RATIONAL AG (ISIN DE0007010803)

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HV-Bericht RATIONAL AG

Einmal mehr mit Umsatz- und Ergebnisrekord – Aktie wieder im MDAX gelistet


Die Hauptversammlung der RATIONAL AG fand am 3. Mai 2017 wie auch in den Jahren zuvor in der Schwabenhalle auf dem Messegelände in Augsburg statt. Mit rund 600 Aktionären und Gästen waren die Räumlichkeiten bei Veranstaltungsbeginn um 10 Uhr gut gefüllt. Für GSC Research war Matthias Wahler vor Ort.


Bericht des Aufsichtsrats

Der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Hans Maerz eröffnete die Versammlung und teilte mit, dass der Aufsichtsratsvorsitzende Siegfried Meister kurzfristig erkrankt ist und deshalb nicht anwesend sein kann. Er habe deshalb ihn zum Versammlungsleiter bestimmt. Im Übrigen waren die Mitglieder von Vorstand und Aufsichtsrat vollzählig zugegen.

Im Folgenden erläuterte Dr. Maerz die Formalien und informierte über eine personelle Veränderung. Herr Dr. Hermann Garbers hat sein Amt als Aufsichtsratsmitglied mit Wirkung zum 31. Dezember 2016 niedergelegt. Die Großaktionäre Siegfried Meister und Walter Kurtz haben daraufhin von ihrem Entsenderecht Gebrauch gemacht und zum 1. Januar 2017 Erich Baumgärtner in das Kontrollgremium entsandt.

Herr Baumgärtner war, wie er selbst in einer kurzen Vorstellung seiner Person erläuterte, von 1998 bis 2015 im Vorstand der RATIONAL AG für den kaufmännischen Bereich zuständig gewesen. Ein Leben ganz ohne RATIONAL war für ihn aber auch im Ruhestand nicht das Wahre. Er habe sich deshalb gefreut, als Herr Meister und Herr Kurtz auf ihn zugekommen sind. Sehr gerne wolle er seine Expertise und Erfahrung nun als Mitglied des Aufsichtsrats einbringen.

Speziell begrüßte Dr. Maerz den Oberbürgermeister der Stadt Landsberg am Lech, der einige Grußworte an die Anwesenden richtete. Er äußerte sich erfreut über das klare Bekenntnis der RATIONAL AG zum Standort Landsberg am Lech, welches das Unternehmen aktuell mit größeren Investitionen unterstreicht. Die Stadt profitiert schließlich nicht unerheblich von den Arbeitsplätzen und der Gewerbesteuer. Er freue sich auf eine weiterhin gute Zusammenarbeit.

Im Folgenden erläuterte Dr. Maerz die wichtigsten Punkte aus dem Bericht des Aufsichtsrats und nahm Stellung zu den großen Themen der einzelnen Sitzungen. Danach übergab er das Wort an den Vorstand.


Bericht des Vorstands


Nach Aussage des Vorstandsvorsitzenden Herrn Dr. Peter Stadelmann blickt die RATIONAL AG erneut auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Als Basis für die anhaltend erfreuliche Entwicklung sieht der Firmenchef vier zentrale Themen. Erstens die klare Ausrichtung auf den Kundennutzen, zweitens die Konzentration auf die Profiküche, drittens die Spezialisierung auf das Garen und viertens den bewährten Unternehmer-im-Unternehmen-Ansatz (U.i.U.).

Diese vier Kräfte fließen in der Produktion zusammen und so ist es gelungen, die bereits vor mehr als 40 Jahren erfundene Combi-Dämpfer-Technologie stetig zu verbessern. Im vergangenen Jahr hat es laut Dr. Stadelmann sogar einige große Neuigkeiten gegeben. Zum einen wurde das neue SelfCookingCenter® am Markt eingeführt. Außerdem gibt es mit dem SelfCookingCenter® XS nun ein Kompaktgerät, das einen neuen Leistungsstandard in seiner Größenklasse darstellt.

Das neue SelfCookingCenter® ist laut Dr. Stadelmann nochmals intelligenter und effizienter. Zudem spart es gegenüber dem Vorgänger 10 Prozent und gegenüber dem Vorvorgänger aus dem Jahr 2011 sogar 30 Prozent Energie, da die Tür nun dreifach verglast und besser isoliert ist. Überdies sorgt eine neue LED-Beleuchtung für bessere Ausleuchtung. Und selbstverständlich ist auch - wie bei den Vorgängermodellen - eine Mischbeschickung möglich und auch die neuen SelfCookingCenter® reinigen sich selbst über Nacht

Das neue SelfCookingCenter® XS ist zwar mit einer Grundfläche von 65 x 55 cm in der Dimension kleiner, steht dem großen Bruder in der Garleistung aber nicht nach. Speziell hob Dr. Stadelmann hier den Frischdampfgenerator hervor. Das SelfCookingCenter® XS verfügt ebenso über eine hohe Garintelligenz, erkennt die Menge und den Zustand des Garguts und passt den Garprozess so an, dass das gewünschte Ergebnis erreicht wird. Aufgrund der geringen Größe ist das SelfCookingCenter® XS in den verschiedensten Einsatzbereichen flexibel nutzbar.

Bei der Schwestermarke FRIMA konnte mit dem neuen VarioCooking Center® 112L ebenfalls ein neues Produkt vorgestellt werden. Mit einem Tiegelvolumen von 50 Litern deckt es eine Lücke im bisherigen Sortiment ab. Ferner berichtete der Vorstandsvorsitzende von Connected-Cooking. Mit dieser modernen Vernetzungslösung für die Profiküche können die Kunden die Geräte fernsteuern und überwachen und bekommen andersherum auch automatisch eine Nachricht, wenn sie das Gerät beladen oder die fertigen Produkte entnehmen können.

Investiert wurde Dr. Stadelmann zufolge auch am Standort Landsberg am Lech. Das älteste Verwaltungsgebäude wurde komplett saniert, zudem ein neues Entwicklungszentrum errichtet und außerdem mit dem Bau einer neuen Montagehalle begonnen, mit der der stetig wachsende Platzbedarf wieder für mehrere Jahre gedeckt werden kann. Entsprechend werden die Investitionen 2017 deutlich ansteigen. Auch bei FRIMA wurde die Produktionshalle vergrößert.

Ein besonderes Ereignis erwähnte Dr. Stadelmann die Produktion des 750.000ten Combi-Dämpfers im Mai 2016. Des Weiteren teilte er mit, dass die Repräsentanz in Dubai im vergangenen Jahr in eine Tochtergesellschaft umgewandelt wurde. Insgesamt verfügt die Gruppe damit nun über 33 Tochtergesellschaften und daneben über mehr als 4.000 Vertriebspartner in mehr als 100 Ländern weltweit.

RATIONAL hat auch wieder viele Preise gewonnen und die Kundenzufriedenheit bewegt sich wie schon in den Vorjahren auf einem hohen Niveau. In diesem Zusammenhang richtete Dr. Stadelmann seinen Dank an die Mitarbeiter. Zum Jahresende waren im Konzern 1.713 und damit 183 mehr Personen als ein Jahr zuvor beschäftigt und davon 971 in Deutschland. 2017 sollen planmäßig 190 neue Stellen geschaffen werden.

An dieser Stelle übernahm Finanzvorstand Herr Dr. Axel Kaufmann. Er kam zunächst auf Punkt 6 der Tagesordnung zu sprechen, unter dem die Zustimmung zu einem Gewinnabführungsvertrag mit der RATIONAL F & E GmbH vorgeschlagen war. Es handelt sich nach seiner Aussage um eine 100prozentige Tochtergesellschaft der RATIONAL AG, in der die Forschung und Entwicklung ausgegliedert ist.

Im Folgenden erläuterte Dr. Kaufmann den Jahresabschluss. Im Geschäftsjahr 2016 konnte der Umsatz um 9 Prozent auf 613 (Vorjahr: 564) Mio. Euro ausgeweitet werden, wovon mittlerweile mehr als 40 Prozent in Fremdwährungen erwirtschaftet wird. Bereinigt um Währungseffekte legten die Erlöse sogar um 11 Prozent zu. Wachstum konnte, wie der Finanzchef aufzeigte, in allen Regionen erreicht werden. Die Exportquote blieb mit 87 Prozent konstant.

Der Wachstumsmarkt schlechthin war im Berichtszeitraum Nordamerika mit einem Plus von 15 Prozent. In Lateinamerika erhöhten sich die Erlöse ebenfalls kräftig um 13 Prozent. Bereinigt um die negativen Währungseffekte waren es sogar 20 Prozent. In Asien konnten die Umsätze um 9 Prozent gesteigert werden. In Japan, dem wichtigsten Einzelmarkt der Region, profitierte RATIONAL Dr. Kaufmann zufolge von der langjährigen Geschäftsbeziehung mit dem OEM-Partner Fujimak. In China konnten die Erlöse leicht gesteigert werden.

Das Segment RATIONAL ist um 8 Prozent gewachsen. Das neueSelfCookingCenter® hat hier bereits einen Anteil von 79 Prozent. Vom neuen SelfCookingCenter® XS konnten nach dem Vermarktungsbeginn im September bis zum Jahresende bereits 1.000 Stück abgesetzt werden. Zudem gewinnen Dienstleistungen immer mehr an Bedeutung. Im Segment FRIMA konnte sogar ein Wachstum von 22 Prozent erzielt werden. Der Umsatztreiber war das neue VarioCooking Center® 112L. Auch in den kommenden Jahren erwartet Dr. Kaufmann bei FRIMA ein überproportionales Wachstum.

Der Finanzchef leitete dann über zur Ergebnisentwicklung. RATIONAL zählt seit Jahren zu den ertragsstärksten Unternehmen im deutschen Mittelstand und an der deutschen Börse und diese Performance konnte auch 2016 aufrechterhalten werden. Zwar legte das EBIT mit einem Plus von 4 Prozent auf 166,5 (160,2) Mio. Euro nicht so stark zu wie der Umsatz. Die Marge entwickelte sich auf 27,2 (28,4) Prozent leicht rückläufig. Dies ist laut Dr. Kaufmann aber vor allem in den Investitionen in die Zukunft des Unternehmens begründet.

Neben den genannten Investitionen verursachten der Ausbau des Vertriebsnetzes und der Launch der neuen Produkte zusätzliche Kosten. Außerdem belastete die starke Abwertung des britischen Pfunds. Schon bereinigt um die Währungseffekte hätte die Marge wieder über 28 Prozent gelegen. Die Investitionen erhöhten sich 2016 auf 25 (19) Mio. Euro und im laufenden Jahr soll weiter kräftig investiert werden. Nach der Planung werden die Investitionen 2017 auf 40 bis 50 Mio. Euro ansteigen.
Das Geschäftsmodell besticht nach wie vor mit einer geringen Kapitalintensität. So können regelmäßig hohe Cashflows erzielt werden. 2016 entwickelte sich diese Kennzahl durch die genannten Belastungen auf 129,5 (143,0) Mio. Euro rückläufig, sie bewegt sich aber weiterhin auf einem hohen Niveau. Die liquiden Mittel wuchsen auf 278 (267) Mio. Euro weiter an, was dem Unternehmen Unabhängigkeit und Flexibilität sichert. Die Eigenkapitalquote bewegt sich bei einer Bilanzsumme von 540 (483) Mio. Euro mit 73,5 (73,8) Prozent ebenfalls auf einem stabil hohen Niveau.

Dr. Kaufmann warf dann einen Blick auf die Aktie, die in den letzten zwölf Monaten weiter zugelegt hat. Beim aktuellen Kurs von 465 Euro beträgt die Marktkapitalisierung 5,3 Mrd. Euro. Im August 2016 ist die RATIONAL-Aktie auch wieder in den MDAX aufgerückt. Die aktionärsfreundliche Dividendenpolitik soll beibehalten werden. Vorstand und Aufsichtsrat schlugen der Hauptversammlung eine Dividende von 8 Euro und zusätzlich eine Bonuszahlung von 2 Euro vor. Bezogen auf den Jahresschlusskurs bedeutet dies eine Rendite von 2,4 Prozent.

Für die Zukunft zeigte sich der Finanzvorstand ebenfalls optimistisch. Das Umfeld gestaltet sich mit der wachsenden Weltbevölkerung, einer höheren Lebenserwartung, mehr Kaufkraft in vielen Regionen der Welt und der zunehmenden Zahl an Singlehaushalten weiterhin positiv für RATIONAL.

Der Start ins Jahr 2017 ist gut gelungen. Im ersten Quartal stieg der Umsatz um 22 Prozent auf 166 (136) Mio. Euro kräftig an. Die Wachstumstreiber waren wieder die USA und Lateinamerika mit Zuwachsraten von mehr als 50 Prozent. In Nordamerika legte insbesondere das Kettengeschäft kräftig zu. In Lateinamerika war in allen Regionen Wachstum zu verzeichnen.

Die EBIT-Marge verbesserte sich im ersten Quartal deutlich auf 27 (24) Prozent. Teilweise resultiert dies laut Dr. Kaufmann allerdings aus Währungseffekten, die den Vorjahreszeitraum negativ und die aktuelle Periode positiv beeinflusst haben. Bereinigt um diese Auswirkungen bewegte sich die Marge in den ersten drei Monaten auf einem vergleichbaren Niveau.

Für das Gesamtjahr stellte Dr. Kaufmann eine Fortsetzung des moderaten Wachstumstrends in Aussicht. Der Umsatz wird im oberen einstelligen Prozentbereich zulegen und die EBIT-Marge sich wegen der höheren Investitionen mit 26 bis 27 Prozent im unteren Bereich der langfristigen Bandbreite bewegen.


Allgemeine Aussprache


In der anschließenden Debatte sprachen Dr. Günther Hausmann von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Johannes Weber von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) sowie die Aktionärin Beate Sander, die die Teilnehmer auch wieder mit einem Gedicht erfreute. Alle Redner äußerten angesichts der erneut überaus positiven Geschäftsentwicklung Lob und Anerkennung.

Umsatz und Ergebnis erreichten wieder neue Bestmarken und das Eigenkapital und die liquiden Mittel bewegen sich ebenfalls auf Höchstständen. Als erfreulich bewerteten die Redner zudem die anhaltend hohen Dividendenzahlungen. Für 2016 wird die Ausschüttungsquote von zuvor rund 70 Prozent sogar auf 90 Prozent angehoben. Befragt von Dr. Hausmann, ob dieses Niveau nun dauerhaft beibehalten werden soll, wollte sich Dr. Kaufmann nicht festlegen. Grundsätzlich wurde die Dividendenpolitik nicht verändert. 

Beeindruckt zeigte sich der DSW-Sprecher von der EBIT-Marge von 28 Prozent. Er hatte allerdings Zweifel, ob dieses schon fast einmalige Niveau dauerhaft gehalten werden kann. Früher oder später dürfte mehr Wettbewerb aufkommen. Diese Skepsis teilte Dr. Kaufmann nicht. Er hält es durchaus für realistisch, das hohe Niveau zu halten. Wettbewerbsdruck gibt es schon seit Jahren und RATIONAL stemmt sich erfolgreich dagegen.

In diesem Kontext war Dr. Hausmann aufgefallen, dass die Marge bei der Marke FRIMA mit 16 Prozent zwar ebenfalls ein gutes Niveau erreicht, sie aber weit unter der der Kernmarke RATIONAL liegt. Dies liegt, wie der Finanzchef darlegte, allein an den noch geringeren produzierten Stückzahlen. Mit zunehmender Größe wird die Marge steigen. Er kann keinen Grund erkennen, warum mit FRIMA nicht die gleiche Marge wie bei RATIONAL erreicht werden sollte. Auf einen Zeitpunkt wollte er sich allerdings nicht festlegen.

Ein großes Thema von Dr. Hausmann waren wie in den Vorjahren die liquiden Mittel, die auf 286 (275) Mio. Euro weiter angeschwollen sind und mehr als 50 Prozent der Bilanzsumme ausmachen. Ihm schien dies in Zeiten von Null- und Negativzinsen wenig sinnvoll. Der Aktionärsschützer regte an, die Mittel zumindest nicht auf dem Konto liegen zu lassen, sondern sinnvolle Anlagemöglichkeiten zu suchen.

In seiner Antwort bezeichnete Dr. Kaufmann die hohe Liquiditätsposition als Sicherheitspuffer, um die Unabhängigkeit des Unternehmens dauerhaft sicherzustellen und über ausreichend Handlungsspielraum für Investitionen zu verfügen. Auch für die Dividendenzahlung wird ausreichend Liquidität benötigt. Man prüfe derzeit jedoch tatsächlich verschiedene Anlagestrategien, allerdings nur sehr konservative.

Beide Aktionärsschützer thematisierten die Währungseffekte, die bei RATIONAL bei einer Exportquote von 87 Prozent immer ein Thema sind. Diesbezüglich informierte Dr. Kaufmann, dass RATIONAL 2016 insbesondere unter dem Verfall des britischen Pfunds gelitten hat. Negative Effekte gab es außerdem durch den mexikanischen Peso, den brasilianischen Real, die türkische Lira und den russischen Rubel. In der Regel ergibt sich aber global betrachtet ein gewisser Ausgleich. Und je mehr der Konzern wächst, desto mehr stehen den Kosten Einnahmen in der jeweiligen Währung gegenüber. Absicherungen werden soweit möglich und sinnvoll vorgenommen.

Als sehr beeindruckend empfand der DSW-Vertreter, dass im ersten Quartal 2017 in Amerika ein Umsatzwachstum von mehr als 50 Prozent erzielt werden konnte. Interessant fand er die Frage, ob sich die Marge dort auf dem europäischen Niveau bewegt. Speziell in den USA sah er im Übrigen neue Risiken durch mögliche Handelshemmnisse unter Präsident Trump entstehen.

Vertriebsvorstand Markus Paschmann versicherte, dass die Marge in den USA sich in etwa auf vergleichbarer Höhe bewegt. Die Kosten sind dort etwas höher, die Erlöse aber auch. Ein negativer Einfluss durch die Ankündigungen der Trump-Regierung ist bisher nicht zu spüren, obwohl RATIONAL auch in öffentlichen und staatlichen Projekten aktiv ist. Man fokussiere sich auch in den USA auf den Kundennutzen, was die Anwender honorieren.

Dr. Stadelmann ergänzte, dass die Entwicklung in den USA noch schwer einzuschätzen ist. Gut für RATIONAL ist auf alle Fälle, dass alle Menschen, egal wo sie politisch stehen, essen müssen. Grundsätzlich ist RATIONAL deshalb weniger anfällig als andere Branchen. Sollten sich die negativen Auswirkungen im US-Markt tatsächlich summieren, würde man gegebenenfalls auch eine Produktionsstätte in den USA prüfen.

Weiter informierte Herr Paschmann auf Nachfrage des DSW-Vertreters, dass eine eigene Niederlassung immer nur dann gegründet wird, wenn schon ein gewisses Geschäftsvolumen vorhanden ist und langfristige Perspektiven zu erkennen sind. Zuletzt war dies in Dubai der Fall und es werden sicherlich weitere Niederlassungen folgen. Natürlich läuft es nicht immer überall rund. Im Moment beispielsweise in der Türkei und in Russland. Aber es geht um das langfristige Potenzial.

Beide Aktionärsschützer hinterfragten den Sinn der RATIONAL F & E GmbH. Ihnen erschloss sich nicht, warum die Forschung und Entwicklung in eine eigene Gesellschaft ausgegliedert wird, zumal damit keine Einnahmen erzielt werden. Wie Herr Wiedemann darlegte, wird die GmbH Auftragsforschung und -entwicklung im Auftrag der Muttergesellschaft betreiben und erhält dafür eine Vergütung. In der Vergangenheit habe man in anderen Unternehmensbereichen schon gute Erfahrungen mit dieser Konstruktion gemacht.

Überrascht zeigte sich der DSW-Sprecher, dass die Investitionen im laufenden Jahr auf 40 bis 50 Mio. Euro nochmals massiv ausgeweitet werden sollen, nachdem sie 2016 mit 25 Mio. Euro schon relativ hoch waren. In den Vorjahren waren es nach seiner Erinnerung meist weniger als 10 Mio. Euro gewesen. Er äußerte die Vermutung, dass sich ein gewisser Investitionsrückstand aufgebaut haben könnte. Wichtig war ihm daneben die Frage, wie es mit den Investitionen in den Folgejahren weitergeht.

Wie Herr Wiedemann darlegte, ist in der Komponentenfabrik schon seit Längerem die Kapazitätsgrenze erreicht. Für weiteres Wachstum werden mehr Fläche und mehr Maschinen benötigt. 2019 wird auch in der Montage die Kapazitätsgrenze erreicht werden. Deshalb wurde auch hier mit baulichen Erweiterungen begonnen. Außerdem gab es weitere Investitionen in die Infrastruktur und bestehende Anlagen.

Die Höhe der Investitionen schwankt Herrn Wiedemann zufolge über die Jahre stark. 2008 war mit der Errichtung der derzeitigen Montagehalle auch schon ein größerer Sprung zu verzeichnen gewesen. In den Folgejahren bewegten sich die Ausgaben für diesen Bereich auf einem niedrigeren Niveau. Nach dem hohen Wert im laufenden Jahr werden die Investitionen 2018 voraussichtlich wieder auf 35 Mio. Euro zurückgehen und sich 2019 weiter reduzieren.

Befragt nach einer konkreteren Prognose für das laufende Jahr bekräftigte Dr. Kaufmann, dass ein Umsatzwachstum im oberen einstelligen Prozentbereich angepeilt wird. Das Umsatzplus von 22 Prozent im ersten Quartal einfach fortzuschreiben, hält der Finanzchef nicht für realistisch, da in den ersten Monaten einige Großaufträge enthalten waren, die sich nicht wiederholen.Die EBIT-Marge wird sich wegen der höheren Investitionen mit 26 bis 27 Prozent im unteren Bereich der langfristig avisierten Bandbreite (26 bis 28 Prozent) bewegen. 

Herrn Weber war aufgefallen, dass die Umsätze in Deutschland im ersten Quartal um 5 Prozent unter dem Vorjahreswert lagen. Während FRIMA mit einem Plus von 22 Prozent den Erfolgskurs fortsetzen konnte, lag das Segment RATIONAL in den ersten drei Monaten um 10 Prozent unter dem Vergleichswert. Er bat um eine Erklärung.

In seiner Antwort bestätigte Herr Paschmann, dass sich das Geschäft in Deutschland im ersten Quartal sehr heterogen gestaltete. FRIMA ist noch deutlich kleiner als RATIONAL und die Technologie ist neuer, weshalb ein starkes Wachstum erzielt werden kann. Bei RATIONAL ist nach wie vor eine gute Marktposition gegeben. Im Jahr 2016 haben Kunden in Deutschland aufgrund einer angekündigten Preiserhöhung viele Aufräge ins erste Quartal vorgezogen. Nach Überzeugung des Vertriebschefs wird sich das Bild im Laufe des Jahres wieder normalisieren.

Eine Konkurrenzsituation zwischen den beiden Marken sieht Herr Paschmann nicht. Es gibt zwar eine gewisse Überlappung im Produktspektrum. Dies bedeutet für die Kunden aber seiner Auffassung nach eher einen Vorteil, da sie die Geräte in Spitzenzeiten flexibel nutzen können. Insofern ist damit eher eine Stärkung der Marktposition verbunden.

Befragt nach weiteren Informationen zum neuen SelfCookingCenter® XS erläuterte Herr Paschmann, dass sich mit diesem neuen Gerät vor allem in Japan viele neue Türen öffnen. In diesem wichtigen asiatischen Markt finden sich die kleinsten Küchen der Welt, in denen RATIONAL mit den größeren Geräten kaum punkten konnte. Das Interesse am SelfCookingCenter® XS ist nun entsprechend groß. Außerdem eignet sich das intelligente Kochsystem im kleinen Format bestens für Bistros, Cafes und Tankstellen.

Frau Sander hob in ihrem Beitrag insbesondere die sehr positive Performance der Aktie hervor. Seit dem Börsengang im Jahr 2000 ist der Kurs um mehr als 1.700 Prozent gestiegen und zudem hat es Jahr für Jahr üppige Dividenden gegeben. Zusätzlich positiv wertete sie, dass die Aktie seit August 2016 wieder im MDAX gelistet ist.

Dass der Aktienkurs mit 470 Euro inzwischen optisch ein hohes Niveau erreicht hat, wertete Frau Sander eher als Qualitätsmerkmal denn als Makel. Einen Aktiensplitt sollte man ihrer Meinung nach tunlichst vermeiden. Diesbezüglich konnte sie Dr. Kaufmann beruhigen. Es gibt nach seiner Aussage derzeit keinerlei Planungen in diese Richtung.


Abstimmungen

Dr. Maerz verkündete die Präsenz mit 10.574.194 Aktien. Bezogen auf das Grundkapital von 11.370.000 Euro, eingeteilt in ebenso viele Aktien, entsprach dies einer Quote von 93,00 Prozent. Dies war erneut etwas mehr als im Vorjahr.

Alle Beschlüsse wurden mit großer Mehrheit gefasst. Im Einzelnen waren dies die Dividende von 8 Euro zuzüglich einer Bonuszahlung von 2 Euro (TOP 2), die Entlastung von Vorstand (TOP 3) und Aufsichtsrat (TOP 4), die Wahl der PricewaterhouseCoopers AG zum Abschlussprüfer (TOP 5) sowie die Zustimmung zu einem Gewinnabführungsvertrag mit der RATIONAL F & E GmbH (TOP 6).

Nach etwa drei Stunden war die Versammlung beendet.


Fazit

Die Erfolgsgeschichte der RATIONAL AG setzte sich erwartungsgemäß auch im Geschäftsjahr 2016 fort. Umsatz und Ergebnis erreichten einmal mehr ein neues Rekordniveau. Mit einer EBIT-Marge von 28 Prozent zählt RATIONAL weiterhin zu den ertragsstärksten Unternehmen an der deutschen Börse. Und dies wird, darauf deuten alle Indikatoren hin, auch in Zukunft so bleiben. Trotz der geplanten deutlichen Ausweitung der Investitionen wird sich die EBIT-Marge im laufenden Jahr voraussichtlich nur leicht auf 27 Prozent abschwächen.

Die Aktionäre werden an der erfolgreichen Geschäftsentwicklung mit einer Dividende von 8 Euro zuzüglich einer Bonuszahlung von 2 Euro beteiligt. Obwohl sich die mittlerweile wieder im MDAX gelistete Aktie weiter rasant nach oben entwickelt hat, bedeutet dies noch immer eine Rendite von mehr als 2 Prozent. Und auch in den kommenden Jahren wird es hohe Ausschüttungen geben. Das Geschäftsmodell besticht mit einer geringen Kapitalintensität. So können regelmäßig hohe Cashflows erzielt werden. Und die Kasse ist mit 280 Mio. Euro prall gefüllt.

Das laufende Jahr ist mit einem Umsatzplus von 22 Prozent und einem EBIT-Zuwachs von 37 Prozent im ersten Quartal fulminant gestartet. In diesem Tempo wird sich die Entwicklung wohl nicht fortsetzen. Ein Wachstum im hohen einstelligen Bereich, wie in der Prognose angegeben, ist aber auf jeden Fall realistisch. Das Ergebnis je Aktie dürfte dann zwischen 12 und 13 Euro betragen, womit die Aktie bei einem Kurs von 470 Euro nicht gerade günstig ist. Das war sie in den letzten Jahren aber nie und dennoch hat der Kurs immer weiter zugelegt. Bei einem Unternehmen mit einer solch herausragenden Marktstellung sind die Investoren bereit, einen Aufpreis zu zahlen.


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