Effecten-Spiegel AG (ISIN DE0005647606)

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HV-Bericht Effecten-Spiegel AG

Aus den laufenden Verfahren winken hohe Nachzahlungen


Die Effecten-Spiegel AG hatte für den 27. Mai 2015 zur Hauptversammlung in die Stadthalle nach Düsseldorf eingeladen. Etwa 300 Aktionäre und Gäste hatten sich dort eingefunden, darunter Matthias Wahler für GSC Research, um sich über die Beteiligungsgesellschaft zu informieren. Die Protokollierung übernahm Notar Dr. Armin Hauschild.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Joachim Meinke eröffnete die Versammlung um 10:30 Uhr und teilte mit, dass sein Vorgänger Udo Christochowitz sein Amt zum 31. Juli 2014 niedergelegt hat. Herr Meinke, der dem Aufsichtsrat seit November 2013 angehört, hat den Posten des Vorsitzenden am 14. August 2014 übernommen.

Herr Meinke dankte Herrn Christochowitz für seine mehr als 40jährige Tätigkeit für die Effecten-Spiegel AG, in der er sich große Verdienste erworben hat. Vorstand Marlis Weidtmann schloss sich diesem Dank in ihrem Vortrag an. Die Aktionäre bedachten dies mit Applaus.

Als Nachfolger von Herrn Christochowitz bestellte das Amtsgericht Düsseldorf am 4. August 2014 Michael Böckhoff in den Aufsichtsrat. Er war unter TOP 5 zur Wahl durch die Hauptversammlung vorgeschlagen und stellte sich den Teilnehmern im späteren Verlauf kurz vor.

Nach Abhandlung der Formalien übergab Herr Meinke das Wort an Frau Weidtmann.


Bericht des Vorstands

Das Jahr 2014 bewertete Frau Weidtmann als anspruchsvolles Börsenjahr und Jahr der Extreme. Während der russische Rubel und der Ölpreis stark an Wert verloren, übersprang der DAX erstmals die Marke von 10.000 Punkten. Nach einem zwischenzeitlichen Rücksetzer auf 8.354 Punkte schloss er das Börsenjahr mit einem kleinen Plus von 2,65 Prozent.

Der Dow Jones und der Nikkei gewannen deutlich an Wert. In Russland war hingegen ein massiver Kapitalabfluss verbunden mit einer erheblichen Abwertung des Rubels zu verzeichnen. Es stellte sich als richtige Entscheidung heraus, dass die Effecten-Spiegel AG konsequent nicht in politisch instabile Regionen investiert, sondern sich ausschließlich in Europa und den USA bewegt.

Der Anteil der US-Investments wurde laut Frau Weidtmann im vergangenen Jahr um fast die Hälfte auf 25 Prozent des Gesamtvolumens deutlich ausgeweitet. Auf Deutschland entfiel mit 67,3 Prozent weiterhin der Löwenanteil des Gesamtkapitals. 5,2 Prozent waren zum Stichtag im restlichen Europa und 2,5 Prozent in Edelmetalle investiert. Außerdem hält die Effecten-Spiegel AG unverändert 384.885 eigene Aktien.

Neu investiert hat die Gesellschaft in den USA in den Fernsehsatellitenbetreiber und Pay-TV-Anbieter Direct TV Inc., die 3D Systems Corp., das Biotechnologieunternehmen Gilead Science Inc. und die Walgreens Boots Alliance Inc., die mit der Übernahme von Alliance Boots zum bedeutendsten Pharmagroßhändler der Welt aufgestiegen ist.

Die Aktien der kanadischen Eisenbahngesellschaft Canadian National Railway Corp. hat Frau Weidtmann mit einem Kursgewinn von 550 TEUR veräußert und dafür Anteile am amerikanischen Frachttransport- und Logistikunternehmen CSX Corp erworben. Schon 2013 wurden die McDonalds-Papiere in Starbucks-Anteile getauscht und dies laut Frau Weidtmann zum optimalen Zeitpunkt. Starbucks erfindet sich mit der Etablierung eines Lieferservice gerade selbst neu und weist gute Kursgewinne aus.

Viel verspricht sich die Firmenchefin auch von dem Investment in die irische Medtronic plc. Dieses Unternehmen produziert die Hälfte aller weltweit implantierten Herzschrittmacher, außerdem Insulinpumpen und weitere Produkte für Menschen mit Diabetes. Aus Investorensicht glänzt das Unternehmen mit einer hohen Eigenkapitalquote und einer kontinuierlichen Dividendenzahlung.

Regelmäßige Depotumschichtungen hält Frau Weidtmann für zwingend geboten, um das Depot ständig an die Rahmenbedingungen anzupassen. Die Marktzyklen werden immer kürzer, lange Trends sind kaum noch zu beobachten. Getrieben von der Geldschwemme der Notenbanken und den extrem günstigen Finanzierungsmöglichkeiten wandert viel Kapital auf der Suche nach Anlagemöglichkeiten um den Globus.

Das Geld wird aber auch schnell wieder abgezogen, wenn sich die Erwartungen nicht erfüllen. Dies schlägt sich in enormen Kursausschlägen nieder. Davon genervt haben im vergangenen Jahr wieder 600.000 Anleger der Börse den Rücken gekehrt. Nur noch 10 Prozent der Deutschen sind noch an der Börse engagiert, international ist dies ein extrem niedriger Wert.

Im Depot der Effecten-Spiegel AG hat es diverse Transaktionen gegeben. Von Michael Kors hat sich Frau Weidtmann wieder getrennt, nachdem dieses Unternehmen von den Sanktionen gegen Russland direkt betroffen ist. Auch deutsche Titel wie die BayWa leiden unter dem Embargo, ebenso das Langzeitinvestment Siemens. Die Aufträge aus Russland sind um ein Drittel eingebrochen. Frau Weidtmann hat die zwischenzeitliche Hochphase genutzt und die Siemens-Aktien zu durchschnittlich 101 Euro fast vollständig veräußert.

Auch die Automobilhersteller waren 2014 von den Russland-Sanktionen betroffen. Für die Effecten-Spiegel AG ist hier insbesondere die Porsche SE mit ihrer Mehrheitsbeteiligung an VW relevant. Zuletzt gab es mit der vollständigen Beendigung der Klagen in den USA indes positive Meldungen.

Auch Vossloh, eine weitere Beteiligung im Effecten-Spiegel-Depot, leidet unter der Russland-Krise. Besonders missfällt Frau Weidtmann bei diesem Unternehmen indes das Vorgehen des Großaktionärs Heinz-Hermann Thiele, der erst die Familie vergrault und nun ein inakzeptables Übernahmeangebot unterbreitet hat. Sie findet es bezeichnend, dass das Management empfohlen hat, das Angebot nicht anzunehmen, obwohl Herr Thiele Aufsichtsratsvorsitzender ist.

Frau Weidtmann geht davon aus, dass Herr Thiele versuchen wird, seinen Anteil möglichst schnell aufzustocken. Für gut denkbar hält sie nach wie vor auch eine Fusion mit Knorr Bremse und vielleicht engagiert sich sogar ein Hedgefonds. Insgesamt sieht sie das Engagement nach unten abgesichert. Dennoch wurde aus kaufmännischer Vorsicht eine Abschreibung von 300 TEUR auf das Investment vorgenommen.

Bei Bilfinger sieht Frau Weidtmann sich in ihrer skeptischen Haltung gegenüber vielen Politikern bestätigt. Mehrere Gewinnwarnungen während der Amtszeit von Roland Koch und nach dessen Ausscheiden haben bei dieser Aktie für erhebliche Kursverluste gesorgt. Mit dem Einstieg des Hedgefonds Cevian hatte sich die Aktie zwar wieder auf über 50 Euro erholt, die Effecten-Spiegel AG hat die Beteiligung dennoch um 200 TEUR abgewertet.

Bei SMA Solar war die Entwicklung ebenfalls unbefriedigend. Der letzte Überlebende der deutschen Solarbranche ist indes mit seinen Produkten führend und Frau Weidtmann stimmt zuversichtlich, dass die Danfoss A/S eine Beteiligung von 20 Prozent zu 43,57 Euro aufgebaut hat. Mit Sicherheit haben die Dänen vorher eine Due-Diligence-Prüfung durchgeführt und dieser Kurs sollte in etwa dem inneren Wert entsprechen. Die Börse denkt im Moment allerdings anders und das Engagement musste abgeschrieben werden.

Bei RWE belasten Frau Weidtmann zufolge die unkalkulierbaren politischen Entscheidungen. Ein Umdenken wäre zwingend erforderlich und ein solches wird irgendwann auch kommen. Ansonsten bleibt nur die Verstaatlichung. Insgesamt wurden auf SMA Solar und RWE Abschreibungen von 850 TEUR vorgenommen.

Die K+S-Aktie zeigte zuletzt relative Stärke. Dennoch wurde laut Frau Weidtmann auch hier nochmals eine Abschreibung vorgenommen – zu tief sind die Bremsspuren, die sich durch die Aufkündigung des Vertriebskartells durch Uralkali ergeben haben. Inzwischen hat sich der Kalipreis wieder etwas erholt, und der Ausblick fällt optimistischer aus. Von den Analysten wird die Aktie mittlerweile wieder hoch gestuft.

Die Allianz-Aktien hat Frau Weidtmann bei guten Kursen in 2014 verkauft und dafür die Beteiligung an Talanx, dem nach Prämieneinnahmen drittgrößten deutschen Versicherungskonzern, aufgestockt. Mit der Hannover Rück verfügt dieses Unternehmen über eine Perle im Depot und liefert solide Ergebnisse. Mit einer Marktkapitalisierung von 7,7 Mrd. Euro hält Frau Weidtmann dieses Unternehmen für klar unterbewertet.

Fast zu Höchstkursen verkauft wurden nach den Worten der Firmenchefin die Fielmann-Aktien mit einem Gewinn von 580 TEUR. Das Symrise-Engagement wurde mit einer Rendite von 71 Prozent halbiert und bei Lonza ergab sich nach einem Jahr ein Kursgewinn von über 55 Prozent. Auch diese Position wurde zur Hälfte verkauft. Unbeeindruckt von allen Krisen zeigte sich auch die Coloplast-Aktie, die eine solide Kursentwicklung zeigt. Neu engagiert hat sich Frau Weidtmann bei ProSiebenSat.1 aus dem MDax und Fresenius SE als Dax-Unternehmen.

Im Anschluss berichtete Frau Weidtmann über die Entwicklung des Verlagsgeschäfts, das sich weiterhin schwierig gestaltet. Es stellt sich ihrer Aussage nach zunehmend die Frage, ob mit gutem Journalismus künftig noch Geld verdient werden kann. In 2014 wurde mit dem Verlag immerhin ein leicht positives Ergebnis erwirtschaftet, obwohl weiterhin konsequent auf Werbeeinnahmen verzichtet wird.

Als Ergänzung zum Printmedium ist im Februar 2015 die digitale Plattform erfolgreich an den Start gegangen. Soweit sich dies nach drei Monaten abschätzen lässt, wird das Angebot gut angenommen. Den bestehenden Print-Abonnenten wird ein Kombipaket für 2 Euro zusätzlich im Monat angeboten.

Frau Weidtmann kam dann zu den beiden Engagements, die als Beteiligungen gebucht werden. Zum einen handelt es sich um die Infas Holding AG, die für 2013 zum zweiten Mal eine Dividende gezahlt hat. Zugeflossen ist das Geld allerdings erst in 2015. Immerhin können die 276 TEUR steuerfrei vereinnahmt werden, da der Effecten-Spiegel mit mehr als 10 Prozent beteiligt ist.

Die zweite Beteiligung, die GSC Holding AG, ist von einer Dividendenzahlung noch weit entfernt. Nach einer Restrukturierung und mit der Konzentration auf die Kernkompetenzen ist der Turnaround aber gelungen und die Gesellschaft verfügt über eine solide finanzielle Basis. Die Hauptversammlungsberichte und Analysen, das gute Netzwerk und die langjährige Erfahrung von GSC, was digitale Inhalte angeht, sieht Frau Weidtmann inzwischen als unverzichtbar an.

Der nächste Themenkomplex waren die drei Gerichtsprozesse, die vom Effecten-Spiegel vorangetrieben werden. Beim Verfahren betreffend die Übernahme der HypoVereinsbank (HVB) durch die italienische UniCredit gab es im siebten Jahr Bewegung, nachdem das Landgericht München am 4. September 2014 verfügt hat, dass der gesamte Osteuropa-Sachverhalt in das Gutachten mit aufgenommen werden muss.

Der Prüfungsauftrag wurde entsprechend erweitert und die Zeichen stehen nach Einschätzung von Frau Weidtmann gut, dass es zu einer höheren Bewertung für die Aktie kommt. Für die Effecten-Spiegel AG hätte dies enorme Auswirkungen. Jeder Euro mehr bedeutet einen Gewinn von 1,1 Mio. Euro.

Beim Spruchverfahren den Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag (BuG) aus der Übernahme von MAN durch VW betreffend geht es weiterhin um die Frage der Angemessenheit der Barabfindung von 80,89 Euro. Dieses Angebot liegt deutlich unter dem vorherigen Pflichtangebot von 95 Euro, das der damalige Vorstand als zu niedrig zurückgewiesen hatte.

Plötzlich sollen nun 80,89 Euro angemessen sein, obwohl das Unternehmen sogar noch besser dasteht als zuvor. Auf der letztjährigen Hauptversammlung hatte Frau Weidtmann bereits dargelegt, dass dies nicht plausibel ist. Nach drei mündlichen Verhandlungen im Juni, Oktober und Dezember 2014 hat der Vorsitzende Richter Krenek nun angedeutet, dass er Marktrisikoprämie und Risikozuschlag reduzieren will. Die Entscheidung ist für den 25. Juli 2015 anberaumt.

Das dritte Verfahren betrifft laut Frau Weidtmann die Abzocke bei der Übernahme der Postbank durch die Deutsche Bank. Es geht nach wie vor um die Frage, ob die Deutsche Bank schon vor 2010 die Kontrolle erworben hat und ein Pflichtangebot hätte unterbreiten müssen. Obsiegt der Effecten-Spiegel in diesem Prozess, würde dies eine Nachzahlung von bis zu 4,8 Mio. Euro bedeuten.

Die Effecten-Spiegel AG hat mit der Entscheidung des BGH vom 29. Juli 2014 Rechtsgeschichte geschrieben, da das oberste deutsche Gericht in seinem ersten Leitsatz feststellt, dass auch in einem Zivilverfahren „Aktionäre, die das Übernahmeangebot angenommen haben, einen Anspruch gegen den Bieter auf Zahlung der angemessenen Gegenleistung haben.“

Der BGH hat das Verfahren an den OLG zur Beweisaufnahme rückverwiesen. Zum ersten  Erörterungstermin vor dem OLG Köln ist der Postchef Frank Appel aber nicht erschienen und hat die Aussage verweigert, weil er angeblich zur Geheimhaltung verpflichtet ist. Dies geht nach Meinung von Frau Weidtmann gar nicht. Damit könnte jeder Vorstand die Aussage verweigern. Dieses Thema muss nun aber erst einmal juristisch in einem Zwischenverfahren geklärt werden.

Wichtig war Frau Weidtmann der Hinweis, dass bei allen drei Verfahren potenziellen Chancen in Millionenhöhe nur sehr geringe Risiken gegenüber stehen, die schon komplett in den Rückstellungen erfasst sind. Auch insgesamt sieht der Vorstand die Effecten-Spiegel AG sehr konservativ aufgestellt.

Es gibt keine Kredite, die Eigenkapitalquote beträgt 96 Prozent. Mit einer Gewinnrücklage von 7,6 Mio. Euro und dem Jahresüberschuss von 2,4 (Vorjahr: 3,1) Mio. Euro sieht sie das Unternehmen gut aufgestellt, zumal in den Wertpapieren zum Zeitpunkt der Bilanzerstellung noch stille Reserven von fast 7 Mio. Euro schlummern. Der Vorschlag an die Hauptversammlung lautete, eine unveränderte Dividende von 0,75 Euro und damit fast den gesamten Bilanzgewinn auszuschütten.

Als strategisches Ziel gab sie aus, das Vermögen erhalten und weiterhin eine attraktive Dividende zahlen zu wollen. Unerlässlich ist es dafür, das Depot ständig an die sich verändernden Rahmenbedingungen anzupassen. Zurzeit bewegt sich Frau Weidtmann mit den Engagements eher wieder weg von den USA in Richtung Europa. Beispielsweise hat sie den Absturz der Kurse in der Schweiz nach der überraschenden Freigabe des Franken genutzt, um günstig Positionen in Nestle und Novartis aufzubauen.

Die ersten Monate 2015 sind unterstützt vom guten Börsenumfeld positiv verlaufen. Der NAV erhöhte sich von 22,09 Euro zum 31. Dezember 2014 bis Ende März 2015 auf 25,07 Euro. Frau Weidtmann warnte indes vor zu viel Optimismus. Derzeit spricht mit der anhaltenden Geldschwemme und der Nullzinspolitik zweifellos viel für die Aktie. Der Wert aller börsennortierten AGs hat mit 66 Billionen Euro ein neues Hoch erreicht. Risiken sind aber zweifellos gegeben.


Allgemeine Aussprache

Wie in den Vorjahren entwickelte sich ein eine lebhafte Debatte, diesmal mit rund einem Dutzend Redner. Unter anderem sprachen Dr. Günther Friese von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Hartmut Göddecke für die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) und die Aktionäre Hellmerichs, Nimsch, Bürger, Kalbitzer, Klein und Burdajewicz.

Dr. Friese zeigte sich insgesamt zufrieden mit den vorgelegten Zahlen. Das Ergebnis entwickelte sich zwar rückläufig. Allerdings wurden mit den diversen Abschreibungen wohl alle Risiken berücksichtigt, und dennoch ist das Eigenkapital gestiegen. Außerdem gibt es mit fast 7 Mio. Euro erhebliche stille Reserven. Der DSW-Sprecher verwies außerdem auf die positive Performance der Aktie und die attraktive Dividende.

Herr Göddecke bescheinigte Frau Weidtmann ebenfalls eine gute Arbeit. Er gratulierte ebenso wie nachfolgende Redner zu den Fortschritten in den drei Verfahren, in denen die Effecten-Spiegel AG erfolgreich die Interessen der Kleinaktionäre vertritt. „Zum Glück gibt es jemanden, der den Großkonzernen Paroli bieten kann“, brachte es ein Aktionär später auf den Punkt.

Ein großes Thema der Debatte waren die liquiden Mittel, die verschiedenen Rednern per Saldo mit 15,4 Mio. Euro zu üppig erschienen. Mehrfach kam mit Blick darauf der Vorschlag, eine deutlich höhere Dividende zu zahlen. Ein Aktionär hielt dies insbesondere deshalb für sinnvoll, weil zeitnah mit erheblichen Mittelzuflüssen aus den Verfahren zu rechnen ist, an denen die Aktionäre so schon vorab beteiligt werden könnten.

In ihrer Antwort erläuterte Frau Weidtmann zunächst, dass die liquiden Mittel zum Jahresende regelmäßig etwas höher sind. Unterjährig sind es durchschnittlich rund 10 Mio. Euro. Sie hält es auch in einem Nullzinsumfeld für sinnvoll, eine ausreichende Liquiditätsreserve vorzuhalten. Sie erachtet den Cashbestand in den zunehmend unvorhersehbaren Märkten als eine Art Sicherheitsnetz. Wichtig ist, dass keine Strafzinsen gezahlt werden müssen. Die Verzinsung beträgt 0,2 Prozent.

Wie die Firmenchefin betonte, kommt es nicht in Frage, in guten Zeiten die Gewinnrücklagen anzugreifen, um eine höhere Ausschüttung darstellen zu können. Die Rücklagen sind dafür gedacht, dass auch in schlechten Zeiten eine attraktive Dividende gezahlt werden kann. Überdies hält sie es für sinnvoll, die Kapitaldecke zu stärken. Frau Weidtmann hat eine Bilanzsumme von 80 Mio. Euro im Blick.

Grundsätzlich stimmte sie aber zu, dass aus den laufenden Verfahren Zuflüsse zu erwarten sind. Der zeitliche Horizont ist indes nicht abzuschätzen. Eine Vorabausschüttung kommt nicht infrage und ist bilanztechnisch nicht zulässig. Über die Verwendung eines etwaigen Gewinns kann erst entschieden werden, wenn er realisiert ist. 

Mehrere Aktionäre schlugen vor, die verfügbaren Mittel für den Rückkauf eigener Aktien zu verwenden, um den Aktienkurs näher an den NAV heranzubringen. Auch dieses Thema wurde laut Frau Weidtmann schon öfter diskutiert. Zunächst müssten dafür die im Bestand befindlichen Papiere eingezogen werden. Überdies würde ein solches Vorgehen die Aktienzahl noch stärker verringern und den Markt weiter verengen. Ihr erschien es fraglich, ob dies die richtige Strategie ist.

Dem Aufsichtsratsvorsitzenden erschien es regelrecht absurd, erst durch die Ausgabe von Aktien Geld einzusammeln und dann mit diesem Geld die Papiere wieder aufzukaufen und zu vernichten. Zumindest wäre es kontraproduktiv. Im Übrigen ist jedem Aktionär bekannt, dass dieses Instrument nicht genutzt werden soll. Natürlich kann man darüber aber diskutieren.

Die große Differenz zwischen Aktienkurs und NAV ist laut Frau Weidtmann auch immer wieder ein Thema. Wie in den Vorjahren gefordert, veröffentlicht sie nun alle drei Monate den NAV mit den größten Positionen und daran will sie festhalten. Größere Auswirkungen auf den Abstand zum NAV kann sie aber nicht erkennen. Ein gewisser Abschlag von Aktienkurs zum NAV ist indes bei Beteiligungsgesellschaften keineswegs ungewöhnlich.

Auf Nachfrage von Herrn Göddecke nach den Plänen mit den eigenen Anteilen erklärte Frau Weidtmann, dass es grundsätzlich drei Möglichkeiten gibt. Erstens könnten sie eingezogen und vernichtet werden, was nicht gewünscht ist. Zweitens könnten sie wieder verkauft werden, dies würde auf den Aktienkurs drücken. Es wurde deshalb entschieden, die Papiere zu behalten, und so an einem der besten deutschen Unternehmen beteiligt zu bleiben.

Aktionär Klein brachte eine weitere Idee ins Spiel. Er schlug vor, einen zweiten Ankeraktionär zu suchen, der die eigenen Anteile übernimmt. Seiner Meinung nach wäre es von Vorteil, wenn nicht mehr nur die Verlag Blazek & Bergmann AG die einzige Großaktionärin wäre.

In diesem Zusammenhang hinterfragte Dr. Friese die weitere Aktionärsstruktur. Neben der Meldung von Blazek & Bergmann, die der Witwe des verstorbenen Firmengründers Bolko Hoffmann zuzurechnen ist, liegen laut Frau Weidtmann keine Stimmrechtsmeldungen vor. Allerdings müsste eine solche, da die Aktie im Freiverkehr notiert, auch erst bei einer Beteiligung von 25 Prozent erfolgen.

Dem Vorschlag von Aktionär Hellmerichs, ein Listing im Prime Standard anzustreben, um die Aufmerksamkeit für die Aktie zu erhöhen, konnte Frau Weidtmann nicht viel abgewinnen. Dieses Thema wurde ihrer Aussage nach schon vor Jahren diskutiert, als die deutsche Börse Veränderungen bei den Börsensegmenten vorgenommen hat. Die Hauptversammlung hatte sich seinerzeit dagegen entschieden.

Die Kritik von Herrn Hellmerichs an der Performance der Effecten-Spiegel AG wollte Frau Weidtmann nicht stehen lassen. In 2014 lag die Performance nach Ausschüttung bei immerhin 3,33 Prozent, womit das Depot besser abgeschnitten hat als der DAX-Performanceindex, der aber nicht vergleichbar ist, da ja dort Dividenden wieder reinvestiert werden. Der vergleichbare DAX-Kursindex lag sogar bei minus 0,14 Prozent und selbst der EuroStoxx kam nur auf ein Plus von 1,19 Prozent.

Befragt nach der weiteren Strategie zu weiteren Beteiligungen informierte Frau Weidtmann, dass sich bei der infas Holding AG eine Trennung nicht so einfach gestaltet, da bei einem Paketwechsel der Verlustvortrag verloren ginge. Bei GSC Research sieht die Firmenchefin nach wie vor große Synergieeffekte. Bei der letzten Kapitalerhöhung hat sie die Bezugsrechte dennoch nicht voll ausgeübt. Neue Beteiligungen in dieser Größenordnung sollen nicht eingegangen werden, da sie zu viel eigenes Know-how erfordern.

Auf Nachfrage von Herrn Klein fasste Frau Weidtmann nochmals zusammen, dass die größten Gewinnbringer in 2014 Fielmann, Canadian National Railway, Symrise, Allianz und Lonza waren. Die höchsten Verluste wurden mit SMA Solar, RWE, K+S, Bilfinger und Vossloh eingefahren. Bei den Edelmetallen, die 2,5 Prozent des Depotvolumens ausmachen, handelt es sich um Gold- und Silber-ETFs.

Sehr hoch erschienen unter anderem dem DSW-Sprecher die Pensionsrückstellungen von 1,8 Mio. Euro. Dabei handelt es sich, wie Frau Weidtmann informierte, ausschließlich um Altzusagen. Insgesamt sind es 14 Zusagen, die nicht einfach aufgelöst werden können. Im Übrigen stimmte sie zu, dass es immer schwieriger wird, diese Verpflichtungen aus dem laufenden Geschäft zu erwirtschaften.

Mit Blick auf die Verteilung der Umsätze, die mit 24,5 Mio. Euro zu 90 Prozent auf das Wertpapiergeschäft und mit 2,9 Mio. Euro nur zu 10 Prozent auf das Verlagsgeschäft entfallen, bezeichnete Dr. Friese die Effecten-Spiegel AG als Investmentfonds mit angehängtem Verlagsgeschäft. Nur aus Tradition wird wohl der Name beibehalten.

„Das war nie anders“, betonte Frau Weidtmann. Die Vermögensverwaltung spielte im Unternehmen schon immer die zentrale Rolle. Wichtig war ihr aber, das Verlagsgeschäft nicht herunterzustufen. Immerhin ist der Effecten-Spiegel nach ihrer Aussage die einzige Publikation, die sich seit 40 Jahren ohne Werbung finanziert und dennoch durchgehend profitabel arbeitet. Dies kostet allerdings zunehmend Kraft.

Genaue Zahlen zur Auflage des Effecten-Spiegel wollte Frau Weidtmann nicht nennen. Die Zahl liegt mittlerweile deutlich unter 70.000 und es ist weiterhin ein schleichender Rückgang zu verzeichnen. Die treue Leserschaft, die oft über Jahrzehnte dabei war, geht zunehmend verloren und es fällt nicht leicht, ausreichend neue Leser zu gewinnen. Zudem wollen sich diese nicht mehr so lange binden. Wichtig ist in diesem Zusammenhang das digitale Angebot.

Einigen Aktionären erschienen die Werbekosten von fast 1 Mio. Euro deutlich zu hoch. Ihre Vorschläge reichten von Drosselung der Kosten bis hin zum Verzicht auf Werbung.

Frau Weidtmann erläuterte, dass man die Werbung sehr gezielt einsetzt. Speziell die Direktwerbung ist teuer, dafür am effizientesten. Außerdem schaltet der Effecten-Spiegel Anzeigen in überregionalen Zeitungen. Dies zurückzufahren, würde zwar kurzfristig Kosten sparen und das Ergebnis erhöhen. Die Frage wäre allerdings, für wie lange.

Das zentrale Thema von Herrn Burdajewicz war die Beteiligung an der 7days music entertainment AG, von der sich die Effecten-Spiegel AG in 2013 mit Verlust getrennt hat. Er hinterfragte diverse Entscheidungen bei dem mittlerweile insolventen Unternehmen.  

Frau Weidtmann ging bei ihrer Antwort zu diesem Themenkomplex ausschließlich auf die für die Effecten-Spiegel AG in 2014 relevanten Fragen ein. Das an 7days seinerzeit ausgereichte Darlehen über 500 TEUR ist nach ihrer Aussage unverändert mit dem Buchwert bilanziert. Die Zinsen von 8 Prozent wurden bis Anfang 2014 regelmäßig von 7days bedient. Derzeit laufen Verhandlungen, die Sicherheiten zu verwerten.

Auf Nachfrage von Aktionär Heine informierte Frau Weidtmann, dass das steuerliche Einlagenkonto rund 59 Mio. Euro umfasst. Die Möglichkeit, die Dividende steuerfrei auszuschütten, ist allerdings nicht gegeben.

Ferner hinterfragte Herr Heine die mögliche Auswirkung einer Änderung von § 8b KStG. Die Möglichkeit zur steuerfreien Veräußerung von Aktien, die im Anlagevermögen gebucht sind, könnte damit entfallen. Der Aktionär hatte beobachtet, dass sich andere Beteiligungsgesellschaften von ihren Beteiligungen trennen, um die Gewinne noch steuerfrei zu sichern.

Dies ist, wie Frau Weidtmann darlegte, für den Effecten-Spiegel keine Option. Die Umschlagzeiten sind inzwischen relativ kurz und bei vielen Altpositionen wie RWE und SMA Solar könnte dies für die Gesellschaft sogar von Vorteil sein. Kommt die Gesetzesänderung, hätte dies natürlich Auswirkungen für die Strategie. „Dann müssen wir noch besser werden“, so Frau Weidtmann.


Abstimmungen

Vor Eintritt in die Abstimmungen gab Herr Meinke die Präsenz bekannt. Auf der Hauptversammlung waren 1.089.808 Stammaktien vertreten. Bezogen auf das gesamte Grundkapital von 10 Mio. Euro, eingeteilt in 2.000.000 Stamm- und 1.906.250 Vorzugsaktien, entsprach dies bezogen auf die stimmberechtigten Stämme einer Quote von 54,49 Prozent. Dies war deutlich mehr als im vergangenen Jahr.

Alle Beschlüsse wurden mit großer Mehrheit gefasst. Im Einzelnen waren dies die Dividende von 0,75 Euro (TOP 2), die Entlastung von Vorstand (TOP 3) und Aufsichtsrat (TOP 4), die Wahl von Michael Böckhoff in den Aufsichtsrat für den ausgeschiedenen Herrn Christochowitz (TOP 5), die Festsetzung der Aufsichtsratsvergütung mit 6.000 Euro für das einfache Mitglied (TOP 6) und die Wahl der Wisbert Treuhand GmbH zum Abschlussprüfer (TOP 7).

Gegen 18:30 Uhr war die Versammlung beendet.


Fazit

Die Effecten-Spiegel AG hat das Geschäftsjahr 2014 erfolgreich abgeschlossen. Der Jahresüberschuss entwickelte sich mit 2,4 Mio. Euro zwar leicht rückläufig, der Net Asset Value (NAV) steigt jedoch sukzessive weiter an. Zum Ende des ersten Quartals 2015 lag er bei 25,07 Euro.

Gar nicht berücksichtigt ist, dass aller Wahrscheinlichkeit nach noch Zuflüsse in Millionenhöhe aus den laufenden Verfahren zu erwarten sind. Insofern ist nicht nachzuvollziehen, dass die Aktie auch nach dem Kursgewinn der letzten Monate noch immer mit einem Abschlag von über 30 Prozent zum NAV gehandelt wird. Zudem verzinst sich das Papier bei einer Dividende von 0,75 Euro mit attraktiven 4,5 Prozent.



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