artec technologies AG (ISIN DE0005209589)

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HV-Bericht artec technologies AG

Daten sind der Rohstoff der Zukunft


Am 21. August 2020 fand die diesjährige Hauptversammlung der artec technologies AG (artec) über das Geschäftsjahr 2019 statt. Der IT-Spezialist für Software- und Systemlösungen für Übertragung, Aufzeichnung und Analyse von Video- und Audiodaten nutzte wie derzeit üblich die Möglichkeit einer virtuellen Hauptversammlung. Thomas Nitzbon berichtet für GSC Research von der Online-Übertragung der Veranstaltung.

Der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Stefan Schütze eröffnete die Versammlung pünktlich um 10 Uhr. Er teilte mit, dass Ingo Hoffmann altersbedingt sein Amt als Vorstand zum 31. März 2020 beendet hatte. Die Gesellschaft wird seitdem von dessen Bruder Thomas Hoffmann als Alleinvorstand geführt. Ingo Hoffmann soll weiterhin in beratender Funktion für technologische Fragen zur Verfügung stehen. Nach Erledigung der einleitenden Hinweise zu einer virtuellen Hauptversammlung erteilte Herr Schütze Thomas Hoffmann das Wort.


Bericht des Vorstands

Herr Hoffmann ging zu Beginn seiner Rede zunächst nicht auf das Berichtsjahr ein, sondern informierte unmittelbar über die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie für die Gesellschaft. „Die Krise bringt auch Chancen mit sich“, konnte er den Aktionären Mut machen. Er freute sich, dass eine Vielzahl von Mitarbeitern von ihrem Homeoffice alle Geschäftsabläufe aufrechterhalten konnte. In diesem Zusammenhang bedankte er sich bei der Belegschaft. Wirtschaftlich sieht der artec-Chef die Gesellschaft gut aufgestellt. Kurzarbeit musste nicht beantragt werden. Allerdings freute er sich, von der KfW einen Unternehmerkredit bewilligt bekommen zu haben, um den zuletzt dynamischen Auftragseingang und weitere Investitionen bewerkstelligen zu können.

Der Fokus soll in einer Vertriebsoffensive sowie in zusätzlichen Investitionen in die eigene Cloud-Strategie und Weiterentwicklung der eigenen IT-Lösungen liegen, teilte Herr Hoffmann den Aktionären mit. Die beiden Unternehmensbereiche Videosicherheits- und Informationssysteme bieten unter dem Namen MULTIEYE datenschutzkonforme Video-Überwachungsanlagen und -Informationssysteme an. Im Bereich Media & Broadcast werden unter der Marke XENTAURIX Systeme zur internetbasierten Übertragung, Aufzeichnung und Analyse von TV, Hörfunk, Video und Metadaten in unterschiedlichsten Anwendungsbereichen eingesetzt. Jüngst konnten Kunden aus dem Bereich der Sicherheitsbehörden im In- und Ausland, nämlich in Hannover und in Oman gewonnen werden, informierte der Alleinvorstand.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2019 sanken die Umsatzerlöse auf 2,01 (Vorjahr: 2,94) Mio. Euro. Unter Berücksichtigung der aktivierten Eigenleistungen lag die Gesamtleistung des Berichtsjahres bei 2,56 (3,46) Mio. Euro. Herr Hoffmann bezeichnete die reine Umsatzzahl zwar als enttäuschend, sah aber dennoch eine gute Arbeit des Teams und eine aussichtsreiche Aufstellung für die Zukunft. Er betonte, dass mit mehreren Kunden sogenannte SaaS-Verträge (Software as a Service) geschlossen wurden. Bei diesem Modell nutzen die Kunden die Software und die IT-Infrastruktur einer Cloud-Lösung von artec und zahlen monatliche Nutzungsgebühren anstelle eines Einmalbetrags. Dieser Umstand führt zunächst zu einem niedrigeren Umsatzausweis, aber zu entsprechend wiederkehrenden Umsätzen in den Folgejahren.

Das EBITDA, das Ergebnis vor Abschreibungen, Zinsen und Steuern, rutschte mit minus 0,16 (plus 0,42) Mio. Euro wieder in den negativen Bereich. Das EBIT musste ebenso mit minus 0,67 in roten Zahlen ausgewiesen werden. Mit der Einstellung weiterer Mitarbeiter für den Vertrieb und der im Berichtsjahr durchgeführten Kapitalerhöhung stiegen die Kosten, führte Herr Hoffmann hierzu aus.

Aufgrund eines negativen Steuereffekts bezüglich der aktivierten latenten Steuern musste auf dieses Negativergebnis noch eine Steuerlast in Höhe von 0,52 Mio. Euro verbucht werden. Hintergrund ist eine unmittelbar vor dem Zeitpunkt der Bilanzaufstellung neu vorgenommene Planrechnung, die aufgrund schwächerer Erwartungen nur noch eine eingeschränkte steuerliche Verlustverrechnung erlaubt. Unterm Strich lag das Ergebnis somit bei minus 1,20 (plus 0,04) Mio. Euro. Aufgrund der mittlerweile wieder optimistischer eingeschätzten Geschäftsaussichten erwartet Herr Hoffmann für den Jahresabschluss 2020 einen umgekehrten, sprich positiven Steuereffekt.

Mit Blick auf die Bilanz erkannte Herr Hoffmann eine auf 3,9 (4,1) Mio. Euro verkürzte Bilanzsumme. Mit der Ausgabe von 260.150 neuen Aktien im Rahmen einer Privatplatzierung ohne Bezugsrecht im Juli 2019 wurde das Grundkapital der Gesellschaft auf 2.861.650 Euro und die finanzielle Stabilität nochmals erhöht, so der Alleinvorstand. Das Eigenkapital wurde zum Bilanzstichtag mit 3,7 (3,9) Mio. Euro ausgewiesen, der Kassenbestand mit 0,54 (0,05) Mio. Euro. Bankverbindlichkeíten gab es zum 31. Dezember 2019 nicht. Zufrieden verkündete Herr Hoffmann, dass artec mit diesen wiederum soliden Bilanzzahlen von der Deutschen Bundesbank im Rahmen der Bonitätsanalyse als „notenbankfähig“ eingestuft worden ist. Dies entspricht einem Investment Grade Rating "BBB-" von S&P, erklärte er den Aktionären. „Wir sind technologisch führend und praktisch schuldenfrei“, fasste Herr Hoffmann die Situation der Gesellschaft bündig zusammen.

Im weiteren Verlauf seiner Präsentation informierte Herr Hoffmann über weitere Details des laufenden Geschäftsjahres 2020. Sowohl für das System MULTIEYE als auch für XENTAURIX gingen neue Aufträge ein. Im Rahmen einer Partnerschaft wird artec eine Systemkomponente für die Autobahnüberwachung in Slowenien liefern, gab Herr Hoffmann ein Beispiel an. Dazu ist man mit weiteren erfolgten und erwarteten Aufträgen von Sicherheitsbehörden gut im Markt positioniert. Die Vertriebspipeline sei gut gefüllt, die Teilnahme an neuen Ausschreibungen findet regelmäßig statt. Gute Chance versprach sich Herr Hoffmann auch für einen neuen Bereich, nämlich dem e-Learning.

Hierfür bereitete man bereits vor den Maßnahmen der Corona-Pandemie eine Lösung vor, verriet er. Den Umsatz des ersten Halbjahres 2020 bezifferte er nach vorläufigen Zahlen auf 1,3 Mio. Euro. Aufgrund erneuter Umsatzverschiebungen in die zweite Jahreshälfte erwartet der Unternehmenslenker für das Gesamtjahr 2020 eine „deutliche Umsatzsteigerung und Ertragsverbesserung“.

In seinem Ausblick über die Strategie der kommenden Jahre informierte Herr Hoffmann, dass mit der künstlichen Intelligenz neue Technologien ins Portfolio aufgenommen werden sollen. Damit will er die Gesellschaft noch stärker als Spezialisten für die Aufbereitung von Daten aus audiovisuellen Quellen aufstellen. Er erinnerte daran, dass neben den Auswertungen von TV- und Radiosendungen künftig auch weitete Daten aus den sozialen Medien, Überwachungskameras und Bodycams als Datenquelle genutzt werden können. Auf einer seiner letzten Präsentationsfolien erschien das inzwischen berühmte Zitat von Angela Merkel: „Daten sind der Rohstoff der Zukunft“.


Allgemeine Aussprache

Bei virtuellen Hauptversammlungen sind - nach den neu anwendbaren gesetzlichen Optionen - lediglich zwei Tage im Vorfeld eingereichte Fragen von der Verwaltung „nach freiem Ermessen“ zu beantworten. Dies wurde von artec entsprechend gehandhabt. Ein Aktionär hatte hierzu seine Fragen über das Internetportal abgegeben. Bei der Beantwortung wurde mit Blick auf diese neuen Gegebenheiten darauf hingewiesen, dass sämtliche eingereichten Fragen vollständig beantwortet werden. Kernthema seiner Fragen waren die Hintergründe der aus Sicht des Aktionärs zu geringen Umsatzerlöse und der ständigen zeitlichen Verschiebungen von Aufträgen.

Herr Hoffmann ging bei der Beantwortung in die Details zu der Umsatzthematik. Er erläuterte, dass ein wesentlicher Teil der avisierten Aufträge seitens der Kunden final eingegangen ist. Lediglich bei einem Kunden aus Katar erwarte man noch die Unterschrift. In diesem Fall seien Auswirkungen der Corona-Pandemie an der Verzögerung schuld. Der artec-Chef erklärte, dass eine Mehrzahl der Kunden inzwischen die Mietvariante der IT-Lösungen wählt. Dadurch verteilt sich der Umsatz über die Laufzeit, die üblicherweise zwischen 24 und 36 Monaten mit Verlängerungsoption liegt. An einem Beispiel verdeutlichte Herr Hoffmann den Effekt: So habe eine staatliche Institution eine Vertragsvariante mit einer Laufzeit von 48 Monaten gewählt. Statt einmalig etwa 140 Tsd. Euro umsatzwirksam verbuchen zu können, werden nunmehr pro Jahr 40 Tsd. Euro und damit in der Summe 160 Tsd. Euro in Rechnung gestellt.

So gab es im Jahr 2017 lediglich 195 Tsd. Euro an wiederkehrenden Erlösen. 2018 waren es dann bereits 280 Tsd. Euro und 2019 insgesamt 290 Tsd. Euro. Den derzeitigen Bestand an wiederkehrenden Umsätzen bezifferte Herr Hoffmann auf 350 Tsd. Euro. Den aktuellen Auftragsbestand gab der Alleinvorstand mit knapp 600 Tsd. Euro an. Mitte 2019 lag dieser nur etwa halb so hoch. Die Auftragsanbahnung liegt bei mittleren und größeren Aufträgen bei über einem Jahr. Bei artec handele es sich um ein Wachstumsunternehmen, verdeutlichte der Vorstand den Aktionären. Als seine Hoffnung drückte Herr Hoffmann das Szenario aus, zukünftig den Sicherheitsbehörden im In- und Ausland eine Hard- und Softwarelösung aus einer Hand bieten zu können. Aufgrund notwendiger Kompatibilitätsanforderungen bei der Weiterentwicklung der Systeme könnte daraus gar ein Alleinstellungsmerkmal für artec erwachsen.

Befragt nach den Kosten der Kapitalerhöhung nannte Herr Hoffmann einen Betrag vonca. 80 Tsd. Euro. Die Aufwendungen für die virtuelle Hauptversammlung interessierten den Aktionär ebenso. Ihm wurde geantwortet, dass die Kosten im Vergleich zu einer Präsenz-Hauptversammlung leicht höher liegen. Diese fallen für den Dienstleister UBJ an, über dessen Fähigkeiten und Umsetzung sich Herr Hoffmann sehr lobend äußerte. Für die technische Umsetzung wird dabei auf den hauseigenen Streamingdienst gesetzt.


Abstimmungen

Nach Beantwortung aller Fragen, leitete Herr Schütze den Abstimmungsprozess ein. Die Präsenz bei der Stimmabgabe betrug 1.206.296 Aktien oder 41,96 Prozent des in 2.861.850 Aktien eingeteilten Grundkapitals. Inklusive der 35.204 Briefwahlstimmen konnten insgesamt 43,19 Prozent des Grundkapitals an den Abstimmungen teilnehmen. Sämtliche Beschlussvorlagen der Verwaltung wurden mit klaren Mehrheiten von über 99 Prozent bzw. sogar ohne Gegenstimmen von der Hauptversammlung verabschiedet.

Im Einzelnen beschlossen wurden die Entlastung von Vorstand (TOP 2) und Aufsichtsrat (TOP 3), die Wahl der Kohl & Zerhusen GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Steuerberatungsgesellschaft, Steinfeld zum Abschlussprüfer für das Geschäftsjahr 2020 (TOP 4) sowie die Wahl von Veith Hamper, Ingo Hoffmann und Ingo Estermann in den Aufsichtsrat (TOP 5).

Der Versammlungsleiter Schütze schloss die Hauptversammlung um 11:19 Uhr.


Fazit

Der Umsatzrückgang und die unter dem Strich deutlich roten Zahlen des Berichtsjahres 2019 waren eine Enttäuschung für die Aktionäre. Das gilt insbesondere, nachdem sich der Vorstand bei der letztjährigen Hauptversammlung und in weiterer Kapitalmarktkommunikation noch deutlich optimistischer gezeigt hatte. Allerdings ist es im IT-Bereich nicht ungewöhnlich, dass sich Aufträge zeitlich verschieben bzw. als Mietvariante statt Sofortkauf mit höheren Einmalerlösen geordert werden. Der inzwischen als Alleinvorstand agierende Thomas Hoffmann verdeutlichte auf diesem virtuellen Aktionärstreffen, dass artec strategisch gut positioniert ist und den Vertrieb stärken konnte. Die Gesellschaft geht mit neuen Lösungen im Bereich der künstlichen Intelligenz technologisch den nächsten Schritt. Wachsende wiederkehrende Erlöse werden in den Folgejahren zu weniger Überraschungen auf der Umsatz- und Ertragsseite führen. Der Vorstand zeigte sich deutlich zuversichtlich für die nahe Zukunft der Gesellschaft.

An der Börse war ein sehr volatiler Verlauf innerhalb der letzten 12 Monate zu beobachten. Sowohl die allgemeinen Verwerfungen infolge der Corona-Pandemie im März 2020 als auch die überraschend schwachen, im Mai 2020 kommunizierten Zahlen für das Berichtsjahr drückten den Kurs der Aktie jeweils unter 3,00 Euro. Kurzfristig wurden im März sogar Kurse von unter 2 Euro aufgerufen. Zum Vergleich: Im März 2018 waren in der Spitze Kursregionen von 7,00 Euro erreicht, der Platzierungspreis der letztjährigen Kapitalerhöhung war auf 4,00 Euro je Aktie festgelegt worden. Inzwischen hat sich der Aktienkurs wieder leicht erholt und notiert in der Region knapp über 3,00 Euro. Es errechnet sich Marktkapitalisierung in Höhe von etwa 9 Mio. Euro. Die Aktie eignet sich auf diesem Kursniveau als spekulative Depotbeimischung. Eine gute Positionierung der artec in attraktiven Geschäftsfeldern ist vorhanden. Diese muss jedoch nunmehr auch in weitere neue überzeugte Kunden und damit einhergehend steigende Umsatzerlöse münden, um an der Börse als interessanter Wachstumswert wahrgenommen zu werden.


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Hinweis: Der Verfasser des Berichts hält Aktien der Gesellschaft.



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