TWINTEC AG (ISIN DE000A0LSAT7)

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HV-Bericht TWINTEC AG

Das gedrückte Aktienkursniveau bietet interessante Einstiegschance


Seit etwas mehr als einem Jahr ist die TWINTEC AG, deren Kerngeschäft die Entwicklung und Fertigung von Rußpartikelfiltern zur Nachrüstung ist, im Entry Standard gelistet. Vom Emissionskurs von 11 Euro aus legte die Aktie zunächst schnell zu und erreichte, getrieben von der Diskussion um Fahrverbote für Diesel-PKW ohne Rußfilter, innerhalb weniger Monate ein Niveau von mehr als 28 Euro. Seit der Meldung über den Einbau unwirksamer Filter durch einige Konkurrenzunternehmen hat das Papier jedoch wieder deutlich an Wert verloren - dabei ist TWINTEC in diesen Skandal gar nicht verwickelt, sondern dürfte davon längerfristig sogar eher profitieren.

Zur ersten Hauptversammlung hatte das Unternehmen für den 23.5.2008 in das Hotel Maritim an den Sitz der Gesellschaft nach Königswinter nahe Bonn eingeladen. Rund 100 Aktionäre und Gäste hatten sich hierzu versammelt, darunter Matthias Wahler für GSC Research, als der Aufsichtsratsvorsitzende Prof. Dr. Ulrich Seiffert die Veranstaltung um 10 Uhr eröffnete und den Anwesenden zunächst die Herren der Verwaltung vorstellte. Nach Abhandlung der Formalien übergab der Versammlungsleiter das Wort dann an den Vorstandsvorsitzenden Edmund Schnürer.


Bericht des Vorstands

Einleitend präsentierte Herr Schnürer den Anwesenden die Zahlen eines sehr erfolgreichen Geschäftsjahres 2007. Demnach konnte der Umsatz in diesem Zeitraum um 74 Prozent auf 78,5 Mio. Euro gesteigert werden, und das Betriebsergebnis erhöhte sich sogar um 141 Prozent auf 12,1 (Vj.: 5,0) Mio. Euro. Nach Steuern wurden, bereinigt um die Börseneinführungskosten, 7,1 (2,9) Mio. Euro verdient, und auch nach deren Abzug waren es mit 6,6 Mio. Euro mehr als doppelt so viel wie im Jahr zuvor.

Getragen wurden die erheblichen Zuwächse nach Auskunft von Herrn Schnürer insbesondere von den Rußpartikelfiltern zur Nachrüstung, von denen mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr abgesetzt wurden und die nun 78 Prozent zu den Umsatzerlösen beitragen. Allein im Bereich der Diesel-PKW-Systeme kann TWINTEC entsprechende Anwendungen für mehr als 860 verschiedene PKW anbieten und deckt damit über 70 Prozent des Markts ab. Seine Stellung als einer der Marktführer konnte das Unternehmen weiter ausbauen.

Als einem der ersten Anbieter überhaupt gelang es der TWINTEC den Angaben des Vorstandsvorsitzenden zufolge im Sommer 2007 zudem, eine Nachrüstlösung für Nutzfahrzeuge zertifiziert zu bekommen. Mit Hochdruck wird nun an einer Erweiterung des Angebots für LKW und Busse gearbeitet. Die Hauptabnehmer sind für die TWINTEC AG mit einem Umsatzanteil von 55 Prozent noch immer die freien Autoteile-Händler. Das Unternehmen arbeitet inzwischen aber auch mit zehn Automobilherstellern und einem Nutzfahrzeughersteller zusammen, was großteils schon bei der Entwicklung der Systeme beginnt. Die Exportquote betrug im vergangenen Jahr etwa 30 Prozent.

Als grundsolide wertete Herr Schnürer die nach den Grundsätzen des HGB aufgestellte Bilanz, deren Relationen sich durch den Mittelzufluss von netto 15,7 Mio. Euro aus dem Börsengang erheblich verbessert haben. Trotz einer Ausweitung der Bilanzsumme auf 46,1 (24,7) Mio. Euro erhöhte sich die Eigenkapitalquote von 33,8 auf 68,3 Prozent. Bankverbindlichkeiten sind keine mehr vorhanden, und Forschungs- und Entwicklungskosten sind nicht aktiviert. Der Vorstandsvorsitzende sieht das Unternehmen damit bestens aufgestellt, um sich den vielfältigen Herausforderungen der Zukunft zu stellen.

Im Folgenden legte Herr Schnürer die weltweiten Grundtendenzen in der Abgasnachbehandlung dar, die sich von Land zu Land unterscheiden, die sich aber zumeist an den Vorgaben der EU orientieren. Eindeutig ist der Trend zu einer immer weiteren Verschärfung der Emissionsstandards, was er am Beispiel der Grenzwerte für Partikel und Stickoxide beim Diesel-PKW darstellte. Die nächste Verschärfung tritt hier im September 2009 mit der Euro-5-Abgasnorm in Kraft. Im Nutzfahrzeugsektor ist die Entwicklung sehr ähnlich, auch hier sind Verschärfungen der Abgasgesetzgebung in den kommenden Jahren als sicher anzusehen.

Die TWINTEC AG ist mit der derzeit besten Technologie im Bereich der Abgasnachbehandlung und einer hohen Reputation im Markt nach Überzeugung des Vorstandsvorsitzenden bestens aufgestellt, um von dieser Marktentwicklung profitieren zu können. Nicht ohne Stolz fügte er an, dass der ADAC den Partikelfiltern von TWINTEC erst vor kurzem Bestnoten bescheinigt hat. Bremsend wirkt sich im Moment derzeit allerdings der Skandal um den Einbau von mangelhaften Rußfiltern durch mindestens einen Wettbewerber aus, der damit den Nachrüstmarkt für Rußpartikelfilter nachhaltig verunsichert hat.

„Dennoch wird die Notwendigkeit zur Nachrüstung künftig weiter ansteigen“, betonte Herr Schnürer. Bestätigt sieht er dies mit der spätestens ab 2010 nachhaltigen Verschärfung der Anforderungen für die Einfahrt in Umweltzonen. Bisher sind von dieser Regelung nur etwa 7 Prozent der Diesel-PKW betroffen, mit Inkrafttreten der „Grünen Plakette“ werden es aber dann über 60 Prozent sein, die ohne Nachrüstung in diesen Gebieten nicht mehr mobil sind. Im Besonderen gilt dies auch für Nutzfahrzeuge.

„Spätestens dies sollte den deutschen Nachrüstmarkt wieder beleben“, zeigte sich der Vorstandsvorsitzende überzeugt. Konkret für das laufende Jahr 2008 wollte er sich aber nicht festlegen, ob die durch den Filterskandal verursachte Kaufzurückhaltung anhält oder ob sich diese schnell wieder auflöst. Grundsätzlich sieht Herr Schnürer den Markt für Abgasnachbehandlung angesichts der verschiedenen Einflussfaktoren aber weltweit weiter wachsen, wofür TWINTEC gut gerüstet ist.

Speziell erwähnte der Vorstandsvorsitzende an dieser Stelle das neue TWINblue-System zur kombinierten Minderung von Partikel- und Stickoxid-Emissionen, was ab 2010 aufgrund EU-weiter Grenzwertangaben zum Tragen kommen wird. Geplant ist ferner, künftig nicht mehr nur im Nachrüstungs-, sondern auch im Erstausrüstungs-Bereich tätig zu werden. Wie Herr Schnürer betonte, werde man aber darauf achten, dass das Unternehmen nicht zu schnell wächst, sondern mit einem klaren Fokus auf einer guten Rendite.


Allgemeine Aussprache

In der Diskussion meldeten sich verschiedene interessierte Kleinaktionäre mit kurzen Fragen zu Wort. Eine erste zielte auf die zukünftige Dividendenpolitik, nachdem für 2007 trotz des hohen Gewinns noch keine Ausschüttung vorgeschlagen wurde.

In seiner Antwort verwies Finanzvorstand Markus Lorth auf §24 der Satzung, wonach Gewinne bis zur Hälfte des Grundkapitals in die Rücklagen eingestellt werden können. Demnach könnten im Jahresabschluss 2008 noch weitere 1,6 Mio. Euro in diese Position aufgenommen werden, und der Rest würde dann als Bilanzgewinn für die Beschlussfassung der Hauptversammlung zur Verfügung stehen. Grundsätzlich steht der Dividendenfähigkeit nach Aussage des Vorstands nichts im Wege; und wenn Ergebnis und Cashflow dies hergeben, werde im nächsten Jahr eine Dividende vorgeschlagen.

Kleinaktionär Mohren war erstaunt, dass das Unternehmen künftig auch in das Erstausstattungsgeschäft einsteigen will. Nach seiner Überlegung müsste dies mit einer deutlichen Ausweitung der Produktionskapazitäten verbunden sein, was eine Verlagerung ins Ausland sinnvoll machen könnte. Wie Herr Lorth klarstellte, produziert TWINTEC ausschließlich in Königswinter, und dies soll auch so beibehalten werden. Da man sich bei der Gesellschaft ausschließlich auf einen wesentlichen Teil des Produktionsprozesses konzentriert, sei dies auch problemlos möglich. Zudem könnten die Kapazitäten gegebenenfalls innerhalb von Monaten auf das Doppelte ausgeweitet werden.

Die Aktionärsstruktur hat sich, wie Herr Lorth auf entsprechende Nachfrage ausführte, gegenüber der Darstellung im Geschäftsbericht nicht verändert. Demnach hält der Vorstandsvorsitzende Edmund Schnürer 43,6 Prozent, sein Vorstandskollege Uwe Israel 6,5 Prozent und die CCM Holding GmbH 13 Prozent, womit sich 36,9 Prozent der Anteile im Free Float befinden.

Dass die Aktienkursentwicklung „nicht gerade berauschend“ verläuft, bestätigte der Finanzvorstand. Zum einen führte er dies auf das allgemein schwache Börsenumfeld insbesondere im Bereich der Nebenwerte zurück und außerdem auf den geringen Free Float und damit verbunden auf die geringen Handelsvolumina. Er äußerte jedoch die Hoffnung, dass diese Schwächephase bald endet, was er speziell für die TWINTEC mit Investorengesprächen zu unterstützen versuche.

Aufgefallen war Aktionär Mohren, dass Aufsichtsratsmitglied Wolfgang Maus in der Geschäftsführung der Emitec GmbH in Lohmar tätig ist, bei der es sich seines Wissens um eine Konkurrenzfirma handelt. „Bringt er Know-how in die Firma oder schöpft er welches ab?“, brachte er seine Befürchtungen auf den Punkt. Wie Herr Maus daraufhin darstellte, unterteilt sich der Markt für Abgasnachbehandlung in viele Einzelschritte, die jeweils von unterschiedlichen Firmen abgedeckt werden. Die Emitec GmbH ist demnach nur am Anfang der Wertschöpfungskette aktiv und stellt Partikelfilter-Substrate (Kern / Träger) aus Metall her, die dann von der TWINTEC AG erworben und weiterverarbeitet werden. Er könne das Unternehmen im Aufsichtsrat durch seine langjährige Erfahrung in der Branche unterstützen.

Ein weiterer Kleinaktionär erkundigte sich nach mehr Details zu den Möglichkeiten, mit einem System sowohl gegen Feinstaub als auch gegen Stickoxide vorgehen zu können. Zu diesem Thema erklärte Vorstandsmitglied Israel, dass die derzeitige Diskussion lediglich den Feinstaub betrifft, für den im Jahr 2005 ein Grenzwert festgelegt wurde. Ab 2010 werden aber auch Grenzwerte für Stickoxide eingeführt, deren Reduktion technisch viel mehr Probleme aufwirft.

Schon heute verringern sich bei einer Nachrüstung zwar auch die Stickoxide um 20 bis 40 Prozent, was aber künftig nicht mehr ausreichen wird. TWINTEC habe jedoch mit dem TWINblue-System bereits ein Verfahren im Angebot, das sowohl Feinstaub als auch Stickoxide verringern kann. Herr Israel sieht dieses deshalb als eines der wesentlichen Produkte für die Zukunft an.

Wieder einem anderen Teilnehmer war der Ausblick auf das laufende Jahr zu knapp ausgefallen. Daher fragte dieser nach mehr Einzelheiten zu den möglichen Auswirkungen des genannten Käuferstreiks und wollte wissen, wie das erste Quartal verlaufen ist.

Nach Auskunft des Finanzvorstands lag das erste Quartal etwas über Plan. Die Visibilität sei aufgrund des Filterskandals derzeit aber nur gering, weshalb die Entwicklung im Gesamtjahr nicht abgeschätzt werden könne. Derzeit ist, wie Herr Lorth weiter ausführte, eine gewisse Kaufzurückhaltung klar spürbar, was allerdings nach seiner Überzeugung nichts am langfristigen Potenzial ändert. Spätestens, wenn ab 2010 viele Städte nur noch mit Fahrzeugen mit der grünen Plakette befahren werden dürfen, müssen viele Fahrzeuge umgerüstet werden. „Die Nachrüstwelle wird kommen, die Frage ist nur wann“, so der Vorstand.


Abstimmungen

Bei einer Präsenz von 4.280.670 Aktien oder 65,86 Prozent des Grundkapitals wurden alle Beschlüsse nahezu einstimmig gefasst. Im Einzelnen waren dies die Entlastung von Vorstand (TOP 2) und Aufsichtsrat (TOP 3), die Wahl der VRT ADVISA Revisions- und Treuhandgesellschaft zum Abschlussprüfer und Konzernabschlussprüfer für das Geschäftsjahr 2008 (TOP 4) sowie einige kleinere Satzungsänderungen (TOP 5).

Nach zwei Stunden war die Versammlung beendet.


Fazit

Getrieben von der enormen Nachfrage nach Rußpartikelfiltern konnte die seit gut einem Jahr börsennotierte TWINTEC AG im Geschäftsjahr 2007 bei Umsatz und Ergebnis Rekordwerte erreichen. Im Moment wird die Entwicklung indes etwas gebremst durch den Skandal um den Einbau mangelhafter Rußfilter durch einige Wettbewerber. TWINTEC hat damit zwar nichts zu tun, von den Unregelmäßigkeiten wird aber die ganze Branche in Mitleidenschaft gezogen, da viele Interessenten nun lieber erst einmal abwarten.

Letztlich wird dies die Entwicklung aber nicht aufhalten können, sondern nur verzögern. Spätestens im Jahr 2010, wenn viele Umweltzonen ohne Rußfilter überhaupt nicht mehr befahren werden dürfen, müssen Millionen PKW umgerüstet werden, um ohne Einschränkungen fahrbereit zu sein. Davon müsste die TWINTEC AG, deren Produkte vom ADAC erst vor kurzem Bestnoten erhalten haben, mit ihrer guten Markstellung profitieren. Insofern dürfte das derzeit gedrückte Aktienkursniveau eine sehr interessante Einstiegsgelegenheit darstellen.


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