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Oliver Wiederhold
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Die SCI AG hatte für den 9. August 2019 zu ihrer 18. Hauptversammlung in das Clubhaus der Sportanlage TuS Merzhausen in die Nähe von Usingen eingeladen. Etwa 30 Aktionäre und Gäste hatten sich dort eingefunden, darunter Matthias Wahler für GSC Research, um sich über die Entwicklung der insbesondere auf Spezialsituationen fokussierten Beteiligungsgesellschaft zu informieren.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Wilhelm Nachtigall eröffnete die Versammlung um 10 Uhr und teilte mit, dass die Mitglieder von Vorstand und Aufsichtsrat vollzählig anwesend sind. Ein notarielles Protokoll war nicht erforderlich, auf die Bestellung eines Notars wurde deshalb verzichtet. Die Niederschrift erstellte der Versammlungsleiter selbst.

Im Folgenden erläuterte Herr Nachtigall die Formalien und informierte über die wichtigsten Punkte aus Sicht des Aufsichtsrats. In diesem Zusammenhang kam er auch auf die Vorstandsvergütung zu sprechen, die sich aus einem fixen und einen performanceabhängigen Teil zusammensetzt. Für das Geschäftsjahr 2018 hat Alleinvorstand Oliver Wiederhold lediglich die fixe Vergütung erhalten.

Nach diesen Ausführungen übergab der Vorsitzende das Wort an den Vorstand.


Bericht des Vorstands


Herr Wiederhold begann mit einigen allgemeinen Anmerkungen zum schwachen Börsenjahr 2018. Der DAX gab um 18 Prozent nach und die für die SCI zweitwichtigste lettische Börse verlor 7 Prozent. Weltweit gab es nur wenige Börsen mit positiver Performance vor allem im arabischen Raum. Spitzenreiter war die Börse in Kiew. Es besteht aber keine Absicht, in diesen Märkten aktiv zu werden. Die SCI wird sich nach Aussage des Vorstands weiterhin auf die Märkte in Deutschland, Lettland und Österreich konzentrieren.

Die Gründe für die weltweit schwache Kursentwicklung waren vielfältig. Unter anderem nannte Herr Wiederhold die anhaltenden Probleme in der Eurozone und den Handelsstreit zwischen den USA und China. Letztlich war nach seiner Einschätzung nach sechs Jahren mit positiver Performance aber eine Korrektur einfach fällig. Es gab zu keiner Zeit Panik oder ein Crashszenario. Aus Sicht der SCI habe man die Aussichten schon vor einem Jahr negativ eingeordnet und das Depot soweit möglich vorbereitet.

Trotzdem blieb das Portfolio von dem Abschwung an den Börsen nicht gänzlich unberührt. Bereinigt um die Effekte aus dem Aktienrückkauf und der Ausübung der Optionsschuldverschreibung bzw. der zugehörigen Optionsscheine gab der Net Asset Value (NAV) der Aktie um 9,3 Prozent nach. Zum Jahresende errechnete sich die Kennzahl mit 22,67 (Vorjahr: 26,01) Euro. Der Kurs der SCI-Aktie bewegte sich noch weniger. Im Stichtagsvergleich gab der Kurs leicht um 0,40 Euro auf 23 Euro nach.

Insbesondere in der zweiten Jahreshälfte schnitt die SCI-Aktie weit besser ab als der DAX. Dennoch zeigte sich Herr Wiederhold unzufrieden. Das Ziel ist es bekanntlich, möglichst marktunabhängig zu agieren. Positiv wertet der Vorstand, dass die Umsätze in SCI-Aktien im Berichtszeitraum mit 41.000 Aktien doppelt so hoch lagen wie in den Vorjahren, dies entsprach rund 8 Prozent des Grundkapitals. Auch größere Verkaufsorders seien zu vernünftigen Kursen vom Markt aufgenommen wurden und es gab keine größeren Kursausschläge.

Der Vorstand fuhr fort mit einem Überblick über die größten Positionen im Depot zu Beginn des Berichtsjahres. Geordnet nach dem Anteil am NAV zum 1. Januar 2018 fand sich ganz oben unverändert die Beteiligung an der IFA Hotel & Touristik AG, die zu diesem Zeitpunkt für 13 Prozent des NAV stand. Wirtschaftlich gab es bei diesem Unternehmen laut Herrn Wiederhold keine negative Entwicklung. Problematisch gestaltete sich allerdings, dass im Mai 2018 eine große Kapitalerhöhung angekündigt wurde.

Bei einem Bezugsverhältnis von 1 zu 2 lag der Ausgabepreis der neuen Aktien mit 6,73 Euro weit unter der damaligen Notierung von 11 Euro. Damit war klar, dass sich der Kurs diesem Niveau annähern wird. Der Vorstand reagierte sofort und verkaufte die Position in den Folgemonaten großteils ab. Tatsächlich entwickelte sich der Kurs in der Folge in Richtung Bezugskurs. Mit dem Restbestand konnte das Bezugsrecht dann voll ausgeübt und sogar noch Überbezug angemeldet werden.

Als zweitgrößte Position im SCI-Depot benannte Herr Wiederhold die Beteiligung an der InnoTec TSS AG mit einem Anteil von 7,4 Prozent am NAV. Bei dieser Gesellschaft kam bei den Anlegern nicht so gut an, dass das Unternehmen nicht mehr so stark wächst wie in den Vorjahren. In dem schwachen Marktumfeld verlor die Aktie deutlich an Wert. Der Vorstand will aber an der Position festhalten. Er sieht die InnoTec-Aktie inzwischen als Dividendenwert und Übernahmekandidat.

Position Nummer drei im Portfolio war die Gesundheitswelt Chiemgau mit einem Anteil von 7,3 Prozent am NAV. Bei diesem Unternehmen gab es im vergangenen Jahr diverse Veränderungen. Es wurden alle Immobilien von der Gemeinde erworben und die neue Klinik erfolgreich in Betrieb genommen. Die Aktie konnte den im vergangenen Jahr erreichten Höchstkurs von 370 Euro nicht ganz halten. Der Vorstand ist mit diesem vom Gesamtmarkt unabhängigen Investment dennoch zufrieden.

Sodann kam Herr Wiederhold zur Erläuterung des Jahresabschlusses. Die Bilanzstruktur hat sich nicht verändert. Weiterhin arbeitet die SCI ausschließlich mit Eigenkapital. Daneben finden sich auf der Passivseite der Bilanz lediglich kleinere Rückstellungen. Bei einer Bilanzsumme von 7,2 (7,4) Mio. Euro errechnet sich die Eigenkapitalquote mit über 99 Prozent. Mehr Veränderungen gab es auf der Aktivseite. Der Cashbestand erhöhte sich durch diverse Verkäufe auf 3,9 (3,3) Mio. Euro.

Der Umsatz aus Handelsgeschäften ging auf 1,13 (2,34) Mio. Euro zurück. Daran sieht der Vorstand die im Berichtsjahr verringerten Aktivitäten aufgezeigt. Hinzu kommen sonstige betriebliche Erträge von 428 (474) TEUR, die sich aus Gewinnrealisierungen von 243 (370) TEUR und Nachbesserungen aus Spruchverfahren in Höhe von 164 (105) TEUR zusammensetzen. Letztere gewinnen für die SCI immer mehr an Bedeutung.

Gewinnrealisierungen gab es laut Herrn Wiederhold vor allem bei der lettischen Valmieras, die in das Übernahmeangebot eingereicht wurde, mit eine Ergebnis von 148 TEUR. Mit dem Verkauf von WCM und aus dem Squeeze-out bei Strabag konnte jeweils ein Gewinn von 25 TEUR realisiert werden. Außerdem trennte sich der Vorstand wie dargelegt unfreiwillig von einem Großteil der IFA-Aktien mit einem Gewinn von 29 TEUR. Im Januar 2019 wurde diese Position im Rahmen der Kapitalerhöhung wieder aufgestockt.

Im Bereich der Nachbesserungen war die größte Position die Nachzahlung von 96 TEUR aus der Syskoplan Verschmelzung. Bei der Barabfindung lag die Erhöhung bei immerhin 40 Prozent. Größere Nachzahlungen gab es außerdem bei S&T, Advanced Inflight und MAN. Kleinere Beträge oder ein Verfahrensende ohne Nachbesserung konnten bei Elsdorfer Feinkost, Beru, W.E.T., GBW, CCR, Rütgers, John Deere, Ventegis, Prime Office und IBS vereinnahmt werden. Exemplarisch wies Herr Wiederhold darauf hin, dass das Rütgers-Verfahren erst nach 19 Jahren abgeschlossen wurde.

Die Abschreibungen auf Wertpapiere erhöhten sich auf 267 (187) TEUR. Die größte Position waren hier die Intercell Nachbesserungsrechte mit 76 TEUR. Wichtig war Herrn Wiederhold der Hinweis, dass man diese Rechte keineswegs für wertlos halte. Es erwies sich jedoch als problematisch, einen ausreichenden Wertnachweis gegenüber dem Abschlussprüfer zu bringen. Um keinen unnötigen Aufwand betreiben zu müssen, habe man sich entschieden, die Position komplett abzuschreiben. Weitere Abschreibungen ergaben sich bei J.F. Behrens, Vilkyskiu pienine und Valmieras.

Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen verminderten sich auf 102 (146) TEUR. Die Reduzierung resultiert Herrn Wiederhold zufolge insbesondere aus den deutlich niedrigeren Rechts- und Beratungskosten, die im Vorjahr überdurchschnittlich hoch gewesen waren. Bei den anderen Positionen ergaben sich keine wesentlichen Veränderungen. Letztlich entwickelte sich der Jahresüberschuss auf 203 (867) TEUR rückläufig. Das Ergebnis je Aktie beläuft sich auf 0,45 (1,91) Euro.

Im Folgenden präsentierte Herr Wiederhold eine Grafik mit der Entwicklung des Einreichungsvolumens, das seit Jahren wenig verändert bei rund 20 Mio. Euro liegt. Auch bei den größten Positionen ergaben sich keine Veränderungen. Insbesondere griff der Vorstand hier die Verfahren aus dem Squeeze-out der Versicherungen Gerling, Köln Rück und AXA heraus, die auch nach mehr als zehn Jahren noch in der ersten Instanz anhängig sind. Neu auf der Liste findet sich die finnische Pöyry oyi.

Sodann kam der Vorstand zur aktuellen Situation. Die größte Position im Depot ist nach seiner Angabe unverändert IFA Hotel & Touristik. Der Anteil dieser Beteiligung am NAV erhöhte sich mit der Teilnahme an der Kapitalerhöhung auf 17,1 Prozent, allerdings nun auf einem ganz anderen Kursniveau. Die nächsten Jahre werden bei diesem Unternehmen von verschiedenen Großprojekten geprägt sein, deren Ergebnisse sich wohl erst 2021 zeigen.

Positiv wertet Herr Wiederhold, dass sich bei IFA mit der Kapitalerhöhung die Aktionärsstruktur geklärt hat. Der bislang zweitgrößte Investor nahm nicht an der Kapitalerhöhung teil und wurde auf rund 10 Prozent verwässert. Die Beteiligung der Lopesan-Gruppe erhöhte sich auf über 75 Prozent, was den Aktienkurs etwas beflügelte. Falls es zu einem Ergebnisabführungsvertrag käme, was zumindest konkret nicht zu erwarten ist, dann sicherlich zu einem höheren Kurs. Das Eigenkapital der IFA-Aktie liegt bei knapp 10 Euro.

Sehr zufrieden zeigte sich Herr Wiederhold mit dem Investment in den lettischen Getränkehersteller Latvijas Balzams, der aktuell einen Anteil von 8,3 Prozent am NAV des SCI-Depots hat. Dieses Unternehmen glänzt seit Jahren mit guten Zahlen und der Aktienkurs bewegt sich kontinuierlich nach oben. Außerdem hält der Hauptaktionär 90 Prozent der Aktien und er hat schon einmal versucht, die Gesellschaft komplett zu übernehmen. Vielleicht startet er noch einmal eine Initiative.

Viel verspricht sich der Vorstand unverändert von dem Investment in Gesundheitswelt Chiemgau. Mit einem aktuellen Kurs von 300 Euro hält Herr Wiederhold diese Aktie für unterbewertet. Er erwartet für das laufende Jahr ein Ergebnis je Aktie von 37 Euro und sieht den fairen Kurs damit über 500 Euro, vielleicht noch deutlich höher. Das Problem ist nach wie vor, dass diese Aktie an der Börse weitgehend unbekannt ist.

Neu im Portfolio findet sich Pöyry oyi, ein finnisches Ingenieurdienstleistungsunternehmen, das auch in Deutschland aktiv ist. Wie Herr Wiederhold darlegte, wurde dieses Unternehmen von der schwedischen ÅF zu einem Kurs von 10,20 Euro übernommen. Die Annahmeschwelle war sehr hoch, sie wurde aber problemlos erreicht. Der Großaktionär kam sofort auf einen Anteil von 99,4 Prozent und leitete umgehend den Squeeze-out ein.

Die SCI ist als größter freier Aktionär aktiv im Verfahren dabei und Herr Wiederhold sieht einiges an Potenzial. Im Branchenvergleich ist die Aktie nach seiner Berechnung eher das Doppelte wert. Er kam auf einen Wert von 19,38 Euro und diesen Betrag musste der Großaktionär nun auch hinterlegen. Insofern ist die SCI abgesichert. Der Vorstand geht davon aus, dass das Verfahren schnell abgeschlossen werden kann. Positiv wertet er, dass die SCI kein Aufgeld bezahlt hat.

Grundsätzlich erachtet Herr Wiederhold Skandinavien als interessanten Markt für die SCI. Er beobachtet dort rege M&A-Aktivitäten und der Kapitalmarkt funktioniert gut. Der Vorstand kann sich gut vorstellen, in dieser Region stärker aktiv zu werden, wenn sich Chancen finden.

Nachfolgend präsentierte Herr Wiederhold eine Übersicht mit Nachbesserungen, die im laufenden Jahr bereits vereinnahmt werden konnten. Die mit Abstand größte Zahlung kam mit 646 TEUR von Constantia Packaging. Es handelte sich um die zweitgrößte Zahlung, die die SCI je erhalten hat. Besonders hob der Vorstand außerdem die Deutsche Immobilien hervor, bei der die Nachbesserung weit höher ausfiel, als dies zu erwarten gewesen war. Die SCI vereinnahmte 106 TEUR. Kleinere Zahlungen gab es von Strabag und John Deere.

Abschließend informierte Herr Wiederhold über den Aktienrückkauf, der im Berichtsjahr anstelle einer Dividendenzahlung durchgeführt wurde, da sich dies für einige Aktionäre steuerlich interessanter gestaltet. Insgesamt erwarb die Gesellschaft 37.466 Aktien zu 25,50 Euro und damit deutlich über dem Börsenkurs. Das Angebot war somit sehr attraktiv. Aktuell befinden sich 7,8 Prozent des Grundkapitals mit einem Gegenwert von 955 TEUR im eigenen Bestand.

Diesmal lautet der Vorschlag an die Hauptversammlung, den Bilanzgewinn komplett auf neue Rechnung vorzutragen. Dies war laut Herrn Wiederhold nach dem Aktienrückkaufprogramm, mit dem ein Mittelabfluss von 955 TEUR verbunden war, so zu erwarten gewesen. Rechnerisch wurden damit fast 2 Euro ausgeschüttet, also sozusagen eine Dividende von 1 Euro für zwei Jahre gezahlt.

Herr Wiederhold schloss seinen Vortrag mit einigen Ausführungen zu den Perspektiven. Für den Gesamtmarkt ist er unverändert negativ gestimmt. Er sieht es weiterhin als seine Aufgabe, die SCI möglichst unabhängig aufzustellen. Als großen Vorteil sieht er in einem solchen Umfeld die hohe Cashquote, die es ermöglicht, sich bietende Chancen kurzfristig wahrzunehmen.


Allgemeine Aussprache


Marion Kostinek zeigte sich als Vertreterin der Investor Communications Group (ICG) zufrieden mit der Entwicklung der Gesellschaft. Zwar lagen der Umsatz und das Rohergebnis im Geschäftsjahr 2018 im Vergleich zu den Vorperioden auf einem sehr niedrigen Niveau. Immerhin wurde in dem schwierigen Marktumfeld aber ein Jahresüberschuss erwirtschaftet und das Eigenkapital bewegt sich mit 7,2 Mio. Euro auf einem soliden Niveau.

Positiv bewertete Frau Kostinek auch den im vergangenen Jahr durchgeführten Aktienrückkauf anstelle einer regulären Dividendenzahlung. Da der Rückkaufpreis mit 25,50 Euro deutlich über dem NAV von 23,80 Euro lag, gestaltete sich dieses Vorhaben sehr lukrativ und wurde wenig überraschend von den meisten Aktionären angenommen.

Die Aktionärsschützerin wollte wissen, ob auf absehbare Zeit ein weiteres Rückkaufprogramm angedacht ist. Dies verneinte Herr Wiederhold, im Moment gibt es keine Planung in diese Richtung. Dass es im Jahr 2014 ein Rückkaufangebot gegeben hat und ein weiteres 2018, heißt nicht, dass nun alle vier Jahre mit einem solchen Vorhaben gerechnet werden kann.

Eine Einziehung der erworbenen Aktien ist, wie der Vorstand auf Nachfrage von Frau Kostinek informierte, nicht vorgesehen. Dies wäre gar nicht möglich, da der Beschluss ohne die Möglichkeit zur Einziehung gefasst worden ist. Einen Nachteil kann der Vorstand nicht erkennen. Die Anteile können gegebenenfalls bei Investoren platziert werden, wie dies vor einigen Jahren schon einmal geschehen ist. Noch wurde aber keine Entscheidung über das weitere Vorgehen getroffen.

Aktionär Philipp Steinhauer konnte nicht verstehen, warum auf die Möglichkeit zur Einziehung der Aktien verzichtet wurde. Die SCI verfügt bereits über einen sehr hohen Cashbestand. Ende 2018 waren es mehr als 50 Prozent der Bilanzsumme und mit Veräußerung der eigenen Aktien würde der Betrag noch weiter anschwellen. Dass die SCI seit Jahren so viel Liquidität vor sich herschiebt, vermittelt nach Meinung von Herrn Steinhauer den Eindruck, dass der Vorstand nichts mit dem Geld anzufangen weiß.

Zu diesem Thema stellte zunächst Herr Nachtigall klar, dass bei der Ermächtigung bewusst auf die Möglichkeit zur Einziehung verzichtet wurde. So war es möglich, die betreffende Hauptversammlung ohne Notar abzuhalten, was enorme Kosten spart. Protokollierungspflichtige Beschlüsse werden gerne „gesammelt“ und nach einigen Jahren gemeinsam abgearbeitet. Die eigenen Aktien im Depot stören nicht und verursachen keinen Aufwand.

Ferner stellte Herr Wiederhold klar, dass die hohe Cashposition keineswegs heißt, dass der Vorstand nicht aktiv ist. Es gibt eine Menge Ideen. Das Engagement in Pöyry oyi zeigt, wie lohnenswert es sein kann, wenn die SCI schnell in größerem Umfang aktiv werden kann. Im Übrigen hat sich der hohe Cashbestand mit Durchführung der IFA-Kapitalerhöhung im Januar 2019 bereits deutlich reduziert. Aktuell belaufen sich die liquiden Mittel noch auf etwa 30 Prozent des NAV.

Eine weitere Frage von Frau Kostinek betraf den Optionsschein bzw. die Optionsschuldverschreibung, die zum 30. November 2018 ausgelaufen sind. Sie bat um den Vorstand um eine Aussage, wie sich dieses Geschäft für die Aktionäre und für die Gesellschaft gelohnt hat. Gegebenenfalls könnte ein solches Instrument erneut in Betracht kommen.

Wie Herr Wiederhold in Erinnerung rief, ist die Optionsschuldverschreibung im Jahr 2008 mit Blick auf die nahende Abgeltungssteuer ausgegeben worden. Aus Anlegersicht hast sich ein Investment auf jeden Fall gelohnt. Die Gesellschaft konnte einen gewissen Mittelzufluss generieren, dies war aber nicht entscheidend. Konkret gibt es derzeit keine Pläne in diese Richtung. Man würde aber gegebenenfalls auch künftig flexibel auf sich verändernde steuerliche Rahmenbedingungen reagieren.

Ferner bat die Aktionärsschützerin um eine Erklärung zur Aufsichtsratsvergütung, die ausweislich der Tagesordnung mit insgesamt 16.500 Euro beschlossen werden soll. Im vergangenen Jahr waren es noch 18.900 Euro gewesen. Nach Angabe von Herrn Wiederhold erhält der Aufsichtsrat in Summe immer ein Viertel der Vorstandsvergütung. Diese fiel 2018 niedriger aus, da keine variable Komponente bezahlt wurde.

Des Weiteren interessierte Frau Kostinek, ob es nicht möglich gewesen wäre, die Abschreibungen auf Finanzanlagen mit Absicherungsmaßnahmen zu vermeiden. Dies konnte Herr Wiederhold nicht erkennen. Letztlich könnte nur der Gesamtmarkt abgesichert werden. Im Nebenwertebereich ist dies nicht möglich. Außerdem soll das Chancenpotenzial möglichst komplett erhalten bleiben und Absicherung kostet Rendite.

Ferner hinterfragte die Aktionärsschützerin die Meldungen zum NAV, die nach ihrem Eindruck sehr unregelmäßig erfolgen. Dies betreffend informierte Herr Wiederhold, dass die Kommunikation mit Inkrafttreten der Marktmissbrauchsverordnung geändert wurde. Der NAV wird seither etwa alle zwei Monate gemeldet, auch wenn dies einen gewissen Aufwand bedeutet. Man überlege sogar, die Meldungen künftig noch um eine Erläuterung der wichtigsten Sachverhalte zu ergänzen.

Auf Nachfrage von Herrn Steinhauer ergänzte der Vorstand, dass der zweimonatige Rhythmus sich bewährt hat und grundsätzlich beibehalten werden soll. Allerdings würde man, wenn sich potenziell kursbeeinflussende Tatsachen ergeben, gegebenenfalls außerordentliche Meldungen einschieben. Nötig wäre dies auf jeden Fall, wenn eine Veränderung des NAV um mehr als 10 Prozent zu erwarten wäre. Letztlich muss aber jeder Sachverhalt einzeln abgewogen werden, um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein.

Eine weitere Frage von Herrn Steinhauer betraf die Intercell Nachbesserungsrechte, die im Jahresabschluss komplett abgeschrieben worden sind. Ihn interessierte, ob der Betrag im NAV dennoch weiterhin Berücksichtigung findet. Dies betreffend stellte Herr Wiederhold klar, dass der gezahlte Betrag gleich beim Erwerb als normaler Einreichungsverlust verarbeitet worden ist. Nachbesserungsrechte waren insoweit von Anfang an nicht im NAV enthalten.

Aktionär Markus Böker wollte wissen, ob die SCI auch beim Squeeze-out von Linde aktiv war. Dies bestätigte Herr Wiederhold. Allerdings war die SCI nicht in so großem Umfang investiert wie viele andere Marktteilnehmer, schließlich kann immer etwas schief gehen und die Marge ist in diesem Fall gering. Die SCI war mit einer normalen Größenordnung dabei.

Schließlich bat Herr Steinhauer den Vorstand um eine Abschätzung, wie sich die Dauer von Spruchverfahren und die durchschnittlichen Erhöhungsbeträge über die letzten fünf oder zehn Jahre verändert haben. Nach seinem Eindruck ist die Situation über einen solchen Zeitraum insgesamt eher schlechter geworden.

Dies wollte Herr Wiederhold nicht bestätigen. Nach seiner Beobachtung ist es insgesamt nicht einfacher, aber auch nicht schwieriger geworden. Unverändert ist der Erfolg wesentlich abhängig von den Gerichten. Auch bei den Nachzahlungsbeträgen ist die Tendenz uneinheitlich. Beim Squeeze-out der Deutsche Immobilien war die Nachzahlung weit höher als erwartet. Wie sich das Geschäft in Skandinavien entwickelt, müsse man abwarten. Dort stehe man noch am Anfang.


Abstimmungen

Herr Nachtigall verkündete die Präsenz mit 246.871 Aktien. Bezogen auf das gesamte Grundkapital von 480.207 Euro, eingeteilt in ebenso viele Aktien, entsprach dies einer Quote von 51,43 Prozent. Der größte Teil der Stimmen wurde von den Vorstand- und Aufsichtsratsmitgliedern vertreten.

Alle Beschlüsse wurden einstimmig gefasst. Im Einzelnen waren dies der Vortrag des Bilanzgewinns auf neue Rechnung (TOP 2), die Entlastung von Vorstand (TOP 3) und Aufsichtsrat (TOP 4), die Wahl von Wirtschaftsprüfer Stefan Süring zum Abschlussprüfer (TOP 5) sowie die Vergütung des Aufsichtsrats mit insgesamt 16.500 Euro (TOP 6).

Um 11:32 Uhr schloss der Vorsitzende die Versammlung.


Fazit

Als spezialisierte Beteiligungsgesellschaft versucht die SCI AG ihr Portfolio möglichst unabhängig vom Gesamtmarkt aufzustellen. Dennoch gelang es nicht, die Entwicklung im Geschäftsjahr 2018 komplett von der insgesamt sehr schwachen Börsenentwicklung abzukoppeln. Mit einer um die Effekte aus dem Aktienrückkauf und der Ausübung der Optionsschuldverschreibung bzw. der Optionsscheine bereinigten Performance von minus 9,3 Prozent hielt sich der Verlust aber in Grenzen.

Das Depot ist unverändert solide aufgestellt. Es sollte eine gute Basis für eine wieder positive Entwicklung gegeben sein. Sehr interessant ist zudem das Einreichungsvolumen von rund 20 Mio. Euro, aus dem zuletzt mit Constantia Packaging und Deutsche Immobilien größere Erfolge erzielt werden konnten. Allerdings ist teilweise viel Geduld gefragt. Das Rütgers-Verfahren wurde erst nach 19 Jahren abgeschlossen und bei den Kölner Versicherungen scheint es nicht wesentlich schneller zu gehen.

Mit Stichtag 2. August 2019 errechnete sich der NAV der SCI-Aktie mit 23,90 Euro. Der Kurs notiert mit aktuell 21,40 Euro deutlich darunter, obwohl mögliche Nachbesserungen, die in den kommenden Jahren wohl kontinuierlich erwartet werden können, in diesem Wert gar nicht enthalten sind. Und das Einreichungsvolumen ist doppelt so hoch wie die aktuelle Marktkapitalisierung von 10 Mio. Euro. Die SCI-Aktie ist weiterhin ein sehr interessantes Investment.


Kontaktadresse

SCI AG
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