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HV-Bericht MERKUR BANK KGaA

Schwimmt weiterhin erfolgreich gegen den Strom – Übernahme der Bank Schilling im Gespräch


Die Hauptversammlung der Merkur Bank KGaA fand am 3. Juni 2019 im Haus der Bayerischen Wirtschaft in München statt. Wie in den Vorjahren hatten sich dort etwa 200 Aktionäre und Gäste eingefunden, darunter Matthias Wahler für GSC Research, um sich über die Privatbank zu informieren, die dem extrem schwierigen Branchenumfeld zum Trotz erneut ein sehr positives Ergebnis präsentiert.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Traut eröffnete die Versammlung um 11 Uhr, begrüßte alle Anwesenden und teilte mit, dass die Vertreter der persönlich haftenden Gesellschafterin sowie die Mitglieder des Aufsichtsrats komplett anwesend sind. Das notarielle Protokoll führte Dr. Wolfgang Ott.

Nach Abhandlung der Formalien und einigen ergänzenden Bemerkungen aus Sicht des Aufsichtsrats übergab Herr Traut das Wort an Dr. Marcus Lingel, den persönlich haftenden Gesellschafter und Vorsitzenden der Geschäftsleitung der Merkur Bank.


Bericht der Geschäftsleitung


Dr. Lingel freute sich, erneut von einem sehr erfolgreichen Geschäftsjahr berichten zu können. Dabei gestaltete sich das Marktumfeld mit dem anhaltenden Niedrigzins, dem Druck auf die Banken durch die staatliche Regulierung, der Brexit-Diskussion und den globalen Handelskonflikten alles andere als einfach. Auf die wirtschaftliche Entwicklung des deutschen Mittelstands wirkte sich dies alles aber kaum aus. Die mittelständischen Unternehmen sind nach wie vor grundsolide.

Der Merkur Bank gelang es im Geschäftsjahr 2018 einmal mehr, in der Bankenbranche gegen den Strom zu schwimmen. Alle wesentlichen Kennzahlen konnten weiter verbessert werden. Wichtig ist Dr. Lingel in diesem Zusammenhang, dass die Rentabilität nicht durch Kostensenkungen, sondern durch gesundes Wachstum gesteigert wurde. Die Basis dafür bildet die unternehmerische Wertekultur der Merkur Bank.

An der bewährten Aufstellung der Gruppe wurde nichts verändert. Die Merkur Bank konzentriert sich weiterhin auf das originäre Bankgeschäft, sammelt also Geld von Sparern ein und reicht dieses in Form von Krediten weiter. Es wird kein Geld am Kapitalmarkt investiert und es gibt keine Fristentransformation. Damit ist die Merkur Bank vor Verwerfungen an den Kapitalmärkten geschützt.

Im Folgenden ging Dr. Lingel auf die einzelnen Geschäftsbereiche ein. In der Vermögensanlage konnte das Depotvolumen trotz des zum Jahresende schwierigen Börsenumfelds um 11,6 Prozent auf 336 (Vorjahr: 302) Mio. Euro weiter gesteigert werden. Die Merkur Bank punktet mit einer individuellen Beratung und guten Zinskonditionen für Anleger, die mit ihren Depots wechseln. Das Wachstum der Kundeneinlagen ist auch wichtig für die Finanzierungsstruktur und damit die Refinanzierung des Kreditgeschäfts.

In der Bauträgerfinanzierung ging es ebenfalls kräftig voran. Das Neugeschäft legte um 15,6 Prozent auf 972 (841) Mio. Euro erheblich zu. Das Wachstum wurde dabei zu 90 Prozent mit bestehenden Kunden generiert, was Dr. Lingel als Vorteil ansieht. Gerade mit Blick auf ein möglicherweise schwieriger werdendes Umfeld am Immobilienmarkt ist die Leistungsfähigkeit der Projektentwickler ein großes Thema. Derzeit kann er allerdings nicht erkennen, dass die Unsicherheit in der Branche zunimmt.

Wie er aufzeigte, stiegen die Zahl der verkauften Einheiten und der durchschnittliche Quadratmeterpreis weiter an und die Bauträger konnten im Schnitt sogar 2 Prozent höhere Preise durchsetzen als geplant. Bei der Verkaufsgeschwindigkeit sind ebenfalls keine großen Unterschiede zu bemerken. Auch mit Blick auf das weiter gefallene Zinsniveau glaubt Dr. Lingel nicht, das sich der Immobilienmarkt im laufenden Jahr rückläufig entwickelt. Bremsend könnte sich allenfalls auswirken, dass die Baupreise weiter steigen und sich kaum noch Handwerker finden.

Die Kooperationsvereinbarungen mit verschiedenen Banken wurden laut Dr. Lingel weiter ausgebaut. Eine Zusammenarbeit in Baden-Württemberg wurde beendet, dafür aber vier neue Partnerschaften aufgebaut. Insgesamt verfügt die Merkur Bank nun über elf Ausplatzierungspartner und es kann aktiv gesteuert werden, wie viel Risiko auf die eigenen Bücher genommen und wie viel weitergegeben werden soll. Im vergangenen Jahr belief sich das Ausplatzierungsvolumen auf 272 Mio. Euro.

Eine positive Entwicklung war auch im Leasinggeschäft zu verzeichnen. In der Leasing-Refinanzierung sind laut Dr. Lingel gar nicht so viele Marktteilnehmer aktiv, wie man denkt. Die Merkur Bank hat diese Chance genutzt und das Neugeschäftsvolumen auf 199 (140) Mio. Euro deutlich ausgebaut. Leasing ist inzwischen ein sehr wichtiger Bereich geworden. Große Bedeutung hat die breite Risikodiversifikation. Die Merkur Bank fokussiert sich auf das mobile Leasing und die durchschnittlichen Anschaffungskosten der Leasing-Objekte betragen nur 30 TEUR.

Das Mittelstandsgeschäft bleibt nach Angabe von Dr. Lingel der schwierigste Bereich. Viele Banken wollen diese Firmen finanzieren und gleichzeitig versuchen die Unternehmen, unabhängiger von den Banken zu werden, indem sie die Kredite zurückfahren. In der Folge sinken die Margen und das Risiko wächst. Dennoch legte das Neugeschäftsvolumen um 15 Prozent auf 64 Mio. Euro zu. In absoluten Zahlen ist dies aber nicht allzu viel. Dieses Geschäft steht nicht im Fokus.

Insbesondere getrieben vom Leasing- und Bauträgergeschäft wuchs das beanspruchte Kreditvolumen um 30 Prozent auf 1,15 (0,89) Mrd. Euro deutlich an. Der Zinsüberschuss legte auf 29,2 (23,0) Mio. Euro ebenfalls kräftig zu, obwohl sich die Zinsmarge auf 2,03 (2,16) Prozent erneut reduzierte. Wie in den Vorjahren belastet enorm, dass Liquidität zu einem Zins von minus 0,4 Prozent bei der Europäischen Zentralbank hinterlegt werden muss. Außerdem gibt es im Kreditgeschäft einen großen Wettbewerbsdruck.

Im Zinsergebnis enthalten ist laut Dr. Lingel erstmals ein Konditionsaufschlag in Höhe von 4,5 Mio. Euro. Ursächlich ist die gesetzliche Änderung, wonach im Bauträgerbereich keine Arbeitsentgelte mehr berechnet werden dürfen. Stattdessen wird seit dem zweiten Quartal 2018 ein Zinsaufschlag abgerechnet. Aus diesem Grund entwickelte sich das Provisionsergebnis auf 3,8 (8,4) Mio. Euro deutlich rückläufig. Bereinigt um die Verschiebung wäre der Wert leicht gestiegen. Im laufenden Jahr wird die Auswirkung noch stärker zu spüren sein.

Als sehr wichtiges Thema erachtet Dr. Lingel die Risikovorsorge. In dem sehr positiven wirtschaftlichen Umfeld war die tatsächliche Notwendigkeit im vergangenen Jahr gering. Die erfolgswirksame Risikovorsorge lag mit lediglich 50 TEUR auf einem extrem niedrigen Niveau. Die Geschäftsleitung hat sich jedoch entschlossen, zusätzlich einen Betrag von 3,1 (3,9) Mio. Euro in den Fonds für allgemeine Bankrisiken einzustellen und so wie schon in den Vorjahren für schlechtere Zeiten vorzusorgen.

Trotzdem stieg das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit auf den Rekordwert von 9,0 (7,9) Mio. Euro weiter an. Der Jahresüberschuss verbesserte sich auf 3,7 (3,4) Mio. Euro und das Ergebnis je Aktie errechnet sich mit 0,64 (0,60) Euro. Gemäß der kommunizierten Dividendenpolitik, wonach bis zu 50 Prozent des Gewinns ausgeschüttet werden soll, lautete der Vorschlag an die Hauptversammlung, die Dividende auf 0,32 (0,30) Euro weiter anzuheben.

Bezogen auf den Aktienkurs von 9,30 Euro bedeutet dies eine attraktive Rendite. Und obwohl die Aktie in den letzten zwölf Monaten etwas zugelegt hat, notiert sie laut Dr. Lingel dennoch weiterhin weit unter ihrem Substanzwert. Das harte Kernkapital der Merkur Bank konnte gegenüber dem Vorjahr um 8,5 Prozent auf 76,6 (70,6) Mio. Euro erneut gesteigert werden. Insgesamt belaufen sich die Eigenmittel auf 114,6 (109,9) Mio. Euro.

Das laufende Jahr begann ebenfalls sehr positiv. Im ersten Quartal lag das Neugeschäftsvolumen bereits bei 303 Mio. Euro und das Depotvolumen erhöhte sich um weitere 10 Prozent auf 370 Mio. Euro. Aktuell sind es schon rund 390 Mio. Euro. An dem Jahr für Jahr zweistelligen Wachstum sieht Dr. Lingel aufgezeigt, dass sich die Merkur Bank auf dem richtigen Weg befindet. Nach seiner Überzeugung punktet die Merkur Bank vor allem mit ihrer Unabhängigkeit. Es gibt im Haus keine eigenen Produkte, die verkauft werden müssen.

Die Kreditbeanspruchung lag per Ende März bei sehr hohen 1,20 Mrd. Euro und der Gewinn konnte im ersten Quartal um 15,8 Prozent auf 1,37 (1,18) Mio. Euro deutlich gesteigert werden. In diesem Tempo wird es, wie Dr. Lingel klarstellte, aber nicht weitergehen. Schon mit Blick auf die Kapitalquoten wird es in den nächsten Monaten etwas langsamer vorangehen. 2019 wird nach seiner Überzeugung aber erneut ein sehr gutes Jahr werden. Das Ergebnis wird weiter steigen.

Die Merkur Bank beschäftigt sich natürlich auch mit der Digitalisierung. Dr. Lingel sieht dieses Thema nicht als Bedrohung, sondern als Chance. Mit den richtigen Angeboten kann die Attraktivität der Merkur Bank für die Kunden weiter erhöht und die Kundenbindung gestärkt werden. Es geht nicht um die Einsparung von Personal. Es können jedoch mit der gleichen Kostenstruktur mehr Kunden erreicht und freie Kapazitäten für andere Aufgaben geschaffen werden.

Abschließend sprach Dr. Lingel einige Worte zu den Übernahmegesprächen mit dem Bankhaus Schilling aus Hammelburg, die vor einigen Wochen aufgenommen worden sind. Es handelt sich seiner Angabe zufolge bei diesem Institut ebenfalls um eine Privatbank, die mit diesem Schritt die Weichen für die Nachfolgeregelung stellen will, bei der die Aufrechterhaltung der eigentümergeführten Tradition im Vordergrund steht.

Schnell haben beide Seiten in den Gesprächen erkannt, dass es viele Gemeinsamkeiten gibt. Beide Banken verbindet eine unternehmerisch geprägte Firmenkultur und eine langjährige Erfolgsgeschichte. Es geht, wie Dr. Lingel klarstellte, um eine mögliche Teilübernahme. Das Bankhaus Schilling umfasst beispielsweise auch einen Versicherungsmakler. Interessant für die Merkur Bank wäre jedoch allein das Bankgeschäft.

Nach Überzeugung Dr. Lingel passen die beiden Unternehmen sehr gut zusammen. Die Merkur Bank kommt eher von der Kreditseite und zieht die Einlagen hinterher. Beim Bankhaus Schilling stand hingegen immer das Einlagengeschäft mit der Vermögensverwaltung im Vordergrund. Der Rentenhandel wäre für die Merkur Bank noch eine Ergänzung.

Auch aus regionalen Gesichtspunkten würde es sehr gut passen. Die Merkur Bank verfügt über Filialen in Bayern, Sachsen, Thüringen und eine Repräsentanz in Stuttgart. Die Bank Schilling mit ihrem Stammsitz im unterfränkischen Hammelburg ist vor allem in Südhessen und Nordbayern aktiv. Die einzige Überschneidung gäbe es in München mit zwei Mitarbeitern. Ein großer Vorteil wäre ferner, dass beide Banken bereits über die gleiche Infrastruktur verfügen.

Die Übernahme würde für die Merkur Bank also eine weitere Diversifikation und die Erschließung weiterer Wachstumsfelder bedeuten. Für die Kunden ergäben sich keine Einschränkung und für die Mitarbeiter neue Chancen. Über Eckpunkte habe man sich bereits geeinigt. Jetzt gilt es abzuwarten, was letztlich herauskommt. Unabhängig von einer möglichen Übernahme sieht Dr. Lingel die Merkur Bank auf einem guten Weg, die erfolgreiche Entwicklung auch in einem weiterhin nicht einfachen Umfeld fortzuschreiben.


Allgemeine Aussprache


Daniel Bauer sprach für die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) und machte eine kleine Rechnung auf. Er hatte erstmals vor neun Jahren eine Hauptversammlung der Merkur Bank besucht. Damals hatte die Aktie der Deutschen Bank bei fast 50 Euro notiert und der Anteilsschein der Commerzbank bei 35 Euro, die Merkur Bank hingegen nur bei 3,50 Euro.

Seither hat sich das Bild radikal verändert. Heute kostet die Merkur Bank Aktie mit über 9 Euro mehr als die Papiere der beiden anderen Institute. Zudem konnten sich die Aktionäre über die Jahre über schöne Dividenden freuen. Schon daran sah der SdK-Sprecher gut aufgezeigt, dass sich die Merkur Bank in dem herausfordernden Umfeld auf einem guten Weg befindet.

Andreas Breijs von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) zeigte sich ebenfalls angetan. Er beglückwünschte die Geschäftsleitung zu dem erneut erfolgreichen Geschäftsjahr 2018. Der Aktionärsschützer findet es erstaunlich, wie sich die Merkur Bank im Vergleich zu den anderen Banken schlägt, von denen ständig neue Hiobsbotschaften gemeldet werden. Offensichtlich macht man bei der Merkur Bank etwas richtig.

Beide Redner sprachen in ihrem Beitrag die Verschiebungen vom Provisionsergebnis zum Zinsüberschuss infolge des BGH-Urteils an. Herr Bauer wollte wissen, ob Kunden wegen der veränderten Rechtslage abgesprungen sind, nachdem schon eine Beratung stattgefunden hat. Dies würde bedeuten, dass die Merkur Bank nichts erhält. Ihn interessierte, wie die Geschäftsleitung mit diesem Risiko umgeht. Herr Breijs wollte wissen, ob der Zinsaufschlag rechtssicher ist oder vielleicht Rückzahlungen drohen.

Wie Dr. Lingel darlegte, wird die Bearbeitungsgebühr durch eine sechsmonatige Zinskomponente ersetzt. Dies ist rechtlich sauber geregelt. Am ehesten sieht er aus Sicht der Bank die betriebswirtschaftliche Herausforderung einer sauberen Abgrenzung. Es gab nach seiner Aussage keinen Kunden, mit dem man wegen dieser Änderung diskutieren musste und nach seiner Erinnerung nur einen Fall, in dem der Kunde den Kredit letztlich nicht in Anspruch genommen hat.

Einer Folie vom Vortrag von Dr. Lingel hatte Herr Bauer entnommen, dass im Leasinggeschäft der Fahrzeuganteil hohe 63 Prozent beträgt. Seiner Auffassung nach könnte sich daraus, Stichwort Dieseldebatte und Elektromobilität, ein gewisses Risiko ergeben, was den Restwert der Fahrzeuge angeht.

In seiner Antwort informierte Geschäftsleitungsmitglied Claus Herrmann, dass es sich nicht nur um Pkw, sondern auch um andere Fahrzeuge handelt. Außerdem sind die Verträge in der Regel so gestaltet, dass das Risiko der Wertminderung beim Leasingnehmer liegt. Das Thema Diesel ist inzwischen fast durch und es sieht so aus, als ob die gebildeten Rückstellungen nicht benötigt werden. Bei Elektrofahrzeugen gibt es noch keine längerfristigen Erfahrungen, was die Verwertung angeht. Für die Merkur Bank ergibt sich aber ohnehin kein Risiko. Wichtig ist ihm vor allem, dass die Risiken im Leasingbereich bei durchschnittlichen Anschaffungskosten von 30 TEUR sehr breit gestreut sind.

Als sehr erfreulich bewertete Herr Bauer das rasant wachsende Depotvolumen. Auf seine Nachfrage erläuterte Dr. Lingel, dass der Zuwachs zu 70 Prozent aus Neukunden resultiert und zu 30 Prozent aus Bestandskunden, die weitere Wertpapiere zur Merkur Bank übertragen. Er fühlt sich sehr wohl mit dieser Aufteilung. Diese Aufteilung zeigt, dass sich die Kunden sehr wohl bei der Merkur Bank fühlen.

In der Gewinn- und Verlustrechnung waren dem SdK-Vertreter die auf 5,3 (4,4) Mio. Euro deutlich gestiegenen Ertragssteuern aufgefallen. Von dem schönen Anstieg beim Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit ging also der größte Teil an den Fiskus. Als Grund dafür verwies Herr Herrmann in seiner Antwort auf eine Betriebsprüfung, aus der eine Nachzahlung resultierte. Im laufenden Jahr wird sich die Steuerquote hoffentlich wieder normalisieren.

Beide Redner sprachen schließlich die mögliche Übernahme der Bank Schilling an. Herr Bauer bewertete dieses Vorhaben grundsätzlich sehr positiv. Die Merkur Bank würde sich auf diese Weise neue Geschäftsgebiete erschließen und zudem deutlich größer werden, was der Aktie mehr Aufmerksamkeit am Kapitalmarkt bringen könnte.

Dass der Versicherungsmakler nicht mit übernommen werden soll, konnte der SdK-Vertreter verstehen. Das Segment Rentenhandel hielt er aber durchaus für interessant, was Dr. Lingel bestätige. Dieses Geschäft soll auch mit übernommen werden. Die Bank Schilling verfügt in diesem Bereich über eine große Expertise und das Geschäft liefert stabile Erträge. Die Merkur Bank ist aber nicht interessiert an den Tochtergesellschaften, in denen sich bankfremdes Geschäft befindet.

Als entscheidende Frage sahen die beiden Aktionärsschützer an, wie die Übernahme gegebenenfalls finanziert werden soll. Nach Einschätzung von Herrn Bauer müsste es wohl um einen zweistelligen Millionenbetrag gehen. Eine Möglichkeit wäre seiner Meinung nach eine Sacheinlage, wenn die Eigentümerfamilie der Bank Schilling dies akzeptiert. Alternativ müsste wohl eine Barkapitalerhöhung bei der Merkur Bank durchgeführt werden. Allerdings stellt sich dann die Frage nach dem fairen Wert.

Nach Aussage von Dr. Lingel ist eine klassische Übernahme geplant. Die Bank Schilling soll komplett in die Merkur Bank integriert werden. Zur Finanzierung konnte er noch nichts sagen. Die Aktionäre können aber sicher ein, dass er als persönlich haftender Gesellschafter keinerlei Interesse hat, unnötige Risiken einzugehen.

Weiter teilte er mit, dass es bei der Übernahme weniger um die Größe geht. Das vorrangige Ziel aus Sicht der Merkur Bank sind die Erschließung von zusätzlichen Wachstumsfeldern und eine weitere Ertragssteigerung. Wie lange die Gespräche noch dauern, konnte er nicht abzuschätzen. Vielleicht kann in einigen Monaten mehr veröffentlicht werden.


Abstimmungen

Herr Traut verkündete die Präsenz mit 4.261.135 Aktien. Bezogen auf das gesamte Grundkapital von 13.235.200 Euro, eingeteilt in 5.170.000 Aktien, entsprach dies einer Quote von 74,93 Prozent. Sämtliche Beschlüsse wurden einstimmig oder mit wenigen Gegenstimmen gefasst. Die einzige Ausnahme war TOP 7 mit einer Zustimmungsquote von immer noch sehr hohen 98,85 Prozent.

Im Einzelnen beschloss die Hauptversammlung über die Feststellung des Jahresabschlusses (TOP 2), die Dividende von 0,32 Euro (TOP 3), die Entlastung der persönlich haftenden Gesellschafterin (TOP 4) und des Aufsichtsrats (TOP 5), die Wahl der KPMG AG zum Abschlussprüfer (TOP 6), die Neuwahl des Aufsichtsrats (TOP 7) sowie die Ermächtigung zur Ausgabe von Gewinnschuldverschreibungen und/oder Anleihen (TOP 8).

Siegfried Lingel stimmte als Vertreter der persönlich haftenden Gesellschafterin sämtlichen Beschlussfassungen zu. Zudem teilte er mit, dass die persönliche Gesellschafterin auch die Aktivitäten, mit denen voraussichtlich neue Geschäftszweige hinzukommen werden, absolut unterstützt.

Um 13:12 Uhr schloss der Vorsitzende die Versammlung.


Fazit

Die Merkur Bank KGaA schwimmt weiterhin erfolgreichen gegen den Strom. Dem schwierigen Marktumfeld zum Trotz konnten im Geschäftsjahr 2018 alle wesentlichen Kennzahlen verbessert werden. Obwohl wiederum mehr als 3 Mio. Euro freiwillig der Risikovorsorge zugeführt wurden, verbesserte sich das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit deutlich auf 9,0 (7,9) Mio. Euro. Vom Ergebnis je Aktie von 0,64 (0,60) Euro erhalten die Aktionäre mit 0,32 (0,30) Euro die Hälfte als Dividende.

Im ersten Quartal 2019 hat sich der positive Trend sogar noch beschleunigt. Der Periodengewinn stieg um 16 Prozent auf 1,4 (1,2) Mio. Euro. Im weiteren Jahresverlauf dürfte sich das Tempo schon mit Blick auf die Kapitalquoten etwas verlangsamen. Das Ergebnis wird sich jedoch aus heutiger Sicht weiter verbessern. Ein Gewinn je Aktie von 0,70 Euro erscheint realistisch, was mit einer weiteren Dividendenerhöhung auf 0,35 Euro einhergehen würde.

Trotz dieser erfreulichen Perspektiven kommt die Aktie nur langsam voran. Viele Anleger meiden wohl aus Prinzip Bankaktien, was in diesem Fall ein Fehler sein dürfte. Immerhin hat sich in den letzten Monaten ein Aufwärtstrend etabliert. Noch immer liegt der Kurs mit 9,30 Euro aber deutlich unter dem Substanzwert, der inzwischen mehr als 12 Euro betragen sollte. Auch die Dividendenrendite von geschätzt 3,7 Prozent im kommenden Jahr spricht für die Aktie.

Das Hauptthema der diesjährigen Hauptversammlung waren die laufenden Übernahmegespräche mit der Bank Schilling. Diese Transaktion würde auf jeden Fall Sinn machen. Die Bank Schilling ist ebenfalls eine Privatbank mit langjähriger erfolgreicher Entwicklung, die Merkur Bank würde sich neue Geschäftsfelder erschließen und es gibt regional praktisch keine Überschneidung. Die Merkur Bank ist allerdings auch gut aufgestellt, um ohne einen Zukauf weiterhin erfolgreichen agieren zu können.


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Dr. Marcus Lingel (Vorstand)

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Hinweis: Der Verfasser hält Aktien dieser Gesellschaft.


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