Effecten-Spiegel AG (ISIN DE0005647606)

Tiergartenstraße 17
D-40237 Düsseldorf
Deutschland
Tel.:
+49 (0) 211 / 683022
Fax:
+49 (0) 211 / 6912998
Internet: http://www.effecten-spiegel.com
Kontakt Investor Relations:
Marlis Weidtmann
Email: info@effecten-spiegel.de

HV-Bericht Effecten-Spiegel AG

Aktie notiert deutlich unter dem NAV von mittlerweile fast 23 Euro


Die Hauptversammlung der Effecten-Spiegel AG fand am 21. Mai 2014 wie gewohnt in der Stadthalle in Düsseldorf statt. Etwa 250 Aktionäre und Gäste hatten sich dort eingefunden, darunter Matthias Wahler für GSC Research, um sich über die Beteiligungsgesellschaft zu informieren. Die Protokollierung übernahm Notar Dr. Armin Hauschild.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Udo Christochowitz eröffnete die Versammlung um 10.30 Uhr und informierte zunächst über eine Änderung im Aufsichtsrat. Dr. Klaus Hahn ist zum 31. Oktober 2013 aus gesundheitlichen Gründen ausgeschieden und auf gerichtliche Bestellung übernahm am 7. November Joachim Meinke dessen Position.

Nach Abhandlung der Formalien übergab Herr Christochowitz das Wort an Vorstand Marlis Weidtmann.


Bericht des Vorstands


Nach Aussage von Frau Weidtmann war das Jahr 2013 ein gutes Börsenjahr. Der Schlüssel dafür war die aggressive Geldpolitik der Notenbanken. Allerdings gab es im Jahresverlauf einen Favoritenwechsel. Legten zu Jahresbeginn vor allem die asiatischen Märkte zu, setzten die Anleger später vermehrt auf Europa und Amerika. Die Schwellenländer wurden durch die Währungskrise nachhaltig getroffen.

Die vor Jahren getroffene Entscheidung, das Vermögen der Effecten-Spiegel AG ausschließlich in Europa und den USA zu investieren, erwies sich Frau Weidtmann zufolge damit als richtig. Das Geschäftsjahr 2013 ist erfolgreich verlaufen. Das Betriebsergebnis stieg deutlich um mehr als 55 Prozent auf 4,1 Mio. Euro, und der Jahresüberschuss legte sogar um 72 Prozent auf 3,1 Mio. Euro zu.

Die größten Beiträge lieferten die Verkäufe der Brenntag, Renk und EQS Group (vormals Equity Story). Mit letzterem Investment, das außerbörslich an eine Investorengruppe veräußert wurde, wurde über die Laufzeit eine Rendite von 83 Prozent erzielt. Die Beteiligung an 7days wurde nach erneuter Prognoseverfehlung ebenfalls vollständig aufgelöst. Mittlerweile hat diese Gesellschaft Insolvenz an-gemeldet. Es ergibt sich eine Ergebnisbelastung von 208 TEUR.

Frau Weidtmann hat zudem das Depot umgeschichtet und die Anteile von Gerry Weber, SAP und McDonalds verkauft. Neu ins Depot kamen dafür die amerikanische Luxusmodemarke Michael Kors und die Kaffeehauskette Starbucks. Die Positionen Fielmann, MAN und Symrise hat die Firmenchefin weiter aufgestockt. Neu im Portfolio findet sich außerdem die BayWa AG.

Als Sorgenkind entpuppte sich der Gold ETF, den Frau Weidtmann aus Gründen der Euro-Absicherung gekauft hatte. Und durch die politischen Entscheidungen im Bereich der erneuerbaren Energien sind SMA Solar und RWE unter die Räder gekommen. SMA Solar hat sich mittlerweile etwas erholt. Bei RWE ist die Wette noch nicht aufgegangen. Nach den Berechnungen von Frau Weidtmann ist diese Aktie aber immer noch zwischen 37 bis 41 Euro wert.

Verluste gab es nach der Meldung über die Aufkündigung des Vertriebskartells durch Uralkali auch bei Kali und Salz. So wie die anderen Marktteilnehmer hat es den Effecten-Spiegel kalt erwischt. Daraus ergaben sich Abschreibungen von 652 TEUR auf diese Position. Mittlerweile mehren sich ihrer Meinung nach die Anzeichen, dass die Talsohle beim Kalipreis durchschritten ist. Vor allem in den Schwellenländern wächst die Nachfrage nach Düngemitteln.

Aus dem Bereich Infrastruktur und Transport hat Frau Weidtmann wieder eine Position in Bilfinger aufgebaut. Eine große Position ist daneben schon seit längerem der Landmaschinenhersteller John Deere, der im vergangenen Jahr eine sehr positive Entwicklung genommen hat. Nach einem Gewinnsprung im ersten Halbjahr hat das Unternehmen die Prognosen angehoben.

Das Bahntechnikunternehmen Vossloh befindet sich auch schon länger im Depot. Wegen der internen Machtkämpfe musste die Aktie allerdings Federn lassen. Andererseits rückt deshalb eine Fusion mit Knorr Bremse stärker in den Blickpunkt. Der Großaktionär und Aufsichtsratsvorsitzende Heinz-Hermann Thiele treibt zudem die längst überfällige Restrukturierung voran.

Im Automobilbereich hält die Effecten-Spiegel AG große Beteiligungen an Porsche und MAN, die beide zum VW-Konzern gehören. Die Porsche-Aktie verzeichnete im vergangenen Jahr einen schönen Kursgewinn von 28 Prozent. Der innere Wert ist nach Überzeugung von Frau Weidtmann aber noch deutlich höher als die aktuellen 79 Euro. Selbst höchst vorsichtig gerechnet ergibt sich aus der Beteiligung an VW und dem Barvermögen ein fairer Wert von aktuell 104,19 Euro für die Porsche-Aktie.

Ein Restrisiko ergibt sich natürlich durch die Klagen der Hedgefonds gegen das Unternehmen. Nachdem die Investoren in den USA in allen Verfahren gescheitert sind, sieht Frau Weidtmann aber nur noch ein minimales Restrisiko. Und mit der Einstellung des Strafverfahrens gegen den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Wiedeking ist auch das Thema der Marktmanipulation vom Tisch. Die Chancen sind somit gut, dass Porsche davon kommt.

Betreffend die Beteiligung an MAN rückt nach der Übernahme durch VW die Frage in den Mittelpunkt, welcher Wert der Aktie beizumessen ist. Von Anfang an erschien die im Rahmen des Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag gebotene Barabfindung von 80,89 Euro zu niedrig, und mit dem Scania-Angebot ist dieser Preis nach Einschätzung von Frau Weidtmann nun erst recht obsolet. Bei den Berechnungen finden sich handwerkliche Fehler und echte Mängel.

So bewertete der Vorstand im Jahr 2011 das damalige Übernahmeangebot von 95 Euro als unangemessen niedrig. Jetzt sollen plötzlich 80,89 Euro angemessen sein, was, wie Frau Weidtmann an verschiedenen Vergleichszahlen darlegte, überhaupt nicht plausibel ist.

Egal, ob man den Berechnungen eine Multiplikatorenanalyse, die Fairness-Opinion oder diverse Gutachten zugrunde legt, die Werte liegen zum Teil deutlich über dem Angebot, teilweise bei über 150 Euro. Es muss also eine Nachbesserung kommen. Das Scania-Angebot spielt dem Effecten-Spiegel dabei in Hände. Auch dieses Unternehmen gehört schließlich zu VW und warum sollten in diesem Fall andere Regeln gelten.

Siemens ist nach wie vor das größte Investment im Effecten-Spiegel-Depot. Diese Aktie bildet allein das Segment Industrie und Technologie. Der neue Vorstandsvorsitzende Joe Kaeser baut den Konzern nun wieder einmal um. Unter anderem soll die Hörgerätesparte an die Börse gebracht und die Medizintechnik ausgegliedert und eventuell veräußert werden. Insgesamt will Herr Kaeser ein Einsparpotenzial von 1 Milliarde Euro realisieren.

Im Bereich Lebensmittel und Konsum ist eine große Position die Fielmann-Aktie. Neu findet sich in diesem Segment die Kaffeehauskette Starbucks, der Frau Weidtmann weiterhin eine positive Entwicklung zutraut. Der Kaffeekonsum steigt weltweit und vor allem in den Schwellenländern. Zudem setzt das Unternehmen zunehmend auf Backwaren und Snacks im Angebot.

Neu aufgenommen wurde auch das amerikanische Modeluxuslabel Michael Kors. In Deutschland etabliert sich dieses Unternehmen erst, es holt aber rasant auf. Vor allem bei jungen Frauen ist die Mode beliebt. Einen Gewinnzuwachs von 50 Prozent hält Frau Weidtmann in 2014 für realistisch.

In Bereich Pharma und Biotech ist die größte Position Symrise. Noch ist dieses Unternehmen die Nummer vier in der Branche. Mit der vor kurzem durchgeführten Übernahme der französischen Diana-Gruppe verbessert sich die Position aber deutlich. Der Zukauf war relativ teuer, macht aber Sinn. Bei Symrise sieht Frau Weidtmann erhebliche Wachstumsmöglichkeiten und eine EBITDA-Marge von über 20 Prozent.

Eine weitere Position in diesem Segment ist der Schweizer Chemiekonzern Lonza, der schon in allen Segmenten eine zweistellige Marge erreicht hat. Als exzellentes Basisinvestment sieht sie daneben die dänische Coloplast, die im Bereich der medizinischen Versorgung aktiv ist. Daneben ist der Effecten-Spiegel an Gerresheimer beteiligt. Bei diesem Unternehmen wird es keine riesigen Gewinnsprünge geben, es ist aber eine kontinuierliche und solide Entwicklung zu erwarten.

Im Finanz- und Versicherungsbereich hat sich der Effecten-Spiegel Anfang 2014 von der Allianz-Beteiligung getrennt. Als viel interessanter erachtet Frau Weidtmann die Talanx-Aktie, die trotz Rekordzahlen unter Buchwert notiert. Es handelt sich um eine der am schnellsten wachsenden Versicherungsgruppen. Die Position wurde im Laufe der Jahre erhöht.

Bei der Postbank ist das zentrale Thema noch immer das freiwillige Übernahmeangebot der Deutschen Bank, das nach Auffassung des Effecten-Spiegel und vieler anderer Investoren schon früher hätte unterbreitet werden müssen. Auf den Versuch des Kreditinstituts, dies durch die Abtrennung des wirtschaftlichen Eigentums vom Erwerb der Stimmrechte zu umgehen, war Frau Weidtmann im Vorjahr schon detailliert eingegangen (siehe den entsprechenden HV-Bericht von GSC Research).

Wie sie noch einmal deutlich machte, wäre es wie ein Beipackzettel zur Umgehung des Pflichtangebots, wenn die Deutsche Bank mit diesem Vorgehen durchkäme. Viele andere Unternehmen, die ähnliche Pläne verfolgen, warten schon darauf.

Der BGH ist sich dieser Problematik offenbar bewusst. Überraschend hat es am Vortag bereits eine Verhandlung gegeben, was sehr ungewöhnlich ist. Eine endgültige Entscheidung ist aber noch nicht gefallen. Den Verkündungstermin hat das Gericht für den 29. Juli 2014 anberaumt. „An diesem Tag wird der Effecten-Spiegel Rechtsgeschichte schreiben“, ist Frau Weidtmann überzeugt.

Das Verfahren betreffend die Übernahme der HypoVereinsbank (HVB) durch die italienische UniCredit zieht sich leider länger hin. Es wird gemunkelt, dass UniCredit sich mit einigen Klägern in Österreich hinter den Kulissen auf einen Nachschlag von 15 Euro geeinigt hätte. Damit wäre der unterbreitete Vergleichsvorschlag für die ehemaligen Bank Austria-Aktionäre mit einer Nachbesserung von 1 bis 3 Euro bestenfalls als Einstieg zu bewerten.

Frau Weidtmann stellte klar, dass schon eine konservative Nachzahlung für die HVB-Aktionäre in Deutschland von nur 1 Euro für die Effecten-Spiegel AG bei 1,1 Millionen eingereichten Aktien einen Nachschlag von 1,1 Mio. Euro bedeuten würde. In Deutschland tut sich allerdings noch gar nichts. Die beiden in 2011 beauftragten Gutachter haben noch nichts vorgelegt. Hoffentlich ist dies als gutes Zeichen zu werten.

Der Buchwert der Beteiligungen blieb im vergangenen Jahr in Summe fast unverändert. Zwar ist 7days komplett weggefallen. Dies wurde durch Zuschreibungen auf Action Press (inzwischen Infas Holding AG) aber ausgeglichen. Bei 7days ist, wie sie informierte, ein neuer Großaktionär eingestiegen. Dessen Stoßrichtung war aber von Anfang an völlig unklar.

Er blockierte die dringend benötigte Kapitalerhöhung und überzog Gesellschaft mit Klagen und Sonderprüfungsanträgen. Nachdem sie die Beteiligung in den Vorjahren schon sukzessive verringert hatte, hat Frau Weidtmann die Aktien daraufhin komplett veräußert. Das Management der 7days war offensichtlich nicht fähig, ein tragfähiges Konzept zu entwickeln. Mittlerweile ist 7days zahlungsunfähig, obwohl neue Investoren bereit gestanden haben.

Wie Frau Weidtmann in Erinnerung rief, war es der Traum des verstorbenen Firmengründers Bolko Hoffmann, mit der Effecten-Spiegel AG einen Medienkonzern aufzubauen. Leider sind diese Pläne nicht aufgegangen. Selbst bei der Action Press AG war für den Erfolg nicht das Mediengeschäft, sondern die Marktforschung ausschlaggebend. Die Umfirmierung in Infas Holding AG war deshalb nur konsequent.

Die Holding hält jetzt 100 Prozent an der Infas GmbH. Damit konnten nun auch die Verlustvorträge genutzt werden. Nicht zuletzt deshalb weist das Unternehmen für 2013 einen sensationellen Konzernjahresüberschuss von 5 Mio. Euro aus. Da der ausschüttungsfähige HGB-Gewinn geringer ausfällt, bleibt die Dividende mit 6 Cent konstant.

Insgesamt konnten im vergangenen Jahr 1,75 Mio. Euro an Dividenden vereinnahmt werden. Allerdings musste mit der neuen gesetzlichen Regelung (Streubesitzdividenden) erstmals alles versteuert werden. Dies bedeutet für die Effecten-Spiegel AG einen zusätzlichen Steueraufwand von 400 TEUR.

Nicht ohne Stolz teilte Frau Weidtmann mit, dass der Verlag das Geschäftsjahr 2013 mit einem Gewinn von 264 TEUR abgeschlossen hat. Das sind fast 9 Prozent des gesamten Jahresüberschusses und dies nach wie vor ohne Fremdwerbung. Insofern war sie etwas verärgert über die Forderung einiger Aktionäre im Vorjahr, das Verlagsgeschäft einzustampfen. Es geht schließlich auch die Marke „Effecten-Spiegel“ und es geht „um unsere Unabhängigkeit“.

In diesem Zusammenhang informierte Frau Weidtmann, dass man derzeit an der Entwicklung einer digitalen Plattform für Computer und Smartphones arbeite. Das Projekt befindet sich noch am Anfang, ein zeitlicher Horizont lässt sich deshalb nur schwer abschätzen. Die Kosten bewegen sich aber im Rahmen, und die Printausgabe wird weiterhin Bestand haben. Von den Auflagen der Vergangenheit müsse man sich allerdings lösen.

Bei der Vermögensverwaltung will die Firmenchefin den Schwerpunkt weiterhin auf Europa und die USA legen. In Asien sieht sie derzeit keine Alternative. Sie verwies an dieser Stelle auf die erheblichen Probleme, die Investoren bei den in Deutschland gelisteten chinesischen Aktien haben. Als Beispiel nannte sie Asian Bamboo, die vor einigen Jahren mit großen Erwartungen gestartet ist. Nun ist plötzlich das halbe Grundkapital verloren.

Europäische Aktien bieten genügend Chancen. Frau Weidtmann geht davon aus, dass sich die Märkte weiter positiv entwickeln. Sie will die Gesellschaft aber so aufstellen, dass auch Schwächephasen gut überstanden werden können. Mit einer Kapitalrücklage von 51,4 Mio. Euro, einer Gewinnrücklage von 7,6 Mio. Euro und insgesamt einem Eigenkapital von 71,2 Mio. Euro sieht sie die Effecten-Spiegel AG sehr solide aufgestellt.

Mit Blick auf das gute Ergebnis in 2013 lautete der Vorschlag deshalb, die Dividende um 50 Prozent auf 0,75 (0,50) Euro anzuheben. Bezogen auf das Ergebnis je Aktie von bedeutet dies eine Ausschüttungsquote von 86,5 Prozent.


Allgemeine Aussprache

Die erste der insgesamt sieben Wortmeldungen kam von Dr. Günther Friese von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Er gratulierte zu dem positiven Geschäftsverlauf und der attraktiven Dividende. Dass die Aktie nach wie vor um die 15 Euro pendelt, konnte er nicht nachvollziehen. Schließlich lag der Net Asset Value (NAV) mit Stand 31. März 2014 bei fast 23 Euro.

Aktionär Gerhard Bürger dankte dem Vorstand, dass nun vierteljährlich die größten Werte und der aktuelle NAV veröffentlicht werden. Dies war von Seiten der Aktionäre immer wieder gefordert worden.

Vermisst hatte der DSW-Sprecher im Vorstandsbericht eine Aussage zum Geschäftsverlauf in den ersten Monaten 2014 und den Erwartungen für das restliche Jahr. Hier tat sich Frau Weidtmann schwer mit einer konkreten Angabe. Bisher sieht es ihrer Aussage nach auch dank einiger Gewinnrealisierungen schon recht gut aus. 2014 sollte aus heutiger Sicht in etwa auf dem Niveau von 2013 abschließen.

Beeindruckt zeigte sich Dr. Friese vom Erfolg im Verlagsgeschäft. Andere Anbieter haben in diesem Geschäft bekanntlich massiv zu kämpfen. Auf seine Frage nach den Hauptwettbewerbern informierte Frau Weidtmann, dass es direkte Konkurrenz eigentlich nicht gibt. Nur der Effecten-Spiegel erscheint als Journal komplett ohne Werbung. Lediglich Börsenbriefe sind damit vergleichbar. Diese haben aber dafür deutlich höhere Abopreise.

Hartmut Göddecke von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) bezeichnete die Effecten-Spiegel AG mit ihrer Bilanzstruktur und den hervorragenden Ergebnissen als „Picasso der Börse“, bei dem der Aufsichtsratsbericht allerdings etwas „farblos“ erscheint. Ohnehin gingen die Meinungen zum Umfang des Geschäftsberichts weit auseinander. Einige Aktionäre fanden ihn „kurz, prägnant und übersichtlich“, andere eher zu wenig aussagekräftig.

Auf die Bitte nach weiteren Informationen zu den Internetplänen informierte Frau Weidtmann, dass der Effecten-Spiegel an diesem Thema schon länger dran ist. Wichtig war ihr die Aussage, dass mit diesen Aktivitäten auch Geld verdient werden soll. Das, was in die App investiert worden ist, wurde schon wieder erlöst. Im Übrigen sieht sie die Zukunft nicht nur digital, sondern weiterhin auch im Printbereich.

Abonnenten gibt es, wie sie ergänzend darlegte, auf der ganzen Welt. Bis nach Australien wird der Effecten-Spiegel verschickt. Auf die Frage von Aktionär Uwe Jännert nach der Entwicklung der Abonnentenzahlen wollte sie wie in den Vorjahren keine detaillierte Aussage treffen. Sie teilte lediglich mit, dass sich die Zahlen seit Jahren rückläufig entwickeln und die Auflage aktuell bei rund 60.000 Exemplaren liegt.

Im Grunde genommen ist der Effecten-Spiegel nach Meinung von Dr. Friese ein Investmentfonds mit angeschlossenem Verlagsgeschäft. Für die Aktionäre kann dies auch so bleiben, solange eine gute Rendite erwirtschaftet wird und attraktive Dividenden gezahlt werden. Gleichwohl hinterfragte er ebenso wie Herr Göddecke die Strategie für die Zukunft.

Frau Weidtmann stimmte zu, dass es sich bei der Effecten-Spiegel AG in gewisser Weise um einen Investmentfonds handelt. Aus dem Beteiligungsgeschäft habe man sich weitgehend zurückgezogen, nachdem damit ein enormer zeitlicher und personeller Aufwand verbunden ist. Zudem ist es problematisch, dass größere Posten nicht über die Börse verkauft werden können.

Momentan fokussiert sich die Vermögensverwaltung fast ausschließlich auf Aktien. Mit 20 bis 35 Titeln aus unterschiedlichen Branchen und Regionen ist eine breite Streuung gegeben. Teilweise wird mit Stillhaltergeschäften gearbeitet. Wichtig ist, dass die Titel eine ausreichende Handelsliquidität aufweisen. Die Dividende hat mit den neuen Besteuerungsregeln keinen so hohen Stellenwert mehr, und Anleihen sind derzeit ohnehin keine Alternative.

Nicht verstehen konnte Dr. Friese, dass in der Beteiligungsübersicht noch immer die I.G. Farben AG auftaucht, die schon lange nicht mehr werthaltig ist. Frau Weidtmann bestätigte, dass diese Aktien auf einen Erinnerungswert abgeschrieben sind. Die Papiere sind aber noch da, sie liegen als effektive Stücke auf einer Palette bei der Bank. Man müsse überlegen, was man damit tun könne. Aber solange die Aktie auf den Depotauszügen der Bank erscheint, wird sie auch ausgewiesen.

Die ausgewiesenen Pensionsrückstellungen von 1,8 Mio. Euro umfassen neben der Witwenrente für die Gattin des Firmengründers Bolko Hoffmann die vertraglich vereinbarten Zusagen an Mitarbeiter, die dem Unternehmen schon länger angehören. Neuzusagen gibt es nicht mehr. Die Zahl der Mitarbeiter ist mit neun Personen, die nicht einmal alle Vollzeit beschäftigt sind, überschaubar.

Als größte Position in den Beratungshonoraren von 285 TEUR benannte Frau Weidtmann auf Nachfrage des DSW-Sprechers mit 150 TEUR die Kosten des Verfahrens gegen die Deutsche Bank, das durch zwei Instanzen ging. Dies gilt es allerdings in Relation zum Streitwert von 4,8 Mio. Euro zu sehen. Zudem konnte mit der Andienung der Postbank-Aktien schon ein Gewinn von 1,5 Mio. Euro realisiert werden, und der Effecten-Spiegel hat die Chance, mit diesem Verfahren Rechtsgeschichte zu schreiben.

In den sonstigen Aufwendungen von 1,9 Mio. Euro sind die größten Positionen die Werbekosten mit 665 TEUR, Porto und Versand mit fast 500 TEUR und Rechts- und besagte Rechts- und Beratungskosten mit 285 TEUR.

Auf Nachfrage von Dr. Friese informierte die Firmenchefin, dass es mit Ausnahme der im Vorstandsbericht genannten Verfahren es keine weiteren Rechtsstreitigkeiten gibt. Es werden aber natürlich immer Rückstellungen gebildet. Bei Klöckner Werke AG ist das Verfahren für die Effecten-Spiegel AG mittlerweile abgeschlossen. Frau Weidtmann will nicht in die Beschwerdeinstanz gehen, nachdem Ertragswert und Abfindungspreis weit auseinander liegen.

Aktionär Uwe Jännert erkundigte sich, ob die Organe Effecten-Spiegel-Aktien halten. Aktionär Gert Hellmerichs würde dies sehr begrüßen, da dann alle in einem Boot sitzen würden. Hier informierte Frau Weidtmann, dass sie selbst Anteile im familiären Umfeld hält. Die Aufsichtsräte sind nicht beteiligt.

Kritisch sahen Herr Hellmerichs und Herr Nimsch mit Blick auf das extrem niedrige Zinsniveau den hohen Cashbestand. Diesbezüglich informierte Frau Weidtmann, dass die 17,2 Mio. Euro, die sich zum Bilanzstichtag finden, nur eine Momentaufnahme sind. Nach Aufstockung einiger Bestände ist es jetzt deutlich weniger. Im Übrigen gibt es innerhalb der Organschaft Absprachen zur Höhe der Bargeldquote.

In diesem Zusammenhang kam wie schon öfter in den Vorjahren der Vorschlag, eigene Aktien zurückzukaufen. Nach Meinung von Herrn Hellmerichs wäre es das beste Geschäft für die Gesellschaft, die Anteile so weit unter NAV zu erwerben. Nach Aussage von Frau Weidtmann wurde dieses Thema intern immer wieder diskutiert. Die Großaktionärin ist von der Idee aber nicht so angetan und damit wäre ein solcher Beschluss nicht umsetzbar.

In die gleiche Richtung ging der Vorschlag, eine Sonderausschüttung durchzuführen. Es wird weiterhin attraktive Dividenden geben. Mit einer Sonderausschüttung tun sich Vorstand und Aufsichtsrat aber schwer.

Kritik musste sich Frau Weidtmann anhören, dass sie die Anteile an der SMA Solar AG bei Kursen über 40 Euro nicht zumindest teilweise verkauft hat. Aktionär Nimsch sah in dieser Position eine große Gefahr. Diesbezüglich räumte Frau Weidtmann ein, dass im Nachhinein betrachtet der Verkauf natürlich richtig gewesen wäre. Grundsätzlich macht dieses Investment für sie aber durchaus Sinn.

Ferner regte Herr Hellmerichs an, den Vorstand um eine weitere Person zu ergänzen oder die Organe insgesamt zu verjüngen. Hier informierte Frau Weidtmann, dass in diesem Jahr eine Prokuristin bestellt wurde. Sie stimmte zu, dass es zu einer verantwortungsvollen Unternehmensführung gehört, für Ersatz bzw. Nachfolge zu sorgen. Für ihre Arbeit kann sie aber auch auf ein umfangreiches Netzwerk zurück-greifen.

Ein Kleinaktionär wollte wissen, wie der Vorstand den Aktienkurs zumindest in Richtung des NAV bewegen will. Viele Aktionäre sind von ihrem Einstandskurs noch weit entfernt. „Diese Frage treibt mich ständig um“, versicherte Frau Weidtmann. Aber bei der sehr konservativen Aufstellung der Effecten-Spiegel AG ist dies natürlich schwer, hier kann nur langfristig solide Arbeit überzeugen.

Zum Ende der Debatte trat Aktionär Manfred Klein ans Rednerpult. Auch er lobte die gute Geschäftsentwicklung und bezeichnete die Effecten-Spiegel-Aktie als Pflichtinvestment und das Journal als Pflichtlektüre. Als grandiosen Erfolg wertete er, dass mit der Klage gegen die Deutsche Bank nun vielleicht sogar Rechtsgeschichte geschrieben wird.

Anschließend legte er dar, dass die Aktionäre, die er vertritt, Bedenken anmelden, ob Herr Christochowitz noch die beste Besetzung für den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden darstellt. Er würde sich wünschen, dass Herr Christochowitz, nachdem er dieses Amt schon mehr als 40 Jahre bekleidet, eine veränderte Rolle einnehmen würde. Er schlug erneut vor, ihn zum Ehrenvorsitzenden zu bestellen.

Herr Christochowitz war von dieser Idee nicht sonderlich angetan. Er teilte mit, dass er sich gesundheitlich durchaus in der Lage fühlt, seinen Verpflichtungen nachzukommen. Eine Position als Ehrenvorsitzender oder Berater lehnte er ab. Im Übrigen wäre für die Etablierung eines Ehrenvorsitzenden eine Satzungsänderung erforderlich, für die sich wohl keine Mehrheit finden würde.

Mit dieser Antwort gab sich Herr Klein nicht zufrieden. Nachdem sich auf seine weiteren Ausführungen und Fragen an den Aufsichtsrat vornehmlich das neue Mitglied Joachim Meinke äußerte, beantragte Herr Klein dann die Abwahl von Herrn Christochowitz als Versammlungsleiter.

Nach einer Unterbrechung teilte Herr Christochowitz mit, dass er die Versammlungsleitung für das Abstimmungsverfahren an Herrn Meinke abgebe. Herr Klein zog daraufhin seine Anträge auf Einzelentlastung des Aufsichtsrats und Abwahl des Versammlungsleiters zurück.


Abstimmungen

Vor Eintritt in die Abstimmungen gab Herr Meinke die Präsenz bekannt. Auf der Hauptversammlung waren 917.837 Stammaktien vertreten. Bezogen auf das gesamte Grundkapital von 10 Mio. Euro, eingeteilt in 2.000.000 Stamm- und 1.906.250 Vorzugsaktien, entsprach dies bezogen auf die stimmberechtigten Stämme einer Quote von 45,89 Prozent. Alle Beschlüsse wurden mit großer Mehrheit gefasst.

Im Einzelnen waren dies die Dividende von 0,75 Euro (TOP 2), die Entlastung von Vorstand (TOP 3) und Aufsichtsrat (TOP 4), die Wahl von Herrn Meinke in den Aufsichtsrat für den ausgeschiedenen Dr. Hahn (TOP 5), die Festsetzung der Aufsichtsratsvergütung mit 6.000 Euro für das einfache Mitglied (TOP 6) und die Wahl der Wisbert Treuhand GmbH zum Abschlussprüfer (TOP 7).

Gegen 17:45 Uhr war die Versammlung beendet.


Fazit

Die erfreuliche Geschäftsentwicklung der Effecten-Spiegel AG setzt sich fort. Durch die Veräußerung einiger Positionen mit guten Gewinnen konnte der Jahresüberschuss in 2013 um stolze 72 Prozent auf 3,1 Mio. Euro gesteigert werden. Die Aktionäre profitieren über eine Anhebung der Dividende um 50 Prozent auf 0,75 Euro. Bezogen auf das aktuelle Kursniveau von rund 15 Euro bedeutet dies eine attraktive Rendite von 5 Prozent. Dennoch notiert die Aktie weiterhin weit unter dem Net Asset Value, der sich zum 31. März 2014 mit knapp 23 Euro errechnete. Ein so hoher Abschlag ist bei dem konservativ aufgestellten Depot nicht nachzuvollziehen. Erfreulich ist, dass das Verlagsgeschäft nach einigen schwachen Jahren in 2013 auch ein deutlich positives Ergebnis beigesteuert hat. Auf dem aktuellen Niveau ist die Aktie ein Kauf.


Kontaktadresse

Effecten-Spiegel AG
Tiergartenstraße 17
D-40237 Düsseldorf

Tel.: +49 (0)2 11 / 68 30 22
Fax: +49 (0)2 11 / 6 91 29 98

Internet: www.effecten-spiegel.de
E-Mail: info(at)effecten-spiegel.de

Ansprechpartnerin Investor Relations

Marlis Weidtmann

Tel.: +49 (0)2 11 / 68 30 22
Fax: +49 (0)2 11 / 68 28 19

E-Mail: weidtmann(at)effecten-spiegel.de

 



Impressum / Datenschutz

Anzeige: Effektenspiegel