Jungheinrich AG (ISIN DE0006219934)

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HV-Bericht Jungheinrich AG

MDAX Aufstieg zum 25-jährigen Börsenjubiläum


Zur diesjährigen Hauptversammlung hat die inzwischen im MDAX notierte Jungheinrich AG ihre Anteilseigner am 19. Mai 2015 erstmals in das STAGE THEATER NEUE FLORA in Hamburg eingeladen. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats Jürgen Peddinghaus begrüßte die rund 500 Aktionäre, Gäste und Vertreter der Presse, darunter Alexander Langhorst von GSC Research, und informierte das Auditorium unter anderem über die Verlängerung der Vorstandsverträge des Vorstandsvorsitzenden Hans-Georg Frey um weitere vier und des Finanzvorstandes Dr. Volker Hues um drei Jahre. Nach Erledigung der üblichen einleitenden Hinweise und Formalien erteilte er dem Vorstandsvorsitzenden das Wort.


Bericht des Vorstands


Nach Begrüßung der Teilnehmer bewertete Herr Frey das Geschäftsjahr 2014 als ein gutes Jahr für Jungheinrich und verwies auf neue Spitzenwerte bei Auftragseingang und Umsatz sowie neue Rekorde bei EBIT, EBT und Ergebnis nach Steuern. Auch bei der Zahl der gefertigten Fahrzeuge konnte mit 83.500 ein neuer Unternehmensrekord aufgestellt werden. Sehr erfreut zeigte sich der Unternehmenschef auch über die erfolgte Aufnahme der Jungheinrich Aktie in den MDAX, die am 04. Dezember 2014 erfolgt ist. Damit zählt man zu den 50 größten börsennotierten Unternehmen unterhalb des DAX und fühlt sich dort nach seiner Aussage dort auch gut aufgehoben.

Der Markt für Flurförderzeuge war auch in 2014 gemessen am Auftragseingang in Stück mit einem Plus von 8 Prozent erneut positiv. Aus Sicht von Jungheinrich ist insbesondere das überproportional gute Wachstum in Europa mit einem Plus von 9 Prozent positiv, entfallen doch etwa 90 Prozent des Konzernumsatzes auf diese Region. Trotz des Anstiegs sieht Herr Frey hier in den kommenden Jahren noch weiteres Erholungspotenzial da die Marktnachfrage noch immer gut 70.000 Fahrzeuge unterhalb des Wertes von 2007 liegt. Bedingt durch den Einbruch des russischen Marktes um 19 Prozent stagnierte die Nachfrage in Osteuropa. In Russland konnte Jungheinrich gegen den Trend zulegen, das Plus lag bei 9 Prozent, wie der Vorstandsvorsitzende zufrieden feststellte. Ebenfalls sehr gut hat sich die Nachfrage in Asien und Nordamerika entwickelt.

Auf Ebene des Jungheinrich-Konzerns stellt sich die Entwicklung wie folgt dar. So konnte der Auftragseingang über alle Geschäftsfelder um 8 Prozent auf 2,53 (Vorjahr: 2,35) Mrd. Euro zulegen und damit erstmals die 2,5 Mrd. Euro-Marke übertreffen. Besonders positiv entwickelte sich dabei das Neugeschäft mit einem Anstieg um 114 Mio. Euro, die Zahl der Fahrzeugbestellungen kletterte um 9 Prozent auf 85.600 Stück. Dieser gute Auftragseingang legte laut Frey die Basis für die um 15,2 Prozent auf 83.500 (72.500) Fahrzeuge ausgeweitete Produktionszahl. Die beiden neuen Werke in Degernpoint (Bayern) und Qingpu (China) haben 2014 das erste komplette Jahr im Vollbetrieb produziert.

Der Konzernumsatz kletterte um 9,1 Prozent auf 2,5 (2,3) Mrd. Euro. Betrachtet man die Entwicklung der einzelnen Regionen, fällt auf, dass die Bedeutung der außereuropäischen Märkte weiter wächst. In 2014 lag deren Anteil bei 9 Prozent, mittelfristig soll dieser Wert nach Vorstandsangabe auf 15 Prozent ausgeweitet werden. Das wichtige Neugeschäft steuerte mit 54 Prozent Umsatzanteil am Segment Intralogistik weiterhin den größten Teil zum Konzernumsatz bei.

Als besonders aussichtsreich und von strategischer Bedeutung sind nach Einschätzung von Herrn Frey die Sparten Logistiksysteme und Versandhandel. Das Logistiksystemgeschäft umfasst die Planung, Projektierung und Realisierung kompletter Läger und konnte um 18 Prozent auf 339 Mio. Euro Umsatz zulegen. Nochmals erweitert wurde die Angebotspalette im Versandhandel. Dort erhöhte sich der Umsatz um 19 Prozent auf 50 Mio. Euro und konnte damit das Volumen in den letzten vier Jahren jeweils zweistellig steigern.

Ebenfalls erfreulich entwickelte sich das Finanzdienstleistungsgeschäft, das die Umsatzerlöse um 32 Mio. Euro auf 547 Mio. Euro ausweiten konnte. Das Zugangsvolumen bei Neuverträgen lag mit 464 Mio. Euro um 49 Mio. Euro über dem Vorjahreswert. Den Gesamtvertragsbestand bezifferte der Unternehmenschef auf über 1,8 Mrd. Euro, inzwischen wird mehr als jedes dritte Neufahrzeug von Jungheinrich im Rahmen des Finanzdienstleistungsgeschäfts abgesetzt.

Auf der Ergebnisseite konnte das EBIT um 12,2 Prozent auf 193 (172) TEUR zulegen, darin ist jedoch auch ein positiver Sondereffekt aus der Anpassung des niederländischen Pensionsplanes (6,7 Mio. Euro) enthalten. Die EBIT-Rendite verbesserte sich auf 7,7 (7,5) Prozent. Das Ergebnis nach Steuern stieg auf 126 (107) Mio. Euro, dies entspricht einem Ergebnis je Vorzugsaktie von 3,73 (3,18) Euro. Die Anteilseigner sollen in Form einer Dividende von 0,98 Euro je Stamm- und 1,04 Euro je Vorzugsaktie am Unternehmenserfolg beteiligt werden. Damit erhöht sich die Dividende der Vorzugsaktie um 0,16 Euro oder 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Ausschüttungsquote legt leicht auf 27 (26) Prozent je Aktie zu.

Weiterhin eine hohe Bedeutung kommt den Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten zu. Das Budget für die F&E-Ausgaben wurde in 2014 erneut ausgeweitet und betrug 50 Mio. Euro. Die Schwerpunkte liegen in den Zukunftsthemen Energieeffizienz von Antriebssystemen und Automatisierung von Flurförderzeugen. Dass man insgesamt auf dem richtigen Weg ist, zeigt die unlängst zum zweiten Mal in Folge erhaltene Auszeichnung mit dem "International Forklift of the Year Truck Award" für den Elektrostapler EFG S30s.

Die Investitionen lagen im abgeschlossenen Geschäftsjahr mit 84 Mio. Euro weiterhin auf hohem Niveau. Wichtige Projekte waren dabei die Modernisierung der Fertigung für Gegengewichtsstapler im Stammwerk in Moosburg mit einer Verdopplung der dortigen Produktionskapazität auf 30.000 Fahrzeuge sowie der Neubau der Hauptverwaltung.

Bilanziell steht Jungheinrich weiterhin ausgesprochen solide da. Die Eigenkapitalposition erhöhte sich auf 900 (831) Mio. Euro, dies entspricht einer Eigenkapitalquote von 46 Prozent unter Ausklammerung des Segments Finanzdienstleistungen und liegt damit auf hohem Niveau. Die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter liegt zum Bilanzstichtag bei 12.549 nach zuvor 11.840.

Ebenfalls erfolgreich ist auch das Börsenjahr für das Unternehmen verlaufen. So konnte die Aktie trotz der vielfältigen Belastungen an den Finanzmärkten um 12 Prozent zulegen und damit den DAX in 2014 klar übertreffen. Die positive Entwicklung hat sich auch im Jahr 2015 weiter fortgesetzt. Ein wichtiger Meilenstein in der bald 25-jährigen Börsengeschichte der Jungheinrich AG war im Dezember 2014 die Aufnahme in den MDAX. Nicht nur in den vergangenen Monaten, auch in den letzten 25 Jahren seit dem IPO hat sich laut Herrn Frey ein Investment in die Jungheinrich Aktie gelohnt. Ausgehend vom damaligen Ausgabepreis von umgerechnet 17,38 Euro hat sich die Aktie bis heute fast vervierfacht, zudem haben die Aktionäre in jedem Jahr auch eine Dividendenzahlung erhalten.

Wichtiger Treiber der künftigen Entwicklung des Jungheinrich-Konzerns soll nach Vorstandsangabe die Umsetzung der Wachstumsstrategie im Hinblick auf das Jahr 2020 werden. Die fünf wesentlichen Elemente sind dabei der weitere Ausbau des Kerngeschäfts in Europa, die Verstärkung der Präsenz in den Wachstumsmärkten in Asien mit Schwerpunkt in China, der starke Ausbau des Logistiksystemgeschäfts, die deutliche Steigerung des Marktanteils bei den verbrennungsmotorischen Gegengewichtsstaplern und das massive Wachstum im Versandhandel.

Ziel ist es, mit der Umsetzung dieser Maßnahmen bereits im Jahr 2017 die 3 Mrd. Euro-Umsatzschwelle zu überschreiten. Die ersten Erfolge bei der Umsetzung der Strategie stellen sich bereits ein, zusätzlichen Schub sollen auch die für das laufende Jahr geplanten über 20 neuen Produkte liefern.

Zuversichtlich zeigte sich der Vorstandsvorsitzende auch mit Blick auf das laufende Geschäftsjahr. So konnte der Umsatz in den ersten vier Monaten um 9 Prozent auf 846 (774) Mio. Euro zulegen, die Produktionszahl stieg auf 30.600 nach zuvor 28.400 Fahrzeugen. Der Auftragseingang bezogen auf Stückzahlen verbesserte sich um 14 Prozent auf 32.300 (28.400) Fahrzeuge, wertmäßig legte er auf 897 (812) Mio. Euro zu. Herr Frey zeigte sich überzeugt davon, auch das erste Halbjahr positiv abschließen zu können und auf Gesamtjahressicht die Zielsetzungen auch beim Marktanteil zu erreichen.

Konkret wird ein Umsatz zwischen 2,6 und 2,7 Mrd. Euro bei einem EBIT zwischen 190 und 200 Mio. Euro angestrebt. Dies entspricht einem Vorsteuerergebnis zwischen 170 bis 180 Mio. Euro. Kontinuität stellte er auch bei der Dividendenpolitik und einer Ausschüttungsquote zwischen 25 bis 30 Prozent des Ergebnisses nach Steuern in Aussicht.


Allgemeine Aussprache


Als erste Redner meldete sich Rechtsanwalt Dr. Steffen Kraus von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) zu Wort und zeigte sich mit dem vorgelegten Zahlenwerk und der Geschäftsentwicklung in 2014 sehr zufrieden. Dieses ist nach seiner Einschätzung vor allem das Ergebnis der richtigen Strategie des Unternehmens. Mit den getätigten Investitionen und den weiteren Wachstumsbestrebungen ist Jungheinrich nach Einschätzung des Aktionärsschützers auch sehr gut für die Zukunft aufgestellt. Steigerungspotenzial sah Dr. Kraus durchaus noch in Bezug auf die Ausschüttungsquote und eine mögliche Abschaffung der stimmrechtslosen Vorzugsaktien.

Jungheinrich-Chef Frey bedankte sich beim Redner stellvertretend für die gesamte Belegschaft für das ausgesprochene Lob der Anteilseigner. In Bezug auf eine mögliche Umwandlung von Stamm- in Vorzugsaktien sind dem Vorstand nach eigener Angabe keine diesbezüglichen Planungen der Stammaktionäre bekannt. Herr Frey erinnerte allerdings daran, dass sich die bestehende Struktur insbesondere in der Krise in 2009 als Segen erwiesen hat, da man andernfalls seinerzeit bei Kursen von um die 7 Euro je Jungheinrich-Aktie wohl ein Übernahmeziel gewesen wäre.

Bezogen auf die Ausschüttungsquote merkte Herr Frey an, dass man stets großen Wert darauf legt, finanziell unabhängig zu bleiben und es durchaus ein positiver Faktor ist, wenn man das geplante Wachstum weitgehend aus eigenen Mitteln finanzieren kann.

Positiv wertete der DSW-Sprecher auch die Aufnahme der Jungheinrich-Aktie in den MDAX und interessierte sich dafür, ob dies zu einem Anstieg des Handelsvolumens geführt hat und inwieweit hierdurch auch die Attraktivität für institutionelle Investoren zugenommen hat. Verglichen mit dem durchschnittlichen Handelsvolumen der Aktie im Jahre 2013 konnte in der Tat ein riesiger Sprung nach vorne gemacht werden. So hat sich die Zahl der durchschnittlich gehandelten Anteilsscheine von seinerzeit rund 39.000 Stück am Tag auf über 50.000 erhöht. Im Monat März 2015 lag das durchschnittliche tägliche Handelsvolumen sogar bei 77.000 Stück. Inwieweit die MDAX Aufnahme auch das schon zuvor hohe Interesse institutioneller Investoren belebt,  kann man aktuell noch nicht einschätzen und wird man im weiteren Jahresverlauf beobachten. Mit einem Anteil von gut 70 Prozent halten diese schon heute einen großen Teil der Vorzugsaktien, so der Vorstand weiter.

Eine genauere Aufschlüsselung erbat der Aktionärsschützer in Bezug auf die im Jahr 2014 getätigten Investitionen von rund 84 Mio. Euro. Nach Auskunft von Herrn Frey waren die Schwerpunkte der Investitionen der Neubau der Hauptverwaltung in Hamburg (10,6 Mio. Euro), der Bau des Schulungszentrums in Noderstedt (5,8 Mio. Euro), der Modernisierung des Werks in Moosburg (8,0 Mio. Euro) sowie die Erweiterung des Gebrauchgeräte-Zentrums Dresden (4,5 Mio. Euro) sowie der Immobilienerwerb in Singapur (8,6 Mio. Euro). Auf die genannten Positionen entfiel in 2014 eine Gesamtsumme von gut 36 Mio. Euro. Die Großprojekte werden sich auch noch in den 2015er Investitionen in einer Größenordnung von 30 bis 35 Mio. Euro wiederfinden. Dabei handelt es sich nach Auskunft des Jungheinrich-Chefs insbesondere um den Neubau der Hauptverwaltung (15 Mio. Euro) sowie die Modernisierung im Werk in Moosburg. Für Letzteres rechnet er mit einem Aufwand zwischen 8 und 10 Mio. Euro.

Anschließend stellte der Aktionärsschützer die Frage nach dem Zweck der Dienstleistungsgesellschaft in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Diesbezüglich erklärte Herr Frey, dass es Ziel der Gesellschaft sei, die Geschichte in der Region, in denen überwiegend Händler tätig sind, zu fördern. Die Gesellschaft sei allerdings sehr klein.

Nähere Erläuterungen erbat der Aktionärsschützer auch in Bezug auf die Ausweitung der Aktivitäten in Malaysia. Hierzu erläuterte Herr Frey, dass man bereits in der Vergangenheit in Malaysia mit einer Niederlassung der Vertriebsgesellschaft mit Sitz in Singapur tätig gewesen ist. 2014 wurde diese Niederlassung in eine eigenständige Vertriebsgesellschaft überführt. Außerdem ist es im laufenden Jahr gelungen, in Malaysia einen Händler komplett zu übernehmen, mit dem man bereits in der Vergangenheit zusammengearbeitet hat. Durch diesen Schritt ist Jungheinrich in Malaysia mit rund 70 Mitarbeitern jetzt flächendeckend im Markt vertreten.

Auf die Frage nach den Veränderungen bei den US-Gesellschaften berichtete der Vorstandsvorsitzende, dass man die dortige Gesellschaft mit der ruhenden Jungheinrich Lifttruck gemerged hat, um die in der Lifttruck bestehenden steuerlichen Verlustvorträge nutzen zu können.

Ferner interessierte sich Dr. Kraus für die näheren Details des 2014 erworbenen SAP-Softwaretools und die damit verbundenen Aufwendungen. Hierbei handelt es sich nach Auskunft des Finanzvorstandes um ein Standardsoftwaretool zur Verwaltung der Datenbank der über das Segment Finanzdienstleistungen finanzierten Fahrzeuge. In dieser Datenbank werden rund 100.000 Fahrzeuge verwaltet und das bisher hierfür verwendete System ist mit einer Nutzungsdauer von zwölf Jahren inzwischen auch in die Jahre gekommen. Das Investitionsvolumen für das Gesamtprojekt bezifferte Dr. Hues mit rund 3 Mio. Euro.

Positiv bewertete der DSW-Sprecher die erfolgreiche Umschuldung des vorherigen auf ein neues Schuldscheindarlehen im Volumen von 100 Mio. Euro. Die erfragten Konditionen benannte Dr. Hues mit einer Verzinsung von 5,4 Prozent für das abgelöste Papier, die Konditionen für die beiden neu begebenen Tranchen sind nach seiner Aussage deutlich günstiger. So beträgt der Zinssatz der Fünfjahrestranche knapp über 1 Prozent und der für den Siebenjahreszeitraum knapp unter 1,5 Prozent. Ursprünglich wollte man lediglich 75 Mio. Euro platzieren, aufgrund der hohen Nachfrage wurde das Volumen dann jedoch auf 100 Mio. Euro aufgestockt. Die Nachfrage von Investorenseite war nach Vorstandsangabe so hoch, dass man auch problemlos ein Volumen von 300 Mio. Euro hätte am Markt unterbringen können.

Der einzige Rückgang bei den ansonsten allesamt verbesserten Finanzkennzahlen war dem Aktionärsschützer beim ROCE mit einem Wert von 18,4 Prozent nach zuvor 18,9 Prozent aufgefallen. Als Grund hierfür verwies der Finanzvorstand auf die durch entsprechende Thesaurierung des nicht ausgeschütteten Jahresergebnisses gestiegene Eigenkapitalposition in der Bilanz. Diese beläuft sich inzwischen in Summe auf über 900 Mio. Euro und führt entsprechend zu einem etwas schwächeren ROCE, der nach seiner Einschätzung allerdings noch immer einen Spitzenwert darstellt.

Etwas verwundert zeigte sich Dr. Kraus darüber, dass die Vorstandsverträge für den Vorstandsvorsitzenden um vier Jahre und für den Finanzvorstand um drei Jahre verlängert worden sind. In seiner Antwort verwies Aufsichtsratschef Peddinghaus darauf, dass man sich vor einigen Jahren auf diese Struktur in Absprache mit den Stammaktionären geeinigt hat. So beträgt die Dauer der Verträge für den Vorstandsvorsitzenden immer vier Jahre und für alle übrigen Vorstandsmitglieder drei Jahre. Ausgangspunkt waren Fluktuationen in der Vergangenheit, bei denen sich länger laufende Verträge als nicht sinnvoll im Sinne des Unternehmens erwiesen hätten.

Nähere Erklärungen erbat der Aktionärsschützer auch in Bezug auf die Sparte Versandhandel und wollte wissen, welche Strategie Jungheinrich hiermit verfolgt. Laut Angabe von Dr. Hues, der für diesen Bereich verantwortlich ist, liegt der Fokus von Jungheinrich klar im Direktvertrieb. Es gibt jedoch Kundengruppen, vor allem kleinere Kunden, bei denen ein solcher Direktvertrieb viel zu teuer wäre, weshalb man schon seit vielen Jahren einen über 1.000-seitigen Katalog herausgibt, um diese Zielgruppen zu erreichen. An diese Kundensegmente richtet sich auch der Profi-Webshop, der zunächst die Länder Deutschland, Österreich und Niederlande abdeckt. Im nächsten Schritt soll dieser auf die Schweiz und gegebenenfalls Frankreich ausgeweitet werden. Auch wenn es sich bei der Kunden-Zielgruppe um überwiegend kleine und kleinste Nachfrager handelt, ist das Geschäft als solches aus seiner Sicht sehr attraktiv.

Gewisse Sorgen machte sich der DSW-Vertreter mit Blick auf die zuletzt wenig positiven Nachrichten zur wirtschaftlichen Entwicklung in Russland, aber auch aus China mehren sich die Zeichen, die für eine Abkühlung der dortigen Konjunktur sprechen. Angesprochen auf die möglichen Risiken aus den beiden Märkten für das Unternehmen führte der Jungheinrich-Chef aus, dass China mittlerweile der weltgrößte Markt für Flurförderfahrzeuge ist und sich dort das jährliche Volumen auf rund 250.000 Einheiten beläuft, was einem Weltmarktanteil von gut 25 Prozent entspricht. Vor acht Jahren lag dieser Anteil nur bei 12 Prozent. Diese Zahlen belegen laut Herrn Frey klar die Bedeutung des Marktes, der auch für Jungheinrich sehr bedeutsam ist. Vor diesem Hintergrund wurde dort auch ein Werk errichtet, in dem 2015 rund 4.500 Fahrzeuge hergestellt werden sollen, die Kapazität lässt sich aber auf 10.000 bis 12.000 Fahrzeuge p.a. ausweiten.

Aktuell belastet in China vor allem die Aufwertung des Renminbi gegenüber anderen lokalen Währungen in einer Größenordnung von 18 Prozent, so dass der ebenfalls von China aus angedachter Export in angrenzende Länder derzeit kein Thema ist. Andererseits ermöglicht der starke Renminbi aber auch gute Verkäufe von in Europa gefertigten Fahrzeugen. Angesichts der Marktgröße sieht Herr Frey auch mittelfristig kein Risiko, dass die bestehenden Kapazitäten nicht ausgelastet werden könnten. Im Vertrieb beschäftigt Jungheinrich dort rund 450 Mitarbeiter, im Werk sind es rund 250 Mitarbeiter. Die Umsätze in China kletterten in 2014 um 30 Prozent auf rund 68 Mio. Euro.

Auch der russische Markt ebenso wie Osteuropa bleibt nach Vorstandsaussage wichtig. Trotz der deutlich verschlechterten Bedingungen in Russland konnte man in 2014 den Vorjahresumsatz von knapp 100 Mio. Euro halten und den bestehenden Marktanteil deutlich ausbauen. In 2015 ist jedoch mit Rückgängen zu rechnen. Dennoch schlägt sich Jungheinrich weiter besser als der Markt, während der russische Markt im laufenden Jahr einen Rückgang von 45 Prozent verzeichnete, betrug der Rückgang gegenüber dem Vorjahr bei Jungheinrich 31 Prozent. Für das Geschäftsjahr 2015 dürfte sich der Umsatz von Jungheinrich in Russland auf 70 bis 80 Mio. Euro belaufen.

Befragt nach aktuell anhängigen relevanten Rechtsthemen informierte der Finanzvorstand, dass es einen steuerrechtlichen Streit über eine Verrechnungspreiskorrektur mit einem europäischen Staat gibt. Es geht dabei um einen Betrag knapp oberhalb der zweistelligen Millionen Euro-Grenze, für den keine Rückstellung gebildet wurde. Es sei gelungen das Verfahren in ein EU-Verständigungsverfahren zu überführen, das heißt: sollte ein Staat einen höheren Steueranspruch haben, muss dieser durch den anderen Staat ausgeglichen werden.

Angesprochen auf die Frauenquote im Aufsichtsrat und in den Führungspositionen erläuterte der Vorstandschef, dass der Anteil der weiblichen Belegschaft im Unternehmen 19,2 Prozent beträgt und damit über dem Durchschnitt der Unternehmen im VDMA mit 16,1 Prozent liegt. Unter dem Begriff Diversity ist aber auch zu berücksichtigen, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ausländischer Herkunft ebenfalls Führungspositionen bekleiden. Hier ist Jungheinrich nach Vorstandsangabe in den letzten Jahren ebenfalls vorangekommen. So wird eine Reihe ausländischer Tochtergesellschaften von Führungskräften lokaler Herkunft geleitet. Mit Blick auf die Besetzung von Führungspositionen mit Frauen appellierte Herr Frey an geeignete Kandidatinnen sich zu bewerben, denn der Anteil von Frauen unter den Bewerbern liegt derzeit bei mageren 10 Prozent.

Ebenfalls sehr zufrieden mit dem vorliegenden Ergebnis und dem Zustand des Unternehmens zeigte sich Markus Neumann, Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Auch die weiteren Aussichten und das vom Vorstand angestrebte Wachstum gefielen dem Aktionärsschützer. Auf die Frage, ob die Bedeutung des sehr margenattraktiven Servicegeschäfts in Zukunft noch weiter zunehmen soll, antwortete der Jungheinrich-Chef, dass er davon ausgeht dass die Quote auch künftig bei um die 30 Prozent liegen wird. Als Hauptgrund hierfür nannte er das erwartete dynamische Wachstum des Unternehmens in den kommenden Jahren. Im Krisenjahr 2009 lag der Anteil vor dem Hintergrund der sehr schwachen Nachfrage mit knapp 35 Prozent deutlich höher, hat aber natürlich zu einer Stabilisierung des Gesamtgeschäfts beigetragen.

Des Weiteren interessierte sich der SdK-Vertreter für die angestrebten EBIT-Margen in den Jahren 2017 und 2020. Herr Frey erklärte hierzu, dass man im Berichtsjahr in Richtung der 8 Prozent gelaufen ist und hier mit Blick auf 2017 und 2020 noch zulegen möchte. Angesichts des angefragten langen Zeitraums der Prognosen bat er jedoch um Verständnis, dass es seriöser Weise hier nicht möglich ist Versprechungen zu machen. Entscheidender als die EBIT-Marge ist nach Meinung des Jungheinrich-Chefs aber der Net Profit, da man sich vom EBIT weder etwas kaufen noch eine Dividende auszahlen kann.

Angesprochen auf die EBIT-Marge von Jungheinrich im Vergleich zu Wettbewerbern wie KION oder Toyota nannte Herr Frey für KION eine EBIT Marge von 9,5 Prozent ausweislich der dortigen Berichterstattung. Hier müsse man aber auf die "Sternchen" hinter der Zahl achten, da gewisse Bereinigungen vorgenommen wurden, während man die fast 8 Prozent bei Jungheinrich sehr konservativ rechnet, getreu dem Motto "what you see is what you get" (deutsch: Du bekommst was du siehst). Die Marge bei Toyota ist etwa auf dem Level von Jungheinrich. Beim Vergleich mit den beiden genannten Unternehmen muss nach Vorstandsangabe zudem beachtet werden, dass KION ungefähr doppelt und TOYOTA mehr als zweieinhalbmal so groß ist wie Jungheinrich.

Ferner interessierte sich Herr Neumann auch für die weitere Strategie im Finanzdienstleistungsgeschäft. Diese sind nach Angabe des Finanzvorstands aus strategischen Gesichtspunkten sehr bedeutsam und wichtig für Jungheinrich, da sie eine sehr gute Absatzunterstützung ermöglichen. Die Finanzierung erfolgt dabei in den wichtigsten Märkten jeweils direkt über Jungheinrich-Finanzierungsgesellschaften. Man selbst refinanziert sich fristenkongruent, so dass hier keine nennenswerten Risiken bestehen. Neben den positiven Effekten auf der Absatzseite - in einzelnen Märkten liegt der Anteil der verkauften Neufahrzeuge über Finanzdienstleistungen bei über 60 Prozent - wird auch ein Service- und Wartungsvertrag für die üblichen Finanzierungslaufzeiten von drei bis fünf Jahren gewährt und stellt damit eine sichere Basis für das Service- und Ersatzteilgeschäft dar.

Weitere Fragen des SdK-Sprechers beschäftigten sich mit dem Logistiksystemgeschäft, den weiteren Aussichten auf diesem Gebiet und der Frage ob Jungheinrich hierfür auch eigene Softwarelösungen bietet. Der Vorstandsvorsitzende berichtete darüber, dass man vor 2009 an einem Softwareunternehmen in Österreich beteiligt war, dass sich mit diesem Themenbereich befasst. Vor zwei Jahren hat man dieses komplett übernommen und ist zwischenzeitlich mit rund 100 Mitarbeitern, die gut 12 Mio. Euro Umsatz damit erzielen, sehr gut aufgestellt. Entscheidend ist aber weniger der dort realisierte Umsatz und Ertrag, sondern vielmehr der strategische Ansatz, dass, wenn sich der Kunde einmal für das System entschieden hat, es nur mit sehr großem Aufwand möglich ist, auf ein anderes zu wechseln, wodurch man eine sehr gute Stellung beim Kunden erreicht und sich die Chance auf sehr langfristige Zusammenarbeit ergibt. Herr Frey verglich den Effekt mit dem Einsatz der Standardsoftware von SAP, die auch bei Jungheinrich eingesetzt wird und bei der ein Wechsel auf ein System von einem anderen Anbieter nur mit erheblichem Aufwand möglich wäre. Die in 2014 erzielten Umsätze im Logistiksystemgeschäft entfielen im Wesentlichen auf Europa.

Befragt nach den wichtigsten Branchen, die auf der Kundenseite beliefert werden, nannte der Jungheinrich-Chef einen Anteil von 47 Prozent im Bereich des Einzel- und Großhandels, wobei dort vor allem der Lebensmittel-Einzelhandel mit den großen Handelsunternehmen und Discountern eine wichtige Rolle spielt. Auf den Bereich Logistik entfallen 12 Prozent, auf die Bereiche Maschinenbau, Industrie usw. 11 Prozent und auf die Nahrungsmittelbranche weitere 8 Prozent. Die verbleibenden 20 Prozent sind breit gestreut und werden daher als „Sonstiges“ ausgewiesen. Positiv hob der Vorstandsvorsitzende hervor, dass man viel Geschäft mit mittleren und großen Kunden macht, die sich auch in schwierigen Zeiten als recht verlässliche Partner erweisen. Im Gegensatz zu kleinen Kunden, bei denen es meist um eine "ja oder nein"-Entscheidung geht, wird bei den großen Nachfragern zwar das Volumen in schlechten Zeiten gekürzt, es kommt aber selten dazu, dass gar keine Orders hereinkommen.

Abschließend meldete sich noch Aktionär Lauritzen zu Wort und regte mit Blick auf das für seinen Geschmack doch sehr margenschwache Leasinggeschäft einen Börsengang analog zur Sixt Leasing AG an. Ein solcher Schritt steht nach Aussage von Dr. Hues definitiv nicht zur Debatte, da der Finanzdienstleistungsbereich wie ausgeführt integraler Bestandteil des Geschäftsmodells von Jungheinrich ist und die Stellung der Finanzierungsaktivitäten nicht mit denen im Sixt Konzern vergleichbar sind.


Abstimmungen

Nach Beendigung der allgemeinen Aussprache um 12:00 Uhr stellte der Aufsichtsratsvorsitzende Peddinghaus die Präsenz mit 18.000.000 Stammaktien - dies entspricht 100 Prozent der stimmberechtigten Stammaktien - und 1.232.708 Vorzugsaktien fest, was einer Präsenz von 7,7 Prozent in dieser Aktiengattung entspricht. Sämtliche Beschlussfassungen wurden einstimmig von den Familienaktionären verabschiedet.

Im Einzelnen beschlossen wurde die Ausschüttung einer Dividende von 0,98 Euro je Stamm- und 1,04 Euro je Vorzugsaktie (TOP 2), die Entlastung von Vorstand (TOP 3) und Aufsichtsrat (TOP 4) sowie die Wahl der Deloitte & Touche GmbH, Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Hamburg zum Abschlussprüfer für das Geschäftsjahr 2015 (TOP 5).


Fazit

Das Geschäftsjahr 2014 bescherte der Jungheinrich AG neue Spitzenwerte bei Umsatz, Auftragseingang und auf der Ergebnisseite. Nach den starken Investitionen der Vorjahre werden nunmehr die ersten Früchte daraus geerntet, wie der Anstieg des Konzernergebnisses auf 126 (107) Mio. Euro zeigt. Dies entspricht einem Ergebnis je Vorzugsaktie von 3,73 (3,18) Euro. Zur Freude der Anteilseigner klettert auch die Dividende entsprechend und liegt mit 1,04 Euro um 21 Prozent über dem Vorjahreswert.

Bei Realisierung der Erwartungen für das jetzt laufende Geschäftsjahr 2015 erscheint ein weiterer Anstieg des Ergebnisses je Aktie in Richtung der 4-Euro-Marke bei ebenfalls noch leicht steigender Dividendenzahlung möglich. Mittelfristig dürfte bei erfolgreicher Umsetzung der Strategie 2020 noch weiteres Potenzial bei Ergebnis und Dividende bestehen, so dass die inzwischen in den MDAX aufgenommene Jungheinrich-Aktie insbesondere für längerfristig orientierte Anleger weiterhin eine interessante Depotbeimischung darstellt. Hier möchte man anknüpfend an das Motto von Unternehmensgründer Dr. Friedrich Jungheinrich sowohl den Mitarbeitern wie auch den Aktionären in Bezug auf ihre Dispositionsentscheidungen "Mach' man!" zurufen.


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