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HV-Bericht MERKUR BANK KGaA

Übernahme der Bank Schilling Meilenstein in der Unternehmensentwicklung – Ergebnis auf Rekordniveau


Die Merkur Bank KGaA hatte für den 16. Juni 2020 zur Hauptversammlung mit Vorlage des Jahresabschlusses 2019 eingeladen. Das Treffen fand Corona-bedingt rein virtuell statt. Die Aktionäre konnten die Versammlung von ihren heimischen Rechnern verfolgen. Für GSC Research war Matthias Wahler zugeschaltet.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Traut eröffnete die Versammlung um 11 Uhr und teilte mit, dass sich die Mitglieder der persönlich haftenden Gesellschafterin und des Aufsichtsrats mit Ausnahme von Rainer Neumann komplett vor Ort eingefunden haben. Zudem waren Notar Dr. Wolfgang Ott und der Stimmrechtsvertreter der Gesellschaft anwesend.

Nach Abhandlung der Formalien und einigen ergänzenden Worten zum Bericht des Aufsichtsrats übergab Herr Traut das Wort an Dr. Marcus Lingel, den persönlich haftenden Gesellschafter und Vorsitzenden der Geschäftsleitung der Merkur Bank.


Bericht der Geschäftsleitung


Das Geschäftsjahr 2019 war Dr. Lingel zufolge für die Bankbranche wieder eine Herausforderung. Durch das anhaltende Niedrigzinsumfeld, die überbordende Regulatorik und die fortschreitende Digitalisierung leidet bei vielen Häusern die Ertragslage und der Konsolidierungsdruck steigt weiter. Dass die Merkur Bank sich gerade in dieser Zeit zur Übernahme wesentlicher Teile des Bankgeschäfts des Bankhauses Schilling entschloss, war in der Branche ein Paukenschlag. Nach der Übernahme zählt die Merkur Bank zu den größten eigentümergeführten Banken in Deutschland.

Die beiden Häuser passen nach Überzeugung von Dr. Lingel perfekt zusammen. Das Bankhaus Schilling war da stark, wo die Merkur Bank schwach war, und umgekehrt. Der Zusammenschluss macht damit beide Häuser stärker. Auch die Unternehmenskultur passt perfekt zusammen. Beide Häuser waren eigentümergeführt. Positiv ist auch, dass es keine regionalen Überschneidungen gab. Und beide Häuser sind solide und gesund aufgestellt.

Bei der Übernahme wurde bewusst ein schnelles Tempo vorgelegt, um den Mitarbeitern Sicherheit zu geben und aufzuzeigen, wohin die Reise geht. Nachdem im Mai 2019 eine Absichtserklärung unterzeichnet worden war, konnte die Transaktion bereits am 10. Oktober abgeschlossen werden. Man habe auch sofort nach einem neuen Namen gesucht, um die Mitarbeiter auf dem gemeinsamen Weg mitzunehmen. Seit dem Closing trete man als „Merkur Privatbank“ am Markt auf. Die Hauptversammlung soll die Umfirmierung nun noch rechtlich vollziehen.

Im Folgenden zeigte Dr. Lingel auf, dass die Unternehmen auch von der Größe perfekt zusammenpassen. Bei einer Bilanzsumme von 2,3 Mrd. Euro verfügt die Merkur Bank heute über ein Kreditvolumen von 1,9 Mrd. Euro, ein Einlagenvolumen von 1,9 Mrd. Euro und ein Depotvolumen von 2,1 Mrd. Euro, also sehr gute und ausgeglichene Bilanzverhältnisse.

Nachdem die Merkur Bank früher an fünf Orten vertreten war, gibt es heute 21 Standorte. Eine Überschneidung gab es nur in München. Die beiden Niederlassungen dort wurden inzwischen zusammengelegt. Wichtig war Dr. Lingel, dass alle Mitarbeiter übernommen wurden. Die Zahl der Beschäftigten wurde von 190 auf 430 Personen mehr als verdoppelt. Man setze nicht in erster Linie auf Synergieeffekte, sondern weiterhin auf Wachstum. Die neue Organisation wurde so aufgestellt, dass alle Mitarbeiter ihren Platz gefunden haben.

Letztlich wurden laut Dr. Lingel im Geschäftsjahr 2019 alle Bereiche - bedingt durch die Übernahme, aber auch durch eigenes Engagement - deutlich nach vorne gebracht und gleichzeitig das beste Ergebnis der Unternehmensgeschichte erwirtschaftet. Der Periodengewinn verbesserte sich auf 26,6 (Vorjahr: 4,4) Mio. Euro, wozu ein außerordentlicher Gewinn von 23,3 Mio. Euro aus der Übernahme beitrug. Besonders hob der Vorsitzende der Geschäftsleitung daneben das haftende Eigenkapital hervor, das mit 199,6 (114,6) Mio. Euro fast verdoppelt werden konnte.

Die Merkur Bank ist also deutlich größer geworden. An der Strategie hat sich, wie Dr. Lingel betonte, aber nichts verändert. Nach wie vor setzt die Merkur Bank auf unternehmerische Werte wie Vertrauen, Verlässlichkeit und eine Beratung frei von Interessenskonflikten. Die Einlagen der Kunden fließen, ganz der Tradition des klassischen Bankgeschäfts folgend, vollständig ins Kreditgeschäft. Es wird nicht am Kapitalmarkt spekuliert und es gibt keine Fristentransformation.

In der Finanzierung fokussiert sich die Merkur Bank weiterhin auf die Bereiche Leasing, Bauträger und Mittelstandsfinanzierung. Neu hinzugekommen ist mit der Übernahme die Vermittlung von Hypothekenfinanzierungen. Nach Überzeugung von Dr. Lingel ist dieses Geschäft in der Finanzierung ein gutes viertes Standbein mit hoher Diversifikation und Ertragskraft.

Zudem übernahm die Merkur Bank den Bereich Rentenhandel, den die Bank Schilling erfolgreich betrieben hat. Dieses Geschäft wird fortgeführt. Auch dies trägt dazu bei, dass das Geschäft jetzt insgesamt deutlich diversifizierter aufgestellt ist. Positiv wertet Dr. Lingel auch die Ausweitung des Provisionsgeschäfts, was die Zinsabhängigkeit verringert. Auch das Kreditrisiko ist diversifizierter. Insgesamt sieht er die Merkur Bank damit stabiler und schlagkräftiger aufgestellt.

Die größte Veränderung ergab sich mit der Übernahme beim Depotvolumen mit einem enormen Zuwachs von 330 Mio. Euro auf 2,1 Mrd. Euro. Der Grund war die starke Fokussierung der Bank Schilling auf die Vermögensanlage. Organisch konnte das Depotvolumen um 100 Mio. Euro ausgeweitet werden. Von den 2,1 Mrd. Euro entfallen 500 Mio. Euro auf die Vermögensverwaltung und 1,6 Mrd. Euro auf die Anlageberatung. Dr. Lingel sieht gute Chancen, diesen Bereich weiter nach vorne zu bringen.

Im Bauträgerbereich konnte mit einem Neugeschäft von 1,11 (0,97) Mrd. Euro erneut ein Rekordergebnis erzielt werden. Das Ausplatzierungsvolumen erhöhte sich ebenfalls deutlich auf 410 (272) Mio. Euro. Dies ist Dr. Lingel zufolge sehr wichtig, um das Risiko zu verringern und mit Blick auf das vorhandene Eigenkapital weiteres Wachstum generieren zu können. Der Immobilienmarkt blieb im vergangenen Jahr stabil.

Im Firmenkundengeschäft ergab sich durch die Übernahme ebenfalls ein großer Effekt. Das Neugeschäft erhöhte sich deutlich auf100 Mio. Euro, der Bestand ging auf 500 Mio. Euro ebenfalls stark nach oben. Mit den neuen Standorten sieht Dr. Lingel zudem gute Chancen für weiteres Wachstum, womit eine Ergänzung zum Leasing- und Bauträgergeschäft geschaffen werden kann. Im Leasing erhöhte sich das Neugeschäftsvolumen auf 226 (195) Mio. Euro.

Auch das Kreditportfolio ist jetzt besser diversifiziert. Insbesondere durch die Übernahme von Beständen im Firmenkundenbereich konnte die Struktur deutlich verbessert werden. Der Anteil des Bauträgergeschäfts reduzierte sich von über 50 Prozent auf 39 Prozent. 24 Prozent steuerte der Leasingbereich bei und 29 Prozent das Mittelstandsgeschäft. Neu hinzugekommen ist zudem die Hypothekenfinanzierung. Das schon länger verfolgte Ziel, das Mittelstandsgeschäft auszubauen, konnte mit der Übernahme realisiert werden.

Ebenso konnte die Kapitalseite verbessert werden. Das haftende Eigenkapital erhöhte sich um beachtliche 74 Prozent auf 200 (115) Mio. Euro, was insbesondere der reibungslosen Platzierung der Bar- und Sachkapitalerhöhung im vergangenen Jahr zu verdanken ist. Die neuen Aktien wurden jeweils zu einem Preis von 9,50 Euro ausgegeben. Mit dem zusätzlichen Eigenkapital lässt sich mehr Neugeschäft realisieren. Außerdem können in einer Krise mehr Risiken abgedeckt werden. Die Kapitalentwicklung wird laut Dr. Lingel weiterhin im Fokus stehen. Ausreichende Kapitalquoten sind die Voraussetzung für weiteres Wachstum.

Sodann präsentierte der Firmenchef die Zahlen der Gewinn- und Verlustrechnung, in denen das Bankhaus Schilling für ein Quartal enthalten ist. Obwohl die Zinsmarge weiter unter Druck steht, konnte das Zinsergebnis auf 42,4 (29,2) Mio. Euro verbessert werden. Neben der Übernahme trugen dazu laut Dr. Lingel eine höhere Kreditbeanspruchung und eine Umschichtung vom Provisions- zum Zinsergebnis bei. Bereits im Vorjahr hatte er erläutert, dass im Bauträgerbereich ein neues Preismodell eingeführt worden ist, um die Bearbeitungsgebühren rechtssicher zu machen.

Diese Umstellung wurde im Geschäftsjahr 2019 abgeschlossen. Damit ist nun ein Betrag von insgesamt 10,6 (4,5) Mio. Euro statt im Provisionsergebnis im Zinsergebnis zu finden. Auch beeinflusst durch diesen Sondereffekt erhöhte sich die Bruttozinsspanne auf 2,58 (2,40) Prozent. Bereinigt lag sie unverändert bei knapp über 2 Prozent. Auch damit ist Dr. Lingel aber zufrieden. Im Branchenvergleich kann sich das gut sehen lassen.

Das Provisionsergebnis reduzierte sich aufgrund besagter Umstellung auf 5,8 (6,8) Mio. Euro. Tatsächlich ergab sich durch die Übernahme aber ein positiver Effekt. Die Bank Schilling war mehr provisionsgetrieben, die Merkur Bank mehr zinsgetrieben, es ergibt sich also eine gute Kombination. Zusätzliche Provisionserträge ergeben sich aus dem Firmenkundengeschäft, der Hypothekenfinanzierung und der Vermögensanlage. Auch das Provisionsergebnis ist damit diversifizierter aufgestellt.

Weiter informierte Dr. Lingel, dass die Risikovorsorge noch einmal deutlich aufgestockt wurde. Insgesamt wurde ein Betrag von 1,2 Mio. Euro der Risikovorsorge zugeführt, um für alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. Bei einem Kreditvolumen von insgesamt 2 Mrd. Euro ist dies aber immer noch eine sehr niedrige Quote, was zuvorderst der guten konjunkturellen Lage zu verdanken ist. Etwaige Risiken, die sich in Zukunft ergeben könnten, sollen aber frühzeitig abgedeckt sein.

Obwohl auch noch 5,5 (3,1) Mio. Euro in den Fonds für allgemeine Bankrisiken eingestellt wurden, ging der Periodengewinn sehr deutlich auf 26,6 (4,4) Mio. Euro nach oben. Darin enthalten ist ein außerordentlicher Gewinn von 23,3 Mio. Euro aus der Übernahme. Das Ergebnis je Aktie erhöhte sich auf 4,14 (0,64) Euro. Das Ziel war es, diesen Wert aus eigener Kraft auf 0,68 Euro zu steigern.

Eigentlich war laut Dr. Lingel auch fest geplant, die Dividende auf 0,34 Euro weiter anzuheben. Die Regulatorik spricht sich aber in der derzeitigen Situation dagegen aus. Da die Merkur Bank keine Unterstützung in Form von Kurzarbeit in Anspruch nimmt, die Kapitalbasis massiv gestärkt wurde und die Ertragslage sehr gut ist, habe man sich nach interner Diskussion jedoch entschlossen, der Hauptversammlung zumindest eine unveränderte Dividende von 0,32 Euro vorzuschlagen.

Dr. Lingel freute sich, auch von einem hervorragenden Start ins laufende Jahr berichten zu können. Das Neugeschäftsvolumen konnte wiederum deutlich ausgebaut werden. Das Depotvolumen reduzierte sich aufgrund des Corona-Crashs auf 1,9 Mrd. Euro. Trotz der Krise konnte im ersten Quartal aber ein Depotvolumen von 50 Mio. Euro neu gewonnen werden. Daran sieht der Firmenchef aufgezeigt, dass es weiterhin hohes Wachstumspotenzial in diesem Bereich gibt. Die Wertpapierumsätze stiegen mit der Krise deutlich an.

Das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit konnte im ersten Quartal um 54 Prozent auf 4,2 (2,7) Mio. Euro deutlich ausgebaut werden. Die positive Ertragslage nutzte die Geschäftsleitung, um die Risikovorsorge weiter zu erhöhen. Zur Abschirmung künftiger Risiken wurden insgesamt 3,5 Mio. Euro aufgewendet, davon 1,7 Mio. Euro durch Zuführung zu den 340g-Rücklagen. Daran, dass das Ergebnis dennoch um mehr als 50 Prozent gesteigert werden konnte, sieht Dr. Lingel aufgezeigt, dass sich die Übernahme auch ergebnisseitig sehr positiv ausgewirkt hat.

Zum Ende seiner Ausführungen kam der Firmenchef auf die Coronakrise zu sprechen, die bei der Merkur Bank zu keinen größeren Problemen geführt hat. Viele Mitarbeiter arbeiten im Homeoffice, auf Kurzarbeit konnte aber verzichtet werden. Mit der auf 350 Mio. Euro erhöhten Liquiditätsreserve sieht er die Bank auch finanziell hervorragend aufgestellt. Die Kreditportfolien werden streng überwacht. Bisher sind aber keine Ausfälle zu verzeichnen. Dr. Lingel ist eher positiv überrascht und zumindest aus heutiger Sicht entspannt.

Im laufenden Jahr liegt der Fokus erst einmal auf der weiteren Integration der Bank Schilling. Dieser Vorgang wird das Team noch einige Zeit beschäftigen. Ohne Corona wäre es daneben das Ziel gewesen, das Wachstum weiter zu forcieren und das Ergebnis zu steigern. Dr. Lingel versicherte, dass man daran auch hart arbeiten werde. Eine zuverlässige Prognose für 2020 ist derzeit aber nicht möglich. Die Merkur Bank soll auf jeden Fall weiterhin der Fisch sein, der in der Bankenbranche gegen den Strom schwimmt.


Allgemeine Aussprache

Vor Eintritt in die Antwortrunde teilte Herr Traut mit, dass in der vorgeschriebenen Frist Daniel Bauer von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) und Andreas Breijs von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) Fragen eingereicht haben. Zur Beantwortung übergab er an die Mitglieder der Geschäftsleitung.

Die erste Frage von Herrn Bauer betraf die Dividende. Deren ursprünglich vorgesehene Erhöhung wurde nun erst einmal aufgeschoben. Ihn interessierte, ob die Verwaltung die Möglichkeit sieht, die geplante Anhebung bei einem erneuten Rekordergebnis im laufenden Jahr und im Falle einer Beruhigung des Umfelds nachzuholen, also die Dividende im kommenden Jahr stärker anzuheben als eigentlich geplant. Ihm schwebte eine Ausschüttung von 0,40 Euro vor.

In seiner Antwort versicherte Dr. Lingel einmal mehr, dass man die Dividende gerne anheben würde. In diesem Jahr war dies wegen der Coronakrise und der Vorgaben der Regulatorik aber nicht möglich. Eine zuverlässige Aussage, wie es im nächsten Jahr aussieht, konnte er nicht liefern. Man wisse nicht, wie es mit dem Thema Corona und den regulatorischen Rahmenbedingungen weitergeht. Grundsätzlich wolle man die Dividende gerne anheben.

Herr Breijs gratulierte zunächst zu der überaus erfolgreichen Geschäftsentwicklung. Insbesondere hob er die sehr positive Eigenkapitalentwicklung hervor. Auf seine Nachfrage erläuterte Dr. Lingel, dass es auch in den nächsten Jahren die wichtigste Aufgabe bleibt, das Eigenkapital zu stärken, um weiterwachsen zu können. Es müssen deshalb weiterhin Gewinne thesauriert und so Substanz aufgebaut werden.

Der Bilanz hatte Herr Bauer entnommen, dass die Abschreibung auf Forderungen von 50 TEUR im Vorjahr auf 1,2 Mio. Euro massiv angestiegen ist. Dies geschah laut Dr. Lingel vor dem Hintergrund, dass ein Kreditbestand von 600 Mio. Euro vom Bankhaus Schilling übernommen und per Ende 2019 erstmals nach den eigenen Richtlinien bewertet wurde. In diesem Zusammenhang habe man die Möglichkeit genutzt, alle denkbaren Risiken abzudecken.

Des Weiteren erkundigte sich der SdK-Vertreter, was die größten Positionen bei den Schuldverschreibungen und anderen festverzinslichen Wertpapieren sind, die erstmals mit 40 Mio. Euro ausgewiesen werden. Hier stellte das Geschäftsleitungsmitglied Claus Herrmann zunächst klar, dass alle diese Wertpapiere über Investment Grade verfügen. Die größte Position ist eine Anleihe der ING Bank mit 15,1 Mio. Euro gefolgt von jeweils 5 Mio. Euro bei ABN Amro und Commerzbank.

Nicht verstehen konnte Herr Bauer, warum in der obersten Zeile der Gewinn- und Verlustrechnung Negativzinsen als eigene Position ausgewiesen werden. Nach seiner Überlegung hätte man diese Belastung als Zinsaufwand ausweisen können. Dies war nach Aussage von Herrn Herrmann nicht möglich. Negative Zinserträge auf Aktivgeschäft müssen separat ausgewiesen werden.

Ferner erkundigte sich der Aktionärsschützer nach dem durchschnittlichen Depotvolumen der Anlagekunden. Wie Geschäftsleitungsmitglied Dr. Andreas Maurer ausführte, würde eine solche Betrachtung in die Irre führen. Grundsätzlich werden die Depotkunden bei der Merkur Bank in drei Gruppen eingeteilt, weniger als 100 TEUR, zwischen 100 TEUR und 500 TEUR und über 500 TEUR. In allen drei Segmenten werden auch Beratungsleistungen angeboten.

Befragt nach dem Stand der Integration des Bankhauses Schilling teilte Dr. Maurer mit, dass an diesem Wochenende die technische Migration der beiden Banksysteme erfolgt. Insgesamt ist die Integration weit fortgeschritten. Von über 3.000 Einzelaufgaben ist bereits über die Hälfte abgeschlossen. Das Hauptaugenmerk liegt nun auf der Integration der Mitarbeiter. Hier läuft es besser als erwartet. Die Integrationskosten beliefen sich im vergangenen Jahr auf 1,8 Mio. Euro. In diesem Jahr werden nochmals rund 750 TEUR erwartet.

Nach Einschätzung von Herrn Breijs ist die Übernahme schon fast „verdaut“. Ihn interessierte, wann wieder zum Regelbetrieb übergegangen werden kann. Nach Aussage von Dr. Lingel ist die Übernahme wirtschaftlich abgeschlossen. Im ersten Quartal konnten bereits die ersten Früchte geerntet werden. Ein Regelbetrieb ist aber sicher noch nicht erreicht. Bis es so weit ist, wird es wohl noch das ganze Jahr dauern.

Beide Aktionärsschützer sprachen an, dass die Provisionsaufwendungen auf 4,7 (2,2) Mio. Euro stärker gestiegen sind als die Provisionserträge, die auf 10,5 (9,0) Mio. Euro zulegten. Dies resultiert nach Angabe von Dr. Lingel einzig aus der Verschiebung von Einnahmen von den Provisions- zu den Zinserträgen infolge der Einführung des neuen Preismodells im Bereich Bauträgerfinanzierung. Aus dem höheren Ausplatzierungsvolumen ergibt sich dennoch ein höherer Provisionsaufwand.

Interessant fand Herr Bauer, dass die Merkur Bank nicht mehr nur an fünf, sondern an 21 Standorten vertreten ist, darunter auch im Ballungsraum Frankfurt. Auf seine Nachfrage versicherte Dr. Lingel, dass man natürlich auch in dieser Region wachsen wolle. Erste Kontakte wurden inzwischen geknüpft. Es geht aber langsam voran, zumal man auch immer die Kapitalseite im Hinterkopf behalten müsse. Die Region Frankfurt steht aber klar auf der Wachstumsagenda, insbesondere im Firmenkundengeschäft.


Abstimmungen

Vor Eintritt in die Abstimmungen verkündete Herr Traut die Präsenz. Vom gesamten Grundkapital, nach der Kapitalerhöhung in Höhe von 19.913.600 Euro und eingeteilt in 7.778.750 Aktien, von denen 2.091.750 Aktien erst ab dem 1. Januar 2020 gewinnberechtigt sind, vertrat der Stimmrechtsvertreter 1.246.156 Aktien entsprechend einer Quote von 16,02 Prozent. Zusätzlich waren 5.272.359 Aktien im Wege der Briefwahl angemeldet. Insgesamt lag die Präsenz somit bei 83,80 Prozent.

Alle Beschlüsse wurden mit Zustimmungsquoten über 99 Prozent gefasst. Zunächst waren dies die Feststellung des Jahresabschlusses 2019 (TOP 2), die Dividende von 0,32 Euro (TOP 3), die Entlastung der persönlich haftenden Gesellschafter (TOP 4) und des Aufsichtsrats (TOP 5), die Wahl der KPMG AG zum Abschlussprüfer (TOP 6) und die Umfirmierung in MERKUR PRIVATBANK KGaA (TOP 7).

Außerdem beschloss die Hauptversammlung über die Ermächtigung zum Erwerb eigener Aktien zum Zwecke des Wertpapierhandels (TOP 8) und zu anderen Zwecken (TOP 9), die Schaffung eines neuen genehmigten Kapitals (TOP 10), die Ermächtigung zur Ausgabe von Gewinnschuldverschreibungen oder Anleihen (TOP 11), die Änderung der Berechtigung zur Erhöhung des Kapitalanteils im Falle einer Kapitalerhöhung gegen Einlage (TOP 12) sowie Änderungen zu Teilnahme- und Stimmrechten in der Hauptversammlung (TOP 13).

Siegfried Lingel sprach als Vertreter der persönlich haftenden Gesellschafterin seinen Glückwunsch zu der sehr positiven Geschäftsentwicklung aus und dankte allen Beteiligten. Er stimmte sämtlichen Beschlussfassungen ausdrücklich zu.

Um 13 Uhr schloss Herr Traut die Versammlung.


Fazit

Die Übernahme wesentlicher Geschäftsteile des Bankhauses Schilling war ein Meilenstein in der Entwicklung der jetzt unter Merkur Privatbank KGaA firmierenden Gesellschaft. Die beiden Häuser passen perfekt zusammen. Beide Unternehmen waren eigentümergeführt und solide aufgestellt und ergänzen sich jeweils da, wo der andere noch nicht so stark aufgestellt war. Positiv ist auch die jetzt deutlich breitere Diversifikation der Ertragskomponenten zu werten.

Von den Größenverhältnissen her könnte es ebenfalls nicht besser passen. Zum 31. Dezember 2019 verfügte die Merkur Bank bei einer Bilanzsumme von 2,3 Mrd. Euro über ein Kreditvolumen von 1,9 Mrd. Euro, ein Einlagenvolumen von 1,9 Mrd. Euro und ein Depotvolumen von 2,1 Mrd. Euro, also sehr gute und ausgeglichene Bilanzverhältnisse. Hervorzuheben ist daneben die Entwicklung des haftenden Eigenkapitals, das auf 200 Mio. Euro fast verdoppelt werden konnte.

Auf die Ertragslage wirkt sich die Übernahme ebenfalls positiv aus. Dies zeigt sich nur bedingt im Geschäftsjahr 2019, das durch einen außerordentlichen Ertrag von 23,3 Mio. Euro aus der Übernahme beeinflusst war. Vor allem deshalb vervielfachte sich das Ergebnis je Aktie auf 4,14 (0,64) Euro. Auch bereinigt um diesen Effekt ging es indes weiter voran. Besser erkennbar sind die Auswirkungen der Übernahme im ersten Quartal 2020, in dem das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit um stolze 54 Prozent ausgebaut werden konnte.

Eine Prognose für das laufende Jahr wollte die Geschäftsleitung trotz des guten Starts nicht abgeben. Durch die Corona-Pandemie sind bei der Merkur Bank bisher keine negativen Auswirkungen zu verzeichnen. Das Umfeld ist aber insbesondere in der Bankenbranche sehr unsicher, was den Blick in die Zukunft erschwert. Aus heutiger Sicht ist davon auszugehen, dass das Ergebnis weiter verbessert werden kann.

Unter normalen Umständen würde damit eine Dividendenerhöhung einhergehen. Auch dies betreffend gibt es aber eine gewisse Unsicherheit. So durfte die Ausschüttung in diesem Jahr aufgrund der Vorgaben der Regulierungsbehörden nicht wie ursprünglich geplant angehoben werden. Aber auch aus der unveränderten Dividende von 0,32 Euro errechnet sich schon eine attraktive Rendite von über 3 Prozent.

Die Aktie notiert aktuell leicht über dem Preis von 9,50 Euro, zu dem die Aktien im Rahmen der Kapitalerhöhung im September 2019 zur Finanzierung der Übernahme platziert worden sind. Damit ist das Kursniveau etwas höher als vor zwölf Monaten. Die Marktkapitalisierung liegt mit 75 Mio. Euro aber immer noch weit unter dem Substanzwert, was mit Blick auf die enorme Solidität und Ertragsstärke und die mit der Übernahme nochmals verbesserte Aufstellung der Merkur Bank nicht nachzuvollziehen ist. Die Aktie ist weiterhin als sehr interessant einzustufen.


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Dr. Marcus Lingel (Vorstand)

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Hinweis: Der Verfasser hält Aktien der beschriebenen Gesellschaft.


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