infas Holding AG (ISIN DE0006097108)

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HV-Bericht infas Holding AG

Dividende klettert auf 0,08 Euro


Zu ihrer diesjährigen Hauptversammlung hatte die infas Holding AG ihre Anteilseigner am 5. Juli 2019 wie bereits in den Vorjahren in das Maritim Hotel in Bonn eingeladen. Der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Oliver Krauß begrüßte knapp 50 Aktionäre, Gäste und Vertreter der Presse, darunter Alexander Langhorst von GSC Research, und erteilte nach Erledigung der üblichen einleitenden Hinweise und Formalien sowie Erläuterung der personellen Erweiterung des Vorstands um Alexander Mauch, der dort seit 1. Februar 2019 die Funktion des Finanzvorstands bekleidet, dem Vorstandsvorsitzenden Menno Smid das Wort.


Bericht des Vorstands


Nach Begrüßung der Teilnehmer dankte Herr Smid den Anteilseignern für das der Gesellschaft entgegengebrachte Interesse und brachte seine Hoffnung auf eine informative Hauptversammlung zum Ausdruck. Sehr positiv bewertete er eingangs die Entwicklung des Aktienkurses der Gesellschaft in den vergangenen zehn Jahren. So konnte der Kurs seit Juli 2009 um 430 Prozent zulegen, dies entspricht einer jährlichen Performance von 17 Prozent. Diese hervorragende Entwicklung des Börsenkurses ist nach seiner Angabe bemerkenswert, lässt sich aber durch die operativen Fortschritte in den vergangenen Jahren erklären.

Dies zeigt auch ein Blick auf die Entwicklung im abgelaufenen Geschäftsjahr 2018. So haben sich die Umsatzerlöse nochmals leicht auf 29,344 (Vorjahr: 29,325) Mio. Euro erhöht. Zum Vergleich hierzu lagen die Umsätze 2016 bei 22,728 Mio. Euro. Trotz des nur sehr geringen Anstiegs der Umsatzerlöse konnte das Ergebnis jedoch deutlich überproportional zulegen. So kletterte das EBIT im Vorjahresvergleich um 17,2 Prozent auf 3,689 (3,142) Mio. Euro. 2016 lag das EBIT bei lediglich 1,702 Mio. Euro, sodass nach dem sehr deutlichen Anstieg um 84,9 Prozent auch 2018 noch ein zweistelliger Zuwachs realisiert werden konnte.

Weiterhin wichtigste Tochtergesellschaft ist die infas GmbH. Dort lagen die 2018er Umsatzerlöse bei 26,78 (27,90) Mio. Euro. 2016 wurden Umsatzerlöse von 21,774 Mio. Euro erzielt. Herr Smid wies in seinen Ausführungen darauf hin, dass aufgrund des projektgetriebenen Geschäfts ein Vergleich von insgesamt drei Geschäftsjahren eine bessere Aussagekraft besitzt. Der leichte Umsatzrückgang gegenüber dem Vorjahr resultiert laut Smid aus dem wegfallenden Umsatz aus einem großen Projekt, einer Studie zur Mobilität in Deutschland im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, welches ein Projektvolumen von rund 3 Mio. Euro aufwies und dessen Wegfall nicht komplett kompensiert werden konnte. Dennoch konnte das EBIT bei der infas GmbH deutlich auf 4,951 (4,183) Mio. Euro verbessert werden, 2016 lag dieses noch bei 2,588 Mio. Euro.

Ebenfalls plangemäß entwickelt sich die Tochtergesellschaft infas 360 GmbH. Hier kletterten die Umsatzerlöse auf 2,071 (1,144) Mio. Euro, im Geschäftsjahr 2016 betrugen diese noch 0,95 Mio. Euro. Das EBIT verbesserte sich auf plus 35 TEUR nach einem Verlust von 57 TEUR im vergangenen Jahr. Der Verlustausweis von 448 TEUR im Geschäftsjahr 2016 ist angesichts der angefallenen und zum Teil einmaligen Ingangsetzungsaufwendungen für den dortigen Geschäftsbetrieb nur eingeschränkt vergleichbar. Die dritte Tochtergesellschaft infas Quo GmbH konnte die Umsatzerlöse auf 492 (276) TEUR ausweiten, angesichts des erst 2017 aufgenommenen Geschäftsbetriebs ist hier ein Vergleich mit dem Jahr 2016 nicht möglich. Der Anstieg des dortigen Fehlbetrages resultiert nach Vorstandsangabe aus erforderlichen Investitionen in den Aufbau eines Panels, um dieses künftig für Befragungen nutzen zu können. Bei diesem Projekt handelt es sich um eine Investition in die Zukunft und eine strategische Entscheidung.

Dank der insgesamt positiven Entwicklung aller Gesellschaften – und der erneuten Ergebnisverbesserung gegenüber dem Vorjahr – wird den Anteilseignern für das abgelaufene Geschäftsjahr eine auf 0,08 (0,07) Euro erhöhte Dividende vorgeschlagen.

Mit Blick auf das allgemeine Marktumfeld berichtete Herr Smid von einem weiterhin anhaltenden hohen Wettbewerbsdruck. Im Vorjahresvergleich war erneut ein Rückgang des Branchenumsatzes um 3,9 Prozent auf 2,36 (2,45) Mrd. Euro zu verzeichnen. Damit konnte noch immer nicht wieder der 2012er Rekordwert von 2,48 Mrd. Euro erreicht werden. Besonders hohe Rückgänge beim Umsatz waren seiner Angabe nach bei den großen Playern der Branche zu verzeichnen. Im Ranking liegt infas im abgelaufenen Geschäftsjahr 2018 auf Rang sechs hinter den großen vier und ist damit einer der führenden mittelständischen Anbieter im Markt.

Sodann gab der infas-Chef noch einen tieferen Einblick in die gegenwärtigen Trends im Markt. In dem von infas schwerpunktmäßig betriebenen Geschäft der Markt- und Sozialforschung wird dabei vor allem auf Primärdaten aus Befragungen zurückgegriffen. Hierzu werden branchenweit jährlich etwa 20 Millionen Interviews geführt. Bei den Durchführungswegen der Interviews hat sich in den vergangenen zehn Jahren eine deutliche Verschiebung hin zu den Onlineinterviews ergeben. Der Onlineanteil liegt inzwischen bei 44 Prozent nach 38 Prozent im Jahr 2010. Zur Verdeutlichung der erheblichen Veränderung erinnerte Herr Smid daran, dass Onlineinterviews 2003 lediglich einen Anteil von 3 Prozent an allen Interviews ausgemacht haben. Die dynamische Entwicklung ist ein Spiegelbild der immer weiter voranschreitenden Digitalisierung und geht zulasten der telefonisch geführten Interviews. Der Anteil der telefonischen Interviews liegt bei 28 Prozent, der der schriftlich durchgeführten bei 5 Prozent. Mit 23 Prozent weiterhin vergleichsweise stabil fällt die Zahl der persönlich geführten Interviews aus. Diese erfolgen meist im Rahmen von komplexen Projekten mit vielen zu erhebenden Daten oder bei Langzeitstudien.

Nach Aussage von Herrn Smid hat allein infas im abgelaufenen Jahr 50.000 derartige Interviews durchgeführt, die teilweise länger als 90 Minuten dauerten. Neben Befragungen wurden dabei teilweise auch Gesundheitsdaten erhoben bzw. Blutdruckmessungen und Blutentnahmen durchgeführt. Bei den Telefoninterviews lag die Dauer der abgearbeiteten Erhebungen bei rund 4 Millionen Minuten.

Als zweischneidig bewertete der Vorstand das immer größer werdende Ausmaß der Online-Befragungen, die im Regelfall über sog. Access-Panels erfolgen. Der große Nachteil dieses Instrumentes ist nach seiner Angabe die Qualität der dort gewonnenen Daten, die nicht die Qualität einer Zufallsstichprobe besitzen. Aus diesem Grund sind die daraus gewonnenen Erkenntnisse und Daten auch mit entsprechender Vorsicht zu genießen. Es ist nach Angabe des Vorstands auch in den Diskussionen mit möglichen Auftraggebern immer wieder erforderlich, auf diese Effekte hinzuweisen, da hier auch zunehmend die Tendenz zu automatisierter Auswertung von online gewonnenen Daten erkennbar wird, ohne dass sich ausreichend mit der Belastbarkeit und Validität der gewonnenen Daten befasst wird. Dennoch wird man sich mit dem fortschreitenden technologischen Wandel und dem Wandel der Datenerhebung proaktiv auseinandersetzen und sich diesem stellen.

Auf die Veränderungen im Markt und auch in Bezug auf die Erwartungen der Kunden hat infas daher verschiedene Antworten entwickelt, um sich auch in der Zukunft erfolgreich in den bereits bearbeiteten Marktsegmenten zu behaupten und wie geplant auch weitere Segmente erschließen zu können. Der Fokus im Bereich der Marktforschung liegt weiterhin auf einer hohen Qualität der erhobenen und verwendeten Daten, da nur diese ausreichend belastbare Grundlage für weitergehende Analysen sein können. Bei der Gewinnung von Daten wird man dabei sowohl auf die Messung als auch die gezielte Erhebung setzen, je nach Bereich können sich aus den jeweiligen Methoden besondere Vor-, aber auch Nachteile ergeben, die es im Blick zu behalten gilt.

Um im Bereich der Marktforschung dem Wunsch der Kunden nach sehr schnellen Ergebnissen entsprechen („Zeit und Data First“) zu können, wurde, wie bereits dargelegt, bei der infas Quo mit dem Aufbau eines Consumer Panels begonnen. Dieses soll künftig 10.000 Personen umfassen, zu denen mindestens 250 Merkmale bekannt sind, um auch hier eine verlässliche Datenbasis zu bekommen. Zudem können je nach Wunsch des Kunden auch spezielle Teilzielgruppen befragt werden. Da Kunden erfahrungsgemäß smarte und digitale Lösungen lieben, wird man diesem Wunsch entsprechen. Zudem wurde auch für die Befragungen eine zeitgemäße und moderne Befragungsmethode entwickelt. Dieser unter dem Begriff „mobile first“ stehende Ansatz ist optisch für ein Smartphone optimiert und so angelegt, dass er nicht länger als ein Chat zwischen Freunden dauert.

Ein weiterer wichtiger Bereich sind die automatisch anfallenden Beobachtungsdaten, die inzwischen dazu führen, dass die Unternehmen mit einem „Meer“ aus Daten konfrontiert werden und es immer wichtiger wird, wie man aus diesem „Data Lake“ die entsprechenden Erkenntnisse herausgefiltert bekommt, so Smid weiter. Die vorhandenen Daten mikrogeographisch anzureichern und regionalisiert vorherzusagen, bildet ein eigenes Geschäftsfeld. Hier sieht er die Tochter infas 360 sehr gut aufgestellt, um von den sich auf diesem Gebiet bietenden Chancen profitieren zu können. Weitere mögliche Datenquellen bei den Beobachtungsdaten sind natürlich auch die großen Techkonzerne wie etwa Google, Facebook und Co. Allerdings werden diese Daten derzeit noch nicht in einer brauchbaren Form zur Verfügung gestellt, sodass man hiermit derzeit nicht arbeitet.

Näher befasste sich Herr Smid auch mit der Verwendung von sog. Beobachtungsdaten, die auf Basis tatsächlichen Verhaltens gewonnen werden. Daher wird hier nach seiner Aussage vielfach die irrige Annahme vertreten, dass diese Daten den aus Befragungen vorzuziehen seien, da man tatsächliches Verhalten auswertet und keine möglicherweise „sozial erwünschten“ Aussagen aus Befragungen heranzieht. Es ist jedoch eine falsche Annahme, dass man allein mit Verhaltensdaten agieren kann, da sich diese immer auf die Vergangenheit beziehen, man Daten aus der Vergangenheit jedoch nicht linear in die Gegenwart und Zukunft fortschreiben kann. Daher ist es nach seiner Angabe wichtig, die Befragungsergebnisse mit den Beobachtungsdaten zusammenzuführen.

Aus den beschriebenen Veränderungen in der Branche, dem Marktumfeld und auch der Erwartungshaltung der Kunden wurden verschiedene Maßnahmen im infas-Konzern ergriffen. Hierzu zählen die Akquisition von Lutum+Tappert als Ergänzung für die infas 360 sowie die Erarbeitung einer Strategie mit dem CFO zur Verbesserung der Transparenz der Zahlen der Tochtergesellschaften, die nun auch auf monatlicher Basis in IFRS bereitgestellt werden. Weitere Schritte sind der geplante Einstieg in die Medienforschung ab dem Jahr 2020, für den bereits erste Anfragen vorliegen, die Identifizierung weiterer möglicher Targets für anorganisches Wachstum und der weitere gezielte Ausbau der verschiedenen Tochtergesellschaft, der bereits erläuterte Aufbau des Digital Panels bei der infas Quo, der Ausbau der Sozialforschung sowie die geplante Bindung von Mitarbeitern an das Unternehmen durch die Auflegung eines Mitarbeiteraktienprogramms möglichst noch im laufenden Jahr 2019.

Zur Lutum+Tappert gab Herr Smid noch einen kurzen Überblick zum bisherigen Zahlenwerk des Unternehmens. Bedingt durch den vereinbarten Erwerbsstichtag fließen die hinzugekauften Aktivitäten erst ab dem jetzt laufenden Geschäftsjahr 2019 in das Zahlenwerk von infas ein. So lagen die Umsatzerlöse 2018 bei 1,83 (1,74) Mio. Euro, das EBIT erreichte eine Größenordnung von 179 nach zuvor 147 TEUR. Auch für das jetzt laufende Geschäftsjahr 2019 erwartet Herr Smid dort einen positiven Ergebnisbeitrag.

Abschließend stellte sich noch der seit Februar 2019 amtierende neue Finanzvorstand Alexander Mauch dem Aktionariat vor. Herr Mauch sieht es als seine Aufgabe an, Herrn Smid bei der Umsetzung der vorgestellten Strategie zu unterstützen und diese mit voranzutreiben. In seinem bisherigen Berufsleben war Herr Mauch, der studierter Betriebswirt ist, nach einigen Jahren bei einer der großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften (Big Four) über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren in einer Reihe von CFO-Funktionen in den Bereichen Media und Marktforschung aktiv und verfügt über entsprechende Expertise in den Bereichen Finanzen und rund um das Thema Börsennotierung.


Allgemeine Aussprache


Als erster Redner im Rahmen der Generaldebatte meldete sich Rechtsanwalt Thomas Hechtfischer als Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) zu Wort und zeigte sich mit der Entwicklung des Unternehmens im Berichtszeitraum durchaus zufrieden. Nähere Erläuterungen erbat er jedoch in Bezug auf die Dividendenstrategie der infas Holding AG, wenngleich er die vorgeschlagene Ausschüttung von 0,08 Euro bei einem Ergebnis je Aktie von 0,25 Euro für durchaus angemessen hielt. Hierzu antwortete Herr Mauch, dass es erklärtes Ziel ist, die Anteilseigner in einer fairen Weise am Ergebnis teilhaben zu lassen. Insoweit warb er um Vertrauen dafür, dass dieser Kurs auch in der Zukunft so weiter fortgesetzt werden soll. Hinsichtlich der im Unternehmen verbleibenden Mittel wies er darauf hin, dass man auf diese eine Marge von 12 Prozent erwirtschaftet hat und auch in der Zukunft ähnliche Erträge für die thesaurierten Beträge anstrebt.

Des Weiteren interessierte sich Herr Hechtfischer für die Hintergründe der gestiegenen Beratungskosten. Hierbei handelte es sich laut Herrn Mauch um gestiegene Aufwendungen insbesondere auch im Zusammenhang mit der Suche nach einem neuen Finanzvorstand, die sich letztlich als etwas komplexer erwiesen hat, sowie um Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Rechungslegungsstandard IFRS, Rechtsanwälte, aber auch Themen wie die Aufwendungen für die Hauptversammlung und das Backoffice während der Hauptversammlung usw. Gewisse Kosten, wie die für die Suche nach einem Finanzvorstand, werden im laufenden Jahr nicht wieder anfallen.

Sowohl der DSW-Sprecher als auch weitere Redner interessierten sich für die abgeschriebene Forderung über 284 TEUR aus dem Verkauf von action press und für die Hintergründe der vorgenommenen Abschreibung. Hierzu erklärte Herr Mauch, dass es sich dabei um die noch ausstehende Restforderung aus dem vereinbarten Kaufpreis handelt. Man hat den Ansatz in der Bilanz mit dem Wirtschaftsprüfer intensiv diskutiert und sich aus Gründen der kaufmännischen Vorsicht dazu entschlossen, diesen komplett wertzuberichtigen. Die Forderung gegenüber dem Erwerber ist nach jetzigem Erkenntnisstand nicht beibringbar, allerdings besteht eine persönliche Haftung durch Herrn Michel, aus der sich in der Zukunft durchaus Zuflüsse realisieren lassen könnten. Im Fall von entsprechenden Zahlungseingängen wären hier entsprechende außerordentliche Erträge möglich.

Verschiedene Redner adressierten überdies die Umsetzung der Strategie 2021 mit der vom Vorstand im vergangenen Jahr ausgegebenen Umsatzgrößenordnung von 50 Mio. Euro und baten um Erläuterung, wie der aktuelle Stand der Umsetzung dieser Strategie aussieht. Laut Herrn Smid kommt man damit gut voran, er erinnerte jedoch mit Blick auf die zitierte Umsatzgrößenordnung daran, dass diese auch bereits Effekte aus weiteren Akquisitionen enthält und rein organisch nicht erreichbar ist. Aktuell befindet man sich in einigen Gesprächen mit potenziellen Targets, weitere Detailangaben wollte Herr Smid jedoch nicht machen. Auch in Bezug auf die von Aktionär Manfred Klein gestellte Frage, ob eventuell bereits 2020 mit einem Erreichen der Ziele gerechnet werden kann, wo jetzt doch zwei Vorstandsmitglieder an Bord sind und der Vorstand jetzt auch „doppelte Arbeitskraft“ besitzt, verwies er darauf, dass die Zielvorgabe für 2021 besteht. Ergänzend hierzu führte Herr Mauch aus, dass er sich an diese Zielsetzung gebunden fühlt und man alles tun werde, um diese auch zu erreichen.

Verschiedene Fragen befassten sich mit der Zusammensetzung des Kaufpreises für Lutum+Tappert. Gemäß den Ausführungen von Herrn Mauch beläuft sich der Gesamtkaufpreis auf 1,58 Mio. Euro. Auf diesen wurde bereits eine Zahlung von 700 TEUR geleistet, weitere 480 TEUR sind noch zu zahlen und stehen unter dem Vorbehalt gewisser zu erreichender Meilensteine. Zudem finden sich noch weitere 400 TEUR in den Verbindlichkeiten, sodass sich genau die genannte Summe ergibt.

Etwas verwundert zeigte sich der DSW-Sprecher über den deutlichen Anstieg der Personalkosten und die erhöhte Zahl der Mitarbeiter und bat den Vorstand um entsprechende Erläuterungen. Nach Angabe von Herrn Smid erweist es sich als zunehmend schwierig, bestimmte Bereiche oder Arbeitsfelder outzusourcen, sodass man diese nun im Hause abbilden muss und dafür entsprechende Mitarbeiter benötigt. Insgesamt gestaltet sich die Suche nach geeignetem Personal zunehmend schwierig, dies gilt insbesondere auch für die benötigten Mitarbeiter mit entsprechendem IT-Background. Um die Attraktivität von infas als Arbeitgeber zu steigern und auch die Bindung der Mitarbeiter an das Unternehmen zu verbessern und zu erhöhen, ist daher auch die Einführung eines Mitarbeiteraktienprogramms vorgesehen. Zugleich möchte man damit auch das unternehmerische Denken und Handeln bei den Mitarbeitern fördern und weiterentwickeln.

Aktionär Hellmerichs aus Bonn zeigte sich ebenfalls zufrieden mit dem vorgelegten Zahlenwerk und auch mit der Performance der Aktie, die vor drei Jahren noch unter 2,50 Euro notierte und inzwischen schon des Öfteren die 4-Euro-Marke überschritten hat. Diese Entwicklung zeigt nach seiner Einschätzung, dass es an der Börse auch auf Geduld und entsprechend ausreichend lange Anlagehorizonte ankommt. Auf seine Frage nach dem aktuellen Stand etwaiger Verfahren mit dem ehemaligen Vorstandsmitglied Moritz Hunzinger antwortete Aufsichtsratschef Dr. Krauß, dass es keine laufenden Auseinandersetzungen mehr gibt. Allerdings existiert in der Bilanz weiterhin die Pensionsrückstellung zugunsten von Herrn Hunzinger. Hier hatte man im Vorjahr den Versuch unternommen, diese durch eine entsprechende Abfindungsregelung aus dem Rechenwerk herauszubekommen, die Gespräche waren aber nicht von Erfolg gekrönt. Derzeit geht der Aufsichtsratsvorsitzende auch nicht davon aus, dass es hier zeitnah zu einem weiteren Anlauf kommen wird, da offenbar die Vorstellungen zu weit auseinandergelegen haben.

Aktionär Wilfried Bökenbrink aus Soest, der nach eigener Aussage seit zwölf Jahren die Hauptversammlungen der Gesellschaft besucht, interessierte sich mit Blick auf den seit 1. Februar 2019 amtierenden Finanzvorstand dafür, warum die Eintragung der Personalien erst per 29. Juni 2019 im zuständigen Handelsregister erfolgt ist. Hierzu antwortete der Vorstand, dass es dabei um formale Themen ging und die Eintragung ja inzwischen erfolgt ist.

Ferner interessierte er sich für den aktuellen Stand der Verfahren im Zusammenhang mit einer möglichen Sozialversicherungspflicht von Interviewern. Hier zeigte er sich besorgt, dass jüngste Urteile des BGH hier zulasten der von infas vertretenen Rechtsposition gehen könnten. Herr Smid wies in seiner Antwort darauf hin, dass es in dem beschriebenen Verfahren bislang noch keine weiteren Entwicklungen gegeben hat. Auch wenn er nicht davon ausgeht, dass die beschriebenen Urteile die Rechtsposition von infas belasten, bleibt der grundsätzliche Sachverhalt gleich. Seitens der Finanzbehörden wird eine Sozialversicherungspflicht klar verneint. Hinsichtlich der anhängigen Verfahren ergibt sich ein großes Problem auch daraus, dass seitens der Sozialversicherungsträger sog. pauschale Bescheide erlassen wurden, ohne die jeweiligen Einzelfälle zu prüfen. In den fraglichen Fällen trifft dies bei über 50 Prozent der geltend gemachten Fälle und Forderungen zu, so Herr Smid weiter. Seitens des Bundessozialgerichts wurde der Gegenseite allerdings vom zuständigen Senat deutlich zu verstehen gegeben, dass solche pauschalen Bescheide wohl nicht ausreichen und jeweils der individuelle Einzelfall zu beurteilen ist. Vor diesem Hintergrund geht der infas-Chef davon aus, dass dieses Thema letztlich vor Gericht geklärt werden muss, auch um hier künftig die nötige rechtliche Sicherheit zu haben. Die möglichen Risiken sind nach seiner Einschätzung in ausreichendem Maße in den Rückstellungen abgebildet.

Durchweg positiv zur Entwicklung des Unternehmens äußerte sich auch Aktionär Manfred Klein aus Saarbrücken, der unter anderem den drittgrößten Anteilseigner vertrat und dabei daran erinnerte, dass neben der guten Leistung von Vorstand und Mitarbeitern in der Vergangenheit auch die Mitarbeit der Aktionäre notwendig gewesen ist, um den heutigen Erfolg erst zu ermöglichen. Trotz des deutlich gestiegenen Aktienkurses und der erklärten weiteren Wachstumsstrategie interessierte sich Herr Klein dafür, ob denn möglicherweise auch bereits Dritte ein Auge auf infas geworfen haben, und wie man mit etwaigen Übernahmeinteressenten umgeht. Laut Herrn Smid hat es auch in dieser Richtung in der Vergangenheit unverbindliche und sporadische Gespräche gegeben, die aber unterhalb einer Ad-hoc-Melderelevanz lagen. Es gibt auch immer mal unverbindliche Gespräche zu solchen Themen. Nach der festen Überzeugung des Vorstands ist ein Verkauf des Unternehmens an einen Übernehmer aber keine wirklich sinnvolle Idee mit Blick auf das Potenzial, welches er für infas in der Zukunft sieht und das durch die eingeleiteten Maßnahmen gehoben werden soll.

Auf die im weiteren Debattenverlauf aufgeworfene Frage, wo denn der Vorstand den fairen Wert des infas-Kurses sieht, antwortete Herr Mauch, dass sich auf Basis der mittelfristigen Planung bei den bestehenden Tochter- und Beteiligungsgesellschaften, die im Rahmen der Impairmenttests erstellt werden, ein Firmenwert des Unternehmens ergäbe, der nach Vorstandseinschätzung im Bereich von 6 Euro läge.

Im weiteren Debattenverlauf meldeten sich auch noch die Aktionäre Ehresmann, Müller, Hamatschek und Nimsch zu Wort. Auf die von Herrn Ehresmann aufgeworfene Frage nach der Performance der infas-Aktie bezogen auf die vergangenen 15 Jahre antwortete der Finanzvorstand, dass diese sich in ähnlicher Größenordnung wie die 10-Jahresperformance bewegt, da der Aktienkurs in den Jahren davor vergleichsweise stabil um 1 Euro gependelt ist.

Aktionär Hamatschek begrüßte die Planungen der Verwaltung zur Auflegung eines Mitarbeiteraktienprogramms und schilderte hier seine eigenen Erfahrungen bei seinem früheren Arbeitgeber. Auf die Frage nach weiteren Details bat Herr Smid um Verständnis dafür, dass er diese noch nicht nennen kann, da man sich noch in einem frühen Stadium der Überlegungen zur konkreten Ausgestaltung befindet. Dennoch möchte man hier möglichst zeitnah agieren können und hat daher die entsprechende neue Ermächtigung zum Erwerb und zur Verwendung eigener Aktien auf die Tagesordnung genommen.

Aktionär Nimsch zeigte sich ebenfalls sehr zufrieden mit der Entwicklung des Unternehmens und stellte in Aussicht, die von ihm gehaltenen Aktien noch lange im Besitz zu behalten. Aus steuerlichen Erwägungen heraus sah er den Dividendenvorschlag eher kritisch und würde eine Thesaurierung der Erträge zum Substanzaufbau im Unternehmen mehr begrüßen. In Anbetracht der inzwischen erfreulichen Entwicklung des operativen Geschäfts brachte er mit Blick auf die Vergangenheit auch seinen Dank an die Effecten-Spiegel AG zum Ausdruck, welche das Unternehmen in den sehr schwierigen Zeiten gestützt hat. Zu der vom Redner aufgebrachten Spekulation, dass mit der Einstellung des Finanzvorstands perspektivisch auch ein Nachfolger für Herrn Smid auf der Vorstandsebene aufgebaut werden soll, gab es von der Verwaltung keine Bestätigung. Es wurde im Kontext der Frage von Herrn Ehresmann zum Thema Frauenquote jedoch darauf hingewiesen, dass man in den verschiedenen Tochtergesellschaften über eine gute zweite Führungsebene verfügt, dort sind die Geschäftsführungspositionen zum Teil auch paritätisch durch eine Dame und einen Herrn besetzt.


Abstimmungen

Nach Beendigung der allgemeinen Aussprache um 14:05 Uhr wurde die Präsenz mit 5.455.179 Aktien oder 60,61 Prozent des stimmberechtigten Grundkapitals festgestellt. Sämtliche Beschlussvorlagen der Verwaltung wurden mit sehr großer Mehrheit bei jeweils nur vereinzelten Gegenstimmen und/oder Enthaltungen verabschiedet.

Im Einzelnen beschlossen wurde die Ausschüttung einer Dividende von 0,08 Euro (TOP 2), die Entlastung von Vorstand (TOP 3) und Aufsichtsrat (TOP 4), die Wahl der Ebner Stolz GmbH & Co. KG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Bonn, zum Abschlussprüfer für das Geschäftsjahr 2019 (TOP 5) und die Aufhebung der bisher bestehenden Ermächtigung zum Erwerb und zur Verwendung eigener Aktien sowie die Schaffung einer entsprechenden neuen Ermächtigung des Vorstandes zum Erwerb eigener Aktien (TOP 6). Der Versammlungsleiter konnte die Hauptversammlung nach einer Dauer von etwas über drei Stunden gegen 14:20 Uhr schließen.


Fazit

Auch im abgelaufenen Geschäftsjahr 2018 ist es infas erneut gelungen, erfolgreich im Markt zu agieren und insbesondere das Ergebnis erneut zu steigern. Ausgehend vom Ergebnis je Aktie kletterte dies von 0,21 Euro auf inzwischen 0,25 Euro. Besonders bemerkenswert ist dieser neuerliche Ergebnisanstieg mit Blick auf das nur minimal über dem Vorjahr liegende Umsatzniveau. Die Dividende für die Anteilseigner erhöhte sich ebenfalls leicht auf nunmehr 0,08 (0,07) Euro. Auf Basis des aktuellen Aktienkurses von 3,94 Euro wird die infas-Aktie mit einem KGV für 2018 von knapp über 15,5 bewertet und bietet eine laufende Dividendenrendite von 2 Prozent. Nimmt man die Aussage zur Bewertung des Unternehmens auf Basis der mittelfristigen Planungen sowie die bekräftigte Zielsetzung, bis 2021 auch durch Akquisitionen ein Umsatzvolumen von 50 Mio. Euro zu erreichen, als Grundlage, ergibt sich mittelfristig noch weiteres Potenzial für die Aktie in Richtung von 5,00 Euro und gegebenenfalls auch noch darüber.


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Hinweis: Der Verfasser ist Aktionär der beschriebenen Gesellschaft.


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