PALFINGER AG (ISIN AT0000758305)

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Die PALFINGER AG hatte für den 20. März 2019 zur Hauptversammlung in die unternehmenseigene „Markenwelt“ nach Lengau eingeladen. Zum zweiten Mal fand das Treffen in dieser Betriebsstätte nahe Salzburg statt. Etwa 250 Aktionäre und Gäste hatten sich dort eingefunden, darunter Matthias Wahler für GSC Research, um mehr über das erfolgreiche Geschäftsjahr 2018 zu erfahren. Das Protokoll führte Notar Dr. Rupert Brix.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Hubert Palfinger jun. eröffnete die Veranstaltung um 11 Uhr und übergab das Wort zunächst an den neuen Vorstandsvorsitzenden Andreas Klauser für eine persönliche Vorstellung seiner Person. Der 53jährige hat das Amt seit 1. Juni 2018 inne und verfügt über 25 Jahre Erfahrung in der Nutzfahrzeugbranche. Zuletzt war er Vorstandsmitglied von CNH Industrial sowie Global Brand President von Case IH und STEYR weltweit mit Sitz in den USA gewesen.

Sodann teilte Herr Palfinger mit, dass die Mitglieder des Aufsichtsrats mit einer Ausnahme komplett anwesend sind. Lediglich Aufsichtsratsmitglied Ellyn Shenglin Cai war entschuldigt. Nach Abhandlung der Formalien durch Dr. Brix sprach Herr Palfinger noch einige ergänzende Worte zum Bericht des Aufsichtsrats, der im Geschäftsjahr 2018 insgesamt fünfmal getagt hat, sowie zum System der Vorstandsvergütung, welches sich nicht verändert hat.

Im Anschluss übergab er das Wort an die jetzt wieder drei Vorstandsmitglieder, die jeweils aus ihrem Ressort berichteten.


Bericht des Vorstands

Herr Klauser beschrieb 2018 als anspruchsvolles Jahr mit vielen Herausforderungen. Dennoch ist es gelungen, den Umsatz und die Profitabilität zu steigern und im laufenden Jahr setzt sich der positive Trend fort. PALFINGER ist nach wie vor die Nummer eins im Bereich Lifting Solutions. Keiner kommt in diesem Bereich an dem österreichischen Unternehmen vorbei. Und der Vorstandschef will alles daransetzen, dass dies so bleibt.  

PALFINGRER ist mit weltweit 35 Produktions- und einer Vielzahl von Servicestandorten sowie insgesamt fast 11.000 Mitarbeitern global aufgestellt. 58 Prozent des Umsatzes wurden zuletzt in der Region EMEA erwirtschaftet, 24 Prozent in Americas und 18 Prozent in Asien und Russland. In diesem Zusammenhang teilte Herr Klauser mit, dass Großbritannien 3 Prozent vom Konzernumsatz ausmacht und damit das Brexit Risiko überschaubar ist.

2018 war für PALFINGER das umsatzstärkste Jahr der Firmengeschichte. Der Konzernumsatz wuchs um 9,8 Prozent auf 1,62 (Vorjahr: 1,47) Mrd. Euro und das um Sonderfaktoren bereinigte EBIT legte überproportional um 15,4 Prozent auf 158,2 (129,7) Mio. Euro zu. Ein großes operatives Thema war der Abschluss der Restrukturierung in Nordamerika. Organisatorisch standen die Vervollständigung des Vorstandsteams sowie die Konsolidierung und Integration von Gesellschaften im Fokus.

„Der Markt ist in Bewegung“, fuhr Herr Klauser fort. Die Volatilität steigt, was die Planung schwieriger macht. Zudem werden die Mitbewerber immer preisaggressiver. Eine große Herausforderung ist auch die fortschreitende Digitalisierung und der zunehmende Fachkräftemangel bei Händlern und Kunden, dem aus Sicht von PALFINGR mit teilautomatisierten Produkten entgegengetreten werden kann.

Weiter informierte der Vorstandschef über die erfolgreiche Implementierung der neuen Global Palfinger Organization (GPO), die von sieben wesentlichen Eckpfeilern getragen wird. Wesentliche Ziele sind die Steigerung der Effizienz, die Sicherung von Synergien durch konzernweite Forschung und Entwicklung, die Fokussierung auf lokale Kundenanforderungen sowie eine weitreichende Standardisierung für alle Komponenten zur Erhöhung der Produktivität, Qualität und Flexibilität. Viele Punkte konnten bereits umgesetzt werden.

Als mittelfristiges Ziel gab Herr Klauser aus, den Umsatz bis 2022 organisch auf 2 Mrd. Euro nochmals deutlich ausweiten und über den Zyklus eine EBIT-Marge von 10 Prozent sowie einen ROCE von ebenfalls 10 Prozent erwirtschaften zu wollen. Damit soll die Position als Marktführer im Bereich Lifting Solutions erhalten und noch ausgebaut werden.

Wie dieses Ziel erreicht werden soll, erläuterte im Anschluss COO Martin Zehnder. Er sieht PALFINGER mit einem breit aufgestelltes Portfolio und Lösungen für jede Herausforderung im Bereich Lifting Solutions gut aufgestellt. Das Markenversprechen von PALFINGER ist es, den Kunden einen Mehrwert über den gesamten Lebenszyklus der Produkte zu bieten. Zu diesem Zweck wurden im vergangenen Jahr 51,1 (46,5) Mio. Euro in die Forschung und Entwicklung investiert. Dies entspricht 3,2 Prozent des Gesamtumsatzes.

Aktuell sieht Herr Zehnder vier Megatrends, die das Geschäft beeinflussen. Große Themen sind die digitale Transformation und Industrie 4.0 als Grundlage für intelligente vernetzte Systeme. Ein wichtiger Baustein ist daneben Big Data in Verbindung mit künstlicher Intelligenz. Auf dieser Basis entwickelte das Joint Venture PALFINGER 21st ein intelligentes Produkt für die digitale Brückeninspektion. Ein Thema ist ferner die Elektrifizierung. Statt Hydraulik werden künftig vermehrt Elektromotoren eingesetzt werden, die sich viel feiner steuern lassen.

Das Ziel ist es nach Aussage von Herrn Zehnder, PALFINGER stärker von einem Anbieter von Produkten zu einem Anbieter von gesamtheitlichen Lösungen zu entwickeln. Eine große Rolle spielt dabei die Vernetzung von Fahrzeugen, damit sie miteinander kommunizieren können. In der Zukunft wäre auch eine Abrechnung nach erbrachten Dienstleistungen denkbar. Neue Kompetenzzentren sollen helfen, die Innovationskraft zu stärken und bereichsübergreifende Synergien zu heben.

Im Anschluss präsentierte Herr Zehnder einige Produktinnovationen. Zum einen war dies ein extrem geländegängiger Kran auf einem Raupenfahrwerk, der bei den Kunden auf ein sehr positives Echo stößt. Außerdem nannte der Vorstand einen großen Schiffskran, der den Wellengang im Meer kompensieren kann. Insbesondere für die Ablage von Produkten auf Plattformen ist dies ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil.

Die Details zum Zahlenwerk lieferte im Folgenden CFO Felix Strohbichler. Er begann mit Erläuterungen zum Segment „Land“, in dem sich das Marktumfeld im Berichtsjahr weltweit positiv gestaltete. Der Wachstumstreiber war das Krangeschäft, aber auch andere Produkte wiesen eine gute Performance auf. Regional entwickelte sich vor allem EMEA mit Ausnahme von Großbritannien positiv. In Südeuropa war nach einigen schwachen Jahren eine Belebung zu spüren.

Deutlich voran ging es auch in Nordamerika. Nach Abschluss der Restrukturierung war in diesem Markt ein Wachstum von 20 Prozent zu verzeichnen. In den nächsten Jahren will der Vorstand in dieser Region die Früchte ernten. In Russland profitierte PALFINGER von der lokalen Wertschöpfung. Trotz der Sanktionen konnte Kundenwachstum erzielt werden. Vor allem im Holzkranbereich war im russischen Markt eine hohe Nachfrage zu verzeichnen.

Für China konnte Herr Strohbichler von einer signifikanten Geschäftsausweitung durch das Joint Venture Sany Palfinger berichten. Der Umsatz wuchs um beachtliche 40 Prozent. Von Vorteil ist, dass PALFINGER Geräte für den chinesischen Markt in China produziert. In dieser Region sieht der Vorstand weiterhin großes Wachstumspotenzial. In Südamerika setzte sich hingegen die verhaltene Entwicklung fort. Die Talsohle ist aber durchschritten und die Kosten wurden soweit gesenkt, dass keine Verluste mehr anfallen.

Der Umsatz erhöhte sich im Segment Land um 14 Prozent auf 1,40 (1,23) Mrd. Euro und das bereinigte EBIT stieg um 19 Prozent auf 191,4 (160,8) Mio. Euro. Allerdings fielen in den USA nochmals Restrukturierungskosten in Höhe von 11 Mio. Euro an, die bei dieser Betrachtung herausgerechnet wurden. Eine weitere Abschreibung ergab sich im Zusammenhang mit einer Produktionsschließung in Großbritannien.

Im Segment „Sea“ war das Marktumfeld laut Herrn Strohbichler anspruchsvoller. Die Hauptkunden kommen aus der Öl- und Gasindustrie und die Branche hat wegen der niedrigen Rohstoffpreise die Investitionen fast eingestellt. Inzwischen sieht der Vorstand aber eine Tendenz in die richtige Richtung. Vor allem im Servicebereich ist ein leichter Anstieg der Investitionstätigkeit zu beobachten und auch das Neugeschäft legt seit einigen Wochen wieder zu.

Das Kernthema im Segment Sea war die Fortsetzung der Restrukturierung. Ende 2019 soll dieser Prozess abgeschlossen und im laufenden Jahr auf operativer Basis der Turnaround erreicht werden. Bei den Anstrengungen, die Abhängigkeit von der Öl- und Gasindustrie zu reduzieren, gibt es Fortschritte. In den Bereichen Fischerei, Fischzucht, Kreuzfahrt und Küstenwache legte das Geschäft zu. Zudem sollen durch die Konsolidierung von Einheiten und Standorten Synergien gehoben werden.

Der Segmentumsatz gab im Sea-Bereich nochmals um 10 Prozent auf 216,3 (240,9) Mio. Euro nach. Dennoch konnte das bereinigte EBIT auf minus 8,7 (minus 9,4) Mio. Euro leicht verbessert werden. Allerdings mussten 2018 nochmals erhebliche Restrukturierungskosten verarbeitet werden. Zuvorderst nannte Herr Strohbichler die Abschreibung der Marke Megame infolge von Umstrukturierungen im Konzern. Daneben fielen Integrationskosten im Zusammenhang mit Harding und Personalanpassungskosten an.

Weiter informierte der Finanzchef, dass rückwirkend im Jahresabschluss 2017 eine Wertberichtigung des Firmenwerts im Segment Sea mit einem Effekt von 82,4 Mio. Euro vorgenommen werden musste. Das Marktumfeld präsentiert sich deutlich schlechter als ursprünglich erwartet und die überarbeitete Planung war die Grundlage für den Impairmenttest. Mit der Abschreibung reduziert sich das Eigenkapital jedoch nur um 64 Mio. Euro, da die in den nächsten Jahren zu erwartende cashwirksame Steuerersparnis von 28 Mio. Euro teilweise berücksichtigt wurde.

Auf das Geschäftsjahr 2018 hat diese nachträgliche Abschreibung nach Aussage des Finanzvorstands keinen Effekt. Wie dargelegt konnte der Konzernumsatz um 9,8 Prozent auf 1,62 (1,47) Mrd. Euro gesteigert und das bereinigte EBIT um 22 Prozent auf 158,2 (129,7) Mio. Euro ausgeweitet werden. Herr Strohbichler zeigte sich sehr zufrieden mit dieser Entwicklung.

Das Konzernergebnis verbesserte sich auf plus 58,0 (minus 11,4) Mio. Euro. Auf dieser Ebene bremsten hohe Minderheitenanteile und eine hohe Steuerbelastung die positive Entwicklung. Ein Großteil der Gewinne fiel 2018 in Hochsteuerländern an. Das Ergebnis je Aktie errechnet sich mit plus 1,54 (minus 0,30) Euro. Der Vorschlag an die Hauptversammlung lautete, davon mit einer Dividende von 0,51 (0,47) Euro wie grundsätzlich angestrebt etwa ein Drittel auszuschütten.

An dieser Stelle informierte der Finanzchef, dass ab dem laufenden Jahr 2019 keine bereinigten Ergebnisse mehr ausgewiesen werden, da sich die Effekte nur noch im einstelligen Millionenbereich bewegen werden. Dies ist keine Größenordnungen mehr, bei der sich eine Bereinigung lohnen würde. Letztlich ist dies dann normales Geschäft.

Die Investitionen lagen 2018 mit 95,7 (68,3) Mio. Euro weit über den Abschreibungen von 69,8 (57,2) Mio. Euro und erreichten einen absoluten Höchststand. Umfangreiche Investitionen sind nach Aussage von Herrn Strohbichler notwendig, um in den nächsten Jahren das Wachstumspotenzial wie angestrebt realisieren zu können. An dieser Stelle nannte er auch den ROCE, der sich auf 8,5 (1,7) Prozent deutlich verbesserte und sich in Richtung der Zielgröße von 10 Prozent bewegt.

Die Bilanzrelationen betrachtet der Finanzchef trotz der nachträglichen Firmenwertabschreibung als sehr solide. Bei Eigenmitteln von 555,7 (511,8) Mio. Euro errechnet sich die Eigenkapitalquote mit 36,4 (34,6) Prozent. Als Ziel nannte Herr Strohbichler einen Wert von 40 Prozent. Die Nettofinanzverschuldung blieb mit 515,7 (513,3) Mio. Euro fast unverändert. Der durchschnittliche Zinssatz reduzierte sich mit der Begebung eines neues Schuldscheindarlehen auf 1,69 (1,78) Prozent. Das Gearing soll von 92,8 (100,3) Prozent auf 70 Prozent weiter reduziert werden.

Zum Abschluss seines Parts warf Herr Strohbichler einen Blick auf die Aktie. Insbesondere mit der Kursentwicklung in den letzten Monaten zeigte er sich nicht zufrieden. Allerdings entwickelten sich in der Branche fast alle Aktien rückläufig und auch der Gesamtmarkt hat an Wert verloren. Nach Einschätzung des Finanzchefs ist nun fundamental eine perfekte Basis für wieder steigende Kurse gegeben.

Zum Ende des Vorstandsberichts übernahm noch einmal Herr Klauser. Er sieht PALFINGER mit der neuen GPO-Struktur bestens für die Zukunft aufgestellt. Die Kundenorientierung soll noch weiter verstärkt werden.

Enormes Potenzial sieht er aus den Neuentwicklungen erwachsen. Als Beispiel nannte er die digitale Brückeninspektionstechnologie mithilfe von Drohnen. Dabei handelt es sich um die erste marktfähige Lösung des Joint Ventures PALFINGRER 21st. Seit dem Brückeneinsturz in Genua gibt es nach seiner Angabe viele Anfragen für dieses innovative Brückeninspektionsgerät. Teilweise laufen schon konkrete Gespräche.


Allgemeine Aussprache

Als ersten bat Herr Palfinger wie in den Vorjahren Dr. Michael Knap vom Interessensverband für Anleger (IVA) um seine Wortmeldung. Der Aktionärsschützer vertrat in diesem Jahr 34 Anleger mit insgesamt rund 2,2 Millionen Aktien. Dies waren etwa 6 Prozent des Grundkapitals.

Dr. Knap gab zunächst seiner Freude Ausdruck, dass PALFINGER künftig nicht mehr tatsächliche und zusätzlich bereinigte Zahlen veröffentlicht, nachdem dies mehrere Jahre lang so gehandhabt worden war. Über lange Zeiträume macht es seiner Meinung nach keinen Sinn, immer wieder auf's Neue Bereinigungen vorzunehmen.

Das wesentliche Thema des Aktionärsschützers war die „unglückselige Geschichte“ mit der nachträglichen Abschreibung des Firmenwerts im Segment Sea. Nach seiner Information hat die Österreichische Prüfstelle für Rechnungslegung (OePR) dies betreffend wesentliche Fehler ausgemacht. Vorstand und Aufsichtsrat haben dem auch nicht widersprochen, sonst hätten sie den Instanzenzug wählen können.

Dr. Knap wollte wissen, wie es zu einem so wesentlichen Fehler kommen konnte und wer verantwortlich ist. Finanzvorstand Felix Strohbichler ist erst seit Oktober 2017 an Bord und damit wohl nicht betroffen. Unverständlich war ihm, dass im Aufsichtsratsbericht gar nichts zu diesem Thema zu finden ist. Dafür hat sich der Abschlussprüfer in seinem Testat deutlich umfangreicher geäußert.

Für Dr. Knap stellte sich die Frage, ob mit Blick auf die enorme Belastung aus dieser Sonderabschreibung nicht nachträglich noch einmal das Bonuspaket des Vorstands für das Geschäftsjahr 2017 aufgeschnürt werden sollte. Dies wäre dann ein Thema für den Aufsichtsrat. Er erkundigte sich nach entsprechende Klauseln in den Vorstandsverträgen.

Unschön fand Dr. Knap zudem, dass immer noch immaterielle Vermögenswerte von 277 Mio. Euro in der Bilanz stehen. Dies sind 58 Prozent des Eigenkapitals. Die Aussage des Vorstands mit der sehr soliden Bilanzstruktur wollte er deshalb nicht recht teilen. Für ihn stellte sich die Frage, ob diese Vermögenswerte tatsächlich werthaltig sind. Er sah auch die Gefahr, dass die OePR weitere Prüfungen vornehmen könnte.

In seiner Antwort informierte Herr Strohbichler, dass es bei der Bewertung der Firmenwerte in Abstimmung mit dem Wirtschaftsprüfer vorgegangen wurde. Die OePR hatte diesbezüglich allerdings eine andere Sichtweise. Es wäre jedoch auch nach Einschätzung des Abschlussprüfers nicht sinnvoll gewesen, Rechtsmittel einzulegen. Vorstand und Aufsichtsrat haben die Entscheidung der OePR aus ökonomischen Gründen akzeptiert und umgesetzt.

Verantwortlich für die Erstellung des Jahresabschlusses ist nach Angabe von Herrn Palfinger zunächst einmal der Vorstand. Man habe das Thema aber auch innerhalb der Gremien intensiv besprochen. Über eine mögliche Rückforderung von Boni vom Vorstand habe sich der Aufsichtsrat Gedanken gemacht. Eine externe Prüfung kam aber zu dem Ergebnis, dass ein solches Vorhaben nur geringe Erfolgsaussichten hätte. Weitere Schritte habe man deshalb unterlassen.

Die Gefahr weiterer Firmenwertabschreibungen sieht Herr Strohbichler nicht. In allen anderen Bereichen hat sich beim Impairment-Test eine Überdeckung der angesetzten Werte ergeben. Die Prüfung erfolgte gemäß den Vorgaben der OePR. Die Behörde hat auch alle anderen Bereiche angeschaut. Kurzfristig geht der Finanzchef von keinen weiteren Prüfungen aus. Etwa alle drei Jahre kommt es allerdings routinemäßig zu einer Prüfung durch die Behörde.

Weiter hatte Dr. Knap dem Geschäftsbericht entnommen, dass die Etablierung der neuen Organisationsstruktur von verschiedenen Beratungsfirmen begleitet wurde. Herr Klauser versicherte, dass in diesem Fall lediglich aus Gründen der Effizienz externe Unterstützung in Anspruch genommen wurde. Die Kosten belaufen sich über einen Zeitraum von einem Jahr auf etwa 1 Mio. Euro. Großteils läuft die Beratung im zweiten Quartal aus, die Leistungen werden nicht endlos in Anspruch genommen.

Eine weitere Frage des Aktionärsschützers betraf die Schließung der Produktionsstätte in Großbritannien. Er fragte nach dem Grund und äußerte die Vermutung, dass es einen Zusammenhang mit dem anstehenden Brexit gibt. Nach Angabe von Herrn Zehnder handelte es sich um ein Produktions- und Montagewerk für Hubladebühnen, welches nach Deutschland verlagert wurde.

Den Unterlagen hatte Dr. Knap entnommen, dass es sich bei PALFINGER 21st um einen eigenständigen Bereich handelt, in dem die Digitalisierungsbestrebungen im Konzern zusammengefasst sind. Ihn interessierte die mittelfristige Umsatz- und Ergebnisplanung. Außerdem war ihm aufgefallen, dass PALFINGER nur mit 51 Prozent an PALFINGER 21st beteiligt ist. Er wollte wissen, ob zumindest Vorkaufsrechte für die Anteile vereinbart wurden, die von anderen Investoren gehalten werden.

In seiner Antwort berichtete Herr Klauser zunächst, dass bereits 400 konkrete Anfragen für die Brückeninspektionstechnologie vorliegen. Erste positive Resultate werde man im kommenden Jahr sehen. Im Jahr 2020 ist dann zumindest eine schwarze Null zu erwarten. Erste Pilotprojekte laufen bereits. Bis 2022 sieht der Vorstand ein Umsatzpotenzial von 10 bis 15 Mio. Euro für diesen Bereich. Zu viel versprechen wollte er aber nicht. Mit den anderen Beteiligten wurde ein beidseitiges Vorkaufsrechte vereinbart.

Ferner hatte Dr. Knap vernommen, dass die Wiener Börse Erleichterungen für die Erstellung der Zwischenberichte zum ersten und dritten Quartal einführen will. Diese Berichte sollen nicht mehr verpflichtend in gedruckter Form veröffentlicht werden müssen. Auf seine Nachfrage informierte Herr Strohbichler, dass künftig keine vollen Quartalsberichte mehr veröffentlicht werden, dafür aber ausführliche Pressemeldungen mit allen wesentlichen Fakten. Die hohe Informationsqualität wird beibehalten.

Verschiedene Teilnehmer thematisierten den starken Kursrückgang des Aktienkurses in den letzten Monaten. Aktionär Berger vermutete einen Angriff von Leerverkäufern, die die Meldung über die außerordentlichen Firmenwertabschreibungen genutzt haben könnten, um auf weiter fallende Kurse zu setzen. Dies war nach Aussage von Herrn Klauser nicht der Fall. Die Liquidität in der Aktie ist zu gering, als dass Leerverkäufer in größerem Umfang aktiv werden könnten.

Später kam der Vorschlag, die zur Beschlussfassung stehende Ermächtigung zum Erwerb eigener Aktien zu nutzen, um die Kursentwicklung zu unterstützen. Nach Aussage des Vorstands handelt es sich um einen reinen Vorratsbeschluss. Derzeit gibt es keine Pläne, die Ermächtigung zu nutzen. Herr Klauser geht aber fest davon aus, dass die Investoren nach Veröffentlichung der Zahlen zum ersten Quartal 2019 wieder mehr Vertrauen fassen. Danach soll wieder stärker für die Aktie geworben werden.

Ein weiteres Thema der Debatte war der Fachkräftemangel, der sicherlich auch PALFINGER zu schaffen macht. Umso wichtiger erschien es Aktionär Berger deshalb, ausreichend Lehrlinge auszubilden und sie auch nach dem Ende der Ausbildung an das Unternehmen zu binden. Schließlich sind sie die Fachkräfte von morgen.

Dieser Aussage konnte der Vorstandsvorsitzende nur zustimmen. Er freute sich berichten zu können, dass der weit überwiegende Teil der Auszubildenden sogar mit Auszeichnung abgeschlossen hat und mehr als 90 Prozent PALFINGER nach der Ausbildung treu bleiben. Die große Loyalität führt er darauf zurück, dass im Konzern ausreichend Karrieremöglichkeiten geboten werden. Von Vorteil ist sicherlich auch die weltweit Aufstellung. Den allgemeinen Fachkräftemangel sah er nicht nur negativ. Was die Automatisierung angeht, eröffnet dieses Thema zusätzliche Chancen.

Den Ausführungen des Vorstands meinte Herr Berger entnommen zu haben, dass die Niederlassung in Brasilien aufgeben werden soll. Dies ist nach Aussage von Herrn Klauser nicht der Fall. Mit Blick auf das sehr schwierige Marktumfeld in Lateinamerika habe man in dieser Region lediglich die Investitionen zurückgenommen und befinde sich quasi in Warteposition. Der Vorstand geht fest davon aus, dass dieser Markt wieder zurückkommt.

Positiv überrascht zeigte sich Herr Berger von der Situation in Russland. Dort läuft es inzwischen viel besser, als der Aktionär erwartet hatte. Dem stimmte Herr Klauser zu. Nach dem Zukauf von zwei Firmen ist PALFINGER in Russland nun mit insgesamt fünf Standorten, zwei davon sind Joint Ventures, vertreten und beschäftigt 1.600 Mitarbeiter. Insbesondere im Holzkranbereich ist eine hohe Nachfrage zu verzeichnen. Der Vorstand ist zufrieden mit der Entwicklung.

Ferner erkundigte sich Herr Berger nach den aktuellen Verlustvorträgen im Konzern. Nach Angabe von Herrn Strohbichler sind dies brutto gerechnet insgesamt 181 Mio. Euro. Von diesem Betrag sind 48 Mio. Euro aktiviert und 133 Mio. Euro nicht aktiviert.

Aktionär Pöllhuber gratulierte zu der guten Geschäftsentwicklung im Segment Land. Im Bereich Sea gibt es hingegen noch viel zu tun. Das kommunizierte Ziel, den Konzernumsatz bis 2022 auf 2 Mrd. Euro zu steigern, sah er allerdings als nicht sonderlich ambitioniert an. Dies entspricht nur einem Wachstum von 5 Prozent p.a. Er regte an, auch eine Vision über diesen Zeitrahmen hinaus zu veröffentlichen.

In seiner Antwort verwies der Vorstandsvorsitzende auf die vielen Unwägbarkeiten, die die wirtschaftliche Entwicklung weltweit beeinträchtigen könnten. Von diesem unsicheren Umfeld kann sich PALFINGER nicht abkoppeln. Wenn es gelingt, jedes Jahr organisch um 5 Prozent zu wachsen, wäre man durchaus zufrieden. Gerne werde man die Prognose auch übererfüllen. Nach einer Phase der Konsolidierung wäre man wieder offen für weitere Akquisitionen.


Abstimmungen

Herr Palfinger verkündete die Präsenz mit 26.563.493 Aktien. Bezogen auf das gesamte Grundkapital von 37.593.258 Euro, eingeteilt in ebenso viele Aktien, entsprach dies einer Quote von 70,66 Prozent.

Die Zahlung einer Dividende von 0,51 Euro (TOP 2) wurde einstimmig beschlossen. Bei der Entlastung von Vorstand (TOP 3) und Aufsichtsrat (TOP 4) lag die Zustimmungsquote jeweils bei über 99 Prozent. Bei der Bestellung von Ernst & Young zum Abschlussprüfer (TOP 5) ergab sich bei 543.000 Gegenstimmen eine Mehrheit von 98 Prozent.

Am meisten Widerstand regte sich mit 2,8 Millionen Neinstimmen, mithin einer Zustimmungsquote von 89 Prozent, bei der Ermächtigung des Vorstands zum Erwerb und zur Verwendung eigener Aktien (TOP 6).  

Um 13:30 Uhr schloss der Vorsitzende die Versammlung.


Fazit

2018 war ein sehr erfolgreiches Jahr für die PALFINGER AG. Nach weitgehendem Abschluss der Restrukturierungsmaßnahmen, die das Vorjahresergebnis erheblich belastet hatten, befindet sich das weltweit führende Unternehmen im Bereich Lifting Solutions wieder auf Erfolgskurs. Der Umsatz stieg auf ein neues Rekordniveau und die Profitabilität konnte deutlich verbessert werden. In fast allen Regionen weltweit ging es voran.

Der positive Trend setzt sich im laufenden Jahr fort und der neue Vorstandsvorsitzende bestätigte die mittelfristige Planung, wonach der Umsatz von heute 1,6 Mrd. Euro bis 2022 organisch auf 2 Mrd. Euro nochmals deutlich ausgeweitet und über den Zyklus eine EBIT-Marge von 10 Prozent erwirtschaftet werden soll. Nach einer Phase der Konsolidierung könnte es auch zu weiteren Akquisitionen kommen.

Trotz der positiven Aussichten hat die PALFINGER-Aktie in den letzten Monaten deutlich an Wert verloren. Beim aktuellen Kurs von 24,50 Euro beträgt die Marktkapitalisierung nur noch 920 Mio. Euro. Das klingt nach einer interessanten Einstiegsmöglichkeit in ein Unternehmen, das seine Ertragskraft schon vielfach unter Beweis gestellt hat. Die Dividende von 0,51 Euro, die in den nächsten Jahren weiter angehoben werden dürfte, bietet auf diesem Niveau eine attraktive Basisverzinsung von 2,1 Prozent.


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