TWINTEC AG (ISIN DE000A0LSAT7)

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HV-Bericht TWINTEC AG

Leidet unter den Auswirkungen des Betrugs durch einen Wettbewerber


Die TWINTEC AG hatte ihre Aktionäre für den 19.6.2009 zur diesjährigen ordentlichen Hauptversammlung in das Maritim Hotel nach Königswinter eingeladen. Etwa 50 Aktionäre und Gäste hatten sich dort versammelt, darunter Matthias Wahler für GSC Research, als der Aufsichtsratsvorsitzende Prof. Dr. Ulrich Seiffert die Veranstaltung um 9 Uhr eröffnete. Dieser erläuterte die Formalien und übergab das Wort anschließend an den Vorstandsvorsitzenden Edmund Schnürer, der mit einem Anteil von 43,2 Prozent zugleich der größte Aktionär der Gesellschaft ist.


Bericht des Vorstands

Wie Herr Schnürer mitteilen musste, war auch TWINTEC im Geschäftsjahr 2008 von den Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise getroffen. Noch schwerer wog allerdings der Skandal um den Einbau nicht funktionierender Rußpartikelfilter durch einen Wettbewerber, was für eine erhebliche Verunsicherung am Nachrüstmarkt sorgte. Der Effekt daraus war letztlich noch weitaus größer, als dies der Vorstand auf der letztjährigen Hauptversammlung befürchtet hatte (siehe hierzu auch den HV-Bericht 2008 von GSC Research).

Als großes Problem stellte sich nach Aussage des Vorstandsvorsitzenden heraus, dass der Handel als wichtiger Absatzmittler für die Gesellschaft in großem Umfang nun praktisch unverkäufliche Filter bevorratet hatte und damit besonders stark geschädigt war. Da nutzte es auch nichts, dass die Rußpartikelfilter von TWINTEC vom ADAC Bestnoten erhalten haben - trotzdem traf der Skandal das Unternehmen mit aller Härte. Letztlich führten diese Einflüsse zu einem Umsatzeinbruch von 58 Prozent auf nur noch 33,1 Mio. Euro.

Ein solch massiver Rückgang der Erlöse konnte trotz der Reduzierung der betrieblichen Aufwendungen nicht kompensiert werden. Das EBIT sackte deshalb von plus 12,1 auf minus 6,0 Mio. Euro ab. Darin enthalten sind allerdings, wie Herr Schnürer anmerkte, aufgrund der konservativen Bilanzierung nach HGB die gesamten Entwicklungskosten von 5,0 Mio. Euro, im Vorjahr hatten diese noch 3,8 Mio. Euro betragen.

Hinzu kam ein auf minus 8,2 (Vj.: minus 0,2) Mio. Euro verschlechtertes Finanzergebnis. Weit überwiegend resultiert dieses aus den Termingeschäften zur Absicherung der Einkaufspreise für den wichtigen Rohstoff Platin. Aufgrund des heftigen Preisverfalls dieses Edelmetalls entstand daraus aus Ausgleichszahlungen und einer Drohverlustrückstellung auf Basis des Marktwerts zum Bilanzstichtag ein Aufwand von 8 Mio. Euro.

Wie der Vorstandsvorsitzende am Kurschart demonstrierte, notierte Platin zum Jahresende 40 Prozent unter den langfristigen Trendlinien und 60 Prozent unter dem Niveau von Mitte 2008, was in diesem Ausmaß nicht vorherzusehen war. Bis heute ist aber wieder eine gewisse Erholung eingetreten, so dass ein Teil der Rückstellungen im Laufe des Jahres voraussichtlich wieder aufgelöst werden kann.

In ihrem Zusammenwirken führten der Filterskandal, die Wirtschaftskrise und der stark rückläufige Platinpreis bei TWINTEC zu einem tiefroten Konzernergebnis von minus 9,8 (plus 7,1) Mio. Euro. Auch die Aktie hat entsprechend gelitten und bei relativ geringen Handelsvolumina erheblich an Wert verloren. Herr Schnürer betonte jedoch, dass das Unternehmen mit einer Eigenkapitalquote von 60 Prozent weiterhin solide finanziert ist.

Für die Zukunft zeigte sich der Vorstandsvorsitzende auch recht optimistisch. Die gesetzlichen und umweltpolitischen Rahmenbedingungen haben sich schließlich nicht negativ verändert. Im Gegenteil gibt es mittlerweile in mehr als 30 deutschen Städten Umweltzonen, und die Einfahrbedingungen werden sukzessive verschärft. In Berlin und Hannover dürfen ab dem kommenden Jahr nur noch Fahrzeuge mit einer grünen Plakette einfahren, über die allein in diesen Ballungsräumen mehr als 150.000 Diesel-Fahrzeuge nicht verfügen.

Insgesamt gibt es laut Herrn Schnürer allein in Deutschland mehr als 3,5 Millionen Diesel-PKW der Emissionsklasse Euro 3 und mit Zulassung in den Jahren 2002 bis 2006, die nur über eine gelbe Plakette verfügen. Um eine grüne Plakette zu erhalten und damit weiterhin uneingeschränkt mobil zu sein, müssten die Halter diese mit einem Partikelfilter nachrüsten. Dies ist, nachdem diese Fahrzeuge durchschnittlich noch vier bis acht Jahre gefahren werden können, in der Regel sinnvoller, als ein neues Auto zu kaufen.

Herr Schnürer sieht auch starke Anzeichen für eine zunehmende Bereitschaft der Verbraucher, ihre Fahrzeuge mit Rußpartikelfiltern nachzurüsten. Eine Stabilisierung der Nachfrage ist nach seiner Beobachtung bereits zu erkennen. Deshalb zeigte er sich zuversichtlich, im Halbjahresbericht 2009 wieder schwarze Zahlen präsentieren zu können. Zusätzliche positive Impulse verspricht sich der Vorstandsvorsitzende vom Auslaufen der steuerlichen Förderung der PKW-Nachrüstung Ende 2009 und von der immer deutlicher werdenden positiven Auswirkung von Partikelfiltern auf die Gebrauchtwagenpreise.

Gute Umsatzchancen sieht der Vorstandsvorsitzende auch im Nutzfahrzeugbereich. LKW mit Partikelfiltern zahlen weniger Maut, womit sich die Investition aufgrund der hohen Fahrleistung oft schon nach weniger als einem Jahr amortisiert. TWINTEC hat in diesem Bereich Anfang 2009 Lieferkooperationen mit DAF, MAN und Scania abgeschlossen. Potenzial sieht Herr Schnürer darüber hinaus auch im Bereich Non-Road, beispielsweise bei Baumaschinen, Traktoren und stationären Anlagen, für die es oftmals gar keine Alternative zum Dieselantrieb gibt.

Mit seinen innovativen Produkten sieht der Vorstandsvorsitzende das Unternehmen bestens gerüstet für die Herausforderungen der Emissionsreduzierung. Neben dem Feinstaub rückt hier auch immer stärker das gesundheitsschädliche Stickstoffdioxid ins Blickfeld. Als ein Beispiel für eine Neuentwicklung nannte er das TWINblue-System, eine Kombination aus Rußpartikelfilter und SCR-Technologie zur Reduzierung der Stickoxide. Letztere können damit um bis zu 80 Prozent reduziert werden.

Große Chancen auch für eine internationale Vermarktung räumt Herr Schnürer dem Nachrüstsystem TWINfuel ein. Dieses ermöglicht den wahlweisen Betrieb von Ottomotor-PKW mit einem alternativen Kraftstoff, senkt damit die Kraftstoffkosten ganz erheblich und verringert zudem den Ausstoß des Treibhausgases CO2. Die Markteinführung ist für das kommende Jahr geplant.


Allgemeine Aussprache

Als Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) meldete sich Günter Friese zu Wort. Dieser bewertete die Produkte und Entwicklungen von TWINTEC als nützlich und sinnvoll und bedauerte deshalb sehr, dass das Geschäft im vergangenen Jahr so stark eingebrochen und auch der Aktienkurs unter die Räder gekommen ist. Dem Management wollte er nicht die Schuld an dieser Entwicklung geben. Die Frage, ob der Vorstand in dieser Krise aktiv genug vorgegangen ist, fand der DSW-Vertreter aber durchaus berechtigt. Insbesondere konnte er nicht verstehen, dass die Zahl der Beschäftigten nicht an die drastisch eingebrochenen Umsätze angepasst, sondern im Gegenteil sogar noch Mitarbeiter aufgebaut wurden.

Wie Finanzvorstand Markus Lorth klarstellte, ist der Produktionsprozess bei TWINTEC nach wie vor sehr schlank aufgestellt. Die neuen Mitarbeiter wurden ausschließlich im Bereich Forschung und Entwicklung (F&E) aufgebaut, da es keinen Sinn macht, das Geschäftsmodell wegen exogener Schocks zu verändern. Die Abteilung F&E darf nicht vernachlässigt werden, wenn TWINTEC nach der Krise zu den Gewinnern zählen will. Der Vorstand wies außerdem darauf hin, dass der Umsatz pro Mitarbeiter selbst nach dem Umsatzeinbruch noch bei sehr hohen 418 TEUR lag, in 2007 war es sogar mehr als 1 Mio. Euro.

Als deutlich überdimensioniert sah Herr Friese den mit vier Personen besetzten Vorstand an. Eine solche Zahl wäre nach seiner Auffassung nur bei einem weitaus größeren Geschäftsvolumen zu rechtfertigen. Die Vergütung des Vorstands fand er zwar in absoluten Zahlen mit 919 TEUR nicht übertrieben, relativ zum Umsatz schien sie ihm aber dann doch etwas zu hoch.

Hierzu teilte der Aufsichtsratsvorsitzende mit, dass Herr Schnürer im vergangenen Jahr schwer erkrankt war und nicht sicher war, ob er überhaupt wieder arbeiten kann. Man habe deshalb mit Thomas Seubert sehr gerne einen erfahrenen Mann aus der Automobilindustrie mit an Bord genommen. Wichtig war Prof. Dr. Seiffert zudem der Hinweis, dass sämtliche Vorstandsmitglieder voll in das Tagesgeschäft eingebunden sind. Zudem haben die Herren der Situation des Unternehmens Rechnung getragen und verzichten seit dem 1.1.2009 freiwillig auf 25 Prozent ihrer Bezüge.

Zu hoch erschienen Herrn Friese insbesondere mit Blick auf die Vorstandsbesetzung mit 1,2 Mio. Euro die Beratungskosten. Diese umfassen, wie Herr Lorth ausführte, mit 0,25 Mio. Euro Buchführungs- und Abschlussarbeiten und im Übrigen, strukturbedingt, vor allem Aufwendungen aus outgesourcten Vertriebs- und Entwicklungsaktivitäten. Diese Position ist nach seiner Angabe in jedem Jahr etwa gleich hoch, was sich bei wieder höheren Umsätzen entsprechend positiv auswirken wird.

Die Aussage des Vorstandsvorsitzenden, dass im ersten Halbjahr 2009 wieder schwarze Zahlen geschrieben werden sollen, empfand Herr Friese als sehr erfreulich. Ebenso wie nachfolgend Kleinaktionär Eckart Barth wünschte er sich aber noch Planzahlen für das Gesamtjahr und weitere Informationen zum bisherigen Jahresverlauf, nachdem nun schon fast sechs Monate vorüber sind.

Wie der Finanzchef daraufhin ausführte, steht bis April aus dem operativen Geschäft eine schwarze Null zu Buche. Hinzu kommt ein positiver Effekt aus dem wieder gestiegenen Platinpreis, womit im ersten Halbjahr 2009 bei einem Umsatz von 18 bis 20 Mio. Euro ein positives Ergebnis sicher sein sollte. Für die zweite Jahreshälfte erwartet Herr Lorth eine weitere Geschäftsbelebung. Eine konkrete Prognose wollte er angesichts der derzeit sehr sprunghaften Auftragseingänge aber nicht abgeben.

Die Bedenken des DSW-Vertreters betreffend die gestiegenen Finanzverbindlichkeiten und die knappe Liquidität konnte Herr Lorth zerstreuen. Nach seiner Aussage belaufen sich die Verbindlichkeiten zum 30.4.2009 insgesamt auf 6,3 Mio. Euro, wovon 2,8 Mio. Euro langfristig vereinbart sind. Darüber hinaus bestehen noch ausreichend Kreditlinien zu günstigen Konditionen, die nur zur Hälfte ausgeschöpft sind.

Gespräche betreffend mögliche Akquisitionen werden, wie Herr Schnürer auf eine weitere Frage von Herrn Friese erklärte, immer wieder geführt. Wenn sich eine gute Gelegenheit ergibt, würde man auch „zuschlagen“. Der Fokus liegt jedoch mehr auf Partnerschaften und Kooperationen, was nach Meinung des Vorstandsvorsitzenden grundsätzlich die günstigere Alternative darstellt.

Eine mögliche Gefahr für das Geschäftsmodell von TWINTEC sah Herr Friese aus der zunehmenden Verbreitung von Elektroautos erwachsen, für die natürlich keine Rußfilter benötigt werden. Solange die Batterien selbst für kurze Reichweiten so teuer sind, kann Prof. Dr. Seiffert dieses Problem nicht erkennen. Unabhängig davon hat man bei TWINTEC aber auch ein Auge auf Elektrofahrzeugkomponenten geworfen und ist dabei, falls sich dieses Geschäft doch entwickeln sollte.

Die Frage von Kleinaktionär Eckart Barth nach der Dividendenpolitik beantwortete Herr Lorth dahingehend, dass im Einzelabschluss zwar tatsächlich ein kleiner Jahresüberschuss ausgewiesen wird, eine Ausschüttung hätte aber aus den Rücklagen erfolgen müssen, was nicht in Frage kam. Wenn es die Ergebnissituation zulässt, soll jedoch eine Dividende ausgeschüttet werden.

Aktionär Heinrich Mohren erkundigte sich dann nach möglichen Veränderungen in der Aktionärsstruktur. Hier haben sich nach Angabe des Vorstandsvorsitzenden keine Bewegungen ergeben. Er selbst hält nach wie vor 43,2 Prozent, sein Vorstandskollege Uwe Israel 6,5 Prozent und die CCM Holding GmbH 12,3 Prozent. Hinter dieser Gesellschaft steht nach Aussage von Herrn Schnürer ein privater Investor ohne direkten Einfluss auf das Geschäft.

Im Geschäftsbericht hatte Herr Mohren von Klagen infolge des Filterskandals gelesen. Daher fragte er nach mehr Details zu diesem Thema und möglichen Ergebnissen, die sich für TWINTEC daraus ergeben könnten. Hierzu teilte der Finanzvorstand mit, dass die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den Hersteller GAT wegen schweren Betrugs erhoben hat. Daraus könnten die unmittelbar Geschädigten dann gegebenenfalls Schadensersatzansprüche herleiten. TWINTEC hat aber leider keinen direkten Anspruch, sondern ist lediglich durch die aus dem Skandal entstandene Vertrauenskrise schwer getroffen, woraus sich jedoch keine Möglichkeiten ableiten.

Die Abwrackprämie hat, wie der Vorstandsvorsitzende auf Nachfrage von Herrn Mohren erklärte, keine negative Auswirkung auf das Geschäft von TWINTEC. Der Fokus liegt schließlich auf Fahrzeugen mit Zulassung zwischen 2002 und 2006 mit gelber Plakette, die nicht in den Genuss dieser Prämie kämen. Diese fahren der Statistik nach noch vier bis acht Jahre, womit sich eine Nachrüstung lohnt.


Abstimmungen

Bei einer Präsenz von 4.497.343 Aktien oder 69,19 Prozent des Grundkapitals wurden alle Beschlüsse mit Mehrheiten weit über 99 Prozent gefasst. Im Einzelnen waren dies die Entlastung von Vorstand (TOP 2) und Aufsichtsrat (TOP 3) sowie die Wahl der VRT ADVISA Revisions- und Treuhandgesellschaft AG zum Abschlussprüfer und Konzernabschlussprüfer für das Geschäftsjahr 2009 (TOP 4).

Nach etwa drei Stunden konnte Prof. Dr. Seiffert die Versammlung schließen.


Fazit

Das Geschäftsjahr 2008 verlief sehr enttäuschend für die TWINTEC AG. Die Auswirkungen des Skandals um die nicht funktionsfähigen Rußpartikelfilter eines Wettbewerbers waren weitaus gravierender als gedacht und führten zusammen mit der allgemeinen Wirtschaftskrise zu einem Umsatzeinbruch von mehr als 50 Prozent. Hinzu kam eine erhebliche Belastung aus der Absicherung des Platinpreises, die zwar inzwischen teilweise wieder aufgeholt werden konnte, für 2008 weist das Unternehmen aber einen erheblichen Fehlbetrag aus.

Die gesetzlichen und umweltpolitischen Rahmenbedingungen haben sind indes nicht negativ verändert. Immer mehr Städte weisen Umweltzonen aus, die viele Diesel-PKW ohne Partikelfilter nicht mehr befahren dürfen. Insofern ist die Zuversicht des Vorstands, dass die Nachfrage schon bald wieder anziehen müsste, gut nachzuvollziehen. Bereits für 2009 erwartet dieser bei etwas höheren Umsätzen wieder ein leicht positives Ergebnis.

Die Aktionäre haben jedenfalls weiterhin Vertrauen, wie die eindeutigen Abstimmungsergebnisse zeigen. Sobald eine Aufhellung der Situation sichtbar wird, müsste die Aktie von dem stark gedrückten Niveau aus über einiges Potenzial verfügen.


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