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HV-Bericht TWINTEC AG

Diversifikation soll unabhängiger von Eingriffen des Gesetzgebers machen


Die TWINTEC AG hatte für den 6.6.2011 zu ihrer diesjährigen ordentlichen Hauptversammlung in das Maritim Hotel nach Königswinter eingeladen. Etwa 60 Aktionäre und Gäste hatten sich dort eingefunden, darunter Matthias Wahler für GSC Research, um sich über die Hintergründe der unbefriedigenden Geschäftsentwicklung des Jahres 2010 zu informieren.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Prof. Dr. Ulrich Seiffert eröffnete die Veranstaltung um 10 Uhr, erläuterte die Formalien und sprach einige Worte zur Tätigkeit des Aufsichtsrats. Anschließend informierte er über die Veränderungen, die sich im Vorstand seit der letzten Hauptversammlung ergeben haben. Demnach ist zum einen Thomas Seubert zum 31.10.2010 in beiderseitigem Einvernehmen aus dem Führungsgremium ausgeschieden.

Außerdem hat der Vorstandsvorsitzende Edmund Schnürer zum 28.2.2011 auf eigenen Wunsch sein Mandat niedergelegt. Als seinen Nachfolger hat der Aufsichtsrat zum 1.3.2011 Gino Mario Biondi berufen, der zuvor im Vorstand der Deutz AG tätig war. Mit seiner breiten internationalen Erfahrung soll der 51-jährige Diplomingenieur laut Prof. Dr. Seiffert nun die Expansion von TWINTEC in Europa vorantreiben helfen.

Weiter informierte der Aufsichtsratsvorsitzende, dass Herr Schnürer nun für den Aufsichtsrat kandidiert. Er bewertet dies sehr positiv, nachdem der ehemalige Vorstandsvorsitzende das Unternehmen vor 16 Jahren gegründet hat und über umfangreiche Marktkenntnisse verfügt. Im Anschluss daran übergab der Versammlungsleiter das Wort an den Vorstand.


Bericht des Vorstands

Nachdem Herr Biondi erst im März 2011 den Vorstandsvorsitz übernommen hat, erstattete der Finanzvorstand Markus Lorth den Bericht über das Geschäftsjahr 2010. Wie dieser mitteilte, konnte das auf der letztjährigen Hauptversammlung genannte Ziel, den Absatz zu steigern und ein deutlich positives Ergebnis zu erzielen, nicht erreicht werden. Zwar lief das erste Halbjahr noch ganz gut, und der Umsatz erhöhte sich um 18 Prozent. In der zweiten Jahreshälfte belasteten jedoch einige Sondereffekte, und im Gesamtjahr reduzierte sich der Umsatz um knapp 10 Prozent auf 41,5 (Vj.: 46,0) Mio. Euro. Das EBIT fiel nach dem erfreulichen Vorjahreswert von 1,76 Mio. Euro mit 3 TEUR gerade noch positiv aus.

Als einen wesentlichen Grund für die Planverfehlung nannte Herr Lorth den Umstand, dass das Förderprogramm für die Nachrüstung von Diesel-PKW mit Rußpartikelfiltern von den Autofahrern bei Weitem nicht so gut angenommen wurde wie angenommen. Ausschlaggebend dafür war in erster Linie die verzögerte Verabschiedung des Programms durch die Bundesregierung. Änderungen waren zwar nicht zu erwarten, gleichwohl stellten viele Autofahrer ihren Antrag erst einmal zurück, nachdem einige Automobilclubs diesen Rat gegeben hatten. Der Herbstanstieg der PKW-Nachrüstungen setzte deshalb später ein und verlief deutlich flacher als erwartet. Erst gegen Jahresende kam es zu einer starken Nachfrage, womit die Ziele aber nicht mehr zu erreichen waren.

Ein weiteres Problem kam im Oktober hinzu. Unerwartet nahmen Bundesregierung und Bundestag die für den 1.1.2011 beschlossene Erhöhung der LKW-Maut für schwere Nutzfahrzeuge mit höheren Emissionen wieder zurück. Eigentlich hätte nach Aussage von Herrn Lorth sogar schon ab dem 1.1.2009 eine Mautspreizung von 4,2 Cent gelten sollen. Es wurde dann aber für eine Übergangsfrist von zwei Jahren ein Betrag von nur 2,1 Cent vereinbart, der nun offensichtlich dauerhaft Bestand haben wird.

Mit der Rücknahme der größeren Spreizung sank das Interesse an der Nachrüstung schwerer ungefilterter Nutzfahrzeuge im Ausland fast auf Null. Schließlich bestehen dort keine Nachrüstförderprogramme wie in Deutschland, und es lohnt sich für Osteuropäer nun weiterhin, mit hoch emittierenden Fahrzeugen auf deutschen Straßen unterwegs zu sein. Während in Deutschland 90 Prozent der LKW die Emissionsnorm Euro III erfüllen, ist dies laut Herrn Lorth in Osteuropa bislang nur bei einem Bruchteil der Fahrzeuge der Fall.

„Unser Geschäftsmodell basiert darauf, dass sich alle Teilnehmer an die Spielregeln halten“, betonte Herr Lorth. Bei der Entwicklung der Rußpartikelfilter hat man sich bei TWINTEC darauf verlassen, dass dauerhaft klare gesetzliche Regelungen und damit Planungssicherheit bestehen. Die plötzliche Änderung bremst das Unternehmen nun in der operativen und strategischen Arbeit aus. Von Seiten TWINTEC gibt es indes nur sehr begrenzte Möglichkeiten, auf derartige gesetzgeberische Aktionen Einfluss zu nehmen.

Deshalb sieht es der Finanzvorstand als wichtig an, das Unternehmen über Diversifikation unabhängiger von gesetzlichen Eingriffen zu machen. Als Beispiel nannte er das Autogasnachrüstsystem TWINfuel, das Herr Schnürer bereits vor einem Jahr vorgestellt hatte (Details hierzu finden Sie im HV-Bericht 2010 von GSC Research). Das System ist nach Aussage von Herrn Lorth ausgereift und bringt dem Autofahrer eindeutig wirtschaftliche Vorteile, nachdem Autogas mit etwa 0,70 Euro weniger als die Hälfte von Superbenzin kostet.

Viel verspricht sich der Vorstand auch vom TWINblue-System, einer Kombination aus Rußpartikelfilter und SCR-Technologie zur Reduzierung der Stickoxide. Wie ein Test ergeben hat, reduziert sich selbst im Stadtverkehr die Stickoxidemission um mehr als 60 Prozent. Auf der IAA für Nutzfahrzeuge in Hannover war ein großes Interesse an dieser Technologie zu spüren. Überdies will der Vorstand mit den Produkten TWINgreen passive und TWINgreen active den Markt für Kommunal- und Spezialfahrzeuge sowie für mobile Maschinen adressieren.

An dieser Stelle übernahm der neue Vorstandsvorsitzende Gino Mario Biondi das Wort. Wie dieser darlegte, gibt es allein in Deutschland mittlerweile 45 Umweltzonen, und weitere werden folgen, um die Belastung der Anwohner mit gesundheitsschädlichem Feinstaub und Stickstoffdioxid zu reduzieren. Die Klimaschädlichkeit von Feinstaub ist ebenfalls längst nachgewiesen. Und am 11.6.2011 endet nun definitiv die von der Europäischen Union gewährte Frist für die Einhaltung der Feinstaubgrenzwerte, deren Verletzung mit hohen Strafzahlungen geahndet wird.

Der Erfolg von TWINTEC im laufenden Jahr wird Herrn Biondi zufolge nun davon abhängen, wie groß der Druck auf das Nachrüstverhalten von Autofahrern tatsächlich ist. Unabhängig davon will er das Unternehmen Schritt für Schritt umbauen und neu ausrichten, um neue Geschäftsfelder zu erschließen. Beispielsweise will er die technologische Kompetenz im Bereich der integrierten Abgasnachbehandlung verstärkt im OEM-Bereich zur Geltung bringen.

Ein Auge hat der Vorstandsvorsitzende insbesondere auf kleinere Märkte wie mobile Maschinen, Bagger oder Straßenwalzen, in denen TWINTEC mit Flexibilität und Schnelligkeit punkten kann. Er kann sich auch vorstellen, TWINTEC als Erstausrüstungspartner von Motoren- und Maschinenherstellern entweder als Systemlieferant für Kleinserien und Spezialanwendungen oder als Anbieter hocheffizienter Beschichtungstechnologien einzubringen.

Aus dem Megatrend Luftreinhaltung sieht Herr Biondi noch weitere Chancen für das Unternehmen erwachsen. Als Beispiel nannte er hier dezentrale Blockheizkraftwerke zur Energiegewinnung, die häufig mit regenerativen Energien wie Biogas betrieben werden. Mit einem von TWINTEC entwickelten Katalysator lässt sich bei diesen Anlagen das anfallende Formaldehyd beseitigen, was ein riesiges Potenzial eröffnet.

Das OEM-Geschäft und die Internationalisierung sieht Herr Biondi als wesentliche Themen für die Gestaltung der Zukunft an. Chancen erkennt er im europäischen Ausland, aber auch in großen Wachstumsmärkten wie Russland oder China. TWINTEC verfügt nach seiner Überzeugung über die technologischen Voraussetzungen und eine mehr als ausreichend hohe Kompetenz im Bereich der Abgasnachbehandlung, um künftig erfolgreich am Markt agieren zu können.


Allgemeine Aussprache

Für die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sprach wie in den Vorjahren Günter Friese. Dieser war vor einem Jahr noch sehr optimistisch gewesen, was die Zukunft von TWINTEC anbelangt, und sah sich nun eines Besseren belehrt. Nachdem er vor einem Jahr noch von der Aufnahme der Dividendenzahlung geträumt hatte, ist dieses Ereignis seiner Einschätzung nach wohl erst einmal nicht in Sicht. Herr Friese gab dem Vorstand absolut Recht, dass der Gesetzgeber derzeit keine verlässlichen Rahmenbedingungen schafft.

Aktionär Gert Hellmerichs äußerte trotz der erlittenen Kursverluste ebenfalls Verständnis, dass die Politik unberechenbar ist. Herr Friese bezweifelte jedoch, dass das komplette Desaster auf die genannten Faktoren zurückzuführen ist. Dies ist, wie Herr Lorth versicherte, aber tatsächlich der Fall. Als Hauptproblem wertete Herr Friese, dass die Kostenstruktur nicht sogleich an die rückläufigen Umsätze angepasst wurde, und er konnte sich nicht erklären, warum der Vorstand hier so lange gezögert hat. Wie Herr Biondi hierauf erklärte, wurden die Personalkosten in den letzten Monaten annualisiert bereits um 1,2 Mio. Euro und die Sach- und Allgemeinkosten um 1,3 Mio. Euro gesenkt. Und mit der Neuausrichtung des Unternehmens sieht er noch weiteres Potenzial.

Den Angaben im Geschäftsbericht meinte der Aktionärsschützer entnehmen zu können, dass das Ausscheiden von Herrn Schnürer nicht völlig reibungslos abgelaufen ist. Im Gegenteil wertete er dessen offenbar sehr kurzfristigen Rückzug als Indiz, dass es Streit gegeben haben könnte. Insofern sah er es als problematisch, dass Herr Schnürer Hauptaktionär der Gesellschaft ist und nun auch noch in den Aufsichtsrat wechseln will.

Wie der Aufsichtsratsvorsitzende versicherte, gab es keine Unstimmigkeiten mit Herrn Schnürer. Dieser legte sein Amt auch erst nieder, als der Aufsichtsrat einen geeigneten Nachfolger gefunden hatte. Es besteht nach wie vor ein gutes Verhältnis, und Prof. Dr. Seiffert wertete es sehr positiv, dass der Firmengründer seine große Kompetenz und sein Gespür für den Markt nun als Aufsichtsratsmitglied einbringen will.

Sehr kritisch bewerteten Herr Friese und Herr Hellmerichs die Vorstandsvergütung. Wie der Aktionärsschützer vorrechnete, gehen mit 593 TEUR rund 1,4 Prozent des gesamten Umsatzes an die Führungskräfte. Zusätzlich erhielten ehemalige Vorstandsmitglieder noch 407 TEUR, was die beiden Herren nicht nachvollziehen konnten. Kleinaktionär Eckart Barth vermutete, dass sich dahinter die Abfindung für das ehemalige Vorstandsmitglied Thomas Seubert verbergen könnte, was Herr Lorth bestätigte.

Die Trennung von Herrn Seubert erfolgte, wie der Aufsichtsratsvorsitzende ausführte, nachdem sich eine unterschiedliche Auffassung hinsichtlich der künftigen Unternehmensausrichtung ergeben hatte. Er verwies auch auf die regelmäßige Diskussion, dass der Vorstand mit vier Personen zu groß besetzt ist. In diesem Zusammenhang informierte Prof. Dr. Seiffert, dass der gesamte Vorstand im vergangenen Jahr auf 50 Prozent seines Gehalts verzichtet hat.

Der Vermutung von Herr Friese, dass sämtliche Vermögenswerte durch Grundpfandrechte belastet sind, widersprach der Finanzvorstand. Grundschulden bestehen nach seiner Aussage in Höhe von 1,5 Mio. Euro bei Vermögenswerten von etwa 7 Mio. Euro, womit also noch ausreichend freie Kapazitäten bestehen.

Die mit 1,26 Mio. Euro vordergründig sehr hohen Rechts- und Beratungskosten konnte Herr Lorth erklären. Mit 667 TEUR entfällt demnach fast die Hälfte des Betrags auf freie Mitarbeiter, die sich unter anderem um die Buchhaltung kümmern. Auch sein Gehalt fällt unter diese Position. Die übrigen 593 TEUR umfassen beispielsweise alle Börsenkosten, die Abschlussprüfung und ähnliche Aufwandspositionen.

Die Frage von Aktionär Barth nach den Auswirkungen der stark schwankenden Platinpreise beantwortete ebenfalls Herr Lorth. Wie dieser darlegte, schließt man bei TWINTEC keine Derivate ab, sondern fixt die Preise mit den Kunden am Tag der Bestellung, so dass keine Risiken entstehen. Das Finanzergebnis besteht zu 100 Prozent aus dem Zinsergebnis.

Den durch Qualitätsprobleme bei einem Canning-Dienstleister entstandenen Schaden bezifferte der Finanzchef auf Nachfrage des DSW-Vertreters mit rund 1,8 Mio. Euro. Zum größten Teil ging dieser Betrag im vergangenen Jahr zu Lasten der Erfolgsrechnung, da die erwarteten Schadensersatzzahlungen nicht als Forderung eingebucht werden können. Ergebnistechnisch geht TWINTEC also mit den Prozess- und Anwaltskosten in Vorleistung. Bei einem Klageerfolg ergibt sich damit ein stattlicher Zusatzertrag. „Und wir würden die Klage nicht verfolgen, wenn wir nicht von einem Erfolg ausgehen würden“, betonte Herr Lorth. Bis ein Ergebnis vorliegt, wird allerdings, da der Prozess in Österreich geführt wird und die zuständige Richterin erkrankt ist, wohl noch einige Zeit vergehen.

Grundsätzlich äußerte Herr Friese Bedenken hinsichtlich der Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells. Daher verlangte er nach konkreteren Informationen zu den Vorhaben im Ausland und zu den geplanten Partnerschaften sowie eine Vision für die Zukunft. Auch eine Planung für das laufende Jahr hatte er vermisst. Gleichwohl sah er Herrn Biondi als Hoffnungsträger, nachdem dieser vor seinem Wechsel zu TWINTEC großen Anteil an der Gesundung der Deutz AG hatte.

In einer ausführlichen Stellungnahme legte der neue Vorstandsvorsitzende dar, wie er sich die Zukunft der TWINTEC AG vorstellt. Bisher ist das Unternehmen nach seiner Aussage stark auf den Nachrüstbereich ausgerichtet. Dieses Geschäft ist zwar profitabel, aber doch nur ein Standbein, und eine breitere Aufstellung erscheint Herrn Biondi unbedingt sinnvoll. Mit dem großen Know-how im Bereich der Abgasnachbehandlung, gepaart mit der hohen Beschichtungskompetenz, will er deshalb neue Märkte für das Unternehmen erschließen.

Wie Herr Biondi erläuterte, benötigen viele kleine Hersteller Know-how im Bereich der integrierten Abgasnachbehandlung, was ihnen ihre großen Lieferanten nicht anbieten können. TWINTEC hat deshalb mit der hohen Systemkompetenz und den verfügbaren Ingenieurkapazitäten die besten Voraussetzungen, um in dieses Geschäft einzusteigen. Schließlich bedeutet es eine gewisse Herausforderung, die Technologie an die Fahrzeuge anzupassen.

Als zweites großes Thema sieht Herr Biondi die alternativen Kraftstoffe. Sein Hauptaugenmerk liegt darauf, den Namen TWINTEC in diesem Zusammenhang einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen. Der ADAC und die Fachzeitschrift Autobild haben derzeit ein nachgerüstetes Fahrzeug im Test, was die Bemühungen deutlich voranbringen sollte. Der Vorstandsvorsitzende will dieses Geschäft nun erheblich ausweiten.

Weiter forcieren will Herr Biondi außerdem mit der eigenen Mannschaft und auch über Partnerunternehmen das Geschäft mit den Austauschkatalysatoren. Die Abgasnachbehandlung wird nach seiner Einschätzung irgendwann auch beim Fahrzeugbetrieb mit Autogas ein Thema werden. Dafür will er mit TWINTEC komplette Konzepte entwickeln und an OEM-Partner liefern.

Potenzial erhofft sich der Vorstandsvorsitzende außerdem im Markt für hochwertige Beschichtungen. Gerade im Edelmetallbereich sieht er bei TWINTEC ein großes Know-how, und er will dieses Geschäft möglichst auf andere Märkte als den Fahrzeugbereich ausweiten. Bereits heute verfügt das Unternehmen über eine breite Palette an Technologien betreffend katalytische Beschichtungen.

Dies alles will Herr Biondi neben dem ursprünglichen Geschäft vorantreiben und mit den neuen Bereichen auch verstärkt den Gang ins Ausland antreten. In diversen Regionen sieht er ganz enormes Potenzial. Als Beispiel nannte er die sehr strengen Grenzwerte, die der Gesetzgeber in Italien beim Betrieb von Biogasanlagen vorgeschrieben hat. Das sich daraus ergebende Geschäft will er zusammen mit Partnern für TWINTEC erschließen.

Gute Chancen sieht Herr Biondi außerdem im russischen Markt, wo das Nachrüstgeschäft bislang noch eine geringe Rolle spielt. Und auch nach China hat der Vorstandsvorsitzende bereits die Fühler ausgestreckt, nachdem die Luftreinhaltung dort bald ein großes Thema werden muss. In Peking dürfen schon heute nicht mehr alle Autos fahren, um den Abgasausstoß zu reduzieren. Diese Chancen will er zusammen mit einem Partner nutzen.

„Das Jahr 2011 wird sicherlich noch nicht ganz einfach werden“, resümierte Herr Biondi. Nachdem die ersten drei Monate noch planmäßig verlaufen sind, begann das zweite Quartal etwas schleppend. Im zweiten Halbjahr sollten nun die neuen Gesetzesvorlagen greifen, womit sich die Planung für das Gesamtjahr noch erreichen lassen müsste. Als wesentliche Aufgabe für das laufende Jahr sieht der Vorstandsvorsitzende an, das Unternehmen neu auszurichten und ihm so neuen Drive zu geben.


Abstimmungen

Nachdem keine weiteren Wortmeldungen vorlagen, verkündete Prof. Dr. Seiffert die Präsenz mit 4.175.704 Aktien entsprechend einem Anteil von 64,24 Prozent des Grundkapitals. Alle Beschlüsse wurden mit Mehrheiten von mindestens 93,7 Prozent bei TOP 9 im Sinne der Verwaltung gefasst.

Im Einzelnen abgestimmt wurde über die Entlastung von Vorstand (TOP 2) und Aufsichtsrat (TOP 3), die Wahl der VRT Advisa AG zum Abschlussprüfer und Konzernabschlussprüfer für das Geschäftsjahr 2011 (TOP 4), die Neuwahl von Edmund Schnürer in den Aufsichtsrat (TOP 5), die Aufhebung der bestehenden Kapitalien I und II sowie die Schaffung eines neuen genehmigten Kapitals 2011 (TOP 6), zwei redaktionelle Satzungsänderungen (TOP 7 und 8) und über den Verzicht auf die individuelle Offenlegung der Vorstandsgehälter (TOP 9).

Nach dreieinhalb Stunden war die Versammlung beendet.


Fazit

Entgegen der optimistischen Planung weist die TWINTEC AG für 2010 einen deutlichen Umsatzrückgang und einen Fehlbetrag aus. Als Problem erwies sich wieder einmal die starke Abhängigkeit von den gesetzlichen Regelungen. Die verzögerte Verabschiedung des neuen Förderprogramms für die Nachrüstung mit Rußpartikelfiltern und die Rücknahme der Mauterhöhung für schwere Nutzfahrzeuge mit höheren Emissionen beeinflussten das Geschäft sehr negativ. Immerhin konnte operativ ein ausgeglichenes Ergebnis erzielt werden.

Der neue Vorstandsvorsitzende Gino Mario Biondi versucht nun, dieses Problem mit einer breiteren Aufstellung des Unternehmens zu lösen. Chancen sieht er beispielsweise im Bereich der alternativen Kraftstoffe und im großen Beschichtungs-Know-how bei TWINTEC. Die Aktionäre äußerten sich auf der Hauptversammlung zuversichtlich, dass der erfahrene Sanierer das Unternehmen in eine profitablere Zukunft führen kann. Das Jahr 2011 wird wohl noch nicht ganz einfach werden, mittelfristig müsste TWINTEC jedoch mit der neuen Strategie über einiges Potenzial verfügen. Mit einem Kurs unter dem Buchwert von 3,65 Euro sollte die Aktie ihren Boden gefunden haben.


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