrittforderungen, dass es faktisch nahezu unmöglich ist, geeignete andere Vorstände zu finden, die bereit wären, die Gesellschaft in der gegenwärtigen Situation zu leiten.

Dr. Rinnewitz ergänzte zu diesem Themenbereich, dass er und seine Vorstandskollegin hart dafür arbeiten und auch gefordert sind, den Aktionären und Anlegern harte Fakten zu liefern, so wie er es bereits in seiner Vorstandsrede getan hat. Fakten konnten bereits bei der deutlichen Wertsteigerung der Beteiligung an der Gutingia geschaffen werden, auf der nächsten Hauptversammlung sollen weitere Angaben zum Geschäftsbereich Emissionsdienstleistungen erfolgen sowie die stillen Reserven des Unternehmens beziffert werden. Der Vorstandssprecher bezeichnete diese Maßnahmen als eminent wichtig, um das Vertrauen zurückzugewinnen, und er zeigte sich sehr zuversichtlich, dass man die Herausforderungen der Zukunft bestehen und sich an den geschaffenen Fakten messen lassen kann.

Zustimmung vom Vorstand bekam Herr Hobbeling bei der von ihm als faktisch nicht existent kritisierten Informationspolitik der Securenta AG. Nach Einschätzung von Dr. Rinnewitz war diese in den vergangenen Monaten und Jahren in der Tat als suboptimal zu bezeichnen. Besserung soll hier ein Newsletter bringen, der ab der ersten Oktoberwoche 2004 künftig einmal im Quartal über die aktuelle Entwicklung der Unternehmensgruppe informieren und Aktionären und Anlegern zugehen soll.

Befragt nach den außerordentlichen Abschreibungen im Segment Immobilien erklärte der Vorstand, dass sich die 882 TEUR mit 283,4 TEUR auf die Immobilie in Ludwigsburg, mit 98,8 TEUR auf eine Eigentumswohnung in München sowie rund 500 TEUR auf das Objekt auf der Siekhöhe in Göttingen bezieht. Mietreduktionen erfolgten nach Verwaltungsauskunft beim Objekt Ludwigsburg von 422,2 auf 364,2 TEUR, weitere Reduktionen erfolgten im Berichtszeitraum nach Anpassungen in den Jahren 2000 und 2001 nicht. Befragt nach den aktuellen Leerstandsquoten nannte die Verwaltung die Werte für die einzelnen Objekte. Problematisch gestaltete sich die Lage demnach vor allem beim Objekt Industriestraße in Berlin mit 42 Prozent, in Rostock mit 22 sowie bei Eigentumswohnungen in Biederitz mit 19 bzw. 27,7 Prozent.

Ferner erkundigte sich der DSW-Sprecher wie auch weitere Redner der Generaldebatte nach den weiteren Plänen des Unternehmens beim Objekt Siekhöhe. Laut Verwaltungsangabe ist vor dem Jahre 2005 nicht mit der Fertigstellung zu rechnen, nach ursprünglicher Planung sollte diese bereits im Dezember 2000 erfolgen. Vor dem Hintergrund der Liquiditätsprobleme wurde seinerzeit auf die Fertigstellung des Innenausbaus verzichtet. Grundsätzlich werden alle Optionen, also sowohl der sofortige Verkauf als auch die Fertigstellung und spätere Vermietung geprüft. Aktuell befindet sich die Verwaltung nach Angabe von Dr. Rinnewitz in Gesprächen mit zwei potenziellen Käufern.

Im Zusammenhang mit dem Insolvenzverfahren beim Bankhaus Partin erkundigte sich der Aktionärsvertreter nach dem aktuellen Status. Laut Dr. Rinnewitz läuft das dortige Verfahren ordnungsgemäß, und er steht in regem Austausch mit dem zuständigen Insolvenzverwalter. Gegenwärtig gibt es keine besonderen Themen, die Bank wird planmäßig abgewickelt. Ob und gegebenenfalls wann es noch etwas aus der Insolvenzmasse zu verteilen gibt, ist weiterhin unklar, der Vorstand der Securenta AG hegt jedoch keine großen Erwartungen in dieser Richtung.

Befragt nach dem Tätigkeitsgebiet der Tochtergesellschaft CAPR.Trust Capital GmbH erklärte der Vorstandssprecher, dass diese Gesellschaft auch Marketingdienstleistungen für externe Vertriebspartner sowohl aus dem In- als auch dem Ausland erbringt. Explizit genannt wurden hier Drittanbieter aus Österreich sowie erstmalig auch Mandate aus der Schweiz. Insbesondere die Erträge und Potenziale aus den Auslandsaktivitäten, hier ist auch die Ausweitung der Aktivitäten auf die neuen EU-Länder vorgesehen, sind in den Planungen der Unternehmensgruppe nicht enthalten.

Breiteren Raum in der Diskussion nahm die Bewertung der in diesem Jahr ergangenen Urteile des BGH sowie des OLG Braunschweig und deren Auswirkungen auf die Securenta AG ein. Gegen die Securenta AG ist nach Vorstandsangabe kein Urteil wegen eines möglichen Kapitalanlagebetrugs ergangen, die entsprechenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wurden in 2002 eingestellt. Er selbst, so Dr. Rinnewitz weiter, sei persönlich vom OLG München in einem Fall verurteilt worden wegen eines unrichtigen Verkaufsprospekts, wie das zuständige Gericht begründete. Die Verwaltung ist jedoch nach wie vor von der Korrektheit der Prospekte überzeugt und hat daher Revision eingelegt. Der Vorstandssprecher zeigte sich zuversichtlich, dass der BGH in dieser Sache eine andere Entscheidung fällen wird.

Im Zusammenhang mit dem für die kommende Hauptversammlung angekündigten Kapitalschnitt bat Herr Hobbeling den Vorstand um etwas genauere Angaben. Die Höhe des Kapitalschnitts hängt laut Dr. Rinnewitz in erheblichem Maße vom Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2003 ab. Nach seiner Einschätzung wird es nicht zu einer Kapitalherabsetzung im Verhältnis 1:1.000 oder 1:100 kommen, sondern dieser wird deutlich darunter liegen.

Des Weiteren erkundigten sich verschiedene Redner danach, wann endlich der Steuerbescheid für das Jahr 1999 der Securenta AG vorliegt. Nach Angabe von Frau Götz wurde die Steuererklärung, wie bereits berichtet, im Juni 2002 beim zuständigen Finanzamt eingereicht. Im Rahmen der Prüfung hat das Finanzamt für alle betroffenen Anleger umfangreiche Unterlagen zum Teil bis in das Jahr 1990 zurück angefordert, was offenkundig die eingetretene Verzögerung erklärt. Laut Auskunft des Finanzamts sollen ab Oktober 2004 die Veranlagungsdaten an die jeweiligen Wohnortfinanzämter der Anleger weitergeleitet werden.

Auf die Frage nach möglichen Prolongationsmöglichkeiten bei auslaufenden Beteiligungsverträgen erklärte Frau Götz, dass den Anlegern eine Fortsetzungsvereinbarung angeboten wird, um diesen die Chance auf eine wertmäßige Weiterentwicklung ihrer Investitionen zu geben. Dr. Rinnewitz appellierte an die atypisch stillen Gesellschafter, ihre Beteiligung auch nach Ablauf des Vertrags stehen zu lassen, um vom Potenzial der Neusausrichtung profitieren zu können.

Rechtsanwalt Lachmair sprach sich, wie bereits in seinem Gegenantrag angekündigt, gegen die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat aus und zeigte sich wenig begeistert über das noch vorhandene Gesellschaftsvermögen, welches von den getätigten Investitionen in Höhe von 1,2 Mrd. EUR übrig geblieben ist. Im Zusammenhang mit der von Herrn Lachmair vermuteten eventuellen Insolvenzverschleppung bei der Securenta AG, er hat nach Vorstandsangabe eine entsprechende Anzeige erstattet, die vom Auditorium mit deutlichen Pfui-Rufen und Pfiffen quittiert wurde, antwortete Dr. Rinnewitz, dass aus Vorstandssicht keine Veranlassung zur Stellung eines solchen Antrags besteht. Diese Einschätzung werde auch durch die entsprechenden Testate der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften jeweils bestätigt.

Auf die Frage nach der weiteren Zukunft der Zucker & Co. Vermögensverwaltung AG (siehe hierzu auch den entsprechenden HV-Bericht von GSC Research) führte Frau Götz aus, dass über die weitere Rolle dieses Unternehmens im Laufe des kommenden Jahres entschieden werden soll. Derzeit spielt diese Beteiligung bei der laufenden Neuausrichtung der Unternehmensgruppe keine Rolle.

Weitere Fragen der Redner bezogen sich auf die Aufschlüsselung der außerordentlichen Erträge aus der Ausgliederung von Konzernbereichen in eigenständige Tochtergesellschaften sowie mögliche Akquisitionen im Ausland. Laut Aussage des Vorstandssprechers wurde mit der GöZIT ein Kaufpreis von 10,2 Mio. EUR für die Übernahme der entsprechenden Vermögenswerte und des Sachanlagevermögens von der Securenta AG vereinbart, wovon 9,561 Mio. EUR auf den Firmenwert entfielen. Die C.S. Customer Service Center GmbH hat rund 25,7 Mio. EUR für den Erwerb der Aktivitäten erworben, hiervon entfielen 7,081 Mio. EUR auf den Firmenwert und 18,641 Mio. EUR auf das Sachanlagevermögen. Die jeweiligen Wertansätze wurden in Bewertungsgutachten ermittelt und überprüft.

Im Zusammenhang mit der angekündigten Auslandsausweitung führte Dr. Rinnewitz aus, dass die Gutingia im laufenden Jahr die Expansion auf den österreichischen Markt vollzogen hat, und auch im Geschäftsbereich Emissionsdienstleistungen werden Gespräche mit möglichen Partnern in Österreich geführt. Auch für den deutschen Markt laufen Gespräche mit Kunden und weiteren Bankpartnern, deren Namen angesichts der laufenden Verhandlungen noch nicht genannt werden können. Je nach Dauer stellte der Vorstandssprecher für die kommende Hauptversammlung weitere Details in Aussicht.

Als nächster Redner meldete sich Herr Wild, Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), zu Wort und kritisierte den außerordentlichen Charakter des positiven Jahresergebnisses, was für ein Unternehmen von der Größe der Securenta AG sehr wenig sei. Im Zusammenhang mit dem erneuten Wechsel des Wirtschaftsprüfers erkundigte sich der Aktionärsschützer nach den Hintergründen hierfür. Dieser wurde von der Verwaltung mit dem deutlich kostengünstigeren Angebot der vorgeschlagenen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft begründet, für die Zusammenarbeit mit der Prüfungsgesellschaft Dr. Dornbach & Partner GmbH dankte er ausdrücklich. Das von der Verwaltung in der Tagesordnung vorgelegte Entlastungsbegehren bezeichnete Herr Wild als aus seiner Sicht "ausgesprochen gewagt".

Aktionär von Rantzau bat um Nennung des Werts der Securenta AG abzüglich der Verbindlichkeiten zum 1. Januar sowie zum 31. Dezember 2002. Der Substanzwert abzüglich Verbindlichkeiten belief sich nach Auskunft von Frau Götz zum Jahresanfang auf 120,848 Mio. EUR und zum Jahresende auf 183,195 Mio. EUR. Als eminent wichtig für das Vertrauen der Anleger in die Gesellschaft bezeichnete der Aktionär den regelmäßigen Versand der Jahreskontoauszüge. Die Verwaltung stimmte dieser Einschätzung zu, wies jedoch auf den Umstand hin, dass die Berechnung der jeweiligen Auseinandersetzungsguthaben von der Vorlage des Jahresabschlusses auf der Hauptversammlung abhängig ist. Nach Ablauf der Hauptversammlung sollen die Kontoauszüge zum 31. Dezember 2002 erstellt und versendet werden.

Die von Herr Rantzau hinterfragte Kooperation mit Dr. Jens Erhardt ist laut Vorstand nicht realisiert worden, da sich die Securenta im Rahmen der Restrukturierung und Neuausrichtung komplett aus dem Vertrieb zurückgezogen hat und nur noch im Versicherungsbereich mit der Gutingia eigene Produkte anbietet. Im Dienstleistungsbereich zählt die Gesellschaft von Dr. Erhardt zu den Kunden des Unternehmens.


Abstimmungen

Nach Beendigung der allgemeinen Aussprache gegen 15 Uhr wurde die Präsenz mit 29.463.400 Aktien oder 41,03 Prozent des stimmberechtigten Grundkapitals festgestellt. Sämtliche Beschlussvorlagen der Verwaltung wurden mit großer Mehrheit gegen jeweils etwa 2 Prozent Gegenstimmen bei den Entlastungsbeschlüssen verabschiedet. Im Einzelnen beschlossen wurde neben der Entlastung von Vorstand (TOP 2) und Aufsichtsrat (TOP 3) auch die Wahl der ADMINISTRATOR Treuhand- und Beratungsgesellschaft mbH, Wirtschafsprüfungsgesellschaft Hannover zum Abschlussprüfer für das Geschäftsjahr 2003 (TOP 4).


Fazit

Auf den ersten Blick erscheint das nach den schlimmen Verlusten der beiden Vorjahre positive Jahresergebnis der Securenta AG, wie vom Vorstand in seinen Ausführungen klar hervorgehoben, sehr erfreulich. Zur Beurteilung der Lage der Gesellschaft darf nach Ansicht des Verfassers jedoch das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit nicht außer Acht gelassen werden, signalisiert dieses doch, wie sich das operative Geschäft des Unternehmens ohne einmalige Sondereffekte entwickelt hat. Letzteres zeigte sich mit minus 14,2 nach minus 6,5 Mio. EUR im Geschäftsjahr 2001 sogar weiter verschlechtert und dürfte neben den anhaltenden Verzögerungen bei der Erstellung der Jahresabschlüsse mit ein Grund dafür sein, dass der Markt gegenüber der Securenta AG weiterhin sehr skeptisch bleibt und dass sich der Kurs im Handel bei der Valora im einstelligen Cent-Bereich bewegt.

Vor dem Hintergrund des Jahresabschlusses 2002 ist nach Einschätzung des Verfassers bei der Securenta AG immer noch Vorsicht geboten. Problempunkte waren und sind auch weiterhin die Auszahlungen an die atypisch stillen Gesellschafter, das anhaltend und im Berichtsjahr weiterhin negative Ergebnis aus dem operativen Geschäft sowie nicht zuletzt die Unwägbarkeiten bei der Bewertung des Beteiligungsvermögens. Wenig gelernt hat man seitens der Verwaltung wohl auch mit Blick auf die Art und Weise der Außendarstellung des Unternehmens. Als im freundlichen Sinne formuliert höchst unglücklich muss der wiederholte Hinweis auf das positive Jahresergebnis ohne die Betonung des erheblichen außerordentlichen Charakters desselben gewertet werden, ebenso wie der Umstand, dass auf die ausgesprochen positive Entwicklung der Gutingia Versicherung im laufenden Geschäftsjahr verwiesen wurde, die mit dem zu besprechenden und analysierenden Zeitraum in 2002 recht wenig zu tun hat.

Nicht bewertet werden kann ferner die Werthaltigkeit der von der Securenta AG gehaltenen Assets wie zum Beispiel die Beteiligung an der Gutingia Versicherung sowie den anderen ausgegliederten Teilbereichen. Es wäre sehr wünschenswert und würde sicherlich zu einer deutlichen Versachlichung auch der Diskussion auf den Hauptversammlungen beitragen, wenn die Bewertungsgutachten den Anteilseignern zugänglich gemacht würden, die den von der Verwaltung genannten Unternehmenswert nach Abzug der Verbindlichkeiten von 183,19 Mio. EUR per Ende 2002 untermauern. Solange dies, aus welchen Gründen auch immer, unterbleibt, wird die Verwaltung kaum das arg gebeutelte und bei vielen Aktionären vollständig zerstörte Vertrauen in die Securenta AG zurückzugewinnen.

Positiv kann wohl die Ankündigung der Verwaltung gewertet werden, dass auf der kommenden Hauptversammlung mit dem Jahresabschluss 2003 der seit langem überfällige Kapitalschnitt erfolgen soll. Inwieweit das ausgegebene Ziel, nämlich die Dividendenfähigkeit ab dem Geschäftsjahr 2005, erreicht werden kann, muss hingegen abgewartet werden. In diesem Zusammenhang sei zudem auf eine Reihe von Ankündigungen aus der Vergangenheit hingewiesen, bei deren Umsetzung wie z.B. bei der termingerechten Aufstellung der Jahresabschlüsse usw. bisweilen die Wartezeit ergebnislos verstrichen ist.


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