STRATEC Biomedical AG (vorm.STRATEC Biomedical Systems AG) (ISIN DE0007289001)

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HV-Bericht STRATEC Biomedical AG (vorm.STRATEC Biomedical Systems AG)

Marktposition mit zwei Akquisitionen nochmals deutlich gestärkt


Die STRATEC Biomedical AG hatte für den 9. Juni 2016 zur Hauptversammlung in das CongressCentrum nach Pforzheim eingeladen. Etwa 300 Aktionäre und Gäste hatten sich dort eingefunden, darunter Matthias Wahler für GSC Research, um sich über den Spezialisten für die In-Vitro-Diagnostik zu informieren. Wie üblich war auch eine Klasse des örtlichen Wirtschaftsgymnasiums zugegen.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Fred K. Brückner eröffnete die Versammlung um 10 Uhr und erläuterte die Formalien. Das Protokoll führte Notar Wulf Oppelt. Herr Brückner informierte über die wichtigsten Themen aus Sicht des Aufsichtsrats, sprach einige Worte zu den Komponenten der Vorstandsvergütung und dem Aktienoptionsprogramm und übergab dann an den Vorstandsvorsitzenden Marcus Wolfinger.


Bericht des Vorstands

Herr Wolfinger begann seinen Bericht mit einigen Anmerkungen zum Geschäftsmodell. STRATEC entwickelt demnach Analysesysteme, die von den Partnern übernommen und in die Weltmärkte eingebracht werden. Daneben haben in den letzten Jahren zunehmend wiederkehrende Umsätze, also Verbrauchsmaterialien, an Bedeutung gewonnen. Die am Vortag gemeldete Akquisition der Sony DADC BioSciences GmbH verstärkt diesen Trend.

Als Wachstumstreiber sieht der Vorstand den Ausbau der Gesundheitssysteme in den Schwellenländern und die alternde Bevölkerung. Damit verbunden nehmen chronische Krankheiten immer mehr zu. Eine große Rolle spielt auch die Entwicklung neuer Technologien in der Diagnostik, beispielsweise Tests zur Alzheimer- und Krebsfrüherkennung. Für präventive Gesundheitssysteme hat die Diagnostik ebenfalls große Bedeutung.

Bei der Sony DADC BioSciences GmbH, einer Tochtergesellschaft des Elektronikriesen, handelt es sich laut Herrn Wolfinger um den weltweit führenden Hersteller von intelligenten Verbrauchsmaterialien, so genannten Smart Consumables. Eingesetzt werden diese in der Diagnostik, dem Bereich Life Science und der Medizintechnik. Es handelt sich um eine sehr komplexe Technologie, die nicht viele beherrschen, die aber immer mehr zum Einsatz kommt.

Das neu erworbene Unternehmen hat seinen Sitz in Österreich und verfügt über Vertriebsgesellschaften in Asien und Amerika. Im laufenden Jahr wird es mit 120 Mitarbeitern einen Umsatz von 120 Mio. Euro erwirtschaften und in den Folgejahren, auch dank der Zusammenarbeit mit STRATEC, schnell wachsen. Das Closing der Transaktion erwartet der Vorstand für das dritte Quartal.

Wie Herr Wolfinger informierte, hatte STRATEC von 2006 bis 2011 eine Akquisitionspause eingelegt, um die Prozesse in der Gruppe zu optimieren. 2015 habe man sich nun entschlossen, wieder extern zu wachsen. Bei der Auswahl möglicher Investments halte man sich an feste Vorgaben. So müssen die Unternehmen in interessanten Nischenmärkten aktiv sein und über ein erfahrenes Managementteam verfügen.

Der Zukauf sollte außerdem der Erweiterung der Wertschöpfungskette bzw. der Diversifizierung des Portfolios dienen. Eine zu geringe Diversifikation birgt laut Herrn Wolfinger immer ein gewisses Problem, da die von STRATEC belieferte Industrie sich sehr konzentriert. 90 Prozent des Weltmarktumsatzes entfallen auf nur zwölf Unternehmen. Dies war, wie er später näher erläuterte, auch der Grund für die Umsatzwarnung im ersten Quartal.

Sehr wichtig ist es allerdings, dass STRATEC nicht in Konkurrenz zu den Kunden tritt, also keinen direkten Marktzugang aufbaut. Dies würde das Verhältnis zu den Kunden gefährden. Fest geplant ist indes, den Anteil der wiederkehrenden Umsätze weiter auszubauen. Vor allem die stärkere Ausrichtung auf hochregulierte Märkte schätzt der Vorstand sehr positiv ein.

Das Ziel, eine Ergebnisverwässerung zu vermeiden, konnte bei dem neuesten Zukauf noch nicht realisiert werden. Die Sony DADC BioSciences GmbH wird im laufenden Jahr bei Erlösen von rund 17 Mio. Euro nur leicht positiv abschließen, nach Einschätzung von Herrn Wolfinger bis 2019 oder 2020 aber mit der Marge auf das Gruppenniveau aufschließen.

Anders sieht es bei dem ungarischen Hämatologie-Systemspezialisten Diatron aus, den STRATEC im März 2016 erworben hat. Dieses Unternehmen ist ähnlich wie STRATEC ausgerichtet, verkauft aber mehr Verbrauchsmaterialien und verfügt über eine starke Marktstellung in den USA und in den Schwellenländern. Diatron kommt mit rund 200 Mitarbeitern auf einen Umsatz von 34 Mio. Euro und erwirtschaftet eine Marge auf STRATEC-Niveau.

Die Technologie von Diatron kommt Herrn Wolfinger zufolge in kleinen und mittelgroßen Laboren zum Einsatz. Diatron verkauft allerdings nicht nur die Tests, sondern auch die Chemie. Der Anteil der wiederkehrenden Umsätze liegt bei diesem Unternehmen bei 30 Prozent. Der Vorstand hält es für möglich, über die Chemie auch Kontakte zu neuen Kunden aufzubauen. Er ist stolz, dass Diatron nun zur Gruppe gehört.

Mit der Übernahme von Diatron erweitert STRATEC die Wertschöpfungskette im Laborbereich um die Hämatologie. Die Aufstellung wird damit noch einmal breiter. Diatron ist in drei Vierteln aller möglichen Applikationsfelder aktiv. Gerne informierte Herr Wolfinger, dass mit Diatron alle Ziele erreicht worden sind und deren Beitrag zum Gruppenergebnis bereits positiv ist.

Auch sonst wurden die Weichen auf eine Fortsetzung des Wachstums in den nächsten Jahren gestellt. In diesem Zusammenhang informierte der Vorstand über den Erweiterungsbau in der Schweiz und den Neubau in Rumänien. In Rumänien verfügt STRATEC nun über ein eigenes Entwicklungszentrum und ist ein attraktiver Arbeitgeber für die dortigen Universitätsabsolventen.

Herr Wolfinger kam dann zu den Zahlen des Geschäftsjahres 2015, in dem nicht alle Ziele erreicht werden konnten. Geplant war, den Umsatz um 5 Prozent zu steigern. Tatsächlich waren es nur 1,4 Prozent auf 147 (Vorjahr: 145) Mio. Euro. Als Grund nannte der Vorstand, dass einer der Top-3-Kunden, der sein Geschäft stark auf den asiatischen Markt ausgerichtet hat, sich nach großen Erfolgen in den Vorjahren zuletzt schwächer entwickelt hat.

Wie er ausführte, werden in China derzeit lokale Anbieter bevorzugt behandelt, wenn sie die Technologie beherrschen. Die anderen Kunden hatten damit keine Probleme, da sie sich stark auf Spezialitäten ausgerichtet haben. Über kurz oder lang werden wohl alle Produkte, die in China produziert werden können, auch dort produziert werden.

Trotz des schwachen Umsatzwachstums konnte das EBIT auf 26,9 (24,1) Mio. Euro ausgeweitet werden. Die Marge verbesserte sich, nicht zuletzt durch die Ausweitung des Servicegeschäfts und den höheren Anteil von Verbrauchsmaterialien, deutlich auf 18,3 (16,6) Prozent.

Der Jahresüberschuss kletterte auf 22,1 (19,8) Mio. Euro. Das Ergebnis je Aktie errechnet sich daraus mit 1,85 (1,67) Euro. Der Vorschlag an die Hauptversammlung lautete, davon 0,75 (0,70) Euro als Dividende auszuschütten. Mit einer Eigenkapitalquote von nochmals etwas höheren 82 (81,3) Prozent sieht der Vorstand den Konzern auch sehr solide finanziert.

STRATEC ist, wie Herr Wolfinger weiter ausführte, weltweit aufgestellt. Die Fertigung findet vor allem Osteuropa oder Asien statt, in Asien allerdings nur, wenn Kopieren nicht viel Sinn machen würde. Die Lieferanten finden sich vor allem in Osteuropa und im Vertrieb spielt die Musik klar in den USA. Neun von zehn Entscheidungsträgern sind in dieser Region beheimatet.

Ein Großteil der relevanten Unternehmen zählt bereits zu den Kunden von STRATEC. Das Kernziel ist es deshalb, mit den Bestandskunden neue Projekte abzuschließen. Dies stellt das Wachstum langfristig sicher. Oft werden neue Produkte auch zusammen mit den Kunden entwickelt.

Als interessant erachtet der Vorstand die Beteiligung an kleinen Firmen der Branche, die beispielsweise aus Universitäten ausgegründet wurden. Diese wachsen oft sehr schnell und werden dann attraktive Kunden – oder sie werden gekauft und öffnen so einen Zugang zu den großen Marktplayern.

Für das laufende Jahr erwartet Herr Wolfinger auf Stand-alone-Basis gerechnet einen Umsatz zwischen 150 und 154 Mio. Euro. Dazu kommen zeitanteilig die beiden Akquisitionen, so dass die Erlöse tatsächlich 170 bis 180 Mio. Euro betragen werden. Bei vollständiger Konsolidierung der zugekauften Unternehmen 2017 wird die Marke von 200 Mio. Euro überschritten werden.

Die EBIT-Marge will der Vorstand im laufenden Jahr bei etwa 18 Prozent stabil halten. Mit der Verbesserung der Marge der DADC BioSciences GmbH wird sie in den kommenden Jahren dann nochmals ansteigen. Ein Update der Planung inklusive der Akquisitionen wird es laut Herrn Wolfinger entweder zusammen mit dem Halbjahresbericht oder beim Closing der Akquisition geben.


Allgemeine Aussprache


Harald Klein von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hatte nur einige allgemeine Anmerkungen. Er lobte den Nachhaltigkeitsbericht, in dem die Verwaltung auch auf das soziale Engagement des Unternehmens zu sprechen kommt, und hinterfragte dann die Patentsituation.

Nach Aussage von Vorstandsmitglied Dr. Claus Vielsack liegt der Fokus bei den Patenten auf der Background-Technologie. In jedem Jahr wird eine solide zweistellige Zahl an Patenten angemeldet, die das gesamte Spektrum abdecken. Patentrechtsstreitigkeiten lassen sich in der Regel vermeiden.

Die Aktie erschien Herrn Klein mit einem KGV von mehr als 30 eher überbewertet. „Wir tun auch Einiges dafür, dass die Aktie bei den Investoren gut ankommt“, entgegnete der Vorstandsvorsitzende. STRATEC beherrscht Technologien und Applikationen, die sonst kaum einer beherrscht, was von den Anlegern honoriert wird. Das KGV allein hält er insofern für wenig aussagekräftig.

Die hohe Volatilität des Aktienkurses ist Herrn Wolfinger auch schon aufgefallen. Als Grund sieht er das relativ geringe Handelsvolumen. Die Aktionäre können dies aber auch als Vorteil sehen und einen günstigen Zeitpunkt für ihre Transaktion abwarten. Vor allem aber sollten Anleger bei einem Investment in die STRATEC-Aktie langfristig denken.

Die Bedenken des DSW-Sprechers betreffend die politische Situation in Rumänien teilte Vorstandsmitglied Dr. Robert Siegle nicht. Er hält dieses Land ebenso wie Ungarn ausreichend stabil für ein Investment. Völlig risikolos ist seiner Meinung nach in der aktuellen weltpolitischen Lage wohl keine Region.

Kleinaktionär Joachim Heinz sprach dem Vorstand seine große Anerkennung aus. Er hat seine Aktien 1999 erworben und seither ist die Marktkapitalisierung des Konzerns von 30 Mio. Euro auf über 600 Mio. Euro ganz enorm gestiegen.

Die beiden Akquisitionen, die nun innerhalb weniger Monate realisiert wurden, passen nach Einschätzung von Herrn Heinz hervorragend zu STRATEC. Auf seine Nachfrage informierte Herr Wolfinger, dass die Integration planmäßig verläuft. Man werde mit diesem Thema auch noch einige Monate beschäftigt sein.

Dennoch will der Vorstand weiterhin die Augen offenhalten nach etwaigen interessanten Übernahmekandidaten und gegebenenfalls opportunistisch aktiv werden. Er sieht STRATEC nach der erfolgreichen Akquisition von DADC BioSciences und Diatron in einer sehr starken Position.

Weiter informierte er auf Nachfrage des Aktionärs, dass STRATEC für die Finanzierung der Zukäufe eine Brückenfinanzierung über 60 Mio. Euro mit einer Laufzeit von zwölf Monaten aufgenommen hat. In dieser Zeit dahin wird das weitere Vorgehen geklärt werden. Die zweite Akquisition wird aus heutiger Sicht komplett aus dem Cashbestand finanziert werden können.

Weiterhin versicherte der Vorstandsvorsitzende auf Nachfrage von Herrn Heinz, dass die Umsatzanpassung infolge der schwachen Entwicklung eines einzelnen Kunden ein Einzelfall bleiben wird. Kein anderer Kunde von STRATEC ist so stark auf den chinesischen Markt ausgerichtet.

Abschließend ergriff Hermann Leistner, der Gründer der STRATEC Biomedical AG, das Wort. Er zeigte sich sehr zufrieden, wie der Vorstand das Unternehmen seit seinem Ausscheiden vor fünf Jahren in seinem Sinne weitergeführt und entwickelt hat. Die beiden Akquisitionen haben die Marktposition weiter gestärkt. Insofern dankte er dem Vorstand und den Mitarbeitern für die erbrachte Leistung.

Abstimmungen

Herr Brückner verkündete die Präsenz mit 8.500.591 Aktien. Bezogen auf das gesamte Grundkapital von 11.852.970 Euro, eingeteilt in ebenso viele Aktien, entsprach dies einer Quote von 71,72 Prozent.

Alle Beschlüsse wurden mit Mehrheiten über 97 Prozent gefasst. Nennenswerter Widerstand regte sich lediglich bei der Wahl der Ebner Stolz GmbH & Co. KG zum Abschlussprüfer (TOP 5) mit rund 190.000 Gegenstimmen.

Im Übrigen beschloss die Hauptversammlung über die Dividende von 0,75 Euro (TOP 2), die Entlastung von Vorstand (TOP 3) und Aufsichtsrat (TOP 4) und die Zustimmung zum Ergebnisabführungsvertrag mit der 100prozentigen Tochtergesellschaft STRATEC Capital GmbH (TOP 6).

Um 12:15 Uhr schloss der Vorsitzende die Versammlung.


Fazit

Die STRATEC Biomedical AG hat das Geschäftsjahr 2015 erfolgreich abgeschlossen. Der Umsatz stieg zwar etwas weniger als erwartet. Das EBIT konnte durch die Ausweitung des Servicegeschäfts und den höheren Anteil von Verbrauchsmaterialien aber dennoch deutlich verbessert werden. Die Aktionäre können sich über eine erneute Anhebung der Dividende auf 0,75 (0,70) Euro freuen.

Nach einer längeren Akquisitionspause hat sich STRATEC in den letzten Monaten wieder extern verstärkt. Im März wurde der ungarische Hämatologie-Systemspezialist Diatron erworben, der das Geschäft im Laborbereich erweitert. Und am Tag vor der Hauptversammlung meldete STRATEC den Kauf der Sony DADC BioSciences GmbH, eines weltweit führenden Herstellers von intelligenten Verbrauchsmaterialien.

Mit den beiden Zukäufen hat sich die Marktstellung von STRATEC, wie der Vorstand erläuterte, nochmals deutlich verbessert. Bei erstmaliger vollständiger Einbeziehung der Neuerwerbungen in den Konzernabschluss im Geschäftsjahr 2017 wird der Umsatz die Marke von 200 Mio. Euro überschreiten und die Marge sich wohl noch weiter erhöhen. Von dem steigenden Ertragsniveau müsste auch der Aktienkurs profitieren können.


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