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Effecten-Spiegel AG (ISIN DE0005647606)

Tiergartenstraße 17
D-40237 Düsseldorf
Deutschland
Tel.:
+49 (0) 211 / 683022
Fax:
+49 (0) 211 / 6912998
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Marlis Weidtmann
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Die Effecten-Spiegel AG hatte für den 20.5.2011 zu ihrer diesjährigen ordentlichen Hauptversammlung in die Stadthalle nach Düsseldorf eingeladen. Wie in den Vorjahren hatten sich dort mehr als 300 Aktionäre und Gäste eingefunden, darunter Matthias Wahler für GSC Research, um sich über den Geschäftsverlauf des Unternehmens zu informieren.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Udo Christochowitz eröffnete die Versammlung um 10:30 Uhr, erläuterte die Formalien und stellte die Personen auf dem Podium vor. Vorstand und Aufsichtsrat waren komplett zugegen. Im Anschluss übergab er das Wort an Alleinvorstand Marlis Weidtmann.


Bericht des Vorstands

Ihre Ausführungen begann Frau Weidtmann mit einem Blick in die Historie der Gesellschaft, die in diesem Jahr ihr 40-jähriges Firmenjubiläum feiert. Der Gründer war der im August 2007 verstorbene Bolko Hoffmann, der Zeit seines Lebens fest zu seinen Überzeugungen gestanden hat und dessen Lebenswerk Frau Weidtmann als seine Nachfolgerin respektvoll weiterführen will.

In das Geschäftsjahr 2010 war Vorstand Weidtmann nach eigenen Worten mit eher vorsichtigen Erwartungen gestartet (siehe hierzu auch den binäre optionen demokonto kostenlos von GSC Research). Tatsächlich glich die Entwicklung der Börse über weite Strecken einer Achterbahnfahrt, und es waren angesichts der Banken- und Verschuldungskrise mehrfach kräftige Rückschläge zu verkraften. Per Saldo legte der DAX aber deutlich zu.

Die Entscheidung, vornehmlich in deutsche Aktien zu investieren, erwies sich Frau Weidtmann zufolge als absolut richtig. Zum einen war der starke Konjunkturaufschwung in Deutschland das Zugpferd für die gesamte Eurozone, und gleichzeitig hat sich die Schuldenproblematik in einigen anderen europäischen Ländern massiv verschärft.

Insgesamt erhöhte die Firmenchefin die Investitionsquote im Depot der Effecten-Spiegel AG von 65 auf 73 Prozent. Knapp zwei Drittel des Volumens waren zum Bilanzstichtag in Aktien angelegt, und davon 87 Prozent in deutsche Werte. Darüber hinaus hielt die Gesellschaft 9 Prozent des Depotvolumens in Anleihen mit einer Durchschnittsverzinsung von 5,82 Prozent und einen Barbestand von 26 Prozent. Aus dem Engagement in Silber ist Frau Weidtmann, wie sie später noch näher ausführte, in 2011 ausgestiegen.

Als Paradebeispiel für ein erfolgreiches deutsches Unternehmen sieht die Firmenchefin die Siemens AG, die schon länger eines der Kerninvestments darstellt. Mit einem Kursanstieg von 44 Prozent war die Aktie einer der besten Werte im DAX. Die Effecten-Spiegel AG konnte nicht nur die stillen Lasten aus dieser Position in Höhe von 1,4 Milliarden Euro aufholen, sondern sie weist per Saldo fast 900 TEUR stille Reserven aus..

Auch die Investition in die K+S AG entwickelte sich erfolgreich. Die stillen Lasten von 700 TEUR haben sich bei dieser Position im Jahresverlauf in stille Reserven von 300 TEUR gewandelt. Wie Siemens ist K+S ein Basisinvestment der Effecten-Spiegel AG, das Frau Weidtmann mit dem Erwerb von weiteren 8.000 Aktien auf nun 65.000 Aktien nochmals aufgestockt hat.

Die RENK-Aktie entwickelte sich mit einer Performance von 40 Prozent gleichauf mit dem MDAX, was der Effecten-Spiegel AG eine Wertaufholung von 800 TEUR einbrachte. Inklusive der Dividende belief sich die Rendite bei RENK auf 45 Prozent. Auch bei der Biotest-Aktie konnten die stillen Lasten komplett wettgemacht werden.

Bei Porsche konnte Frau Weidtmann eine Zuschreibung von 250 TEUR vornehmen. Angesichts der unübersichtlichen Gemengelage hat sie dieses Engagement jedoch reduziert. Bei der überaus erfolgreichen Kapitalerhöhung hat sie die Bezugsrechte zur Hälfte verkauft und im Übrigen die neuen Aktien bezogen, was zum Teil mit den Erlösen aus dem Verkauf finanziert werden konnte. Mit der weitgehenden Entschuldung des Konzerns sieht sie nun bei Porsche die finanziellen Voraussetzungen für die Fusion geschaffen.

In die SMA Solar AG ist Frau Weidtmann im ersten Halbjahr 2010 eingestiegen. Hierbei handelt es sich um ein überaus erfolgreiches Unternehmen im Bereich der erneuerbaren Energien, das über einen Marktanteil von mehr als 40 Prozent verfügt und zuletzt bei Rekordumsätzen eine Marge von 22 Prozent aufwies. Dennoch setzte sich der Preisverfall der Aktie weiter fort. Frau Weidtmann sieht darin die Bedenken der Anleger hinsichtlich Subventionsstreichung und Preisverfalls aufgezeigt. Zum Jahresende wies diese Position deshalb ebenso wie das Engagement in RWE-Vorzüge stille Lasten auf.

Von der HOCHTIEF AG hatte Frau Weidtmann immer eine sehr hohe Meinung. Selbst als der russische Großaktionär verkauft und damit den Aktienkurs nach unten gedrückt hatte, hielt sie an diesem Engagement fest. Nach der Übernahme durch den Baukonzern ACS hat sie die Aktien aber nun veräußert. Das hoch verschuldete spanische Unternehmen sieht sie nicht als seriösen Partner, und sie wertet es zudem als schlechtes Zeichen, dass Vorstand und Aufsichtsrat das Handtuch geworfen haben.

Die zugeflossene Liquidität hat Vorstand Weidtmann zum Großteil in Aktien der Bilfinger Berger AG angelegt, die seither eine starke Performance aufweisen. Als moderner Serviceanbieter erwirtschaftet dieses Unternehmen inzwischen 80 Prozent der Umsätze im Dienstleistungsgeschäft, was eine lukrative Marge eröffnet. Im vergangenen Jahr konnte Bilfinger Berger das Ergebnis bereits mehr als verdoppeln, und für 2011 sind weitere Zuwächse zu erwarten. Zusätzliches Geschäftspotenzial ergibt sich durch die Wartung und möglicherweise auch durch den Rückbau von Atomkraftwerken.

Eine Sondersituation ergab sich bei der Deutschen Postbank, bei der die Deutsche Bank ein freiwilliges Barübernahmeangebot zu 25 Euro je Aktie unterbreitet hat. Nach Überzeugung von Frau Weidtmann hätte gemäß Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz (WPüG) aber bereits im Frühjahr 2009 ein Pflichtangebot zu einem deutlich höheren Kurs erfolgen müssen. Die Deutsche Bank erwies sich in diesem Fall jedoch als besonders einfallsreich und umging die Verpflichtung mittels einer komplizierten Konstruktion aus Pflichtumtauschanleihe und Call/Put-Optionen.

Nach Auffassung von Frau Weidtmann hatte die Deutsche Bank schon am 25.2.2009, auf jeden Fall aber mit der Eintragung der Kapitalerhöhung am 6.3.2009, die Beteiligungshöhe und damit die ein Pflichtangebot auslösende Schwelle von 30 Prozent überschritten. Und wie sie der Angebotsunterlage vom Oktober 2010 entnommen hatte, macht der Branchenprimus auch gar keinen Hehl daraus, dass er die freien Aktionäre um 1,6 Milliarden Euro geprellt hat.

Nach Auffassung von Frau Weidtmann hätte die Deutsche Bank allen Aktionären den höchsten Erwerbspreis von 49,42 Euro als Gegenwert anbieten müssen. Daher kann sie überhaupt nicht nachvollziehen, wie die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) überhaupt die 25 Euro absegnen konnte. Für die Effecten-Spiegel AG ergibt sich aus der Differenz ein Nachteil von erheblichen 3,6 Mio. Euro, weshalb Frau Weidtmann namens der Gesellschaft am 4.11.2010 Klage gegen das Kreditinstitut eingereicht hat. Dafür musste die Effecten-Spiegel AG allerdings zunächst das Angebot annehmen und realisierte damit vorerst einen Gewinn von 1,5 Mio. Euro.

Juristisches Neuland betritt die Effecten-Spiegel AG nach Aussage der Firmenschefin auch in ihrem zweiten Verfahren betreffend die Übernahme der HypoVereinsbank (HVB) durch die italienische UniCredit. Im Kern geht es hier um die Frage, wem die Gewinne zustehen, die zwischen dem Squeeze-out-Beschluss und dem tatsächlichen Ausscheiden der freien Aktionäre anfallen.

Dies betrifft bei der HVB den Zeitraum zwischen Juni 2007 bis September 2008, also noch vor der Finanzkrise, in dem das Kreditinstitut nach eigenen Angaben einen Betrag von 2,84 Euro je Aktie verdient hat, der in der Zwangsabfindung nicht berücksichtigt ist. Bei einem üblichen Abzinsungsfaktor ergäbe sich daraus ein Wert von 4,22 Euro je Aktie, der den hinausgedrängten Aktionären zustehen würde. Bei der Effecten-Spiegel AG geht es um fast eine Million Aktien.

Im Spruchstellenverfahren gibt es Frau Weidtmann zufolge nicht viel Neues zu berichten. Die acht Hedgefonds und die Berliner Verbraucherzentrale für Kapitalanleger e.V. haben allerdings überraschend ihre Klagen zurückgezogen. Nachdem sie zuvor schon 400 TEUR an Gerichtskosten einbezahlt hatten, stellt sich damit die Frage nach den Hintergründen.

Nach Akteneinsicht stellte sich heraus, dass die Klagen in dieser Form angeblich unzulässig geworden sind, weil die HVB den Prozess offenbar selbst fortführt, was aber für Frau Weidtmann die wichtige Frage aufwirft: Was passiert, wenn die Gesellschaft die Klage gegen ihren Mehrheitseigner wieder zurücknimmt. Eine Antwort darauf ist das OLG bislang schuldig geblieben. In diesem Verfahren ist nach Einschätzung von Frau Weidtmann noch reichlich Geduld gefragt.

Auch beim Squeeze-out der Klöckner-Werke AG hat die Effecten-Spiegel AG ein Spruchstellenverfahren eingeleitet, um die Höhe der Barabfindung überprüfen zu lassen. Frau Weidtmann sieht gute Chancen auf eine deutliche Nachbesserung und hat die renommierte Düsseldorfer Kanzlei Dreier & Riedel Rechtsanwälte eingeschaltet. Als Trading-Position ist sie danach bei Wacker Chemie eingestiegen - und längerfristig hat sie Lanxess-Aktien erworben.

Im Anschluss erläuterte die Firmenchefin die Entwicklung der Beteiligungen, an denen die Effecten-Spiegel AG Anteile hält. Dabei begann sie mit der GSC Info und Beteiligungen AG, die sich im vergangenen Jahr neu aufgestellt hat. Auf der Grundlage dieser Neuordnung ist auch eine Neubewertung vorgenommen worden, was zu einer Abschreibung um 76 TEUR führte. Aufgrund der guten Vernetzung von GSC in der Branche hat sich das Engagement nach ihrer Überzeugung aber bereits bezahlt gemacht, und für das laufende Jahr geht sie auch wieder von einer positiven Entwicklung aus.

Die Beteiligung an der Action Press AG hat Frau Weidtmann auf 31,15 Prozent reduziert. Verkauft wurde an die Investmentaktiengesellschaft für langfristige Investoren TGV zu einem Kurs von 1 Euro, was einen Aufschlag von 16 Prozent auf den Durchschnittskurs der vorherigen Dreimonatsperiode bedeutet. Die TGV hat auch noch weitere 5,17 Prozent über die Börse erworben, was Frau Weidtmann als Hauptgrund dafür ansieht, dass in den Kurs etwas Bewegung gekommen ist. Im Januar 2011 hat nun ein weiterer Investor das Überschreiten seiner Beteiligung von 5 Prozent gemeldet. In der neuen Struktur mit insgesamt drei größeren Investoren fühlt man sich bei der Effecten-Spiegel AG mit der derzeitigen Anteilshöhe sehr wohl.

Auch bei der Beteiligung an der 7days music entertainment AG konnte Frau Weidtmann Fortschritte vermelden. Nach langen Verhandlungen konnten die Streitigkeiten mit den Ex-Vorständen endlich beigelegt werden, was dem Unternehmen einen Mittelzufluss von 560 TEUR einbrachte. Außerdem fallen künftig aus diesem Streit keine Beratungskosten mehr an, die sich in der Vergangenheit zum Teil bis auf 700 TEUR im Jahr summiert haben.

Überdies verzichtete Jack White auf sein Entsenderecht für einen Platz im Aufsichtsrat und die von der Gesellschaft garantierten lebenslangen Bezüge, was eine erhebliche Entlastung bedeutet. Außerdem ist es gelungen, einige neue Künstler zu verpflichten, und für das laufende Jahr strebt man bei der 7days eine Umsatzverdoppelung und ein positives Ergebnis an. An der letzten Kapitalerhöhung hatte die Effecten-Spiegel AG, wie vorher angekündigt, teilgenommen.

Sehr zufrieden ist Frau Weidtmann nach wie vor mit dem Investment in die EquityStory AG. Dieses Unternehmen ist grundsolide aufgestellt, verzeichnet regelmäßig hohe Umsatz- und Ergebniszuwächse, und diese Entwicklung wird sich nach ihrer Überzeugung auch in den kommenden Jahren fortsetzen. Die Beteiligung der Effecten-Spiegel AG von 5,42 Prozent hat sich bereits bezahlt gemacht, und Frau Weidtmann freut sich auf eine Fortsetzung der Wachstumsstory.

Von der Ariba Inc., einem der ältesten Investments der Effecten-Spiegel AG, hat sich Frau Weidtmann getrennt. Nach einer langen Durstrecke verzeichnete dieses Unternehmen ab 2008 wieder erste Erfolge, und nach einigen Teilverkäufen hat sie den Kursanstieg genutzt, um komplett aus diesem Engagement auszusteigen.

Neu investiert hat Frau Weidtmann in die Cisco-Aktie. Nach dem deutlichen Kursrückgang der letzten Monate sieht sie diesen Wert vor der Trendwende, zumal der Netzwerkriese über 43 Milliarden US-Dollar an Cashreserven verfügt, was allein 40 Prozent der Börsenbewertung abdeckt. Den Fokus legt sie bei ausländischen Aktien aber weiterhin auf den Rohstoffsektor. Caterpillar wurde nach dem Ausstieg aus der BHP Billiton in diesem Zusammenhang genannt.

Frau Weidtmann kam dann zum Verlagsgeschäft, das seit Jahren stagnierende bzw. leicht rückläufige Erlöse ausweist. Eine starke Belastung stellt die Konkurrenz aus dem Internet dar, und im Übrigen hat sich die Zahl der direkten Aktionäre, die die einzige Zielgruppe für den Effecten-Spiegel bilden, in den letzten zehn Jahren in Deutschland nahezu halbiert.

Immerhin haben die Leser dem Team im Rahmen der internen Marktforschung eine solide Arbeit bescheinigt. Aber auch der Heftaufbau, die graphische Gestaltung und auch das neue Layout kommen gut an. Als wesentliches Alleinstellungsmerkmal sehen 90 Prozent der Leser den konsequenten Verzicht des Effecten-Spiegels auf Fremdwerbung, was geholfen hat, nun schon seit 40 Jahren die Unabhängigkeit zu bewahren.

Wie Frau Weidtmann allerdings einräumte, stellt es eine zunehmende Herausforderung dar, die Finanzierung ausschließlich aus den Heftverkäufen darzustellen. Dennoch will sie die Unabhängigkeit auf jeden Fall bewahren. Wie sie bei der Klage gegen die Deutsche Bank gemerkt hatte, waren viele werbefinanzierte Magazine an einer weiterführenden Berichterstattung plötzlich nicht mehr interessiert.

Das gedruckte Wort wird nach Überzeugung von Frau Weidtmann auch weiterhin einen hohen Stellenwert genießen, da nachträgliche Manipulationen ausgeschlossen sind. Trotz des Vormarschs des Internets werden die Printmedien nie völlig verschwinden. Zusätzlich hat sie mit Unterstützung durch den Partner EquityStory auch die Internetpräsenz aufgearbeitet, um den Bekanntheitsgrad weiter zu erhöhen.

Mit der Entwicklung der Effecten-Spiegel-Aktie, deren Kurs im vergangenen Jahr um 45 Prozent zugelegt hat, zeigte sich Frau Weidtmann recht zufrieden. Eine Zuschreibung auf die eigenen Anteile war nach den neuen gesetzlichen Regelungen aber dennoch nicht zulässig. Im Gegenteil dürfen die eigenen Aktien überhaupt nicht mehr als Vermögenswert bilanziert werden, was ihr nicht so recht einleuchten wollte.

Gemäß den Vorschriften des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG) hat die Gesellschaft die eigenen Aktien mit einem Wert von 4,8 Mio. Euro komplett ausgebucht. Auf der Passivseite wurden parallel die Rücklagen aufgelöst und das gezeichnete Kapital um den Nominalwert der eigenen Anteile reduziert. Bilanziell wirkt dies also wie eine Kapitalherabsetzung. Was das mit Transparenz zu tun haben soll, kann Frau Weidtmann nicht nachvollziehen.

Dennoch konnte die Effecten-Spiegel AG den Jahresüberschuss auf 4,2 (Vj.: 2,0) Mio. Euro mehr als verdoppeln und damit das drittbeste Ergebnis in den letzten zehn Jahren erreichen. Gerne verwies Frau Weidtmann auch auf die überaus solide Bilanzstruktur mit einer Eigenkapitalquote von 96 Prozent und liquiden Mitteln von 5 Euro je Aktie.

Mit Blick auf das gute Ergebnis schlagen Vorstand und Aufsichtsrat vor, die Dividende um 5 Cent auf 0,60 Euro je Aktie zu erhöhen und zusätzlich einen Jubiläumsbonus von 0,20 Euro je Aktie auszuschütten. Zusätzlich kann dann noch ein Betrag von 1,4 Mio. Euro in die Gewinnrücklagen eingestellt werden.

„Wie geht es nun weiter?“ leitete die Firmenlenkerin dann zum Ausblick über. Im bisherigen Jahresverlauf 2011 ist ihrer Aussage nach schon wieder Einiges passiert, und die Börsen entwickeln sich trotz aller Negativmeldungen aus diversen Ländern der Eurozone sehr stabil. Die Rallye des Silberpreises hat sie genutzt, um den Bestand von 3 Tonnen komplett zu veräußern, und ist so der folgenden scharfen Korrektur entgangen, was die Anwesenden mit Applaus bedachten.

Alternativ schaut sich Frau Weidtmann nun nach Förderunternehmen um. Jeweils 1,5 Mio. Euro hat sie bereits in die beiden großen Branchenvertreter Anglo American und Barrick Gold investiert. Interessant findet sie mit dem beschleunigten Ausstieg aus der Kernenergie daneben das Thema erneuerbare Energien. Insbesondere für die Zulieferer dürfte sich nach ihrer Einschätzung angesichts des erheblichen Investitionsbedarfs in den Bereichen Transport und Speicherkapazitäten enormes Potenzial eröffnen.

Insgesamt geht Frau Weitdtmann von einer Fortsetzung des Aufwärtstrends an den Börsen aus. Schließlich sind viele Aktien noch immer günstig bewertet. Die Dynamik dürfte nach ihrer Einschätzung aber nachlassen. Ebenso wie sie in der Finanzkrise nicht in Panik verfallen ist, will sie sich aber jetzt auch nicht der Euphorie hingeben.


Allgemeine Aussprache

Die erste Wortmeldung kam von Aktionär Gerd Hellmerichs aus Bonn. Dieser war grundsätzlich sehr angetan von der Arbeit von Frau Weidtmann und der Aufstellung der Effecten-Spiegel AG, in der sich Substanz und Investmentkompetenz vereinen. Kritisch sah er jedoch, dass selbst im Geschäftsbericht nur spärliche Informationen zu den einzelnen Beteiligungen zu finden sind. Auch den Internetauftritt fand er eher dürftig. Daher regte der Aktionär an, im Effecten-Spiegel regelmäßig eine Liste mit den großen Positionen abzudrucken.

„Ich kann mit Fug und Recht sagen, dass wir die Informationspolitik zuletzt Schritt für Schritt verbessert haben“, entgegnete Frau Weidtmann. Das Journal kann ihrer Meinung nach aber kein Transaktionsspiegel der Gesellschaft sein. Zudem benötige sie eine gewisse Ruhe, um arbeiten zu können, und sie erhalte auch heute schon nach jeder Veröffentlichung enorm viel Post mit Vorschlägen hinsichtlich der Geldanlage. Ihr erscheint es ausreichend, regelmäßig die größten Depotpositionen zu nennen, wie dies bereits gehandhabt wird.

Weiterhin informierte Frau Weidtmann auf Nachfrage von Herrn Hellmerichs, dass die Effecten-Spiegel AG durchaus an der Eurex aktiv ist und Stillhaltergeschäfte tätigt. Das Volumen bewegte sich im vergangenen Jahr im sechsstelligen Bereich. Derzeit hat sie beispielsweise einen Put auf Siemens verkauft.

Ebenso wie zwei weitere Kleinaktionäre machte Herr Hellmerichs Vorschläge hinsichtlich einer Reduzierung der Transaktionsgebühren. Hier konnte Frau Weidtmann keinen Verbesserungsbedarf erkennen. Wie sie mitteilte, zahlt die Effecten-Spiegel AG eine Provision von 0,2 Prozent für die Transaktion und bei größeren Volumina noch deutlich weniger. Depotgebühren fallen keine an. Das Zwischenschalten einer Bank hält sie unbedingt für sinnvoll, da nur so auch Interesse wahrende Aufträge vergeben werden können.

Im Anschluss sprach Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und richtete eine ganze Reihe von Fragen an die Firmenchefin. Zunächst interessierte ihn, welches Ergebnis sich aus dem Engagement in die chinesische BYD ergeben hat, von dem sie sich ausweislich des Geschäftsberichts getrennt hat.

In ihrer Antwort informierte Frau Weidtmann, dass sie diese Gesellschaft zunächst ausgesprochen interessant gefunden hat. Nachdem sich die Verkaufszahlen überraschend rückläufig entwickelten und Modellreihen verschoben wurden, hat sie die Position aber mit einem kleinen Gewinn von 82 TEUR veräußert. Dies erwies sich als richtige Entscheidung, denn inzwischen ist die Aktie wieder auf alte Tiefststände zurückgefallen.

Weiterhin hatte Herr Hechtfischer dem Geschäftsbericht entnommen, dass eine Umschichtung von SwissLife in Allianz vorgenommen wurde. Diese Entscheidung beruhte laut Frau Weidtmann darauf, dass SwissLife insbesondere wegen der Übernahme des Finanzdienstleisters AWD immer wieder Negativschlagzeilen machte. Ihr erschien deshalb diese Umschichtung angeraten, und sie sieht dies nach wie vor als richtige Entscheidung an.

Befragt nach den Erfolgsaussichten der Klage gegen die Deutsche Bank äußerte sich Frau Weidtmann sehr optimistisch. Rein rechtlich bewegt sich die Effecten-Spiegel AG ihrer Meinung nach auf der sicheren Seite. Allerdings richtet sich die Klage gegen den Branchenprimus, so dass sich durchaus unerwartete Wendungen ergeben könnten.

Die Effecten-Spiegel AG wird von Prof. Dr. Steiner vertreten, der über viel Erfahrung in diesem Bereich verfügt. Zudem kann Frau Weidtmann im Hintergrund noch auf das Know-how von diversen Personen zurückgreifen, die nicht öffentlich in Erscheinung treten wollen. Die Gerichte müssen sich ihrer Meinung nach auch sehr gut überlegen, wie sie in diesem Fall entscheiden. Wenn die Deutsche Bank einfach so durchkommt, können Unternehmen künftig im Falle einer Übernahme das Pflichtangebot beispielhaft umgehen.

Auch bei der Klage gegen die UniCredit, bei der die Effecten-Spiegel AG ebenfalls von Prof. Dr. Steiner vertreten wird, schätzt Frau Weidtmann die Erfolgsaussichten als gut ein. Sie kann gar nicht verstehen, dass bisher noch niemand diese völlig plausible rechtliche Frage gestellt hat. Der renommierte Aktienrechtler Dr. Altmeppen bestätigt diese Ansicht. Allerdings dürfte in diesem Fall etwas Geduld gefragt sein.

Das Gesamtresultat aus dem Ariba-Engagement bezifferte Frau Weidtmann über die gesamte Haltedauer seit 2001 mit minus 5,4 Mio. Euro. Bei Silber konnte bei einer weit kürzeren Haltedauer bei einer ursprünglichen Investition von 1 Mio. Euro ein Gewinn in Höhe von 1,5 Mio. Euro erzielt werden.

Als das erfreulichste Thema wertete Herr Hechtfischer die Dividendenerhöhung. Selbst ohne die Bonuszahlung liege die Ausschüttung bei einem Gewinn je Aktie von 1,19 Euro leicht über der von der DSW geforderten Quote von 50 Prozent. In diesem Zusammenhang bat er um eine Aussage zur künftigen Dividendenpolitik. Wie Frau Weidtmann daraufhin darlegte, strebt sie eine kontinuierliche Ausschüttung mit leicht steigender Tendenz an. In schlechteren Jahren könnte gegebenenfalls ein Teil der Zahlung aus den Gewinnrücklagen erfolgen, die auch diesmal mit der Einstellung von 1,4 Mio. Euro wieder gestärkt werden.

Auf Nachfrage des DSW-Vertreters benannte Frau Weidtmann dann die größten Positionen im Depot. Ganz vorne stehen Siemens mit einem Volumen von über 6 Mio. Euro, gefolgt von K+S und SMA Solar mit etwa 4 Mio. Euro. Danach folgen Allianz, RENK, Porsche, Biotest und RWE. „Dieses Depot mag defensiv erscheinen“, fügte sie im Vorgriff auf etwaige Nachfragen an. So generiert die Gesellschaft aber jedes Jahr größere berechenbare Dividendenzahlungen.

Die Veräußerung der Gazprom-Aktien, die sie im Vorjahr noch sehr positiv beurteilt hatte, schien Frau Weidtmann angeraten, nachdem sich der Kurs über einen längeren Zeitraum kaum noch bewegt hat. Da sie keine Abschreibungen auf diese Position riskieren wollte, verabschiedete sie sich dann in etwa mit einem Nullergebnis.

Vermisst hatte Herr Hechtfischer in dem ausführlichen Vorstandsbericht eine Aussage zur Beteiligung an der Blazek & Bergmann seit 1891 AG. Auf seine Nachfrage hin legte Frau Weidtmann dar, dass diese Gesellschaft, an der die Effecten-Spiegel AG noch mit 3 Prozent beteiligt ist, nach wie vor die größte Aktionärin der Gesellschaft ist. Sie hält 16,99 Prozent der Effecten-Spiegel-Aktien.

Bei der Beteiligung an der IG Farben Liquis AG gibt es laut Frau Weidtmann keine Neuigkeiten mehr zu berichten. Diese Beteiligung wird zwar in der Liste noch aufgeführt, es gibt aber keinerlei Ansatzpunkte mehr, um etwaige Ansprüche verfolgen zu können. Die Beteiligung ist bereits seit dem Jahr 2008 komplett abgeschrieben.

Auf Nachfrage des DSW-Vertreters informierte Frau Weidtmann ferner, dass die Altlasten bei der 7days music entertainment AG (vormals 313music JWP AG) nunmehr alle beseitigt sind. Als wichtigsten Erfolg bewertet sie die Einigung mit Jack White, der nun auf sein Entsenderecht und die lebenslangen Bezüge verzichtet. Und auch operativ geht es mit der Verpflichtung neuer Künstler voran.

Schließlich war Herrn Hechtfischer aufgefallen, dass sich die Beteiligung an der GSC Holding AG von 25 Prozent auf 21,87 Prozent reduziert hat. Hier hat Frau Weidtmann einige Anteile an den Vorstand abgegeben, was sie als richtige Entscheidung wertet. GSC ist ohnehin nur eine kleine Investition für den Effecten-Spiegel, mit der sich aber die meisten Synergieeffekte realisieren lassen.

Der größte Posten in den sonstigen betrieblichen Aufwendungen von 2,3 Mio. Euro sind laut Frau Weidtmann die Werbekosten, sprich Anzeigen und Direktwerbemaßnahmen, mit 973 TEUR. Es folgen 534 TEUR für Porto und Telefon, was insbesondere den wöchentlichen Versand des Journals beinhaltet. Danach kommen 373 TEUR für Prüfung und rechtliche Beratung; diese Position umfasst vor allem die Verfahren gegen die UniCredit und die Deutsche Bank.

Als Nächster meldete sich Kleinaktionär Nimsch zu Wort. Auf seine Anfrage hin erläuterte Frau Weidtmann, dass die Redaktion des Effecten-Spiegels natürlich nicht nur für das Journal recherchiert, sondern eng mit ihr zusammenarbeitet. Alleine könnte sie die Arbeit gar nicht leisten, und diese Struktur hat sich über die Jahre bewährt. Aus diesen Reihen will sie auch jemanden heranziehen, der zunächst als Prokurist bestellt wird und dann irgendwann ihre Nachfolge antreten soll.

Der Forderung von Herrn Nimsch, regelmäßig den NAV (Net Asset Value) zu nennen, konnte Frau Weidtmann nicht so viel abgewinnen. Sie konnte darin keinen Mehrwert für die Aktionäre erkennen, nachdem diese Zahl abhängig von der Börsenentwicklung enormen Schwankungen unterworfen ist. Wie sie mitteilte, lag der Wert zum 30.4.2011 bei 21,63 Euro.

Auffällig fand Herr Nimsch das extreme Missverhältnis zwischen den Verlagsaktivitäten und dem um ein Vielfaches größeren Beteiligungs- und Kapitalanlagegeschäft. Seinen Vorschlag, vielleicht doch über Fremdwerbung im Journal nachzudenken, lehnte Frau Weidtmann aber rigoros ab. Ihr ist durchaus bewusst, dass es immer schwieriger wird, mit dem Journal Gewinne zu schreiben. Die Schaltung von Fremdwerbung wäre aber tödlich, nachdem 90 Prozent der Leser gerade die Werbefreiheit als Alleinstellungsmerkmal sehen.

Das große Thema von Herrn Nimsch war dann die Veräußerung der Beteiligung an der Action Press Holding AG, die er nicht nachvollziehen konnte. Schließlich wies dieses Unternehmen zuletzt extrem gute Zahlen aus, und der aktuelle Aktienkurs ist schon fast durch die liquiden Mittel abgedeckt. Nun wollte er wissen, ob wenigstens ein Gutachten erstellt wurde, um die Angemessenheit des Preises zu prüfen.

In ihrer Antwort bestätigte Frau Weidtmann, dass die Action Press zuletzt gute Zahlen ausgewiesen hat. Dennoch ist der Aktienkurs kaum gestiegen, und die Effecten-Spiegel AG konnte beim Verkauf einen Paketzuschlag von 16 Prozent auf den Durchschnittskurs und 30 Prozent auf den letzten Schlusskurs des Jahres 2009 realisieren. Das Argument mit dem hohen Cashbestand zieht nicht. Es handelt sich dabei zum größten Teil um vorausbezahlte Projekte für die infas. Die Mittel stehen also nicht für eine Dividende oder ähnliche Maßnahmen zur Verfügung.

Mehrfach kam außerdem die Frage nach der Verwendung der eigenen Aktien auf. Einen Verkauf unter dem inneren Wert lehnten die Redner ab. Kleinaktionär Strobel regte eine Sachausschüttung dieser Anteile an, worauf Frau Weidtmann versprach, diese Möglichkeit einer näheren Prüfung unterziehen zu wollen. Eine endgültige Einziehung der insgesamt 384.885 Papiere hält sie für keine gute Lösung, da dies die Aktienzahl und damit die Handelsvolumina noch weiter reduzieren würde. Weitere Rückkäufe sind gesetzlich aber ausgeschlossen, nachdem sich bereits fast 10 Prozent des Grundkapitals im Besitz der Gesellschaft befinden. Längerfristig will die Firmenchefin die Aktien vielleicht wieder in den Markt geben. Ein Verkauf unterhalb des Buchwerts kommt aber nicht infrage.

Dass der Aktienkurs das Niveau von 20 Euro nicht überschreitet, könnte nach Ansicht von Kleinaktionär Salb an der zurückhaltenden Dividendenpolitik liegen. Viele Anleger hatten nach seiner Kenntnis zum Jubiläum eine Ausschüttung von 1 Euro erwartet. Er regte an, künftig den kompletten Gewinn auszuschütten. „Wir brauchen nicht noch mehr Speck im Unternehmen, diese Gesellschaft besteht nur aus Speck“, merkte Herr Salb mit Blick auf die überaus solide Bilanzstruktur an.

Abschließend sprach auch noch kurz Aktionär Manfred Klein. Dieser sah nach dem großen Erfolg des vergangenen Jahres ausreichend Grund zum Feiern gegeben. Dass die Effecten-Spiegel AG sich auf einem so guten Kurs befindet, liegt nach seiner Überzeugung vor allem daran, dass die Gesellschaft nach dem Verkauf des Silberbestands noch immer über ein Juwel verfügt - den Vorstand, Frau Weidtmann.


Abstimmungen

Nach dem Ende der Debatte gab der Aufsichtsratsvorsitzende die Präsenz auf der Hauptversammlung bekannt. Von den insgesamt ausgegebenen 2.000.000 Stammaktien waren demnach 761.386 Stammaktien vertreten, woraus sich unter Berücksichtigung der eigenen Aktien eine Quote von 38,07 Prozent ergab. Alle Beschlüsse wurden im Folgenden mit Mehrheiten nahe 100 Prozent gefasst.

Im Einzelnen abgestimmt wurde über die Verwendung des Bilanzgewinns zur Ausschüttung einer Dividende von 0,60 Euro zuzüglich eines Jubiläumsbonus von 0,20 Euro je Aktie (TOP 2), die Entlastung von Vorstand (TOP 3) und Aufsichtsrat (TOP 4), die Festsetzung der Aufsichtsratsvergütung mit 6.000 Euro für das einfache Mitglied (TOP 5) und über die Wahl der WIBERT Treuhand GmbH zum Abschlussprüfer für das Geschäftsjahr 2011 (TOP 6).

Um 14:45 Uhr schloss Herr Christochowitz die Versammlung.


Fazit

Bei der Effecten-Spiegel AG blickt man auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2010 zurück. Die stillen Lasten, die im Vorjahr noch auf vielen Positionen gelegen hatten, konnten weitgehend kompensiert werden. Der Jahresabschluss enthält nun per Saldo sogar stille Reserven von 5,5 Mio. Euro. Erneut bewies die Firmenchefin Marlies Weidtmann also ein glückliches Händchen für die Märkte. Das Highlight im bisherigen Jahresverlauf 2011 war der Verkauf des Silberbestands im Hype mit einem Gewinn von 150 Prozent. Der innere Wert der Aktie belief sich mit Stand Ende April 2011 auf 21,63 Euro.

Mit einer Verdoppelung des Jahresüberschusses auf 4,2 Mio. Euro weist die Gesellschaft für 2010 das drittbeste Ergebnis der letzten zehn Jahre aus. Die Aktionäre profitieren davon über eine Anhebung der Dividende und zusätzlich eine Bonuszahlung zum 40-jährigen Firmenjubiläum. Auch in Zukunft sollen die Aktionäre regelmäßig eine attraktive Dividende erhalten. Mit einem Kurs immer noch deutlich unterhalb des NAV (Net Asset Value) ist die Aktie nach wie vor als interessantes Investment einzustufen.


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