mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG (ISIN DE0006656101)

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HV-Bericht mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG

Extrem volatile Börsenentwicklung lässt Gewinn regelrecht explodieren


Die mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG hatte für den 15. Juli 2020 zur Hauptversammlung mit Vorlage des Jahresabschlusses 2019 eingeladen. Die Veranstaltung fand in diesem Jahr gemäß dem Gesetz zur Abmilderung der Folgen der Covid-19-Pandemie rein virtuell statt, um etwaigen Gesundheitsgefahren vorzubeugen. Die Aktionäre konnten von ihren heimischen Rechnern teilnehmen und ihre Stimmen online abgeben. Für GSC Research war Matthias Wahler zugeschaltet.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Dipl.-Kfm. Michael Wilhelm eröffnete die Versammlung pünktlich um 10:30 Uhr und teilte mit, dass die Zahl der Anwesenden vor Ort auf ein Minimum begrenzt wurde. Neben ihm selbst hatten sich die Vorstandsmitglieder Thomas Posovatz, Carsten Bokelmann und Kai Jordan, Notar Prof. Dr. Wicke sowie die Stimmrechtsvertreterin eingefunden. Die übrigen Aufsichtsratsmitglieder und Vorstandsmitglied Christian Kalischer waren über das Internet zugeschaltet, konnten aber bei Bedarf kommunizieren.

Nachfolgend bat Herr Wilhelm die beiden neuen Vorstandsmitglieder um eine kurze persönliche Vorstellung. Herr Bokelmann gehört dem mwb-Vorstand seit 1. Juni 2020 an. Der 51-Jährige ist seit über 20 Jahren in der Finanzdienstleistungsbranche tätig und war zuletzt als Vorstand der Steubing AG aktiv gewesen.

Herr Jordan verantwortet bei mwb fairtrade bereits seit 2016 den Aufbau des Kapitalmarktgeschäfts. Seit 1. April 2020 gehört er nun ebenfalls dem Vorstand an, um die weitere Entwicklung in dieser Position zu unterstützen. Dies ist, wie Herr Posovatz später ausführte, Teil einer personellen Neuausrichtung der Gesellschaft, auf die der Vorstandssprecher zum Ende seiner Ausführungen näher einging.

Auch Herr Jordan war zuvor bei der Steubing AG tätig gewesen und hatte dort jahrelang mit Herrn Bokelmann zusammengearbeitet. Er ist froh, den richtigen Hafen für seine berufliche Zukunft gefunden zu haben. Die mwb fairtrade AG hat nach seiner Überzeugung betreffend strategische Entwicklung und Aufstellung im Markt bereits einen Weg hinter sich, den andere Unternehmen der Branche noch vor sich haben.

Nach diesen Ausführungen der beiden neuen Vorstandsmitglieder erläuterte Herr Wilhelm die Formalien und sprach einige ergänzende Worte zum Aufsichtsratsbericht. Danach übergab er das Wort an den langjährigen Vorstandssprecher Thomas Posovatz.


Bericht des Vorstands

Gerade mit Blick auf die erstmals rein virtuelle Zusammenkunft begann Herr Posovatz seine Ausführungen mit einem Dank an die Mitarbeiter. Sie sind es, die die Werte für das Unternehmen schaffen, auch wenn sich in der Branche Vieles nur noch am Bildschirm abspielt. Diese 58 Menschen haben dazu beigetragen, dass das Ergebnis nach dem schon ordentlichen Abschluss in der Vorperiode im Geschäftsjahr 2019 nochmals um ein ganzes Stück verbessert werden konnte.

Die Position als einer der fünf größten Skontroführer in Deutschland wurde weiter gefestigt. Und diese Position wird der mwb fairtrade nach Überzeugung des Vorstandssprechers so schnell auch niemand mehr streitig machen. Daneben hob Herr Posovatz hervor, dass an der Tradegate Exchange in Berlin, an der mwb fairtrade Spezialist für den Handel mit Rentenpapieren und Investmentfonds ist, der Umsatz trotz des sehr schwierigen Umfelds im Bereich Zinspapiere leicht gesteigert werden konnte.

Positives konnte der Vorstand auch vom zweiten Geschäftsfeld Corporates & Markets berichten. Der Beitrag dieses Segments zum Gesamtergebnis erhöhte sich im Berichtszeitraum auf 14 (Vorjahr: 11) Prozent. Damit wurde das Ziel, schrittweise unabhängiger vom Kerngeschäft Skontroführung zu werden, erreicht. Sehr positiv wertet Herr Posovatz dies insbesondere deshalb, weil 2019 mit lediglich drei Neuemissionen eigentlich ein miserables Jahr für den Kapitalmarkt war. In diesem Jahrzehnt war dies bislang der Negativrekord.

Die mwb fairtrade konnte hingegen mit der Platzierung einer fünfjährigen Unternehmensanleihe für den Immobilienentwickler „Euroboden“ mit einem Volumen von 40 Mio. Euro eine ansehnliche Transaktion durchführen. Und Herr Posovatz geht davon aus, dass das Geschäftsfeld Corporates & Markets noch wichtiger wird, nachdem sich mit der Corona-Pandemie bei vielen Unternehmen zusätzlicher Finanzierungsbedarf auftut. Da die Banken sehr zurückhaltend sind, sind die Firmen oftmals auf den Kapitalmarkt angewiesen. Dabei kann ihnen mwb fairtrade als spezialisierter Partner behilflich sein.

Es gibt also durch einige Erfolge. Dabei war das Geschäftsjahr 2019 keineswegs ein Spaziergang. Mit Blick auf den schwelenden Handelsstreit zwischen den USA und China, den Brexit und die Probleme der Automobilindustrie waren die Anleger extrem nervös. Für einen Skontroführer verbessert eine hohe Volatilität allerdings die Handelsmöglichkeiten. Positiv für die Aktien ist zudem, dass die Notenbanken die Märkte nach wie vor mit Liquidität überfluten. Eine gewisse Gefahr sieht Herr Posovatz allerdings darin, dass sich die Finanzmärkte immer mehr von der Realwirtschaft entkoppeln.

Nichtsdestotrotz war 2019 ein sehr erfolgreiches Jahr für mwb fairtrade. Das Provisions- und Handelsergebnis legte in Summe um 14 Prozent auf 19,3 (17,0) Mio. Euro deutlich zu. Die allgemeinen Verwaltungskosten erhöhten sich hingegen nur um 4 Prozent auf 16,6 (15,9) Mio. Euro. Der Anstieg resultiert dabei vor allem aus den Personalkosten. Wie Herr Posovatz in Erinnerung rief, ist die Vergütung seit Jahren stark leistungsorientiert. In schlechten Jahren ist die Bezahlung moderat, dafür steigt sie in guten Jahren stark an. Dieses System hat sich bewährt.

In Summe ergab sich so beim Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit vor Zuführung zum Fonds für allgemeine Bankrisiken ein Plus von 143 Prozent auf 2,4 (1,0) Mio. Euro oder 0,32 (0,13) Euro je Aktie. Der Jahresüberschuss konnte trotz einer auf 0,5 (0,3) Mio. Euro erhöhten Zuführung zum Fonds für allgemeine Bankrisiken auf 1,7 (0,6) Mio. Euro sogar fast verdreifacht werden. Der Vorstand ist durchaus stolz auf das Erreichte.

Durch die gestiegenen Erträge verbesserte sich die zuvor schon starke Eigenkapitalsituation weiter. Inklusive des Fonds für allgemeine Bankrisiken erhöhen sich die Eigenmittel auf 20,3 (18,6) Mio. Euro. Mit diesem Polster sieht Herr Posovatz das Unternehmen für etwaige Unwägbarkeiten gut gerüstet. Damit dies auch so bleibt, soll an dem Prinzip festgehalten werden, vom Gewinn vor Zuführung zum Fonds für allgemeine Bankrisiken nur etwa die Hälfte auszuschütten. Entsprechend lautete der Vorschlag, die Dividende auf 0,18 (0,05) Euro wieder deutlich zu erhöhen.

Überhaupt nicht zufrieden zeigte sich der Vorstandssprecher indes mit der Entwicklung der Aktie, die ebenso wie andere börsengelistete Wertpapierhandelsbanken und Skontroführer im vergangenen Jahr deutlich nachgegeben hat. Der Kurs bewegte sich im Stichtagsvergleich deutlich von 2,74 Euro auf 2,03 Euro nach unten. Nach seiner Vermutung sind viele Anleger noch misstrauisch. Mit dem sehr guten Ergebnis im ersten Quartal 2020 ging es dann aber doch nach oben. Aktuell notiert die Aktie bei 4,80 Euro und Herr Posovatz hofft, dass sich dieses Niveau jetzt stabilisiert.

Das erste Halbjahr 2020 war natürlich geprägt von der Corona-Krise. Viele Mitarbeiter arbeiteten im Homeoffice. Der Geschäftsbetrieb konnte aber ohne Einschränkungen fortgeführt und der Zeitraum mit einem hervorragenden Ergebnis abgeschlossen werden. Letztlich profitierte mwb fairtrade von den extrem volatilen Märkten. Bekanntlich kam es im März zu einem der schnellsten und radikalsten Kursverluste der Börsengeschichte, dem ein ebenso schneller und radikaler Kursanstieg folgte. Dies wirkte sich für mwb fairtrade sehr positiv aus.

Das Provisions- und Handelsergebnis konnte im ersten Halbjahr 2020 auf 29,1 (8,8) Mio. Euro mehr als verdreifacht werden. Die allgemeinen Verwaltungskosten stiegen ebenfalls, allerdings weit unterproportional zu den Erträgen. Die Personalkosten erhöhten sich um 169 Prozent auf 7,5 (2,8) Mio. Euro, die anderen Verwaltungsaufwendungen auf 7,7 (5,0) Mio. Euro.

In der Folge schnellte das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit vor Zuführung zum Fonds für allgemeine Bankrisiken auf 13,7 (0,9) Mio. Euro nach oben. Abzüglich der Zuführung zum Fonds von erheblichen 1,9 (0,2) Mio. Euro sowie Rückstellungen für Körperschafts- und Gewerbesteuer von 2,5 Mio. Euro verbleibt ein Periodenüberschuss von 9,3 (0,8) Mio. Euro; der Gewinn konnte also mehr als verzehnfacht werden. Vor Zuführung zum Fonds für allgemeine Bankrisiken errechnet sich das Ergebnis je Aktie mit 1,83 (0,13) Euro. Das Eigenkapital inklusive des Fonds erhöhte sich ebenfalls massiv auf 30,8 Mio. Euro.

Eine Einschätzung, wie es im zweiten Halbjahr weitergeht, fiel Herrn Posovatz allerdings schwer. Er geht davon aus, dass es an den Börsen zunächst turbulent bleibt und er erwartet insgesamt auch ein gutes drittes Quartal. Im vierten Quartal wird es darauf ankommen, welche ökonomischen Spätfolgen sich aus der Corona-Krise ergeben und inwieweit sich dies auf die Stimmung an den Finanzmärkten auswirkt. Fakt dürfte sein, dass es 2020 zum stärksten Rückgang der Wirtschaft seit Bestehen der Bundesrepublik kommt. Auch die Wahlen in den USA könnten sich auswirken.

Abschließend richtete Herr Posovatz einige persönliche Worte an die zugeschalteten Aktionäre. Er wird, wie bereits am 2. März 2020 per Ad-hoc-Meldung mitgeteilt, zum Jahresende aus dem Vorstand der mwb fairtrade AG ausscheiden. Ausschlaggebend waren, wie er nochmals klarstellte, rein private Gründe. Nach einem intensiven und leidenschaftlichen Arbeitsleben will er sich künftig mehr den Dingen außerhalb des Berufs widmen, für die bisher zu wenig Zeit geblieben ist.

Nachdem er das Unternehmen im Jahr 1993 zusammen mit drei Kollegen gegründet und seither auch durch einige turbulente Phasen begleitet hat, sieht er mwb fairtrade mit der Berufung von Carsten Bokelmann und Kai Jordan in den Vorstand in den besten Händen. Sein Wunsch, dass sich der Generationswechsel möglichst geräuschlos und effizient gestaltet, geht damit in Erfüllung.

Eine strategische oder kulturelle Veränderung ist nicht geplant. Verlässlichkeit, Substanz und Bodenständigkeit bilden auch in Zukunft das Fundament. Sein Nachfolger als Vorstandssprecher wird Christian Kalischer werden, der dem Vorstand bereits seit sechs Jahren angehört.


Allgemeine Aussprache

Bevor Herr Wilhelm das Wort wieder an den Vorstand zur Beantwortung der Fragen übergab, würdigte er als Aufsichtsratsvorsitzender den ausscheidenden Vorstandssprecher. In den 22 Jahren, die Herr Posovatz inzwischen als Vorstandssprecher tätig ist, hat mwb fairtrade eine ganz enorme Entwicklung hingelegt. Herr Posovatz war es auch, der maßgeblich den Börsengang im Jahr 1999 betrieben hat.

Sicherlich gab es nicht nur glückliche Tage. Auch Verlustphasen hat das Unternehmen aber überstanden und mittlerweile zählt mwb fairtrade zu den fünf größten Skontroführern in Deutschland. Der Fokus von Herrn Posovatz hat dabei immer auf dem langfristigen Wertzuwachs gelegen. Herrn Wilhelm fällt es noch schwer, sich mwb fairtrade ohne Herrn Posovatz vorzustellen. Gleichwohl wünschte er ihm für die Zukunft alles Gute und Gesundheit.

Vor Einstieg in die Antwortrunde teilte Herr Wilhelm mit, dass in der vorgegebenen Frist zwei Aktionäre insgesamt 17 Fragen eingereicht haben. Der Vorstand werde diese komplett beantworten. Eine Vorauswahl wurde nicht getroffen.

Die erste Frage von Sören Merkel von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) betraf die Dividendenpolitik. Er wollte wissen, ob die Aktionäre damit rechnen können, dass auch für das laufende Jahr 50 Prozent des Jahresergebnisses ausgeschüttet werden.

Grundsätzlich bestätigte dies Herr Posovatz. Allerdings wolle man erst einmal das zweite Halbjahr und das erste Quartal 2021 abwarten, bevor die Entscheidung fällt. Vielleicht gilt es auch Investitionen in die Infrastruktur zu berücksichtigen. Grundsätzlich soll die Dividendenpolitik aber nicht verändert werden.

Weiter interessierte Herrn Merkel, ob sich im laufenden Jahr eine Belebung des Emissionshandels und verbunden damit eine Ergebnisverbesserung im Kapitalmarktgeschäft abzeichnet. Nach seiner Überlegung könnte sich bei einigen Unternehmen zusätzlicher Finanzierungsbedarf infolge der Corona-Krise ergeben.

Wie Herr Posovatz darlegte, hat sich die Strategie bewährt, in diesem Bereich bevorzugt auf kleinteiliges Geschäft zu setzen, damit die Kosten auch in Zeiten ohne große Transaktionen gedeckt werden können. Jedoch erkennt er im Markt derzeit zumindest selektiv eine Belebung. Zudem befinden sich einige Themen in der Pipeline, die einen positiven Ausblick auf das Kapitalmarktgeschäft erlauben. Er hält im Segment Corporates & Markets eine Ergebnisverbesserung für erreichbar.

Eine weitere Frage von Herrn Merkel betraf den Fondshandel, in dem der Umsatz im Geschäftsjahr 2019 gesteigert werden konnte. Ihn interessierte, ob im laufenden Jahr angesichts der vermehrten Handelsaktivitäten vielleicht sogar der Rekordwert aus 2017 erreicht werden kann. Nach Aussage des Vorstandssprechers war im ersten Halbjahr eine deutliche Zunahme der Umsätze im Fondshandel zu verzeichnen. Auch für das Gesamtjahr erwartet er eine sehr deutliche Steigerung gegenüber 2019.

Dem Geschäftsbericht hatte Merkel entnommen, dass die Zahl der Designated-Sponsoring-Mandate im Kundenauftrag von 7 auf 33 deutlich gesteigert werden konnte. Auf seine Nachfrage informierte Herr Posovatz, dass aktuell für 30 Mandate eine Designated-Sponsoring-Fee vereinnahmt werden kann. 76 Auslandsaktien werden ohne Fee betreut, zudem die mwb-Aktie.

Im ersten Halbjahr 2020 trug der Bereich Designated Sponsoring rund 10 Prozent zum gesamten Provisionsergebnis bei, was der Vorstand als sehr ordentlich ansieht. Eine Zielgröße für die Zahl der Mandate gibt es nicht. Im Moment ist ein persönlicher Kontakt mit Emittenten nur sehr eingeschränkt möglich. Zudem beobachtet er einen stärkeren Wettbewerb. Grundsätzlich soll der Bereich Designated Sponsoring aber schon mit Blick auf die umfangreichen Cross-Selling-Effekte zum normalen Kapitalmarktgeschäft ausgebaut werden.

Schließlich erkundigte sich der DSW-Vertreter, warum Herr Bokelmann, der noch bis 31. März beim Mitbewerber Steubing AG aktiv war, am 1. Juni zu mwb fairtrade gewechselt ist. Wie Herr Posovatz darlegte, ist der Vertrag von Herrn Bokelmann bei Steubing ausgelaufen und bei mwb fairtrade habe man einen Nachfolger für seine Person gesucht. Damit habe es einfach gut gepasst. Der Vorstandsvertrag wurde mit einer Laufzeit von fünf Jahren geschlossen. Ein Wettbewerbsverbot für den Fall des Ausscheidens wurde nicht vereinbart.

Weitere Fragen hatte Aktionär Hans-Jörg Straub eingereicht. Zunächst interessierte ihn, welche Auswirkungen sich für mwb fairtrade daraus ergeben, dass der Broker Flatex den Handel an den Regionalbörsen Frankfurt, München, Düsseldorf, Hamburg, Hannover, Berlin und Stuttgart nicht mehr anbietet. Nach Einschätzung von Herrn Posovatz werden sich allenfalls marginale Auswirkungen ergeben. Flatex-Kunden haben auch schon in der Vergangenheit andere Plattformen bevorzugt, nicht die genannten Regionalbörsen.

Ferner wollte Herr Straub wissen, ob sich nach Meinung des Vorstands aus der starken Entwicklung von Zero-Fee-Brokern wie Trade Republic und Robin Hood aus Sicht von mwb fairtrade eher neue Geschäftsmöglichkeiten oder Risiken ergeben. Wie der Vorstandssprecher darlegte, beobachte man diese Broker sehr genau. Es gibt auch Gespräch mit mehreren Marktteilnehmern. Aktuell erscheinen ihm die Ordergrößen aber noch nicht attraktiv. Zu möglichen Strategien wollte er aus Wettbewerbsgründen keine Angaben machen.

Weiter informierte Herr Posovatz auf Nachfrage des Aktionärs, dass mwb fairtrade den Kunden auf Wunsch auch einen Marktzugang für Quotrix anbietet. Man sei auf dieser elektronischen Handelsplattform aber weder Skontroführer noch Spezialist. Für die Plattform LS Exchange verfügt mwb fairtrade über keinen Marktzugang.

Befragt nach einer Aufteilung des Umsatzes auf die Segmente Wertpapierhandel und Corporates & Markets teilte der Vorstandssprecher mit, dass dies dem Provisions- und Handelsergebnis entspricht. Es entfallen also 86 Prozent auf den Wertpapierhandel und 14 Prozent auf Corporates & Markets. Den Ergebnisbeitrag der einzelnen Bereiche wollte Herr Posovatz aus Wettbewerbsgründen nicht nennen. Innerhalb des Wertpapierhandels entfielen 50 Prozent der Umsatzerlöse auf Aktien, 19 Prozent auf Anleihen und 15 Prozent auf Fonds.

Ferner interessierte Herrn Straub eine Aussage zum aktuellen Stand betreffend das Thema Finanztransaktionssteuer. Hier konnte Herr Posovatz nichts Neues berichten. Er geht davon aus, dass diese Steuer nicht mehr kommt. Wenn doch, würde Deutschland vermutlich einen Sonderweg gehen, nachdem die Mehrzahl der Länder in Europa nicht mitzieht. Als Market Maker und Skontroführer würde mwb fairtrade aber dann vermutlich von einer Ausnahmeregelung profitieren.

Weiter informierte der Vorstandssprecher auf Nachfrage des Aktionärs, dass das zweite Quartal 2020 sogar noch ein bisschen besser verlaufen ist als das erste Quartal. Das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit vor Zuführung zum Fonds für allgemeine Bankrisiken belief sich auf 7,3 Mio. Euro nach 6,4 Mio. Euro. Wie dargelegt resultiert dies aus der Situation an der Börse. Auf den Kurssturz im März folgte im zweiten Quartal eine starke Aufwärtsbewegung.

Die Prognose wollte der Vorstandssprecher trotz der sehr positiven Entwicklung in der ersten Jahreshälfte nicht erhöhen. Zwar können die Kosten recht gut abgeschätzt werden. Die Erträge sind aber mit einer hohen Unsicherheit behaftet. Eine seriöse Prognose ist unter diesen Umständen nicht möglich.

In diesem Zusammenhang warnte Herr Posovatz davor, das sehr gute Ergebnis der ersten Jahreshälfte auf das Gesamtjahr hochzurechnen. Er geht aktuell davon aus, dass es im zweiten Halbjahr an den Märkten zu einer Beruhigung kommt. Wichtig ist vor allem die Entwicklung im vierten Quartal.


Abstimmungen

Vor Eintritt in die Abstimmungen verkündete Herr Wilhelm die Präsenz. Vom gesamten Grundkapital von 7.473.700 Euro, eingeteilt in ebenso viele Aktien, waren 295.840 Aktien durch die Stimmrechtsvertreterin vertreten. Dies entsprach einer Quote von 3,96 Prozent. Zudem waren 5.203.430 Aktien im Wege der Briefwahl angemeldet. Insgesamt lag die Präsenz damit bei 73,58 Prozent.

Alle Beschlüsse wurden bei nur wenigen hundert Gegenstimmen mit Mehrheiten über 99,9 Prozent gefasst. Im Einzelnen waren dies die Dividende von 0,18 Euro (TOP 2), die Entlastung von Vorstand (TOP 3) und Aufsichtsrat (TOP 4), die Bestellung der BDO AG zum Abschlussprüfer (TOP 5) sowie die Anpassung der Satzung an das Gesetz zur Umsetzung der zweiten Aktionärsrechterichtlinie (ARUG II) (TOP 6).

Um 12:05 Uhr schloss der Vorsitzende die Versammlung.


Fazit

Die mwb fairtrade AG hat das Geschäftsjahr 2019 sehr erfolgreich abgeschlossen. Das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit wurde mehr als verdoppelt, der Jahresüberschuss auf 1,7 Mio. Euro sogar fast verdreifacht. Eine solche Dynamik war nach der eher verhaltenen Entwicklung in der ersten Jahreshälfte nicht unbedingt zu erwarten gewesen. Die Hauptversammlung beschloss eine kräftige Dividendenerhöhung auf 0,18 (0,05) Euro.

Noch besser lief es im ersten Halbjahr 2020. Das Wertpapierhandelshaus profitierte erheblich von der extrem volatilen Börsenentwicklung im Zuge der Corona-Krise. Das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit vor Zuführung zum Fonds für allgemeine Bankrisiken explodierte auf 13,7 (0,9) Mio. Euro, was sich auch sehr positiv auf die Eigenkapitalsituation auswirkte. Den Fonds für allgemeine Bankrisiken eingerechnet, erhöhten sich die Eigenmittel gegenüber dem Stand zum Jahresende 2019 um 50 Prozent auf 30,8 Mio. Euro.

Im vergangenen Jahr hatte die mwb-fairtrade-Aktie trotz der positiven Geschäftsentwicklung noch an Wert verloren, was wir überhaupt nicht nachvollziehen konnten (siehe HV-Bericht 2019). Die Notierung war sogar deutlich unter das Eigenkapital abgerutscht. Als sich die hervorragende Entwicklung im ersten Quartal 2020 abzeichnete, kam es endlich zu einer Aufwärtsbewegung. Seit Anfang Januar hat sich das Kursniveau von knapp über 2 Euro auf 4,80 Euro mehr als verdoppelt.

Teuer ist die Aktie damit immer noch nicht. Es verbietet sich zwar, das Ergebnis des ersten Halbjahres, in dem vor Zuführung zum Fonds für allgemeine Bankrisiken stolze 1,83 Euro je Aktie verdient wurden, auf das Gesamtjahr hochzurechnen. Dafür gibt es zu viele Unwägbarkeiten, die sich nicht voraussehen lassen. Selbst wenn in der zweiten Jahreshälfte gar nichts mehr verdient würde, wonach es im Moment absolut nicht aussieht, stünde das Unternehmen damit jedoch hervorragend da.

Prinzipiell ist somit im kommenden Jahr eine üppige Dividendenerhöhung zu erwarten. Aus heutiger Sicht erscheint eine Dividende von 0,50 Euro oder vielleicht noch deutlich mehr wahrscheinlich. Die mwb-Aktie hat in den vergangenen Jahren schon öfter mit hohen Dividenden geglänzt. Die Aktie ist also weiterhin interessant, zumal der Buchwert von inzwischen 4,12 Euro ein stärkeres Abrutschen verhindern sollte. Ein gewisser Vorteil ist überdies, dass eine Aktie, die insbesondere von turbulenten Börsenphasen profitiert, für einen gewissen Ausgleich im Depot sorgt.


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