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Die Hauptversammlung der Effecten-Spiegel AG (ES) fand am 25. Mai 2016 wie gewohnt in der Stadthalle in Düsseldorf statt. Etwa 200 Aktionäre und Gäste hatten sich dorthin aufgemacht, um sich über die Entwicklung der Beteiligungsgesellschaft zu informieren. Für GSC Research war Matthias Wahler vor Ort.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Joachim Meinke eröffnete die Versammlung um 10:30 Uhr und stellte die Mitglieder der Verwaltung vor. Vorstand und Aufsichtsrat waren vollzählig zugegen. Im Anschluss erläuterte er die Formalien, sprach einige ergänzende Worte zum Aufsichtsratsbericht und übergab das Wort schließlich an Vorstand Marlis Weidtmann.


Bericht des Vorstands


2015 war nach Aussage der Firmenchefhin ein sehr durchwachsenes Börsenjahr mit verschiedenen guten und schlechten Ereignissen. Gleich im Januar erschütterte die Freigabe des Schweizer Franken die Märkte. Im April folgte ein Rentencrash, im August der Absturz in China und im September der Abgasskandal bei VW.

Der DAX präsentierte sich extrem volatil. Zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Wert des Jahres lagen mehr als 3.000 Punkte. Einzelwerte verzeichneten schon bei kleinen Prognoseanpassungen Tagesverluste von 20 Prozent oder mehr. Frau Weidtmann sieht daran die große Verunsicherung der Marktteilnehmer aufgezeigt.

Die gute Nachricht für Frau Weidtmann war, dass die deutschen Börsen letztlich die Gewinner des Jahres 2015 waren. So beendete der DAX das Jahr 2015 mit einem Plus von 9,6 Prozent deutlich besser als der MSCI World oder der Dow Jones.

Der größte Verlierer war erneut der Ölpreis. Aktien aus diesem Sektor erlebten vielfach ein Kursdebakel. Minenwerte verzeichneten ebenfalls kräftige Abschläge. Dies führte zu deutlichen Minuszeichen an den Börsen vieler Schwellenländer. Es war daher die richtige Entscheidung, weder Ölaktien noch russische oder chinesische Werte ins Portfolio aufzunehmen. Die Fokussierung auf die Regionen Europa und USA erwies sich einmal mehr als weitsichtig.

Wie Frau Weidtmann informierte, hat sich der ES konsequent aus der Energiebranche zurückgezogen. Der Bestand an RWE-Aktien wurde nach vielen Jahren mit einem Verlust von 951 TEUR verkauft. Zudem wurden insgesamt 2,4 Mio. Euro an Wertberichtigungen vorgenommen. Andererseits konnten insgesamt 5,25 Mio. Euro an Gewinnen aus Wertpapiergeschäften realisiert werden. Außerdem flossen Zins- und Dividendenerträge von 1,65 Mio. Euro zu.

Der ES schloss das Geschäftsjahr 2015 mit einem Jahresüberschuss von 3,15 (Vorjahr: 2,40) Mio. Euro ab. Das Eigenkapital legte auf 71,5 (71) Mio. Euro weiter zu, und die Eigenkapitalquote ist mit 95,8 Prozent weiterhin überdurchschnittlich hoch. Vorstand und Aufsichtsrat schlugen der Hauptversammlung vor, die Dividende für die Stamm- und die Vorzugsaktien auf 0,80 (0,75) Euro anzuheben.

Im Anschluss ging Frau Weidtmann näher auf einzelne Positionen im Depot ein. Wie sie informierte, hat sich die Branchengewichtung im vergangenen Jahr geändert. Pharma- und Biotechnologiewerte haben mit einem Depotanteil von 27,8 Prozent nun das größte Gewicht. Neue Positionen aus diesem Sektor sind neben den Pharmariesen Amgen, Sanofi und Novo Nordisk die biopharmazeutischen Unternehmen Actelion und Basilea aus der Schweiz.

Actelion betätigt sich Frau Weidtmann zufolge in der Krebsforschung und Basilea entwickelt Arzneimittel zur Behandlung resistenter Bakterien. Große Hoffnungen ruhen auf einem Breitbandantibiotikum gegen Krankenhauskeime. Im ersten Versuch ist die Markteinführung allerdings gescheitert. Dies brachte den Aktienkurs stark unter Druck. Aus kaufmännischer Vorsicht wurde auf diese Position eine Abschreibung von 379 TEUR vorgenommen.

Die Anteile am Pharmagroßhändler Walgreens Boots hat Frau Weidtmann, nachdem der faire Wert erreicht war, mit 62 Prozent Gewinn veräußert. Ebenso hat sie sich nach drei bzw. vier Jahren mit einem Plus von 84 bzw. 64 Prozent von den restlichen Symrise- und Lonza-Anteilen getrennt. Zum Jahresende wurde dann wieder eine Position in Symrise aufgebaut.

Getrennt hat sich Frau Weidtmann auch von Fresenius. Zusammen mit der Andienung der Direct TV Anteile an AT&T ergab sich hier ein Gewinn von 1,725 Mio. Euro. Die Aktien der CSX Corp. hat die Firmenchefhin ebenfalls veräußert, nachdem sich die Ertragslage des Logistikunternehmens infolge des Ölpreisverfalls stark eingetrübt hat. Aus dieser Transaktion ergab sich ein Verlust von 15 Prozent.

Verkauft wurden ebenso die IT-Firmen IBM und Medtronic, beide in etwa zum Einstandskurs. Bei der SMA Solar AG wäre es sinnvoll gewesen, noch etwas länger dabei zu bleiben. Die Trennung von dieser Position war aber ebenso eine strategische Entscheidung wie bei RWE im Zuge der kompletten Aufgabe des Energiesektors. Den restlichen Bestand an Siemens-Aktien hat die Firmenchefin zu Kursen nahe 100 Euro veräußert.

Werte aus dem Automobil- und Automobilzulieferbereich machen Frau Weidtmann zufolge einen Anteil von 15 Prozent am Anlagevermögen aus. Die größten Positionen sind hier unverändert Anteile an MAN und Porsche. Und beide Unternehmen befinden sich in Sondersituationen.

Porsche als größte Aktionärin der Volkswagen AG ist belastet durch die Folgen des Abgasskandals. Auf diese Position wurde erneut eine Abschreibung von 943 TEUR vorgenommen, nachdem 2013 noch eine Zuschreibung möglich gewesen war.

Eine Entlastung ergab sich bei Porsche immerhin von der Strafprozessfront. Im Übrigen ist Frau Weidtmann nach wie vor überzeugt, dass Porsche die günstigere Möglichkeit darstellt, in VW zu investieren. Und VW wird die Krise nach ihrer Überzeugung zweifellos überstehen. Offenbar gibt es mittlerweile sogar Gedankenspiele in Richtung Verschmelzung von VW und Porsche. Angeblich wurden bereits entsprechende Gutachten von den Familien Porsche und Piech in Auftrag gegeben.

MAN ist nach Einschätzung von Frau Weidtmann „trotz oder vielleicht gerade wegen des VW-Abgasskandals“ einer der interessantesten Abfindungswerte. Sie hat auch keine Sorge, dass eine mögliche Abfindung oder die Garantiedividende von 3,07 Euro wegen des VW-Skandals gefährdet sein könnten. Der direkte Garantiegeber für den Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag (BuG) ist nicht VW, sondern die Truck & Bus GmbH. Es handelt sich zwar um eine 100prozentige VW-Tochter. Bei einem Wert von 20 bis 25 Mrd. Euro wäre hier aber ein eigener Börsengang denkbar, was hohe Liquidität bringen würde.

Im Spruchstellenverfahren wurde der Abfindungspreis in der ersten Instanz bereits von 80,98 Euro auf 90,29 Euro angehoben, obwohl der Gutachter nur die Marktrisikoprämie angepasst hat. Berücksichtigt man noch die Verzinsung seit Abschluss des BuG, müssten es nach Einschätzung der Firmenchefin heute 95 Euro sein. Die Garantiedividende müsste in der zweiten Instanz ebenfalls nachgebessert werden.

Neu investiert hat der ES in den Automobilzulieferer Hella. Das Familienunternehmen zählt nach Aussage von Frau Weidtmann zu den 40 größten Firmen der Branche. Hella liefert komplette Lichtsysteme und ist zudem kein reiner Automobilzulieferer mehr. Das Unternehmen entwickelt und produziert auch Beleuchtung für andere Anwendungen und die Umsatz- und Ergebnisentwicklung liegt über dem Branchendurchschnitt.

Weitere 6,5 Prozent des Anlagevermögens sind im Immobilienbereich investiert, der nach wie vor von dem guten Marktumfeld profitiert. Frau Weidtmann hat die größten Werte dieser Branche ins Depot aufgenommen und knapp 1 Mio. Euro in die LEG Immobilien AG investiert. Weitere Engagement sind Deutsche Wohnen und Vonovia.

Gute Chancen sieht die Firmenchefin überdies bei Fintech-Unternehmen, die für 6,3 Prozent des ES-Portfolios stehen. Wie sie verdeutlichte, sind die fünf größten Firmen dieser Branche bereits wertvoller als die fünf größten deutschen Banken. Das Geschäft ist auch keineswegs exotisch. Die Unternehmen sind Anbieter von Finanzdienstleistungen mit moderner Technologie und haben unter anderem mobile Bezahl- oder Tradinglösungen im Angebot.

Weltweit gibt es laut Frau Weidtmann inzwischen 42 Fintech-Firmen, die jeweils mehr als 1 Mrd. US-Dollar wert sind. An der Spitze steht Paypal mit fast 50 Mrd. US-Dollar. Hier ist der ES nach der Abspaltung von ebay mit knapp 1 Mio. Euro eingestiegen. Paypal verzeichnet ein rasantes Wachstum.

Auch in Wirecard hat der ES eine größere Position aufgebaut. Der Kurssturz nach den Betrugs- und Geldwäschevorwürfen brachte eine entsprechend große Belastung. Publiziert wurden die Vorwürfe von einer bis dahin völlig unbekannten Researchfirma. Auch die BaFin sieht inzwischen Indizien für Marktmanipulation. Das Management demonstrierte mit massiven Aktienzukäufen ein klares Zeichen, dass es weiterhin vom Unternehmen überzeugt ist. Und die Zahlen 2015 untermauern die positive Einschätzung.

Viel erwartet sich Frau Weidtmann daneben von der finnischen Ferratum, die Kleinstkredite über das Smartphone anbietet. Auch die Bonitätsprüfung erfolgt allein über die Onlinedaten, so dass die Entscheidung binnen Minuten erfolgen kann. Die Quote der säumigen Schuldner liegt dennoch bei weniger als 5 Prozent.

Ferratum ist seit elf Jahren am Markt, schreibt seit fünf Jahren schwarze Zahlen und wächst mit über 40 Prozent pro Jahr. 2014 wurde die Marke von 1 Million Kunden überschritten und bis heute konnte der Wert auf 2 Millionen nochmals verdoppelt werden. Mittlerweile ist Ferratum auch in Deutschland aktiv und bietet neben Privat- auch kleine Unternehmenskredite an. Frau Weidtmann sieht Ferratum sehr gut aufgestellt und erwartet weiterhin ein steiles Wachstum.

Investiert hat der ES außerdem in Werte aus den Bereichen IT-Technologie und Konsumgüter. Hier setzt man mit Apple, SAP, Infineon, Starbucks, Nestle und Fielmann „auf die Dickschiffe der Branche und auf Altbewährtes.“ 

Frau Weidtmann leitete dann über zum Verlagsgeschäft, in dem der ES weiterhin mit dem widrigen Umfeld zu kämpfen hat. Der ES spricht bekanntlich direkte Aktionäre an, und deren Zahl nimmt in Deutschland trotz des anhaltenden Niedrigzinsumfelds immer weiter ab. Zuletzt waren es nur noch 4,1 Millionen.

Insgesamt nimmt das Interesse am Thema Geldanlage aber zu. Daran knüpft Frau Weidtmann eine gewisse Hoffnung. Schließlich hat der „Effecten-Spiegel“ große Trends immer wieder frühzeitig aufgegriffen. Als Beispiel nannte sie Themen wie Dividenden-Stripping, Bargeldverbot und Delisting, über die der ES weit früher als andere Publikationen berichtet hat. Der ES hat auch als erster eine Musterklage gegen VW eingereicht.

Problematisch ist allerdings, dass die Bereitschaft, Geld auszugeben, immer weiter sinkt. Ganz schlecht ist es bei Online-Angeboten. Nur 3 Prozent der Deutschen nutzen hier kostenpflichte Inhalte. Es ist auch klar erkennbar, dass beim digitalen ES, der als Ergänzung auf den Markt gebracht wurde, vor allem die kostenlosen Artikel aufgerufen werden. Insofern sieht es Frau Weidtmann schon als Erfolg, dass sich das Verlagsgeschäft mit einem Umsatz von 2,93 (2,88) Mio. Euro stabil entwickelte.

Die Firmenchefhin leitete dann zu einigen Bilanzkennziffern über: Die Pensionsrückstellungen mussten nach ihrer Aussage wegen des Niedrigzinses um 266 TEUR auf 2,1 Mio. Euro aufgestockt werden. Bleiben die Zinsen so niedrig, wird dies in den nächsten Jahren noch öfter nötig sein. Bei den sonstigen Rückstellungen von 238 TEUR sind 50 TEUR den laufenden Gerichtsverfahren zuzuordnen. Dem stehen jedoch nicht bilanzierte Chancen in Millionenhöhe aus den laufenden Verfahren betreffend den Squeeze-out bei der HVB, den Abschluss des BuG bei MAN und das Zivilverfahren gegen die Deutsche Bank gegenüber.

Bei der HVB gibt es laut Frau Weidtmann nicht viel Neues zu berichten. Mittlerweile wurde der Prüfungsauftrag erweitert und jetzt gilt es wieder zu warten. Ihrer Meinung nach stehen die Zeichen aber gut, dass eine höhere Bewertung durchgesetzt werden kann. Daraus würden sich für den ES, der immerhin 1,1 Millionen Aktien angedient hat, erhebliche Chancen eröffnen.

Im Rahmen des BuG bei MAN wurde die Abfindung in erster Instanz auf 90,29 Euro angehoben. Der ES hat dennoch Beschwerde eingelegt. Ausweislich der Wertgutachten müsste der Wert laut Frau Weitmann zwischen 114 und 120 Euro liegen.

In dem Verfahren gegen die Deutsche Bank ist es nach sechs Jahren endlich vorangegangen. Nachdem Postchef Dr. Frank Appel zunächst noch die Aussage verweigern wollte, musste er nun als Zeuge aussagen und er ist dieser Verpflichtung auch nachgekommen. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob es in den Verträgen zum Verkauf der Postbank an die Deutsche Bank Zusagen zugunsten der Deutschen Bank und zu Lasten der übrigen Aktionäre gegeben hat.

Wie sich herausstellte, hat Dr. Appel die Verträge zum Verkauf der Postbank zwar unterschrieben, sie aber selbst gar nicht gelesen. Er hat sich komplett darauf verlassen, was ihm seine Anwälte vorgelegt haben. Insofern kennt er keine Details. Er berichtete aber von einer „technischen Klausel“, die in alle Verträge eingefügt worden ist. Diese Passagen müssen dem Gericht nun vorgelegt werden.

Weiter informierte Frau Weidtmann, dass ein Aktionär gegen die Beschlüsse der letztjährigen Hauptversammlung Anfechtungsklage erhoben hat. Der Kläger selbst war noch nie bei Hauptversammlungen des ES anwesend. Er ist aber in der Szene als Kläger bekannt. Es ging um eine reine Formalie. Vorsichtshalber habe man aber Bestätigungsbeschlüsse auf die heutige Tagesordnung gesetzt.

Am 10. Mai 2016 fand dann die mündliche Verhandlung statt, und der Kläger ruderte komplett zurück. Der Rechtsstreit ist damit erledigt und die Bestätigungsbeschlüsse kommen nicht mehr zur Abstimmung. Um künftig ähnliche Angriffspunkte soweit möglich auszuschließen, wurde erstmals ein externer Dienstleister mit der Durchführung der Hauptversammlung beauftragt.

Ein Thema beim ES ist laut Frau Weidtmann die Marktmissbrauchsverordnung, die am 3. Juli 2016 in Kraft tritt. Damit gelten dann auch für Freiverkehrswerte wesentlich strengere und komplexere Anforderungen und deutlich verschärfte Sanktionen. Die Neuregelungen zwingen die Firmen aus dem Freiverkehr dazu, die Notierung ihrer Aktien auf den Prüfstand zu stellen.

Wie Frau Weidtmann informierte, wird sich der ES nicht „in die Massenflucht von der Börse“ einreihen und die Aktie delisten lassen. Man wolle sich der Herausforderung stellen und arbeite daran, eine entsprechende Struktur aufzubauen, auch wenn dies Geld kostet. Künftig ist beispielsweise eine durchgehende anwaltliche Begleitung erforderlich. Der Geschäftsbericht wurde bereits an die höheren Anforderungen angepasst, und künftig wird es auch Halbjahresberichte geben.

Weiter informierte Frau Weidtmann, dass der ES im Januar 2016 insgesamt 900.000 Aktien der infas Holding AG an einen strategischen Investor aus Heidelberg veräußert hat. Die Beteiligung reduzierte sich damit von gut 30 Prozent auf 20,4 Prozent. Der Ertrag von 1,1 Mio. Euro wird 2016 ergebniswirksam werden und die Zahlen entsprechend positiv beeinflussen.

Das tut gut, nachdem das Börsenjahr 2016 sehr schwach begonnen hat. Gleich in den ersten Wochen ging es mit dem DAX deutlich bergab. Gold und Silber präsentierten sich hingegen stark. Der ES hat die physischen Gold- und Silberbestände leicht aufgestockt. Nach Einschätzung von Frau Weidtmann werden wieder mehr Investoren Edelmetalle kaufen, wenn die Zinsen weiterhin so niedrig bleiben.
 
Die hohe Volatilität der Märkte wird nach Meinung von Frau Weidtmann anhalten. Problemfelder wie der mögliche Brexit lasten ebenso auf den Märkten wie die hohe Verschuldung vieler Staaten und konjunkturelle Sorgen. Letztlich kommen die Anleger aber an der Aktie nicht vorbei, nachdem Anleihen keine Rendite mehr bringen.

Der ES wird sich wieder stärker im europäischen Markt engagieren. Einige US-Engagements hat Frau Weidtmann in den letzten Monaten bereits wieder abgebaut und europäische Werte aufgestockt. Eine Vorhersage ist natürlich schwierig. Sie geht aber davon aus, auch im kommenden Jahr wieder überwiegend gute Nachrichten für den ES präsentieren zu können.


Allgemeine Aussprache

In der folgenden Diskussion sprachen in diesem Jahr nur acht Aktionäre.

Herr Göddecke von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) bescheinigte dem Unternehmen große Kontinuität. Seit der Gründung gab es mit Bolko Hoffmann und Frau Weidtmann nur zwei Vorstände, und auch im Aufsichtsrat war über lange Zeit nur wenig Bewegung zu verzeichnen. Stetigkeit meine er ebenso im publizierten Magazin zu erkennen.

Der Aktionärsschützer wollte etwas mehr Zahlen zum Verlagsgeschäft erfahren. Insbesondere interessierte ihn eine Aussage zur Ertragslage, die ja kaum befriedigend sein kann. Insbesondere der Internetauftritt steuert wohl kaum etwas zum Ergebnis bei, nachdem vor allem die kostenfreien Inhalte gelesen werden.

In ihrer Antwort bestätigte Frau Weidtmann, dass das Verlagsgeschäft keinen nennenswerten Ergebnisbeitrag liefert. Mit 3 (8) TEUR konnte in diesem Bereich auch 2015 nur ein kleiner Überschuss erzielt werden. Immerhin trägt sich das Geschäft aber und die Firmenchefin ist stolz, dass der ES sich nach wie vor komplett unabhängig und ohne Werbung finanziert.

Weiterhin stellte sie klar, dass der Verlag noch nie einen großen Vermögenswert beim ES ausgemacht hat. Der Hauptteil war schon immer durch das Wertpapiergeschäft erbracht worden. Der Verlag hat aber historisch betrachtet durchaus eine große Bedeutung, er ist die Marke des Unternehmens.  Mit dem Magazin hat der ES einst begonnen. Man ist somit nicht nur der Börse, sondern auch dem Erbe des Gründers Bolko Hoffmann verpflichtet, der mit dem Journal als Erster für die Rechte der Kleinaktionäre eingetreten ist.

Im Übrigen bestätigte Frau Weidtmann, dass im Internetgeschäft bisher von niemandem mit Informationen Geld verdient wird. Sie sieht auch nicht, wie sich dies kurz- bis mittelfristig ändern könnte. Zum Glück ist die Kostenstruktur in diesem Bereich beim ES sehr flach gehalten. Der wichtigste Effekt des Internetauftritts ist im Moment die Steigerung der Bekanntheit. Die Gesamtauflage des Journals ist mittlerweile deutlich unter 50.000 Exemplaren gesunken. Dies kann natürlich nicht zufriedenstellen. Man arbeite daran, die Zahl zumindest stabil zu halten.

Weiter informierte Frau Weidtmann auf Nachfrage des SdK-Vertreters, dass es sich bei den ausgewiesenen Abschreibungen auf das Umlaufvermögen in Höhe von 137 TEUR um den Restbetrag auf das ehemalige Darlehen des ES an die 7days music entertainment AG handelt. In der Historie ging es seinerzeit um eine Zeichnungszusage an die Gesellschaft, die nach dem Tod von Herrn Hoffmann in eine Darlehenszusage über 500 TEUR gewandelt wurde.

Neben der Effecten-Spiegel AG gab es einen weiteren Darlehensgeber. Beide Darlehen wurden mit Katalogen der 7days besichert, die beiden Darlehen wurden zudem gegenseitig besichert.

Nach der Insolvenz des Musikunternehmens haben die Darlehensgeber die Sicherheiten mit Zustimmung der Gläubigerversammlung veräußert. Eine erste Rate über 233 TEUR ist bereits Ende Januar zugeflossen und weitere 155 TEUR kommen demnächst. Ob der Rest noch kommt, ist unsicher. Es wurde deshalb eine Abschreibung in Höhe von 137 TEUR vorgenommen. Im Übrigen wurden über die Laufzeit des Darlehens 160 TEUR an Zinsen vereinnahmt.

Auf Nachfrage von Herrn Jännert informierte Frau Weidtmann, dass die MAN-Aktien nicht in das Spruchverfahren eingereicht wurden. Sie befinden sich weiterhin im ES-Depot. Im Moment betrachtet sie die MAN-Aktien mit einer Ausgleichszahlung von 3,07 Euro als schöne Dividendenbringer.

Befragt nach den größten Positionen bei den Abschreibungen von insgesamt 2,4 Mio. Euro nannte die Firmenchefin zuvorderst das Porsche-Engagement, das um 943 TEUR wertberichtigt worden ist. Weitere Wertanpassungen gab es bei Basilea, BayWa, Vossloh und der mittlerweile verkauften Bilfinger.

Ferner wollte Herr Jännert wissen, wie sich die Werbekosten von 950 TEUR im Verlagsgeschäft zusammensetzen. Hier blendete Frau Weidtmann nochmals eine detaillierte Übersicht aus ihrem Bericht ein.

Eine weitere Frage des Aktionärs betraf die Klage gegen die Beschlüsse der letztjährigen Hauptversammlung. Ihn interessierten die Hintergründe und er wollte wissen, ob der Aktionär die Klage zurückgenommen hat oder ein Vergleich geschlossen worden ist.

Letztlich wurde nach Aussage von Frau Weidtmann zwar ein Vergleich geschlossen, aber nur dahingehend, dass der ES die Kosten des Verfahrens trägt. Die Kosten von 6 TEUR trägt die D&O-Versicherung. Wichtig war ihr im Übrigen der Hinweis, dass es keine finanziellen Zusagen an den Kläger gegeben hat. Es hatte aber auch keine Forderungen in diese Richtung gegeben.

Herr Hellmerichs zeigte sich wie schon in den Vorjahren nicht recht zufrieden mit der Performance. Zwar zahlt der ES regelmäßig eine schöne Dividende. Mit Blick auf das Eigenkapital ist aber seit vielen Jahren kaum etwas passiert. Er breitete im Folgenden eine ganze Reihe von seiner Meinung nach hochlukrativen Anlagestrategien aus.

Frau Weidtmann konnte die Kritik nur bedingt nachvollziehen. Wie sie an einer Grafik aufzeigte, kann die Entwicklung des NAV der ES-Aktie bei Berücksichtigung der gezahlten Dividenden gerechnet seit 2007 durchaus bei der Performance des DAX mithalten. Und die Volatilität war deutlich geringer.

Die Fragen von Herrn Burdajevicz drehten sich wie schon im Vorjahr ausschließlich um das frühere Engagement des ES in die mittlerweile insolvente 7days music entertainment AG. Er stellte den Gegenantrag, Vorstand und Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern.

In ihrer Antwort stellte Frau Weidtmann klar, dass der ES seine 7days-Aktien schon vor der Insolvenz veräußert hat. Den Vorwurf von Herrn Burdajevicz, dass er ein noch besseres Angebot für das Darlehen unterbreitet hätte, auf das der ES nicht eingegangen ist, wies sie zurück. Allenfalls hat es eine Willenserklärung gegeben, aber kein Angebot, das für den ES relevant gewesen wäre. Dieser Sachverhalt ist auch anwaltlich geprüft worden.

Zum Ende der Debatte kam die Sprache auf die Ermächtigung zum Erwerb eigener Aktien, die unter TOP 7 verlängert werden sollte. Wie Frau Weidtmann in Erinnerung rief, ist über dieses Thema schon auf vielen Hauptversammlungen gesprochen worden. Sie selbst steht dieser Möglichkeit noch immer zwiespältig gegenüber. Gleichwohl wird das Thema in Vorstand und Aufsichtsrat regelmäßig diskutiert.

Nachdem die Großaktionärin Blazek & Bergmann grünes Licht gegeben hat, wurde die Erneuerung der Ermächtigung nun auf die Tagesordnung gesetzt. Tatsächlich gibt es ja nach wie vor eine große Diskrepanz zwischen Aktienkurs und NAV, der sich zum 31. März 2016 mit 21,68 Euro errechnete.

Um tatsächlich aktiv werden zu können, hat die Effecten-Spiegel AG zunächst 93.750 eigene Aktien eingezogen. Damit befinden sich nun gleich viele Stamm- und Vorzugsaktien im Umlauf. Bis zu 93.750 Anteile könnten nun wieder zurückgekauft werden. Erst einmal handelt es sich bei der Ermächtigung um einen Vorratsbeschluss. Man denke aber durchaus in diese Richtung.

Abschließend ergriff der langjährige Aktionär Salb das Wort und kritisierte, dass einige Anteilseigner die Hauptversammlung zunehmend als Podium nutzen, um sich selbst und ihre Anlagestrategien darzustellen, statt sich mit den Leistungen des Managements auseinanderzusetzen.

Er jedenfalls, selbst schon seit Jahrzehnten Aktionär der Gesellschaft, sei zufrieden mit der Kontinuität der Arbeit und der Rendite. Nur der Aktienkurs hinke dem Ganzen hinterher, weshalb er ein Aktienrückkaufprogramm außerordentlich begrüße. Liquidität sei jedenfalls genügend vorhanden.


Abstimmungen

Vor Eintritt in die Abstimmungen gab Herr Meinke die Präsenz bekannt. Auf der Hauptversammlung waren 806.161 entsprechend 49,91 Prozent der stimmberechtigten Stamm- und 136.303 entsprechend 7,15 Prozent der Vorzugsaktien vertreten. Das gesamte Grundkapital beläuft sich seit der Einziehung von 93.750 eigenen Aktien auf 9.760.000 Euro und ist eingeteilt in jeweils 1.906.250 Stamm- und Vorzugsaktien.

Alle Beschlüsse, im Einzelnen die Dividende von 0,80 Euro (TOP 2), die Entlastung von Vorstand (TOP 3) und Aufsichtsrat (TOP 4), die Festsetzung der Aufsichtsratsvergütung mit 6 TEUR für das einfache Mitglied (TOP 5), die Wahl der Wisbert Treuhand GmbH zum Abschlussprüfer (TOP 6) und die Ermächtigung zum Erwerb eigener Aktien (TOP 7), wurden mit Mehrheiten über 97 Prozent gefasst.

Die Bestätigungsbeschlüsse betreffend die Beschlüsse der letztjährigen Hauptversammlung (TOP 8 bis 13) kamen aus den von Frau Weidtmann erläuterten Gründen nicht mehr zur Abstimmung.

Um 15:40 Uhr war die Versammlung beendet.


Fazit

Die Effecten-Spiegel AG hat das Geschäftsjahr 2015 erneut erfolgreich abgeschlossen. Der Jahresüberschuss stieg auf über 3 Mio. Euro, und die Aktionäre können sich über eine attraktive Dividende freuen. Bei einer Ausschüttung von 0,80 (0,75) Euro errechnet sich bezogen auf den aktuellen Kurs eine Rendite von mehr als 5 Prozent.

Trotz der anhaltend soliden Entwicklung wird die Aktie noch immer mit einem Abschlag von 30 Prozent zum inneren Wert gehandelt. Zum 31. März 2016 wurde der NAV mit 21,68 Euro veröffentlicht. Und die durchaus erheblichen Chancen aus den laufenden Spruchstellenverfahren sind in diesem Betrag noch gar nicht enthalten.

Nach langem Zögern denken Vorstand und Aufsichtsrat nun doch ernsthaft darüber nach, eigene Aktien zurückzukaufen. Dies erscheint durchaus sinnvoll. Es dürfte nicht einfach sein, am Markt andere lukrative Investments mit einem derart hohen Eigenkapital, gehandelt unter Buchwert, zu finden. Kommt es tatsächlich zu Rückkäufen, dürfte dies die Kursentwicklung unterstützen.


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