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HV-Bericht ENDOR AG

Es läuft noch besser als erwartet – optimistische Prognose bestätigt


Die Hauptversammlung der ENDOR AG fand am 28. Juni 2019 in der Tafernwirtschaft Hotel Schönbrunn am Sitz der Gesellschaft in Landshut statt. Etwa 30 Aktionäre und Gäste hatten sich dort eingefunden, um sich über die weiteren Perspektiven des erfolgreichen Anbieters von High-End-Eingabegeräten für Rennsimulationen zu informieren, dessen Aktie sich zuletzt rückläufig entwickelt hat. Für GSC Research war Matthias Wahler vor Ort.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Andreas Potthoff eröffnete die Versammlung um 10 Uhr und teilte mit, dass die Mitglieder der Verwaltung komplett anwesend sind. Personelle Veränderungen hat es nicht gegeben. Der Vorstand besteht unverändert aus Thomas Jackermeier und András Semsey, der Aufsichtsrat seit der Neuwahl im vergangenen Jahr aus den Herren Andreas Potthoff, Richard Rösener und Uto Baader.


Bericht des Aufsichtsrats

Nach Abhandlung der Formalien verlas der Vorsitzende den Aufsichtsratsbericht. Das Kontrollgremium hat sich im Geschäftsjahr 2018 zu insgesamt vier Sitzungen getroffen. Nur einmal war ein Mitglied krankheitsbedingt verhindert, ansonsten lag die Präsenz immer bei 100 Prozent. Schwerpunkte der Beratungen waren unter anderem die aktuelle Geschäftslage und Ergebnisentwicklung, die Unternehmens- und Investitionsplanung, die Vorstandsvergütung sowie die Aktualisierung der Geschäftsordnung für Vorstand und Aufsichtsrat gewesen.

Im Berichtsjahr wurde laut Herrn Potthoff weiter in die Zukunft investiert. Neben den sofort ergebniswirksamen Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen sind auch die selbst geschaffenen Vermögenswerte in der Bilanz weiter gestiegen. Den ersten Lizenzaufwendungen aus der Kooperation mit der Formel 1 standen zunächst nur wenige Umsätze mit Formel-1-Produkten gegenüber. Die positiven Auswirkungen auf die Marke Fanatec und den Konzernumsatz werden sich erst 2019 und in den Folgejahren voll entfalten.

Als aktuelle Herausforderung sieht es der Aufsichtsratsvorsitzende, im Konzern Strukturen zu schaffen, die die Abwicklung weit höherer Umsatzvolumina ermöglichen. Auf diesem Weg wurden bereits Fortschritte erzielt. Es müssen jedoch noch zusätzliche Kapazitäten in Vertrieb, Support und Rechnungswesen sowie Investor Relations geschaffen werden. Zu allen diesen Themen findet ein regelmäßiger Austausch zwischen Vorstand und Aufsichtsrat statt.

Nach einem Wort des Dankes an den Vorstand und alle Mitarbeiter übergab Herr Potthoff an den Vorstandsvorsitzenden Thomas Jackermeier.


Bericht des Vorstands

Herr Jackermeier begann mit einigen Informationen zur aktuellen Situation. Er verwies auf die Meldung vom 4. Februar 2019, in der er mitgeteilt hatte, dass die Umsätze im Januar um 27 Prozent gestiegen sind. Er freute sich, berichten zu können, dass sich der positive Trend seither noch massiv verstärkt hat. Zusätzlich befeuert wurde das Geschäft vom erfolgreichen Launch der Podium-Serie. Auch aus der Kooperation mit der Formel 1 ergeben sich hohe zusätzliche Umsätze.

„Das Geschäft brummt“, fasste der Vorstandsvorsitzende sichtlich erfreut die aktuelle Situation zusammen. Man sei durchaus optimistisch gewesen, einen solchen Boom habe man aber nicht erwartet. Die Produktion bewegt sich nach Aussage von Herrn Jackermeier am Anschlag. Einige Produkte sind komplett ausverkauft und die Kunden müssen warten. Derzeit werden die Produktionskapazitäten hochgefahren.

Herr Jackermeier ist fest überzeugt, dass es sich um einen langfristigen Trend handelt, der aus der Beliebtheit der Marke resultiert. Auch ohne Sondereffekte ist aktuell ein massives Wachstum zu verzeichnen. Eine konkrete Prognose für das laufende Jahr wollte er nicht abgeben. Nachdem in der zweiten Jahreshälfte noch der Black Friday und das Weihnachtsgeschäft anstehen, ist er jedoch sehr zuversichtlich, dass die Umsätze erheblich gesteigert werden können.

Organisatorisch ist dieser Boom allerdings eine Herausforderung. Derzeit werden massiv neue Leute eingestellt, um auch neue Chancen wahrnehmen zu können. Insbesondere mit dem Formel-1-Deal hat sich eine Reihe neuer Möglichkeiten aufgetan. Mit fast allen Marktteilnehmern, die mit Simracing (Simulator Racing) zu tun haben, laufen derzeit Gespräche. Die Voraussetzung für eine Ausweitung der Produktentwicklung und die Abwicklung eines höheren Umsatzvolumens ist allerdings ein weiterer Personalaufbau.

Exakte Zahlen, wie sich der Deal mit der Formel 1 gelohnt hat, wollte Herr Jackermeier nicht offenlegen. Er konnte jedoch mitteilen, dass mit den Formel-1-lizenzierten Produkten im ersten Halbjahr 2019 bereits mehr Deckungsbeitrag erwirtschaftet wurde, als die Lizenz im ganzen Jahr kostet – und die Lizenz ist nicht billig. Die Produkte, die noch zusätzlich mit verkauft werden, sind noch gar nicht mit eingerechnet.

Zusätzlich ergibt sich ein positiver Effekt für die Marke an sich. Jeder im Motorsportbereich kennt jetzt „Fanatec“. Dies ist sehr vorteilhaft, weil ENDOR damit der erste Ansprechpartner für weitere interessante Projekte ist. Mehr durfte Herr Jackermeier zu diesem Thema noch nicht sagen. Er kündigte aber an, dass in den nächsten Jahren eine Reihe Produkte neu auf den Markt kommen wird. Bei der aktuellen E-Sport- und Simracing-Welle schwimmt ENDOR ganz obenauf.

Herr Jackermeier hatte allerdings auch etwas weniger Erfreuliches zu berichten. Die Programmierung der neuen Website gestaltet sich demnach schwieriger als gedacht. Der Vorstand zeigte sich jedoch optimistisch, dass dieses Thema noch im laufenden Jahr abgeschlossen werden kann. Und selbst wenn dies nicht gelingt, würde die bestehende Website vorerst ausreichen. Mit der Neuprogrammierung eröffnen sich allerdings andere Möglichkeiten und die Effizienz kann gesteigert werden.

Nicht recht zufrieden zeigte sich der Vorstand zudem mit dem Fahrschulbereich, der stagniert bzw. sich leicht rückläufig entwickelt. Allerdings verliert dieses Geschäft in Relation zum Simracing immer mehr an Bedeutung. Die Fahrschulsimulatoren haben nicht mehr den Einfluss wie vor einigen Jahren.

Neue Möglichkeiten eröffnen sich möglicherweise mit der geplanten Errichtung des neuen Geschäftsgebäudes, in dem die Fertigung zusammengezogen werden soll. Herr Jackermeier sieht durchaus Potenzial im Cockpit-Bereich. Es gibt sonst praktisch keinen Hersteller, der Lenkräder, Pedale und Cockpits in einer Kombination wie ENDOR anbietet. Erst einmal muss die Produktpalette aber ausgebaut und gestärkt werden.

Im Folgenden informierte der Vorstand über Neuigkeiten im Konsolengeschäft. Microsoft bringt im kommenden Jahr die neue Xbox auf den Markt und es ist schon bekannt, dass die Geräte kompatibel sein werden. Bei Sony und der PlayStation 5 gibt es noch keine Informationen. Gerüchte besagen, dass es Ende dieses Jahres soweit ist, und Herr Jackermeier ist zuversichtlich, dass ENDOR wieder eine Lizenz erhält – und zwar diesmal von Anfang an, was einen großen Unterschied macht. In der Regel wollen die Kunden die neuen Geräte gleich zu Beginn des Zyklus haben.

Insgesamt ist der Vorstand nach wie vor sehr positiv für die Zukunft gestimmt. Er bekräftigte die Prognose aus dem Vorjahr, dass der Umsatz schon bald 30 Mio. Euro und in fünf bis zehn Jahren 50 bis 100 Mio. Euro erreichen soll (siehe HV-Bericht 2018). Im laufenden Jahr sollte er schon deutlich in Richtung 30 Mio. Euro ansteigen und auch die höheren Werte dürften aus heutiger Sicht eher früher als später erreicht werden. Bezüglich des Gewinns wollte er sich noch nicht festlegen. Erst einmal ist Wachstum angesagt. Langfristig soll natürlich auch das Ergebnis deutlich nach oben gebracht werden.

Ergänzend werden hier die wichtigsten Zahlen aus dem Jahresabschluss 2018 genannt, auf die Herr Jackermeier nicht im Detail einging. Im Konzern erhöhte sich der Umsatz um 20 Prozent auf 22,1 (Vorjahr: 18,4) Mio. Euro. Der Materialaufwand stieg auf 10,1 (8,6) Mio. Euro, der Personalaufwand durch die Ausweitung der Mitarbeiterzahl auf 2,8 (2,3) Mio. Euro. Der Konzernüberschuss lag aufgrund weiterhin hoher Investitionen in den Ausbau der Produktpalette und die Verbreiterung der Kundenbasis mit 0,9 (1,5) Mio. Euro unter dem Vorjahreswert.


Allgemeine Aussprache

Die erste Wortmeldung kam von Johannes Weber als Vertreter der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Er besuchte das erste Mal eine Hauptversammlung der ENDOR AG und zeigte sich positiv überrascht, dass es derzeit sogar noch besser läuft als erwartet. Beeindruckend fand er vor allem, dass die Lizenzzahlungen für den Vertrag mit der Formel 1 bereits nach sechs Monaten eingespielt werden konnten. Dieses Geschäft lohnt sich also trotz der hohen Kosten.

In diesem Zusammenhang bat Herr Weber um ergänzende Angaben zu den Konditionen des Formel-1-Vertrags. Insbesondere interessierten ihn mögliche Verlängerungsoptionen nach der vereinbarten Laufzeit von fünf Jahren und die Vereinbarungen bezüglich der Kündigung. Eine gewisse Skepsis äußerte der Aktionärsschützer, ob es mit der Umsetzung der Vereinbarungen wirklich klappt. Die Formel 1 ist schließlich ein riesiger Apparat.

Herr Jackermeier bat um Verständnis, dass alle Details des Vertrags betreffend Vertraulichkeit vereinbart wurde. Er versicherte aber, dass man sehr zufrieden sein könne. Alle Punkte wurden umgesetzt und der Vertrag wirkt sich insgesamt sehr positiv auf die Marke aus. Man erhalte viel Aufmerksamkeit bei den Formel-1-E-Sport-Events, die live per Stream übertragen werden.

Die Marke „Fanatec“ steht dabei nicht nur prominent auf den Lenkrädern. Sie ist auch im Spiel auf den Bannern entlang der Rennstrecke auf Augenhöhe mit großen Marken wie Pirelli und Emirates zu finden. Zudem ist ENDOR bei den Formel-1-Rennen in der Fan-Zone vertreten. Viele Leute kommen hier zum ersten Mal in Kontakt mit Fanatec-Produkten. Zusätzlich erhalte man ein großes Ticket-Kontingent, das beispielsweise für Verlosungen genutzt werden kann.

Weiterhin interessierte Herrn Weber, ob sich in der Produktpalette Virtual-Reality-Lösungen finden. Seiner Kenntnis nach gewinnt dieses Thema auch im Simulator-Bereich immer stärker an Bedeutung. Nach Aussage von Herrn Jackermeier hat es bereits Entwicklungen in diese Richtung gegeben. Aus taktischen Gründen wurde dieser Bereich aber wieder eingestellt. Derzeit arbeite man nicht mehr weiter an diesem Thema.

Die Überlegung des SdK-Sprechers, dass sich die hohe Produktionsauslastung positiv auf die Marge auswirken müsste, bestätigte Herr Jackermeier. Langfristig werden die Kosten natürlich nicht eins zu eins mit dem Umsatz steigen. Kurzfristig ist dies aber durchaus der Fall, da mit der Einstellung zusätzlicher Mitarbeiter und dem Aufbau von Kapazitäten hohe Vorleistungen zu erbringen sind. Wenn ein Umsatz von 50 oder 100 Mio. Euro erreicht ist, wird dies natürlich anders aussehen. Herr Jackermeier will dann gerne eine ordentliche Dividende sehen.

Weitere Fragen von Herrn Weber betrafen das neue Geschäftsgebäude. Wie der Vorstandsvorsitzende darlegte, läuft derzeit noch die erste Planungsphase. Aktuell sind bei ENDOR schon 66 Mitarbeiter beschäftigt und es werden jede Woche mehr. In dem neuen Gebäude wird es Platz für 100 Personen geben und bei Bedarf könnte sogar noch aufgestockt werden. Ein zu starkes Mitarbeiterwachstum will Herr Jackermeier aber eigentlich vermeiden, darunter leidet die Kommunikation.

Leider ist der Bau nicht mehr so günstig möglich wie vor zehn Jahren. Das Grundstück könne man aber zu attraktiven Konditionen von der Stadt erhalten. Der Firmenchef ist überzeugt, dass mit dem Neubau nachhaltige Werte geschaffen werden können. Außerdem können die Arbeitsbedingungen verbessert werden und das Anwerben neuer Mitarbeiter wird erleichtert. Die Finanzierung erfolgt über einen Bankkredit.

Später fügte der Vorstand auf Nachfrage von Aktionär Matthias Hackenberg an, dass sich die Mitarbeiter derzeit auf vier Gebäude verteilen. Das vierte musste aus Platzgründen im vergangenen Jahr zusätzlich angemietet werden, was die gestiegenen Mietaufwendungen erklärt. Die Verteilung der Beschäftigten auf verschiedene Gebäude ist allerdings schädlich für die Kommunikation. Dies ist der wesentliche Grund dafür, dass nun ein neues Gebäude errichtet werden soll, in dem alle Mitarbeiter Platz finden.

Mit Landshut als Standort ist Herr Jackermeier nach wie vor sehr zufrieden. Landshut ist noch deutlich günstiger als München und es fällt noch relativ leicht, neue Mitarbeiter zu finden. Man überlege allerdings, ein Supportcenter in die USA auszulagern. Es macht Sinn, in Nordamerika mit Muttersprachlern zu arbeiten, die in der gleichen Zeitzone sitzen.

Ein weiteres Thema von Herrn Weber war die Vorstandsvergütung. Mit mehr als 800 TEUR für zwei Personen schien ihm der Betrag insbesondere in Relation zu der nach wie vor überschaubaren Unternehmensgröße deutlich zu hoch zu sein.

Zu diesem Thema äußerte sich Herr Potthoff. Zunächst teilte er mit, dass die Vorstandsvergütung in der Vergangenheit bewusst nicht ausgewiesen wurde, da die Gefahr bestand, dass der Vorstand abgeworben wird. Wie er in Erinnerung rief, ist es bei ENDOR schon einmal sehr schlecht gelaufen. Der Unternehmenswert hat weniger als 2 Mio. Euro betragen und der Vorstand hat sein geringes Gehalt noch gestundet. Know-how-Abfluss war zu dieser Zeit eine ernste Gefahr, es gab durchaus Angebote.

Ende 2011 wurde deshalb vereinbart, dass der Vorstand eine niedrige Fixvergütung, aber nach Abschluss der Sanierung im Erfolgsfall eine hohe variable Komponente erhält. Dies war in der damaligen Situation die beste Lösung. Leider musste der Vertrag aber 2016 wegen der neuen Rechtsprechung wieder geändert werden, da eine solche Vereinbarung mit einem Vorstand, der zugleich Großaktionär ist, als verdeckte Gewinnausschüttung gewertet worden und mit gravierenden steuerlichen Nachteilen verbunden gewesen wäre.

Im Geschäftsjahr 2018 gab es deshalb eine deutlich höhere Vorstandsvergütung. Dazu kamen noch die Auswirkungen des Aktienoptionsprogramms, welches ebenfalls schon vor Jahren vereinbart worden ist. Und dies alles fiel gerade in ein Jahr, in dem sich der Gewinn rückläufig entwickelte. Herr Potthoff versicherte, dass der Aufsichtsrat bei allen Vereinbarungen den langfristigen Unternehmenserfolg im Blick hatte. Es ist aber völlig klar, dass in den nächsten Jahren entweder das Ergebnis deutlich steigen oder die Vorstandsvergütung sinken muss.

Herr Jackermeier ergänzte, dass er von Januar 2008 bis Oktober 2011 überhaupt kein Gehalt ausbezahlt erhalten hat. In dieser Zeit wurden sämtliche Zahlungen gestundet und dies ist bis heute so, da dies mit den Banken entsprechend vereinbar worden ist. Es gibt sicherlich nicht viele Vorstände, die so etwas machen würden. Mit dem Aufsichtsrat wurde jedoch vereinbart, dass nach Überwindung der Krise mehr gezahlt wird. Auch aus seiner Sicht ist allerdings klar, dass in den nächsten Jahren entweder der Gewinn rauf oder das Gehalt runter muss.

Im Folgenden hatte Aktionär Matthias Hackenberg noch eine Reihe von Fragen. Grundsätzlich zeigte er sich ebenso wie sein Vorredner positiv gestimmt. Vor allem gefiel ihm die optimistische Zukunftsperspektive. Sehr erfreulich fand er zudem, dass der Vorstand zumindest für die mittelfristige Zukunft eine Dividendenzahlung plant. Die Aktionäre haben schließlich über viele Jahre verzichtet.

Zum Thema Vorstandsvergütung wollte Herr Hackenberg ergänzend wissen, wie lange die Verträge laufen. Vielleicht gibt es auch Überlegungen, den Vorstand mit Blick auf das angepeilte starke Wachstum zu erweitern. Zudem hatte der Aktionär im Risikobericht eine Formulierung gefunden, die so verstanden werden kann, dass der Aufsichtsrat geeignete Nachfolger für den Vorstand findet. Er bat um Angabe, ob es tatsächlich Pläne für einen Wechsel im Vorstand gibt.

Nach Aussage von Herrn Potthoff haben die Vorstandsverträge eine Laufzeit von fünf Jahren. Der Vertrag mit Herrn Semsey wurde in diesem Jahr verlängert, der Vertrag mit Herrn Jackermeier steht im kommenden Jahr zur Verlängerung an. Im Übrigen versicherten beide Herren, dass sie keinerlei Pläne verfolgen, das Unternehmen zu verlassen. Das Rentenalter ist noch weit entfernt und die Arbeit in einem florierenden Unternehmen macht Spaß.

Die Bestellung eines dritten Vorstands ist Herrn Potthoff zufolge derzeit nicht geplant. Allerdings ist angedacht, einen Leiter Rechnungswesen außerhalb des Vorstands zu installieren, um eine Entlastung herbeizuführen. Herr Semsey ist derzeit zugleich COO und CFO und es erscheint sinnvoll, diese beiden Positionen zu trennen. Perspektivisch könnte dann vielleicht der Vorstand auf drei Personen erweitert werden.

Wichtig war Herrn Hackenberg zudem die Frage, warum der Vorstandsvorsitzende Aktien zu 13 Euro verkauft hat, als der Kurs sich kurz vorher noch bei 17 Euro bewegte. Dies hat die Notierung, wie im Kursverlauf unschwer zu erkennen, deutlich belastet.

Zu diesem Thema äußerte sich Herr Jackermeier persönlich. Wie er darlegte, muss er als Vorstand strenge Auflagen einhalten, wenn er Aktien kaufen oder verkaufen will, und dies auch sofort melden. In vielen Zeiträumen sind Transaktionen gar nicht erlaubt. Verkauft habe er die Aktien, um die Steuer zu bezahlen, die nach Zeichnung der Aktienoptionen sofort fällig war und dies in durchaus beträchtlicher Höhe. Allerdings habe er mit den Verkäufen gleich wieder aufgehört, als der Kurs nach unten ging.

Ferner erkundigte sich Herr Hackenberg nach dem aktuellen Stand, was den Wechsel der Aktiennotierung in ein höheres Segment angeht, der schon seit Jahren versprochen wird. Hier stellte Herr Potthoff klar, dass man dies betreffend immer von einer Option gesprochen habe und dies auch nach wie vor der Fall ist. Der richtige Zeitpunkt wäre vielleicht gekommen, wenn eine Trennung zwischen CFO und COO hergestellt ist. Ob man dann einen Wechsel in den m:access anstrebe oder vielleicht sogar in den geregelten Markt, werde man sehen.

Verschiedene Fragen des Aktionärs betrafen unterschiedliche Bilanzpositionen. Er konnte beispielsweise nicht nachvollziehen, warum die Materialkosten im Konzern mit 10,1 Mio. Euro niedriger sind als in der AG mit 10,7 Mio. Euro. Dies resultiert nach Angabe von Herrn Semsey daraus, dass Geschäfte, die zwischen den einzelnen Gesellschaften der Gruppe abgewickelt werden, im Konzern wieder herausgerechnet werden.

Sehr hoch erschienen Herrn Hackenberg in Relation zum Umsatz von 22,1 (18,4) Mio. Euro die erhaltenen Anzahlungen auf Bestellungen in Höhe von 1,9 (0,8) Mio. Euro. Auf seine Nachfrage erläuterte Herr Jackermeier, dass der hohe Wert vor allem auf die Podium-Serie zurückzuführen ist, bei der die Kunden bei Vorbestellung teilweise Anzahlungen von 100 Prozent geleistet haben. Aus Sicht von ENDOR ist dies durchaus erfreulich. Im E-Commerce-Bereich dürfte dies nahezu einmalig sein.

Eine weitere Frage des Aktionärs betraf die fertigen Erzeugnisse, die im Konzern mit einem Anstieg auf 5,9 (4,7) Mio. Euro ebenfalls ein hohes Niveau erreichen. Er äußerte die Befürchtung, dass sich Abschreibungsrisiken ergeben könnten. Wie Herr Jackermeier darlegte, wurde der Bestand insbesondere bei den neuen Produkten stark aufgestockt. Zu viel ist es offensichtlich nicht, es gibt teilweise immer noch Lieferschwierigkeiten. Es waren keinerlei Abschreibungen erforderlich.

Auffällig fand Herr Hackenberg daneben die Gewährleistungsrückstellungen, die mit mehr als 1 Mio. Euro ausgewiesen werden. Nach Aussage von Herrn Jackermeier war die Aufstockung dieser Position letztlich der Grund dafür, dass der Gewinn im Geschäftsjahr 2018 niedriger ausfiel. Nachdem sich bei der Erstellung des Jahresabschlusses herausstellte, dass es bei einem Produkt Fehlerpotenzial gibt, wurde sicherheitshalber vorgesorgt. Nun gilt es abzuwarten, vielleicht kann die Rückstellung wieder aufgelöst werden.

Befragt nach dem aktuellen Stand bei dem Rechtsstreit in Spanien teilte der Vorstandschef mit, dass dieser Prozess im vergangenen Jahr endgültig verlorengegangen ist. In der Folge mussten die bereits gebildeten Rückstellungen nochmals um 150 TEUR aufgestockt werden. Damit ist das Thema aber jetzt endgültig erledigt.

Ferner hinterfragte der Aktionär den Grund für die Aktualisierung der Geschäftsordnung. Ihn interessierte, was genau geändert wurde. Wie Herr Potthoff darlegte, datierte die Geschäftsordnung noch aus dem Jahr 2006. Seither ist das Unternehmen deutlich gewachsen und es war notwendig, die Regelungen juristisch auf den aktuellen Stand zu bringen. Eine Aktualisierung der Geschäftsordnung ist in gewissen Zeitabständen ein normaler Prozess in jedem Unternehmen.

Eine weitere Frage von Herrn Hackenberg zielte auf das negative Ergebnis der Tochtergesellschaft in Japan. Diese Zahl hat, wie Herr Semsey klarstellte, keine wirkliche Aussagekraft. Intern werden zwischen den Gesellschaften der Gruppe Verrechnungspreise angesetzt, mit denen die Kosten umgelegt werden. Dies kann auch einmal dazu führen, dass eine Niederlassung ins Minus rutscht. Dies bedeutet allerdings nicht, dass mit dieser Gesellschaft kein Geld verdient wird.

Mit der in Gründung befindlichen Tochtergesellschaft in China sollen Herrn Jackermeier zufolge die Aktivitäten in dieser Region gebündelt werden. ENDOR beschäftigt in China inzwischen 22 Mitarbeiter, die großteils allerdings auch vorher schon auf selbstständiger Basis für ENDOR tätig waren. Sie sind auch in Zukunft für Qualitätskontrolle und Sourcing zuständig und halten den Kontakt zu den Lieferanten aufrecht. Künftig sollen aus steuerlichen Gründen eventuell auch Import und Export über China abgewickelt werden. Und China ist natürlich auch ein großer Absatzmarkt.

Dem Lagebericht hatte Herr Hackenberg entnommen, dass die limitierte Auflage des neuen ClubSport F1 2018 Lenkrads bereits nach zwei Tagen ausverkauft war. Der Einschätzung des Aktionärs, dass wohl der Preis zu günstig war, widersprach Herr Jackermeier. Wie er darlegte, handelte es sich um eine reine Marketing-Strategie, die exzellent funktioniert hat. Die Geräte wurden kurz darauf mit deutlichem Aufschlag bei Ebay angeboten, was eine hohe Aufmerksamkeit gebracht hat. Ähnliche Projekte sollen jetzt öfter durchgeführt werden. Es geht darum, Begehrlichkeiten zu wecken.

Unverständlich war dem Aktionär zudem eine Formulierung im Prognosebericht. Dort hatte er gelesen, dass sich die technischen Probleme bei der Einführung der Podium-Serie im laufenden Jahr in Grenzen halten. Jedoch sah sich der Vorstand kurz darauf zu einer Preiserhöhung gezwungen und dennoch liegt die Marge weiterhin unter dem Durchschnitt. Er bat, diesen Passus zu erläutern.

Wie Herr Jackermeier darlegte, gab es bei diesem Produkt Probleme bei der Entwicklung eines Motors. Da der Markt attraktiv ist, habe man sich deshalb entschieden, einen größeren Motor einzubauen und bewusst auf Marge zu verzichten. Letztlich sei man doch nicht drumherum gekommen, den Preis anzuheben, um etwas zu verdienen, was dann jedoch Auswirkungen auf die Nachfrage hatte. Grundsätzlich wird die neue Podium-Serie aber gut angenommen.

Ein weiteres Thema von Herrn Hackenberg war der Fahrschulsimulator. Er meinte, sich zu erinnern, dass sich der Vorstand bei diesem Produkt zusätzliches Geschäft aufgrund möglicher Gesetzesänderungen versprochen hat, woraus aber offenbar nichts geworden ist. Befragt nach dem aktuellen Stand sprach Herr Jackermeier von einer unveränderten Erkenntnislage. Er sieht nach wie vor die Chance, dass das Geschäft in diesem Bereich anzieht. Wie dargelegt nimmt die Bedeutung in der Gesamtbetrachtung aber sukzessive ab.


Abstimmungen

Herr Potthoff verkündete die Präsenz mit 1.305.053 Aktien. Bezogen auf das gesamte Grundkapital von 1.861.053 Euro, eingeteilt in ebenso viele Aktien, entsprach dies einer Quote von 70,12 Prozent. Sämtliche Beschlüsse wurden einstimmig ohne Gegenstimmen und ohne Enthaltungen gefasst.

Im Einzelnen waren dies die Einstellung eines Großteils des Bilanzgewinns in die Rücklagen und Vortrag des Restbetrags auf neue Rechnung (TOP 2), die Entlastung von Vorstand (TOP 3) und Aufsichtsrat (TOP 4), die Vergütung des Aufsichtsrats mit 5 TEUR für das einfache Mitglied (TOP 5) sowie die Wahl der Schlecht und Collegen audit GmbH zum Abschlussprüfer (TOP 6).

Um 12:05 Uhr schloss der Vorsitzende die Versammlung.


Fazit

Die ENDOR AG hat das Geschäftsjahr 2018 erfolgreich abgeschlossen. Zwar lag das Konzernergebnis aufgrund der weiterhin hohen Investitionen in den Ausbau der Produktpalette und die Verbreiterung der Kundenbasis sowie der vorsorglichen Bildung von Rückstellungen trotz Umsatzanstieg unter dem Vorjahresniveau. Die Investitionen beginnen sich aber bereits auszuzahlen. Aktuell läuft es, wie der Vorstandsvorsitzende und Großaktionär Thomas Jackermeier gerne berichtete, sogar noch besser als erwartet.

Nachdem der Umsatz im Januar 2019 um beachtliche 27 Prozent gestiegen war, hat sich der Aufwärtstrend in den letzten Monaten sogar noch verstärkt. Zu dem Erfolg tragen vor allem die neue Podium-Serie und der Kooperationsvertrag mit der Formel 1 bei. Es ist eine positive Überraschung, dass der Deckungsbeitrag aus den Formel-1-lizenzierten Produkten im ersten Halbjahr 2019 bereits höher war als die sicherlich nicht unwesentlichen Lizenzzahlungen im Gesamtjahr sein werden. Viele Produkte sind derzeit ausverkauft, die Kapazitäten werden ausgebaut.

Der Vorstand stellte mit Blick auf diese überaus positive Entwicklung bereits für das laufende Jahr einen deutlichen Umsatzanstieg in Richtung 30 Mio. Euro in Aussicht. Im Übrigen bekräftigte er das im vergangenen Jahr genannte Ziel, den Umsatz auf Sicht von fünf bis zehn Jahren auf 50 bis 100 Mio. Euro ausweiten zu wollen. Das Ergebnis dürfte vorerst nicht in diesem Umfang zulegen, da weiterhin kräftig investiert wird. Mittelfristig sollte sich dies aber auszahlen und der Gewinn dank der Skaleneffekte stärker wachsen als der Umsatz.

Dass die ENDOR-Aktie trotz dieser positiven Perspektiven zuletzt an Wert verloren hat, ist insoweit enttäuschend. Ursächlich war hier wohl vor allem die Verfehlung der Prognose vom Februar dieses Jahres, die nur von einem leichten Rückgang des Jahresergebnisses ausging. Dass der Konzerngewinn aufgrund einer kräftigen Aufstockung der Gewährleistungsrückstellungen auf 0,9 (1,5) Mio. Euro deutlich stärker nachgab, führte am Markt für Verunsicherung.

Inzwischen hat sich das Kursniveau zwischen 14 und 15 Euro stabilisiert. Das gesamte Unternehmen ist auf diesem Niveau mit rund 27 Mio. Euro bewertet. Angesichts der erwarteten erheblichen Umsatzsteigerungen, die auf absehbare Zeit auch von einem deutlichen Gewinnzuwachs begleitet werden sollten, klingt dies nach einer sehr günstigen Bewertung. Der jüngste Kursrückgang kann insofern durchaus als Kaufgelegenheit verstanden werden.


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