ERWE Immobilien AG (ISIN DE000A1X3WX6)

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HV-Bericht ERWE Immobilien AG

Gesellschaft will mit Gewerbeimmobilien wachsen


Zu ihrer ersten Hauptversammlung nach der Neuausrichtung des operativen Geschäfts im Bereich von Gewerbeimmobilien hatte die Gesellschaft ihre Anteilseigner in das Herriot's in Frankfurt am Main eingeladen. Der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Olaf Hein (im Hauptberuf Vorstandsmitglied bei der Elbstein AG) begrüßte die rund zehn Aktionäre, Gäste und Vertreter der Presse, darunter Alexander Langhorst von GSC Research, und erteilte nach Erledigung der üblichen einleitenden Hinweise und Formalien, Erläuterung der personellen Veränderungen in Vorstand und Aufsichtsrat im Zuge der Neuausrichtung den beiden Vorstandsmitgliedern Axel Harloff und Heinz-Rüdiger Weitzel das Wort.


Bericht des Vorstands


Nach Begrüßung der Teilnehmer gab Vorstandsmitglied Axel Harloff im ersten Teil der Vorstandserläuterungen einen Überblick über die erfolgten Schritte der operativen Neuausrichtung sowie das vorzulegende Zahlenwerk des Geschäftsjahres 2017. Erstmals findet die Hauptversammlung der ERWE Immobilien AG nach erfolgreicher Umsetzung der in der letztjährigen ordentlichen Hauptversammlung beschlossenen Sachkapitalerhöhung durch Einbringung der ERWE-Gruppe auch in Frankfurt am Main statt, dem Sitz der operativen Aktivitäten der Unternehmensgruppe. Wie in der Hauptversammlungseinladung vorgeschlagen soll auch der juristische Unternehmenssitz nach Frankfurt am Main verlagert werden. Der Standort in Frankfurt, sozusagen in der Mitte Deutschlands, bietet nach Einschätzung von Herrn Harloff den Vorteil, von hier aus recht gut alle potenziell interessanten Standorte für Objekte erreichen zu können.

Mit Blick auf das Zahlenwerk für 2017 wies der Vorstand darauf hin, dass dieses noch von der seinerzeitigen geschäftlichen Aktivität geprägt gewesen ist. Die im vergangenen Dezember beschlossenen Einbringung der ERWE-Gruppe und die Neuausrichtung im Gewerbeimmobilienbereich ist erst 2018 vollzogen worden und bildet sich daher im Zahlenwerk 2017 noch nicht ab. Vor dem Wechsel der Aktionärsmehrheit von der früheren Hauptaktionärin U.C.A. zur Elbstein AG hat die Gesellschaft Ausschau nach Beteiligungen im Technologiebereich gehalten, auch wenn zuletzt keine Beteiligungen mehr vorhanden waren, hat der Geschäftsbetrieb gewisse Kosten mit sich gebracht.

Weitere Aufwendungen sind im Berichtszeitraum auch für die Einbringung der ERWE-Gruppe, die Vorbereitung und Abhaltung der außerordentlichen Hauptversammlung und den damit im Zusammenhang stehenden Beratungsaufwand angefallen. Vor diesem Hintergrund ist auch das von minus 183 TEUR im Jahr 2016 auf minus 415 TEUR 2017 verschlechterte Ergebnis zu bewerten. Die genannten zusätzlichen Kosten sind für den Anstieg des Aufwands von 106 auf 395 TEUR im abgelaufenen Geschäftsjahr 2017 verantwortlich. Zusammen mit dem bestehenden Bilanzverlustvortrag aus dem Vorjahr in Höhe von 176,6 TEUR ergibt sich für das Geschäftsjahr 2017 ein Bilanzverlust von 591,5 TEUR. Die vorhandenen liquiden Mittel und geldnahen Anlagen verringerten sich auf 0,841 (Vorjahr: 1,069) Mio. Euro, das bilanzielle Eigenkapital beträgt 0,63 nach 1,045 Mio. Euro im Vorjahr. Dies entspricht einer Eigenkapitalquote von 74,8 (97,7) Prozent.

Zum Abschluss seines Teils der Vorstandserläuterungen gab Herr Harloff noch einige Informationen zur vorliegenden Tagesordnung. Die geplante Verlegung des juristischen Sitzes steht im Zusammenhang mit dem Standort der ERWE-Gruppe, der sich in Frankfurt befindet, und ist wesentlich einfacher zu realisieren als eine Verlagerung von Mitarbeitern und Verwaltung nach München. Die vorgeschlagenen Kapitalmaßnahmen unter den Tagesordnungspunkten (TOP) 6 und 7 sollen den Kapitalrahmen für die Gesellschaft setzen, die Umsetzung der unter TOP 6 vorgeschlagenen Barkapitalerhöhung soll zeitnah erfolgen, gemäß Beschlussvorlage muss die Eintragung bis 11.01.2019 im Handelsregister erfolgt sein.

Im zweiten Teil der Vorstandsrede gab Vorstandsmitglied Heinz-Rüdiger Weitzel einen kurzen Überblick über die wesentlichen Ereignisse im bisherigen Geschäftsverlauf 2018 sowie zu den im Bestand befindlichen Objekten. Am 03. April 2018 erfolgte durch das OLG München der Freigabebeschluss für die von der außerordentlichen Hauptversammlung im Dezember 2018 beschlossene Einbringung der ERWE-Gruppe im Wege einer Sacheinlage. Diese war zuvor wegen eingegangener Anfechtungsklagen noch blockiert. Seitens des OLG München wurde festgestellt, dass die anhängigen Klagen der Umsetzung der Sacheinlage nicht im Wege stehen, weshalb diese nach Vorlage des Urteils zeitnah auf den Weg gebracht und sodann per 02. Mai 2018 im Handelsregister eingetragen und damit vollzogen worden ist. Durch die Eintragung der Sachkapitalerhöhung hat sich das Grundkapital der überdies seither auch als ERWE Immobilien AG firmierenden Gesellschaft von 1,1 Mio. Stück durch Ausgabe von 9.062.500 Aktien auf 10.162.500 Aktien erhöht. Mit der Einbringung der ERWE-Gruppe verfügt man nunmehr auch wieder über ein nennenswertes operatives Geschäft.

Sodann gab Herr Weitzel einen kurzen Überblick über das vorhandene Portfolio und die weiteren Planungen. In der ERWE Retail GmbH befand sich zum Zeitpunkt der Einbringung bereits das Objekt Postgalerie in Speyer. Dieses Objekt wird nach entsprechender Prüfung künftig unter dem Namen "Milian Speyer" am Markt positioniert und vermarktet. Das Objekt besitzt eine nutzbare Fläche für Einzelhandel und Gastronomie von rund 10.000 Quadratmeter. Der bisher insbesondere in den Obergeschossen bestehende Leerstand konnte durch den erfolgreichen Abschluss eines Mietvertrages mit einer renommierten Hotelgruppe verringert werden, künftig werden dort bis zu 120 Hotelzimmer angeboten werden. Sehr erfreut zeigte sich der ERWE-Vorstand darüber, dass die beantragte Baugenehmigung für die im Objekt geplanten Maßnahmen per 13. Juli 2018 seitens der zuständigen Baubehörde erteilt werden wird, so dass noch 2018 mit den Arbeiten begonnen werden kann. Der Abschluss der Bauarbeiten und der Start des Hotelbetriebes sind für spätestens 2020 vorgesehen.

Ein weiteres Projekt ist der Businesspark in Friedrichsdorf, direkt an der A5 in der Nähe von Bad Homburg gelegen. Hier verfügt ERWE über Optionen auf eine Fläche von 33 ha und hat darüberhinaus auch Zugriff auf weitere Flächen in Größenordnung von 11.600 Quadratmetern, so dass für das Projekt insgesamt 44 ha zur Verfügung stehen. Der Standort ist insbesondere auf Grund seiner verkehrsgünstigen Lage im Umland von Frankfurt am Main interessant. Vorgesehen ist dort die Bereitstellung von Flächen für Dienstleistungen. Hierbei verspricht sich der Vorstand vor allem von der Tendenz zur Auslagerung von Backoffice-Tätigkeiten aus der City ins kostengünstigere Umland eine gute Nachfrage. Derzeit werden die entsprechen planungsrechtlichen Grundlagen herbeigeführt und die Erschließung durch die Kommune vorgenommen. Mit einem Start des Projektes rechnet Weitzel nach derzeitigem Kenntnisstand etwa Ende 2018.

Mit Wirkung zum 02. Mai 2018 - also taggleich zur Eintragung der Sachkapitalerhöhung - erfolgte der Erwerb der Königspassage in Lübeck, gelegen in der dortigen Altstadt. Die verfügbare Mietfläche des Objekts beträgt rund 15.000 Quadratmeter, davon entfallen rund 10.000 Quadratmeter auf Verkaufsflächen. Das Objekt befand sich laut Vorstand in vergangenen Jahren in der Verwaltung durch einen Insolvenzverwalter, hierdurch und durch Errichtung anderer attraktiver Flächen hat die Passage viele wichtige Ankermieter verloren. Aktuell entwickelt man ein neues Nutzungskonzept für das Objekt, hierbei ist die knappe Ausstattung mit lediglich 20 Pkw-Stellplätzen jedoch im Auge zu behalten. Aktuell finden entsprechende Gespräche mit den bestehenden und potenziellen künftigen Mietern statt. Mit einem Start der erforderlichen Umbauten wird nach Erteilung der erforderlichen Genehmigungen gerechnet, die Umsetzung soll 2019 weitgehend abgeschlossen werden. Frei stehende Flächen sollen einer Zwischenvermietung etwa für Start-ups oder aber auch temporäre Einzelhandelskonzepte wie etwa Outlets zugeführt werden.

Aktuell erworben wurde zudem noch eine Kaufhausimmobilie in Krefeld. Beim dortigen Hauptmieter handelt es sich um den Textilfilialisten C&A, die Nutzfläche des Objekts beträgt rund 11.000 Quadratmeter, zudem sind 455 Stellplätze in einem zugehörigen Parkhaus vorhanden. Konkrete Angaben zu den dort geplanten Maßnahmen wollte der Vorstand noch nicht machen, da diese zunächst mit dem dortigen Hauptmieter besprochen und abgestimmt werden sollen. Mit der Umsetzung der vorgesehenen Schritte rechnet Weitzel im Jahr 2019. Da in der Summe hier nur in überschaubarem Maße agiert werden wird, rechnet er auch mit dem Abschluss derselben im kommenden Jahr.

Abschließend fasste der Vorstand nochmal kurz den strategischen Ansatz der ERWE Immobilien AG zusammen. Bei der Objektauswahl konzentriert man sich auf A-Lagen in sog. B-Städten. Diese sind auch im aktuellen Marktumfeld durchaus noch zu vernünftigen Preisen zu haben und bieten Chancen für die Revitalisierung bzw. die Entwicklung neuer und den aktuellen Markterfordernissen angepasster Nutzungskonzepte. An diesem Standort fokussiert sich das Unternehmen auf die Entwicklung von aussichtsreichen innerstädtischen Gewerbeimmobilien. Hierzu gehören sowohl Büro- und Hotelnutzungen sowie auch innerstädtischer Einzelhandel. Die Projektentwicklung erfolgt dabei entweder auf Rechnung Dritter oder für ERWE selbst. Mit den geplanten Kapitalmaßnahmen soll der Anteil der eigenen Projekte deutlich gesteigert werden. Die Wertsteigerung der Projekte wird durch die vom ERWE-Team entwickelten Konzepte freigesetzt bzw. deutlich erhöht. Auch wenn im Einzelfall die Realisierung erreichter Wertsteigerungen erfolgen kann, besteht das Ziel laut Weitzel in einem nachhaltigen Bestandsaufbau mit deutlich steigenden Einnahmen.

Mit Blick auf das jetzt laufende Geschäftsjahr rechnet der Vorstand mit einem positiven Ergebnis in der Unternehmensgruppe im Gesamtjahr.


Allgemeine Aussprache


Als erster Redner meldete sich Rechtsanwalt Wolfgang Schärfe von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW)  zu Wort und interessierte sich zunächst für die genaue Funktion des neben dem Versammlungsleiter sitzenden Rechtsanwaltes Oliver Polster und für die Kanzlei, in der dieser tätig ist. Hierzu erläuterte der Aufsichtsratsvorsitzende, dass Rechtsanwalt Polster in der Kanzlei Norton Rose Fulbright tätig ist und insbesondere ihn in seiner Funktion als Versammlungsleiter berät und beim korrekten Ablauf der Versammlung unterstützt.

Des Weiteren interessierte sich der DSW-Sprecher für den Verlauf des Übergabeprozesses des Mantels der DeTeBe und wollte wissen, ob durch den kompletten in Vorstand und Aufsichtsrats nicht gewisse Lücken im Know-how über die Gesellschaft entstehen. Nach Aussage von Herrn Harloff lag die Expertise des früheren Managements der Gesellschaft auf technologieorientierten Beteiligungen. Vor diesem Hintergrund ist mit der Änderung des Geschäftsmodells in den Immobilien hier keine nachteilige Auswirkung zu befürchten. Mit den von der letzten Hauptversammlung gewählten Aufsichtsratsmitgliedern sowie dem jetzt amtierenden Vorstand ist die Gesellschaft mit Blick auf das betriebene Immobiliengeschäft sehr gut aufgestellt. Ergänzend führte Dr. Hein noch aus, dass die Gesellschaft ausweislich der vorgefundenen Aktenlage in der Vergangenheit sehr ordentlich geführt wurde und daher auch kein Anlass für irgendwelche Bemängelungen besteht.

Auf die ergänzende Frage, warum denn lediglich den per 31. Dezember 2017 amtierenden Vorstands- und Aufsichtsratsmitgliedern Entlastung erteilt werden soll, räumte die Verwaltung ein, dass es sich hierbei wohl um eine unbeabsichtigt missverständliche Formulierung handelt und selbstverständlich alle im Kalenderjahr 2017 amtierenden Organmitglieder hiervon erfasst sein sollen. Aus Gründen der Klarstellung wurden die Entlastungbeschlüsse in Anlehnung an den von Aktionär Christian Werner im weiteren Debattenverlauf vorgebrachten Vorschlag dahingehend umformuliert, dass jeweils allen im Geschäftsjahr 2017 amtierenden Mitgliedern von Vorstand (TOP 2) und Aufsichtsrat (TOP 3) Entlastung erteilt werden soll.

Im Zusammenhang mit dem Erwerb der Königspassage in Lübeck bat der Redner um weitergehende Erläuterungen zu den Kaufüberlegungen und wollte wissen, warum dieses Objekt, das sich seit vielen Jahren in der Obhut eines Insolvenzverwalters befunden hat, erworben worden ist. Herr Weitzel antwortete hierzu, dass er das Objekt schon länger kennt. Als er sich erstmals damit befasst habe, lag der Kaufpreis noch doppelt so hoch wie der, den man nunmehr letztlich bezahlt hat. Als Gründe für den bislang nicht erfolgten Verkauf seitens des Insolvenzverwalters erinnerte er nochmals an die Besonderheiten des Objekts mit der Lage und lediglich 20 PKW-Stellplätzen, weshalb eine Nutzung oder Wiederbelebung als reines Shoppingobjekt wenig erfolgversprechend erscheint. Mit einem etwas abweichenden Nutzungsschwerpunkt, der stärker auf Dienstleistungen setzt, in einem gewissen Maße aber auch Handel beinhaltet, sieht der ERWE-Vorstand hier Chancen, das Objekt in der Zukunft deutlich besser im Markt zu positionieren und die aktuellen Leerstände deutlich zu verringern.

Des Weiteren interessierte den DSW-Sprecher der jeweilige Zeithorizont bei der Umsetzung und dem Abschluss der geplanten Entwicklungsmaßnahmen bei den im Bestand befindlichen Objekten. Das Milian in Speyer soll nach Angabe von Herrn Weitzel, nachdem nunmehr die Baugenehmigung vorliegt, bis spätestens 2020 komplett fertig sein und das Hotel den Betrieb aufgenommen haben. Bei der Immobilie in Krefeld erfolgte die Übergabe des Objekts erst im Mai diesen Jahres, so dass die Planungen und auch die Gespräche mit dem Hauptmieter noch nicht abgeschlossen sind. Hier sind nach derzeitigem Planungsstand die üblichen CAPEX-Maßnahmen vorgesehen, die Umsetzung weiterer Aktivitäten ist 2019 angedacht. Da insgesamt aber eher weniger zu tun ist, wird auch hier mit einer Fertigstellung 2020 gerechnet. Einen deutlich längeren Zeithorizont gilt es laut Weitzel beim Projekt in Friedrichsdorf einzuplanen. Hier geht er davon aus, dass etwa alle 18 Monate ein Abschnitt mit 15.000 Quadratmetern fertiggestellt werden kann, so dass der letzte Abschnitt dann bei planmäßigem Verlauf 2024 fertiggestellt sein sollte. Für das Objekt in Lübeck wurden die entsprechenden Bauanträge gestellt. Sobald diese erteilt sind, wird mit der Umsetzung begonnen. Der Vorstand geht davon aus, dass dies spätestens im zweiten Quartal 2019 der Fall sein wird, abgeschlossen sein sollen die Maßnahmen bis spätestens 2021.

Etwas skeptisch bewertete der Aktionärsschützer die vom ERWE-Management verfolgte Strategie und interessierte sich für die Alleinstellungsmerkmale aus Vorstandssicht sowie die möglichen Peergroup-Unternehmen, wobei er dabei die DEMIRE Real Estate AG ins Spiel brachte. Laut Herrn Weitzel gibt es natürlich auch andere Mitbewerber im Markt. Zu seiner Zeit als Vorstand bei der DIC Asset hat man mal den Markt näher untersucht und dabei festgestellt, dass damals selbst der größte Projektentwickler auf einen Marktanteil im deutschen Markt von lediglich 2,5 Prozent gekommen ist. Der Markt ist weiterhin sehr diversifiziert und bietet nach Überzeugung von Herrn Weitzel insbesondere jenen Marktteilnehmern Chancen, die in der Lage sind, schnell und flexibel auf sich bietende Chancen reagieren zu können. Dies sieht er bei er ERWE als gegeben an, zudem ist das Team erfahren, sehr gut im Markt vernetzt und nach Zustimmung der Hauptversammlung zu den auf der Tagesordnung stehenden Kapitalmaßnahmen auch auf diesem Gebiet sehr gut aufgestellt. Mit möglichen Peergroup-Unternehmen hat man sich ehrlicherweise noch nicht wirklich befasst, die vom Redner genannte Gesellschaft ist aber angesichts der Unternehmensgröße sicherlich derzeit nicht vergleichbar, so der Vorstand weiter.

Sowohl der DSW-Vertreter als auch Herr Werner erkundigten sich zu bisher noch angemieteten Büroräumen in München und wollten nähere Angaben zu den Laufzeiten und Kosten des Vertrages. Nach Auskunft von Herrn Harloff sind die Räume noch bis 31.07.2018 von der Gesellschaft angemietet und werden dann zurückgegeben. Der monatliche Mietaufwand beträgt 1,66 TEUR.

Weitere Fragen von Herrn Schärfe wie auch Aktionär Christian Werner befassten sich mit der Zusammensetzung der gebildeten Rückstellungen, die sich von 23 TEUR auf 115 TEUR erhöht haben. Dabei handelt es sich nach Angabe von Herrn Harloff um Aufwendungen im Zusammenhang mit der Beratung für die Sacheinbringung in Höhe von 80 TEUR, die Prüfung der Sachkapitalerhöhung von 10 TEUR, Kosten für die Jahresabschlussprüfung und Steuerberatung von 20 TEUR sowie um 5 TEUR für sonstige Positionen. Der ebenfalls erfragte Anstieg der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen auf 90 TEUR wurde vom Vorstand im Wesentlichen mit angefallenen Kosten der außerordentlichen Hauptversammlung im Dezember 2017 begründet. In der Position enthalten sind etwa die Kosten des beurkundenden Notars für die genannte Versammlung in Höhe von 51 TEUR enthalten. Des Weiteren interessierten sich die beiden Aktionäre auch für die fünf größten Posten in der Position der sonstigen Aufwendungen, die sich von 105 TEUR 2016 auf 394 TEUR 2017 erhöht haben. Dabei handelt es sich nach Vorstandsangabe um die Kosten für die Vorbereitung und Durchführung von ordentlicher und außerordentlicher Hauptversammlung in Höhe von insgesamt 134 TEUR, Rechts- und Beratungskosten von 170 TEUR, Kosten für den Jahresabschluss von 20 TEUR, Mietzahlungen von 20 TEUR sowie sonstige Posten von weiteren rund 50 TEUR.

Aktionär Christian Werner aus Salzkotten gab zu Beginn seiner Ausführungen zunächst weisungsgemäß für verschiedene Anteilseigner Widerspruch zu Protokoll und interessierte sich für die aktuelle Anzahl der Mitarbeiter und die weiteren Planungen des Vorstands auf diesem Gebiet. Aktuell beläuft sich die Mitarbeiterzahl nach Vorstandsangabe auf neun Personen, im weiteren Jahresverlauf 2018 ist noch die Einstellung von ein bis zwei Personen vorgesehen. Für das kommende Jahr hat man derzeit noch keine Überlegungen angestellt, wie sich die Mitarbeiterzahl weiter entwickeln könnte.

Ferner interessierte sich der Aktionär für die Struktur der gewählten Finanzierungen für die erworbenen Objekte, dabei interessierten ihn die vereinbarten Zinssätze und Fremdkapitalanteile. In seiner Antwort erläuterte Herr Harloff zunächst die grundsätzliche Vorgehensweise. Im Regelfall erfolgt die Finanzierung in verschiedenen Stufen. Zunächst wird eine kurzfristige Finanzierung zum Ankauf vorgenommen, sobald das Volumen der erforderlichen Optimierungsmaßnahmen im Zuge der vorgenommenen Projektentwicklung feststeht, erfolgt dann eine Umfinanzierung, bei der dann auch die Projekterfordernisse berücksichtigt werden. Aus heutiger Sicht kann es dann nach Einschätzung von Herrn Harloff auch sehr sinnvoll werden, dass jene Objekte, die dauerhaft im Bestand verbleiben sollen, sodann noch langfristig finanziert werden. Bezogen auf die einzelnen Projekte teilte er mit, dass das Projekt in Friedrichsdorf derzeit keine Finanzierung aufweist, da hier noch keine Käufe der Flächen erfolgt sind, die ERWE verfügt aber über entsprechende Optionen und Erwerbsrechte, die einen Zugriff ermöglichen. Die aktuelle Fremdmittelquote bei der Finanzierung der Königspassage in Lübeck beträgt 87 Prozent, die Laufzeit der aktuellen Finanzierung liegt bei 14 Monaten. Beim Objekt in Krefeld liegt der Fremdmittelanteil bei 94 Prozent, die Laufzeit der gegenwärtigen Finanzierung beträgt 24 Monate. Genaue Angaben zu den vereinbarten Zinssätzen wollte der Vorstand nicht machen, betonte aber, dass sich diese auf einem marktgerechten Niveau bewegen. Als Beispiel wurde die bestehende Finanzierung des Objektes in Speyer genannt, die einen Zinssatz von 3 Prozent ab 2018 aufweist.

Sodann interessierte sich Herr Werner für eine aktuelle Information zum Geschäftsverlauf sowie dem Liquiditätsbestand in der Unternehmensgruppe. Hierzu bat Herr Harloff um Verständnis, dass er diese Zahlen unter Einbeziehung der Tochter- und Objektgesellschaften derzeit nicht detailliert benennen kann. Geschätzt wird sich der Liquiditätsbestand per 30. Juni 2018 zwischen 1 und 3 Mio. Euro bewegen. Genauere Details, auch zu den übrigen betriebswirtschaftlichen Kennzahlen, können dem Halbjahresbericht entnommen werden, der voraussichtlich Ende August 2018 veröffentlicht werden wird.

Aktionär Hufnagel begrüßte den Umstand, dass sich ERWE Immobilien für den Unternehmenssitz in Frankfurt am Main entschieden hat, nachdem zuletzt einige Immobilienunternehmen ihren Sitz nach Berlin verlegt haben. Besonders interessierte ihn, wie sich die Elbstein AG, bei der bekanntlich die Familie des Investors Karl Ehlerding die Mehrheit hält, sich bei den anstehenden Kapitalmaßnahmen der ERWE positionieren wird. Hierzu antwortete Dr. Hein in seiner Eigenschaft als eines der beiden Elbstein-Vorstandsmitglieder, dass er die weitere Entwicklung und die Chancen des neuen Geschäftsmodells positiv einschätzt und dieses gerne mit der Elbstein AG als Aktionär weiter begleiten und sich an der Kapitalerhöhung beteiligen möchte. In welchem Umfang dies dann letztlich erfolgt, muss er allerdings noch mit seinem Vorstandskollegen und den dortigen Aufsichtsräten abstimmen.

Weitere Fragen des Redners befassten sich mit etwaigen vorhandenen steuerlichen Verlustvorträgen und steuerlichen Einlagekonten, aus denen eine steuerfreie Dividendenzahlung möglich ist. Eine derartige Konstellation besteht bei der ERWE Immobilien AG laut Herrn Harloff nicht. Dennoch versicherte er, dass man die steuerlichen Aspekte stets sehr genau im Auge behält und dabei möglichst optimal agiert. Auf die Frage, inwieweit die Gesellschaft etwa bei der Revitalisierung des Objekts in Speyer auch Zuschüsse aus dem Denkmalschutz vereinnahmen konnte, antwortete Herr Weitzel, dass solche in der heutigen Zeit kaum mehr gewährt werden. Er zeigte sich aus Sicht des Eigentümers schon sehr zufrieden darüber, dass nunmehr die Baugenehmigung erteilt werden wird und man das geplante Konzept auch realisieren kann.


Abstimmungen

Nach Beendigung der allgemeinen Aussprache gegen 13:00 Uhr wurde die Präsenz mit 9.754.869 Aktien oder 95,99 Prozent des stimmberechtigten Grundkapitals festgestellt. Sämtliche Beschlussvorschläge der Verwaltung wurden mit überwältigender Mehrheit bei maximal 3.611 Gegenstimmen verabschiedet.

Im Einzelnen beschlossen wurde die Entlastung der im Geschäftsjahr 2017 amtierenden Vorstands- (TOP 2) und Aufsichtsratsmitglieder (TOP 3), die Wahl der Ebner Stolz GmbH & Co. KG, Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Hamburg zum Abschlussprüfer für das Geschäftsjahr 2018 (TOP 4), die Beschlussfassung über die Sitzverlegung nach Frankfurt am Main und weitere Satzungsänderungen (TOP 5), die Erhöhung des Grundkapitals gegen Bareinlagen nebst entsprechender Satzungsänderung (TOP 6), die Schaffung eines neuen genehmigten Kapitals mit Ermächtigung zum Ausschluss des Bezugsrechts sowie entsprechender Satzungsänderung (TOP 7) sowie die Ermächtigung zur Ausgabe von Wandel- und Optionsschuldverschreibungen und zum Bezugsrechtsausschluss verbunden mit der Schaffung eines neuen bedingten Kapitals nebst entsprechender Satzungsänderung (TOP 8).

Gegen die Beschlussfassungen hatte Aktionär Christian Werner bereits im Rahmen seiner Wortmeldung weisungsgemäß für verschiedene von ihm vertretene Anteilseigner Widerspruch zu Protokoll erklärt. Der Versammlungsleiter konnte die Hauptversammlung nach einer Dauer von knapp dreieinhalb Stunden um 13:25 Uhr schließen.


Fazit

Mit der nunmehr als ERWE Immobilien AG firmierenden Gesellschaft wird der Kurszettel um eine weitere Immobilien-Aktiengesellschaft bereichert. Interessant und durchaus aussichtsreich erscheint am Geschäftsmodell der Umstand, dass man im Haus über umfangreiche Projektentwicklungserfahrung verfügt und damit im Gegensatz zu klassischen Bestandshaltern durchaus in der Lage ist, maßgeschneiderte Revitalisierungskonzepte zu entwickeln und umzusetzen. Dass daraus dann auch der Aufbau eines eigenen Bestands erfolgen soll, ist durchaus konsequent, da man auf diese Weise die Wertschöpfungskette verlängert und neben den Wertgewinnen aus einer erfolgreichen Projektentwicklung auch von den laufenden Einnahmen aus dem Bestand profitieren kann.

Aktuell befindet sich ERWE noch in einem frühen Stadium, so dass Investoren hier sicherlich die anstehenden Kapitalmaßnahmen bei ihren Engagements berücksichtigen sollten, zumal die beschlossene Kapitalerhöhung im Verhältnis 1:2 recht zeitnah erfolgen wird. Das frühe Stadium bietet allerdings auch die Chance, sich zu einem frühen Entwicklungszeitpunkt am Unternehmen zu beteiligen, so dass den höheren Risiken auch entsprechend höhere Chancen gegenüberstehen. Daher sollten interessierte Anleger hier die Berichterstattung zeitnah verfolgen und auch den für Ende August angekündigten Halbjahresbericht aufmerksam studieren. Das Managementteam, bestehend aus den beiden Vorständen Axel Harloff und Heinz-Rüdiger Weitzel, hat in seinen früheren Stationen bei der ADLER Real Estate AG bzw. der DIC Asset AG bereits unter Beweis gestellt, dass sein Wirken zum Wohle der Investoren ausgefallen ist.


Kontaktadresse

ERWE Immobilen AG
Herriotstraße 5
D-60528 Frankfurt am Main

Tel.:: +49 (0)69 / 96 37 68 69-10
Fax: + 49 (0)69 / 96 37 68 69-30

Internet: www.erwe-ag.com
E-Mai: info(at)erwe-ag.com


Hinweis: Der Verfasser ist Aktionär der beschriebenen Gesellschaft.




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