Effecten-Spiegel AG (ISIN DE0005647606)

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Die Effecten-Spiegel AG hatte für den 24. Mai 2019 zur Hauptversammlung in die Stadthalle nach Düsseldorf eingeladen. Mit rund 180 Aktionären vertraten etwas weniger Teilnehmer als im vergangenen Jahr in etwa die gleiche Stimmenanzahl. Für GSC Research war Matthias Wahler vor Ort.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Aleff eröffnete die Versammlung um 10:30 Uhr und teilte mit, dass die Mitglieder von Vorstand und Aufsichtsrat vollzählig erschienen sind. Das Protokoll führte Notar Dr. Armin Hauschild. Zudem hatte ein Rechtsberater am Tisch der Verwaltung Platz genommen.

Nach Abhandlung der Formalien und einigen ergänzenden Angaben zum Aufsichtsratsbericht übergab Herr Aleff das Wort an den Vorstand.


Bericht des Vorstands


Anhand einer sehr außergewöhnlich gestalteten Präsentation durchlebten die Aktionäre während des Vorstandsberichts noch einmal das Börsenjahr 2018 als turbulente Wetterschau, bei der nicht nur die heißen Jahrestemperaturen die Anleger ins Schwitzen brachten, sondern auch die Kurskapriolen an den weltweiten Finanzmärkten.

Am Ende des Jahres lagen schließlich weltweit 90 Prozent aller Aktienmärkte unter Wasser, was 2018, wie Frau Weidtmann anschaulich verdeutlichte, zu einem der schlechtesten Jahre der deutschen Aktienmarktgeschichte und zum schlechtesten Anlagejahr weltweit seit 1901 machte. Der Dow Jones schloss mit einem Minus von 5,6 Prozent ab. Der Verlierer des Jahres war aber einmal mehr der DAX mit minus 18,3 Prozent. Der SDAX büßte sogar 20 Prozent ein. Für den DAX war es das erste Verlustjahr seit 2011.

Doch wie der Vorstand darlegte, gab es kaum Alternativen für die Geldanlage: Edelmetalle entwickelten sich ebenfalls rückläufig, ebenso Öl und Holz. 2018 war seit Jahrzehnten das erste Jahr, das alle Märkte und Assetklassen mit einer schlechten Performance beendeten. Eine breitere Streuung der Anlagen konnte Verluste nicht verhindern, sondern nur reduzieren. Entsprechend haben auch die allermeisten Fonds und andere große Investoren negativ abgeschlossen.

Mit einer Performance von minus 8,2 Prozent konnte das Effecten-Spiegel-Depot nach Aussage des Vorstands zwar die eigene Benchmark, den EuroStoxx50, sowie alle großen Indizes schlagen, jedoch die eigenen Ansprüche nicht. Doch die Effecten-Spiegel AG investiert nun einmal strategisch in Aktien und gibt das Börsenjournal für den Aktionär heraus, damit ist sie selbst durchgängig investiert. Belastet hat im vergangenen Jahr vor allem der hohe Anteil von Small- und Midcaps im Depot, die überproportional verloren.

Ausgezahlt haben sich hingegen die durchweg hohe Cashquote und der große Anteil an Auslandstiteln. Zudem konnten deutlich höhere Dividenden vereinnahmt werden, insgesamt waren es 1,7 (Vorjahr: 1,1) Mio. Euro. Zudem konnten einige Aktien mit gutem Gewinn verkauft werden. Zum Jahresultimo lag die Liquiditätsquote bei 29,4 Prozent, d.h. effektiv waren 21,64 Mio. Euro in der Kasse. Fast 52 Mio. Euro waren in Wertpapiere investiert, davon 90 Prozent in Aktien.

Dieses Verhältnis spiegeln auch die zehn größten Positionen wider, von denen neun Aktien sind. Zudem finden sich Gold und Silber in Form von währungsbesicherten ETFs im Depot. Edelmetalle bringen zwar keine Dividende. Die Firmenchefin sieht dieses Engagement jedoch als Krisenabsicherung.

Die größte Aktienbeteiligung sind unverändert die 20 Prozent an der infas Holding AG, die nach den beschwerlichen Anfangsjahren inzwischen ein Selbstläufer sind. Die Position weist nach Angabe des Vorstands stille Reserven von 3,8 Mio. Euro aus. Außerdem steuerte infas im Berichtsjahr 128 TEUR Dividende zum Ergebnis bei. Seit dem Einstieg im Jahr 2002 summieren sich die infas-Dividenden auf 789 TEUR.

Auch andere große Positionen, die sich schon lange im Depot befinden, sind kontinuierliche Dividendenzahler. Als Beispiel nannte Frau Weidtmann Novartis, Sanofi und Novo Nordisk, die sich seit Jahren solide entwickeln. Diese drei Firmen zusammen haben im vergangenen Jahr 180 TEUR ausgeschüttet. Porsche ist inzwischen ebenfalls ein beständiger Dividendenzahler. In den letzten zehn Jahren vereinnahmte die Effecten-Spiegel AG in Summe 630 TEUR.

Zu den zehn größten Positionen zählen überdies die Technologietitel Apple und SAP. Bei beiden Positionen hatte Frau Weidtmann 2017 Gewinne realisiert und die Aktien nun günstiger wieder zurückgekauft. Apple ist nach ihrer Einschätzung eine Gelddruckmaschine und außerdem einer der größten Dividendenzahler der Welt. Neu investiert hat der Effecten-Spiegel außerdem in den Disney-Konzern. 2018 war für Disney das erfolgreichste Kinojahr, und 2019 ist nun auch an der Börse der Knoten geplatzt.

Der größte Dividendenzahler war für den Effecten-Spiegel im vergangenen Jahr aber MAN mit 341 TEUR. Es handelt sich laut Frau Weidtmann um Nachzahlungen für die Jahre 2014 bis 2017, nachdem das OLG München im Rahmen des Spruchverfahrens zur Überprüfung der Abfindung beim Abschluss des Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrags mit VW letztinstanzlich eine Erhöhung der Abfindung auf 90,29 Euro und eine Anhebung der Ausgleichszahlung beschlossen hat. Die Effecten-Spiegel AG hat ihre MAN-Aktien allerdings nicht angedient, sondern über die Börse zu durchschnittlich 93,56 Euro verkauft, da der Einstandskurs nur knapp unter 90 Euro lag.

In diesem Zusammenhang informierte Frau Weidtmann, dass VW die Zahlung für das Jahr 2013 zunächst verweigert hatte. Die Effecten-Spiegel AG beantragte daraufhin eine gerichtliche Klarstellung. Nach einem gerichtlichen Ergänzungsbeschluss im Dezember 2018 musste VW dann auch für 2013 zahlen. Dieser Betrag wurde allerdings erst im Februar eingebucht, wird also erst 2019 ergebniswirksam. Insgesamt beendete die Effecten-Spiegel AG das MAN-Engagement nach einer Haltedauer von sieben Jahren mit einer fast nur aus den Dividenden bestehenden Gesamtrendite von knapp 25 Prozent.

Im Geschäftsjahr 2018 wurden auch noch andere Positionen veräußert und damit in Summe Erträge von 3,38 (4,78) Mio. Euro erzielt. Die größten Beiträge lieferten Union Pacific, Osram, Airbus, RHI und Symrise. Prozentual lief es bei RHI mit einem Gewinn von 56 Prozent am besten. Die Osram-Aktien hat Frau Weidtmann zunächst zu knapp 63 Euro veräußert und später für 38 Euro wieder zurückgekauft. Es handelt sich nach ihrer Überzeugung um ein gesundes Unternehmen, das in die richtigen Märkte und die richtigen Technologien investiert. Hinzu kommt ein Schuss Übernahmefantasie. Auch Wirecard hat sie wieder zurückgekauft.  

Im vergangenen Jahr mussten allerdings auch außerplanmäßige Abwertungen vorgenommen werden. Bei ElringKlinger waren es 287 TEUR. Auf dem Zulieferer lasten mit fortschreitender Krise in der Automobilindustrie auch zunehmend Struktur- und Finanzierungsprobleme. Basilea Pharmaceutica entwickelt sich zwar positiv. 2018 lag der Umsatz über den Erwartungen und es konnten positive Studienergebnisse mit neuen Medikamenten sowie eine Zusammenarbeit mit Roche vermeldet werden. Die Aktie kommt aber dennoch nicht voran. Der Vorstand hat deshalb aus Vorsichtsgründen eine Abwertung von 255 TEUR vorgenommen. Bei Tele Columbus drückten Probleme bei der Integration von übernommenen Wettbewerbern und zwei Gewinnwarnungen auf die Aktie. Diese Position wurde um 250 TEUR abgewertet. Vielleicht nutzt der Großaktionär United Internet die tieferen Kurse zur Aufstockung der Beteiligung. Bei K+S belasteten der trockene Sommer und die Probleme beim Hochfahren der Mine in Kanada. Hier nahm Frau Weidtmann erneut eine Abschreibung von 180 TEUR vor. Die Dividende ist bei K+S allerdings noch nie ausgefallen. Seit dem ES- Einstieg 2008 kamen durchschnittlich 54.000 Euro pro Jahr an Dividende von K+S ein. Und der Börsenwert liegt mit 3,3 Mrd. Euro weit unter dem Eigenkapital von 4,2 Mrd. Euro. Zudem geht es beim operativen Geschäft voran. Im ersten Quartal 2019 ist das Ergebnis deutlich gestiegen.

Im Umlaufvermögen wurden nach Aussage von Frau Weidtmann aufgrund des Niederstwertprinzips Abschreibungen auf Gea Group, SHW, Voltabox und Deutsche Bank vorgenommen. Die Abschreibungen summierten sich auf 1,09 (0,19) Mio. Euro.

Dafür konnten bei anderen Titeln die Abwertungen des Vorjahres wieder aufgeholt werden. Als Beispiel nannte sie den für seine Scheinwerfer bekannten Automobilzulieferer Hella, der inzwischen mit einem Gewinn von 21 Prozent veräußert werden konnte. Auch einige Pharmatitel haben wieder kräftig zugelegt, wie z.B. die Sanofi S.A.

Die stark gedrückten Kurse zum Ende des vergangenen Jahres hat Frau Weidtmann auch für einige Neukäufe genutzt. Unter anderem waren dies Kohl´s Corp., Kroger Corp. und Ahold Delhaize aus dem Bereich Lebensmittelhandel und Konsum, die Pharmawerte Fresenius und BB Biotech sowie der Automobilzulieferer Grammer, den sie als strategisches Investment sieht.

Nachfolgend kam Alleinvorstand Weidtmann auf das Verlagsgeschäft zu sprechen, in dem sich der Ertrag im Geschäftsjahr 2018 trotz leicht rückläufiger Erlöse von 2,9 (3,0) Mio. Euro auf 192 (42) TEUR deutlich verbesserte. Trotz Werbekosten und fortlaufender Investitionen in die Digitalisierung ist dieses Geschäft seit Jahrzehnten profitabel, was die hohe Effizienz ausdrückt. Im vergangenen Jahr wurde der Inhalt des Magazins erweitert und die Präsenz in den sozialen Medien erhöht.

Der Effecten-Spiegel bietet nach Überzeugung von Frau Weidtmann ein einmaliges Konzept. Der Anleger profitiert vom hohen Know-how, der Unabhängigkeit und der finanziellen Stärke der Gesellschaft. Insbesondere die Unabhängigkeit sieht sie als großes Asset, was noch besser kommuniziert werden sollte. Nicht jedem ist bekannt, dass der Effecten-Spiegel das einzige Börsenmagazin in Europa ist, das vollständig auf Werbung verzichtet, damit völlig unabhängig ist und dennoch rentabel arbeitet. Zudem setzt sich der Effecten-Spiegel für die Rechte der Aktionäre ein.

Der starke Name soll künftig noch selbstbewusster genutzt werden. Dazu gehört auch, dass die Marke „Effecten-Spiegel“ für zwei Fonds lizenziert wurde. Einer fokussiert sich auf Aktieninvestments, einer investiert gemischt. Das Team vom Effecten-Spiegel sitzt im Anlageausschuss, ist aber nicht in die Anlageentscheidung mit eingebunden. Beide Fonds sind gewinnthesaurierend konzipiert. Wer eine regelmäßige Dividende will, kann die Effecten-Spiegel-Aktie kaufen.

Im Anschluss kam Frau Weidtmann auf die laufenden Verfahren zu sprechen. Die größte Bewegung gab es bei dem Verfahren betreffend die Übernahme der Postbank durch die Deutsche Bank. Bereits mit dem BGH-Urteil vom Juli 2014 hatte die Effecten-Spiegel AG Rechtsgeschichte geschrieben.

Im konkreten Fall der Effecten-Spiegel AG wurde der Prozess zur Beweisaufnahme an das OLG Köln rückverwiesen. Fast fünf Jahre später sind zahlreiche Kläger hinzugekommen, die in einem Parallelverfahren gebündelt wurden. Dieses Parallelverfahren wird vor denselben Gerichten in Köln, vor denselben Richtern geführt.

Zunehmend wurde auch dem Vorsitzenden Richter des Landgerichts klar, dass die Deutsche Bank nicht nur die Kläger, sondern auch das Gericht „voll verladen hatte“.  In der nächst höheren Instanz jedoch, beim OLG Köln, war das anders. Senatsmitglieder, die öffentlich Zweifel an den Aussagen der Deutschen Bank äußerten und den Sachverhalt hinterfragten, verschwanden kurzfristig von der Bildfläche und wurden ausgetauscht.

Der vom Effecten-Spiegel gestellte Befangenheitsantrag gegen den Senat wurde zwar abgelehnt, dem Antrag auf Wiedereröffnung der mündlichen Verhandlung aber stattgegeben und der Senat zum Teil neu besetzt – dies nach Einschätzung von Frau Weidtmann vielleicht auch, weil zeitgleich von dritter Seite eine Strafanzeige gegen die Vorstände der Deutschen Bank, der Postbank, der Deutschen Post, aber auch gegen Politiker, die begleitenden Kanzleien wie Hengeler Müller und Freshfield gestellt wurde.

Am 19. Februar 2019 beschloss der 13. Senat des OLG Köln, die Beweisfrage in beiden Parallelverfahren zu konkretisieren und 17 Zeugen zu vernehmen, darunter der frühere Deutsche Bank-Chef Dr. Josef Ackermann, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post, Dr. Frank Appel, Stefan Krause als ehemaliger Finanzvorstand der Deutschen Bank sowie Dr. Wolfgang Klein als damaliger Vorstandschef der Postbank.

Als Highlight sieht Frau Weidtmann jedoch, dass der 13. Senat zum ersten Mal in diesem Verfahren überhaupt ankündigte, über die Vorlage von wesentlichen Urkunden nach einer Frist zur Stellungnahme der Parteien zu entscheiden. Denn fast neun Jahre lang hat die Deutsche Bank darum gekämpft, gerade dies nicht tun zu müssen. Die gegen die Vorlagepflicht vorgebrachten Einwendungen wurden letztlich zurückgewiesen. Der Beklagten wurde aufgegeben, sämtliche Urkunden binnen einer Frist von drei Wochen vorzulegen. „Eine solche Vorlageanordnung hat es noch nie in Deutschland gegeben“, verdeutlichte Frau Weidtmann die Tragweite dieses Urteils. Und ohne den Effecten-Spiegel würde es dieses auch heute nicht geben. Sie empfindet das Erreichte als geradezu grandios: Die Effecten-Spiegel AG erzwingt, dass die Deutsche Bank die Unterlagen zur Übernahme der Deutschen Postbank vorlegen muss, und das gesamte Management kommt in den Zeugenstand.

Inzwischen hat die Deutsche Bank die Unterlagen tatsächlich vorgelegt – allerdings nicht ohne einen weiteren Haken. Obwohl alle beteiligten Institute deutsch sind, sind sämtliche Unterlagen in Englisch verfasst. Denkbar wäre nach Meinung von Frau Weidtmann eine Anpassung an internationale Standards und die Sprache des Managements. Wahrscheinlicher scheint ihr aber, dass rechtliche Unschärfen bewusst eingebaut werden sollten. Einige Begriffe aus der deutschen Rechtssprache kennt man im Englischen gar nicht. Es gibt also weiterhin viel Arbeit.

In dem Spruchverfahren zum Squeeze-out bei der HVB musste man Frau Weidtmann zufolge sieben Jahre auf das Gutachten der Sachverständigen warten. Im vergangenen Jahr hatte sie bereits ausgeführt, dass diese für die HVB-Aktie auf einen Wert von 41,55 Euro gekommen waren, was immerhin 8,6 Prozent mehr sind als die 38,26 Euro, die 2008 gezahlt worden sind. Dennoch haben die meisten Kläger Rügen eingereicht, und das Landgericht hat den Sachverständigen aufgefordert, Stellung zu nehmen. Der nächste Gerichtstermin ist erst für Februar 2020 angesetzt.

Auch beim Thema „Dieselgate“ ist die Effecten-Spiegel AG sowohl bei VW als auch bei der Porsche SE dabei. Im Fall von VW hat das OLG bereits wichtige Aussagen zugunsten der Kläger getroffen. VW muss nun belegen, dass der frühere Vorstand Martin Winterkorn keine Kenntnis von diesen Vorgängen gehabt hat. Die Porsche SE ist inzwischen die zweite Musterbeklagte. Allerdings sind hier die Aussichten für die Kläger deutlich schlechter. Da aber die Effecten-Spiegel AG kein Prozessrisiko hat, kann sie den Ausgang „ganz sportlich nehmen“.

2018 war, wie Frau Weidtmann resümierte, ein bewegtes Jahr. Die Effecten-Spiegel AG schloss immerhin mit einem Jahresüberschuss von 1,39 (3,82) Mio. Euro ab. Aus dem Bilanzgewinn von 2,29 (4,05) Mio. Euro soll eine Dividende von 0,55 (0,90) Euro je Stamm- und Vorzugsaktie ausgeschüttet werden.

In diesem Zusammenhang informierte der Vorstand, dass sich unverändert 291.135 Stamm- und 17.734 Vorzugsaktien im eigenen Bestand befinden, die nicht dividendenberechtigt sind. 2018 wurde von der Rückkaufermächtigung kein Gebrauch gemacht, dies aber nicht, weil man nicht gewollt hätte. Vielmehr hat sich keine Abwicklungsbank gefunden, da sich der Prozess insbesondere nach Inkrafttreten von MiFID II überaus aufwändig gestaltet. Die Effecten-Spiegel AG hält deshalb unverändert 8,1 Prozent des Grundkapitals im eigenen Bestand.

Das erste Quartal 2019 war nach Meinung von Frau Weidtmann an der Börse das Spiegelbild zum vierten Quartal 2018. Der Net Asset Value (NAV) der Effecten-Spiegel-Aktie stieg bis zum 30. April 2019 wieder auf 22,21 Euro, nachdem es zum Ende des ersten Quartals noch 21,53 Euro und zum Jahresultimo 20,17 Euro gewesen waren. In den letzten Monaten hat die Firmenchefin wieder stärker investiert, insbesondere in Qualitätsunternehmen mit starken Bilanzen. Der feste Plan ist es, auch das laufende Jahr positiv abzuschließen und die Voraussetzung für eine Dividendenzahlung zu schaffen.


Allgemeine Aussprache


Zunächst sprachen Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und Hartmut Göddecke von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Ebenso wie das halbe Dutzend nachfolgende Redner zeigten sie sich grundsätzlich zufrieden mit dem Erfolg des Geschäftsjahres 2018. Das Ergebnis reicht aus, um wiederum eine attraktive Dividende zu zahlen. Die Ausschüttung von immerhin 0,55 Euro zeigt nach Meinung von Herrn Göddecke, dass Vorstand und Aufsichtsrat ein Herz für die Aktionäre haben.

Herr Tüngler, der erstmals nach über einem Jahrzehnt wieder eine Hauptversammlung der Effecten-Spiegel AG besuchte, gratulierte auch zu dem sehr informativen Vorstandsbericht. Er nehme Frau Weidtmann als sehr engagierten, aber nicht zu lauten Vorstand wahr, was in Kombination sehr von Vorteil ist. Der Erfolg zeigt sich in den kontinuierlich guten Jahresergebnissen über die gesamte Vorstandszeit von Frau Weidtmann sowie in den beeindruckenden Gerichtsentscheidungen, die sie in z.T. langjährigen Verfahren zugunsten der Aktionäre erstritten hat.

Der DSW-Sprecher sieht jedoch die Gefahr, dass der Vorstand durch die strategische Ausrichtung auf eine jährliche Ausschüttungspolitik zu sehr unter Druck gesetzt wird und nicht langfristig genug denken und handeln könne. Konkret wollte er wissen, ob Frau Weidtmann zugunsten der jährlichen Dividendenausschüttung auch Aktien verkauft, deren Haltefrist für den langfristigen Vermögensaufbau dienlicher wären.

In ihrer Antwort bestätigte Frau Weidtmann, dass es grundsätzlich das politisch vorgegebene Ziel der Gesellschaft ist, kontinuierlich eine Dividende zu zahlen. Das habe sie aber bei ihrer Vorstandsbestellung von Anfang an gewusst. Tatsächlich müssen deshalb oftmals Aktien, die eigentlich als Langfristengagement geplant sind, vorübergehend verkauft werden, um die benötigten Gewinne zu realisieren. In dem sehr volatilen Marktumfeld ist dies aber teilweise gar nicht schlecht, da Bestände später wieder günstiger zurückgekauft werden können. Allerdings verstehe sie dann die regelmäßigen Diskussionen um den Nettoinventarwert (NAV) nicht. Wenn die Effecten-Spiegel AG jedes Jahr den gesamten Jahresüberschuss an die Aktionäre ausschüttet, sei doch klar, dass sie die Gesellschaft bilanziell damit quasi wieder auf den Ausgangspunkt zurücksetzt. So wird der NAV von 22,21 Euro zum 30.04.2019 in wenigen Tagen um die Ausschüttung von 0,55 Euro je ausschüttungsfähiger ES-Aktie wieder gemindert.

Allerdings sei es grundsätzlich ihr Ziel, dies bestätigte auch Herr Aleff für den Aufsichtsrat, die jährliche Dividende unterjährig auch zu erwirtschaften und nicht aus der Substanz auszuschütten. Das ist natürlich in Börsenjahren wie 2018 nicht einfach, daher seien Vorstand und Aufsichtsrat sehr stolz, dass Frau Weidtmann dies während ihrer bisherigen zwölfjährigen Amtszeit immer geschafft hat.

Eine weitere Frage von Herrn Tüngler betraf den Umgang mit Abschreibungen. Frau Weidtmann betonte, dass sie jede Teilwertabwertung im Finanzanlagevermögen begründet und dokumentiert und die Ergebnisse aller Betriebsprüfungen der letzten Jahre ihre Vorgehensweise bestätigt hätten. Bei Wertpapieren im Umlaufvermögen gelte ohnehin das strenge Niederstwertprinzip. Wichtiger seien daher die Überlegungen zur Veranlagung selbst vor dem Kauf der allerersten Aktie eines Unternehmens, was sie ebenfalls dokumentiert. Zudem werden die Aktien von Umlauf- und Anlagevermögen in unterschiedlichen Depots geführt.

Beeindruckt zeigte sich Herr Tüngler, dass unter den schwierigen Marktbedingungen und ohne Werbeeinnahmen das Ergebnis im Verlagsgeschäft vervierfacht werden konnte. Ebenso wie sein Kollege von der SdK stellte er sich jedoch die Frage, wie es in diesem Segment längerfristig weitergeht. Herr Göddecke wollte wissen, wie sich die auffällige Werbekampagne an den Bahnhöfen, die ihm recht gut gefiel, auszahlt. Allerdings dürfte sich wohl nur schwer feststellen lassen, woher neue Abonnenten kommen.

In diesem Zusammenhang kamen auch die Anstrengungen in Richtung Digitalisierung zur Sprache. Die beiden Aktionärsschützer sahen diesen Weg grundsätzlich als richtig an. Allerdings müssen sich auch diese Investitionen rechnen.

In ihrer Antwort stellte Frau Weidtmann klar, dass man sich gut überlegt habe, wo man mit dem Verlagsgeschäft in fünf Jahren stehen wolle. Der Printbereich soll auf jeden Fall erhalten bleiben. Dieses Geschäft wird aber nicht mehr das Niveau wie vor zwanzig oder dreißig Jahren erreichen. Vorstand und Aufsichtsrat sind jedoch stolz, dass das Verlagsgeschäft ohne Werbeeinnahmen rentabel ist und dies auch auf Basis belastbarer Zahlen. Die meisten Fixkosten trägt der Verlag.

Den Erfolg einer Werbekampagne zu messen, ist nicht einfach. Fakt ist aber, dass ohne Werbung kein neuer Leser gewonnen wird. Nur mit den Werbeaktionen gelingt es, zumindest die Abonnements, die durch Kündigung oder Tod wegfallen, einigermaßen auszugleichen. Aber stagnierende Abo-Zahlen können auf Dauer natürlich nicht zufriedenstellen.

Umso wichtiger sind die Investitionen in die Digitalisierung. Der Schwerpunkt liegt hier auf einem mobilen Ansatz. Die Zielgruppe ist tendenziell jünger. Für die Umsetzung dieses Projekts habe man professionelle Hilfe von außen geholt. Als wichtige Erkenntnis nahm Frau Weidtmann aus dem vergangenen Jahr mit, dass man im Onlinegeschäft nicht wie ein Kaufmann denken darf, sondern hohe Streuverluste in Kauf nehmen muss.

Herr Aleff bestätigte aus Sicht des Aufsichtsrats die Einschätzung von Frau Weidtmann. Der Printbereich befindet sich auf dem absteigenden Ast, der Effecten-Spiegel ist eines der letzten Magazine, das überhaupt noch kostendeckend arbeitet. Man müsse deshalb in Richtung online gehen, auch wenn damit erst einmal Anlaufverluste verbunden sind und es dauern wird, bis sich Erfolge zeigen.

Etwas kritisch sah Herr Tüngler die Auflage der beiden Fonds. Er hatte den Ausführungen von Frau Weidtmann entnommen, dass der Effecten-Spiegel keinen Einfluss auf die Anlagepolitik nimmt. Nach seinem Verständnis birgt dies ein enormes Reputationsrisiko für die Marke Effecten-Spiegel, wenn die Strategie nicht aufgeht. Ihm schien es fraglich, ob die Lizenzgebühr ausreicht, um dies auszugleichen. Aber Vorstand und Aufsichtsrat haben dies sicherlich abgewogen.

Frau Weidtmann versicherte, dass sich Vorstand und Aufsichtsrat durchaus die Frage nach einem denkbaren Reputationsschaden gestellt haben. Der Effecten-Spiegel nimmt zwar keinen Einfluss auf die Anlagepolitik. Man habe aber im Vorfeld genau überlegt, wer den Fonds auflegen soll. Wichtig war auch, dass die auflegende Bank einen Fondsmanager gewinnt, dem man vertraue.

In den Fonds wird das Geld langfristig und konservativ angelegt. Im Übrigen wurde der Lizenzvertrag von beiden Seiten mit jeweils zwei Anwälten geprüft. Man verspreche sich von dem Projekt, dass die Marke „Effecten-Spiegel“ noch breiter bekannt wird. Bis jetzt ist Frau Weidtmann sehr zufrieden, wie es läuft.

Ein weiteres Thema der Debatte war, wie in fast jedem Jahr, das Für und Wider des Rückkaufs eigener Aktien. Nach Einschätzung von Herrn Tüngler dürften sich, fragt man die Aktionäre, die eine Hälfte für und die andere Hälfte gegen dieses Instrument aussprechen. Insofern war es je nach Sichtweise Glück oder Pech, dass 2018 keine Abwicklungsbank gefunden wurde, um aktiv zu werden. Er erkundigte sich nach der aktuellen Einschätzung der Verwaltung zu diesem Thema.

In ihrer Antwort stellte Frau Weidtmann klar, dass sich Vorstand und Aufsichtsrat seit dem ersten Rückkauf vor vielen Jahren permanent mit diesem Thema beschäftigen. Ihre persönliche Meinung hat sich nicht verändert. Ihrer Auffassung nach macht es keinen Sinn, erst Aktien auszugeben und Kapital einzusammeln, um später mit diesem Geld die Anteile wieder zurückzukaufen und zu vernichten. Aber dem Wunsch der Aktionäre folgend wird das Thema trotzdem immer wieder diskutiert und geprüft.

Aktuell verfügt die Gesellschaft noch über eine Ermächtigung bis Mai 2021. Nachdem 2016 und 2017 eigene Anteile gekauft wurden, ist dies 2018 aus den genannten Gründen nicht geschehen. Als Alternative bliebe ein außerbörsliches Angebot an alle Aktionäre, was aber Kosten im fünfstelligen Bereich verursachen würde, womit sich wieder die Frage nach der Sinnhaftigkeit stellt, zumal jeder Rückkauf die Liquidität an der Börse weiter reduziert. Zudem käme dies einer Gewinnausschüttung gleich, aber nur an jene Aktionäre, die aus der Gesellschaft aussteigen wollen.

Der langjährige Aktionär und regelmäßige HV-Redner Hellmerich äußerte sich ebenfalls zufrieden mit dem Ergebnis des Geschäftsjahres. Er war jedoch nicht einverstanden damit, dass die Gesellschaft relativ viel Geld in Edelmetalle investiert, die keine Rendite bringen. Auf seine Nachfrage nach der Größenordnung informierte Frau Weidtmann, dass man aktuell einen Betrag von etwa 3,3 Mio. Euro in Gold angelegt habe.

Ferner schlug Herr Hellmerich vor, mit der Aktie aus dem Freiverkehr in den Regulierten Markt zu wechseln. Dies dürfte nach seiner Einschätzung für mehr Interesse bei den Investoren sorgen und vielleicht helfen, den anhaltend hohen Abschlag des Aktienkurses auf den NAV zu verringern. Aktionär Schnirch wollte wissen, was der Vorstand unternimmt, um diesen Abschlag aufzuholen. Als Vorschläge wurden von ihm die Zusammenlegung der beiden Aktiengattungen und die Einschaltung eines Designated Sponsors genannt.

Wie Frau Weidtmann erinnerte, wurde das Für und Wider eines Segmentwechsels schon mehrfach auf der Hauptversammlung diskutiert. Nach ihrer Überzeugung ist die Effecten-Spiegel-Aktie im Freiverkehr gut aufgehoben. Sie könne nicht erkennen, welchen Vorteil ein Wechsel bringen sollte. An der geringen Handelsliquidität würde sich damit nichts ändern.

Ein Abschlag zwischen Aktienkurs und NAV ist immer noch gegeben. Zuletzt hat sich dieser aber immerhin verringert. Zum 30. April 2019 notierte die Effecten-Spiegel-Aktie bei 18,40 Euro und der NAV errechnete sich mit 22,21 Euro. Die Beauftragung eines Designated Sponsors würde daran nach Überzeugung von Frau Weidtmann auch nichts ändern, denn den gab es bereits vor Jahren mit der Seydler Bank. Damals war die Divergenz noch größer.

Die Zusammenlegung der beiden Aktiengattungen ist kein Thema. Dies könnte nach Aussage der Firmenchefin einen Zahlungsanspruch gegen die Vorzugsaktionäre auslösen, birgt also Risiken, die man nicht eingehen wolle. Und es ist ja nicht so, dass Vorzugsaktien völlig aus der Mode wären. Selbst bei fünf großen DAX-Unternehmen finden sich zwei Aktiengattungen.

Ein Aktionär fragte nach einer Aufschlüsselung der Werbekosten, die sich insgesamt auf 864 TEUR beliefen. Die größte Position war hier Frau Weidtmann zufolge – wie in den Vorjahren auch – die Direktwerbung, also der Versand des Journals an potenzielle Interessenten. Unverändert macht der Effecten-Spiegel auch klassische Anzeigenwerbung und Sportsponsoring.


Abstimmungen

Vor Eintritt in die Abstimmungen verkündete Herr Aleff die Präsenz. Auf der Hauptversammlung waren 919.237 Stammaktien, entsprechend 56,91 Prozent des stimmberechtigten Grundkapitals, und 176.384, entsprechend 9,34 Prozent der Vorzugsaktien, vertreten. Das gesamte Grundkapital beläuft sich auf 9.760.000 Euro und ist eingeteilt in jeweils 1.9036.250 Stamm- und Vorzugsaktien.

Alle Beschlüsse, im Einzelnen die Dividende von 0,55 Euro (TOP 2), die Entlastung von Vorstand (TOP 3) und Aufsichtsrat (TOP 4), die Festsetzung der Aufsichtsratsvergütung mit 12 TEUR für das einfache Mitglied (TOP 5) sowie die Bestellung der Wisbert Treuhand GmbH zum Abschlussprüfer (TOP 6), wurden mit Zustimmungsquoten über 99 Prozent, bei TOP 2 und 3 sogar mit 100 Prozent gefasst.

Um 15:15 Uhr schloss der Vorsitzende die Versammlung.


Fazit

Die Effecten-Spiegel AG hat sich in dem schwierigen Börsenumfeld des Geschäftsjahres 2018 gut behauptet. Das Portfolio schnitt besser ab als die großen deutschen Indizes und die AG weist einen soliden Gewinn aus, aus dem eine Dividende von 0,55 Euro gezahlt werden kann. Das Verlagsgeschäft entwickelt sich ebenfalls solide. Trotz der Investitionen in die Digitalisierung ist das Ergebnis weiterhin klar positiv, was in der Branche alles andere als üblich ist. Die Aktionäre zeigten sich zufrieden, was nicht zuletzt das deutliche Abstimmungsergebnis zeigt.

Am Tag der Hauptversammlung lag der Kurs bei 18,10 Euro. In Relation zum Net Asset Value, der sich zum 30. April 2019 mit 22,21 Euro errechnet, bedeutet dies immer noch einen Abschlag von fast 20 Prozent, obwohl das Management seit Jahren beweist, dass nachhaltig solide Renditen erzielt werden können. Wir stufen die Aktie unverändert als interessantes Investment für den konservativen Anleger ein, der Wert auf regelmäßige Dividendenzahlungen legt.


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