Syzygy AG (ISIN DE0005104806)

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HV-Bericht Syzygy AG

Ausschüttung einer Sonderdividende beantragt


Rund 60 Teilnehmer nahmen am 28. Mai 2010 an der diesjährigen ordentlichen Hauptversammlung der Bad Homburger Syzygy AG in der Frankfurter Deutschen Nationalbibliothek teil, darunter auch Hans-Hermann Mindermann für GSC Research. Die Syzygy AG ist die Obergesellschaft einer Agenturgruppe für interaktives Marketing mit Standorten in Frankfurt, Hamburg und London. Mit rund 260 Mitarbeitern erbringt die Unternehmensgruppe ihre Leistungen für europäische Großunternehmen in den Bereichen Web-Design und Online-Marketing.

Zu ihrer zehnten Hauptversammlung hatte die Gesellschaft den Aktionären eine Dividendenerhöhung vorgeschlagen. Dennoch gab es im Vorfeld Unruhe, denn die Berliner Verbraucherzentrale für Kapitalanleger e.V. (VzfK) hatte im Wege eines Gegenantrags die zusätzliche Zahlung einer Sonderdividende von 0,50 Euro je Aktie beantragt.

Für Spannung war also gesorgt, als der Aufsichtsratsvorsitzende Michael Mädel die Veranstaltung um 11 Uhr eröffnete. Nach der Begrüßung der Teilnehmer ging dieser zunächst auf eine Veränderung im Vorstand ein, der durch die Bestellung von Andy Stevens als weiterem Vorstandsmitglied verstärkt wurde. Herr Stevens hat die Aufgabe des COO übernommen und bringt zudem besondere Kompetenz auf dem für die Gesellschaft wichtigen britischen Markt mit. Zudem informierte der Versammlungsleiter, dass die Gesellschaft wenige Tage vor der Hauptversammlung 750.000 neue Aktien ausgegeben hat. Diese Maßnahme führte zu einer Erhöhung des Grundkapitals auf nunmehr 12.828.450 Euro, eingeteilt in die gleiche Anzahl an Aktien.

Im Anschluss an diese Ausführungen erstattete Herr Mädel den Aufsichtsratsbericht und erteilte anschließend dem Vorstand das Wort.


Bericht des Vorstands

In den Vorstandsbericht teilten sich die Vorstandsmitglieder, ergänzt um Ausführungen durch den Finanzdirektor Erwin Greiner. Eröffnet wurden die Beiträge mit Erläuterungen durch den Vorstandsvorsitzenden Marco Seiler zum Verlauf des vergangenen Geschäftsjahres.

Während Syzygy in den Jahren 2006 bis 2008 ein beeindruckendes Wachstum zeigte, belasteten die Rahmenbedingungen in 2009 die Gesellschaft und ihre Kunden massiv. Ein automatischer Reflex darauf waren laut Herrn Seiler bei vielen Kunden drastische Kostensenkungen, was vor allem für die Automobilindustrie und Finanzdienstleister gilt. In der Ergebnisrechnung waren zudem Belastungen durch die Wechselkursschwäche des britischen Pfunds zu verkraften. Von besonderer Bedeutung war schließlich die ersatzlose Streichung der bislang von Google gezahlten Provisionen.

So verringerten sich die Bruttoumsatzerlöse in 2009 von 81,1 auf 80,5 Mio. Euro, während die Nettoumsatzerlöse von 31,7 auf 28,8 Mio. Euro zurückgingen. Das operative Ergebnis lag mit 3,6 Mio. Euro gleichfalls deutlich unter den in 2008 erreichten 5,2 Mio. Euro. Dabei ist, wie Herr Seiler betonte, allerdings zu berücksichtigen, dass 2008 noch Provisionserlöse von Google in Höhe von 1,5 Mio. Euro enthalten waren. Erfreulich fiel hingegen das Finanzergebnis mit 1,3 nach 1,0 Mio. Euro im Vorjahr aus, so dass sich der Ergebnisrückgang je Aktie mit 0,02 Euro auf 0,28 Euro in Grenzen hielt.

Bei einem Blick auf die Segmente, so Herr Seiler, falle der Umsatzrückgang um 10 Prozent in Großbritannien auf, was an dem hohen Anteil der Automobilindustrie liege. Hingegen konnte in Deutschland sogar ein Anstieg um 5 Prozent erreicht werden.

Die Dividendenpolitik der Gesellschaft zielt nach Aussage des Vorstandsvorsitzenden darauf ab, den Earn-out-Verpflichtungen aus früheren Unternehmenskäufen Rechnung zu tragen, Raum für organische wie auch anorganische Expansion zu sichern und den Aktionären eine attraktive Dividendenrendite zu bieten. Grundsätzlich sieht die Unternehmensführung dies bei einer Ausschüttung der hälftigen Gewinne als Dividende als gegeben an. Da aber im vergangenen Geschäftsjahr keine Akquisitionen getätigt wurden und zudem im laufenden Geschäftsjahr das zehnte Jubiläum für das Unternehmen liegt, schlägt die Verwaltung eine Dividendenerhöhung auf 0,20 Euro je Aktie vor.

Nach diesen Ausführungen zeigte Vorstandsmitglied Frank Wolfram die Bedeutung von Innovationen für das Unternehmen und die Branche auf. Gradmesser dafür sind nach seinen Worten die erhaltenen Auszeichnungen, die den Kunden wiederum die Leistungsfähigkeit einer Agentur signalisieren. Auf diesem Gebiet war Syzygy im abgelaufenen Geschäftsjahr besonders erfolgreich, denn mit 36 wurde der Vorjahreswert von 15 mehr als verdoppelt. Zudem verlief der Start in das laufende Geschäftsjahr wiederum erfreulich.

Im Anschluss an die Vorstellung von Beispielen für die Leistungskraft von Syzygy erläuterte der Finanzdirektor Erwin Greiner ausgewählte Finanzkennzahlen. So stieg beispielsweise das Finanzergebnis um 39 Prozent, wobei auf den Wertpapierbestand eine Rendite von 6 Prozent erwirtschaftet wurde. Der auffallend starke Anstieg des Forderungsvolumens von 11,3 auf 16,8 Mio. Euro zum Ende des Geschäftsjahres beruht auf einem starken Weihnachtsgeschäft. Zudem haben einige Kunden anders als in den Vorjahren Rechnungen erst nach dem Jahreswechsel beglichen, so dass zum Bilanzstichtag noch die Forderungen auszuweisen waren. Den starken Einbruch des Cashflows in 2009 auf 0,160 nach 9,548 Mio. Euro in 2008 führte Herr Greiner darauf zurück, dass in 2008 Vorauszahlungen von Kunden vereinnahmt wurden, die dann in 2009 abgearbeitet wurden.

Vorsichtig fielen die Ausführungen von Herrn Seiler zum Ausblick aus. Demnach hat die Gesellschaft aktuell bereits 25 Auszeichnungen im laufenden Jahr erhalten. Für 2010 werde dennoch ein mit 2009 vergleichbares Ergebnis erwartet, während mittelfristig wieder Wachstumsraten im zweistelligen Bereich angestrebt werden, schloss Herr Seiler den Vorstandsbericht.


Allgemeine Diskussion

Eröffnet wurde die allgemeine Diskussion, die in Form einer Generaldebatte stattfand, durch Markus Hoffmann von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Hauptversammlungen von Syzygy hatte dieser schon mehrfach in früheren Jahren besucht. Seine anfängliche Skepsis habe er inzwischen in Anbetracht der Entwicklung des Unternehmens abgelegt. Die Zahlen, so der DSW-Vertreter, belegten, dass der Vorstand das Geschäft beherrscht. Seine positive Grundstimmung wurde zudem durch das Geburtstagsgeschenk einer Dividendenerhöhung gestützt, wenngleich die Entwicklung im britischen Markt im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Schönheitsfleck für das positive Bild bedeute, weshalb sich Herr Hoffmann nach den Hintergründen dieser Entwicklung erkundigte.

Ebenso gab der Aktionärsschützer zu bedenken, dass die Ergebnisse deutlich durch Wechselkursschwankungen gegenüber dem britischen Pfund belastet wurden, so dass ihn insoweit die daraus folgenden Konsequenzen für Kurssicherungen und die Unternehmensstrategie interessierten. Weitere Fragen zum operativen Geschäft bezogen sich auf die Bedeutung der Verbindung von Social Web und E-Commerce sowie auf die damit verbundenen Risiken, die Bedeutung von Google für die Provisionseinnahmen und die Abhängigkeit von Großkunden. Bezüglich der Strategie hinterfragte Herr Hoffmann zudem die Tiefe der Zusammenarbeit mit dem polnischen Partner und die Stoßrichtung der regionalen Expansion.

Dr. Weimann von der Verbraucherzentrale für Kapitalanleger e.V. (VzfK) formulierte den Gegenantrag zur Gewinnverwendung. Der gestellte Antrag wich allerdings aufgrund der zwischenzeitlichen Kapitalerhöhung und der sich daraus ergebenden Konsequenzen für die Gewinnverwendung vom zuvor schriftlich gestellten ab. Beantragt wurde daher die Ausschüttung einer Sonderdividende von 0,40 Euro je Aktie, die unter anderem mit der hohen Kapitalisierung der Gesellschaft und den geringen Eigenkapitalanforderungen der Geschäftstätigkeit begründet wurde. Wissen wollte Dr. Weimann daher zugleich von der Verwaltung, warum die Gesellschaft derart hohe Eigenmittel benötigt. Weitere Fragen bezogen sich auf die Kapitalanlagen und die Anlagepolitik, die Bedingungen der aktuellen Kapitalerhöhung und die aktuelle Aktionärsstruktur.

Im weiteren Verlauf wies sich Herr Henrich als langjähriger Begleiter der Gesellschaft aus. In früheren Jahren war er auch als Aktionärssprecher aufgetreten, während er in 2010 als Privatanleger gekommen war und zudem Aktien für einen anderen Investor vertrat. Auch er sprach sich für die Ausschüttung einer Sonderdividende aus, wie dies in früheren Jahren bereits mehrfach geschah. Allerdings war Herrn Henrich wichtig, dass die Gesellschaft einen solchen Vorschlag aufgrund einer eigenen freien Entscheidung unterbreitet, so dass er für kommende Jahre entsprechende Vorschläge erwartete.


Antworten

Im Anschluss an diese Beiträge wurde die Sitzung unterbrochen, damit die Verwaltung die Antworten vorbereiten konnte, in die sich dann die Vorstandsmitglieder, der Finanzdirektor Greiner sowie der Aufsichtsratsvorsitzende teilten. So erfuhren die Teilnehmer, dass ein Großteil der Umsatzerlöse und Aufwendungen jeweils in lokaler Währung anfällt, womit ein natürliches Hedging vorliege. In 2009 hat das britische Pfund die Ergebnisse deutlich belastet, aber aus heutiger Sicht wird für 2010 eine eher stabile Entwicklung erwartet.

Die Einstellung der Provisionszahlungen durch Google konnte nur teilweise kompensiert werden. Aufgrund der starken Stellung von Google im Online-Marketing konnte dieses Unternehmen seine Entscheidung durchsetzen, die bislang an Agenturen gezahlten Provisionen wegfallen zu lassen. Mit den zehn größten Kunden werden rund 60 Prozent des Umsatzes erzielt. Dabei kommt kein einzelner Kunde auf einen Umsatzanteil von über 20 Prozent, so dass aus Sicht von Herrn Mädel auch im Branchenvergleich eine gesunde Kundenstruktur vorliegt. Die Risiken der Verbindung von Social Web und E-Commerce sieht die Verwaltung schon, allerdings gebe es auch klare Vorteile. Faktisch entspricht diese Form des Marketings einem Empfehlungsmarketing mit dem Grundgedanken, dort zu sein, wo der Nutzer jeweils ist.

Die ersten gemeinsamen Projekte mit dem polnischen Partner Ars Thanea befinden sich in der Umsetzung. Die bislang gemachten Erfahrungen sind positiv, was insbesondere auch für die hohe Qualität der Leistungen des Partners gilt. Den Schwerpunkt bilden dabei Dienstleistungen im 3D-Bereich. Die Expansionsrichtung der Gesellschaft ist im Übrigen auch durch die Kunden vorgegeben, was vor allem für Osteuropa gilt.

Die diesjährige Kapitalerhöhung geht indirekt auf einen in 2007 getätigten Agenturkauf zurück. Seinerzeit wurde unter anderem auch eine Earn-out-Klausel vereinbart, wobei die Schlusszahlung bis zur Hälfte in Form von Aktien bezahlt werden konnten, was nunmehr über die Kapitalerhöhung erfolgte. Die neuen Aktien im Nominalbetrag von 750.000 Euro wurden mit einem Gesamterlös von 2,6 Mio. Euro ausgegeben.

Je nach Informationsquelle können sich unterschiedliche Angaben zur aktuellen Aktionärsstruktur ergeben, was letztlich Folge unterschiedlicher Veröffentlichungs- und Aktualisierungstermine ist. Der aktuelle der Gesellschaft bekannte Stand weist 27,9 Prozent des Kapitals bei der WPP aus, 4,9 Prozent bei Herrn Seiler und 2,9 Prozent bei Herrn Stevens.

Kapitalanlagen tätigt die Gesellschaft ausschließlich in Euro. Erworben werden dazu Anleihen mit Investment-Grade-Einstufung. Die größten aktuellen Positionen sind Emissionen von Emittenten wie der Allianz, der HSBC, der Deutschen Bank, Münchener Rück, Henkel und Hannover Finance. Die Erträge des Portfolios in 2009 in Höhe von 1,3 Mio. Euro enthalten auch 0,4 Mio. Euro Veräußerungserlöse.

Mit dem Vorhalten der Finanzmittel im derzeitigen Umfang möchte die Gesellschaft die Attraktivität als Arbeitgeber steigern und den Kundenanforderungen besser entsprechen. Dazu zählt auch die Möglichkeit, flexibel auf Akquisitionsgelegenheiten zu reagieren. Nach Abzug des Bedarfs für die Finanzierung des Working Capitals steht ein Betrag von etwa 17 bis 18 Mio. Euro zur Verfügung, was aus Sicht der Verwaltung sachgerecht ist.

In einer weiteren Wortmeldung lobte Dr. Weimann die Verwaltung für die ausführliche Beantwortung seiner Fragen und regte zugleich an, künftig detaillierte Informationen auf den Internet-Seiten des Unternehmens zu den von ihm angesprochenen Themen aufzunehmen.


Abstimmungen

Die Abstimmungen wurden im Subtraktionsverfahren durchgeführt. Präsent waren dazu rund 4,2 der insgesamt rund 12,8 Millionen ausgegebenen Aktien entsprechend einer Quote von 33,02 Prozent. Sämtliche Beschlüsse wurden im Sinne der Verwaltungsvorschläge gefasst. Bei TOP 2 waren 4,0 Millionen Ja-Stimmen bei rund 220.000 Gegenstimmen zu verzeichnen, so dass die Zustimmungsquote bei lediglich 94,8 Prozent lag, während alle anderen Tagesordnungspunkte bei nur wenigen Gegenstimmen oder einstimmig verabschiedet wurden.

Im Einzelnen abgestimmt wurde über die Verwendung des Bilanzgewinns zur Ausschüttung einer Dividende von 0,20 Euro je Aktie (TOP 2), die Entlastung von Vorstand (TOP 3) und Aufsichtsrat (TOP 4), die Aufhebung der bestehenden und die erneute Ermächtigung zum Erwerb eigener Aktien bis zum 27. Mai 2015 (TOP 5), die Wahl der BDO Deutsche Warentreuhand AG zum Abschlussprüfer für das Geschäftsjahr 2010 (TOP 6) und über die Anpassung der Satzung an das Gesetz zur Umsetzung der Aktionärsrechterichtlinie (ARUG) TOP 7).

Nicht abgestimmt wurde hingegen über den Gegenantrag auf Zahlung einer Sonderdividende, da dieser mit der Zustimmung zum Verwaltungsvorschlag für die Gewinnverwendung gegenstandlos geworden war.


Fazit und eigene Meinung

Eher selten gibt es derzeit Hauptversammlungen, in denen Aktionäre eine höhere Dividende in dieser Form einfordern. Die Syzygy AG sitzt auf einem komfortablen Liquiditätspolster, das eine solche Zahlung ermöglichen würde. Andererseits können sich gerade aufgrund der Folgen der Finanzmarktkrise auch neue Akquisitionsgelegenheiten ergeben, und zudem erleichtert die Kapitalausstattung großen Kunden auch die Entscheidung für Syzygy.

Die Beurteilung der Aktie sollten Interessenten aber eher auf die operativen Kennzahlen abstellen. Im Ergebnis handelt es sich dann um ein solides Investment in ein wachsendes Unternehmen mit einer guten Marktperspektive. Zu beachten ist allerdings die Marktenge in der Aktie.


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