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HV-Bericht TFG Venture Capital AG & Co. KGaA

Umwandlung in eine AG beschlossen


Am Mittwoch, dem 25. Juni 2003, fand in der Rheinterrasse Düsseldorf die ordentliche Hauptversammlung der TFG Venture Capital AG & Co. KGaA Unternehmensbeteiligungsgesellschaft statt. Neben zahlreichen Anwesenden war auch Gunnar Lange von GSC Research zugegen, um über die Veranstaltung zu berichten. Interessant ist, dass Herr Michael Stallmann zum 30. Juni 2002 aus dem Vorstand der Komplementärin (TFG Venture Capital AG) austrat, an welcher er und Herr Jürgen Leschke zu je 50 Prozent beteiligt sind, seit dem 15. April diesen Jahres wieder als Vorstandsmitglied aktiv ist.

Pünktlich um 10:00 Uhr eröffnete der Aufsichtsratsvorsitzende, Herr Heinrich Fischer, mit der Verlesung der üblichen Formalien die Versammlung und übergab danach das Wort an Frau Lengeling.


Bericht des Vorstands

Frau Lengeling stellte sich zunächst einmal kurz vor, da sie erst seit Anfang 2003 als Vorstand für das Unternehmen tätig ist. In ihrer Verantwortung liegt nun der Bereich Finanzen mit der Restrukturierung des Altportfolios. Das Feld der Unternehmensstrategie verantwortet sie gemeinsam mit dem Vorstandskollegen Michael Stallmann.

Nach diesen einleitenden Bemerkungen stellte Frau Lengeling eine grundlegend veränderte TFG vor. Der Venture Capital-Markt steckt nun schon seit drei Jahren in der Krise, und die Börse als Exit-Kanal ist gänzlich weggebrochen. Als notwendige Konsequenz wurde im operativen Geschäft eine Neuorientierung, die Restrukturierung des Altportfolios, beschlossen, und es wird in der Tagesordnung die Änderung der Gesellschaftsform in eine AG vorgeschlagen.

Als Nächstes beschrieb Frau Lengeling kurz das damalige VC-Kerngeschäft in der heutigen Situation. In Deutschland ist der Venture Capital-Markt nahezu zum Erliegen gekommen. Börsengänge finden zumindest in Deutschland nicht mehr statt, und Trade Sales sind nur selektiv und zu deutlich gedrückten Preisen möglich. Im Jahre 2002 haben deutsche Beteiligungsgesellschaften gerade noch 2,5 Mrd. EUR in Beteiligungen investiert gegenüber 4,4 Mrd. EUR in 2001. Der größte Teil dieser Investitionen entfällt inzwischen auf größere Buy-outs, welche nicht dem klassischen VC-Geschäft zuzurechnen sind. In das von der TFG bisher investierte Frühphasengeschäft - Seed, Start-up bis Expansion - fließen kaum noch Gelder. Auch in den Bereich Fundraising und Exit sieht es nicht besser aus. Der dominierende Exit-Weg ist die Abschreibung.

Neu in das Portfolio investiert wurden in 2002 bei der TFG 11 Mio. EUR, wobei das Geld eher in Fonds und Altfälle geflossen ist. Das Neu-Investment i:FAO im Dezember 2002 stand bereits unter der neuen Geschäftsstrategie. Im Portfolio wurden im abgelaufenen Geschäftsjahr 50 Mio. EUR wertberichtigt. Dadurch ergab sich ein Jahresfehlbetrag von 47,7 Mio. EUR. Der Nettoinventarwert lag zum Stichtag 31.12.2002 bei 3,77 EUR pro Aktie.

Aufgrund der anhaltend schlechten Lage wurden die Potenziale des Altportfolios neu gewichtet. Ausschlaggebend ist aktuell das Liquiditätspotenzial, das eine Beteiligung im Verkaufsfall für die TFG hat. Die vertraglichen Verpflichtungen werden weitergeführt, der Fokus liegt aber künftig auf der Vermarktung.

Dabei kommen drei verschiedene Strategien in Betracht. Erstens wurde für Beteiligungen mit geringem Potenzial bereits im letzten Jahr die Weiterfinanzierung eingestellt. Hierbei kann es auch zu weiteren Insolvenzen kommen. Zweitens werden bei Gesellschaften im Mittelfeld aktive Verkaufsmöglichkeiten gesucht. Dabei wird ein Rückverkauf an Gründer oder die Veräußerung an Investoren angestrebt. Hierbei werden die Anteile notfalls auch unter dem Einstandspreis abgegeben. Und drittens werden die Potenzialträger weiterfinanziert, um hier mittelfristig den Exit zu suchen.

Konkret werden derzeit nach Angaben von Frau Lengeling 32 Unternehmen aktiv betreut, von denen sich 14 Gesellschaften in der Abwicklung befinden, 16 Gesellschaften aktiv vermarktet werden und 13 Gesellschaften mit größerem Potenzial identifiziert wurden. Zeitlich soll das Altportfolio bis Ende 2004 bereinigt sein.

Weiterhin soll die Umwandlung in eine echte AG erfolgen und der Anteil am TFG II Fonds mit der Abschaffung des Teilkonzerns reduziert werden. Dadurch könnten Berichts-, Prüfungs- und Controllingskosten gespart und die Transparenz für die Aktionäre erhöht werden. Für die dafür unter TOP 8 und 9 notwendigen Beschlüsse bat Frau Lengeling die Aktionäre um ihre Zustimmung.

Die bisherige Struktur einer KG auf Aktien ähnelt einem Fonds. Die Gesellschaft selbst beschäftigt keine Arbeitnehmer. Das Vermögen der KG besteht im Wesentlichen aus den Beteiligungen, welche durch eine zweite Gesellschaft (TFG Venture Capital AG) über einen Managementvertrag mit der KG verwaltet wird. Diese TFG Venture Capital AG ist Komplementärin der KG. Mit der Umwandlung in eine AG könnten dann die oben schon genannten Vorteile realisiert werden. Diese wären eine höhere Transparenz gegenüber den Aktionären, Senkung des Verwaltungsaufwands, bessere Vergleichbarkeit zu anderen Unternehmen, Wegfall der Vergütung der Komplementärin (Venture Capital AG).

Für diese Umwandlung muss die Komplementärin als persönlich haftende Gesellschafterin der KG ausscheiden. Gemäß der Satzung erhält sie für die von ihr geleistete Vermögenseinlage in Höhe von 221 TEUR eine Abfindung in Aktien. Dies ist der Hintergrund für die erste Sachkapitalerhöhung (TOP 8), bei der der Abfindungsanspruch der persönlich haftenden Gesellschaft eingelegt wird. Zudem wird die Komplementärin (TFG Venture Capital AG) auf ihren bis 2008 gültigen Managementvertrag mit der KG gegen eine durch Gutachten festgelegte Abfindung von 677 TEUR verzichten. Dies wurde durch ein objektiviertes Ertragswertverfahren ermittelt.

Hierbei wurde die erwartete Managementvergütung von 2,5 Prozent des Beteiligungsvolumens bis Ende 2008 in einer erwarteten Höhe von 5,1 Mio. EUR unter Abzug der Kosten auf heute abgezinst. Im Ergebnis wurden dann die schon erwähnten 677 TEUR ermittelt. Dieser Abfindungsanspruch soll ebenfalls in Aktien ausgezahlt werden, um die Liquidität der neuen AG zu schonen und das Vertrauen in die neue Gesellschaft zu dokumentieren. In TOP 9 werden die dafür notwendigen Beschlüsse aufgeführt.

Bezugsgröße für die Bestimmung des Ausgabebetrags der Aktien ist der Dreimonats-Durchschnittskurs der TFG-Aktie am Tag der Bekanntmachung der Tagesordnung der Hauptversammlung. Dieser wurde mit 0,93 EUR pro Aktie ermittelt. Aus rechtlichen Gründen wurde der Ausgabebetrag auf 1 EUR angehoben. Insgesamt ergeben sich also aus der Abfindung der Managementverträge und Umwandlung der Einlage 898,5 TEUR entsprechend 898.500 Aktien der neuen Gesellschaft. Im Zuge dieser Umwandlung soll auch der Name der Gesellschaft in "TFG Capital AG Unternehmensbeteiligungsgesellschaft" umgeändert werden.

Nach der Eintragung der neuen Gesellschaft werden nach Aussage von Frau Lengeling in einem zweiten Schritt die Mitarbeiter der Management AG übernommen und das Inventur zum Buchwert erworben. Auch Verträge wie Miete, Leasing, Telefon usw. werden auf die neue AG übergehen. Altlasten und alle nicht betriebsnotwendigen Dinge bleiben außen vor. Somit wird die neue Aktie von Altlasten befreit sein.

Die Neuausrichtung der TFG hat sich nach Angaben von Frau Lengeling im 1. Quartal 2003 schon bemerkbar gemacht. So waren bisher keine größeren Abschreibungen zu verzeichnen, und es sind wieder Verkaufserlöse geflossen. Die restlichen Anteile an der GeneScan Europe, die Aktien der ISRA Vision Systems und die Anteile an der Viasys AG wurden verkauft. Weitere kleinere Beteiligungsveräußerungen sind in Vorbereitung und werden Ende 2003 aller Voraussicht nach abgeschlossen sein. Auch der Mittelverbrauch der Gesellschaft konnte stark eingeschränkt werden. Auch der Werteverlust des NAV konnte im 1. Quartal weit gehend gestoppt werden. Nach einem Dank an alle Mitarbeiter übergab Frau Lengeling das Wort an ihren Vorstandskollegen, Herrn Stallmann.

Wie Herr Stallmann zunächst betonte, glaubt er nicht mehr an die Börsenfähigkeit des Venture Capital. Diese Erkenntnis machte eine Neuorganisation und Neuausrichtung der TFG notwendig. Hauptstoßrichtung soll dabei der deutsche Aktienmarkt sein. Die TFG wird sich in Zukunft auf den Erwerb von unterbewerteten börsennotierten Unternehmen konzentrieren, diese entwickeln und wieder veräußern. Derzeit notieren viele Unternehmen unter ihrem Buchwert, auch Technologieunternehmen sind zum Schnäppchenpreis zu haben. Das Angebot an potenziellen Investitionsmöglichkeiten ist also derzeit sehr groß.

Dabei will man sich in einem ersten Schritt auf junge Technologieunternehmen konzentrieren, insbesondere aus dem Umfeld des Neuen Markts. Mittelfristig soll der Fokus dann auf Small- und Midcaps aller Branchen erweitert werden. Entscheidendes Kriterium für ein Investment sind die Bewertung des Net Asset Value (NAV) und die Nettofinanzposition, wobei beides deutlich über der Marktkapitalisierung liegen muss. Zudem werde man nur noch etwa 3 bis 4 Transaktionen pro Jahr mit einem Durchschnittsvolumen von circa 5 Mio. EUR pro Akquisition durchführen. Die Haltedauer liege dabei bei 1 bis 2 Jahren, und es sollen dabei Bruttorenditen von 20 Prozent p.a. erzielt werden.

Da dieses Geschäftsmodell in England und in den USA schon länger mit großem Erfolg existiert, wird dies nach Einschätzung von Herrn Stallmann auch in Deutschland funktionieren. Dabei gibt es kaum Konkurrenten, da andere Beteiligungsgesellschaften einen anderen Fokus haben. So gehören WCM oder die amerikanische KKR eher zu den klassischen Finanzinvestoren, welche branchenübergreifend in börsennotierte Unternehmen investieren. Unternehmen wie INDUS, DBAG oder IKB sind dagegen hauptsächlich im klassischen nicht börsennotierten Mittelstand tätig. Mit der Ausrichtung auf börsennotierte Beteiligungen nimmt die TFG in Deutschland eine Vorreiterrolle ein. Das Ziel der TFG dabei ist, einen Turnaround, eine Liquidation oder eine Neupositionierung am Kapitalmarkt durchzuführen.

Nun ging Herr Stallmann noch einmal auf die Umwandlung der Gesellschaft in eine AG ein. In diesem Zusammenhang führte er aus, dass er dies nicht zulassen würde, wenn es nur nach seinem eigenen Portemonnaie ginge. Für ihn und Herr Leschke als einzigen Teilhabern der Komplementärin AG werde dadurch die relative Sicherheit des Beratervertrags bis 2008 gegen eine Chance auf die neue Gesellschaft eingetauscht. Zudem wurde mit der Neuausrichtung eine Trennung von Aufgaben und Zuständigkeiten vorgenommen. Das ehemalige VC-Geschäft als Management von geschlossenen Fonds und speziell hier des TFG III Fonds wird nunmehr durch die Aurelia Private Equity in Frankfurt betrieben. Dies erfolgt unter der Leitung von Jürgen Leschke. Die TFG ist auch weiter mit erheblichen Mitteln an der TFG III beteiligt.

Außerdem trägt die Neuausrichtung erste Früchte. So mussten im 1. Halbjahr 2003 keine weiteren größeren Abschreibungen vorgenommen werden, und es sind auch erste Erträge geflossen. Das Anteilspaket an der GeneScan Europe AG wurde veräußert. Es stellte sich heraus, dass in dieser Gesellschaft die wirtschaftlichen Ziele nicht erreicht werden konnten, und so musste eine Neustrukturierung forciert werden. Die TFG besaß allerdings nur 12 Prozent der Anteile und einen Aufsichtsratsplatz.

Von daher wurde eine außerordentliche Hauptversammlung am 4.1.2003 durchgeführt (siehe hierzu auch den HV-Bericht von GSC Research). Dort wurde der Aufsichtsrat neu besetzt, u.a. mit 2 Mitgliedern der TFG, und ein Sanierungskonzept erzwungen. Dabei wurden die F&E-Aktivitäten auf ein wirtschaftliches Maß reduziert, die Verwaltung verschlankt und die Konzentration auf das Kerngeschäft, nämlich Agro-Food, forciert. Danach wurde das Übernahmeangebot mit der französischen Eurofins zu einem Kurs von 1,10 EUR vorangetrieben.

Im Weiteren ging Herr Stallmann auf das Engagement bei der i:FAO ein, das erste Investment im neuen Geschäftsfeld. Vor dem Hintergrund der Relation Cash/Marktwert von 2,5 sah man ein gutes Chance/Risikoprofil und erwarb Ende 2002 erste börsliche und außerbörsliche Anteile. Mit einem Anteil von knapp über 5 Prozent wurde im Februar 2003 ein Übernahmeangebot an die Aktionäre unterbreitet. Erst lange nach dieser Offerte zeigte sich Herr Arnitz als Vorstand und Großaktionär der i:FAO gesprächsbereit. Da dieser andere strategische Ziele als die TFG im Falle einer Übernahme verfolgt, wurde Herrn Arnitz eine Option zum Erwerb sämtlicher von der TFG gehaltenen Anteile eingeräumt. Falls diese gezogen wird, hat die TFG eine ansehnliche Rendite auf das eingesetzte Kapital erzielt.

Nach Aussage von Herrn Stallmann wird nunmehr an weiteren Fällen gearbeitet, welche der TFG mit höherem Volumen im nächsten Jahr ein positives Ergebnis bescheren sollten. Im weiteren Verlauf des Jahres werden bereits einige neue Transaktionen vorbereitet. Wenn alles weiter so verläuft, dann wird im Laufe der nächsten Monate ein weiteres Übernahmeangebot unterbreitet. Wie schon erwähnt, werden dabei 2 bis 3 Investments pro Jahr angestrebt. Der Verlust in 2003 soll weiter reduziert und in 2004 sollten wieder Gewinne eingefahren werden.


Allgemeine Aussprache

Als erste Rednerin ergriff Frau Hölz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) das Wort und forderte nähere Erläuterungen zum Austritt von Herrn Stallmann aus dem Vorstand der TFG und dessen späterem Wiedereintritt. Zudem stünde bei einem heutigen Kurs von circa 1,60 EUR pro Aktie Herr Stallmann bei einer Ausgabe der Aktien zu 1 EUR wesentlich besser da als viele Altaktionäre. Hier hätte ihres Erachtens auch eine Barabfindung genügt. Weiterhin interessierte Frau Hölz der Zinssatz, welcher auf die aktuelle Liquidität erreicht wurde.

Nach einer genaueren Durchleuchtung des Portfolios der TFG entsprechen nach Ansicht von Fau Hölz nur vier Unternehmen der neuen Strategie. Diesbezüglich verlangte sie noch nähere Erläuterungen, wie das Altportfolio bis Ende 2004 bereinigt werden soll. Im Hinblick auf die Aktie erwähnte Frau Hölz den hohen Free Float und die hohen Umsätze. Zudem sei die TFG nur mit einem Drittel des Eigenkapitals bewertet. Weiterhin wollte sie das Prüfungs- und Beratungshonorar der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft genannt haben. Außerdem wunderte es Frau Hölz, dass im letzten Jahr nach IAS bilanziert wurde und dass nun wieder zurück zum deutschen HGB-Abschluss gewechselt wurde, und dies vor dem Hintergrund, dass in 2005 ein Abschluss nach IAS Pflicht wird.

Der nächste Redner, Herr Dr. Weimann, Rechtsanwalt aus Berlin und Vertreter von rund hundert Aktien, betonte, dass von der Umwandlung vor allem Herr Stallmann und Herr Leschke profitieren. Bei einem NAV zum 31. März von 3,72 EUR pro Aktie und dem Erwerb der Aktien durch Herrn Stallmann für 1 EUR ist eine starke Diskrepanz festzustellen. Zudem wurden in der Vergangenheit von Herrn Stallmann zirka 340.000 Aktien der TFG erworben.

Daher forderte Dr. Weimann Herrn Stallmann auf, die Aktien nicht zu pari von der TFG zu übernehmen, sondern den NAV von 3,72 EUR pro Aktie zu bezahlen, da dies den eigentlichen Wert des Unternehmens darstelle. Außerdem könne auf den Managementvertrag der Komplementärin mit der KG ohne Vergütung komplett verzichtet werden. Mit der von Herrn Stallmann dann gehaltenen Aktien hätte dieser eine Sperrminorität von über 25 Prozent an der zukünftigen TFG. Nun folgten einzelne ins Detail gehende Fragen, die aber aus Sicht des Verfassers den Umfang dieses Berichts sprengen würden.

Der nächste Sprecher, Herr Schnürpel, hieß den Strategiewechsel gut und las einen Artikel vor, in welchem einige negative Investments der TFG erwähnt wurden wie ComRoad oder Inline (die Firma des Motivationslehrers Jürgen Höller). Hierbei wollte er wissen, wie solche Fehler in Zukunft vermieden werden können.

Danach forderte Herr Scharpe weitere Informationen zur neuen Strategie der TFG. Insbesondere interessierte ihn, wie man geeignete Unternehmen findet und wie es nun nach der Übernahme bei i:FAO weitergeht. Außerdem sollte der Vorstand geeignete Ziele für die Zukunft nennen. Da TFG nun den SMAX verlassen hat, fragte er sich auch, wie nun in Zukunft die Publikationspflichten für die TFG aussehen.

Herr Dieckmann, Vertreter eines mittelständischen Unternehmens, wollte vom Vorstand Auskunft darüber, ob für die TFG III Fonds ein Agio bezahlt wurde und ob es diesbezüglich Kickbackzahlungen gegeben hat. Wie er weiter mitteilte, wollte dieses mittelständische Unternehmen eine Gesellschaft der TFG erwerben. Seitens der TFG habe es trotz mehrmaliger Nachfragen kein Feedback gegeben, und nun ist die entsprechende Gesellschaft insolvent. Hierzu forderte er Aufklärung.


Antworten

Als Erstes erklärte Herr Stallmann sein Ausscheiden und späteres Wiedereinwechseln in den Vorstand mit der Umorganisation der TFG. So hätte er sich im Tagesgeschäft nicht um die Neuorganisation kümmern können und sei daher erst einmal als Vorstand ausgeschieden. Nach der Neustrukturierung sei er nun wieder als Vorstand tätig. Dann kam er auf den NAV zu sprechen. Dieser betrug zwar Ende März 2003 3,72 EUR pro Aktie, jedoch stelle dies nicht den fairen Wert dar. Denn auf diesen Wert müsse eine Rendite erwirtschaftet werden, und dies sei derzeit noch nicht der Fall.

Der Anteil an der i:FAO beträgt derzeit 26,81 Prozent. Das weitere Vorgehen hänge von der Ausübung des Optionsrechts ab. Sollte diese Option nicht gezogen werden, wird das Unternehmen weiter restrukturiert. Den SMAX habe man unter anderem aus Kosteneinsparungsgründen verlassen. Nach Beendigung der Umstrukturierung werde man sich aber wieder um eine Aufnahme bemühen. Zudem werde man auch weiterhin zum Quartal und Halbjahr Berichte erstellen. Über Unternehmen, welche man derzeit im Blick hat, könne aus verständlichen Gründen keine Auskunft gegeben werden.

Dass keine Barabfindung der Komplementärin erfolgen soll, hängt mit der Liquiditätsschonung der neuen AG zusammen. Zudem erwarte man eine ansehnliche Rendite auf diese Liquidität. Die Anerkennung des neuen Konzepts durch den Kapitalmarkt zeigt sich nach Meinung des Vorstands an den zwischenzeitlichen Kurssteigerungen der Aktie. Als durchschnittlichen Zinssatz in 2002 auf die liquiden Mittel nannte er 2,8 Prozent, in 2003 werde dieser eher noch geringer ausfallen. Die persönlich haftende Gesellschafterin hält derzeit keine Anteile, wird aber nach dem Beschluss 898.500 Aktien oder 7,5 Prozent erhalten.

Wie schon in der Rede erwähnt, werden die Gesellschaften des Altportfolios in drei Bereiche eingeteilt. Für Gesellschaften mit geringem Potenzial wird die Weiterfinanzierung eingestellt. Für Beteiligungen mit mittlerem Potenzial wird ein Exit gesucht, und bei großem Potenzial wird zwar weiterfinanziert, aber mittelfristig auf einen Exit hingearbeitet. So erwartet man zum Ende des Jahres 2004 noch 15 bis 20 vorbörsliche Beteiligungen (30 bis 40 Prozent des Volumens).

Das Verhältnis zwischen Beratung und Prüfung der WP-Gesellschaft wurde für das Jahr 2001 mit 90:10 und für das Jahr 2002 mit 85:15 beziffert. Der Aufwand für die Umstellung auf IAS hält sich laut Vorstand in Grenzen, da alle Strukturen nun schon vorhanden sind. Allerdings wäre der Aufwand für eine Bilanzierung nach IAS bei diesem großen Portfolio sehr aufwendig. Deshalb habe man wieder den HGB-Abschluss gewählt.

Bezüglich der Publikationspflichten will sich die neue TFG an den europäischen Standard halten. Die Quartalsberichte werden verkürzt, die Halbjahresberichte relativ ausführlich abgegeben. Bei der Bewertung der Aktie zu pari habe man den 3-Monats-Durchschnittkurs an der Börse zu Grunde gelegt. Dies seit auch rechtlich geprüft worden. Im Zusammenhang mit den besagten Erwerbsabsichten des mittelständischen Unternehmens erklärte der Vorstand, nach einer Vertraulichkeitsvereinbarung habe man seitens des Unternehmens nichts mehr gehört. Außerdem stand die TFG wegen der entsprechenden Beteiligung in Verhandlungen mit einer anderen Firma, musste aber nach deren Scheitern Insolvenz anmelden.

So makaber es auch klingen möge, fuhr der Vorstand fort, aber die TFG habe mit ComRoad Geld verdient. Das Engagement bei der Firma Inline von Herrn Höller entsprang der Euphorie im Jahre 2000. Weiter erklärte der Vorstand, man habe im Zusammenhang mit dem TFG III Fonds weder Agio gezahlt noch Kickback-Zahlungen erhalten.

Die Komplementärvergütung im Jahre 2002 betrug nach Angaben von Herrn Stallmann 2,26 Mio. EUR und setzte sich zusammen aus einer Pauschale von 2,5 Prozent des verwalteten Volumens zuzüglich einer Erfolgs- und einer Haftungsvergütung. Die Pauschale im Bereich nicht börsennotierter Unternehmen betrug im 1. Halbjahr 2002 1,175 Mio. EUR und im 2. Halbjahr 972 TEUR. Im Bereich börsennotierter Unternehmen belief sich diese Pauschale im 1. Halbjahr 2002 auf 78 TEUR und im 2. Halbjahr auf 260 TEUR. Eine Erfolgsvergütung wurde nicht gezahlt. Die Haftungsvergütung betrug insgesamt 10 TEUR in 2002.

Was das Directors Dealings angeht, so wurden von Herrn Stallmann 323.000 Aktien in einem Direktkaufgeschäft von einem institutionellen Teilnehmer zu einem Preis von 1 EUR pro Aktie erworben. Frau Lengeling erwarb 20.000 Aktien von Herrn Stallmann im Zuge einer Weiterreichung.


Abstimmungen

Die Präsenz wurde mit 3,82 Millionen Aktien oder 34,74 Prozent des Grundkapitals festgestellt. Abgestimmt wurde über die Feststellung des Jahresabschlusses (TOP 2), die Entlastung der persönlich haftenden Gesellschafterin (TOP 3), die Entlastung des Aufsichtsrats (TOP 4), die Wahl der Prof. Dr. K. Schwantag, Dr. P. Kraushaar GmbH zum Abschlussprüfer (TOP 5), die Neuwahl der Mitglieder des Aufsichtsrats (TOP 6), die Neufassung der Satzung aufgrund des Formwechsels in eine AG (TOP 7), eine Sachkapitalerhöhung im Wege der Einbringung der Abfindungsansprüche der TFG Venture Capital AG unter Ausschluss des Bezugsrechts der Aktionäre (TOP 8) und die Umwandlung in eine AG (TOP 9). Alle Tagesordnungspunkte wurden mit überwältigender Mehrheit angenommen.


Fazit und Schlusswort

Die Zukunft der TFG Venture Capital AG hängt davon ab, ob das neue Geschäftsfeld funktioniert. Dies allerdings muss erst noch unter Beweis gestellt werden. Genügend liquide Mittel, um eine gewisse Durststrecke zu überstehen, sollten vorhanden sein. Der NAV lag Ende März 2003 bei 3,72 EUR pro Aktie bei einem Börsenkurs von circa 1,60 EUR.


Kontaktadresse

TFG Venture Capital AG & Co. KGaA
Ophoffstraße 22
60431 Marl

Tel.: 02365 / 9780 - 0
Fax: 02365 / 9780 - 33

Email: investorrelations@tfg.de
Internet:
www.tfg.de


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