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Die Flughafen Wien AG (FWAG) hatte für den 3. Mai 2019 zur Hauptversammlung in das Office-Center direkt am Flughafen Wien eingeladen. Etwa 160 Aktionäre und Gäste hatten sich dort bei Beginn um 11 Uhr eingefunden, um mehr über die Gründe für das sehr erfreuliche Abschneiden der Gesellschaft im Geschäftsjahr 2018 zu erfahren. Für GSC Research war Matthias Wahler vor Ort.

Nach einer kurzen filmischen Einstimmung eröffnete erstmals Mag. Bettina Glatz-Kremsner als Aufsichtsratsvorsitzende die Veranstaltung und erläuterte die Formalien. Der Vorstand war mit Mag. Julian Jäger und Dr. Günther Ofner komplett zugegen. Ebenso war ein Vertreter der Abschlussprüfern KMPG Austria anwesend. Das Protokoll führte wie in den Vorjahren Notar Dr. Rupert Brix.

In ihren einleitenden Worten kam Mag. Glatz-Kremsner auf das Ergänzungsverlangen der Airports Group Europe S.à.r.l. zu sprechen, die mit rund 43 Prozent an der Flughafen Wien AG beteiligt ist. Die Aktionärin verlangte mit Antrag vom 11. April 2019 die Ergänzung der Tagesordnung um die Ermächtigung des Vorstands zum Erwerb und zur Verwendung eigener Aktien. Dieser Beschlussvorschlag kam unter TOP 7 zur Abstimmung.

Ferner informierte die Vorsitzende über die wesentlichen Themen aus Sicht des Aufsichtsrats, der sich im Berichtsjahr zu insgesamt fünf Sitzungen getroffen hat. Zudem sprach sie einige Worte zu den Grundzügen des Vorstandsvergütungssystems. Im Anschluss übergab sie an die beiden langjährigen Vorstandsmitglieder, die sich den Bericht wie gewohnt teilten.


Bericht des Vorstands

Dr. Ofner freute sich von einer hervorragenden Unternehmensentwicklung berichten zu können. Der Umsatz erhöhte sich im Geschäftsjahr 2018 um 6,2 Prozent auf 800 (Vorjahr: 753) Mio. Euro und das Nettoergebnis verbesserte sich noch deutlich stärker um 19,7 Prozent auf 152 (127) Mio. Euro. Gelungen ist dies dank eines erfreulichen Passagierwachstums und Fortsetzung der grundsätzlichen Strategie, wonach der Fokus auf die Erhöhung der Produktivität gelegt wird.

Die EBITDA-Marge kletterte leicht auf 43,8 (43,3) Prozent. Mit rund 44 Prozent hält sie seit Jahren ein hohes Niveau. Vor allem gilt es laut Dr. Ofner zu beachten, dass fast ein Viertel des Umsatzes mit dem margenschwachen Segment Handling & Sicherheitsdienstleistungen erwirtschaftet wird. Dieses Geschäft ist an vielen anderen Flughäfen ausgegliedert. Bereinigt um dieses Segment liegt die Marge bei rund 55 Prozent. Damit gehört die FWAG in Europa zu den besten der Branche.

Die Materialkosten und Kosten für bezogene Leistungen erhöhten sich um 10,1 Prozent auf 42,1 (38,3) Mio. Euro. Als wesentliche Gründe nannte der Vorstand höhere Energiekosten und einen zusätzlichen Aufwand durch den harten Winter, der beispielsweise den Einsatz von mehr Enteisungsmitteln erforderlich machte.

Der Personalaufwand stieg um 6,6 Prozent auf 302 (283) Mio. Euro. Ursächlich war in diesem Bereich neben kollektivvertraglichen Gehaltsanpassungen auch die erstmalige Konsolidierung der GetService Dienstleistungsgesellschaft mit 63 Mitarbeitern. Zudem führte die teilweise extreme Verkehrssituation mit vielen verspäteten Flugzeugen zu Überstunden und Ruhezeitverletzungen, aus denen allein etliche Millionen Zusatzkosten entstanden.

Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen erhöhten sich hingegen nur um 2,1 Prozent auf 122 (119) Mio. Euro. Die Abschreibungen verminderten sich sogar auf 130 (135) Mio. Euro. Das Finanzergebnis konnte auf minus 12,5 (minus 18,4) Mio. Euro deutlich verbessert werden. Als einen wesentlichen Grund nannte Dr. Ofner, dass das hochverzinste EIB-Darlehen kontinuierlich um 25 Mio. Euro p.a. getilgt wird. Außerdem wurde in Malta ein hochverzinsliches Darlehen zurückgezahlt.

Weiter berichtete der Vorstand, dass die Nettoverschuldung der Gruppe auf nur noch 143 (227) Mio. Euro erneut kräftig reduziert werden konnte. Der Verschuldungsfaktor reduzierte sich bezogen auf das EBITDA auf nur noch 0,4 (0,7) und damit auf ein sehr niedriges Niveau. Dies wird allerdings, wie Dr. Ofner anmerkte, nicht so bleiben. Wie er später noch im Detail ausführte, werden die nächsten 15 Jahre von großen Bauvorhaben mit entsprechenden Investitionen gekennzeichnet sein.

Der Cashflow aus der laufenden Geschäftstätigkeit konnte um 4,8 Prozent auf 291 (278) Mio. Euro weiter verbessert werden. Der Free Cashflow ging hingegen bedingt durch die höheren Investitionen auf 92 (121) Mio. Euro zurück. Auch mit dieser Entwicklung zeigte sich Dr. Ofner zufrieden. In der Gruppe ist eine ausreichend hohe Finanzkraft gegeben, um die anstehenden Investitionen zu schultern.

In Anbetracht der guten Ergebnisentwicklung entschlossen sich Vorstand und Aufsichtsrat zu einer Anpassung der Dividendenpolitik. Nachdem in den letzten Jahren regelmäßig rund 50 Prozent des Gewinns ausgeschüttet wurden, sollen es in diesem Jahr in einem ersten Schritt 55 Prozent werden. Bei einem Ergebnis je Aktie von 1,63 (1,37) Euro schlug die Verwaltung eine Anhebung der Dividende um 31 Prozent auf 0,89 (0,68) Euro vor. In den kommenden Jahren sollen 60 Prozent des Gewinns als Dividende gezahlt werden.

In diesem Zusammenhang warf Dr. Ofner einen Blick auf die Aktie, deren positive Entwicklung sich fortgesetzt hat. Insbesondere in den Wochen vor der Hauptversammlung ging es nochmals kräftig nach oben. Das erreichte Kursniveau nahe 40 Euro sieht der Vorstand mit Blick auf die gute Ertragslage durchaus als gerechtfertigt an. Die Marktkapitalisierung beträgt rund 3,2 Mrd. Euro. Aufgrund des geringen Streubesitzes dürfen jedoch viele Interessenten nicht investieren.

Erfreuliches konnte Dr. Ofner vom Projekt 3. Piste berichten. Er begrüßt sehr, dass, nachdem dieses Thema die Gesellschaft schon seit 20 Jahren begleitet, endlich eine endgültige und unanfechtbare höchstrichterliche Entscheidung vorliegt. Um derartige Ausuferungen künftig einzudämmen, gab es inzwischen maßgebliche Gesetzesänderungen. Damit hat die FWAG quasi für andere eine Bresche geschlagen.

Die Wachstumsprognosen zeigen Dr. Ofner zufolge eindeutig, wie wichtig der Ausbau der Infrastruktur ist. Im laufenden Jahr werden in Wien bereits mehr als 30 Millionen Passagiere erwartet. Und 90 Prozent der lebenden Menschen waren noch nie in einem Flugzeug gesessen, was sich ändern wird , nachdem in den letzten Jahren drei Milliarden Menschen von bitterer Armut in den Mittelstand aufgestiegen sind. Vor allem in Asien und Afrika sind enorme Zuwächse zu erwarten und Europa ist für die Chinesen ein attraktives Reiseziel.

Allerdings wird die 3. Piste, selbst wenn alles ideal läuft, nicht vor 2030 in Betrieb gehen und vorab müssen enorme Investitionen gestemmt werden. Zunächst gilt es die benötigten Grundstücke zu besorgen. Insgesamt sind für die Baumaßnahmen 600 Hektar erforderlich. Auch der Lärmschutz ist ein großes Thema und es müssen sogar eine Bundesstraße und eine Pipeline der OMV verlegt werden. Daran sieht Dr. Ofner aufgezeigt, um was für ein riesiges Bauvorhaben es sich handelt.

Zudem soll die Airport City weiter ausgebaut werden. Das neue Herzstück wird laut Dr. Ofner der Office Park 4 als High-Tech-Center für Startups, in dem beispielsweise Co-Working-Spaces für kreative Jungunternehmen eingerichtet werden. Damit soll der Standort noch attraktiver werden für Firmen, die einen Betriebsstandort suchen. Der Office Park 4 wird planmäßig im Mai 2020 mit 26.000 qm modernsten Büro- und Eventflächen in Betrieb gehen.

Ferner konnte Dr. Ofner von Fortschritten betreffend die Umweltbelange berichten. Wie er darlegte, hat sich der Energieverbrauch pro Einheit am Flughafen Wien seit 2012 um 27 Prozent reduziert. Massive Einsparungen gab es insbesondere bei den CO2 Emissionen und man arbeite weiter an dem Thema. Im laufenden Jahr sollen die Photovoltaikflächen noch erweitert werden. Wichtig war Dr. Ofner allerdings der Hinweis, dass der globale Luftverkehr lediglich 2,6 Prozent zum weltweiten CO2-Ausstoß beiträgt, also keineswegs der Haupttreiber ist.

Stolz zeigte sich der Vorstand, dass die FWAG bei der Bewertung der Mitarbeiter durch die Luftfahrtrating-Agentur Skytrax zum vierten Mal in den letzten fünf Jahren als Europameister gekürt wurde. Kundenfreundlichkeit und Kompetenz der Mitarbeiter werden als herausragend bewertet. Zum wiederholten Mal wurde auch die Position als attraktivster Arbeitgeber in Österreich bestätigt. Dies ist vor allem mit Blick auf den großen Mitarbeiterbedarf erfreulich.

Der Ausblick auf das laufende Jahr fiel ebenfalls positiv aus. Für 2019 stellte der Vorstand einen Umsatzanstieg auf mehr als 820 Mio. Euro, eine Verbesserung des EBITDA auf über 370 Mio. Euro und einen Jahresüberschuss von mehr als 165 Mio. Euro in Aussicht, was eine Vervierfachung gegenüber dem 2011er-Wert von 38 Mio. Euro bedeuten würde. Seither konnte das Ergebnis jedes Jahr verbessert werden und bis auf weiteres wird sich dieser positive Trend nach Überzeugung von Dr. Ofner fortsetzen.

Im zweiten Teil des Vorstandsberichts präsentierte Herr Jäger die Verkehrsergebnisse. Wie er darlegte, war 2018 einmal mehr das passagierstärkste Jahr in der Firmengeschichte. In der Gruppe war mit einem Zuwachs von 11,3 Prozent auf 34,4 (29,9) Millionen Passagiere ein stürmisches Wachstum zu verzeichnen. Besonders stark entwickelte sich das Low-Cost-Segment. Gewachsen ist auch die Zahl der Transferpassagiere und erstmals seit Jahren nahm die Zahl der Flugbewegungen wieder zu.

Starkes Wachstum gab es auch auf der Langstrecke, womit ein wichtiges strategisches Ziel erreicht wurde. Ein sehr wichtiger Markt ist insbesondere China. Insgesamt war im Fernen Osten ein Passagierwachstum von enormen 33,5 Prozent zu verzeichnen, dicht gefolgt von Afrika mit einem Plus von 29,8 Prozent. Europa, Nordamerika und der Nahe und Mittlere Osten legten im hohen einstelligen Prozentbereich zu.

Seinen Überblick über die einzelnen Bereiche begann Herr Jäger mit dem Segment Airport, in dem die externen Umsätze um 6,5 Prozent auf 392 (368) Mio. Euro und das EBITDA um 11,7 Prozent auf 187 (167) Mio. Euro zulegten. Der wesentliche Grund war das starke Passagierwachstum am Flughafen Wien. Im Segment Retail & Properties erhöhte sich der Umsatz um 5,4 Prozent auf 133 (126) Mio. Euro und das EBITDA verbesserte sich um 19,3 Prozent auf 85,8 (71,9) Mio. Euro.

Etwas Kopfzerbrechen bereitet dem Vorstand das Segment Handling & Sicherheitsdienstleistungen. Trotz eines leichten Umsatzanstiegs von 3,3 Prozent auf 166 (161) Mio. Euro entwickelte sich das EBITDA um 41,4 Prozent auf 11,6 (19,6) Mio. Euro rückläufig. Das EBIT brach sogar um 70 Prozent auf 3,1 (10,5) Mio. Euro ein. Als wesentlichen Grund nannte Herr Jäger das höhere Kostenniveau durch den steigenden Personalaufwand wegen Überstunden und Zulagen aufgrund von Verspätungen. Nachdem bereits Gegenmaßnahmen ergriffen wurden, hofft er das Segmentergebnis im laufenden Jahr um 10 Mio. Euro verbessern zu können.

Am Flughafen Malta wurde mit einem Passagierwachstum um 13,2 Prozent auf über 6,8 Millionen Personen wieder ein Rekord aufgestellt. In der Folge wuchs der Umsatz um 11,9 Prozent auf 92 (82) Mio. Euro und das EBITDA verbesserte sich um 6,9 Prozent auf 53 (50) Mio. Euro. Da das Ground Handling in Malta ausgegliedert ist, erreichte die EBITDA-Marge 59 Prozent. Die positive Entwicklung wird sich nach Überzeugung von Herrn Jäger fortsetzen. Im laufenden Jahr erwartet er in Malta mehr als 7 Millionen Passagiere.

Am Airport Kosice setzte sich der Aufwärtstrend der Vorjahre ebenfalls fort. Die Zahl der Passagiere wuchs um 9,1 Prozent auf 0,5 Millionen, der Umsatz erreichte 13,3 Mio. Euro und das EBITDA wird mit 4,1 Mio. Euro ausgewiesen. Nach Aussage von Herrn Jäger ist Kosice trotz der geringen Größe der einzige Flughafen in der Slowakei, der Gewinn macht. Insofern zeigte er sich durchaus etwas stolz auf diese kleine Tochtergesellschaft.

Sehr zufrieden zeigte sich Herr Jäger mit den Verkehrsergebnissen des ersten Quartals 2019. In Wien legte die Zahl der Passagiere um satte 24,6 Prozent auf 6,06 (4,86) Millionen zu. In diesem Tempo wird sich die Entwicklung allerdings nicht fortsetzen. Für das Gesamtjahr erwartet der Vorstand in Wien ein Wachstum von 10 Prozent. In Malta erhöhte sich die Passagierzahl leicht um 2,6 Prozent. In Kosice war hingegen ein Rückgang von 8,6 Prozent zu verzeichnen, da eine wichtige Airline den Betrieb eingestellt hat.

In der Gruppe war dank der starken Entwicklung in Wien im ersten Quartal dennoch ein Passagierwachstum von 19,9 Prozent zu verzeichnen. Der positive Trend auf der Langstrecke setzte sich fort, zudem war ein starkes Wachstum in Osteuropa zu verzeichnen. In der Gruppe rechnet Herr Jäger im Gesamtjahr mit einem Wachstum von 8 bis 10 Prozent auf rund 38 Millionen Passagiere. Er konnte also den positiven Ausblick auch von dieser Seite bestätigen.


Allgemeine Aussprache


Vor Eintritt in die Diskussion bat die Vorsitzende Mag. PhDr. Susanne Höllinger, die unter TOP 6 anstelle des ausgeschiedenen Mitglieds Mag. Richard Grasl zur Wahl in den Aufsichtsrat vorgeschlagen war, um eine kurze Vorstellung ihre Person. Sie war viele Jahre im Bankbereich tätig, zunächst als Leiterin Private Banking - Wealth Management bei der Erste Bank AG und später als Vorstandsvorsitzende der Kathrein Privatbank AG.

Im Anschluss trat Dr. Nidal Karaman als Vertreter der Airports Group Europe S.à.r.l. ans Rednerpult und stellte nochmals offiziell den Antrag, die Beschlussfassung über die Ermächtigung zum Erwerb eigener Aktien auf die Tagesordnung zu nehmen. Als Begründung führte er an, dass die Hauptversammlung am 31. Mai 2016 denselben Beschluss mit der gesetzlich höchstmöglichen Dauer von 30 Monaten beschlossen hatte. Diese Ermächtigung ist inzwischen abgelaufen.

Aus Sicht der Airports Group Europe ist eine solche Ermächtigung weiterhin eine gute und sinnvolle Maßnahme. Im Übrigen entspricht dies nach Meinung von Dr. Karaman den üblichen Gepflogenheiten bei börsennotierten Aktiengesellschaften. Gegebenenfalls können so Liquiditätsüberschüsse der FWAG mit Blick auf das anhaltende Niedrigzinsumfeld zum Vorteil der Aktionäre eingesetzt werden.

Die nächste Wortmeldung kam von Dr. Michael Knap vom Interessensverband für Anleger (IVA). Er vertrat 28 Aktionäre mit insgesamt knapp 1,5 Millionen Aktien und somit 1,77 Prozent des Grundkapitals. Dr. Knap gratulierte zu den wiederum hervorragenden Zahlen. Besonders hob er außerdem die sehr positive Kursentwicklung der Aktie, die neuerlichen Auszeichnungen für den Flughafen Wien und den umfangreichen Geschäftsbericht hervor, der kaum noch Fragen offen lässt.

Wissen wollte der Aktionärsvertreter, welche Ausgaben für Sponsoring angefallen sind. Nach Angabe von Dr. Ofner waren dies im Berichtszeitraum rund 1,26 Mio. Euro und damit etwa 40 TEUR mehr als in der Vorperiode. Der Betrag verteilt sich ziemlich gleichmäßig auf die Bereiche Sport, Kultur und Sonstiges. Der Vorstand hält die Sponsoring-Aktivitäten für wichtig. Man achte aber genau darauf, dass dem Aufwand ein entsprechender Werbewert gegenübersteht. Aus einem Gutachten ergab sich eine zwei- bis dreifache Überdeckung.

Den Angaben im Geschäftsbericht zu zustimmungspflichtigen Geschäften mit dem Aufsichtsrat hatte Dr. Knap entnommen, dass die FWAG einen Vertrag mit der pcb Paierl Consulting GmbH geschlossen hat, deren alleiniger Geschäftsführer Aufsichtsratsmitglied Herbert Paierl ist. Das Entgelt ist mit 25 TEUR zwar nicht unbedingt ein großes Thema. Dennoch interessierte ihn, um was es ging.

In seiner Antwort betonte Dr. Ofner, dass die Konditionen des Vertrags einem Drittvergleich standhielten. Herr Paierl erbrachte die Leistungen sogar außerordentlich preiswert. Er ist schon länger mit dem Thema Co-Working-Space befasst. Dementsprechend ging es um die Beratung zur Entwicklung eines Co-Working-Spaces Programms am Flughafen Wien, was sich auch bereits ausgezahlt hat.

Einer Tabelle in der Präsentation von Herrn Jäger hatte Dr. Knap entnommen, dass sich das Passagieraufkommen bei fast allen Linienfluggesellschaften erhöht hat. Die einzige Ausnahme war offenbar Emirates aus Dubai mit einem Minus von 3,3 Prozent gewesen, was er sich nicht erklären konnte. Ihn interessierte, ob es interne oder externe Gründe für diese Entwicklung gab, vielleicht sogar Probleme mit der Geschäftsbeziehung.

In seiner Antwort stellte Herr Jäger klar, dass es keine Differenzen gibt. Der langfristige Aufwärtstrend ist auch bei Emirates intakt, von 2013 bis 2017 erhöhte sich die Passagierzahl bei dieser Fluglinie von 350.000 auf 462.000 Personen. 2018 ging es nun auf 450.000 leicht zurück. Dieser Trend setzte sich im ersten Quartal 2019 fort.

Als einen wesentlichen Grund sieht der Vorstand die nur zweitägige Flugfrequenz von Emirates am Flughafen Wien, die das Wachstum beschränkt. Außerdem gibt es eine starke Konkurrenz durch Qatar Airways, Thai Airways sowie chinesische und indische Airlines, die ihre Verbindungen aufgestockt haben. Einen gewissen Einfluss hatte vielleicht auch der neue Flughafen in Istanbul. Grundsätzlich gibt es weiterhin hohes Wachstum beim Verkehr aus und nach Asien.

Ferner bat Dr. Knap um ergänzende Ausführungen zu den Schwierigkeiten im Segment Ground Handling. Ihn interessierte, welche Komponenten die Prozessoptimierungsmaßnahmen haben, mit denen nach Angabe des Vorstands begonnen worden ist. Wichtig war ihm überdies die Frage, über welchen Zeitraum die Maßnahmen greifen sollen. Er meinte in dem Segment verschiedene Überschneidungen zu erkennen, deren Bereinigung bereits einen enormen Effekt haben könnte.

Wie Herr Jäger ausführte, wurde im Oktober mit einer umfangreichen Restrukturierung begonnen, die sich über Jahre ziehen wird. Die größte Maßnahme ist eine vollständige Prozessveränderung, nachdem es in der Vergangenheit zu viele kleine Einheiten gegeben hat. Hier wurde bereits Vieles umgesetzt. Der Vorstand bekräftigte seine Überzeugung, dass die Ergebnisverbesserung von 10 Mio. Euro realisiert werden kann. Die vermuteten Dopplungen gibt es leider nicht. Die Konkurrenz ist einfach sehr aggressiv unterwegs, um Marktanteile zu gewinnen.

Ein weiteres Thema von Dr. Knap war der Ausbau der Infrastruktur in der Region. Er hatte der Presse entnommen, dass beispielsweise die Verlängerung der Bahnstrecke vom Flughafen bis nach Budapest geplant ist, was den Einzugsbereich für den Flughafen Wien enorm erweitern würde. Die Fertigstellung ist allerdings erst für Ende der 2020er Jahre vorgesehen, was ihm zu lang erschien. Er fragte nach einer Möglichkeit aus Sicht der FWAG, dieses Projekt zu beschleunigen.

In seiner Antwort bestätigte Dr. Ofner, dass der Ausbau der Infrastruktur um den Flughafen ein sehr wichtiges Thema ist. Es laufen schon länger Verhandlungen mit allen Beteiligten, beispielsweise um die Trassen festzulegen. Der aktuelle Zeitplan, der einen Ausbau bis 2035 vorsieht, ist allerdings auch aus seine Sicht untragbar. Bis dahin würde es zu einem Verkehrskollaps kommen. Es sind jedoch große Bemühungen von allen Beteiligten zu erkennen, dieses Thema anzugehen.

Im Anschluss an Dr. Knap stellten etwa ein Dutzend Kleinaktionäre zumeist kurze Fragen. So wollte ein Bewohner einer Anrainergemeinde nicht recht in den Jubel über die wirtschaftlichen Erfolge einstimmen, da er das gestiegene Verkehrsaufkommen akustisch wahrnimmt. Er fand es bedauerlich, dass die 3. Piste, die eine enorme Entlastung für die Anwohner bringen dürfte, frühestens 2030 in Betrieb gehen soll, und regte an, dieses Projekt zu forcieren.  

Hier wollte Dr. Ofner dem Aktionär keine großen Hoffnungen machen. Wie er darlegte, ist die Planung der 3. Piste ein komplexes Thema und viele Dinge können nicht parallel angegangen, sondern müssen hintereinander umgesetzt werden. Grundsätzlich sind die neuen Flugzeuge aber leiser, vielleicht bringt dies von dieser Seite eine gewisse Entlastung.

Weiter informierte er auf Nachfrage aus dem Aktionariat, dass die Lage der 3. Piste eines der wesentlichen Resultate des Mediationsverfahrens war, um sicherzustellen, dass möglichst wenig Bürger betroffen sind. Natürlich kann die Fläche zwischen den Pisten entwickelt werden, was auch einer der Gründe dafür ist, dass die Planung dauert. Man werde sich die Zeit nehmen, die es erfordert.

Ein Aktionär erkundigte sich, in welchem Umfang die Investitionen für die 3. Piste von der öffentlichen Hand übernommen werden. Hier stellte Dr. Ofner klar, dass die FWAG ein privates Unternehmen ist, das keinerlei Zuschüsse oder Unterstützung erhält. Die Investitionen für die 3. Piste müssen komplett selbst geschultert werden. Wie die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Detail aussehen, lässt sich erst sagen, wenn das Vorhaben konkret wird.

Einem Aktionär war aus den Vorjahren in Erinnerung geblieben, dass am Flughafen Wien eigens für den A380 ein Millionenbetrag investiert werden sollte, um eine Abfertigung auf zwei Ebenen zu ermöglichen. Auf seine Nachfrage bestätigte Dr. Ofner, dass dies ursprünglich geplant war. Nachdem dieses Flugzeug nun nicht mehr weiter produziert wird, wird derzeit evaluiert, ob sich diese Investitionen noch lohnt. Auf einer Ebene kann der A380 bereits heute problemlos abgefertigt werden.

Ein Aktionär sprach das Ergänzungsverlangen der Airports Group Europe S.à.r.l. an. Ihn interessierte, ob die letzte Ermächtigung zum Erwerb eigener Aktien überhaupt genutzt worden ist. In Anbetracht des geringen Streubesitzes dürfte dies ja kaum sinnvoll möglich sein.

In seiner Antwort bestätigte der Finanzvorstand, dass die Ermächtigung in der ersten Runde nicht in Anspruch genommen worden ist, weil die Aktie über dem Niveau notierte, zu dem Zukäufe hätten vorgenommen werden können. Die neue Ermächtigung sieht vor, dass eigene Aktien in einem Korridor zwischen 30 Euro und 45 Euro erworben werden dürfen.


Abstimmungen

Frau Glatz-Kremser verkündete die Präsenz mit 77.571.637 Aktien. Bezogen auf das gesamte Grundkapital von 152.670.000 Euro, eingeteilt in 84.000.000 Stückaktien, entsprach dies einer Quote von 92,35 Prozent.

Die Dividende von 0,89 Euro (TOP 2), die Entlastung von Vorstand (TOP 3) und Aufsichtsrat (TOP 4), die Wahl der KPMG Austria GmbH zum Abschlussprüfer (TOP 5) und die Wahl von Frau Mag. PhDr. Susanne Höllinger in den Aufsichtsrat (TOP 6) wurden mit Mehrheiten von jeweils über 99,8 Prozent beschlossen.

Beim Ergänzungsantrag der Airports Group Europe S.à.r.l. betreffend die Ermächtigung des Vorstands zum Erwerb und zur Verwendung eigener Aktien (TOP 7) ergaben sich knapp 8,5 Millionen Gegenstimmen. Die Zustimmungsquote erreichte damit etwas mehr als 89 Prozent.

Um 14:30 Uhr schloss die Vorsitzende die Versammlung.


Fazit

Das Geschäftsjahr 2018 verlief für die Flughafen Wien AG noch besser als erwartet. Das Konzernergebnis legte um fast 20 Prozent zu und die Nettoverschuldung konnte dank der hohen Mittelzuflüsse auf 143 (227) Mio. Euro erneut kräftig reduziert werden. Die hervorragende Entwicklung nahmen Vorstand und Aufsichtsrat zum Anlass für eine Änderung der Dividendenpolitik. Künftig gehen 60 Prozent des Gewinns an die Aktionäre. Für 2018 wurde die Ausschüttung um 31 Prozent auf 0,89 Euro angehoben.

Basis für die sehr positive Geschäftsentwicklung waren die deutlich steigenden Passagierzahlen nicht nur am Flughafen Wien, sondern in der gesamten Gruppe. Dieser Trend setzte sich im ersten Quartal 2019 fort, insbesondere in Wien ging es kräftig voran. Damit sind beste Aussichten für ein erneutes Rekordjahr gegeben. Der Jahresüberschuss soll der Planung nach um mindestens 10 Prozent gesteigert werden, womit im kommenden Jahr eine Dividende von über 1 Euro zu erwarten sein müsste.

Sehr positiv ist zu werten, dass nach etlichen Jahren Hin und Her endlich ein unanfechtbares Urteil betreffend die 3. Piste vorliegt. Damit kann endlich mit dem Bauvorhaben begonnen werden. Nach Einschätzung des Vorstands wird es aber trotz aller Bemühungen mindestens bis 2030 dauern, bis die neue Piste in Betrieb geben kann. Mittel- und langfristig sind die zusätzlichen Kapazitäten sehr wichtig, um das stetig wachsende Passagieraufkommen bewältigen zu können.

Insgesamt sind die Aussichten für die Flughafen Wien AG weiterhin vielversprechend. Die anhaltend positive Entwicklung spiegelt sich auch in der Entwicklung der Aktie wider, die in den letzten zwölf Monaten erneut deutlich an Wert gewonnen hat. Beim aktuellen Kurs von 38 Euro errechnet sich die Marktkapitalisierung nun mit mehr als 3 Mrd. Euro. Vor allem an schwächeren Tagen ist das Papier weiterhin interessant, nachdem das Ergebnis und die Dividende wohl weiter kontinuierlich zulegen werden.


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