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HV-Bericht ENDOR AG

Jahresüberschuss steigt um 350 Prozent auf 4,2 Mio. Euro – und 2020 ist noch deutlich mehr zu erwarten


Die ENDOR AG hatte für den 18. Dezember 2020 zur Hauptversammlung mit Vorlage des Jahresabschlusses 2019 eingeladen. Das Treffen fand aufgrund der Covid-19-Pandemie deutlich später im Jahr als gewohnt und in rein virtueller Form ohne physische Präsenz der Aktionäre statt. Für GSC Research verfolgte Matthias Wahler die Übertragung im Internet.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Andreas Potthoff eröffnete die Versammlung kurz nach 11 Uhr und teilte mit, dass die Zahl der Personen vor Ort auf ein Minimum beschränkt worden ist. Neben ihm selbst hatten sich zunächst lediglich der Vorstandsvorsitzende Thomas Jackermeier sowie der Stimmrechtsvertreter eingefunden. Der Notar stieß erst später dazu. Die übrigen Aufsichtsratsmitglieder und Vorstandsmitglied Andràs Semsey waren über das Internet zugeschaltet.

Herr Potthoff erläuterte die Formalien und verlas die Punkte der Tagesordnung. In diesem Zusammenhang kam er auf eine personelle Veränderung zu sprechen. Aufsichtsratsmitglied Uto Baader hat sein Amt zum 30. November 2020 aus persönlichen Gründen niedergelegt. Auf der Tagesordnung fand sich unter TOP 6 der Vorschlag, an seiner Stelle Rechtsanwalt Thomas Mayrhofer in das Kontrollgremium zu wählen. Herr Potthoff dankte Herrn Baader explizit für dessen Tätigkeit.

Nachfolgend informierte der Vorsitzende über die wesentlichen Themen aus Sicht des Aufsichtsrats. Neben der aktuellen Geschäftsentwicklung sowie der Unternehmens- und Investitionsplanung war dies unter anderem die Verlängerung des Vorstandsvertrags von Herrn Semsey gewesen.

Anschließend übergab Herr Potthoff das Wort an den Vorstand.


Bericht des Vorstands


Aus aktuellem Anlass begann Herr Jackermeier seinen Bericht mit einigen Ausführungen zur Corona-Pandemie, die nicht nur das tägliche Leben, sondern auch die Weltwirtschaft stark beeinträchtigt. Aus diesem Grund kann nun auch keine Präsenzhauptversammlung abgehalten werden. Jedoch könne man sich aus Sicht der ENDOR AG glücklich schätzen, dass die Branche von den negativen Auswirkungen nicht betroffen ist, eher im Gegenteil.

Auch das Geschäftsjahr 2019 ist nach Aussage von Herrn Jackermeier, noch vor der Pandemie, sehr gut verlaufen. Erneut konnte die Marktposition deutlich ausgebaut werden. Rückenwind brachte das starke Marktumfeld. Nach Schätzungen wuchs der Spielemarkt in dem sich allgemein abschwächenden Umfeld um 7 Prozent – und 2020 dürfte das Wachstum noch höher ausfallen. Daran sieht der Vorstand aufgezeigt, dass ENDOR in einem stark wachsenden Markt aktiv ist. Insgesamt belief sich das Volumen 2019 auf fast 150 Mrd. US-Dollar.

Dieses starke Wachstum habe man bei ENDOR gespürt und daran gearbeitet, die sich bietenden Chancen bestmöglich zu nutzen. Zur Freude von Herrn Jackermeier war die Nachfrage nach den Produkten sehr hoch. Nach einem Plus von 20 Prozent im ersten Quartal 2019 konnte das Umsatzwachstum nachfolgend sogar noch beschleunigt werden. Zum Ende des ersten Halbjahres lagen die Erlöse 63 Prozent über dem Vorjahreswert. Zu dem Erfolg steuerte die Vorstellung neuer Produkte der Podium-Serie Einiges bei.

Im dritten Quartal konnten die Erlöse sogar verdoppelt werden. Daraufhin habe man das Umsatzziel für den Konzern von 30 auf 35 Mio. Euro erhöht. Im vierten Quartal setzte sich die sehr dynamische Entwicklung fort. Letztlich wurde auch die erhöhte Umsatzerwartung noch übertroffen.

Herr Jackermeier ging dann mehr ins Detail. In der AG stieg der Umsatz im Geschäftsjahr 2019 um 75,9 Prozent auf 35,8 (Vorjahr: 20,4) Mio. Euro. Wachstum gab es in allen Vertriebsregionen weltweit. Einen beträchtlichen Teil trugen insbesondere die Produkte der neu eingeführten Podium-Serie zu dem Erfolg bei. Aber auch in den anderen Segmenten gab es eine spürbar höhere Nachfrage. Als Beispiel nannte der Vorstand die limitierte Auflage des ClubSport F1 2019, das innerhalb weniger Tage ausverkauft war.

Die Rohertragsmarge entwickelte sich ebenfalls positiv und kletterte auf 53,7 (50,7) Prozent. Auch dies resultierte wesentlich aus dem hohen Beitrag der margenstarken Podium-Serie. Aufgrund der starken Geschäftsausweitung und in Erwartung weiteren Wachstums in den kommenden Jahren wurde die Zahl der Mitarbeiter von 47 auf 70 Personen deutlich ausgeweitet. Im Wesentlichen geschah dies in den Bereichen Forschung und Entwicklung und im Vertrieb. Der Personalaufwand erhöhte sich deshalb noch stärker als der Umsatz auf 5,0 (2,8) Mio. Euro.

Die hohen Investitionen in die Entwicklung neuer Produkte zeigen sich in den Abschreibungen, die um 44 Prozent auf 1,1 (0,7) Mio. Euro anstiegen. Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen legen um 30 Prozent auf 7,6 (5,9) Mio. Euro zu. Als größte Position nannte Herr Jackermeier hier die Frachtkosten, die mit dem wachsenden Geschäftsvolumen stark anstiegen, sowie die Kosten für Lizenzen und Konzessionen.

Aufgrund der guten Ertragssituation erhöhte sich die Steuerlast deutlich von 61 TEUR auf 1,6 Mio. Euro. Die Verlustvorträge aus der Vergangenheit sind nach Angabe von Herrn Jackermeier inzwischen komplett ausgeglichen. Dennoch verbesserte sich das Jahresergebnis der AG erheblich auf 4,0 (0,9) Mio. Euro. 2019 war also wirklich ein sehr erfolgreiches Jahr.

Als besonderes Ereignis der Berichtsperiode hob Herr Jackermeier die Gründung der chinesischen Tochtergesellschaft Endor HK Ltd., Hongkong, hervor, über die in Zukunft Produktion und Einkauf bei den Kooperationspartnern in China koordiniert werden sollen. Außerdem soll das Unternehmen als Vertriebsgesellschaft für den chinesischen Markt agieren. Bisher wird in der Region noch über Vertriebspartner verkauft. Ab 2021 soll der Eigenvertrieb aufgenommen werden.

Ein Erfolg war daneben der Abschluss eines Lizenzvertrages mit der National Association for Stock Car Auto Racing (NASCAR). Für alle Branchenfremden informierte der Vorstand, dass die NASCAR Rennserie weltweit und vor allem in Nordamerika zu den populärsten Autorennen zählt. ENDOR will unter der Marke Fanatec bis Ende 2024 als weltweiter Partner speziell für diese Rennserie optimierte Lenkräder in unterschiedlichen Preisbereichen anbieten. 2020 wurde die Kooperation noch erweitert. ENDOR ist jetzt auch offizieller E-Sport-Ausrüster.

Ein wichtiges Thema war außerdem im Oktober 2019 der Umzug der Firmenzentrale in neue Räumlichkeiten. Die alten Räume reichten aufgrund des starken Wachstums nicht mehr aus. In der neuen Zentrale in Landshut kann auch wesentlich effizienter als am alten Standort gearbeitet werden. Mittel- und langfristig ist nach wie vor der Neubau einer eigenen Firmenzentrale geplant, die optimal auf die Bedürfnisse zugeschnitten ist. Vorerst fühlt sich der Vorstand aber gut aufgehoben.

Als herausragendes Ereignis hob Herr Jackermeier ferner die Verkaufstage rund um den Black Friday im November heraus. An diesem Tag gingen 26mal so viele Bestellungen ein wie an einem durchschnittlichen Tag in den Vorwochen. Damit wurde am Black Friday und dem darauffolgenden Wochenende mehr Umsatz als jemals zuvor an diesen Tagen erzielt und dies, ohne dass besondere Rabatte gewährt worden wären. Entsprechend margenstark war dieses Geschäft.

Mit der guten Ertragslage verbesserte sich das Eigenkapital in der AG deutlich auf 9,2 (5,1) Mio. Euro. Das kurzfristige Fremdkapital erhöhte sich hauptsächlich aufgrund des starken Umsatzwachstums. Es wurden etwas mehr Kreditlinien in Anspruch genommen. Die Verbindlichkeiten aus Lieferung und Leistung und die Steuerverpflichtungen stiegen ebenfalls an. Insgesamt beliefen sich die Verbindlichkeiten am Bilanzstichtag auf 11,8 (4,6) Mio. Euro. Das langfristige Fremdkapital wird mit 1,6 (0,3) Mio. Euro ausgewiesen.

Ins Anlagevermögen investiert wurden 2,4 Mio. Euro und damit deutlich mehr als die Abschreibungen von 1,1 Mio. Euro. Mit 1,4 Mio. Euro entfiel der größte Teil der Investitionen auf die Entwicklung neuer Produkte, von denen insgesamt 18 am Markt eingeführt wurden. Ein Schwerpunkt lag auf dem boomenden E-Sports-Bereich. ENDOR vertreibt Herrn Jackermeier zufolge Lenkräder und andere Endgeräte für Rennsimulationen. In diesem Bereich konnte man erstmals von der 2018 abgeschlossenen Formel-1-Kooperation profitieren. Bis Ende 2022 ist ENDOR exklusiver Partner für die Formel 1 E-Sport-Serie.

Die Liquidität belief sich zum Bilanzstichtag auf 0,3 (0,4) Mio. Euro. Die Bankverbindlichkeiten werden mit 2,8 (1,0) Mio. Euro ausgewiesen. Der Vorstand berichtete von weiteren Kreditaufnahmen für die Finanzierung des deutlich aufgestockten Warenlagers. Damit habe man auf die deutlich höhere Nachfrage reagiert, um lange Lieferzeiten zu vermeiden. Insgesamt sieht Herr Jackermeier eine komfortablen Liquiditätslage gegeben. Das laufende Geschäft erwirtschaftet stetig Zahlungsmittel und es gibt noch nicht in Anspruch genommene Kreditlinien, also ausreichend Spielraum.

Die Bilanzsumme dehnte sich auf 23,8 (10,9) Mio. Euro aus. Dies spiegelt Herrn Jackermeier zufolge das deutlich ausgeweitete Geschäftsvolumen wider. Die Vorräte erhöhten sich ebenfalls deutlich auf 12,0 (4,6) Mio. Euro und ebenso die Forderungen gegen verbundene Unternehmen auf 4,2 (2,3) Mio. Euro aufgrund der deutlich höheren Umsätze mit ausländischen Tochtergesellschaften.

Nachfolgend nannte der Vorstand die wesentlichen Werte aus dem Konzernabschluss, der wie in den Vorjahren auf freiwilliger Basis aufgestellt worden ist. Konzernweit stiegen die Umsätze ebenfalls deutlich auf 38,8 (22,1) Mio. Euro und der Jahresüberschuss erreichte 4,2 (0,9) Mio. Euro. Bei einer Bilanzsumme von 25,6 (11,6) Mio. Euro und Eigenmitteln von 9,2 (5,0) Mio. Euro errechnet sich die Eigenkapitalquote im Konzern mit 36 (43) Prozent.

Herr Jackermeier fuhr fort mit dem Ausblick. Er erwartet im Geschäftsjahr 2020 erneut ein deutliches Umsatz- und Ergebniswachstum. Und obwohl weiter kräftig investiert wird, soll der Gewinn noch stärker steigen als die Erlöse. Der Vorstand erwartet Skaleneffekte aus dem höheren Geschäftsvolumen und zusätzlich mit dem zunehmenden Umsatzanteil der High-End-Serie Podium eine steigende Rohertragsmarge. Auch 2021 wird es nach Überzeugung von Herrn Jackermeier Umsatz- und Ergebniszuwächse geben.

Seinen Optimismus schöpft der Vorstand aus der Tatsache, dass die ENDOR AG mit ihren Produkten in aufstrebenden Märkten aktiv ist. Als wesentlichen Wachstumstreiber sieht er das boomende Segment E-Sports. Immer beliebter wird vor allem das Simracing (kurz für Simulator Racing). Die Corona-Krise hat diesen Trend noch verstärkt. Die Ausgangsbeschränkungen fördern die Spielfreude der Konsumenten und erhöhen die Bereitschaft, in neues Equipment zu investieren.

Dies brachte im laufenden Jahr bereits erhebliche Umsatzzuwächse. Für die ersten neun Monate 2020 konnte Herr Jackermeier von einem deutlichen Umsatzanstieg auf 60,9 (26,4) Mio. Euro berichten. Dies bedeutet ein Plus von 131 Prozent. Leider gab es aber auch negative Effekte. Der Vorstand nannte steuerliche Probleme in den USA und in Europa sowie eine Betrugsserie in Portugal, was insgesamt außerordentliche Gewinneinbußen von 2,5 Mio. Euro zur Folge hatte.

Die Pandemie hat hingegen keine negativen Auswirkungen auf das Geschäft. Zwar wurden zahlreiche Rennveranstaltungen abgesagt. Einige Rennen wurden stattdessen aber virtuell ausgetragen und die Produkte dabei werbewirksam platziert. Zudem profitiert ENDOR von den Partnerschaften mit den Veranstaltern. Die starke Präsenz in echten und virtuellen Rennserien führt zu einem weiter steigenden Bekanntheitsgrad der Marke Fanatec, was sich wiederum in steigenden Umsätzen niederschlägt.

Einen positiven Effekt hatte laut Herrn Jackermeier auch, dass die Konsolenanbieter Sony und Microsoft in diesem Jahr bereits im Vorweihnachtsgeschäft die neuen Konsolen am Markt eingeführt haben. Damit konnten von Beginn an kompatible Produkte für die neuen Generationen angeboten werden, die sich einer starken Nachfrage erfreuten.

„Alle Zeichen stehen auf Wachstum“, resümierte der Vorstand. Und der positive Trend soll mit der bestmöglichen vertrieblichen Ausrichtung und Positionierung der Marke Fanatec noch verstärkt werden. Herr Jackermeier berichtete von ersten Schritten in Richtung Motorsport und einem neuen Lenkrad für den BMW M4 GT3, welches ENDOR in Kooperation mit BMW entwickelt hat. Dieses wird von ENDOR nicht nur für die eigenen Bases produziert, sondern auch an BMW geliefert und dort in den neuen BMW M4 GT3 eingebaut werden.

BMW profitiert bei der Kooperation durch günstigere Stückpreise aufgrund höherer Stückzahlen, ENDOR durch einen gewaltigen Imagegewinn, da man mit der Marke Fanatec in der Simracing-Szene nicht mehr als Spieleanbieter, sondern als Motorsportzulieferer wahrgenommen wird. Weitere ähnliche Produkte und Projekte befinden sich in Arbeit.

Abschließend fasste der Vorstand zusammen. „Fanatec“ ist als Premium-Marke positioniert und weltweit im Gaming- und Motorsportbereich bekannt. Das Geschäft profitiert vom E-Sports-Boom und die Bekanntheit konnte durch Werbung in den Motorsportspielen noch verstärkt werden. Zudem verfügt ENDOR über Lizenzvereinbarungen mit nahezu allen wichtigen Motorsportserien, was die führende Stellung im E-Motorsport untermauert. Darüber hinaus gibt es Lizenzen mit den Automobilhersteller BMW, McLaren, Bentley und Porsche.

Wichtig ist dem Vorstand, dass Fanatec-Produkte modular angeboten werden. Der Kunde kann so aus mehreren Produktkategorien die nötigen Komponenten auswählen und zusammenstellen. Die Produkte sind auch untereinander kompatibel, was ein leichtes Aufrüsten ermöglicht und die Kunden langfristig bindet. Die kontinuierliche Abrundung und Vervollständigung der Produktpalette sieht Herr Jackermeier als Basis dafür, den Umsatz pro Kunde künftig weiter zu steigern. Insofern sieht er allen Grund für Optimismus gegeben.


Allgemeine Aussprache


Vor Eintritt in die Beantwortung teilte Herr Potthoff mit, dass in der vorgegebenen Frist insgesamt 76 Fragen eingereicht worden sind. Dies war deutlich mehr als in den Präsenzveranstaltungen der vergangenen Jahre. Weiter kündigte er an, dass der Vorstand auf alle Fragen eingehen, dabei die Namen der Fragesteller aber nicht nennen wird, wenn dies nicht ausdrücklich gewünscht war.

Ein Aktionär erkundigte sich nach den wesentlichen Positionen in den sonstigen betrieblichen Erträgen, die sich auf 1,5 (0,3) Mio. Euro enorm erhöht haben. Hier nannte Herr Jackermeier insbesondere Erträge aus der Auflösung von Rückstellungen mit 475 TEUR, die Verrechnung von Sachbezügen mit 824 TEUR sowie Erträge aus der Währungsumrechnung mit 84 TEUR.

Eine weitere Frage betraf die Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen, die im Geschäftsjahr 2019 mit 479 (533) TEUR aktiviert worden waren. Befragt nach der voraussichtlichen Entwicklung dieser Position im laufenden Jahr nannte der Vorstand einen Betrag von voraussichtlich rund 900 TEUR. Genaueres konnte er noch nicht sagen. Die Aktivierungsquote wird nicht unterjährig berechnet.

Hinterfragt wurden ferner die sonstigen Vermögensstände, die sich auf 2,1 (0,3) Mio. Euro massiv erhöht haben. Nach Aussage von Herrn Jackermeier resultiert davon mit 1,5 Mio. Euro der weit überwiegende Teil aus der Umgliederung der Ansprüche aus den Steueranmeldungen. Der Rest entfällt auf die normale Geschäftstätigkeit.

Befragt nach dem Grund für das erwartete unterproportionale Wachstum des Nachsteuerergebnisses im laufenden Jahr verwies Herr Jackermeier auf die Verlustvorträge, die mittlerweile komplett aufgebraucht sind. Damit zahlt die Gesellschaft jetzt deutlich mehr Steuern. Dies ist der wesentliche Grund. Die höheren Entwicklungsaufwendungen haben keinen Einfluss.

Ein Aktionär wollte wissen, ob es für das Geschäftsjahr 2020 einen vollständigen testierten Jahresabschluss geben wird. Hier informierte Herr Jackermeier, dass die ENDOR AG seit Jahren Konzernzahlen auf freiwilliger Basis veröffentlicht. Diese Linie soll beibehalten werden. Die Frage einer möglichen Prüfung wird für 2021 erneut gestellt werden.

Mehrfach kam die Frage auf, warum für nachträgliche Steueranmeldungen Beratungskosten und Strafzahlungen von 1 Mio. Euro zurückgestellt werden mussten. Offenbar wurde versäumt, die Erklärungen rechtzeitig abzugeben. Dies verneinte Herr Jackermeier. Die Steueranmeldungen erfolgten rechtzeitig, aber nicht in den richtigen Regionen. Aus diesem Grund fielen bisher 200 TEUR an Beratungskosten an und es mussten 33 TEUR Zinsen und Strafen an verschiedene europäische Länder gezahlt werden.

Ein Aktionär hatte dem Aufsichtsratsbericht entnommen, dass das Kontrollgremium mit Blick auf das starke Wachstum schon seit Jahren Handlungsbedarf bezüglich der Strukturen und Kapazitäten unter anderem im Rechnungswesen sieht. Befragt nach den Maßnahmen erläuterte Herr Jackermeier, dass bereits Ende 2019 ein kaufmännischer Leiter eingestellt und 2020 die Finanzabteilung um eine Controlling-Abteilung sowie die Finanzbuchhaltung um zwei Stellen erweitert wurde. Außerdem wird 2021 ein neues ERP-System eingeführt.

Weiter informierte der Vorstand auf entsprechende Nachfrage ergänzend zu seinem Vortrag, dass mittel- und langfristig der Bau einer eigenen Firmenzentrale geplant ist, die optimal auf die Bedürfnisse zugeschnitten ist. Das Grundstück in Landshut wurde bereits erworben. Die Kosten werden sich auf rund 1,5 Mio. Euro belaufen. Die Planungen sind weit fortgeschritten und die Finanzierung durch die Banken ist bereits gesichert. Geplant wird für 160 Mitarbeiter. Die Fertigstellung ist für September 2022 geplant.

Befragt nach einer Konkretisierung der Planung für das schon fast abgeschlossene Geschäftsjahr 2020 bat der Vorstand um Verständnis, dass im Rahmen der Hauptversammlung keine weiteren Aussagen zu diesem Thema getroffen werden können. Im Oktober und November lag die Entwicklung im Rahmen der kommunizierten Erwartungen. Für 2021 konnte Herr Jackermeier auch noch keine Prognose abgeben. Umsatz und Ergebnis sollen auf jeden Fall weiter gesteigert werden.

Ein weiteres Thema der Fragerunde war die Wettbewerbssituation. Hierzu konnte der Vorstand mitteilen, dass man sich aus Sicht der ENDOR AG derzeit vor allem auf darauf konzentriere, der Technologieführer zu bleiben. Im Produktbereich von 600 Euro bis 1.500 Euro habe man tatsächlich nahezu eine Monopolstellung. Unterhalb dieser Preisspanne gibt es zwei weitere Anbieter, darüber eine Vielzahl von Anbietern mit teuren Speziallösungen. Herr Jackermeier erwartet jedoch, dass die Gesellschaft künftig von mehreren Seiten attackiert wird. Darauf gilt es sich vorzubereiten.

Weiterhin kam die Frage auf, in welchem Umfang das Management am Unternehmen beteiligt ist. Wie Herr Jackermeier darlegte, hält er direkt und über seine Familie über 40 Prozent und unter 50 Prozent der ENDOR-Aktien. Sein Vorstandskollege Andràs Semsey ist mit rund 3 Prozent beteiligt. Veränderungen hat es im Jahr 2020 nicht gegeben. Aus dem Aufsichtsrat hält Herr Potthoff direkt und indirekt etwa 6 Prozent der Aktien. Aufsichtsratsmitglied Rösner ist nicht beteiligt.

In diesem Zusammenhang wollte ein Aktionär wissen, welche institutionellen Investoren darüber hinaus bekannt sind. Hier bat Herr Jackermeier um Verständnis, dass er einzelne Aktionäre ohne deren Zustimmung nicht namentlich nennen werde. Nachdem die Aktie im Freiverkehr notiert, unterliegt sie nicht den Meldeerfordernissen des Wertpapierhandelsgesetzes. Insofern verfügt auch die Verwaltung nur über ein eingeschränktes Bild. Herr Jackermeier erkennt aber einen Trend, dass das Aktionariat immer internationaler wird und die ENDOR AG bei institutionellen Investoren auf mehr Interesse stößt.

Mehrere Aktionäre äußerten sich unzufrieden, dass die Hauptversammlung keine Dividende beschließen soll. Als Grund dafür nannte der Vorstand, dass die ENDOR AG aktuell als starkes Wachstumsunternehmen gesehen werden muss. Die enorme Kurssteigerung der Aktie in den letzten Jahren sollte die bislang fehlende Dividende mehr als ausgleichen. Herr Jackermeier hält es für wichtig, das weitere Wachstum mit ausreichend Eigenkapital zu unterlegen. Die Gewinne sollen deshalb erst einmal im Unternehmen belassen werden.

Ein Aktionär forderte Vorstand und Aufsichtsrat auf, zumindest die Mindestdividende von 4 Cent zu zahlen. Er konnte sich nicht vorstellen, dass es tatsächlich notwendig ist, den Bilanzgewinn komplett im Unternehmen zu behalten. Dies betreffend bat Herr Potthoff zu berücksichtigen, dass die ENDOR AG noch mit einem Verlustvortrag ins Geschäftsjahr 2019 gestartet ist. Erst mit Abschluss der Periode wurde erstmals einen Bilanzgewinn ausgewiesen. Ein Wechsel der Dividendenpolitik in Zukunft ist aber nicht ausgeschlossen. Das Für und Wider soll jedes Jahr neu abgewogen werden.

Ein anderer Aktionär unterstützte das Ansinnen der Verwaltung und forderte Aufsichtsrat und Vorstand auf, weiterhin auf die Zahlung einer Dividende zu verzichten und den Gewinn zur Stärkung des Unternehmens einzubehalten. Ebenso wie Herr Jackermeier zeigte er sich überzeugt, dass sich dies langfristig positiv auf den Unternehmenswert auswirken wird.

Weiterhin wurde die Frage nach dem Grund für das Ausscheiden von Uto Baader aus dem Aufsichtsrat gestellt. Dies geschah nach Angabe von Herrn Potthoff aus persönlichen Gründen. Der Zeitpunkt wurde so gewählt, dass die Hauptversammlung ein neues Mitglied wählen kann. Der als Nachfolger vorgeschlagene Rechtsanwalt Thomas Mayrhofer ist ein ausgewiesener Experte für Gesellschafts- und Kapitalmarktrecht und bereichert nach Überzeugung des Vorsitzenden die Expertise im Aufsichtsrat. Mit dieser Neubesetzung wird auch der steigenden Bedeutung des Kapitalmarkts Rechnung getragen.

Die Frage eines Aktionärs nach etwaigen Plänen für die Ausnutzung des zur Beschlussfassung vorgeschlagenen genehmigten Kapitals konnte Herr Jackermeier schnell beantworten. Wie er darlegte, handelt es sich um einen reinen Vorratsbeschluss. Auf diese Weise kann optimaler Freiraum für die Sicherung der Finanzierung zum Wohle aller Aktionäre geschaffen werden.

Befragt nach der Laufzeit der Vorstandsverträge informierte Herr Jackermeier, dass sein Vertrag noch bis 30. Juni 2025 läuft und der seines Kollegen Andràs Semsey bis 31. Dezember 2023. Insofern gibt es aktuell keinen Handlungsbedarf für den Aufsichtsrat. Für die Zeit danach habe er sich auch noch keine Gedanken gemacht. Herr Jackermeier versicherte, dass sein Job ihm großen Spaß macht und er keinerlei Ambitionen hat, aufzuhören.

Ein Aktionär bat den Vorstand um eine Stellungnahme zu den Gründen für den enormen Kursanstieg der Aktie. Hier konnte Herr Jackermeier nur auf die ausgezeichnete operative Performance und die nach wie vor hervorragenden Perspektiven verweisen. Vermutlich wird dies vom Kapitalmarkt honoriert. Die Frage, welcher Kurs aus seiner Sicht angemessen ist, wollte Herr Jackermeier nicht beantworten. Er sieht es nicht als Aufgabe des Vorstands an, Bewertungsfragen zu kommentieren.

In die gleiche Richtung ging die Frage nach dem Stand der Planungen für einen Segmentwechsel, der seit Jahren angekündigt wird. Wie der Vorstand ausführte, werde man dies kommunizieren, wenn die Pläne sich konkretisieren. Grundsätzlich habe man sich das Ziel gesetzt, das Unternehmen am Kapitalmarkt weiterzuentwickeln. Ein Uplisting in ein stärker reguliertes Börsensegment wäre eine Option. Damit einhergehen würden steigende Transparenzanforderungen. Die Kommunikation mit dem Kapitalmarkt wurde bereits intensiviert.

Ein Aktionär wollte wissen, ob sich die positiven Erwartungen hinsichtlich der Formel-1-Lizenz erfüllt haben. Daneben hinterfragte er die Kosten und Erträge aus der NASCAR-Lizenz und wollte wissen, welche weiteren Verträge angestrebt werden. In seiner Antwort bat Herr Jackermeier um Verständnis, dass diese Informationen aus Wettbewerbsgründen nicht offengelegt werden können. Dies wäre auch vertraglich verboten. Weitere Lizenzen werden geprüft. Details konnte er aus Wettbewerbsgründen ebenfalls nicht nennen.

Befragt nach den bisherigen Ergebnissen der Kooperation mit Bentley teilte Herr Jackermeier mit, dass daraus bisher noch kein konkretes Produkt entstanden ist. Die Entwicklung läuft aber und er geht davon aus, dass das erste Produkt aus dieser Zusammenarbeit 2021 auf den Markt gebracht werden kann. Zu möglichen weiteren Kooperationen, die angestrebt werden, konnte der Vorstand aus Wettbewerbsgründen keine Aussage treffen. Ebenso verhielt es sich bei der Frage nach den bevorstehenden Produktneuheiten.

Ein Aktionär wollte wissen, ob es Überlegungen betreffend die Expansion in weitere Geschäftsfelder gibt. Dies ist Herrn Jackermeier zufolge derzeit nicht der Fall. Zunächst einmal sollen die Aktivitäten noch stärker auf das Thema Simracing fokussiert werden, welches das größte Wachstumspotenzial eröffnet. Insgesamt soll der Wachstumskurs fortgesetzt werden. Mit der Corona-Krise hat sich der Aufwärtstrend noch verstärkt. Der Vorstand blickt sehr optimistisch in die Zukunft.


Abstimmungen

Vor Eintritt in die Abstimmungen verkündete Herr Potthoff die Präsenz. Der Stimmrechtsvertreter vertrat 230.855 Aktien. Bezogen auf das gesamte Grundkapital von 1.937.198 Euro, eingeteilt in ebenso viele Aktien, entsprach dies einer Quote von 7,59 Prozent. Weitere 990.758 Aktien waren im Wege der Briefwahl vertreten. Insgesamt ergab sich somit eine Präsenz von 63,03 Prozent.

Alle Beschlüsse wurden mit Zustimmungsquoten über 98 Prozent gefasst. Lediglich bei TOP 7 war es bei knapp 60.000 Gegenstimmen und somit einer Quote von 95 Prozent etwas weniger.

Im Einzelnen beschloss die Hauptversammlung über die Einstellung des Bilanzgewinns in die Rücklagen (TOP 2), die Entlastung von Vorstand (TOP 3) und Aufsichtsrat (TOP 4), die Wahl der Ebner Stolz Mönning Bachem Wirtschaftsprüfer Steuerberater Rechtsanwälte Partnerschaft mbH zum Abschlussprüfer (TOP 5), die Nachwahl von Rechtsanwalt Thomas Mayrhofer in den Aufsichtsrat (TOP 6), die Schaffung eines neuen genehmigten Kapitals (TOP 7), die Anpassung der Vergütung des Aufsichtsrats (TOP 8), die Anpassung der Satzung an das ARUG II (TOP 9) sowie weitere Satzungsänderungen (TOP 10).

Um 13:25 Uhr schloss der Vorsitzende die Versammlung.


Fazit

Dass sich das Geschäftsjahr 2019 positiv für die ENDOR AG entwickeln wird, war bei der letzten Hauptversammlung im Juni 2019 schon abzusehen. Tatsächlich wurde das aus damaliger Sicht hochgesteckte Umsatzziel von 30 Mio. Euro sogar noch deutlich übertroffen. Das Ergebnis ging ebenfalls weit stärker nach oben, als dies abzusehen war. Im Konzern wurde der Jahresüberschuss auf 4,2 Mio. Euro mehr als vervierfacht. Dies bedeutet ein Ergebnis je Aktie von 2,19 Euro. Damit ist klar, dass die Aktie vor eineinhalb Jahren mit knapp 15 Euro sehr günstig bewertet war.

Im Geschäftsjahr 2020 setzt sich die beeindruckende Entwicklung fort. Die Pandemie hat dem Geschäft nicht geschadet. Im Gegenteil förderten die Ausgangsbeschränkungen die Spielfreude der Konsumenten und erhöhen die Bereitschaft, in neues Equipment zu investieren. In den ersten neun Monaten 2020 stieg der Umsatz ausgehend von dem schon hohen Vorjahresniveau erneut um 131 Prozent auf 61 Mio. Euro. Auch das Gesamtjahr 2020 wird mit einem erheblichen Umsatz- und Ergebnisplus abgeschlossen werden.

Es sieht alles danach aus, als ob der positive Trend in den kommenden Jahren anhalten würde. Der Vorstand berichtete von einer ganzen Reihe neuer Produkte und Projekte, die sich in Vorbereitung befinden. Zudem wird die Marke „Fanatec“ immer bekannter und es werden regelmäßig neue Kooperationen und Lizenzen vereinbart, um das Geschäft noch ausweiten zu können. Derzeit profitiert ENDOR insbesondere vom Boom des E-Sport-Segments. Zudem gewinnt der Simracing-Bereich immer mehr Fans. Die Corona-Krise hat diesen Trend noch verstärkt.

An der Börse kommen diese Perspektiven gut an. Nachdem sich die Aktie bereits im Jahr 2019 sehr positiv entwickelt hatte, kam es ab Mai 2020 mit den erkennbar positiven Auswirkungen durch die Corona-Krise zu einer regelrechten Kursexplosion. In der Spitze ging es bis auf 150 Euro nach oben, was ausgehend vom Kursniveau bei der letztjährigen Hauptversammlung eine Verzehnfachung bedeutet. Aktuell notiert die Aktie bei 120 Euro, was eine Marktkapitalisierung von 232 Mio. Euro bedeutet.

Das klingt zunächst viel. Jedoch ist zu beachten, dass das Unternehmen derzeit in eine völlig neue Dimension wächst. Zudem ist das Geschäft enorm profitabel und mit dem weiteren Wachstum und dem zunehmenden Anteil der High-End-Produkte wird sich die Marge noch weiter erhöhen. Es ist auch positiv zu werten, dass die Aktie bei institutionellen Investoren auf immer mehr Interesse stößt. Spekulativ ist die Aktie trotz der bereits hervorragenden Performance der letzten Monate weiterhin als interessant einzustufen.


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