TWINTEC AG (ISIN DE000A0LSAT7)

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HV-Bericht TWINTEC AG

Rückkehr in die Gewinnzone trotz des schwierigen Umfelds gelungen


Die diesjährige ordentliche Hauptversammlung der TWINTEC AG fand am 7. Mai 2010 im Maritim Hotel in Königswinter statt. Rund 60 Aktionäre und Gäste, darunter Matthias Wahler für GSC Research, hatten sich dort bei Beginn um 10 Uhr eingefunden, um sich über das Abschneiden des Spezialisten für Rußpartikelfilter im Krisenjahr 2009 zu informieren.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Prof. Dr. Ulrich Seiffert begrüßte alle Anwesenden, erläuterte die Formalien und übergab das Wort nach der Nennung der wichtigsten Punkte aus der Arbeit des Aufsichtsrats an den Vorstandsvorsitzenden Edmund Schnürer.


Bericht des Vorstands

Einleitend zeigte sich Herr Schnürer sehr zufrieden, dass bei TWINTEC trotz der großen Herausforderungen im Jahr 2009 die Rückkehr in die Gewinnzone gelungen ist. Er führte diesen Erfolg in erster Linie darauf zurück, dass das Unternehmen trotz der Jahr für Jahr steigenden Entwicklungskapazitäten nach wie vor schlank und flexibel aufgestellt ist. Der Umsatzzuwachs konnte somit zügig in eine Ergebnisverbesserung umgesetzt werden.

Konkret weist der Konzern für das vergangene Jahr einen Umsatzanstieg von 39 Prozent auf 46 Mio. Euro aus. Dies gelang vor allem dank der merklich anziehenden Nachfrage nach Partikelfiltern in der zweiten Jahreshälfte. Der Hauptgrund dafür war die Entscheidung der Politik, den Zuschuss für die PKW-Umrüstung ab dem 1. August 2009 auch als Barprämie auszuzahlen, was in den folgenden Monaten rege genutzt wurde.

Positiv wirkte sich Herrn Schnürer zufolge zudem die erweiterte Produktpalette mit Nachrüst-Partikelfiltern für Nutzfahrzeuge aus. So reduziert sich mit der Nachrüstung schwerer LKW ab einem Gesamtgewicht von 12 Tonnen die Autobahnmaut, womit sich die Investition schnell amortisiert. Im Übrigen wächst mit der Ausweitung der Umweltzonen auf weitere Städte wie Hannover und Berlin der Druck auf Halter von PKW und Nutzfahrzeugen, das Abgasverhalten ihrer Fahrzeuge zu verbessern, um vollständig mobil zu bleiben.

Mit der Umsatzsteigerung verbesserte sich das Betriebsergebnis sehr deutlich von minus 6,0 auf plus 1,8 Mio. Euro. Zusätzlich positiv wirkte sich aus, dass ein Teilbetrag von 1,8 Mio. Euro der im Vorjahr gebildeten Drohverlustrückstellung infolge des gesunkenen Platinpreises (Details hierzu finden Sie im HV-Bericht 2009 von GSC Research) mit den wieder anziehenden Rohstoffnotierungen ergebniswirksam aufgelöst werden konnte. Unter dem Strich steht für 2009 ein Konzernergebnis von plus 2,1 (Vj.: minus 9,8) Mio. Euro oder plus 0,32 (minus 1,51) Euro je Aktie.

Mit der Rückkehr in die Gewinnzone in dem sehr schwierigen konjunkturellen Umfeld sieht sich der Vorstandsvorsitzende in seinem Optimismus für die nahe und ferne Zukunft von TWINTEC bestärkt. Als Vorteil wertet er die robusten gesetzlichen und umweltpolitischen Rahmenbedingungen. Mit Blick darauf sieht Herr Schnürer starke Anzeichen dafür, dass die Bereitschaft zur Nachrüstung bei den Verbrauchern weiter zunehmen wird.

So hat die Bundesregierung ihre Ankündigung wahrgemacht und führt die Förderung für die PKW-Nachrüstung auch im Jahr 2010 fort. Zusätzlich hat sie die Förderung noch auf leichte Nutzfahrzeuge und Wohnmobile ausgedehnt, womit nun auch die Besitzer von kleinen Betrieben mit Lieferwagen und Kleintransportern in den Genuss der Prämie kommen. Die Förderrichtlinie, die Fördergelder für rund 200.000 Nachrüstungen umfasst, tritt Mitte Mai 2010 in Kraft.

Aus der Ausweitung der Förderung sieht Herr Schnürer enormes zusätzliches Potenzial für TWINTEC erwachsen. Wie er verdeutlichte, sind in Deutschland derzeit rund 650.000 leichte Nutzfahrzeuge der Emissionsklasse Euro 3 zugelassen, die in den meisten Fällen mit Rußpartikelfiltern von TWINTEC nachgerüstet werden können. Zur besseren Markterschließung hat der Vorstand inzwischen einen Kooperationsvertrag mit Mercedes Benz geschlossen.

Im Bereich der schweren Nutzfahrzeuge sieht der Vorstandsvorsitzende ebenfalls großes Potenzial. So gibt es in Deutschland derzeit etwa 140.000 schwere LKW mit Abgasnorm Euro 3, die mit der Nachrüstung in eine günstigere Mautkategorie eingestuft werden. Für 90 Prozent dieser Fahrzeuge hat TWINTEC eine Nachrüstlösung im Angebot. Da zudem der Förderhöchstbetrag von 2.000 auf 3.600 Euro fast verdoppelt wurde, amortisiert sich die Nachrüstung in kürzester Zeit.

Im Anschluss sprach Herr Schnürer einige Worte zu den neuen Produktlinien. Zuerst nannte er hier das aktiv regenerierende Wallflow-Filtersystem TWINgreen, das vorrangig für Wohnmobile und Nutzfahrzeuge im kommunalen Betrieb wie etwa Müllfahrzeuge konzipiert ist. Schließlich müssen auch diese Fahrzeuge sukzessive nachgerüstet werden, damit sie in die Umweltzonen einfahren können.

Das TWINblue-System, eine Kombination aus Rußpartikelfilter und SCR (Selective Catalytic Reduction)-Technologie zur Reduzierung der Stickoxide, hatte Herr Schnürer bereits auf der letztjährigen Hauptversammlung vorgestellt. Dieses System kann nun auch zusätzlich zu einem werksseitig bereits vorhandenen Rußpartikelfilter eingebaut werden, um den Ausstoß von Stickoxiden zu verringern. Für dieses Atemgift gelten seit dem 1.1.2010 neue, strengere Grenzwerte, und weitere Verschärfungen sind bereits angekündigt.

Große Chancen räumt Herr Schnürer auch dem Autogas-Nachrüstsystem TWINfuel ein, das er ebenfalls vor einem Jahr erstmals präsentiert hatte. In der zweiten Jahreshälfte 2010 kommt dieses Produkt nun auf den Markt und sollte sich, nachdem sich durch die Umrüstung bis zu 55 Prozent der Treibstoffkosten einsparen lassen und außerdem die Reichweite des Fahrzeugs um bis zu 60 Prozent erhöht, gut verkaufen. Zudem verringert sich mit TWINfuel der CO2-Ausstoß um bis zu 20 Prozent.

Mit diesen Neuentwicklungen ist dem Firmenchef auch nicht bange, dass das Partikelfilter-Nachrüstgeschäft wohl in ein paar Jahren abgeschlossen sein wird. Im Übrigen sieht er beim Partikelfilter noch ganz neue Märkte wie die angekündigten Grenzwerte für besonders kleine Partikel, die sehr tief in die Atemwege eindringen und entsprechend schädlich sind, oder die bereits genannten Stickoxidgrenzwerte.

Mit den neuen Regelungen geraten Herrn Schnürer zufolge auch zunehmend Baumaschinen oder landwirtschaftliche Fahrzeuge in den Fokus der Gesetzgebung, für die bisher trotz der schlechten Werte noch keine Abgasnachbehandlung erforderlich ist. Mit der Einführung der nächsten Emissionsstufen wird sich dies aber nach Überzeugung des Vorstandsvorsitzenden drastisch ändern, nachdem Baumaschinen allein ein Viertel zu den Partikelemissionen in den Innenstädten beitragen.

Auf der „bauma“ in München, der weltgrößten Messe in diesem Bereich, hat TWINTEC deshalb vor wenigen Wochen seine Produkte vorgestellt. Die enorme Vielfalt der Baumaschinen schreckt den Vorstand nicht; TWINTEC hat schließlich schon in der Nachrüstung gelernt und bewiesen, effizient und in hoher Variantenvielfalt entwickeln und auch kleine Stückzahlen produzieren zu können.

Damit eröffnet sich neben der Nachrüstung von PKW und Nutzfahrzeugen noch einmal ein völlig neuer Markt für TWINTEC, und dies nicht nur in der Nachrüstung, sondern auch in der Erstausrüstung. Herr Schnürer zeigte sich überzeugt, dass die Emissionsprobleme durch Partikel, Stickoxide und CO2 noch ein Thema für sehr viele Jahre sein werden.


Allgemeine Aussprache

Für die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sprach wie im Vorjahr Günter Friese. Dieser warf zunächst einen Blick auf den Aktienkurs, der sich in den letzten zwölf Monaten deutlich nach oben entwickelt hat und zumindest zwischenzeitlich wieder den Ausgabepreis von 11 Euro überschritten hatte. Herr Friese zeigte sich davon sehr erfreut, nachdem die Aktionäre lange darauf warten mussten.

Die spätere Frage von Kleinaktionär Eckart Barth nach den Gründen für den Kurssprung Anfang Januar 2010 beantwortete Finanzvorstand Markus Lorth, indem er dies auf die kumulative Wirkung verschiedener Meldungen zurückführte. Zunächst gab es kurz vor Weihnachten die Zusage der Bundesregierung, dass die Förderung fortgesetzt wird, und in den Wochen darauf einige positive Analystenkommentare. Zusammen hat dies den Aktienkurs nach oben getragen.

„Sie haben einen guten Job gemacht“, würdigte Herr Friese die Arbeit des Vorstands. Er sah die Umsatzsteigerung von 39 Prozent und den deutlichen Ergebnisswing in positives Terrain gerade in dem schwierigen Marktumfeld als gute Leistung an, auch wenn mit dem steigenden Platinpreis ein bisschen Glück mit im Spiel war. In diesem Kontext nannte der DSW-Vertreter auch die deutliche Rückführung der Nettoverschuldung auf 2,5 (4,4) Mio. Euro, mit der sich das Unternehmen ein Stück weit unabhängig von den Banken gemacht hat.

Vermisst hatte Herr Friese im Vortrag des Vorstandsvorsitzenden jedoch einen Hinweis, wann die Aktionäre erstmals mit einer Dividende rechnen können. Wie Herr Lorth darlegte, soll sich eine Ausschüttung bei TWINTEC grundsätzlich am Ergebnis und am Cashflow orientieren. Damit sieht er die Zeit für die Aufnahme der Dividendenzahlung noch nicht gekommen. Schließlich sind noch hohe Entwicklungsleistungen erforderlich, die bisher nicht immer nur aus dem operativen Cashflow gestemmt werden können.

Auf die Frage des DSW-Vertreters nach einer Prognose für das laufende Jahr wollte Herr Lorth nicht über die recht allgemeinen Angaben im Geschäftsbericht hinausgehen. Danach sollen die Erlöse in 2010 zwar ansteigen, aber nicht ganz das Rekordniveau von 78,5 Mio. Euro aus 2007 erreichen. Das EBIT wird analog zum Umsatz ebenfalls zulegen, aber sicher nicht auf den Rekordwert von 12,1 Mio. Euro aus 2007. Bei einem entsprechend deutlichen Umsatzzuwachs hält Herr Lorth eher einen Wert zwischen 5 und 7 Mio. Euro für realistisch.

Die Frage des Aktionärsschützers, wie die Fachmesse AMI in Leipzig verlaufen ist, auf der TWINTEC erstmals auch TWINfuel vorstellen wollte, beantwortete Herr Schnürer. Nach seiner Aussage war das Interesse an der präsentierten Technologie sehr groß, was er natürlich positiv bewertet. Zum Teil führte der Vorstandsvorsitzende den Andrang allerdings auch darauf zurück, dass einige Wettbewerber in den vergangenen Jahren „verbrannte Erde“ hinterlassen haben.

Nachdem sich das Geschäft in Deutschland und den angrenzenden Ländern gut entwickelt, erkundigte sich Herr Friese nach den Perspektiven in anderen Auslandsmärkten. Speziell konnte er sich in den USA mit dem bereits sehr hohen und in China mit dem stark wachsenden Automobilbestand gute Perspektiven für TWINTEC vorstellen.

Zu diesem Thema sprachen der Vorstands- wie auch der Aufsichtsratsvorsitzende. Beide äußerten angesichts der schlechten Erfahrungen vieler anderer Unternehmen mit solchen Aktivitäten die Befürchtung, dass sich TWINTEC mit dem Sprung in eine so weit entfernte Region übernehmen könnte. Sie wollen sich lieber erst in Europa nach neuen Märkten umsehen. „Bevor wir mit der Expansion Schaden nehmen, verzichten wir lieber“, drückte es Herr Schnürer aus.

Die Gefahr, dass mit der zunehmenden Verbreitung von Elektroautos die Geschäftsgrundlage entfallen könnte, teilte der Technologievorstand Uwe Israel nicht. Solange ein Mittelklasse-PKW mit Elektroantrieb bei einem Preis von 50 TEUR nur eine Reichweite von wenig mehr als 100 km hat, werden nach seiner Überzeugung die allermeisten Fahrzeuge weiterhin mit Verbrennungsmotoren betrieben werden. TWINTEC hat deshalb bisher keine Aktivitäten in diesem Bereich entfaltet.

Natürlich sind, wie Prof. Dr. Seiffert ergänzte, alternative Antriebsformen ein Kernthema im Unternehmen. „Wir sind sehr wachsam und beobachten die Entwicklung genau“, betonte er. Aktiv werde man aber erst, wenn sich ausreichend Chancen für ein lukratives Geschäft erkennen lassen.

Aktionär Barth bat außerdem noch um eine Erklärung zum Hinweis im Geschäftsbericht, dass sich eine Änderung der Rohstoffpreise mit dem Faktor 0,25 auf die Herstellkosten auswirkt. Nach Aussage von Herrn Lorth drückt diese Zahl die Sensitivität aus, mit der der Platinpreis auf die Herstellkosten durchschlägt.


Abstimmungen

Die Präsenz verkündete der Aufsichtsratsvorsitzende vor dem Eintritt in die Abstimmungen mit 4.286.658 Aktien entsprechend einem Anteil von 65,95 Prozent am Grundkapital. Alle Beschlüsse wurden im Folgenden mit großer Mehrheit gefasst. Auffällig waren lediglich die jeweils gut 132.000 Gegenstimmen bei den Entlastungen.

Im Einzelnen abgestimmt wurde über die Entlastung von Vorstand (TOP 2) und Aufsichtsrat (TOP 3), die Wahl der VRT ADVISA Revisions- und Treuhandgesellschaft AG zum Abschlussprüfer und Konzernabschlussprüfer für das Geschäftsjahr 2010 (TOP 4) und über die Anpassung der Satzung an das Gesetz zur Umsetzung der Aktionärsrechterichtlinie (ARUG) (TOP 5).

Nach zwei Stunden konnte Prof. Dr. Seiffert die Versammlung schließen.


Fazit

Trotz der sehr schwierigen konjunkturellen Lage gelang bei der TWINTEC AG im vergangenen Jahr die Rückkehr in die Gewinnzone. Dies ist unbedingt als Erfolg zu werten und wurde von der Börse bereits kräftig honoriert. So hat sich der Aktienkurs in den letzten zwölf Monaten mehr als verdreifacht und wieder den Emissionspreis von 11 Euro erreicht. Und weitere Zuwächse sind angesichts der weiterhin guten Perspektiven zu erwarten.

Zwar wollte der Vorstand keine konkrete Prognose für das laufende Jahr abgeben, ein weiterer, vermutlich recht deutlicher Umsatz- und Gewinnanstieg ist aber auf jeden Fall zu erwarten. Der Gesetzgeber spielt dem Filterspezialisten mit den immer strengeren Vorschriften betreffend die Emission von Rußpartikeln, Stickoxiden und CO2 in die Hände. TWINTEC wird von dieser Entwicklung mit dem umfassenden und ständig wachsenden Lösungsangebot profitieren.


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